MADY RAHL

Leinwandsternchen und verkannte Stars im Blickpunkt
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Prisma
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MADY RAHL

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MADY RAHL

[*03.Januar 1915 | † 29. Juni 2009]

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Das Lexikon der deutschen Filmstars hat geschrieben:
In ihrer Geburtsstadt Berlin aufgewachsen. Noch während ihrer Schulzeit übernimmt sie ein Bühnenengagement am Alten Theater Leipzig, um dieses Studium weiterzufinanzieren, arbeitet sie als Sekretärin. Zum Kino kommt sie im Jahr 1936, als Hans H. Zerlett Truxa dreht. Seitdem vernachlässigt sie das Theater und ist in insgesamt 60 Filmrollen zu sehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg legt sie sich hauptsächlich auf Bühnenarbeit an der Kleinen Komödie München fest, mit der sie auch auf Tournee geht. […] Typ: Ein Hauch von Noblesse macht sie unwiderstehlich. Sie wirkt noch stattlicher, als sie ohnehin schon ist, durch die innere Gelassenheit, die sie in ihren Rollen ausstrahlt. Ob als Dame in Schwarz, Gefangene der Liebe oder als »Zeugin der Anklage« - stets ahnt man ihre Abgründe hinter der Fassade einer großen, befehlsgewohnten Dame.


Die Betrachtung der sieben Jahrzehnte andauernden Karriere der Schauspielerin Mady Rahl stellt eine lohnende oder vielmehr spannende Angelegenheit dar, da sie sich nicht nur in Film und Fernsehen einen großen Namen machen konnte, sondern auch als Synchronsprecherin und Chansonsängerin, was gleich auf ihre unverwechselbare Stimmfärbung hinweist. Nach dem Absolvieren einer höheren Mädchenschule folgte eine Theaterausbildung und Tanzunterricht, bevor es 1935 zu ihrem ersten Bühnenengagement an den Städtischen Bühnen in Leipzig kommen sollte. Zuvor war sie zunächst in zwei Kurzfilmen zu sehen, bevor erste kleinere Rollen im Film folgten. In der Rückschau wird die junge Mady Rahl, die als Edith Gertrud Meta Raschke in Berlin geboren wurde, mit einem gefeierten Ufa-Star in Verbindung gebracht, da sie unter anderem mit Zarah Leander, Johannes Heesters oder Marika Rökk zusammenspielte. Von ihren 90 Spielfilmen entstand etwa ein Drittel der Produktionen zur Zeit des Nationalsozialismus, doch Mady Rahl konnte nach dem Zweiten Weltkrieg nahtlos an ihre erfolgreiche Karriere anknüpfen, sodass sie auch heute noch zu den gängigen Größen des deutschen Kinos und Fernsehens zählt. Die Interpretin bot ab Beginn ihrer Karriere einen besonderen Typ der Femme fatale an, ein Image, das sie immer wieder bedienen und verfeinern sollte, auch im reiferen Alter. Versehen mit einer Ausstrahlung, die von der Erfahrung hätte geformt sein können, transportierte sie nicht selten etwas Abgründiges. Alleine aus diesem Grund schien sie wie geschaffen zu sein für Rollen, die sich von gängigen Schablonen unterscheiden konnten, um im Zweifelsfall wieder in sie münden zu können. Hieraus ergibt sich eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit innerhalb der Gesetze ihres oft gleich abgerufenen Handwerks, sodass ihre Einsatzmöglichkeiten insgesamt gesehen recht breit gefächert waren. Sie spielte alles zwischen Dame und Dirne, Wirtschaftswunderfrau und Oppositioneller angesichts bestehender Gesellschaftskonventionen, Autonomer und Abhängiger, mütterlicher und jugendlicher Freundin, Wortführerin, aber niemals bloßer Stichwortgeberin. So ist es stets ein großer Gewinn, den Namen Mady Rahl in einer Besetzungsliste ausfindig machen zu können, da eine besondere Kunst der Unterhaltung geboten wird. Ihre große Zeit hatte sie zweifelsohne bereits in den späten 30er- und den anfänglichen 40er-Jahren, doch in Erinnerung bleibt sie vornehmlich als patente, disziplinierte und immer passende Interpretin der Krimiwelle in den 1960en. Dem Empfinden nach, hätte man sie sich in beinahe jeder erdenklichen Produktion und Rolle vorstellen können, doch auch sie war wie viele ihrer Kolleginnen weitgehend festgelegt.

Ihre wichtigen Karriere-Stationen sind schließlich im deutschsprachigen Film zu finden, sodass Mady Rahl nur wenige internationale Einsätze vorzuweisen hat, wie etwa in Gottfried Reinhardts "Lage hoffnungslos – aber nicht ernst" oder Massimo Dallamanos "Venus im Pelz". Sie zählt im erlesenen Kreis der großen deutschen Interpretinnen zu den großen Damen mit verlässlichem Charakter, denn Anforderungen wurden stets optimal gelöst, außerdem bot sie innerhalb ihrer Rollen oftmals noch ein bisschen mehr als das Geforderte an. Große Charakterrollen waren im Gros des Genrekinos oder der TV-Landschaften oftmals nicht primär gefragt und so wurde vornehmlich das breite Spektrum der Publikumswirksamkeit bedient. Bei groben oder gezielten Blicken auf ihre Filmografie ist und bleibt es doch sehr erstaunlich, welche Anpassungsfähigkeit sich herauslesen lässt, denn man kann keinen signifikanten Knick darin ausfindig machen. Rahl schien immer für irgendetwas gefragt zu sein und so war sie auch in Altersrollen zu sehen, die nochmals für ein breites Publikum bestimmt waren. Hier sind etwa Serieneinsätze in Dauerbrennern wie "Die glückliche Familie" oder "Die Wicherts von nebenan" aufzuzählen. Mady Rahl bot dem deutschen Film gleich zu Beginn ihrer Karriere einen gefragten Frauentyp an. Attraktiv und unangepasst, lebhaft, begehrenswert und auch provokant. Sie schien nie bereit dazu gewesen zu sein, ihre feminine Autonomie aufzugeben, dass im Umkehrschluss auch kaum Eindrücke aufkommen wollen, die sie in einer Männerwelt untergehen lassen könnten. Mady Rahl verfügte über ein interessant zu verschiebendes Altersspektrum, welches sie wahlweise jünger oder häufig auch älter wirken lassen konnte. Ein in diesem Zusammenhang gut einzusetzendes Werkzeug war ihre markante Stimme, die nichts von der Sehnsucht oder Sinnlichkeit vieler Kolleginnen erzählen wollte. Vielmehr hört man den interessanten Klang von Erfahrung, Vergangenheit oder auch Dominanz heraus, was ihre Rollen stets verfeinert. Mady Rahls große Momente kommen im Film auf, wenn sie eben diese Stimme erhebt, um Situationen erst den richtigen Schliff oder eine hauseigene Brisanz zu liefern. Bei einem so ergiebigen Schaffen lassen sich aus dem Stand zahlreiche ihrer persönlichen Klassiker benennen, aber in der Masse schlummern auch immer noch Darbietungen, die es zu entdecken gilt. So bleibt eine selbst modellierte Aura, die den Geschichten der Leinwand und des Bildschirms alles zwischen Verführung und Geheimnis bietet, was sicherlich auch für ihre Bühnenengagements gilt. Am Ende fehlt ihrer Karriere lediglich der gleiche Atemzug, in dem ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten mit denen ihrer großen Kolleginnen genannt und gleichgestellt werden.

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● MADY RAHL als MRS. FALK in
DIE WEIẞE SPINNE (D|1963)



Unter Mady Rahls immer wiederkehrenden Einsätzen im deutschen Kriminalfilm lassen sich zahlreiche überzeugende Rollen finden, allerdings sind zwei ihrer besten Performances in den Wallace-Epigonen der Arca Winston Films Corp. zu finden. Namentlich bedeutet dies Rudolf Zehetgrubers "Das Wirtshaus von Dartmoor" und eben Harald Reinls "Die weiße Spinne". Es werden jeweils ähnlich konstruierte Rollenprofile angeboten, denn Rahl spielt einfache Frauen, die unschuldige Opfer eines doppelten Spiels werden. Hier betritt sie das Szenario als Mrs. Falk erst relativ spät, da sie im Rahmen einer Assoziationskette einen rückblickenden Platz einzunehmen hat. Fast könnte man von einer Schlüsselrolle sprechen, wenn sie die Möglichkeit bekommen hätte, ihren Trumpf auch aktiv ausspielen zu können. Die alleinstehende Frau ist Inhaberin eines kleinen, wenig komfortablen Hotels, welches sich als Dreh- und Angelpunkt im Netz der Spinne finden lässt. Doch wie im Film richtig angemerkt wird, will die Polizei nicht nur das Netz packen, sondern die mordlüsterne Konstrukteurin. Das erste Aufeinandertreffen mit Mrs. Falk ist stilecht und ganz nach Art des Hauses Rahl konzipiert. Sie hat keine Scheu, ihrem Gegenüber mit unbeirrbarer Direktheit gegenüberzutreten und eine mögliche Konfrontation schert sie nicht im Geringsten. Wo Werner Peters ihren Kommandoton kennenlernen muss, ist es Joachim Fuchsberger, der sie dort packt, wo man die Dame im besten Alter einkassieren kann: bei ihrer noch ausgiebig vorhandenen Eitelkeit. Gerne lässt sie sich mit charmantem Ton und schmeichelnden Kommentaren Komplimente machen, sodass ihre Augen wieder den Glanz einer Achtzehnjährigen annehmen. Der jüngere, gut aussehende Ralph Hubbard imponiert ihr, sodass sie ohne größere Arbeit von außen redselig wird. »Da hätten Sie mich sehen sollen, als ich 17 war. Ich habe als Schönheitstänzerin begonnen, mit einem Fächer, sonst nichts! Tolle Männer lagen mir zu Füßen, Millionäre, doch als Falk, der große Falconetti kam, da war ich dumm genug, meine Karriere aufzugeben.« Bei dem, was sie zu berichten weiß, glaubt man eine Mischung aus Nostalgie und Wehmut herauszuhören, bis jedoch schnell der Hinweis nachgeschickt wird, dass man sich nicht im Guten aus den Augen verloren hat. »Ja, und dann, ich glaube, es war in Athen, da hat er mich mit einem Jongleur eerwischt …« Ohne es zu ahnen, gibt die Besitzerin des kleinen Hotels entscheidende Hinweise, die weniger durch das Ausbuchstabieren ihrer besten Zeiten zustande kommen, sondern den beiläufigen Sätzen über ihren damaligen Mann, den Verwandlungskünstler Falconetti, den die Polizei so fieberhaft sucht.

Der Zuschauer ahnt bei so vielen Morden mit Drahtschlingen, dass Mrs. Falk durch ihr Halbwissen auf die unbequeme Liste der Kandidaten gerückt ist, die es vermutlich zu beseitigen gilt. In ihrer Karriere hatte Mady Rahl häufig Mordopfer zu spielen, deren Ende die Tragik befeuern konnten und so wartet man nur darauf, bis sie ins Visier für eine logische Beseitigung gerät, denn immerhin kann sie genügend Geschichten aus der Mottenkiste erzählen. Mady Rahl macht aus ihren fünf, in aller Kürze abgehandelten Intervallen im Verlauf ein besonderes Vergnügen, da man eine Schauspielerin sieht, die mit ihrem Image spielt, genau wie es ihre Filmfigur zu tun pflegt. So kann sie in doppelter Art und Weise mit ihrem Sex-Appeal aus vergangenen Zeiten kokettieren, um in der Fantasie bildhafte Eindrücke zu zeichnen, die auf alten Fotos Gestalt annehmen. Die Realität sieht jedoch mittlerweile anders aus. Die Falk wischt Waschbecken aus, putzt die Zimmer, um sich kurze Zeit später im Spiegel zu betrachten, ihre Haare kurz zu richten und ihren Lippenstift nachzuziehen, just in dem Moment, als Joachim Fuchsberger Geschichten von Fächern aus der Vergangenheit erzählt bekommt. Mady Rahl wirkt in ihrem Part erneut absolut sicher und willens, ihre Rolle in mit Perfektion auszugestalten, auch wenn die Screentime kaum die Fünfminutenmarke überschreiten dürfte. Da sie erst in der laufenden Geschichte Relevanz bekommt, und ab diesem Zeitpunkt immer wieder kleine Auftritte zu verbuchen hat, kommt einem dieser Part gar nicht so marginal vor. Rahls Spiellaune verankert ihn schließlich in der Erinnerung des Zuschauers, wofür auch ihre finalen Szenen sorgen werden, die im Kriminalfilm und unter Harald Reinls Provokationslust in der Kategorie der Brutalität zu finden sind. »Hallo Dorothy, lass doch die Vergangenheit ruhen, es ist besser für uns beide!« Verängstigt spricht Mrs. Falk den Schlüsselnamen des Mannes aus, der in dieser Story für Auftragsmord und Liquidierungen verantwortlich ist. Ihr von Panik gezeichnetes Gesicht spricht Bände darüber, wie es mit ihr weitergehen wird. »Nein, nein, du sollst meinen Namen vergessen, für immer vergessen!« Die beinahe beruhigende Stimme aus dem Off läutet das ein, was zu vermuten war. Darüber hinaus und vor allem visuell gesehen ist das Angebot eines der Besten, die im zeitgenössischen Kriminalfilm zu finden sind. Mady Rahls Auftritt in "Die weiße Spinne" ist ohne große Kapriolen einfach großartig geworden und steckt viele ihrer eigenen Rollen mutig in die Tasche. Es bleibt also stets ein Gewinn, die temperamentvolle Schauspielerin auf irgendeiner Seite des Gesetzes sehen zu können. Hier liefert sie trotz begrenzter Möglichkeiten ein klassisches Kabinettstückchen.

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Re: MADY RAHL

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● MADY RAHL als HELGA WITTE in
VENUS IM PELZ (D|I|CH|1969)



Wer Mady Rahls Wirken im Spannungskino untersucht, stößt abseits ihrer bekannten Kriminalrollen auf eine faszinierende Studie des späten europäischen Starkinos. In Massimo Dallamanos freier Sacher-Masoch-Adaption "Venus im Pelz" bricht sie auffällig mit dem Image der UFA-Schule und ist in einen psychologisch manipulativen Part zu sehen, der allerdings nur sehr klein ausgefallen ist, Helga Witte verkörpert die unterkühlte Noblesse der bürgerlichen Gesellschaft, die sich hier quasi als die eigentliche moralische Brandstifterin einer fatalen Amour fou entpuppt. Obwohl ihr Auftritt der Screentime nach wohldosiert bleibt, besetzt sie innerhalb der psychologischen Demontage des Protagonisten einen zentralen Platz, sodass es sich um eine diskrete Schlüsselrolle handelt. Mit einer Mischung aus gelassener Distanz und kalkulierter Neugier spielt sie ihren Trumpf im entscheidenden Moment aus. Die elegant gekleidete und offenbar gut situierte Dame bewegt sich mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit durch ein für sie völlig sicheres Szenario, das sich rasch als Zentrum eines sadomasochistischen Beziehungsgeflechts entpuppt. Doch die Inszenierung seziert hier keineswegs nur die Fixierung der Hauptfiguren, sondern blickt ebenso scheu hinter die Fassade einer kühlen Konstrukteurin im Hintergrund. Die erste Begegnung mit Helga Witte ist sehr gut auf Rahls darstellerische Kompetenz zugeschnitten. Unbeirrbar und mit aristokratischer Direktheit tritt sie dem Protagonisten der Geschichte gegenüber; gesellschaftliche Konventionen oder moralische Skrupel scheinen sie dabei nicht im Geringsten zu kümmern. Während die restliche Welt mühsam den Schein wahrt, packt diese reife Frau den interessierten Mann an seinem verwundbarsten Punkt, nämlich seiner unterdrückten Sehnsucht nach dem Verbotenen. Mit fast klinischer Präzision und wohldosierten Worten lenkt sie seine Aufmerksamkeit auf das verborgene Guckloch in der Wand, serviert ihm die Sünde jedoch nicht auf dem Silbertablett, sondern liefert vielmehr das Werkzeug für seine noch aufkommende Besessenheit – eine moderne, bürgerliche Variante der klassischen Kupplerin, die nicht mit Körpern, sondern mit Gelegenheiten handelt. Hinter dieser Anleitung zum Voyeurismus verbirgt sich vermutlich ein tiefer Wunsch der Stellvertretung, denn die offenbar immer noch umtriebige Frau spürt die erotische Anziehungskraft des jüngeren Severin, weiß aber gleichzeitig um ihre eigenes Verfallsdatum. Im grellen Kontrast zur makellosen, jugendlichen Vitalität einer Laura Antonelli sind ihre Tage der eigenen sexuellen Primetime gezählt.

Da sie den Protagonisten attraktiv findet, ihn aber physisch nicht an sich binden können wird, begnügt sie sich quasi mit einer Art sekundärem Lustgewinn, der ihr zu genügen scheint. Indem sie ihn durch die Wand blicken lässt, macht sie sich zur Architektin seiner unterdrückten Besessenheit und kompensiert den Verlust der eigenen Jugend durch absolute Manipulation. Als passive Voyeurin steuert sie seine Triebe aus sicherer Distanz und bleibt dabei selbst sauber und unnahbar. Interessiert und beinahe hypnotisiert folgt Severin ihren Einflüsterungen, die sein Schicksal ab sofort besiegeln. Dem Zuschauer wird in diesen wenigen Momenten völlig bewusst, dass Helga durch dieses gefährliche Mitwissen eine hochgradig ambivalente Position einnimmt. Wo Mady Rahl in früheren Zeiten oft tragische Opfer verkörperte, nutzt sie hier die eigene Reife, um der Handlung ein schleichendes Gift zu verabreichen. Dabei ist es hochinteressant zu beobachten, wie die Schauspielerin mit den Erwartungen des Publikums spielt, um diese letztlich zu brechen. Kokettierend mit der lebendigen Aura vergangener UFA-Tage, um die bürgerliche Doppelmoral auf die Spitze zu treiben, stuft man ihre unscheinbare Darbietung doch als überraschend ein. Die Realität im Film kehrt diese Eindrücke jedoch schnellstens um, denn Helga Witte wahrt die Fassade, während sie im Geheimen die Abgründe der Jüngeren orchestriert und genießt. Rahl agiert in jeder Sekunde absolut souverän und füllt die knappe Screentime, die kaum die Fünfminutenmarke überschreitet, mit einer bemerkenswerten darstellerischen Ökonomie. Weil ihre Figur jedoch ein Feuer gelegt hat, bleibt sie über die Spielzeit im Gedächtnis. Zum bleibenden Eindruck trägt auch der inszenatorische Kontrast bei, da Rahls unnachgiebige, fast statische Eleganz den perfekten Gegenpol zu Dallamanos ansonsten fließender und voyeuristisch angehauchter Kameraführung bildet. Das wissende Lächeln auf ihrem Gesicht spricht Bände über die Macht, die sie über das frühe Geschehen ausübt. Visuell und dramaturgisch gehört dieser Auftritt mit zu dem Spannendsten, was sie im kontinentalen Genrekino dieser Umbruchphase in ihrer Karriere hervorgebracht hat. Mady Rahls Angebot verzichtet auf laute Töne, große Gesten und besondere Kniffe, kann in aller Kürze dennoch restlos überzeugen. Für den Film erweist es sich schlussendlich als ein echter Gewinn, diese wandlungsfähige Künstlerin als Strippenzieherin sehen zu können, die trotz begrenzten Raumes ein makelloses Kabinettstückchen abliefert, um den Hauptdarstellern am Ende die große Bühne zu überlassen, die zuvor von ihr präpariert wurde.

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