TRIO INFERNAL - Francis Girod

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Prisma
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TRIO INFERNAL - Francis Girod

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Michel Piccoli   Romy Schneider   Mascha Gonska

TRIO INFERNAL


● LE TRIO INFERNAL / TRIO INFERNAL / TRIO INFERNALE (F|D|I|1974)
mit Philippe Brizard, Jean Rigaux, Monica Fiorentini, Hubert Deschamps, Monique Trabès, Francis Claude, Pierre Dac, Paoinou und Andréa Ferréol
Produktion Belstar | Lira Films | Films 66 | Les Productions Fox Europa | TIT Film | Oceania P.I.C. | im Verleih der Cinerama Filmgesellschaft
ein Film von Francis Girod

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»Du hastn schönen Arsch, aber nix im Kopf!«


Der Rechtsanwalt und Lebemann Georges Sarret (Michel Piccoli) ist gesellschaftlich angesehen, doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein skrupelloser Krimineller, dem jedes Mittel recht ist, um ein unbeschwertes Luxusleben führen zu können. Dies geschieht in der Regel auf Kosten der anderen und er schreckt auch vor Mord nicht zurück. Ihm behilflich sind die attraktiven Schwestern Philomène (Romy Schneider) und Cathérine Schmitt (Mascha Gonska), die ihm bei kriminellen Machenschaften und im Bett zu Diensten stehen. Das teuflische Trio ladet einen unbehelligten Coup nach dem anderen, bis es zu unvorhergesehenen Komplikationen kommt...

Im Olymp großer Schwarzer Komödien aus Frankreich hat Francis Girods "Trio Infernal" sehr viel mit dem berühmten ersten Atemzug zu tun, immerhin wird hier alles geboten, was man sich unter dieser Klassifikation vorstellt. Im Grunde genommen bekommt das Publikum noch wesentlich mehr geboten, da die Geschichte und ihre Inszenierung dem Empfinden nach nicht im Imaginären abhandelt, sondern in der Realität durchaus vorhanden sein könnte. Vielleicht ist dies insgesamt weniger auf die hier angebotenen Charaktere bezogen, sicher aber auf die niederträchtigen Verhaltensweisen der Anti-Helden, wenn sich die sieben Todsünden die Klinke immer wieder in die Hand geben. Ein kultivierter Advokat und zwei reizende Damen könnten unter Girods Regie in Wirklichkeit auch nur ein durch und durch Krimineller und zwei gewöhnliche Huren sein, aber man lässt sich gerne blenden von so viel geistreicher Scharade. Ein unmoralisches Geschäftsmodell macht Mode, bei dem Romy Schneider und Mascha Gonska entscheidende Rollen spielen werden. Zunächst sollen sie alte klapprige Männer heiraten, um anschließend das Erbe einstreichen zu können, doch schon bald geht es ihrem Auftraggeber beziehungsweise Zuhälter, dem angesehenen Rechtsanwalt Sarret, nicht mehr schnell genug, sodass es gleich bestialischer Mord sein muss. Man ist erstaunt über so viel Kalkül, kriminelle Energie und Kaltschnäuzigkeit, aber vielleicht noch viel mehr darüber, dass sich bei ihm absolut kein Gewissen meldet. Der Film entscheidet sich von Anfang an für eine sarkastische Note, ohne dabei jedoch allzu zynisch zu werden. In Verbindung mit Ennio Morricones Musik entstehen hervorragend abgestimmte Momente zwischen Bildern, Aktionen, Personen und Untertönen, die die Seele dieser komisch-tragischen Komödie unterstreichen. "Trio Infernal" ist darüber hinaus sicher auch als Meilenstein zu bezeichnen, dies allerdings nicht auf ein Subgenre reduziert, sondern generell, denn es handelt sich um einen der faszinierendsten und besten Filme dieses Zeitfensters und ist auch heute noch als schweres Kaliber in Erinnerung geblieben.

Angelehnt an den authentischen Fall rund um den Mörder Georges-Alexandre Sarrejani, der im Jahr 1934 hingerichtet wurde, darf es Michel Piccoli sein, der eine abenteuerliche Show ausbuchstabiert und am Ende auch dirigiert. Piccoli, längst in der Riege französischer Superstars zu finden, zeigt eine überaus kühne und abgebrühte Interpretation des zutiefst verworfenen Rechtsanwalts, der nach außen hin einen Ehrenmann gibt, außerhalb des Auges der Öffentlichkeit jedoch sein wahres Gesicht zu zeigen pflegt. Mithilfe der Schwestern Cathérine und Philomène, die er sowohl im kriminellen Berufsleben als auch im Schlafzimmer so abrichtet, dass sie ihm in jeder Beziehung zu Diensten stehen, kommt er zu Geld, doch er möchte mehr. Ab sofort liegt ihm kein noch so schmutziges Mittel fern, um in die solvente Lage zu kommen, sich alles leisten zu können, was seinem Stand gebührt. Michel Piccoli brilliert in dieser verabscheuungswürdigen aber ebenso faszinierenden Rolle, die von Romy Schneider und Mascha Gonska auf Händen getragen und mit Füßen vertreten wird. Die beiden Schwestern sind sehr unterschiedlichen Gemüts, denn Philomène ist eiskalt und berechnend, Cathérine eher naiv-einfältig und gefällig, wenngleich sie im Bett gleich zu sein scheinen. Der vulgäre Kern der älteren der beiden lässt sich durch feinste Roben und den Anstrich einer Dame von Welt kaschieren, bei der jüngeren Schwester funktioniert es nicht so einfach, erweitert aber ihr Einsatzgebiet enorm, denn Cathérine verkörpert einen Typ Frau, der weitreichender gefragt ist, da sie für Interessenten nahbarer erscheint. Interessenten haben jedenfalls beide Frauen, sodass sie leicht an ältere Herren zu vermitteln sind, deren Restleben hoch versichert wird, um die Prämie einstreichen zu können. Aber dem ist nicht genug, denn diese Strategie dauert einfach zu lang, bis es schließlich zu kaltblütigen Morden kommt. Diese werden durch die Regie äußerst plastisch dargestellt, doch der wahre Clou ist beispielsweise die Ekel erregende Beseitigung der Leichen, was einem schon den Magen umdrehen kann.

Ein Szenario, aufgeladen zwischen Sex und Mord, Fantasie und Realität, Leidenschaft und Brutalität, macht den Zuschauer jederzeit zum Komplizen der gesamten Angelegenheit, überzeugt insgesamt aber mit einer kalten und unsentimentalen Attitüde, die zwischen Amplituden Schwarzen Humors hervorblitzt. Manchmal kann man alles Dargebotene kaum fassen, ebenso wie das Gebärden der schillernden Figuren. Francis Giraud bemüht sich um einen nahtlosen Verlauf, der wenig Atempausen zulässt, wenngleich einige gestreckt wirkende Phasen ausfindig zu machen sind. Die Dialogarbeit ist beachtlich und kommt ohne sprachliche Klippen, aber mit den Synchronstimmen von Harry Meyen, Romy Schneider und Mascha Gonska aus. Das Spiel ist einfach, der Einsatz hoch, die thematischen Auswüchse überaus bizarr, doch das Schicksal lässt sich nicht zähmen, auch nicht von einem Multimordtalent wie Georges Sarret. "Trio Infernal" funktioniert auf gleich mehreren Ebenen, sodass er als doch sehr würziger Unterhaltungsfilm angenommen werden kann, aber sich auch anprangernde Gesellschaftskritik innerhalb der Fasson der schwarzgefärbten Komödie ausfindig machen lässt, welche erfahrungsgemäß auch als klassisches Drama ausarten kann. Der Film bleibt am Ende nicht nur als Triumph der mutigen Regie in Erinnerung, sondern auch als solcher der Hauptdarsteller Michel Piccoli, Romy Schneider und Mascha Gonska. Eigenen Überlieferungen zufolge soll die Rolle der Cathérine übrigens zunächst Uschi Glas angeboten worden sein, die sich dieser allerdings nicht gewachsen gefühlt haben soll. Nach dieser Performance ist Mascha Gonska nicht aus diesem Film wegzudenken und es ist als großes Glück zu bezeichnen, dass man hier nur die zweite Wahl engagiert hatte. Neben den überragenden Leistungen der Hauptpersonen können sich beispielsweise noch Monica Fiorentini, Philippe Brizard, Jean Rigaux oder Andréa Ferréol in kurzen Auftritten empfehlen. Francis Giraud ist mit seinem Regie-Debüt ein besonderer Coup gelungen, der in allen relevanten Bereichen punkten, erschrecken, erheitern und fesseln kann, und das aus dem bloßen Stand.

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