SARTANA - Alberto Cardone

Staubige Dörfer, schweigsame Pistoleros und glühende Colts.
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doobee
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SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von doobee »

Sartana
1000 dollari sul nero
Italien / Deutschland 1966
Regie: Alberto Cardone
Anthony Steffen, Gianni Garko, Erica Blanc, Sieghardt Rupp, Carlos D'Angelo

Nach 12 Jahren Knast kehrt Johnny Liston (Anthony Steffen) nach Hause zurück. Nicht nur die wegen eines angehängten Mordes unschuldig hinter Gittern verbrachte Zeit sorgt dafür, dass Johnny ziemlich angefressen ist. Auch die Tatsache, dass sein Bruder Sartana (Gianni Garko) zwischenzeitlich seine damalige Freundin Manuela (Angelica Ott) geehelicht hat, trägt nicht zur Aufhellung der Laune bei. Der nahe am Wahnsinn gebaute Sartana hat's inzwischen zum „General“ gebracht, der sein Hauptquartier in einem alten Aztekentempel aufgeschlagen hat und mit seinem Mob die Gegend terrorisiert. Von den braven Bürgern erpresst er Schutzgelder, mit denen er nicht nur seinen eigenen Lebensstil finanziert, sondern auch den seiner Mutter (Carla Calò), einem ehemaligen Dienstmädchen, das nun als „First Lady“ mit jeder Menge Zaster und Brandy residiert. Sie ist denn auch nicht glücklich, als Johnny sich gegen seinen Bruder stellt und beginnt, die tyrannisierten Einwohner der umliegenden Ortschaften gegen Sartana aufzuwiegeln. Zusammen mit dem von Sartana gepeinigten Jerry (Roberto Miali), dem Bruder Manuelas, der die Sprache verloren hatte nachdem er als Junge die Vergewaltigung seiner Schwester durch Sartana hatte mitansehen müssen, nimmt er den Kampf gegen seinen verrückten Bruder auf. Doch Sartana hat im schmierigen Richter Waldorf (Carlos D'Angelo), der Johnny wider besseren Wissens das Gefängnis eingebrockt hatte, einen einflussreichen Verbündeten.

Diese rauhe und dreckige Kain und Abel-Adaption hat es wirklich in sich. Johnny, der zurückkommt und erleben muss dass sein Bruder Sartana zum soziopathischen, sadistischen Monster mutiert und seine Mutter zur gefühlskalten, verbitterten und rachsüchtigen Hexe verkommen ist, das ist schon tragisch. Seine Familie, wie er sie gekannt und geliebt hat, existiert nicht mehr. Johnny sieht schliesslich keine andere Möglichkeit mehr als seinen Bruder ins Jenseits zu befördern, um die Stadt von der Tryrannei zu befreien. Auge um Auge, Zahn um Zahn…..Bis es so weit ist können wir eine Flut von gut inszenierten Prügeleien und Shootouts bewundern.

Die beiden Hauptdarsteller Anthony Steffen und Gianni Garko machen ihre Sache sehr gut. Viele werfen Steffen ja vor dass er die Ausstrahlungskraft eines Zombies gehabt habe. Ich finde dies gar nicht, denn seine minimalistische Gestik und Mimik und seine Schweigsamkeit sind doch geradezu die Markenzeichen des typischen, einsamen, staubigen Italo-Gunslingers. Gianni Garko verkörpert hier zum ersten Mal die Rolle des Sartana. Doch aufgepasst, dieser hier hat nichts zu tun mit dem aalglatten, sprücheklopfenden Namensvetter der späteren Sartana-Reihe. Dieser hier ist ein Unmensch der foltert und mordet wie es ihm gerade in den Kram passt. Garko gelingt es perfekt, diesen kaputten Charakter glaubwürdig rüberzubringen. Fast könnte man meinen, er habe bei Klaus Kinski Unterricht genommen….Da es sich um eine italienisch-deutsche Coproduktion handelt dürfen natürlich auch ein paar deutsche Schauspieler nicht fehlen. Da wäre z.B. „Mr. Pumpernickel“ Chris Howland, der den Krämer William spielt und gottseidank nicht allzu oft zu sehen ist. Oder Sieghardt Rupp in der Rolle von Ralph, der rechten Hand von Sartana, der eine Arschloch-Performance par Excellence abliefern darf. Seine Prügelei mit Jerry gehört zum Feinsten, was ich je in einem Italowestern gesehen habe. Der Score von Michele Lacerenza ist eine Ohrenweide, klagende Trompeten und galoppierende Gitarren schaffen einen typischen, klassischen Italowestern-Sound der das Gezeigte prächtig untermalt.

Fazit: ein absolutes Genre-Highlight und in den Top Ten meiner ewigen IW-Bestenliste. 8/10
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Richie Pistilli
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von Richie Pistilli »

Indizierungsbeschluss vom 05.05.1986:
https://www.schnittberichte.com/resourc ... te_com.pdf

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Anti-Hero
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von Anti-Hero »

Super Film, erdig, hart und mit einem überragenden Gianni Garko. Gehört zu meinen Lieblingen.
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Sid Vicious
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von Sid Vicious »

In der Tat ein sehr geiler Film. Garko ist großartig.
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Dschallogucker
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von Dschallogucker »

Dann kauft euch die Blu. Western sind ja leider nichts für mich

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Richie Pistilli
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von Richie Pistilli »

Bin auf die BD aus dem Hause SK schon schwer gespannt. :)

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Sid Vicious
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von Sid Vicious »

Dschallogucker hat geschrieben:
Sa., 04.01.2025 22:18
Dann kauft euch die Blu. Western sind ja leider nichts für mich
Nö, ich gebe für diese unnötige Pixelkorrektur nicht einen Cent aus. Ich bin mit meiner DVD zufrieden und kann auch auf das begleitende Geschwurbel verzichten. Obwohl der ja in der Lisa-Kollektion kommt und da sind die Mehrwert-Lieferanten ja nicht aktiv.
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Anti-Hero
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von Anti-Hero »

Mir reicht da auch die Koch.
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Richie Pistilli
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von Richie Pistilli »

Schnittbericht: deutsche Kinofassung - Originalfassung
https://www.schnittberichte.com/schnitt ... ?ID=687129

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alex_wintermute
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von alex_wintermute »

Sartana (1966)

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Originaltitel: Mille dollari sul nero
Herstellungsland: Italien, Deutschland
Erscheinungsjahr: 1966
Darsteller: Anthony Steffen, Gianni Garko, Erika Blanc, Franco Fantasia, Sieghardt Rupp, Angelica Ott, Daniela Igliozzi, Roberto Miali
Regie: Alberto Cardone

Der Italowestern "Sartana" von Alberto Cardone zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er eine besonders düstere Handlung aufweist, in der Gewalt, Verrat, Gier und eine seltsam schwebende Todesahnung zu einer sehr eigenen Atmosphäre verschmelzen, die den Film deutlich von vielen konventionelleren Genrebeiträgen abhebt. Besonders auffällig ist, dass der Film nicht einfach nur eine Abfolge von Schießereien und Rachemotiven bietet, sondern seine Welt wie ein feindseliges, moralisch verrottetes Universum inszeniert. Kaum jemand ist unschuldig in jener Welt, fast jede Figur besitzt etwas Doppelbödiges, was dem Film eine fast schon unheimliche Intensität verleiht. Gianni Garko verkörpert die Titelfigur Sartana zu einer geheimnisvollen, beinahe überirdisch wirkenden Erscheinung. Das kombiniert mit einer kalten Gelassenheit, schwarzem Humor und einer hitzigen unmenschlichen Art. Sartana erscheint weniger wie ein gewöhnlicher Mensch als vielmehr wie ein unaufhaltsamer Bote des Todes. Anthony Steffen bringt dem Film zugleich eine andere eher schwermütigere Energie mit rein, seine Leinwandpräsenz ist von stiller Härte aber auch Menschlichkeit geprägt. Das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller gibt dem Film eine besondere Spannung. Hier treffen zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander. Für mich ist der Film ein kleines Meisterwerk, weil er mit vergleichsweise einfachen Mitteln eine erstaunlich starke stilistische Wirkung erreicht. Auch durch seine konzentrierte Inszenierung, seine markanten Bildkompositionen, seine düstere Farb- und Lichtgestaltung und den Eindruck, dass in jeder Szene Gefahr, Tod, Verrat und Täuschung in der Luft liegen, wodurch eine fast hypnotische Wirkung entsteht. Hinzu kommt, dass der Film eine Form von Coolness besitzt, die nicht oberflächlich oder selbstgefällig wirkt, sondern aus dem präzisen Timing, der kontrollierten Spannung und der eigentümlichen Mischung aus absoluter Härte, eine Form von gewisser Eleganz und morbidem Humor entsteht. "Sartana" hat innerhalb seines Genres eine besonders geschlossene, stilbewusste und atmosphärisch dichte Form gefunden, in der Figur, Bildsprache, Musik, Gewalt und Mythos so stimmig zusammenwirken, dass der Film weit über bloße Genrekost hinauswächst. Neben den beiden exzellenten Hauptdarstellern Anthony Steffen und Gianni Garko, sind die starken Nebenrollen ein ganz wesentlicher Grund dafür, warum "Sartana" so eindrucksvoll wirkt. Der Film lebt nicht nur von beiden ersteren, sondern auch von einem Ensemble aus markanten Gesichtern, klar gezeichneten Gegenspielern und moralisch schillernden Randfiguren, die der Handlung Gewicht, Farbe und Spannung geben und dafür sorgen, dass die Welt des Films dicht, gefährlich und glaubwürdig erscheint. Gerade im Italowestern sind Nebenfiguren oft mehr als bloßes Beiwerk, weil sie das Milieu erst mit Leben füllen und in diesem Film ist das besonders stark zu erkennen. Nahezu jede wichtige Nebenrolle bringt eine eigene Aura mit, sei es durch Verschlagenheit, Brutalität, Habgier, Angst oder kalter Berechnung. Bei vielen Figuren hat man sofort das Gefühl hat, dass sie in dieser harten Welt gelernt haben, nur durch Misstrauen, Angst und Anpassung oder Falschheit und Verrat zu überleben. Die Figuren sind einerseits klar konturiert und einprägsam, andererseits aber nie völlig leer oder austauschbar. Die guten Nebendarsteller verleihen dem Film außerdem genau jene dichte Genre Atmosphäre, die viele Fans am Italowestern lieben. Ihre Gesichter, ihre Gesten und ihre oft harsche, knappe Präsenz erzeugen eine Welt, in der man Staub, Schweiß, Todesangst und Verrat fast körperlich spüren kann. Darum kann man sagen, dass die starken Nebenrollen den Film nicht nur ergänzen, sondern entscheidend mittragen, weil sie aus der Geschichte ein Ensemblestück voller Spannung und Charakter machen, in dem nicht nur der Held Eindruck hinterlässt, sondern nahezu jede wichtige Figur dazu beiträgt, dass der Film bis heute als Klassiker des Genres gilt. Die Mutter der beiden Brüder ist eine wichtige Figur, weil sie dem Film etwas gibt, das über reine Coolness, Gewalt und Intrige hinausgeht, nämlich ein Gefühl von Familie, Herkunft und persönlicher Tragik und gerade dadurch wirkt die Geschichte nicht nur wie ein Spiel um Geld und Tod, sondern auch wie ein Drama, in dem Schuld, Bindung und verletzte Loyalität eine große Rolle spielen. Hinter den harten Männern, den Waffen und den Machtkämpfen stehen noch familiäre Beziehungen, die zwar nicht stark genug sind, um die Gewalt zu verhindern, aber doch stark genug sind, um dem Ganzen emotionales Gewicht zu verleihen. Die beiden Brüder sind nicht einfach nur Rivalen oder Teil eines verbrecherischen Spiels, sondern Söhne und Brüder einer Familie und dadurch bekommt ihr Konflikt etwas Bitteres und gibt dem Film zusätzliche Tiefe. Man kann also sagen, dass die Mutter der beiden Brüder dem Film eine tragische menschliche Dimension verleiht, weil sie sichtbar macht, dass die Gewalt nicht nur zwischen Gegnern stattfindet, sondern auch Familien zerstört und genau dadurch wird die schon extrem düstere Welt des Films noch glaubwürdiger und beklemmender. Oder mann nehme den Richter, der wirkt zu Anfang im Film vor allem als Symbol für eine Ordnung, die nach außen hin offiziell und respektabel erscheint, innerlich aber längst von Macht, Angst und Eigeninteressen durchdrungen ist. Gerade dadurch ist der Richter mehr als nur eine Nebenfigur: Er zeigt, dass Korruption und moralische Fäulnis nicht nur bei Banditen oder Kopfgeldjägern zu finden sind, sondern auch in den scheinbar legitimen Institutionen. Seine Rolle ist deshalb interessant, weil ein Richter eigentlich für Gerechtigkeit, Gesetz und Neutralität stehen sollte, aber genau diese Autorität wird im Laufe des Films fragwürdig. Man spürt, dass Titel und Amt nicht automatisch Würde oder Ehrlichkeit bedeuten. Außerdem hilft der Richter dabei, die Welt von Sartana gefährlicher zu machen, weil er zeigt, dass die Bedrohung nicht nur offen und bewaffnet auftritt, sondern auch geschniegelt, gebildet und gesellschaftlich anerkannt sein kann. Das macht die Handlung reizvoller, weil sich das Böse nicht klar von der Ordnung trennen lässt. Im Kontrast zu Sartana funktioniert der Richter ebenfalls gut, während Sartana außerhalb des Gesetzes agiert, aber oft klarer, konsequenter und fast "gerechter" wirkt, steht der Richter für ein Gesetz, das seinen moralischen Kern verloren hat. Gerade dieser Gegensatz verleiht der Figur Gewicht. Der Richter verkörpert die korrumpierte Seite der offiziellen Ordnung und verstärkt damit die düstere, zynische Atmosphäre des Films. Die Inszenierung ist stilisiert und kontrolliert, der Film lebt nicht nur von seiner Handlung, sondern sehr stark von Wirkung: von Blicken, Posen, überraschenden Wendungen und der Art, wie Figuren in Szene gesetzt werden. Allen voran durch das u.a. großartige Schauspiel von Gianni Garko. Typisch für Sartana ist die fast theatrale Coolness der Inszenierung. Viele Momente wirken absichtlich etwas überhöht, dadurch entsteht ein eigener Ton, der nicht ganz realistisch, sondern bewusst kunstvoll und manchmal beinahe comichaft wirkt, ohne die düstere Grundstimmung zu verlieren. Auch die Bildsprache spielt dabei eine große Rolle. Einstellungen, Räume und Gruppenkompositionen sind oft so angelegt, dass Machtverhältnisse sofort lesbar werden. Die Inszenierung lebt außerdem stark vom Rhythmus der Enthüllung. Statt einfach geradeaus erzählt zu werden, baut der Film Spannung oft darüber auf, dass nicht sofort alles klar ist. Wer betrügt wen? Wer verfolgt welchen Plan? Wie entwickeln sich die familiären Beziehungen der beiden Brüder auch im Bezug zur Mutter? Diese Struktur passt gut zur cleveren, leicht labyrinthartigen Machart des Films. Die Musik in "Sartana" ist absolut fantastisch. Sie ist sehr prägend für die Wirkung des Films. Typisch ist, dass die Musik nicht nur begleitet, sondern die Inszenierung aktiv mitformt. Sie macht Auftritte größer, Duelle bedeutungsvoller und Spannungsmomente raffinierter. Dadurch wirkt Sartana oft weniger wie ein einfacher Revolverheld und mehr wie eine fast mythische, kalkulierende Erscheinung mit einer fast kühlen, kunstvollen und leicht ungreifbaren Aura. Mutter der Brüder, Richter, Frau von Richter, Frau von Sartana, der Stumme, rechte Hand von Sartana und der Händler sind alles faszinierende Charaktere im Film. Alberto Cardone hat mit seinem Werk "Sartana" wahrlich Großartiges geleistet, für mich ist "Sartana" ebenfalls ein kleines Meisterwerk. Von mir gibt es 9/10

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Richie Pistilli
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von Richie Pistilli »

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Sartana (D)
Sartana - Tausend Dollar Auf Schwarz (D)
Sartana - Zwei ungleiche Brüder in erbittertem Kampf (D)
1000 dollari sul nero (IT)
Sartana: Sangue e la penna (IT)
Les colts de la violence (F)
1000 dólares al negro (ES)
Baño de sangre al salir del sol (ES)
El látigo del Diablo (ARG)
Johnny Texas (BRA)
$1,000 on the Black
Blood at Sundown
One Thousand Dollars on the Black



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Deutsche Erstaufführung: 28. Juli 1967

Synchronkartei

Filmportal

Italo-Cinema

Nischenkino

Score: Michele Lacerenza

OFDb



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Nachdem er über 10 Jahre unschuldig im Gefängnis saß, kehrt Johnny (Anthony Steffen) nach Hause und muss feststellen, dass sein kleiner Bruder Sartana (Gianni Garko) mittlerweile Anführer einer Bande ist, die rücksichtslos und brutal die gesamte Gegend terrorisiert. Auch seine einst große Liebe Manuela (Daniela Igliozzi) hat er an seinen Bruder verloren und sieht sich mit der Ablehnung des ganzen Ortes konfrontiert. Als die Grausamkeiten immer mehr werden, beschließt Johnny, sich seinem Bruder und dessen psychopathischer Horde in den Weg zu stellen.
(Quelle: Subkultur-Entertainment)


alex_wintermute hat geschrieben:
Di., 26.05.2026 20:18
Der Italowestern "Sartana" von Alberto Cardone zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er eine besonders düstere Handlung aufweist, in der Gewalt, Verrat, Gier und eine seltsam schwebende Todesahnung zu einer sehr eigenen Atmosphäre verschmelzen, die den Film deutlich von vielen konventionelleren Genrebeiträgen abhebt. Besonders auffällig ist, dass der Film nicht einfach nur eine Abfolge von Schießereien und Rachemotiven bietet, sondern seine Welt wie ein feindseliges, moralisch verrottetes Universum inszeniert. Kaum jemand ist unschuldig in jener Welt, fast jede Figur besitzt etwas Doppelbödiges, was dem Film eine fast schon unheimliche Intensität verleiht. Gianni Garko verkörpert die Titelfigur Sartana zu einer geheimnisvollen, beinahe überirdisch wirkenden Erscheinung. Das kombiniert mit einer kalten Gelassenheit, schwarzem Humor und einer hitzigen unmenschlichen Art. Sartana erscheint weniger wie ein gewöhnlicher Mensch als vielmehr wie ein unaufhaltsamer Bote des Todes. Anthony Steffen bringt dem Film zugleich eine andere eher schwermütigere Energie mit rein, seine Leinwandpräsenz ist von stiller Härte aber auch Menschlichkeit geprägt. Das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller gibt dem Film eine besondere Spannung. (...) Alberto Cardone hat mit seinem Werk "Sartana" wahrlich Großartiges geleistet, für mich ist "Sartana" ebenfalls ein kleines Meisterwerk.


Alberto Cardones eingedeutschter SARTANA steht auch in meiner Gunst ganz weit oben. Bei diesem bitterernsten Film passt meines Erachtens fast alles. Gianni Garko spielt sich in diesem düsteren Familiendrama sprichwörtlich die Seele aus dem Leib, denn er gibt den ganzen Handlungsverlauf über mächtig Vollgas - und zwar in bester Kinski-Manier. Er mimt dabei einen menschenverachtenden Bösewicht, dessen verachtenswertes Handeln letztlich purer Faschismus ist. Im Kontrast dazu steht der minimalistische Schauspielstil von Anthony Steffen, der in der Rolle des ungleichen Bruders ebenfalls voll und ganz überzeugt. Das einzige Bindeglied zwischen den beiden ungleichartigen Brüdern stellt deren Mutter dar, die sich aber dazu entschieden hat, das menschenfeindliche Treiben Garkos schönzureden. Letztlich ist es Alberto Cardone gelungen, einen durch und durch bitteren Italo-Western zu inszenieren, der stark emotionalisiert und durchweg authetisch wirkt. Eine energische Inszenierung, die ein stimmiges Gesamtbild hinterlässt. Sogar Chris Howland, dessen Rolle als Comic Relief dienen soll, fällt so gut wie gar nicht ins Gewicht. Abgerundet wird das todernste Westernspektakel mit einer ausgezeichneten Filmmusik des Morricone-Trompeters Michele Lacerenza. Was bleibt, ist ein intensives Filmerlebnis, das mich jedes Mal wieder aufs Neue begeistert.


Fazit: "Ja, so muss ein Cowboy sein. Dreckig, feige und gemein..."



Info zur deutschen Zensurgeschichte:

"Die deutsche Version wurde wegen Gewalt um über 10 Minuten gekürzt, um eine FSK-18-Bewertung zu erhalten. Trotz der Zensur hinderte das die BPjM nicht daran, diesen Film auf die Indexliste zu setzen, was zu verschiedenen Verkaufs- und Werbebeschränkungen führte. Obwohl die ungekürzte Version bereits 2011 von der BPjM-Indexliste gestrichen wurde, erhielt sie erst im Dezember 2024 eine FSK-16-Bewertung, nachdem der aktuelle deutsche Rechteinhaber Subkultur Entertainment diesen Film erneut für eine neue Bewertung bei der FSK eingereicht hatte." (Quelle)


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Filmplakate:
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alex_wintermute
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von alex_wintermute »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Do., 28.05.2026 20:55
Alberto Cardones eingedeutschter SARTANA steht auch in meiner Gunst ganz weit oben. Bei diesem bitterernsten Film passt meines Erachtens fast alles. Gianni Garko spielt sich in diesem düsteren Familiendrama sprichwörtlich die Seele aus dem Leib, denn er gibt den ganzen Handlungsverlauf über mächtig Vollgas - und zwar in bester Kinski-Manier. Er mimt dabei einen menschenverachtenden Bösewicht, dessen verachtenswertes Handeln letztlich purer Faschismus ist. Im Kontrast dazu steht der minimalistische Schauspielstil von Anthony Steffen, der in der Rolle des ungleichen Bruders ebenfalls voll und ganz überzeugt. Das einzige Bindeglied zwischen den beiden ungleichartigen Brüdern stellt deren Mutter dar, die sich aber dazu entschieden hat, das menschenfeindliche Treiben Garkos schönzureden. Letztlich ist es Alberto Cardone gelungen, einen durch und durch bitteren Italo-Western zu inszenieren, der stark emotionalisiert und durchweg authetisch wirkt. Eine energische Inszenierung, die ein stimmiges Gesamtbild hinterlässt. Sogar Chris Howland, dessen Rolle als Comic Relief dienen soll, fällt so gut wie gar nicht ins Gewicht. Abgerundet wird das todernste Westernspektakel mit einer ausgezeichneten Filmmusik des Morricone-Trompeters Michele Lacerenza. Was bleibt, ist ein intensives Filmerlebnis, das mich jedes Mal wieder aufs Neue begeistert.

Faszinierend sind auch die einfachen Bürger in "Sartana", sie wirken ambivalent und opportunistisch. Am Anfang beharren sie noch auf Recht, Ordnung und Gesetz und tun nichts. Am Ende kippt das aber: Als die Lage eskaliert, greifen viele der einfachen Bürger selbst zu den Waffen und schießen alles nieder was sich aus Sartanas Gruppe bewegt, schrecken vor Blut und Gewalt nicht zurück und sehen sich selbst als Hüter von Recht und Ordnung. Auf psychologischer Ebene verkörpert das auch eine gewisse Doppelbödigkeit. Cardones Werk zeigt ein ziemlich pessimistisches Bild der "einfachen Bürger": Sie erscheinen nicht als stabile moralische Instanz, sondern als Masse, die unter Druck schnell von Rechtstreue zu Selbstjustiz umschlägt. Das kommt in "Sartana" ebenfalls sehr stark zur Geltung.

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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von alex_wintermute »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Do., 28.05.2026 20:55
Er mimt dabei einen menschenverachtenden Bösewicht, dessen verachtenswertes Handeln letztlich purer Faschismus ist.

Hm... also so weit würde ich jetzt nicht gehen. Eine explizite Assoziation zum Faschismus habe ich jedenfalls nicht im Film oder in der Figur Sartanas gesehen, zu autoritären Strukturen selbstverständlich schon, die müssen aber nicht zwingend faschistisch sein. In meinen Augen geht es doch um die Darstellung von Ordnung, Macht und Moral und um dessen Scheinheiligkeit und Zerbrechlichkeit unter Druck.

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Richie Pistilli
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Re: SARTANA - Alberto Cardone

Beitrag von Richie Pistilli »

alex_wintermute hat geschrieben:
Sa., 30.05.2026 12:28
Hm... also so weit würde ich jetzt nicht gehen. Eine explizite Assoziation zum Faschismus habe ich jedenfalls nicht im Film oder in der Figur Sartanas gesehen, zu autoritären Strukturen selbstverständlich schon, die müssen aber nicht zwingend faschistisch sein. In meinen Augen geht es doch um die Darstellung von Ordnung, Macht und Moral und um dessen Scheinheiligkeit und Zerbrechlichkeit unter Druck.

Gerade im Zusammenspiel mit den von Dir beschriebenen Verhaltensweisen der Bürger, die unter dem Regime Sartanas ihr Dasein fristen müssen, wirkte der Film zumindest auf mich wie eine Parabel auf den Faschismus. Der Eindruck kann natürlich auch täuschen.

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