BLOND MUSS MAN SEIN AUF CAPRI - Wolfgang Schleif

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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BLOND MUSS MAN SEIN AUF CAPRI - Wolfgang Schleif

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BLOND MUSS MAN SEIN AUF CAPRI


● BLOND MUSS MAN SEIN AUF CAPRI (D|1961)
mit Karin Baal, Helmuth Lohner, Maurizio Arena, Alice Treff, Hans Nielsen, Nadja Regin, Karl Schönböck, Inge Meysel, Ingrid Simon, Walter Gross,
Ernst Fritz Fürbbringer, Ruth Nimbach, Birgit Bergen, Lore Schulz, Willi Rose, Klaus Dahlen sowie Ruth Stephan mit Marietto und Gunther Philipp
eine Kurt Ulrich Produktion | im Europa Filmverleih
ein Film von Wolfgang Schleif

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»Ich darf mich nicht zu sehr freuen. Dann geht meist was schief!«


Maria Gebhard (Karin Baal) verliebt sich in Hannes (Helmuth Lohner), den Juniorchef des Betriebes, in dem sie als Chefsekretärin tätig ist. Beide wollen gemeinsam in Urlaub fahren, der jedoch von seiner Mutter (Alice Treff) durch eine Dienstreise mit standesgemäßer weiblicher Begleitung (Nadja Regin) verhindert wird. Aus Liebeskummer schließt sich Maria einer Reisegesellschaft nach Capri an. Vor Ort lernt sie den charmanten Italiener Roberto (Maurizio Arena), bis sich beide ineinander verlieben. Maria ist hin- und hergerissen zwischen den beiden Männern und fasst einen folgenschweren Entschluss …

Wie der doch eigenartig wirkende Titel dieses Films zustande kommt, wird gleich zu Beginn zwischen Sekretärinnen geklärt, die ihn sich als Slogan für ihre bevorstehende Capri-Reise zu Herzen nehmen. Wer also noch nicht blond ist, hat es spätestens bei Reiseantritt zu sein, da man so offenbar mehr ins Auge fallen dürfte. Wie sich unter der strahlenden Sonne des Urlaubsparadieses jedoch herausstellt, würfeln die jungen Männer um die ankommenden weiblichen Gäste. Der Gewinner bekommt die Blondine, alle anderen Haarfarben fallen dabei aber nicht hinten herunter, sondern sollen ebenfalls dankbare Abnehmer finden. Bevor es jedoch soweit ist, wird das Publikum mit den schwierigen Verhältnissen am Arbeitsplatz und in der bundesdeutschen Gesellschaft vertraut gemacht, denn eine junge Chefsekretärin ist vom Stand her nicht genug für den playboyhaften Juniorchef eines gut laufenden Unternehmens, welches unter weiblichem Regiment floriert. Wer sich unter diesen Umständen irgendeine feminine Solidarität erhofft, hat die Rechnung ohne eine wie immer überzeugende Alice Treff gemacht, die trotz humoriger Untertöne und milder Anwandlungen einen eigenartig rücksichtslosen, manchmal sogar oberflächlichen Tenor vermittelt. Sie hat es sicherlich nicht leicht gehabt, sich gleichzeitig als Mutter und Unternehmerin zu behaupten, sodass ein Ausfahren der Ellenbogen und das Treffen unliebsamer Entscheidungen zu ihrem Handwerk gehört. Ihr Sohn ist geprägt von so viel Dominanz und lässt daher gerne extern für sich denken. Derartige Charaktere sind immer perfekt in Helmuth Lohners Hand, den man als Zuschauer erst einmal einzuordnen hat, ob es im Bereich seiner Absichten und Möglichkeiten liegen könnte, ein rechtschaffenes Mädchen zu verderben. Aber die Mama wirds schon richten, sodass sich der Film innerhalb eines Wechselspiels zwischen Komödie und Drama positionieren kann. Die Capri-Fahrt aus Liebeskummer lässt den alltäglichen Trott zu Hause, doch die Melancholie ist ständiger Begleiter der jungen Maria, die sich zunächst überhaupt nicht auf einen Tapetenwechsel einlassen kann. Die Avancen der Männer vor Ort erzielen dabei eine entgegengesetzte Wirkung, aber noch ist das magische Potenzial des herrlichen Panoramas nicht ausgeschöpft.

Regisseur Wolfgang Schleif inszeniert handelsüblich und routiniert, bietet dem interessierten Publikum dabei zahlreiche Impressionen, um auf Gedanken einer möglichen Capri-Reise zu kommen. Fernweh wird in derartigen Produktionen in der zweiten Reihe eben auch großgeschrieben und die Bebilderung vor Ort zeichnet mit Land und Leuten vor Ort ein verführerisches Ambiente. Maria Gebhard will vergessen, zu eindeutig wurde sie daran erinnert, wer sie ist und wer sich nicht sein kann. Auf ihren charakterschwachen Liebhaber konnte sie nicht bauen, doch es ergeben sich schon bald neue Möglichkeiten auf Capri. Eine Avance jagt die nächste, bis man es förmlich riechen kann, dass Maria sich der neuen Liebes-Offensive schon bald beugen wird. Zumindest ein bisschen, denn sie ist alles andere als leichtfertig und nicht auf der Suche nach etwas Neuem, da sie sich nicht komplett über einen Mann definiert. Hier scheint ihre patente und gute Mutter ganze Arbeit geleistet zu haben, so zumindest die kurzen Eindrücke aus den behüteten wenn auch einfachen vier Wänden der Gebhards. Karin Baal trägt die Veranstaltung mit Leichtigkeit, die allerdings durch den Ernst des Lebens getrübt wird. Dabei ist keine Draufgängerin zu sehen, sondern eine gewissenhafte junge Frau, die deutliche Ziele im Leben vor sich sieht. An ihren Seiten präsentieren Helmuth Lohner und Maurizio Arena sehr unterschiedliche Entwürfe der Männlichkeit, die Maria jedoch sowohl als auch nicht weiter bringen. Bekannte Namen des deutschen Films unterstützen die heiter bis wolkigen Turbulenzen nach Kräften und hier sind insbesondere Alice Treff, Hans Nielsen, Karl Schönböck, Walter Gross oder Inge Meysel hervorzuheben. Für einen humorigen Sidekick zeigen sich Ruth Stephan, Gunter Philipp und Marietto verantwortlich. "Blond muss man sein auf Capri" scheint nicht zuletzt wegen Wolfgang Schleifs Inszenierungsstil mit allen Wassern der Schmonzette gewaschen zu sein, wird diesen Eindruck jedoch überraschenderweise nicht bis zum Schluss aufrechterhalten, das das Publikum mit einem Überraschungsmoment konfrontiert wird, der so nicht zu erwarten war. Was unterm Strich also bleibt, ist ein solide inszenierter Unterhaltungsfilm mit patenten Darstellern, der die unerträgliche Leichtigkeit des Seins stellenweise doch allzu ernst nimmt.

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