Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Für alles filmbezogene, das forenübergreifend ist.
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Kent
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Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von Kent »

Seit einiger Zeit stelle ich mir die Frage, was ist eigentlich aus dem deutschen Film geworden. Man hat den Eindruck, dass in Deutschland die gesamte Kulturszene seit Corona nicht wieder auf die Beine gekommen ist.
Dies betrifft nicht nur den Film, sondern auch die Musik etc.

Schaut ihr überhaupt deutsche Filme? Bei mir ist es so, dass ich privat eigentlich nur Filme aus Italien und Frankreich schaue. Ich weiß, dass viele der Anhänger des italienischen Kinos immer gerne über das US Kommerzkino lästern, dies ist auch gar nicht schlimm, weil viele Sachen auch wirklich nicht so interessant sind.

Mein Eindruck ist, dass das deutsche Kino die ungute Tendenz zur Pädagogisierung hat. In diesen Filmförderungsgremien sitzen studierte Leute mit "Anspruch", die sich nicht in das Publikum hinein versetzen können. Viel zu viele Filme werden einfach am Markt vorbei produziert. Der Tatort ist auch ein Beispiel für politisch korrekte Unterhaltung, die mir nicht gefällt.

DIe SPD will jetzt den deutschen Film massiv finanziell stärken. Aber wie ist eure Meinung, wie findet ihr den deutschen Film aktuell?
Schaut ihr Produktionen aus Deutschland?

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alex_wintermute
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von alex_wintermute »

Meiner Meinung nach gibt es viel zu viele belanglose Komödien und weitschweifige Arthouse Filme, zu wenig gute Genre, Satire und SciFi Filme, die sich mit der aktuellen Weltlage bzw. Zeitgeist beschäftigen. Und dystopische Zukunftsvisionen, die zum Nachdenken anregen, kommen ebenfalls viel zu kurz in der deutschen Filmlandschaft. Dabei gibt es genug hochinteressante und hochaktuelle Themen wie z.B. George Orwell, KI, Virtuelle Realität, Mixed Reality, Manipulation und Macht der Medien, Cyberspace, Quantencomputer, Superintelligenz, Cyborgs, KI-Roboter, Androiden, Geoengineering, synthetische Biologie, Bewusstseinsveränderung des Menschen im KI Zeitalter, digitale Doppelgänger, Identitätsverlust, Identitätsdiebstahl, Deep Fake, Wurmlöcher, Zeitdilatation, Paradoxien, Ethik der Zukunft, Militärsatelliten, Totalüberwachung, Dystopien aller Art, Nanotechnologie, 4. Reich der Superreichen, soziale Kontrolle sowie Widerstand und vielem mehr. Stattdessen seit Jahrzehnten fast immer die gleiche Leier in Deutschland. Regietalente und Nachwuchsregisseure gibt es auch hier, aber der Fokus der Produzenten liegt wohl auf Altbewährtem, kaum einer traut sich etwas Neues in Deutschland. Und zur SPD, finde den Ansatz gut, ich jedenfalls würde die aktuellen 18,36 EUR pro Monat des ARD/ZDF Rundfunkbeitrags viel lieber zur Filmförderung junger Regisseure in Deutschland zur Verfügung stellen. Der ARD/ZDF Rundfunkbeitrag gehört abgeschafft. Er ist in meinen Augen und in meinem Fall komplette Abzocke, ich schaue seit über 15 Jahren überhaupt keine TV-Programme mehr und muss trotzdem den Betrag zahlen. Für was? Unfassbar. Dann lieber das Geld in die Filmförderung in Deutschland stecken.

TRAXX
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von TRAXX »

alex_wintermute hat geschrieben:
Mo., 16.02.2026 11:42
Der ARD/ZDF Rundfunkbeitrag gehört abgeschafft. Er ist in meinen Augen und in meinem Fall komplette Abzocke, ich schaue seit über 15 Jahren überhaupt keine TV-Programme mehr und muss trotzdem den Betrag zahlen. Für was? Unfassbar. Dann lieber das Geld in die Filmförderung in Deutschland stecken.
Aber du kannst Mediatheken der Öffis benutzen und tust das wahrscheinlich auch. ;)

Der deutsche (Nachkriegs-)Film war schon immer scheisse und hat sich im Grunde genommen nur durch Ausnahmen von dieser Regel hin und wieder hervorgebracht.

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alex_wintermute
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von alex_wintermute »

TRAXX hat geschrieben:
Mo., 16.02.2026 18:10
Aber du kannst Mediatheken der Öffis benutzen und tust das wahrscheinlich auch. ;)

Nicht wirklich, in den letzten 25 Jahren gerade mal 2 bis max. 3 Mal genutzt. Und ich rechne besser nicht aus was für horrende GEZ bzw. Rundfunkgebühren ich dafür bezahlt habe.

TRAXX hat geschrieben:
Mo., 16.02.2026 18:10
Der deutsche (Nachkriegs-)Film war schon immer scheisse und hat sich im Grunde genommen nur durch Ausnahmen von dieser Regel hin und wieder hervorgebracht.

Nun ja, da ist immerhin schon etwas länger her. Den deutschen Heimatfilm der Nachkriegszeit, der die heile Welt verkörpert, lehne ich strikt ab. So etwas kann ich mir wirklich nicht freiwillig antun.

Und wurde der "Neue Deutsche Film" in den 60er/70er/(80er) Jahren nicht zum Teil mit Geldern der Bundesländer finanziert, neben anderen Produzenten? Und Fassbinder war eng mit der deutschen Fernsehlandschaft verbunden, er ging Kooperationen mit TV-Sendern ein. Sein Klassiker und Meisterwerk "Welt am Draht" ist z.B. so eine TV-Produktion.

Aus der Ära sind einige tolle deutsche Filme entstanden. Zumindest in meinen Augen. Heutzutage scheint es nur noch den "Tatort" im TV zu geben und im Kino überwiegend langweilige Komödien und unoriginelle Arthouse Filme, die mich nicht wirklich interessieren. Natürlich gibt es hier und da mal Ausnahmen.

Hoffe, dass es in nicht allzu ferner Zukunft mal in eine andere Richtung geht. Am liebsten wäre mir wie oben schon erwähnt mehr deutsche SciFi und Satire Filme in den Kinos.

Dafür wäre ich bereit zu zahlen.

Nobody
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von Nobody »

Also in den Zahlen schlägt sich dieser von dir ausgemachte Niedergang des deutschen Films nicht nieder. Der Anteil deutscher Produktionen am Gesamtkonsum nimmt seit Corona zu und in den letzten Jahren gab es etliche ordentliche Erfolge, vornehmlich - aber nicht nur - Kinderfilme. Was den Inhalt betrifft, finde ich es schade, dass man sich auf seichte Komödien mit gesellschaftspolitischen Themen beschränkt und es leider kein deutsches Genrekino abseits der Komödie gibt. In diesem Bereich haben sich aber Bully oder Till Schweiger durchaus einen Namen gemacht. Gerade von letzterem kann man halten, was man will, aber handwerklich sind seine Filme gut gemacht, sehen wertig aus - während viele andere Produktionen wie bessere TV Kost daherkommen - und haben teils durchaus interessante Themen. Einen Stefano Sollima haben wir leider nicht, aber welcher deutschen Filmtradition sollte der auch entstammen?
Ich finde im Gegensatz zu Traxx auch, dass es in den Sechzigern doch ein solides Genrekino mit etlichen guten bis sehr guten Regisseuren, namentlich Reinl, Vohrer, Hoffbauer oder Martin gab.

Was die GEZ betrifft, so werden darüber auch Dokus und Kulturprogramme finanziert. Ich bin jetzt auch kein großer TV-Gucker, aber dann lieber die Öffis, als RTL und Co...

TRAXX
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von TRAXX »

Nobody hat geschrieben:
Mo., 16.02.2026 21:14
Ich finde im Gegensatz zu Traxx auch, dass es in den Sechzigern doch ein solides Genrekino mit etlichen guten bis sehr guten Regisseuren, namentlich Reinl, Vohrer, Hoffbauer oder Martin gab.
Was vornehmlich daran lag, dass in den 1960ern/1970ern das Kino generell explodiert ist. Natürlich hat es durch diese Entfesslungswelle auch Deutschland etwas mitgerissen, aber konnte dieses kurze Aufflammen das Feuer am Lodern halten? Nein! Im Laufe der 1980er zog der olle Muff (bisslose Komödien & verkopfter Arthouse-Quark) wieder in die bundesdeutschen Kinos ein - und hält sich bis jetzt fest im Sattel.

Natürlich gibt es immer wieder mal Versuche etwas Frische in den Deutschen Film zu injizieren, aber dann schau dir mal die Besucherzahlen von jenen deutschen Genre-Wagnissen an: Ein Witz! Aber sowas wie MANTA MANTA 2 geht steil.
Nee, das Publikum bekommt, was es verdient oder das, zu dem es sich hat (v)erziehen lassen. Für mich ist der deutsche Film toter als tot!

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alex_wintermute
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von alex_wintermute »

Nobody hat geschrieben:
Mo., 16.02.2026 21:14
Was die GEZ betrifft, so werden darüber auch Dokus und Kulturprogramme finanziert. Ich bin jetzt auch kein großer TV-Gucker, aber dann lieber die Öffis, als RTL und Co...

ARD/ZDF nehmen allein über den Rundfunkbeitrag einfach mal so über 8 MILLIARDEN Euro im JAHR ein. Diese gigantischen Beträge stehen wie es ausschaut in keinem Verhältnis zu dem was der Zuschauer im TV präsentiert bekommt. Den einzigen TV-Sendern, denen ich zumindest etwas nachtrauere, ist ARTE und die Anfänge von MTV. ARTE hat früher ebenfalls exzellente Dokumentarfilme gezeigt, mal ganz abgesehen von den unzähligen Spielfilmklassikern und Meisterwerken der Filmgeschichte. Das auch oftmals ungekürzt. Und vom WDR habe ich ganz früher deren Sendung über Schach der Großmeister geliebt.

TRAXX hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 01:34
Natürlich gibt es immer wieder mal Versuche etwas Frische in den Deutschen Film zu injizieren, aber dann schau dir mal die Besucherzahlen von jenen deutschen Genre-Wagnissen an: Ein Witz! Aber sowas wie MANTA MANTA 2 geht steil.
Nee, das Publikum bekommt, was es verdient oder das, zu dem es sich hat (v)erziehen lassen. Für mich ist der deutsche Film toter als tot!

Ganz so krass sehe ich es zwar nicht, ab und an ist tatsächlich etwas Brauchbares in der deutschen Filmlandschaft zu finden, aber leider kommt das eher extrem selten vor. Der deutsche Film könnte so viel besser sein.
Hier auch mal eine Liste über meine liebsten deutschen Filme aus den 70er und 80er Jahren, sowie über meine Lieblingsfilme aus Deutschland nach den 80er Jahren bis fast heute, die ich bereits in einem anderen Thread gepostet habe:

► Text zeigen

Es sind gemessen am Zeitraum nicht wirklich viele Filme aus Deutschland, aber in meinen Augen allesamt absolut sehenswert. Wette ich habe ein paar Perlen nicht gesehen oder übersehen.

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Kent
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von Kent »

Ich denke, hier kommen verschiedene Punkte zusammen. Zum einen benötigen wir auch wieder eine Wertschätzung gegenüber der eigenen Kultur und Sprache. Gefühlt wird bei uns alles abgebürstet und zerredet.
Man kann ja von Till Schweiger halten, was man will, aber die Wertschätzung, dass er im Rahmen der in Deutschland gegeben Möglichkeiten viel erreicht hat, sollte schon anerkannt werden. Ich denke da an seine Tatort-Produktionen, die für die hiesigen Verhältnisse stark waren. Leider wurden diese Produktionen nicht als Startpunkt genutzt, und alles verlief wieder im Sande.
Die Franzosen waren uns in der Vergangenheit in diesem Bereich meilenweit überlegen. Es wurden Stars aufgebaut und die Kräfte gebündelt. Man muss auch mal Mut haben, die eigene Identität konsequent durchzuziehen, diese verwaschenen Produktionen sind häufig nicht Fisch, nicht Fleisch. Es ist nur sexy, was konsequent ist. Dieses bisschen hiervon aber nicht zuviel etc. holt doch keinen in dem Ofen hervor.

Ein zweiter Punkt ist, dass deutsche Produktionen immer so moralisch überladen sind. Der Täter ist immer der weiße Mann, die Migrantin ist total nett etc. Udo Wachtveitl hat ja beim Ausstieg aus dem Tatort auch bemängelt, dass die deutschen Produktionen zuviel Zeitgeist haben. Diversität ist kein automatischer Beleg für einen guten Film. etc
Zitat: Die Reichen sind tendenziell die Bösen, nie der Arme der Mörder: Schauspieler Udo Wachtveitl vom Münchner „Tatort“-Team findet die Krimireihe mittlerweile moralisch viel zu erwartbar.
... „Ich glaube, da ist ein bisschen 1968er-Kitsch dabei. Diese Leute sind jetzt alle in den Redaktionen in den entsprechenden Positionen. Bei denen darf der hart arbeitende Ausländer unter den drei Verdächtigen sicher nicht der Täter sein.


und
Es gibt so eine neue Prüderie, eine Verbotskultur"
Er ist sich aber sicher, dass es ein Duo Nemec-Leitmayr so heute nicht mehr gebe. "Ein paar Jahre später hätte man das vielleicht gar nicht mehr so gemacht, zwei weiße, etwa gleich alte, ähnlich disponierte Typen zusammenzuspannen. Da hätte der Zeitgeist schon gefordert, dass mindestens einer von beiden eine Frau sein muss. Oder dass es diverser zugehen muss."


https://www.welt.de/kultur/article21337 ... ,%E2%80%9C


Ich habe im letzten Jahr in meinem Urlaub an der Ostsee mehrere Folgen Wapo Bodensee geguckt, die Serie ist wirklich grauenhaft. Da hat man richtig den Eindruck, dass statt ausgebildeten Drehbuchautoren ein paar Sozialpädagogen die Drehbücher geschrieben hätten. Das mag zwar alles gut gemeint sein, so funktioniert aber Unterhaltung nicht!

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alex_wintermute
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von alex_wintermute »

Kent hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 10:21
Udo Wachtveitl hat ja beim Ausstieg aus dem Tatort auch bemängelt, dass die deutschen Produktionen zuviel Zeitgeist haben. Diversität ist kein automatischer Beleg für einen guten Film.

Udo Wachtveitl bezieht sich wohl auf Zeitgeist-Klischees. Während der eigentliche Zeitgeist die komplexen, realen kulturellen Strömungen einer Epoche beschreibt, sind Zeitgeist-Klischees vereinfachte, oft stereotype Bilder, die diese Strömungen auf oberflächliche Trends reduzieren. Der Unterschied zwischen Zeitgeist und Zeitgeist-Klischees ist größer als man animmt. Er liegt in der Tiefe der Analyse und der Differenziertheit der Betrachtung. Ich wünsche mir jedenfalls wesentlich mehr gute Genre, SciFi und Satire Filme, die sich mit dem aktuellen Weltgeschehen bzw. Zeitgeist tief auseinandersetzen.

Kent hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 10:21
Diversität ist kein automatischer Beleg für einen guten Film. etc

Diversität ist an sich nichts Schlechtes. Aber die neuen Diversity Regeln aus Hollywood gehen mir eindeutig zu weit. Schrieb bereits in einem anderen Forum etwas dazu. Die amerikanische Filmakademie schießt meiner Meinung nach mit ihren neuen Diversity Regeln weit über das Ziel hinaus. Der Umbruch wird mit der Brechstange erzwungen. Ganz egal, dass deren neue Bestimmungen auf Kosten der Kunstfreiheit gehen. Ich bin in dem Punkt ganz klar bei Kirstie Alley. Sie kommentierte den Beschluss der amerikanischen Filmakademie auf Twitter, heute X , damals so:

„Das ist eine Schande. Stell dir vor, du gibst Picasso Anweisungen, was auf seinen Bildern zu sehen sein soll. Ihr Leute habt doch den Verstand verloren. Ihr seid die Gedankenpolizei . . . Oscar Orwell.“

Mit ihrer Aussage hat sie gar nicht mal so unrecht. Ihren Tweet musste sie damals auf Twitter leider wieder löschen, wahrscheinlich war der Druck von außen von unserer mittlerweile völlig komplett aus den Fugen geratenen Gesellschaft und Social Media Wahnsinnigen viel zu hoch.

Meiner Meinung nach schränken die neuen Diversity Regeln die Freiheit der Kunst ein. Als Regisseur ist man Künstler. Regie führen ist eine Form der Kunst. Es existieren auch noch Regisseure, die einen ganz eigenen Stil besitzen und gewisse Vorstellungen von ihrem Werk und dessen filmischer Umsetzung haben. Und jetzt kommen irgendwelche Akademiker aus Hollywood daher und dioktrinieren einem auf wie man als Regisseur seinen Film zu gestalten hat. In meinen Augen wird Kreativität nicht geschaffen bzw. gefördert, sondern direkt im Vorfeld stark eingeschränkt. Die Entscheidung der amerikanischen Filmakademie empfinde ich als erschreckend bzw. nicht konstruktiv. Wer weiß schon genau, was uns noch zukünftig an neuen Diversity Regeln erwartet, die evtl. noch restriktiver sind. Schöne neue Welt. Und ich bin kein Rassist, kein Antisemit und auch nicht homophob. Mir geht es um die Freiheit der Kunst. Zum Glück machen die Filmfestspiele in Cannes das nicht mit. Um eine begehrte Goldene Palme in Cannes zu gewinnen muss man keinerlei Diversity Regeln erfüllen.

In Hollywood ist es nun leider anders, da muss man als Regisseur sich an die Diversity Regeln halten, um in der Kategorie "Bester Film" einen begehrten Oscar zu gewinnen.

Es gibt mittlerweile sogar Fälle, in denen Bücher aufgrund von Political Correctness umgeschrieben bzw. angepasst wurden. Satiriker und Comedians haben es aktuell ebenfalls schwer in der Welt. Auch fatal sind in meinen Augen z.B. die nachträglichen Zensuren von Filmen durch Konzerne, z.B. dem Disney Konzern, der hatte damals für ihr Streamingangebot auf Disney+ einige Filme nachträglich - auch noch gegen den Willen der Regisseure - krampfhaft verändert, nur damit das umgeänderte Werk dem eigenen moralischen Weltbild, oder ihren Wertevorstellungen (Disney vermarktet sich immer ganz gern als "familienfreundlich"), oder den Moralvorstellungen des aktuell vorherrschenden Zeitgeist(-Klischees) entspricht. Ich mag solche nachträglichen Zensuren bzw. Eingriffe und Veränderungen von originalen Werken überhaupt nicht. Sei es in Filmen, Büchern, Songtexten oder Kunstwerken anderer Art. Lehne diese Eingriffe strikt ab. George Orwell schrieb "1984" zur Abschreckung und nicht zur Nachahmung. Wir befinden uns auf dem Weg zu Letzterem.

Nobody
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von Nobody »

TRAXX hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 01:34
Nobody hat geschrieben:
Mo., 16.02.2026 21:14
Ich finde im Gegensatz zu Traxx auch, dass es in den Sechzigern doch ein solides Genrekino mit etlichen guten bis sehr guten Regisseuren, namentlich Reinl, Vohrer, Hoffbauer oder Martin gab.
Was vornehmlich daran lag, dass in den 1960ern/1970ern das Kino generell explodiert ist. Natürlich hat es durch diese Entfesslungswelle auch Deutschland etwas mitgerissen, aber konnte dieses kurze Aufflammen das Feuer am Lodern halten? Nein! Im Laufe der 1980er zog der olle Muff (bisslose Komödien & verkopfter Arthouse-Quark) wieder in die bundesdeutschen Kinos ein - und hält sich bis jetzt fest im Sattel.

Natürlich gibt es immer wieder mal Versuche etwas Frische in den Deutschen Film zu injizieren, aber dann schau dir mal die Besucherzahlen von jenen deutschen Genre-Wagnissen an: Ein Witz! Aber sowas wie MANTA MANTA 2 geht steil.
Nee, das Publikum bekommt, was es verdient oder das, zu dem es sich hat (v)erziehen lassen. Für mich ist der deutsche Film toter als tot!
Ja, aber die Einbrüche gab es auch im französischen und italienischen Kino. Letzteres hat mit Sollima Junior und ein zwei anderen Regisseuren zwar wieder ein paar heiße Eisen im Feuer, aber der Rest ist auch weit von alten Zeiten entfernt. Oder TV. Bei aller nostalgischen Verklärung, mit der man Terence Hill in Don Matteo oder Die Bergpolizei, oder Bud Spencer in Ein Koch für alle Fälle, ja selbst Extra Large und Jack Clementi sieht, vom handwerklichen ist da kein Unterschied zum deutschen TV.

Nobody
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von Nobody »

alex_wintermute hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 08:46
Nobody hat geschrieben:
Mo., 16.02.2026 21:14
Was die GEZ betrifft, so werden darüber auch Dokus und Kulturprogramme finanziert. Ich bin jetzt auch kein großer TV-Gucker, aber dann lieber die Öffis, als RTL und Co...

ARD/ZDF nehmen allein über den Rundfunkbeitrag einfach mal so über 8 MILLIARDEN Euro im JAHR ein. Diese gigantischen Beträge stehen wie es ausschaut in keinem Verhältnis zu dem was der Zuschauer im TV präsentiert bekommt. Den einzigen TV-Sendern, denen ich zumindest etwas nachtrauere, ist ARTE und die Anfänge von MTV. ARTE hat früher ebenfalls exzellente Dokumentarfilme gezeigt, mal ganz abgesehen von den unzähligen Spielfilmklassikern und Meisterwerken der Filmgeschichte. Das auch oftmals ungekürzt. Und vom WDR habe ich ganz früher deren Sendung über Schach der Großmeister geliebt.

Sorry, aber eine solche Diskussion nur auf Basis des eigenen Geschmacks zu führen, wird schwierig. Die Masse der GEZ Zahler wird wohl eher sagen, sie braucht keine Dokus und die Quoten geben das auch her, aber genau das ist ja das Argument, dass hier der kulturelle Aspekt gefördert wird. Gleichzeitig will man bei Quotenbringern wie im Sport wettbewerbsfähig bleiben und die regionale Vielfalt aufrecht erhalten. Ja, das finde ich schützenswert.
Ich persönlich würde sagen, ich brauche kein Radio, aber auch das hat sein Publikum und wird darüber gefördert.

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alex_wintermute
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von alex_wintermute »

Nobody hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 21:00
Sorry, aber eine solche Diskussion nur auf Basis des eigenen Geschmacks zu führen, wird schwierig. Die Masse der GEZ Zahler wird wohl eher sagen, sie braucht keine Dokus und die Quoten geben das auch her, aber genau das ist ja das Argument, dass hier der kulturelle Aspekt gefördert wird. Gleichzeitig will man bei Quotenbringern wie im Sport wettbewerbsfähig bleiben und die regionale Vielfalt aufrecht erhalten. Ja, das finde ich schützenswert.

GEZ gehört doch der Vergangenheit an, das heißt jetzt Rundfunkbeitrag. Ein wahrlich krasser Unterschied, nicht nur in der Namensgebung. Die Gebühren der GEZ = Gebühreneinzugszentrale sind/waren übrigens viel ehrlicher als der neue und moderne Rundfunkbeitrag. Ein Beitrag ist eine Leistung in Geld, die für eine Gegenleistung geleistet wird, bei Möglichkeit der Nutzung. Eine Gebühr dagegen wird als direkte Gegenleistung für eine tatsächlich in Anspruch genommene Leistung erhoben. So sollte es sein! Warum soll ich bitte jeden Monat einen Beitrag von 18,36 EUR zahlen müssen, für das seltsame ARD/ZDF Programm, was mich null interessiert und ich überhaupt nicht nutze? Das ist doch vollkommener Rip Off. Wer das ARD/ZDF Programm gerne konsumieren möchte, darf das gerne tun und dafür 3-stellige Summen im Jahr bezahlen. Habe damit keinerlei Probleme, aber lasst bitte die Menschen in Ruhe, die nichts mit dem ARD/ZDF Programm anfangen können. Den monatlichen Betrag würde ich jedenfalls viel lieber in Filmprojekte junger Nachwuchsregisseure stecken wie schon an anderer Stelle erwähnt. Und zum Thema Dokumentarfilm, gerade aktuell auf T-Online zu lesen, das ZDF hat vor Kurzem die Umwelt Dokumentationsreihe "Im Einsatz für …" mit Hannes Jaenicke eingestellt. Das Thema ist aktueller denn je und eine Folge dieser angeblich interessanten Dokumentationsreihe hat gerade mal nur um die 200.000 EUR an Produktionskosten gekostet. Wir stecken nicht nur inmitten einer Klimakrise, sondern kurz vor einer Umweltkatastrophe. Weltweit. Ausgerechnet ich muss das auch noch als Oldschool Benziner V8 HEMI Muscle Car Lover erwähnen. Und was macht das ZDF: Es streicht ausgerechnet diese Dokumentationsreihe, stattdessen gibt es so eine seichte Scheiße wie "Das Traumschiff" weiter zu bewundern. Und für interessante Dokumentationsfilme brauche ich wirklich nicht ARD/ZDF, die gibt es auf ganz anderen TV-Sendern, Streamingdiensten oder auf Youtube sowie ab und an im Kino auf großer Leinwand zu sehen. In meinem Fall sind die monatlichen Rundfunkbeiträge eiskalte Abzocke. Ich würde gerne meinen jährlich anfallenden Betrag für Nichts, der im 3-stelligen EUR Bereich liegt, zur Filmförderung junger und angehender Regietalente in Deutschland weitergeleitet sehen.

TRAXX
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von TRAXX »

alex_wintermute hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 08:46
Es sind gemessen am Zeitraum nicht wirklich viele Filme aus Deutschland, aber in meinen Augen allesamt absolut sehenswert. Wette ich habe ein paar Perlen nicht gesehen oder übersehen.
Bestreitet ja auch niemand, dass es gute und sehenswerte Filme aus Deutschland gibt, nur schau dir mal die Besucherzahlen der Filme in deiner Liste an und vergleich die mit irgendeinem deutschen Rotzfilm, dann weisst du warum das die Ausnahme bleibt.
Im Übrigen habe ich ca. 80-90 % deiner Liste gesehen. Ich weiss also was du meinst. ;)


Zu Diversity:
Das macht imho gar nicht so viel kaputt, wie hier angenommen wird, wenn's überhaupt was kaputt macht, denn solange nur Rahmenbedingungen festgelegt werden, bleibt die künstlerische Freiheit erhalten. Was man innerhalb des Rahmens pinselt, bleibt immer noch dem Künstler überlassen.
Konkret heisst das, wenn z.B. einer der beiden TATORT-Ermittler homosexuell sein soll, dann ist er eben homosexuell. Punkt. Der Fall wird genauso ermittelt als wenn er heterosexuell wäre, es hat keinerlei Einfluss auf den Plot, Spannungskurve, Action etc. Wenn aber seine Homosexualität zum Thema gemacht wird, er z.B. nach Hause kommt und seinem Ehemann nicht erzählt wie schwierig der Fall gerade zu lösen ist etc., sondern er anfängt davon zu lamentieren, wie sehr er von seinen Kollegen aufgrund seiner Homosexualität gemobbt wird usw., dann wird Diversity zum Problem! Denn dann ist statt Krimi, Volksumerziehung mit dem Holzhammer angesagt, was jeder unappetitlich finden sollte - egal wie er politisch gepolt sein mag.
Aber ob einer der Ermittler schwul, schwarz, weiblich oder sonstwas ist, ist im Grunde genommen scheissegal für die Qualität des Films! Und das wiederum würde nur jemand bestreiten, der politisch in eine bestimmte Richtung tendiert, die jeder vernünftige Mensch ablehnen sollte.

Erst der inhaltliche Eingriff darf nicht von Außen künstlich oktroyiert werden. Diese "Vorgabe", dass der Arme, der Migrant, der Schwule, die alleinerziehende Frau etc. nie der Böse sein darf - das ist ein Punkt, da trifft die "Anti-Diversity-Kritik" ins Mark! Nur hat das imho nichts mit den Diversity-Rahmenbedingungen zu tun, sondern da schiesst Diversity übers Ziel hinaus und wird zu Propaganda.

TRAXX
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von TRAXX »

Nobody hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 20:56
Ja, aber die Einbrüche gab es auch im französischen und italienischen Kino. Letzteres hat mit Sollima Junior und ein zwei anderen Regisseuren zwar wieder ein paar heiße Eisen im Feuer, aber der Rest ist auch weit von alten Zeiten entfernt. Oder TV. Bei aller nostalgischen Verklärung, mit der man Terence Hill in Don Matteo oder Die Bergpolizei, oder Bud Spencer in Ein Koch für alle Fälle, ja selbst Extra Large und Jack Clementi sieht, vom handwerklichen ist da kein Unterschied zum deutschen TV.
Yau, das italienische Kino war ab den 1990ern weg vom Fester! Das gilt schon fast als Common Sense!
Dafür haben die aber in den 1960ern, 1970ern und den 1980ern derart gut vorgelegt, dass die heute noch davon zehren können. Die Filme aus dieser Epoche sind heute noch gefragt wie Sau! Kannst du das über deutsche Filme aus dieser Zeit behaupten? Sex- & Pornofilme mal ausgenommen, diese Nische geb ich voll und ganz (und auch sehr gerne!) dem Deutschen Film als Pluspunkt!

Der Französische Film hat sich hingegen sehr gut durchgeboxt, auch in den schwierigen 1990ern, bis heute! Nicht mit Italien und Deutschland vergleichbar! Ebenso die Spanier, denen ich mein Lob aussprechen würde. An diesen beiden Ländern, Frankreich & Spanien, sollte man die Messlatte für den Deutschen Film ansetzen. Das ist fair und da sieht man wie erbärmlich wir wirklich dastehen.

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alex_wintermute
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von alex_wintermute »

TRAXX hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 22:38
alex_wintermute hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 08:46
Es sind gemessen am Zeitraum nicht wirklich viele Filme aus Deutschland, aber in meinen Augen allesamt absolut sehenswert. Wette ich habe ein paar Perlen nicht gesehen oder übersehen.
Bestreitet ja auch niemand, dass es gute und sehenswerte Filme aus Deutschland gibt, nur schau dir mal die Besucherzahlen der Filme in deiner Liste an und vergleich die mit irgendeinem deutschen Rotzfilm, dann weisst du warum das die Ausnahme bleibt.
Im Übrigen habe ich ca. 80-90 % deiner Liste gesehen. Ich weiss also was du meinst. ;)

Besucherzahlen haben mich nicht wirklich interessiert, mir ging es nur um den deutschen Film an sich, dass der eben nicht ganz so tot ist/war, wie du oben geschrieben hast. Oder ich habe dich in dem Punkt falsch verstanden. Mir ging es um sehenswerte Filme aus Deutschland der letzten 6 Jahrzehnte als Gegenpol dazu.

TRAXX hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 22:38
Zu Diversity:
Das macht imho gar nicht so viel kaputt, wie hier angenommen wird, wenn's überhaupt was kaputt macht, denn solange nur Rahmenbedingungen festgelegt werden, bleibt die künstlerische Freiheit erhalten. Was man innerhalb des Rahmens pinselt, bleibt immer noch dem Künstler überlassen.

Nicht ganz, Filme von Regisseuren, die in der Kategorie "Bester Film" mit einem begehrten Oscar ausgezeichnet werden sollen, sind diesen Regeln schon unterworfen. Hier mal eine ausführliche Liste zu den neuen Oscar Richtlinien: https://www.oscars.org/awards/represent ... -standards Also ich finde das auf gewisser Ebene ganz schön irritierend und einengend, ganz besonders wenn man als eigenständiger Regisseur seit Jahren mit einem hervorragendem Team zusammenarbeitet. Bin froh darüber, dass zum Glück Cannes bei der Verleihung der Goldenen Palme das nicht mitmacht.

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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von TRAXX »

alex_wintermute hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 23:40
Besucherzahlen haben mich nicht wirklich interessiert, mir ging es nur um den deutschen Film an sich, dass der eben nicht ganz so tot ist/war, wie du oben geschrieben hast. Oder ich habe dich in dem Punkt falsch verstanden.
Ja, hast du wohl, ganz offensichtlich. ;)
Denn mein Punkt bezüglich der Besucherzahlen war nicht aufzuzeigen, dass diese Filme schlecht sind, sondern warum diese hierzulande nicht (oder höchst selten) produziert werden.

alex_wintermute hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 23:40
Nicht ganz, Filme von Regisseuren, die in der Kategorie "Bester Film" mit einem begehrten Oscar ausgezeichnet werden sollen, sind diesen Regeln schon unterworfen. Hier mal eine ausführliche Liste zu den neuen Oscar Richtlinien: https://www.oscars.org/awards/represent ... -standards Also ich finde das auf gewisser Ebene ganz schön irritierend und einengend, ganz besonders wenn man als eigenständiger Regisseur seit Jahren mit einem hervorragendem Team zusammenarbeitet. Bin froh darüber, dass zum Glück Cannes bei der Verleihung der Goldenen Palme das nicht mitmacht.
Also erstens sind die Oscars lediglich erstmal nur ein Filmfestival (jaja, das wichtigste der Welt, blabla, ich weiss). Und ein Filmfestival muss das Recht und die Freiheit haben, völlig autonom seine eigenen Kriterien aufzustellen.

Zweitens stößt mir hier lediglich Punkt A3 sauer auf, denn nur da wird auf inhaltlicher Ebene "eingegriffen". Alle anderen Punkte betreffen lediglich "Anstellungsverhältnisse", also ob jene vermeintlich unterrepräsentierten Gruppen auch Jobs (vor und hinter der Kamera) im nominierten Film erhalten haben.

Drittens muss man sehen und verstehen, woher solch ein Repräsentations- bzw. Umverteilungswunsch kommt und warum er auch erstmal Sinn macht. Nehmen wir z.B. Schwarze: Jene Minderheit hat bis zu den 1970ern, kaum relevante Jobs in der Filmindustrie erhalten. Hinter der Kamera höchstens Wasser- oder Kabelträger, vor der Kamera Diener oder Background-Musicians. Und damit dies nicht unter anderen Deckmäntelchen und mit irgendeiner anderen Minderheit fortgesetzt werden kann, hat man sich eben solche Diversity-Regelungen ausgedacht.
Für kreative Köpfe ist das ja auch von Vorteil, denn wie oft mussten - back in the days - Regisseure, Drehbuchautoren, Schauspieler etc. sich dafür vierteilen, dass ein Schwarzer mit der Hauptrolle besetzt wird?

Und nochmal: Ob Schwarzer, Weisser, Homo, Hetero etc. in einer bestimmten Rolle besetzt wird macht den Film weder besser noch schlechter. Es ist für die Qualität des Films schlichtweg scheißegal. Jetzt besteht darin natürlich die vermeintliche Gefahr, dass jene Merkmale (schwarz, schwul, weiblich etc.) über die Qualität bzw. über das Talent gestellt werden, was wiederum bedeuten würde, dass es z.B. keine guten schwarzen Schauspieler geben würde oder zumindest keine, die den weissen ebenbürtig wären, wobei wir dann die Frage stellen müssen, warum das denn so ist und da sind wir, schwuppsdiewupps, wieder in den Prä-1970ern und Chancengerechtigkeit und und und. Wenn dieser Teufelskreis mal durchbrochen werden soll, dann muss man zu solch unliebsamen Mitteln wie jenen Diversity-Dingsbums greifen.
Aber ich betone: Das darf nur temporär wirksam sein, für eine Art Übergangszeit, bis Gleichheit endgültig hergestellt ist. Danach gehört der Quatsch sofort abgeschafft.

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alex_wintermute
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von alex_wintermute »

@ TRAXX

Also mir ist es völlig egal, ob jemand homosexuell, bisexuell, lesbisch, asexuell oder hetro ist. Man sollte Menschen, die in unterschiedlichen Arbeitsbereichen bei einer zukünftigen Filmproduktion tätig sein sollen, nicht nach irgendwelchen Kriterien wie Geschlecht, Sexualität, Hautfarbe oder ethnische Gruppe auswählen, sondern nach deren einzubringende Leistung, Fähigkeiten und Kompetenz. Wer eine Top Leistung aufgrund seiner individuellen Fähigkeiten wie z.B. als Schauspieler, Kameramann, Editor, Setdesigner, Maskenbildner, Kostümdesigner, etc. abliefern kann und aus der Sicht des Regisseurs für seinen zukünftigen Film mit Blick auf den Oscar perfekt für die Umsetzung seiner filmischen Vision geeignet sein könnte, der sollte eben genau deswegen in das Filmteam von ihm aufgenommen werden. Warum sollte man auf herausragende und bewährte Kreativköpfe in seinem Filmteam verzichten, nur weil diese nicht irgendwelchen Regeln bzw. Vorschriften aus Hollywood entsprechen? Man sollte jeden einzelnen im Filmteam nach seiner individuellen Arbeit bzw. Leistung messen. Hinzu kommen Teamfähigkeit und Kompetenz. Ist doch völliger Irrsinn, nur weil man eine gewisse Quote oder Vorschrift der Diversity Regeln nicht erfüllt, man als Regisseur gezwungen wird, sein für sich perfekt zusammengestelltes Filmteam in der Realität nun umändern bzw. anpassen muss oder evtl. sogar mit schwächeren Leuten besetzen bzw. zusammenarbeiten muss. Und das alles weil irgendwelche Kriterien diverser Hollywood Regeln nicht erfüllt werden. Für mich ist das rational nicht nachvollziehbar.

Übrigens ist Sidney Poitier einer meiner Lieblingsschauspieler und "In the Heat of the Night" (1967) gehört für mich in die Top 10 der besten Filme aller Zeiten.

Und das Blaxploitation Kino der 70er Jahre möchte ich auch nicht missen.
Zuletzt geändert von alex_wintermute am Mi., 18.02.2026 10:09, insgesamt 3-mal geändert.

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Kent
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von Kent »

^^
Mir geht es darum, dass Drehbücher auch einen Hauch von Realität haben sollten, und nicht nur nach solchen "gut gemeint" Gesichtspunkten gedreht werden sollte.
Hierzu folgendes, ich habe im letzten Jahr eine Folge der Serie: "Morden im Norden" gesehn.
Der Plot war wie folgt:

Eine junge blonde Sprengmeisterin kommt mit einem Bombengürtel in eine Behörde, sie möchte die Abschiebung ihres afghanischen Freundes verhindern, wenn dies nicht geschieht, würde sie ansonsten den Bombengürtel den sie trägt aktivieren und die Polizeibehörde in die Luft sprengen. Ihr Afghane weiß natürlich nichts davon. Glücklicherweise gelingt es der Polizei mit Hilfe ihres afghanischen Freundes die Missverständnisse aufzuklären.

So ein Inhalt ist einfach nur grottendämlich. Zu 99% ist ein Sprengmeister in Deutschland meist ein grauhaariger Typ, der nach seiner Zeit bei der Bundeswehr diesen Beruf ergreift. Aber nein, man möchte den Zuschauer wieder erziehen und zeigen, dass auch Frauen in Männerberufen erfolgreich sein können etc. Der ganze Inhalt ist maximal an den Haaren herbeigezogen, die Thematik, dass Muslime unter Generalverdacht gestellt werden ist so überhöht, dass ich gar nicht weiß, wer sich solchen Unfug freiwillig anguckt, wenn er nicht gerade an Demenz leidet.
Mir ist unverständlich, dass gerade diese ganzen Vorarbendserien so unglaublich müllig sind.

Nobody
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Registriert: Do., 10.12.2020 10:14

Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von Nobody »

TRAXX hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 22:58
Nobody hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 20:56
Ja, aber die Einbrüche gab es auch im französischen und italienischen Kino. Letzteres hat mit Sollima Junior und ein zwei anderen Regisseuren zwar wieder ein paar heiße Eisen im Feuer, aber der Rest ist auch weit von alten Zeiten entfernt. Oder TV. Bei aller nostalgischen Verklärung, mit der man Terence Hill in Don Matteo oder Die Bergpolizei, oder Bud Spencer in Ein Koch für alle Fälle, ja selbst Extra Large und Jack Clementi sieht, vom handwerklichen ist da kein Unterschied zum deutschen TV.
Yau, das italienische Kino war ab den 1990ern weg vom Fester! Das gilt schon fast als Common Sense!
Dafür haben die aber in den 1960ern, 1970ern und den 1980ern derart gut vorgelegt, dass die heute noch davon zehren können. Die Filme aus dieser Epoche sind heute noch gefragt wie Sau! Kannst du das über deutsche Filme aus dieser Zeit behaupten? Sex- & Pornofilme mal ausgenommen, diese Nische geb ich voll und ganz (und auch sehr gerne!) dem Deutschen Film als Pluspunkt!

Der Französische Film hat sich hingegen sehr gut durchgeboxt, auch in den schwierigen 1990ern, bis heute! Nicht mit Italien und Deutschland vergleichbar! Ebenso die Spanier, denen ich mein Lob aussprechen würde. An diesen beiden Ländern, Frankreich & Spanien, sollte man die Messlatte für den Deutschen Film ansetzen. Das ist fair und da sieht man wie erbärmlich wir wirklich dastehen.
Naja Karl May, Edgar Wallace, Dr. Mabuse und mit Abstrichen Jerry Cotton laufen noch regelmäßig bei Dritten. Natürlich war der Putput ein anderer, aber man sollte das Genrekino der sechziger nicht vollkommen wegdrücken.

Nobody
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Re: Der deutsche Film - aktueller Zustand, Vergangenheit und Perspektiven

Beitrag von Nobody »

alex_wintermute hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 21:40
Nobody hat geschrieben:
Di., 17.02.2026 21:00
Sorry, aber eine solche Diskussion nur auf Basis des eigenen Geschmacks zu führen, wird schwierig. Die Masse der GEZ Zahler wird wohl eher sagen, sie braucht keine Dokus und die Quoten geben das auch her, aber genau das ist ja das Argument, dass hier der kulturelle Aspekt gefördert wird. Gleichzeitig will man bei Quotenbringern wie im Sport wettbewerbsfähig bleiben und die regionale Vielfalt aufrecht erhalten. Ja, das finde ich schützenswert.

GEZ gehört doch der Vergangenheit an, das heißt jetzt Rundfunkbeitrag. Ein wahrlich krasser Unterschied, nicht nur in der Namensgebung. Die Gebühren der GEZ = Gebühreneinzugszentrale sind/waren übrigens viel ehrlicher als der neue und moderne Rundfunkbeitrag. Ein Beitrag ist eine Leistung in Geld, die für eine Gegenleistung geleistet wird, bei Möglichkeit der Nutzung. Eine Gebühr dagegen wird als direkte Gegenleistung für eine tatsächlich in Anspruch genommene Leistung erhoben. So sollte es sein! Warum soll ich bitte jeden Monat einen Beitrag von 18,36 EUR zahlen müssen, für das seltsame ARD/ZDF Programm, was mich null interessiert und ich überhaupt nicht nutze? Das ist doch vollkommener Rip Off. Wer das ARD/ZDF Programm gerne konsumieren möchte, darf das gerne tun und dafür 3-stellige Summen im Jahr bezahlen. Habe damit keinerlei Probleme, aber lasst bitte die Menschen in Ruhe, die nichts mit dem ARD/ZDF Programm anfangen können. Den monatlichen Betrag würde ich jedenfalls viel lieber in Filmprojekte junger Nachwuchsregisseure stecken wie schon an anderer Stelle erwähnt. Und zum Thema Dokumentarfilm, gerade aktuell auf T-Online zu lesen, das ZDF hat vor Kurzem die Umwelt Dokumentationsreihe "Im Einsatz für …" mit Hannes Jaenicke eingestellt. Das Thema ist aktueller denn je und eine Folge dieser angeblich interessanten Dokumentationsreihe hat gerade mal nur um die 200.000 EUR an Produktionskosten gekostet. Wir stecken nicht nur inmitten einer Klimakrise, sondern kurz vor einer Umweltkatastrophe. Weltweit. Ausgerechnet ich muss das auch noch als Oldschool Benziner V8 HEMI Muscle Car Lover erwähnen. Und was macht das ZDF: Es streicht ausgerechnet diese Dokumentationsreihe, stattdessen gibt es so eine seichte Scheiße wie "Das Traumschiff" weiter zu bewundern. Und für interessante Dokumentationsfilme brauche ich wirklich nicht ARD/ZDF, die gibt es auf ganz anderen TV-Sendern, Streamingdiensten oder auf Youtube sowie ab und an im Kino auf großer Leinwand zu sehen. In meinem Fall sind die monatlichen Rundfunkbeiträge eiskalte Abzocke. Ich würde gerne meinen jährlich anfallenden Betrag für Nichts, der im 3-stelligen EUR Bereich liegt, zur Filmförderung junger und angehender Regietalente in Deutschland weitergeleitet sehen.
Wie gesagt, das alles ab deinem Geschmack festzumachen ist eine sinnlose Diskussion. So funktioniert die Kulturförderung in weiten Teilen nun einmal.

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