Der Professor (D)
Il camorrista (IT)
Le maître de la camorra (F)
El profesor (ES)
O Professor (POR)
O Professor do Crime (BRA)
The Professor
IT 1986
R: Giuseppe Tornatore
D: Ben Gazzara, Laura del Sol, Leo Gullotta, Marzio Honorato, Luciano Bartoli, Nicola Di Pinto, Anita Zagaria, Franco Interlenghi, Biagio Pelligra, Maria Carta, Lino Troisi, Marcello Bari u.a.
Deutsche Erstaufführung: 15. März 1987 (VHS-Premiere)
Synchronkartei
Score: Nicola Piovani
IMCDb
OFDb
„Ich habe mich bewusst für die extreme Variante entschieden: Ich habe übertrieben und vieles verändert. Ich wollte keine Nachrichtengeschichte schreiben, sondern von den Nachrichten ausgehend eine epische Geschichte im Stil eines populären Romans zu erzählen.“ (Giuseppe Tornatore, 17.07.1993)
Neapel in den 1970er Jahren: Aus den düsteren Mauern eines Gefängnisses heraus erhebt sich ein Mann, der schon bald ganz Süditalien in seinen Bann ziehen wird - Raffaele Cutolo, genannt Il Professore (Ben Gazzara). Mit Intelligenz, Charisma und eiskalter Berechnung gründet er die Nuova Camorra Organizzata (NCO) und schafft ein Imperium aus Angst, Macht und Loyalität. Von seiner Zelle aus zieht er die Fäden zwischen Politik, Justiz und Unterwelt - ein unantastbarer Herrscher im Schatten. Doch je höher er steigt, desto gefährlicher wird das Spiel aus Verrat, Intrigen und Gewalt.
Der Film erzählt die Geschichte von Raffaele Cutolo, einem berüchtigten Mafia-Boss, der in den 1970er und 80er Jahren die neapolitanische Unterwelt beherrschte. Im Gefängnis gründet er die Nuova Camorra Organizzata, eine neue Mafia-Organisation, und steigt unter dem Spitznamen „Il Professore“ („Der Professor“) zur mächtigsten Figur der süditalienischen Mafia auf. Trotz seiner Inhaftierung lenkt er von seiner Zelle aus die kriminellen Geschäfte, beeinflusst Politik, Justiz und Gesellschaft und wird zur zentralen Figur eines korrupten Machtapparats. Doch sein unaufhaltsamer Aufstieg bleibt nicht ohne Folgen – Rivalitäten, Verrat und politische Intrigen bringen schließlich seinen Fall. [Quelle: Explosive Media]
Eins vorweg: Giuseppe Tornatores Filmdebüt ist ein absolutes Brett! Inspiriert von dem Roman "Il camorrista. Vita segreta di don Raffaele Cutolo" wollte Tornatore das Drehbuch für den Film gemeinsam mit dem Autor Giuseppe Marrazzo verfassn, der jedoch 1984 wider Erwarten an einer Hirnblutung verstarb. Kennengelernt haben sich die Beiden während der Dreharbeiten zu Giuseppe Ferraras Film DIE 100 TAGE VON PALERMO, bei dem Tornatore als Second-Unit-Regisseur agierte. Schlussendlich schrieb Tornatore das Filmskript gemeinsam mit Massimo De Rita, der bereits zuvor schon Drehbücher für etablierte Regisseure wie Carlo Lizzani und Damiano Damiani verfasst hatte. Nach anfänglichen Querelen mit dem Filmproduzent Goffredo Lombardo stimmte dieser der Produktion des Film schließlich doch zu. Im Mittelpunkt von Roman und Film steht Figur des Gründers und Oberhaupts der Nuova Camorra Organizzata, Raffaele Cutolo, wobei Tornatore stets betonte, dass er seine Geschichte mit fiktionalen Elementen ausgeschmückt hat. Neben der Änderung von Namen wurden laut dem Regisseur im Laufe der Drehbucharbeit aus erzählerischen Gründen auch viele Fakten verändert. Dennoch klagten nach dem Filmstart mehrere Personen, darunter auch Raffaele Cutolo, da sich trotz fehlender namentlicher Nennung durch den Film verunglimpft sahen. Zwar wurden die Anträge von den Gerichten abgelehnt, aber dennoch kam es zwei Monate nach dem Filmstart zur Beschlagnahmung des Streifens, bei der sämtliche Kopien aus den Kinos sowie die Masterbänder eingezogen wurden. Von da an wurde der Film nur von lokalen Fernsehsendern im TV ausgestrahlt, denen glücklicherweise eigens angefertigte TV-Kopien vorlagen. Die erste Ausstrahlung im nationalen Fernsehen erfolgte zur Hauptsendezeit auf Rete 4 am 20. März 1994 in der Kinofassung, fast acht Jahre nach der Veröffentlichung im Kino.
Produziert wurde IL CAMORRISTA in Zusammenarbeit von der Titanus Filmproduktion und ReteItalia, wobei parallel zur Kinofassung eine fünfteilige Serienfassung fürs TV gedreht wurde, die eine Laufzeit von knapp 5 Stunden aufweisen sollte. Letzten Endes entschied man sich aber 1986 dafür, doch nur die Kinofassung auf die große Leinwand zu bringen. 38 Jahre später wurden die originalen 35mm-Bänder der eingelagerten Fernsehfassung im Filmarchiv der Titanus wieder aufgefunden, was wiederum Guido Lombardo dazu veranlasste, eine 4K-Restaurierung der ursprünglich angedachten Serienfassung durchzuführen, die schließlich 2023 auf dem Filmfestival in Rom ihre Premiere feierte. Seit diesem Jahr steht die fünfstündige Serienfassung auch auf diversen Filmplattformen sowie auf Youtube zur Verfügung. Tornatore gewann mit seinem Debütfilm den "Nastro d'Argento" als bester Nachwuchsregisseur und Leo Gullotta den "David di Donatello" als bester Nebendarsteller.
IL CAMORRISTA zählt zweifelsfrei zu den besten Mafia-Filmen, die in Italien je gedreht wurden. Selbst vor den großen Hollywoodproduktionen wie beispielsweise DER PATE braucht sich der Film nicht zu verstecken. Der temporeiche Film lebt nicht nur von seinem packenden Drehbuch und einem hervorragenden Schnitt, sondern auch von einer spannungsvollen Inszenierung, die den Zuschauer trotz einer Spieldauer von knapp drei Stunden durchweg zu fesseln vermag. Die Gewaltszenen, von denen es einige im Handlungsverlauf zu sehen gibt, sind kompromisslos und schonungslos in Szene gesetzt. Hinzu gesellen sich neben den herausragende Schauspielleistungen der beteiligten Darsteller auch Bezüge zu Politik und Terrorismus sowie kraftvolle Bilder, für die sich der Kameramann Blasco Giurato verantwortlich zeigte. Als Hauptdarsteller sollte ursprünglich Gian Maria Volonté verpflichtet werden. Da dieser aber nicht zu erreichen war, wurde die Hauptrolle Ben Gazzara zugesprochen, der letztlich in der Rolle des Professors eine oscarreife Darbietung abgibt. Abgerundet wird das Ganze mit einer erstklassigen Filmmusik von Nicola Piovani, die die gezeigten Bilder perfekt ergänzt und Wirkung des kraftvollen Films verstärkt. Alles in allem ein herausragender Film, der mich knappe drei Stunden in seinem Bann gefangen hielt. Abschließend sollte auch noch auf den äußerst informativen Audiokommentar von Leonhard Elias Lemke hingewiesen werden, der sich als Bonus auf der BD von Explosive Media befindet.
Fazit: Kompromisslos, knallhart und abgeklärt!
Anmerkung: Die Screenshots stammen von der italienischen DVD!
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