KRESSIN UND DER TOTE MANN IM FLEET - Peter Beauvais

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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KRESSIN UND DER TOTE MANN IM FLEET - Peter Beauvais

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● TATORT | FOLGE 03 | KRESSIN UND DER TOTE MANN IM FLEET (D|1970) [TV]
mit Sieghardt Rupp, Edgar Hoppe, Hermann Lenschau, Paul Verhoeven und Walter Richter
als Gäste: Eva Renzi, Sabine Sinjen, Günther Heising, Franz-Josef Steffens, Gerda Gmelin, Dénes Törzs, Jürgen Flimm, Peer Brensing und Ivan Desny
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem ORF | eine Sendung des WDR
Regie: Peter Beauvais

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»An Altersschwäche ist er nicht gestorben!«


Der Kölner Zollfahnder Kressin (Sieghardt Rupp) bekommt es nach Beendigung seiner Kreuzfahrt durch das Mittelmeer mit einer Bande von Kriminellen zu tun, die im großen Stil Drogen nach Deutschland schmuggeln. Nach der Ankunft der Reisegesellschaft in Hamburg beobachtet er den Reiseleiter Benjamin Canitz (Siegfried Flemm) bei verdächtigen Aktivitäten mit auffälligen Handbällen, die kurz darauf im Alsterfleet entsorgt werden. Einen Tag später fischt man den Reiseleiter tot aus ebendiesem Gewässer. Kressin stellt daraufhin eigenwillige Nachforschungen an, bei denen er dem Kollegen der Hamburger Polizei, Hauptkommissar Trimmel (Walter Richter), immer wieder in die Quere kommt. Um die Bande zur Strecke zu bringen, spannt er auch noch seine beiden Urlaubsfreundinnen Ulrike (Sabine Sinjen) und Tatjana (Eva Renzi) in seine Ermittlungen ein. Nach vielen riskanten Alleingängen steht Kressin schließlich dem Kopf der Schmugglerbande gegenüber …

In der 3. Folge der noch jungen "Tatort"-Reihe stellt der Kölner Zollfahnder Kressin zum ersten Mal in einem eigenen Film Ermittlungen an, wenngleich sich die Wege noch mit Kollegen kreuzen. Hierbei handelt es sich um einen moderaten Fall, der von Anfang an auf der Hand zu liegen scheint. Eine professionelle Schmugglerbande transportiert Rauschgift im Inneren einer schweren Straßenwalze nach Deutschland, der involvierte Reiseleiter agiert als Mittelsmann und bezahlt sein doppeltes Spiel schließlich mit dem Leben. Doch ist wirklich alles so simpel, wenn die kriminellen Karten so offensichtlich auf dem Tisch liegen? Erfahrungsgemäß und aller Wahrscheinlichkeit nach wohl nicht, denn immerhin befindet sich der Zuschauer in einer Folge von Krimi-Spezialist Wolfgang Menge, der als Drehbuchautor für seine gesellschaftskritischen und unkonventionellen Stoffe bekannt ist. Regisseur Peter Beauvais inszeniert von Anfang an sehr geradlinig und bietet eine maritime, ebenso faszinierende Kulisse am Hamburger Hafen an, was das Publikum naturgemäß sofort fesseln wird. Die Konstruktion der Geschichte ist von Beginn an eng mit der provokanten Titelfigur verwoben worden, was für viele widersprüchliche Eindrücke sorgen wird, da Kressin immerhin jede Regel brechen und sein über-selbstbewusstes Ego mit Leichtigkeit inszenieren darf. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass der Film bei der Erstausstrahlung eine sensationelle Einschaltquote von gut 50 % erreichte, da Kriminalfälle dieser Art ihrerseits mit einer ganz auffälligen, modernen Aura ausstaffiert wurden. Dem Empfinden nach kann der Kurs somit in neue, reizvolle Richtungen führen, was hier strikt zugunsten einer packenden One-Man-Show genutzt wird. Kressin sorgt für Kontraste und nicht selten Kontroversen nach Art des Hauses, außerdem für eine ungeduldige, aber vollkommen resolute Vorgehensweise, die das klassische und bis dato eher bieder wirkende deutsche Fernsehkrimi-Schema herausfordert.

Es ist stets hochinteressant, wenn man das Gefühl kaum abwenden kann, dass bei einem bestimmten Ermittler irgendetwas nicht mit den gewohnten Konventionen übereinzustimmen scheint. Es ist einem, als könne man es vielleicht mit dem Begriff der Unverbindlichkeit benennen, doch ein moralischer Kompass ist bei dieser Hauptfigur zunächst unauffindbar. So scheint es zumindest. Episode 3 ist genau auf diesem Prinzip aufgebaut und falls man sich das Auftreten dieses Zollfahnders ins Gedächtnis ruft, ist zu erahnen, dass er vollkommen ungehobelt und unhöflich agieren kann, was im traditionellen Ermittler-Orbit vielleicht so noch nicht zu erleben war. Langsam ergeben sich Konturen eines Playboys, doch es scheint stets eine gehörige Portion Ironie im Spiel zu sein, was seine Kollegen ins Stocken geraten lässt. Dennoch hat er Prinzipien. In diesem Zusammenhang ist Sieghardt Rupps unbändige und charismatische Interpretation des unkonventionellen Zollfahnders zu erwähnen, die paradoxerweise erfrischend wirkt, weil sie arrogant und herrlich kompromisslos ist. Da Kressin im Hamburger Revier wildert und Hauptkommissar Trimmel empfindlich in die Quere kommt, wird dessen Eitelkeit herausgefordert, woraufhin die gegenseitige Antipathie vollkommen auf Gegenseitigkeit beruht. Bei den Kontrahenten des Ermittlers handelt es sich um weltmännische Köpfe einer gut organisierten Schmugglerbande. Bei dieser Gelegenheit wird abermals klar, dass Kressins Zielstrebigkeit in Wahrheit wohl einfach nur Dickköpfigkeit ist, und es wimmelt manchmal nur so von frechen Spielchen und auffällig originellen Dialogen, die nicht selten zum Schmunzeln verleiten. So fällt insbesondere Ivan Desny als brillant agierender Dauergegner und auffälliges Pendant Sievers auf, der die Aufmerksamkeit mit seiner aalglatten Art geradezu einfordert, seine kriminelle Energie aber hinter einer kultivierten Fassade versteckt. Kressin jongliert gerne mit dieser herablassenden Art, wenn er Personen nicht als seine Kragenweite interpretiert. So glauben beide voneinander, dass der andere ihm nicht gewachsen ist.

An der Seite dieses egozentrischen Ermittlers fühlen sich die Frauen nicht nur wohl, sondern wissen sich auch eindrucksvoll zu behaupten, da sie immerhin in der Lage sind, sein Macho-Gehabe komplett zu bändigen, und es wirkt im Fall von Tatjana und Ulrike alias Eva Renzi und Sabine Sinjen sehr beeindruckend, sie als absolut selbstbestimmte Akteurinnen begleiten zu können. Sie lassen sich zu keinem Zeitpunkt auf seine abgedroschenen Versuche ein und nehmen Kressin stattdessen genau mit derselben Ironie aufs Korn, die er selbst so gerne an den Tag legt. Bei diesen Gelegenheiten beschäftigt sich die Kamera interessiert mit den realen Hamburger Originalschauplätzen und fängt einen dynamischen Kino-Look ein, der stilistisch dezent an die Französische Nouvelle Vague erinnert. Doch auch hier gelingt es Peter Beauvais immer wieder sehr nachhaltig, eine ungeahnte Frische zu schüren, indem er auf prägnante Gastauftritte verweist. Hier ist neben den bereits erwähnten Hauptakteuren Gerda Gmelin zu nennen, die zu dem Typ Frau gehört, der nicht der Typ Frau des Protagonisten zu sein scheint und im stakkatoartigen Gespräch daher aufläuft, was sonst wohl zu ihrem eigenen Instrumentar gehört. Erwähnenswert ist des Weiteren noch die Filmmusik aus der Feder von Klaus Doldinger, die wie ein perfekter Querverweis auf den unruhigen Zeitgeist wirkt. Am Ende wird sich eindrucksvoll herausstellen, dass die Regie mit den Sehgewohnheiten bricht, ohne den Zuschauer jedoch vor Aufgaben zu stellen, mit denen man sich nicht arrangieren kann, da der Fall zudem nicht in vollkommen geordneten Bahnen abschließt. Der Kopf der Bande behält Oberwasser und es bleibt stets fraglich, ob er sich von Kressin sozusagen kielholen lassen wird. Hansjörg Felmys spätere Haferkamp-Folgen erfuhren beispielsweise mehr naturgemäße Sachlichkeit, während Kressins unkonventionelles Agieren und Hang zum lockeren Dolce Vita hier zielsicher von Klaus Doldingers Agenten-Soundtrack untermalt werden. Beauvais ist ein Beitrag zur Serie gelungen, der als radikal moderner Volltreffer in die TV-Geschichte eingegangen ist.

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Sid Vicious
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Re: KRESSIN UND DER TOTE MANN IM FLEET - Peter Beauvais

Beitrag von Sid Vicious »

Die Kressin-Tatorte sind allesamt Volltreffer. Vier dieser Tatorte hatte ich mal auf DVD, habe die dann aber für einen guten Preis verkauft. Ich hoffe, das Film- bzw. Fernsehjuwelen neu aufgelegt werden. Ich möchte die nämlich alle mal wieder schauen. TOTE TAUBE IN DER BEETHOVENSTRAßE* ist ja ein eher spezieller Fall. Kressin hat nur einen Kurzauftritt und die Musik stammt von CAN.

Gemeinhin wird gern Schmanski als der über alle Tatorte thronende suggeriert. Nee, nicht für mich! Ich sehe Kressin ganz weit vorn.
"Kressin stoppt den Nordexpress" ist übrigens ganz hervorragend!

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Prisma
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Re: KRESSIN UND DER TOTE MANN IM FLEET - Peter Beauvais

Beitrag von Prisma »

Sid Vicious hat geschrieben: ↑
So., 18.10.2026 09:52
Einige Zeitzeugen konnten mir tatsächlich bestätigen, dass dieser Tatort aus ihrer Sicht ein einziges Desaster war.

"Tote Taube in der Beethovenstraße" habe ich bisher immer noch nicht gesehen, aber das hole ich die Tage mal nach.
Ich beurteile übrigens manche der aktuellen "Tatort"-Fälle ähnlich.

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Sid Vicious
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Re: KRESSIN UND DER TOTE MANN IM FLEET - Peter Beauvais

Beitrag von Sid Vicious »

Prisma hat geschrieben: ↑
So., 18.10.2026 10:02
Sid Vicious hat geschrieben: ↑
So., 18.10.2026 09:52
Einige Zeitzeugen konnten mir tatsächlich bestätigen, dass dieser Tatort aus ihrer Sicht ein einziges Desaster war.

"Tote Taube in der Beethovenstraße" habe ich bisher immer noch nicht gesehen, aber das hole ich die Tage mal nach.
Ich beurteile übrigens manche der aktuellen "Tatort"-Fälle ähnlich.
Ich sehe gerade, dass die "Kressins" in passabler Qualität in der Tube liegen.
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Prisma
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Re: KRESSIN UND DER TOTE MANN IM FLEET - Peter Beauvais

Beitrag von Prisma »

Sid Vicious hat geschrieben: ↑
So., 18.10.2026 09:52
Die Kressin-Tatorte sind allesamt Volltreffer. Vier dieser Tatorte hatte ich mal auf DVD

Ich habe diese Kressin-Box noch und sehe alle Folgen, die ich bislang gesehen habe, auch richtig gerne, wobei mancher Fall thematisch gesehen gar nicht so als Highlight beschrieben werden kann. Aber für mich reißt Sieghardt Rupp auch alles raus. Ich mag seine völlig unkonventionelle Art, die Sachen anzugehen. Hier, im Fleet, macht es sich besonders gut, dass er zwei reizende Widersacherinnen gegenüber gestellt bekommt, die ihn gerne auch mal an den Hörnern packen. Es ist ganz amüsant, wofür sich Sabine Sinjen und Eva Renzi hier einspannen lassen, so beispielsweise als getarnte Nutten, um in den Ermittlungen mitzumischen. Für alle Beteiligten ein Abenteuer, was auch für den Zuschauer gilt.

Sid Vicious hat geschrieben: ↑
So., 18.10.2026 09:52
Gemeinhin wird gern Schmanski als der über alle Tatorte thronende suggeriert. Nee, nicht für mich! Ich sehe Kressin ganz weit vorn.

Schimanski thront halt als Inbegriff dieser Art von Ermittler, wurde aber so gesehen nicht vollends von Götz George erfunden. Seine Fälle sehe ich aber auch gerne. Überhaupt gehe ich ja bei "Tatort" auch gerne in die 1970er-Jahre zurück. Ermittler wie Haferkamp alias Hansjörg Felmy finde ich auch klasse.

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Dschallogucker
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Re: KRESSIN UND DER TOTE MANN IM FLEET - Peter Beauvais

Beitrag von Dschallogucker »

Sid Vicious hat geschrieben: ↑
So., 18.10.2026 10:09
Prisma hat geschrieben: ↑
So., 18.10.2026 10:02
Sid Vicious hat geschrieben: ↑
So., 18.10.2026 09:52
Einige Zeitzeugen konnten mir tatsächlich bestätigen, dass dieser Tatort aus ihrer Sicht ein einziges Desaster war.

"Tote Taube in der Beethovenstraße" habe ich bisher immer noch nicht gesehen, aber das hole ich die Tage mal nach.
Ich beurteile übrigens manche der aktuellen "Tatort"-Fälle ähnlich.
Ich sehe gerade, dass die "Kressins" in passabler Qualität in der Tube liegen.
Hab 2 oder 3 Boxen mit 70er Jahre Tatort. Kressin sagt mir eigentlich nichts, die Box erschien 2011, hab ich irgendwie verpasst.
Ob die uncut in der Tube vorliegen? Er soll sich ja öfter mal mit Frauen vergnügt haben und auch bei FSK 12 muss für die Tube manchmal was gekürzt werden (was kürzlich erst an anderer Stelle hier im Forum stand)

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Prisma
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Re: KRESSIN UND DER TOTE MANN IM FLEET - Peter Beauvais

Beitrag von Prisma »

Dschallogucker hat geschrieben: ↑
So., 18.10.2026 19:46
Er soll sich ja öfter mal mit Frauen vergnügt haben und auch bei FSK 12 muss für die Tube manchmal was gekürzt werden

Dann empfehle ich die Folge "Kressin und die Frau des Malers" wegen Brigitte Skay, die selbst in einem "Tatort" ein bisschen Zeigefreudigkeit beweist.
Die Laufzeitangaben der Wikipedia-Seiten stimmen soweit mit den YT-Videos überein, es ist allerdings manchmal so, dass zum Beispiel das Intro fehlt, ich schätze wegen der Musik.

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Dschallogucker
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Re: KRESSIN UND DER TOTE MANN IM FLEET - Peter Beauvais

Beitrag von Dschallogucker »

Prisma hat geschrieben: ↑
Mo., 19.10.2026 03:11
Dschallogucker hat geschrieben: ↑
So., 18.10.2026 19:46
Er soll sich ja öfter mal mit Frauen vergnügt haben und auch bei FSK 12 muss für die Tube manchmal was gekürzt werden

Dann empfehle ich die Folge "Kressin und die Frau des Malers" wegen Brigitte Skay, die selbst in einem "Tatort" ein bisschen Zeigefreudigkeit beweist.
Die Laufzeitangaben der Wikipedia-Seiten stimmen soweit mit den YT-Videos überein, es ist allerdings manchmal so, dass zum Beispiel das Intro fehlt, ich schätze wegen der Musik.
Ich danke dir. Ist ja gleich 3x vorhanden, 1x fehlen Vorspann und Abspann, 1x schlechte Bildquali, aber das 3. Angebot war meins ;)

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Prisma
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Re: KRESSIN UND DER TOTE MANN IM FLEET - Peter Beauvais

Beitrag von Prisma »



Ich habe diesen Fall zwar sehr lange nicht mehr gesehen, aber ich meine mich doch an eine gewisse Ausgelassenheit zu erinnern. :mrgreen:
Wenn der ohnehin verfügbar ist, schaue ich mir den wohl am besten auch noch mal an.

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