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STRAFBATAILLON 999 - Harald Philipp

Verfasst: So., 22.02.2026 23:04
von Prisma


STRAFBATAILLON 999


● STRAFBATAILLON 999 (D|1959)
mit Georg Thomas, Werner Peters, Kurd Pieritz, Heinz Weiss, Klaus Kindler, Hanns Ernst Jäger, Judith Dornys, Ernst Schröder, Werner Hessenland,
Georg Lehn, Stanislav Ledinek, Alfred Balthoff, Paul Albert Krumm, Gerd Frickhöffer, Charles Palent, Bert Sotlar, Willy Schäfer und Sonja Ziemann
ein Zeyn Film| in Zusammenarbeit mit der Dubrava Film | Perutz Film | im Verleih der Union Film
dieser Film entstand nach dem gleichnamigen REVUE-Roman von Heinz G. Konsalik
ein Film von Harald Philipp

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»Komisch, mir war eben so, als ob man die Sonne hört!«


In einem Strafbataillon kommen Männer unterschiedlicher Klassen zusammen, die oft wegen geringfügiger Vergehen verurteilt wurden. Als die Wehrmachtsführung erkannte, dass darauf folgende Todesurteile nur die Möglichkeiten von potenziellem "Kanonenfutter" blockierte, müssen sich die Männer fortan an der Front bewähren. So ergeht es auch dem Bakteriologen Dr. Ernst Deutschmann (Georg Thomas), der durch Selbstversuche ein Serum für die schnellere Heilung von Verwundeten entwickeln wollte, ihm letztlich jedoch Selbstverstümmelung und Entzug vor dem Wehrdienst vorgeworfen wurde. Seine Frau Julia (Sonja Ziemann) ersucht Gnade an den verantwortlichen Stellen und beschließt, die Versuchsreihe an sich selbst fortzuführen …

"Strafbataillon 999" stellt nach dem im Jahr 1958 von Géza von Radványi hergestellten Film "Der Arzt von Stalingrad" die bereits zweite Romanverfilmung nach Heinz G. Konsalik dar, und es sollten noch etliche weitere Folgen. Ähnlich wie bei der filmischen Premiere, präsentiert sich Harald Philipps Beitrag in einer weitgehend sachlichen, wenn auch publikumswirksamen Fasson und weist dabei im Gros auf die unmenschlichen Praktiken in der laufenden Kriegsmaschinerie hin, die unzählige Kreaturen der Willkür hervorgebracht hat. Der Legende verliert man im Krieg zuerst die Unschuld, was sich als ein guter Wegbereiter für diese Geschichte erweist. Ein Bakteriologe wird zum Gang durch die Hölle Strafbataillon und anschließende Kriegsfront verurteilt, da er eigenmächtig und dementsprechend nicht im Sinne der Obrigkeit gehandelt hat, obwohl seine Hauptintention aus förderlichen Absichten bestand. Betrachtet man seine Fähigkeiten und das damit verschwendete Potenzial, skizziert diese Degradierung die Erwartung blinden Gehorsams und dem Ablegen menschlicher Eigenschaften sehr genau. Vor Ort dürfen sich Emporkömmlinge an ihm und seinen Leidgenossen abarbeiten, die zunächst den bedingungslosen Gehorsam anhand schwachsinniger Befehle ausreizen. Drakonische Strafen werden übrigens immer verhängt, egal was die Gefangenen tun. Die Regie liefert Skizzen dieser Inhalte, ohne dabei jedoch zu sehr in die Vollen zu gehen, immerhin bringt das Publikum ein genügendes Maß an Eigenfantasie mit, um sich die grassierende Perversion dieser Straflager auszumalen. Die verzweifelte Frau des Arztes setzt derweil alle zur Verfügung stehenden Hebel an den richtigen Stellen in Bewegung, um ihrem Mann zu helfen. Dass sie nicht sofort abgewiesen wird, liegt ausschließlich an ihrer Attraktivität und den schmutzigen Gedanken des aufgesuchten Gutachters Dr. Kukill, der sich alles Weitere offenbar bereits plastisch ausgemalt hat. Der Verurteilte wird an der Front verheizt, Kukill könnte sich schlussendlich erbarmen, die übrig gebliebene Frau zu übernehmen. Der Versuch, sie tief in seine Schuld zu stellen, ist dabei ziemlich durchsichtig, völlig unverfroren und in einer erschütternden Weise perfide, da Julia die Sache zwar schnell durchschaut, sich einem derartigen Kuhhandel allerdings unterwerfen müsste.

Hier liefert Sonja Ziemann ein leidenschaftliches Plädoyer und sie stellt erneut ihre melancholische Überzeugungskraft unter Beweis. Wenn eine deutsche Schauspielerin zu nennen ist, die sich vor allem im Genre des Kriegsfilms einen Namen machen konnte und dementsprechend auch immer wieder dort zu sehen war, ist es Ziemann, deren Aura hier perfekt greift. Die Frau des verurteilten Arztes, die selbst Medizinerin ist, hat den Punkt der Resignation bereits weit überschritten, doch sie sieht keine andere Wahl als den aussichtslosen Kampf, der möglicherweise ihre Würde kosten wird. Ihren Plan verfolgt sie mit dem Verstand einer Naturwissenschaftlerin, der Analysen über die Schlechtigkeit ihrer Kontrahenten erst gar nicht aufkommen lässt. Der weniger bekannte Georg Thomas ist in der Rolle ihres Mannes zu sehen und vermittelt ebenfalls eine derartige Note, agiert unterm Strich hervorragend und steht seinen namhafteren Kollegen in nichts nach. Besonders ins Auge fallen die selbsternannten Götter der Kriegsmaschinerie, hier mit den Finessen eines Werner Peters, Klaus Kindler oder Ernst Schröder zu sehen. Obwohl auf der gleichen Seite agierend, sorgen Heinz Weiss oder Kurd Pieritz für erleichternde Zwischentöne, denn sie demonstrieren, dass sich im Rahmen der Unterwerfung nicht jeder gleich verhalten muss. Erweitert interessant besetzt mit Judith Dornys, Paul Albert Krumm, Georg Lehn, Stanislav Ledinek oder Hanns Ernst Jäger, kommen intensive Leistungen zum Tragen. Die geschilderte Situation spitzt sich stringent und in jeder Lage zu, sodass der Verlauf auf eine spürbare Spannung bauen kann und die Gewissheit, dass es unter keinen Umständen zu einer guten Lösung kommen wird. Der Film verfügt im Rahmen seiner Schwarzweiß-Fotografie über eine immense Bildgewalt, die besonders beim Aufzeigen der hässlichsten Fratzen des Krieges zum Vorschein kommt. Am Ende spielt es keine Rolle, ob "Strafbataillon 999" aufgrund der Vorlage, der Bearbeitung oder der Kombination so überzeugend und mitreißend ausgefallen ist. Unterm Strich bleibt ein Vertreter des Kriegsfilms, der sich als Plädoyer für die Humanität versteht, dabei unermüdlich auf die Sinnlosigkeit des Ganzen und ausgewählte Schicksale verweist, die hier stellvertretend für eine unübersichtliche und kaum zu beziffernde Masse steht. Sehenswert.