IN THE FOLDS OF THE FLESH - Sergio Bergonzelli
Verfasst: Do., 19.11.2020 18:51
In the Folds of the Flesh (D)
Nelle pieghe della carne (IT)
Dans les replis de la chair (F)
Las endemoniadas (ES)
In the Folds of the Flesh (UK)
Libido
IT / ES 1970
R: Sergio Bergonzelli
D: Eleonora Rossi Drago, Pier Angeli, Fernando Sancho, Alfredo Mayo, Luciano Catenacci, Víctor Alcázar u.a.
Deutsche DVD Premiere: 06.09.2013 (OmU)
Italo-Cinema.de
Score: Jesús Villa Rojo
OFDb
"Und was passiert ist, bleibt im Gehirn verankert. Eingebettet in die Falten des Fleisches. Verzerrt!
Es beeinflusst und plagt Dich im Unterbewusstsein."
Der von der Polizei gejagte Mörder Pascal Gorriot (Fernando Sancho) wird von dieser mitten in der Nacht auf dem Anwesen des kurz zuvor als vermisst gemeldeten Monsieur André gestellt und in Handschellen abgeführt. Doch kurz zuvor konnte er noch beobachten, wie die hübsche Haushälterin des Anwesens, Lucille (Eleonora Rossi Drago), im Garten vor einer Statur eine Leiche vergrub. Dreizehn Jahre später bewohnt Lucille weiterhin gemeinsam mit ihrem etwas sonderbaren Neffen Colin (Emilio Gutiérrez Caba) und der verwaisten Tochter Falesse (Pier Angeli) das Anwesen des mittlerweile offiziell für tot erklärten Monsieur Andrés. Doch als eines Tages Falesses Cousin Michel (Víctor Alcázar) völlig unerwartet zu Besuch auftaucht, nimmt das Unheil so langsam unaufhaltsam seinen Lauf: Gleich am ersten Abend macht sich dieser ungeniert an seine Cousine heran. Doch als es zu den ersten Körperkontakten kommt, dreht die emotional-instabile Falesse plötzlich total ab. Im Geisteszustand mentaler Unfitness entreist sie einen Säbel von der Wand und erleichtert in ihrer Wahnattacke den unsympathischen Buhler seines gepflegten Hauptes. Die junge Falesse scheint augenscheinlich unter einem schrecklichen Kindheitstrauma zu leiden, dass zu alledem auch noch halluzinatorische Wahnzustände mit sich bringt. Als es dann kurz darauf bei der mental retardierten Falesse zum nächsten mörderischen Hirn-Aussetzer kommt, droht die Situation allmählich zu eskalieren.
Die lästigen Leichen werden von Lucille und dem sadistisch veranlagten Colin ganz alchemisten-like entsorgt, indem sie diese im gut vorgewärmten Säurebad der hauseigenen Seifenfabrik im Rahmen eines langsamen Schonverfahrens auflösen. Doch plötzlich taucht der mittlerweile aus dem Gefängnis frei gelassene Mörder Pascal Gorriot wieder am Tatort seiner damaligen Verhaftung auf und nimmt die drei hilflosen Damen ungefragt in seine Gewalt. Bewaffnet mit einer Pistole gibt er fortan nicht nur den Ton auf dem Anwesen an, sondern lässt die drei Gefangenen auch beliebig nach seiner Pfeife tanzen. Und sein Drill ist erbarmungslos: Zunächst erpresst er Lucille mit dem Geheimnis ihrer vergrabenen Leiche und verlangt von dieser für sein Schweigen eine Summe von 100.000$, bevor er seine drei frisch annektierten Sklaven den kompletten Garten nach der mutmaßlichen Leiche umgraben lässt. Zu guter letzt vergeht sich der stelzböckische Schmierlappen noch mehrmals an den Damen des Hauses, deren Leid unter dem Schreckens-Martyrium immer weiter zunimmt. Darüber hinaus wird beim Zuschauer auch immer stärker die Vermutung geschürt, da im familiären Background zahlreiche dunkle Geheimnisse mit ungeahnten Tiefgängen zu schlummern scheinen. Nachdem die allgemeine Lage also immer verzwickter wird, erscheint plötzlich ein gewisser Monsieur André (Alfredo Mayo) auf der Bildfläche Von da an entfaltet der Film das komplette Spektrum des Wahns vollends in Richtung "Polen offen"! Und was hat es mit der jungen und hübschen Rebecca auf sich, die ihr von der Realität abgedriftetes Dasein in einer geschlossenen Abteilung einer Nervenheilanstalt fristet?
"Nichts ist so wie es scheint..."
Dieser höchst außergewöhnliche Giallo von Sergio Bergonzelli gehört auf definitiv in die 'Hall of Fame' der obskursten Genrebeiträge eingereiht, zumal sich diese Genre-Obskurität letztendlich als ganz großes Kino herausstellt und somit eine recht hohe Position unter meinen Lieblings-Gialli einnimmt. Das Gesehene ist einfach nur unbeschreiblich und unglaublich zugleich. Die Inszenierung wartet nicht nur mit einer sehr dichten Atmosphäre und einer (alp-)traumhaften Bildästhetik auf, sondern hinterlässt beim Zuschauer auch einen bleibenden Eindruck, der so schnell nicht wieder vergessen wird. Das Setdesign wurde sehr sorgsam arrangiert und zeugt von absoluter Stilsicherheit. Zudem wirken die Bilder sehr farbintensiv und sind durchgehend wunderschön abfotografiert, so dass sich über den gesamten Filmverlauf eine wohlige Italo-Atmosphäre breit macht, die man bis zur letzten Sekunde in vollen Zügen genießen kann.
Fernando Sancho trägt in diesem Film ausnahmsweise mal keinen Sombrero, hat es aber scheinbar nicht übers Herz bekommen, seine Pistole auch gegen das stereotypische Genre-Utensil eines blitzenden Rasier-Messers einzutauschen, denn er lässt seinem vertrauten Ballermann weiterhin freien Lauf. Für die Hauptdarstellerin Eleonora Rossi Drago stellte IN THE FOLDS OF THE FLESH die letzte Filmproduktion dar, indem sie seit dem Beginn ihrer Schauspielkarriere im Jahre 1949 mitwirkte. Die prägnantesten Darbietungen stammen zweifelsfrei von den beiden Darstellern Pier Angeli und Emilio Gutiérrez Caba, wobei Erstere die mental etwas durch den Wind gedrehte Falesse und Zweiterer ihren sadistischen Cousin Colin verkörpert. Des Weiteren können Luciano Catenacci als auch Alfredo Mayo in kleineren Nebenrollen bestaunt werden.
Das Drehbuch, an dem neben Sergio Bergonzelli auch noch Mario Caiano und Fabio De Agostini mitgewirkt hatten, ist nicht nur der pure Wahn, sondern fördert auch eine total undurchschaubare Geschichte mit zahlreichen unerwarteten Wendungen an den Tag. Gewiefte und habgierige Produzenten hätten aus diesem Drehbuch locker drei kostengünstige Giallo-Produktionen bewerkstelligen können.
Fazit: Ein vor Wahnwitz triefender Giallo-Thriller, der mit seiner dargebotenen Farbenpracht ein Genrefilmerlebnis der ganz besonderen Art darstellt.
Trailer:
Jesus Villa Rojo - Nelle pieghe della carne
Open Credits:
(Überarbeiteter Beitrag aus dem alten Forum: 13.11.2014)