CIRCEO - Andrea Molaioli

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Richie Pistilli
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CIRCEO - Andrea Molaioli

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Circeo


IT 2022

R: Andrea Molaioli
D: Greta Scarano, Ambrosia Caldarelli, Angelo Spagnoletti, Pia Lanciotti, Enrico Ianniello, Guglielmo Poggi, Benedetta Cimatti, Francesca Antonelli, Marco Tè, Sara Mondello, Giacomo Colavito u.a.



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Deutsche Erstveröffentlichung: 18.05.2023 (Paramount+)

Synchronkartei

Episodenguide

Score: Riccardo Amorese

OFDb



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"In Italien ändern sich die Dinge erst, wenn sie nicht mehr länger verstecken lassen."



Am 29. September 1975 begann in einer Villa in Circeo für die beiden jungen Frauen Donatella Colasanti (Ambrosia Caldarelli) und Rosaria Lopez (Adalgisa Mafrida) ein Martyrium, das erst nach 35 Stunden endete. Was war geschehen? Nachdem sich die beiden jungen Frauen am Nachmittag des 29. Septembers mit den beiden Jungen Angelo Izzo (Guglielmo Poggi) und Giovanni Guido (Marco Tè) zu einem verabredeten Kinobesuch trafen, änderten sie kurzerhand ihre Pläne und machten einen Ausflug zu einer leerstehenden Villa von Ghiras Eltern in Circeo, wo angeblich eine Party stattfinden sollte. Doch anstatt einer Party erwartet die beiden jungen Damen eine bestialische Tortur, an deren Ende Rosaria Lopez nach einer unerträglichen Vergewaltigungsorgie brutal ermordet wird. Zwischenzeitlich stieß auch noch Andrea Ghira (Leonardo Mazzarotto), der vermeintliche Anführer der Bande, zu den anderen beiden hinzu. Donatella Colasanti, die ebenfalls grausam misshandelt wurde, entgeht nur ganz knapp dem Tod, denn um ihre Haut zu retten, täuschte sie sich nach der Traktierung mit einer Eisenstange ihren Tod lediglich vor. Nachdem die beiden leblosen Körper der beiden Mädchen im Kofferraum eines weißen Fiat 127 verstaut wurden, fuhren die Drei zurück nach Rom, wo sie das Auto in der Viale Pola im römischen Stadtteil Triest parkten. Dort gelang es Donatella, durch Schläge gegen die Karosserie auf sich aufmerksam zu machen. Kurze Zeit später wurde sie im Beisein von zahlreichen Schaulustigen sowie der Presse von der Polizei aus dem Koferraum des weißen Fiats befreit. In diesem Moment entsteht auch das legendäre Foto, für das sich der anwesende Paparazzo Saverio Vitale (Angelo Spagnoletti) verantwortlich zeigt. Zur gleichen kämpft Teresa Capogrossi (Greta Scarano), eine feministische Opferanwältin, für die Änderung des Gesetzes gegen sexuelle Gewalt, das Vergewaltigung als Verstoß gegen die öffentliche Moral und nicht als Verbrechen gegen die Person betrachtete. Als sie kurz darauf von Donatellas Schicksal erfährt, sieht sie darin die Möglichkeit, ihr Anliegen einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Kurzerhand übernimmt sie ehrenamtlich die Verteidigung von Donatella Colasanti im Strafprozess gegen die angeklagten Peiniger.


Eine etwas ausführlichere Abhandlung über das Circeo-Massaker kann hier nachgelesen werden.


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Andrea Molaiolis 6-teilige Mini-Serie CIRCEO, die Realität und Fiktion vermischt, beruht auf einem äußerst interessanten Drehbuch, für das sich Flaminia Gressi, Viola Rispoli und Lisa Nur Sultan verantwortlich zeigten. Anstatt sich auf das grausame Massaker zu konzentrieren, das lediglich im ersten Teil thematisiert wird, legt Molaioli sein Augenmerk vielmehr auf die Rekonstruktion des historischen Strafprozesses, der im Rahmen des damit einhergehenden Medienereignisses als Wendepunkt des emanzipatorischen Kampfes für die Änderung des Gesetzes gegen sexuelle Gewalt galt. Federführend ist hierbei die fiktive Person der feministischen Opferanwältin Teresa Capogrossi, die von der italienischen Schauspielerin Greta Scarano überzeugend verkörpert wird. Teresa entpuppt sich als eine leidenschaftliche Idealistin, deren Beruf für sie regelrecht einer Passion gleichkommt. Tatsächlich wirkte der Prozess als Katalysator für die feministische Bewegung , die eine Überarbeitung des Gesetzes über sexuelle Gewalt forderte. Im Gegensatz zu Stefano Mordinis Film DIE KATHOLISCHE SCHULE, bei dem die männlichen Täter im Mittelpunkt der Geschichte stehen, und dem exploitativen I RAGAZZI DELLA ROMA VIOLENTA von Renato Savino, herrscht in der Mini-Serie CIRCEO der weibliche Blick vor, denn die Geschichte des Circeo-Massakers wird hierbei erstmals aus der Sicht der Frauen erzählt. Während des Prozesses gerät Donatella Colasanti, die ebenfalls sehr beeindruckend von der Schauspielerin Ambrosia Caldarelli verkörpert wird, ständig in einen Identitätskonflikt, denn während sie eigentlich nur sie selbst sein möchte, ist und bleibt sie in der Öffentlichkeit lediglich das Mädchen aus Circeo, das einer grausamen Vergewaltigungstat zum Opfer fiel. Dabei geht es Donatella während des Prozesses nicht nur um den Wunsch nach Gerechtigkeit gegenüber ihren Peinigern und Rosarias Mördern, sondern auch um die Rechte aller Frauen, was wiederum dazu führt, dass Teresa sie im Prozessverlauf zu einer Ikone der feministischen Bewegung hochsterilisieren möchte. Solidarische Unterstützung erhalten die Beiden von feministischen Aktivistinnen, die den Strafprozess lautstark gegen die drei angeklagten Vergewaltiger im Gerichtssaal begleiten.


Ein beeindruckendes Gerichtsdrama, das sowohl aufgrund seiner Erzählweise als auch von den schauspielerischen Leistungen durchweg überzeugt. Ein spannender, mitreißender und zugleich abstoßender Film, denn obwohl der Prozessverlauf fesselnd in Szene gesetzt wurde, schlägt einem die ekelhafte Prozessführung der Täteranwälte schwer auf den Magen, die mit fadenscheinigen Begründungen die grausame Tat ihrer Klienten ständig zu verharmlosen versuchen und somit dem Opfer andauernd heftige Schläge ins Gesicht verpassen. Nebenbei thematisiert die Serie auch zeitgeschichtliche Ereignisse wie beispielsweise den Pasolini-Mord, die giftige Wolke von Seveso, die Besetzung des Palazzo Nardini in der Via del Governo Vecchio oder eine Stipvisite von Claudia Cardinale in Rom. Das einzige Manko dieser Mini-Serie sind die unzulänglichen Verweise auf den neofaschistischen Hintergrund der bestialischen Täter, der offensichtlich für das schreckliche Ausmaß der Tat maßgeblich verantwortlich war. Während der neofaschistische Hintergrund im Rahmen des Strafprozesses nur am äußersten Rand gestreift wird, thematisiert diesen ein Priester während der Trauerfeier etwas konkreter. Einzig Renato Savinos I RAGAZZI DELLA ROMA VIOLENTA stellt den neofaschistischen Hintergrund, der maßgeblich zu den bestialischen Ausmaßen der grausamen Tat beigetragen hat, ins Zentrum des Geschehens, wobei aber der Rest dieser Verfilmung eher ausbeuterische Tendenzen aufweist.


Alles in Allem entpuppt sich CIRCERO als eine sehenswerte Serie, die für mich persönlich zusammen mit Stefano Sollimas ROMANZO CRIMINALE zu den besten TV-Serien bella Italias zählt, die in den letzten Jahren auf den Markt gebracht wurden. Produziert wurde CIRCEO von der Produktionsfirma Cattleya, in Zusammenarbeit mit VIS für Paramount+ und Rai. In Deutschland wurde CIRCEO von Paramount+ zwischenzeitlich schon wieder im Rahmen des Sparkurses aus dem Programm genommen. Bleibt zu hoffen, dass sich irgendwann ARTE oder die ARD der beeindruckenden Serie annehmen und diese als bezahlfreie Fassung in ihren Mediatheken anbieten. Noch besser wäre natürlich eine BD oder DVD der Serie.


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