NACKT UNTER LEDER - Jack Cardiff

Türkploitation, isländische Kannibalenfilme und alles andere aus Europa
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Richie Pistilli
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NACKT UNTER LEDER - Jack Cardiff

Beitrag von Richie Pistilli »

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Nackt unter Leder (D)
The Girl on a Motorcycle (GB)
La Motocyclette (F)
Nuda sotto la pelle (IT)
La chica de la motocicleta (ES)
A Rapariga da Motocicleta (POR)
La fille a la motorcyclette (BE)
A Garota da Motocicleta (BRA)
Naked Under Leather


GB / F 1968

R: Jack Cardiff
D: Alain Delon, Marianne Faithfull, Roger Mutton, Marius Goring, Catherine Jourdan, Jean Leduc, Jacques Marin, André Maranne, Bari Jonson u.a.



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Deutsche Erstaufführung: 21. Februar 1969

Synchronkartei

Nischenkino

Score: Les Reed & The British Lion Orchestra

IMCDb

OFDb



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"Bin ich nicht auch wie ein Blatt? Grün, nicht wörtlich natürlich. Anschmiegsam und jung, gerade aufgeblüht. Jung und geschmeidig, doch hier ist die Ähnlichkeit zu Ende. Daniel hat mich aus dem Boden gerissen und damit begann mein Sterben."


Eine schwere Harley -Davidson zwischen den Schenkeln, nur einen Nylonslip unter der schwarzen Ledermontur, braust Rebecca (Marianne Faithfull) von Frankreich nach Heidelberg, vom langweiligen Ehemann Raymond (Roger Mutton) zum aufregenden Geliebten Daniel (Alain Delon). Unterwegs lässt sie in Gedanken ihr Leben zwischen Mann und Geliebtem Revue passieren: Während Raymond für sie Sicherheit und Zuverlässigkeit bedeutet, findet sie bei Daniel Abenteuer und sexuelle Erfüllung. [Quelle: Donau Film]


"Interessanter Mann. Typischer Schweizer - verachtet deutsches Gedankengut, aber studiert es."



NACKT UNTER LEDER ist durch und durch ein Kind seiner Zeit, bei dem die britische Beatikone der Swinging London-Ära, Marianne Faithfull, die Hauptrolle spielt. Die britisch-französische Koproduktion, die auf dem Roman "La motocyclette" von André Pieyre beruht und von Jack Cardiff unter anderen in Heidelberg, Straßburg, Hagenau, Genf und Karlsruhe inszeniert wurde, entpuppt sich als ein faszinierender Film, aus dessen Poren stets schwallartig das Zeitkolorit trieft. Hinzu gesellt sich eine fiebertraumhafte Atmosphäre, der wiederum eine ambitionierte Bildgestaltung zugrunde liegt, die den gesamten Handlungsverlauf über zu verzücken weiß.

Was die Handlung betrifft, so erzählt der Film die profane Geschichte der frisch verheirateten Rebecca, die eines Morgens den Entschluss fasst, ihren frisch angetrauten Ehemann Raymond zu verlassen, um schließlich auf ihrer Harley-Davidson Electra Glide vom Elsaß aus zu ihrem Geliebten nach Deutschland zu fahren. Auf dem Weg genießt sie über das vermeintliche Gefühl der Freiheit, welches ihr der wilde Ritt auf dem Feuerofen verleiht. Doch so frei, wie sich Rebecca auf ihrem Bike fühlt, ist sie eigentlich gar nicht, denn anstatt das Glück der freien Liebe zu genießen, ist sie gewissermaßen zu deren Opfer geworden, quasi eine Gefangene der eigenen Gefühle. Obwohl sie sich bewusst ist, dass ihr Liebhaber sie nicht liebt, sondern vielmehr wie einen seelenlosen Spielball seiner Lust behandelt, den er nach belieben für sich nutzen oder auch kurzerhand links liegen lassen kann - denn Daniel ist sich nicht nur seiner Macht bewusst, die ihm die terissene Rebecca durch ihr naives Wunschdenken verleiht, sondern nutzt diese auch eiskalt für sich aus. Somit gestaltet sich die Motorradfahrt auch zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle, denn sobald sich Rebecca der ausweglosen Situation bewusst wird, in der sie sich befindet, beginnt sie diese Gedanken durch irrationales Wunschdenken zu verdrängen. Somit entpuppt sie sich als eine Expertin der Selbsttäuschung, der die harte Wahrheit zwar bewusst ist, die sie letztendlich aber nicht wahr haben möchte und dementsprechend während des wilden Ritts über die Landstraßen kopfmäßig zu verdrängen versucht. Eine zerrissene Persönlichkeit mit tragischen Zügen, die sich nach etwas Glückseligkeit im Leben sehnt, sich dabei aber total in einer verhängnisvollen Traumwelt verrennt. Das Ganze findet im Rahmen eines inneren Dauermonologs statt, den Rebecca während der Motorradfahrt mit sich führt. Zwischendrin kommt es zu mehreren Rückblenden, in denen das Zustandekommen der beiden Liebesbeziehungen gezeigt werden, die Rebecca von Beginn an nebeneinanderher führt. Obwohl sie sich irgendwann dazu entschließt, den eher sanftmütigen Raymond zu ehelichen, führt sie ihre Affäre mit dem draufgängerischen Daniel auch über die Eheschließung hinaus unvermindert weiter. Je näher sie ihrem Ziel kommt, desto desillusionierter wirkt Rebecca. Nachdem sie einen kurzen Zwischenstopp in einer kleinen Dorfkneipe einlegte, wo sie sich einige Gläser Kirschwasser gönnte, setzt sie ihre hypnotische Fahrt unvermindert fort, bis...

Obwohl die Handlung fast ausschließlich durch Marianne Faithfull bestimmt wird, die wild monologisierend auf ihrem Bike durch die Gegend cruist, wird der Sängerin und Teilzeitgeliebten von Mick Jagger schauspielerisch nicht viel abverlangt, was vermutlich auch besser so war. Was Alain Delon betrifft, so legt dieser zwar als frauenausbeuterischer Schuft eine hervorragende Darbietung aufs Parkett, erhält aber im Rahmen der ständigen Rückblenden verhältnismäßig wenig Screentime. Das einzige, was am Ende ein gleich wenig stört, ist der übertriebenene Einsatz von Rückprojektionen, durch die das Finale ein klein wenig seltsam anmutet. Im Gegensatz dazu steht die fiebertraumhafte Zirkussequenz, mit die der Film mit einem lauten Knall eröffnet wird. Abgerundet wird das visuelle Spektakel mit einer ausgezeichneten Filmmusik von Les Reed und dem British Lion Orchestra. Was bleibt, ist ein filmisches Unikat, das in dieser Form nur zum damaligen Zeitpunkt entstehen konnte. Ein außergewöhnlicher Bikerfilm.


Fazit: „Verheiratet sein hat auch etwas von Sterben in sich!“


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Richie Pistilli
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Re: NACKT UNTER LEDER - Jack Cardiff

Beitrag von Richie Pistilli »

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Sid Vicious
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Re: NACKT UNTER LEDER - Jack Cardiff

Beitrag von Sid Vicious »

Ich lese momentan ein Buch (Memories) von Marianne Faithfull über Marianne Faithfull und ihre Wegbegleiter. Mal schauen, ob sie auch was über ihre Filme verlauten lässt.

Ich baue mir auch eine Sammlung ihrer Musikalben auf. Eigentlich war ich vornehmlich hinter ihren alten Sachen her, aber "Broken English" ist dennoch Pflicht. Für mich klingt das Album düster und bedrohlich als auch stark nach H.
FAITHFULL, MARIANNE - Broken English (1).JPG
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Richie Pistilli
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Re: NACKT UNTER LEDER - Jack Cardiff

Beitrag von Richie Pistilli »

Muss gestehen, dass ich von Marianne Faithfull nur ein paar Lieder kenne. Ein komplettes Album habe ich mir noch nicht angehört.
Werde aber erst einmal nach der Filmmusik von Les Reed & The British Lion Orchestra Ausschau halten, die mir auch Tage später noch im Gehörgang festhängt.

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Sid Vicious
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Re: NACKT UNTER LEDER - Jack Cardiff

Beitrag von Sid Vicious »

Richie Pistilli hat geschrieben: ↑
Sa., 03.10.2026 10:56
Muss gestehen, dass ich von Marianne Faithfull nur ein paar Lieder kenne. Ein komplettes Album habe ich mir noch nicht angehört.
Werde aber erst einmal nach der Filmmusik von Les Reed & The British Lion Orchestra Ausschau halten, die mir auch Tage später noch im Gehörgang festhängt.
Auch nicht so ganz einfach an ihren Stoff ranzukommen. Während der gestrigen Schallplattenbörse war nur eine alte (!) Scheibe zu entdecken. "Broken English" ist ja massig verkauft worden und befindet sich in nahezu jeder Billigkiste.

Die alten Platten sind selten geworden. Die haben zudem sehr schöne Cover, gerade wenn man diese Frau attraktiv (womit ich ihre Optik in den 1960ern anspreche) findet.

Hier hat jemand was aus dem Film zusammengefügt und untermalt es mit "It´s all over now, Baby Blue".

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Richie Pistilli
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Re: NACKT UNTER LEDER - Jack Cardiff

Beitrag von Richie Pistilli »

Das Video beschreibt die Handlung des Films ganz gut, denn Marianne Faithfull fährt den ganzen Film über nur Bike. Dazwischen gibt es zwar ein paar Rückblenden, aber in erster Linie bläst dem Zuschauer bei beeindruckenden Bildern lediglich der Fahrtwind ins Gesicht. Eine tolle Tour, die aber leider ein tragisches Ende nimmt.

"It´s all over now, Baby Blue" klingt zwar auch ganz toll, aber irgendwie geht mir momentan die Filmmusik nicht mehr aus dem Ohr:



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