DER ERPRESSER RUFT AN - Marino Girolami & Domenico Graziano

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Richie Pistilli
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DER ERPRESSER RUFT AN - Marino Girolami & Domenico Graziano

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Der Erpresser ruft an (D)
Dunkle Geschäfte (D)
Un figlio d'oggi (IT)
Jeugd-orgieën (BE)
Ogies de jeunesse (BE)
Um Filho de Hoje (BRA)
Nattmennesker (NOR)


IT 1961

R: Marino Girolami & Domenico Graziano
D: Ennio Girolami, Gino Cervi, Valeria Fabrizi, Roberto Risso, Eleonora Bianchi, Ignazio Dolce, Elio Jotta, Sonia Gessner, Lauro Gazzolo, Germana Paolieri, Rodolfo Parlatano, Enzo G. Castellari u.a.



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Deutsche Erstaufführung: 03. Mai 1963 (BRD) -- 25. November 1986 (TV DDR)

Synchronkartei

Score: Roman Vlad

OFDb



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"Ein Leben auf Kosten der Dummen zu führen, ist nicht sehr lukrativ. Man muss versuchen die Gewitzten übers Ohr zu hauen.
Das ist zwar nicht einfach, aber was zu einfach ist, macht auch wenig Spaß
."


Nacht für Nacht treibt der junge Italiener Renzo (Ennio Girolami) sich mit seiner Clique in Bars und auf Partys herum, sehr zum Unmut seiner hart arbeitenden Eltern (Gino Cervi und Germana Paolieri). Um der schönen Laura (Valeria Fabrizi) zu imponieren, stiehlt er bei einem seiner nächtlichen Streifzüge ein wertvolles Armband – der Beginn einer kriminellen Karriere mit verhängnisvollen Folgen. Renzo macht die Bekanntschaft des Verbrechers Raul (Roberto Risso), der mir Laura befreundet ist und ihn immer tiefer in seine Machenschaften hineinzieht. Bis es zwischen den beiden Männern zu einem Streit mit tödlichem Ausgang kommt. [Quelle: ARD]



Marino Girolami inszenierte im Jahr 1961 mit DER ERPRESSER RUFT AN einen sehenswerten Film über rebellische Halbstarke, der im Mailand der frühen 1960er Jahre spielt. Der Film erzählt die Geschichte des jungen Teddyboys Renzo, der eines Tages den Ganoven Raul kennen lernt und von da an immer tiefer im kriminellen Milieu versinkt. Gemeinsam fingieren sie einen Überfall auf einen zwielichtigen Goldschmied, der sie zuvor beim Ankauf einer geraubten Juwelenkette übers Ohr gehauen hat. Als der Juwelier im Handgemenge an den Revolver von Raul gelangt, erschießt er diesen in Notwehr. Doch der Revolver war nicht geladen, was der Juwelier aber nicht weiß. In der Annahme, Raul getötet zu haben, wird der Juwelier gegenüber Renzo erpressbar, was dieser wiederum gemeinsam mit dem untergetauchten Raul schamlos ausnutzt. Zwischenzeitlich ist auch die Polizei auf den Plan getreten, die durch einen Zufall Wind von den krummen Geschäften des Juweliers bekommen hat. Dabei gerät auch Renzo ins Visier des ermittelnden Kommissars. Dann wäre da auch noch Renzos Vater Andrea, ein harter aber auch fürsorglicher Mann, der den Lebenswandel seines Sohnes aufs Schärfste verurteilt. Zum Schutz seiner todkranken Frau, die aus gesundheitlichen Gründen keinerlei Aufregung verträgt, verweist Andrea seinen Sohn aus der gemeinsamen Wohnung. Als er aber von der Fahndung nach seinem Sohn Kenntnis erhält, macht er zu dessen Wohl gemeinsame Sache mit dem Kommissar. Doch Renzo reitet sich währenddessen immer tiefer ins Unheil.


Obwohl die Handlung banal und der Verlauf etwas vorhersehbar ist, handelt es sich bei DER ERPRESSER RUFT AN um einen sehenswerten Film, der obendrein einen durchgehend anhaltenden Spannungsbogen aufweist. Während Marino Girolami und Domenico Graziano sich für die gelungene Inszenierung verantwortlich zeigen, übernehmen seine beiden Söhne, Ennio und Enzo, Schauspielrollen in seinem Film, wobei Ennio Girolami die Hauptrolle spielt und Enzo G. Castellari in einer kurzen Nebenrolle in Erscheinung tritt. Dafür durfte Enzo seinem Vater beim Dreh assistieren, wie aus den End-Credits der italienischen Fassung hervorgeht. Zudem ist er bereits in der Eröffnungsszene zu sehen, in der ein Mitglied der Teddyboys-Bande spielt. Sowohl Ennio als auch Enzo meistern ihre Auftritte mit Bravour. Ebenfalls überzeugend setzt sich der als Peppone bekannt gewordene Schauspieler Gino Cervi in Szene, der im vorliegenden Film den Vater des abtrünnigen Renzos spielt. Als weibliche Darstellerinnen verpflichtete Marino Girolami die beiden reizenden Schauspielerinnen Eleonora Bianchi und Valeria Fabrizi. Während Eleonora Bianchi die Bodenständige gibt, tritt Valeria Fabrizi als verlockender Vamp in Erscheinung, der Renzo nicht nur den Kopf verdreht, sondern ihn auch zum Drogenkonsum verführen möchte. Keine Ahnung, ob in der italienischen Fassung gesagt wird, um welche Droge es sich hierbei explizit handelt -vermutlich Kokain-, denn in der deutschen Synchronfassung ist lediglich von einem "weißen Pulver" die Rede. Damit wären wir auch beim größten Manko des Films angekommen, nämlich der deutschen TV-Synchronfassung der ostdeutschen DEFA-Studios. Obwohl der Film hierzulande einen Kinostart verzeichnete, wurde für die TV-Ausstrahlung im 1. Programm der ARD auf die sterile DEFA-Synchro zurückgegriffen, die erst im Jahr 1986 für das Fernsehen der DDR angefertigt wurde. Der Film trug dabei den Titel DUNKLE GESCHÄFTE. Es ist davon auszugehen, dass die Kinosynchro, die zum damaligen Filmstart im Westen produziert wurde, den sowieso schon bemerkenswerten Streifen noch sehenswürdiger macht. Daher wäre es wünschenwert, wenn solche italienische Halbstarken-Filme wie beispielsweise DER ERPRESSER RUFT AN oder Leopoldo Savonas DIE NÄCHTE SIND VOLLER GEFAHREN hierzulande in den ursprünglichen Synchronfassungen veröffentlicht würden, was aber vermutlich ein frommer Wunsch bleiben wird. Über dies hinaus bietet der Film auch eine herrlich naive Striptease-Szene sowie eine exotische Tanzeinlage, die aber aufgrund ihrer Länge den Filmfluss etwas ausbremst. Was bleibt, ist ein "harter Gangsterfilm in attraktiv ausgemaltem "Sex and Crime"-Milieu" [Zitat: Filmdienst]


Fazit: "Ich weiß, was Dir den Kopf verdreht: diese Verbrechertypen, diese Weiber, all dieses widerliche Zeug. Eines Tages werde ich es noch verbrennen".


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