● HERZBLATT ODER WIE SAG ICH'S MEINER TOCHTER? (D|1969)
mit Georg Thomalla, Mascha Gonska, Carola Höhn, Paul Esser, Günther Lüders, Hans Cossy, Gernot Endemann,
Wolfgang Schneider, Frithjof Vierock, Olga von Togni, Ilona Grübel, Herta Worell sowie Siegfried Schürenberg
ein Roxy Film | im Inter Verleih
ein Film von Alfred Vohrer
»Fährst du mit Pille, oder muss ich die Bremse treten?«
Der verwitwete Paul "Männchen" Tillmann (Georg Thomalla) steht vor einem Problem: Er hat seine Tochter "Herzblatt" (Mascha Gonska) zwar völlig frei von körperlichen Schamgefühlen erzogen, doch nun ist sie im Teenageralter und zeigt absolut kein Interesse an Jungs. Da er mit der echten sexuellen Aufklärung überfordert ist, bittet er seinen Freund, den Bauunternehmer Max (Paul Esser), um Hilfe. Gemeinsam versuchen sie, junge Männer als Liebeswerber zu engagieren. Die unorthodoxen Methoden führen prompt zu Chaos und rufen bald den strengen Schuldirektor (Siegfried Schürenberg) sowie den Aufklärungs-Experten Dr. Seebauer (Günther Lüders) auf den Plan …
Noch während seiner Zeit als Wallace-Stammregisseur konnte Alfred Vohrer mit "Lange Beine – lange Finger" eine der besten Krimi-Komödien der 1960er-Jahre abliefern; beste Voraussetzungen also, um im komödiantischen Fach auch weiterhin Akzente zu setzen. Nach Vohrers Exit bei der Berliner Rialto Film sollte es zu einer überaus produktiven Zusammenarbeit mit Luggi Waldleitners Roxy Film kommen. Der zweite gemeinsame Film mit dem sperrigen Titel "Herzblatt oder Wie sag ich’s meiner Tochter?" konnte zumindest dezent an wirtschaftliche Erfolge anknüpfen. Das Werk versteht sich als satirisches Abarbeiten an der aufkommenden Sex- und Aufklärungswelle und nimmt bei dieser Gelegenheit gleichzeitig gängige Formate wie die damaligen Pauker-Filme auf die Schippe. Zumindest wird der Versuch gestartet. Die Auswahl der Hauptdarstellerin fand damals über ein Casting statt: Die elfköpfige Jury, unter anderem bestehend aus dem Regisseur, Georg Thomalla, Karin Hübner und Petra Schürmann, entschied sich für die 16-jährige Mascha Gonska, die über Nacht zum nationalen Star und Gesicht einer jungen Generation avancierte. Doch der Film scheitert an seinem eigenen Anspruch sowie am abschätzigen Blick auf die für ihn offenbar primitive Konkurrenz des aufkommenden Erotikkinos. Die Stellschrauben der Kritik funktionieren nicht, da sich die Thematik immer wieder egalisiert. Man wagt sich komödiantisch genau in jene Gefilde vor, die es eigentlich durch den Kakao zu ziehen gilt. Viele Darstellungen wirken für heutige Begriffe denkbar ungünstig, sodass die Konstruktion mit den beiden Hauptdarstellern fällt. Georg Thomalla und Mascha Gonska gelingt es einfach nicht, diesem dramaturgischen Korsett aus Banalitäten zu entfliehen. Als Zuschauer braucht man einige Zeit, um das Dargebotene ordnen zu können, denn es entstehen massive Vorbehalte gegen Themen, die von Vohrer nicht ausreichend augenzwinkernd aufgeschlüsselt werden. So wirkt "Herzblatt" zunächst wie eine völlig naive Nymphomanin, die – falls man Böses denkt – ihren eigenen Vater sexuell zu reizen versucht. Dass es so nicht gedacht ist, versteht sich von selbst, allerdings wird einem die Hauptdarstellerin hier dermaßen ungünstig vorsetzt, dass viele Szenen eher peinlich als witzig wirken. Der Vater kommt ins Rudern – und das gilt ebenso für Georg Thomalla, der permanent mit einer anhänglichen, kokettierenden Barbusigen konfrontiert ist, die es aufzuklären gilt. Für Mascha Gonska dürfte diese Premiere im Rückblick zunächst Segen und karrieretechnisch ein Fluch gewesen sein, stellte sie die Weichen ihrer beginnenden Laufbahn doch unerbittlich in eine starre Nische. Dass man es hier mit einem der natürlichsten Gesichter der End-60er zu tun hat, geht leider völlig unter.
Ihr prominenter Kollege und Filmvater Georg Thomalla spielt sein Können in jeder Beziehung aus, auch wenn er sich über äußerst schwache und misslungene Passagen definieren muss. Er hat bemüht prüde und unbeholfen zu agieren, was bei einer Tochter mit rätselhafter Textilallergie gar nicht so einfach erscheint. Sein "Herzblatt" will dabei einfach nicht begreifen, dass die Zeiten des gemeinsamen Badens und des Oben-ohne-Herumlaufens im Haus vorbei sind. Dementsprechend liegt der Gedanke einer eigenartigen Naivität in greifbarer Nähe, wenngleich sich das Skript stets bemüht, eine junge Frau zu zeichnen, die sich kritisch mit den bewegenden Dingen des Teenager-Lebens auseinandersetzt. Ob man ihr das letztlich abkauft, liegt im Auge des Betrachters – und daran entscheidet sich, ob der Film steht oder fällt. Obwohl anders getarnt, wird die Figur im Endeffekt dem reinen Selbstzweck übergeben. Prominente Schauspielveteranen wie Paul Esser und Carola Höhn müssen die progressiv getarnte Haltung der Veranstaltung stützen; hier kann man sich wenigstens auf klassisches Handwerk verlassen. Das gilt ebenso für Vohrers langen Wegbegleiter Siegfried Schürenberg. Gerade Schürenberg baut seine Präsenz in üblicher Manier über Gestik und Mimik auf und geht im seichten Sumpf des Themas nicht unter. Dies gilt allerdings nicht für die völlig klischeebesetzten Rollen von Gernot Endemann, Wolfgang Schneider und Frithjof Vierock. Das Ganze schwächelt zudem an prätentiösen Dialogen, die ihren Populärton trotz pseudodeutender Schwere nicht verbergen können. Die Ironie der Geschichte ergibt sich erst aus einem späten Einklang. Vohrer bemüht sich zwar um Abhebung vom zeitgenössischen Angebot, steckt jedoch spätestens beim Wort "Ende" tief im Treibsand des eigentlich zu Kritisierenden. Als Zeitdokument und Alfred-Vohrer-Film ist "Herzblatt oder Wie sag ich’s meiner Tochter?" aufgrund von Kulissen, Schauplätzen und zeittypischen Gebärden voller Kolorit und nicht völlig uninteressant. In der Filmografie des Regisseurs bleibt dieser Streifen aber einer der schwächeren Versuche. Man merkt genau, dass die Regie hier ein Auftragsfeuerwerk routiniert abzuarbeiten hatte, mit dem Material im Grunde genommen aber nicht viel anzufangen wusste. Wo mutigere Filme jener Monate für eine echte gesellschaftliche Haltung das Risiko eines wirtschaftlichen Misserfolgs eingingen, blieb diese Produktion im permanenten Blick auf die sichere Wirtschaftlichkeit auf der absolut sicheren Seite. In Alfred Vohrers Filmografie wird man nicht viele echte Flops finden, und sei es nur aus persönlicher Sicht, aber diese Produktion hat insgesamt viel zu wenig von dem anzubieten, was im Vorfeld und vor allem im Film stets vollmundig versprochen wird. Da helfen auch Ironie und komödiantische Anwandlungen nicht weiter.
Noch während seiner Zeit als Wallace-Stammregisseur konnte Alfred Vohrer mit "Lange Beine – lange Finger" eine der besten Krimi-Komödien der 1960er-Jahre abliefern; beste Voraussetzungen also, um im komödiantischen Fach auch weiterhin Akzente zu setzen. Nach Vohrers Exit bei der Berliner Rialto Film sollte es zu einer überaus produktiven Zusammenarbeit mit Luggi Waldleitners Roxy Film kommen. Der zweite gemeinsame Film mit dem sperrigen Titel "Herzblatt oder Wie sag ich’s meiner Tochter?" konnte zumindest dezent an wirtschaftliche Erfolge anknüpfen. Das Werk versteht sich als satirisches Abarbeiten an der aufkommenden Sex- und Aufklärungswelle und nimmt bei dieser Gelegenheit gleichzeitig gängige Formate wie die damaligen Pauker-Filme auf die Schippe. Zumindest wird der Versuch gestartet. Die Auswahl der Hauptdarstellerin fand damals über ein Casting statt: Die elfköpfige Jury, unter anderem bestehend aus dem Regisseur, Georg Thomalla, Karin Hübner und Petra Schürmann, entschied sich für die 16-jährige Mascha Gonska, die über Nacht zum nationalen Star und Gesicht einer jungen Generation avancierte. Doch der Film scheitert an seinem eigenen Anspruch sowie am abschätzigen Blick auf die für ihn offenbar primitive Konkurrenz des aufkommenden Erotikkinos. Die Stellschrauben der Kritik funktionieren nicht, da sich die Thematik immer wieder egalisiert. Man wagt sich komödiantisch genau in jene Gefilde vor, die es eigentlich durch den Kakao zu ziehen gilt. Viele Darstellungen wirken für heutige Begriffe denkbar ungünstig, sodass die Konstruktion mit den beiden Hauptdarstellern fällt. Georg Thomalla und Mascha Gonska gelingt es einfach nicht, diesem dramaturgischen Korsett aus Banalitäten zu entfliehen. Als Zuschauer braucht man einige Zeit, um das Dargebotene ordnen zu können, denn es entstehen massive Vorbehalte gegen Themen, die von Vohrer nicht ausreichend augenzwinkernd aufgeschlüsselt werden. So wirkt "Herzblatt" zunächst wie eine völlig naive Nymphomanin, die – falls man Böses denkt – ihren eigenen Vater sexuell zu reizen versucht. Dass es so nicht gedacht ist, versteht sich von selbst, allerdings wird einem die Hauptdarstellerin hier dermaßen ungünstig vorsetzt, dass viele Szenen eher peinlich als witzig wirken. Der Vater kommt ins Rudern – und das gilt ebenso für Georg Thomalla, der permanent mit einer anhänglichen, kokettierenden Barbusigen konfrontiert ist, die es aufzuklären gilt. Für Mascha Gonska dürfte diese Premiere im Rückblick zunächst Segen und karrieretechnisch ein Fluch gewesen sein, stellte sie die Weichen ihrer beginnenden Laufbahn doch unerbittlich in eine starre Nische. Dass man es hier mit einem der natürlichsten Gesichter der End-60er zu tun hat, geht leider völlig unter.
Ihr prominenter Kollege und Filmvater Georg Thomalla spielt sein Können in jeder Beziehung aus, auch wenn er sich über äußerst schwache und misslungene Passagen definieren muss. Er hat bemüht prüde und unbeholfen zu agieren, was bei einer Tochter mit rätselhafter Textilallergie gar nicht so einfach erscheint. Sein "Herzblatt" will dabei einfach nicht begreifen, dass die Zeiten des gemeinsamen Badens und des Oben-ohne-Herumlaufens im Haus vorbei sind. Dementsprechend liegt der Gedanke einer eigenartigen Naivität in greifbarer Nähe, wenngleich sich das Skript stets bemüht, eine junge Frau zu zeichnen, die sich kritisch mit den bewegenden Dingen des Teenager-Lebens auseinandersetzt. Ob man ihr das letztlich abkauft, liegt im Auge des Betrachters – und daran entscheidet sich, ob der Film steht oder fällt. Obwohl anders getarnt, wird die Figur im Endeffekt dem reinen Selbstzweck übergeben. Prominente Schauspielveteranen wie Paul Esser und Carola Höhn müssen die progressiv getarnte Haltung der Veranstaltung stützen; hier kann man sich wenigstens auf klassisches Handwerk verlassen. Das gilt ebenso für Vohrers langen Wegbegleiter Siegfried Schürenberg. Gerade Schürenberg baut seine Präsenz in üblicher Manier über Gestik und Mimik auf und geht im seichten Sumpf des Themas nicht unter. Dies gilt allerdings nicht für die völlig klischeebesetzten Rollen von Gernot Endemann, Wolfgang Schneider und Frithjof Vierock. Das Ganze schwächelt zudem an prätentiösen Dialogen, die ihren Populärton trotz pseudodeutender Schwere nicht verbergen können. Die Ironie der Geschichte ergibt sich erst aus einem späten Einklang. Vohrer bemüht sich zwar um Abhebung vom zeitgenössischen Angebot, steckt jedoch spätestens beim Wort "Ende" tief im Treibsand des eigentlich zu Kritisierenden. Als Zeitdokument und Alfred-Vohrer-Film ist "Herzblatt oder Wie sag ich’s meiner Tochter?" aufgrund von Kulissen, Schauplätzen und zeittypischen Gebärden voller Kolorit und nicht völlig uninteressant. In der Filmografie des Regisseurs bleibt dieser Streifen aber einer der schwächeren Versuche. Man merkt genau, dass die Regie hier ein Auftragsfeuerwerk routiniert abzuarbeiten hatte, mit dem Material im Grunde genommen aber nicht viel anzufangen wusste. Wo mutigere Filme jener Monate für eine echte gesellschaftliche Haltung das Risiko eines wirtschaftlichen Misserfolgs eingingen, blieb diese Produktion im permanenten Blick auf die sichere Wirtschaftlichkeit auf der absolut sicheren Seite. In Alfred Vohrers Filmografie wird man nicht viele echte Flops finden, und sei es nur aus persönlicher Sicht, aber diese Produktion hat insgesamt viel zu wenig von dem anzubieten, was im Vorfeld und vor allem im Film stets vollmundig versprochen wird. Da helfen auch Ironie und komödiantische Anwandlungen nicht weiter.