Deutschsprachige Musik - einfach unerwünscht?

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Kent
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Deutschsprachige Musik - einfach unerwünscht?

Beitrag von Kent »

Hallo,
ich bin kein Fan von Mark Forster, aber folgendes Zitat hat mich doch nachdenklich gemacht:
Ich habe zwei systematische Probleme: Ich singe Deutsch und werde deswegen nicht im Radio gespielt. Und ich rappe nicht und werde deswegen nicht gestreamt.
https://www.gmx.net/magazine/unterhaltu ... h-42228482

Im Vergleich mit Italien, wo die Musik in der Landessprache ein ganz anderes Standing hat, verwundert es mich auch immer wieder, wie wenig deutsche Hits teilweise bekannt sind.
Im Gegensatz zum Film, war deutschsprachige Musik vielfach nicht schlechter als internationale Produktionen. Man muss sich nur mal eine 90er oder 2000er Platte von Westernhagen oder Grönemeyer anhören, das waren Produktionen, die waren teilweise sogar besser als die US-Pendants a la Springsteen. Heutzutage ist im Rapbereich eh alles auf einem identischen Niveau, alle nutzen die gleiche Software :D

Was mich nur wundert ist, dass einige Leute bei deutschsprachiger Musik richtig aggressiv werden und diese regelrecht ablehnen. Dabei gibt es doch sehr viel zu entdecken.

Daher meine Frage: Hört ihr deutschsprachige Musik (inklusive Schweiz und Österreich? Wenn ja, was?

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alex_wintermute
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Re: Deutschsprachige Musik - einfach unerwünscht?

Beitrag von alex_wintermute »

Keine Ahnung, was Mark Forster für Texte in seinen Songs schreibt, kenne keinen einzigen Song von ihm. Aber sein Zitat halte ich für vollkommen übertrieben. Bin zwar kein Radio Experte, aber ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass dem in der gegenwärtigen Zeit so ist. Dazu fällt mir die Spider Murphy Gang ein, ihr Song "Skandal im Sperrbezirk" wurde Anfang der 80er Jahre vom Bayerischen Rundfunk zeitweise nicht gespielt. Es war ein Rundfunk-/Sendeboykott bzw. eine Einschränkung, kein allgemeines gesetzliches Verbot in ganz Bayern. Unglaublich. Übrigens wurde der Song dadurch noch bekannter.

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Kent
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Re: Deutschsprachige Musik - einfach unerwünscht?

Beitrag von Kent »

in der aktuellen Welt ist ein Artikel darüber, dass deutschsprachige Musik wieder mehr gefördert werden müsste.
Das ist ein Thema, das alle paar Jahre wieder auf den Tisch kommt. Hier kommen natürlich wieder einige Themen zusammen.
Wenn @RichiePistilli Musik postet, ist da immer ein hoher deutschsprachiger alternative Titel dabei. Dies ist interessant, ich möchte sagen, dass obwohl wir beide wohl aus unterschiedlichen Generationen stammen, wir beide aus einem "eher" linksgeprägten Umfeld stammen. Gerade in diesem Bereich gab und gibt es immer einen recht hohen Anteil von deutschsprachiger Musik. Die besten Auftritte deutschsprachigen Künstler gibt es bei Böhmermann. Leider, da wird mir Richie recht geben, wird bei solchen Themen wie Föderung deutschsprachiger Musik etc, leider von links immer dieses Argument gebracht, man würde "andere Musik" etc ausschließen wollen.
Das ist aus meiner Sicht gar nicht der Punkt, ich denke wir müssen alle wieder die Bereitschaft entwickeln, auch eine Sympathie für das "Eigene" zu entwickeln.
Ich bin für die Förderung von Kunst und Kultur, das bedeutet doch nicht, dass ich deswegen gegen etwas anderes bin, das ist ein Trugschluß.
Zumal die Debatte auch völlig falsch geführt wird, es ist ja nicht so, dass das deutsche Formatradio-Programm besonders hochwertig wäre, wenn ich in einer Radiostrecke nichtssagende Taylor Swift Lieder, gefolgt von nichtssagenden Shakira, David Guetta etc Liedern höre, ist das kein großer Qualitätsbeweis.

Ein Blick auf die Radio Charts zeigt, dass heute dort eher "Ranzteile" gespielt werden. Ich poste hier nur mal die am häufigsten gespielten Titel dieser Woche:
Auf Platz 1, eine typische drecks Dance Nummer, recht dreist geklaut von Faithless.
Bebe Rexha & Faithless - New Religion


Auf Platz 2 diese völlig langweilige Ballade, wieder mit extrem langweiligen Dance Elementen:
Kygo, Khalid, Gryffin - Save My Love


Auf Platz 3:
KAMRAD - Hug Yourself


Platz 4:
[Tiffany Aris - Vertigo/b]


Golden” Official Lyric Video


Diese Titel haben alle mehrere Gemeinsamkeiten: englische Texte auf niedrigem Niveau, sehr simple Akkorde, öde Arrangements, und eine gewisse Tanzbarkeit.

Aus meiner Sicht, war kein einziger Titel für mich beim Hören auch nur ansatzweise ein Gewinn. Ich könnte jetzt noch mehr Songs hier posten, aber das führt zu nichts. Ich kannte von den Titeln auch gar keinen.

=> Frage an die Mitglieder hier: Sind diese typischen Radiosongs euch vorher bekannt gewesen? Ist das Euer Geschmack? Würdet ihr derartige Musik privat hören?

Hier zum Artikel:
Nur drei Prozent deutschsprachige Musik im Radio – das ist zu wenig, finden die Ministerpräsidenten von Thüringen und Sachsen-Anhalt. Hier schreiben die beiden CDU-Politiker, wie sie das ändern wollen.
(....)
2013 waren es zehn Prozent. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist der Anteil im selben Zeitraum von 16 auf rund zehn Prozent gefallen.

Musik ist mehr als Unterhaltung. Sie ist Sprache, Identität, kulturelles Selbstverständnis. Sie sagt uns, wer wir sind. Und deshalb müssen wir uns eine einfache, aber entscheidende Frage stellen: Wie hörbar ist dieses „Wir“ eigentlich noch?

(...)
Ein Blick ins Ausland zeigt: Andere Länder gehen diesen Weg selbstbewusster. Frankreich, Kanada, Australien setzen gezielt auf die Sichtbarkeit eigener Stimmen – nicht aus Abschottung, sondern aus Überzeugung. Denn Sichtbarkeit entsteht nicht von allein. Sie ist eine Entscheidung.

Dieser Rückgang ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis von Strukturen, die das Globale begünstigen und das Eigene leiser werden lassen.

(...)
Flankiert werden sollte dies durch eine regelmäßige transparente Offenlegung über die Entwicklung des Anteils deutschsprachiger Musik im Programm. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat den gesetzlichen Auftrag, kulturelle Vielfalt abzubilden – und dazu gehört unsere Sprache. Und deshalb erwarten wir auch, dass das in Programmplanung und Formatentwicklung sichtbar wird.

Private Anbieter haben die Reichweite, Talente zu entdecken, und entscheiden damit maßgeblich darüber, wie sich künstlerische Karrieren entwickeln: Wer hier sagt, der Markt entscheide, übersieht, dass Marktlogik Bekanntheit belohnt – nicht Talent. Wer nie im Radio und Fernsehen läuft, wird nicht bekannt.


Hier der Artikel:
https://www.welt.de/debatte/article6a17 ... immen.html

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alex_wintermute
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Re: Deutschsprachige Musik - einfach unerwünscht?

Beitrag von alex_wintermute »

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Richie Pistilli
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Re: Deutschsprachige Musik - einfach unerwünscht?

Beitrag von Richie Pistilli »

Kent hat geschrieben: ↑
Sa., 30.05.2026 14:43
Wenn @RichiePistilli Musik postet, ist da immer ein hoher deutschsprachiger alternative Titel dabei. Dies ist interessant, ich möchte sagen, dass obwohl wir beide wohl aus unterschiedlichen Generationen stammen, wir beide aus einem "eher" linksgeprägten Umfeld stammen. Gerade in diesem Bereich gab und gibt es immer einen recht hohen Anteil von deutschsprachiger Musik.


Was die heutige Musiklandschaft betrifft, so habe ich mittlerweile völlig den Bezug dazu verloren. Zudem bewegte ich mich schon immer gerne abseits des musikalischen Mainstreams. Meine Sozialisation verlief über Schallplattenläden, subkulturelle Szenen, Fanzines / Musikmags jeglicher Coleur und später auch TV-Sendungen. "Radio-Musik" hat mich noch nie interessiert. Als in meinem ersten Auto das Kassettendeck den Geist aufgab, wurde kurzerhand der Walkman per Cinch-Kabel an den Verstärker angeschlossen. 8-)

Fremdproduzierte "Chartproduktionen" konnte ich noch nie etwas abgewinnen. Für mich muss Kunst immer von den Künstlern selbst geschaffen sein, sollte einen DIY-Charakter besitzen und zwingend "persönliche Noten" beinhalten. Das soll jetzt aber auch nicht heißen, dass ich alle Radiosongs schlecht finde, aber Musik, mit der ich mich identifizieren kann, stammte schon immer vordergründig aus dem subkulturellen Sektor und war / ist mehr oder minder unabhängig von irgendwelchen Trends, deutschen Hörgewohnheiten oder dem jeweiligen Konsumverhalten. Die international (aber auch national) weitverzweigte Labelstruktur im Indie-Sektor sorgte dafür, dass Vielfalt und unendlich viel Kreativität frei gesetzt wurde, die aber über kurz oder lang vom Mainstream aufgesogen wurde. Seit Einführung der MP3-Shops und insbesondere Streaming habe ich den Bezug zur aktuellen Musiklandschaft gänzlich verloren. Daher habe ich auch keinen blassen Schimmer, was aktuell so abgeht. Trotz der unendlich vielen Möglichkeiten an Musikquellen, über die heutzutage Musik konsumiert wird, finde ich nur ganz, ganz, ganz selten etwas Neues, das mir gefällt. Musikalisch lebe ich in meiner eigenen Blase, die ich mir über mehrere Jahrzehnte lang anhand analogen Tonträgern aufgebaut habe. Damit bin ich zufrieden. Und meinen TV-Receiver habe ich schon vor über 10 Jahren auf den Speicher verbannt. Habe das "Brainfuck-TV" irgendwann nicht mehr ausgehalten. Das, was mich im Fernsehen interessiert, gibt es auch in Mediatheken oder im Internet zu sehen.

Zum Thema "Förderung" fehlt mir ehrlich gesagt das nötige Hintergrundwissen, um eine ehrliche Meinung abzugeben. Die ausschlaggebende Frage ist, wer soll warum gefördert werden und wie sehen die Auswahlkriterien aus? Als Garant für mehr Vielfalt und Kreativität sehe ich weniger den monetären Fördergedanken, sondern vielmehr den Abbau kommerzieller Machtstrukturen, die dem Musikbusiness die notwendige Luft zum Atmen geraubt hat.

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alex_wintermute
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Re: Deutschsprachige Musik - einfach unerwünscht?

Beitrag von alex_wintermute »

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alex_wintermute
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Re: Deutschsprachige Musik - einfach unerwünscht?

Beitrag von alex_wintermute »

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Kent
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Re: Deutschsprachige Musik - einfach unerwünscht?

Beitrag von Kent »

ich liebe diesen Titel, nicht nur wegen Helmut Berger :D




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