Sartana (1966)
Originaltitel: Mille dollari sul nero
Herstellungsland: Italien, Deutschland
Erscheinungsjahr: 1966
Darsteller: Anthony Steffen, Gianni Garko, Erika Blanc, Franco Fantasia, Sieghardt Rupp, Angelica Ott, Daniela Igliozzi, Roberto Miali
Regie: Alberto Cardone
Der Italowestern "Sartana" von Alberto Cardone zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er eine besonders düstere Handlung aufweist, in der Gewalt, Verrat, Gier und eine seltsam schwebende Todesahnung zu einer sehr eigenen Atmosphäre verschmelzen, die den Film deutlich von vielen konventionelleren Genrebeiträgen abhebt. Besonders auffällig ist, dass der Film nicht einfach nur eine Abfolge von Schießereien und Rachemotiven bietet, sondern seine Welt wie ein feindseliges, moralisch verrottetes Universum inszeniert. Kaum jemand ist unschuldig in jener Welt, fast jede Figur besitzt etwas Doppelbödiges, was dem Film eine fast schon unheimliche Intensität verleiht. Gianni Garko verkörpert die Titelfigur Sartana zu einer geheimnisvollen, beinahe überirdisch wirkenden Erscheinung. Das kombiniert mit einer kalten Gelassenheit, schwarzem Humor und einer hitzigen unmenschlichen Art. Sartana erscheint weniger wie ein gewöhnlicher Mensch als vielmehr wie ein unaufhaltsamer Bote des Todes. Anthony Steffen bringt dem Film zugleich eine andere eher schwermütigere Energie mit rein, seine Leinwandpräsenz ist von stiller Härte aber auch Menschlichkeit geprägt. Das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller gibt dem Film eine besondere Spannung. Hier treffen zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander. Für mich ist der Film ein kleines Meisterwerk, weil er mit vergleichsweise einfachen Mitteln eine erstaunlich starke stilistische Wirkung erreicht. Auch durch seine konzentrierte Inszenierung, seine markanten Bildkompositionen, seine düstere Farb- und Lichtgestaltung und den Eindruck, dass in jeder Szene Gefahr, Tod, Verrat und Täuschung in der Luft liegen, wodurch eine fast hypnotische Wirkung entsteht. Hinzu kommt, dass der Film eine Form von Coolness besitzt, die nicht oberflächlich oder selbstgefällig wirkt, sondern aus dem präzisen Timing, der kontrollierten Spannung und der eigentümlichen Mischung aus absoluter Härte, eine Form von gewisser Eleganz und morbidem Humor entsteht. "Sartana" hat innerhalb seines Genres eine besonders geschlossene, stilbewusste und atmosphärisch dichte Form gefunden, in der Figur, Bildsprache, Musik, Gewalt und Mythos so stimmig zusammenwirken, dass der Film weit über bloße Genrekost hinauswächst. Neben den beiden exzellenten Hauptdarstellern Anthony Steffen und Gianni Garko, sind die starken Nebenrollen ein ganz wesentlicher Grund dafür, warum "Sartana" so eindrucksvoll wirkt. Der Film lebt nicht nur von beiden ersteren, sondern auch von einem Ensemble aus markanten Gesichtern, klar gezeichneten Gegenspielern und moralisch schillernden Randfiguren, die der Handlung Gewicht, Farbe und Spannung geben und dafür sorgen, dass die Welt des Films dicht, gefährlich und glaubwürdig erscheint. Gerade im Italowestern sind Nebenfiguren oft mehr als bloßes Beiwerk, weil sie das Milieu erst mit Leben füllen und in diesem Film ist das besonders stark zu erkennen. Nahezu jede wichtige Nebenrolle bringt eine eigene Aura mit, sei es durch Verschlagenheit, Brutalität, Habgier, Angst oder kalter Berechnung. Bei vielen Figuren hat man sofort das Gefühl hat, dass sie in dieser harten Welt gelernt haben, nur durch Misstrauen, Angst und Anpassung oder Falschheit und Verrat zu überleben. Die Figuren sind einerseits klar konturiert und einprägsam, andererseits aber nie völlig leer oder austauschbar. Die guten Nebendarsteller verleihen dem Film außerdem genau jene dichte Genre Atmosphäre, die viele Fans am Italowestern lieben. Ihre Gesichter, ihre Gesten und ihre oft harsche, knappe Präsenz erzeugen eine Welt, in der man Staub, Schweiß, Todesangst und Verrat fast körperlich spüren kann. Darum kann man sagen, dass die starken Nebenrollen den Film nicht nur ergänzen, sondern entscheidend mittragen, weil sie aus der Geschichte ein Ensemblestück voller Spannung und Charakter machen, in dem nicht nur der Held Eindruck hinterlässt, sondern nahezu jede wichtige Figur dazu beiträgt, dass der Film bis heute als Klassiker des Genres gilt. Die Mutter der beiden Brüder ist eine wichtige Figur, weil sie dem Film etwas gibt, das über reine Coolness, Gewalt und Intrige hinausgeht, nämlich ein Gefühl von Familie, Herkunft und persönlicher Tragik und gerade dadurch wirkt die Geschichte nicht nur wie ein Spiel um Geld und Tod, sondern auch wie ein Drama, in dem Schuld, Bindung und verletzte Loyalität eine große Rolle spielen. Hinter den harten Männern, den Waffen und den Machtkämpfen stehen noch familiäre Beziehungen, die zwar nicht stark genug sind, um die Gewalt zu verhindern, aber doch stark genug sind, um dem Ganzen emotionales Gewicht zu verleihen. Die beiden Brüder sind nicht einfach nur Rivalen oder Teil eines verbrecherischen Spiels, sondern Söhne und Brüder einer Familie und dadurch bekommt ihr Konflikt etwas Bitteres und gibt dem Film zusätzliche Tiefe. Man kann also sagen, dass die Mutter der beiden Brüder dem Film eine tragische menschliche Dimension verleiht, weil sie sichtbar macht, dass die Gewalt nicht nur zwischen Gegnern stattfindet, sondern auch Familien zerstört und genau dadurch wird die schon extrem düstere Welt des Films noch glaubwürdiger und beklemmender. Oder mann nehme den Richter, der wirkt zu Anfang im Film vor allem als Symbol für eine Ordnung, die nach außen hin offiziell und respektabel erscheint, innerlich aber längst von Macht, Angst und Eigeninteressen durchdrungen ist. Gerade dadurch ist der Richter mehr als nur eine Nebenfigur: Er zeigt, dass Korruption und moralische Fäulnis nicht nur bei Banditen oder Kopfgeldjägern zu finden sind, sondern auch in den scheinbar legitimen Institutionen. Seine Rolle ist deshalb interessant, weil ein Richter eigentlich für Gerechtigkeit, Gesetz und Neutralität stehen sollte, aber genau diese Autorität wird im Laufe des Films fragwürdig. Man spürt, dass Titel und Amt nicht automatisch Würde oder Ehrlichkeit bedeuten. Außerdem hilft der Richter dabei, die Welt von Sartana gefährlicher zu machen, weil er zeigt, dass die Bedrohung nicht nur offen und bewaffnet auftritt, sondern auch geschniegelt, gebildet und gesellschaftlich anerkannt sein kann. Das macht die Handlung reizvoller, weil sich das Böse nicht klar von der Ordnung trennen lässt. Im Kontrast zu Sartana funktioniert der Richter ebenfalls gut, während Sartana außerhalb des Gesetzes agiert, aber oft klarer, konsequenter und fast "gerechter" wirkt, steht der Richter für ein Gesetz, das seinen moralischen Kern verloren hat. Gerade dieser Gegensatz verleiht der Figur Gewicht. Der Richter verkörpert die korrumpierte Seite der offiziellen Ordnung und verstärkt damit die düstere, zynische Atmosphäre des Films. Die Inszenierung ist stilisiert und kontrolliert, der Film lebt nicht nur von seiner Handlung, sondern sehr stark von Wirkung: von Blicken, Posen, überraschenden Wendungen und der Art, wie Figuren in Szene gesetzt werden. Allen voran durch das u.a. großartige Schauspiel von Gianni Garko. Typisch für Sartana ist die fast theatrale Coolness der Inszenierung. Viele Momente wirken absichtlich etwas überhöht, dadurch entsteht ein eigener Ton, der nicht ganz realistisch, sondern bewusst kunstvoll und manchmal beinahe comichaft wirkt, ohne die düstere Grundstimmung zu verlieren. Auch die Bildsprache spielt dabei eine große Rolle. Einstellungen, Räume und Gruppenkompositionen sind oft so angelegt, dass Machtverhältnisse sofort lesbar werden. Die Inszenierung lebt außerdem stark vom Rhythmus der Enthüllung. Statt einfach geradeaus erzählt zu werden, baut der Film Spannung oft darüber auf, dass nicht sofort alles klar ist. Wer betrügt wen? Wer verfolgt welchen Plan? Wie entwickeln sich die familiären Beziehungen der beiden Brüder auch im Bezug zur Mutter? Diese Struktur passt gut zur cleveren, leicht labyrinthartigen Machart des Films. Die Musik in "Sartana" ist absolut fantastisch. Sie ist sehr prägend für die Wirkung des Films. Typisch ist, dass die Musik nicht nur begleitet, sondern die Inszenierung aktiv mitformt. Sie macht Auftritte größer, Duelle bedeutungsvoller und Spannungsmomente raffinierter. Dadurch wirkt Sartana oft weniger wie ein einfacher Revolverheld und mehr wie eine fast mythische, kalkulierende Erscheinung mit einer fast kühlen, kunstvollen und leicht ungreifbaren Aura. Mutter der Brüder, Richter, Frau von Richter, Frau von Sartana, der Stumme, rechte Hand von Sartana und der Händler sind alles faszinierende Charaktere im Film. Alberto Cardone hat mit seinem Werk "Sartana" wahrlich Großartiges geleistet, für mich ist "Sartana" ebenfalls ein kleines Meisterwerk. Von mir gibt es 9/10