FLASH GORDON [Serial] - Frederick Stephani, Ray Taylor

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Islay
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FLASH GORDON [Serial] - Frederick Stephani, Ray Taylor

Beitrag von Islay »

Flash Gordon [Serial]

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Hintergrundgeplänkel

Flash Gordon und die Heimvideoauswertung

Leider scheinen die frühen Flash Gordon Serials bislang in Deutschland nur im Rahmen einer Sammel-Kollektion von e-m-s/Best-Buy-Movie veröffentlicht worden zu sein. Im Rahmen dieser Veröffentlichung wurden mehrere Serials zusammen veröffentlicht, ohne kenntlich zu machen, welche Folge ursprünglich zu welchem Serial gehörte. Alle Folgen wurden zudem mit einem einheitlichen Vorspann versehen. Da Besprechungen zu allen Serials recht rar gesät sind und auch hier noch kein Thread zu den frühen Flash Gordon Serials zu finden war, soll trotz dieser semioptimalen Ausgangslage versucht werden jedem einzelnen Serial den verdienten Beitrag zu widmen.


Flash Gordon zwischen 1934 und 1940

Zunächst stellt sich allerdings die Frage, wie viele und welche Produktionen sich in obig erwähnter Veröffentlichung finden bzw. überhaupt existieren. Es ist anzunehmen, dass zwischen 1934 und 1940 mindestens drei eigenständige Serials gedreht wurden. Das wären „Flash Gordon“ (1936), „Flash Gordon's Trip to Mars” (1938) und “Flash Gordon Conquers the Universe” (1940). Die imdb unterscheidet zudem „Flash Gordon“ (1936) in „Flash Gordon I“ und „Flash Gordon II“. Im Bonusmaterial der e-m-s/Best-Buy-Movie-Kollektion findet sich in den Biografien eine Unterscheidung zwischen „Flash Gordon Rocketship“ (1936) und „Flash Gordon: Space Soldiers“ (1936). Im Intro findet sich ein Hinweis „Copyright King Features Syndicate Inc. 1934“.

Es ist daher anzunehmen, dass 1934 die Comicvorlage entstand, aus welcher 1936 zwei direkt aufeinander folgende Serials entstanden sind, welche in den folgenden Jahren um zwei weitere Abenteuer erweitert wurden.


Flash Gordon US vs. DE

Vergleicht man die US-DVD-Veröffentlichung (von „Image Entertainment“ - ebenfalls eine Sammlung mehrerer Serials) und die deutsche Veröffentlichung von e-m-s/Best-Buy-Movie fallen einige Unterschiede auf. Die deutsche Fassung beinhaltet 28 Folgen bei einer Gesamtlaufzeit von 655min. Die US-Fassung wird mit 13 Episoden/245min für „Flash Gordon: Space Soldiers“, 15 Episoden/299min für „Flash Gordon's Trip to Mars” und 12 Episoden/234min für “Flash Gordon Conquers the Universe” angegeben. Damit läuft die US-DVD bei einem Unterschied von 12 Episoden 123min länger (was vermutlich nicht allein auf die zusätzlichen und unterschiedlichen Vorspann-Sequenzen zurück zu führen ist).
Es liegt daher die Annahme nahe, dass die US-Fassung vollständiger als die deutsche Veröffentlichung ist.


Flash Gordon in den 80ern

Allerdings stellt sich die Frage, ob e-m-s/Best-Buy-Movie für die Änderungen verantwortlich ist, oder ob Deutschland seit jeher eine andere Schnittfassung hat. Die Synchronstimme des Dr. Zarkov erinnert stark an Willie Tanner aus der 80er Serie „Alf“. Ein Blick in die Synchronkartei bestätigt die Vermutung, dass beide Figuren vom gleichen Sprecher (Niels Clausnitzer) synchronisiert wurden. Da dieser 1936 gerade mal 6 Jahre alt war (und die Stimme auch dem Alter nach sehr nahe an jener aus „Alf“ liegt), ist anzunehmen, dass Flash Gordon seine Deutschlandpremiere erst wesentlich später hatte. Auffallend ist, dass die Stimmen in den ersten 20 Folgen der deutschen Fassung gleich besetzt sind, obwohl mit Sicherheit mindestens zwei Serials darin stecken dürften. Wenn man der ofdb glauben darf, wurde Flash Gordon 1981 vom BR ausgestrahlt. Es stellt sich daher die Frage, ob evtl. im Zuge dessen bereits mehrere der 30er Jahre Serials für eine Deutschlandauswertung zusammengeschnitten wurden.


Flash Gordon und DirtyPictures

Um nun trotz dieser vielen Fragezeichen sinnvolle Beiträge erstellen zu können, wurde für diese, wie auch die beiden Reviews zu Flash Gordon's Trip to Mars und Flash Gordon Conquers the Universe angenommen, dass es eben diese drei Serials zu unterscheiden gilt. Dabei wurden die Folgen 1-9 der deutschen Veröffentlichung als „Flash Gordon“ (1936), die Folgen 10-20 als „Flash Gordon's Trip to Mars” (1938) und die Folgen 21-28 als “Flash Gordon Conquers the Universe” (1940) angenommen.
Der Verlauf der Geschichte, wie auch evtl. Rückblenden, Wechsel von Locations, Synchronstimmen und Kostümen legten diese Entscheidung nahe.
Da allerdings schwer abschätzbar ist, in wie weit die Serials auch übergreifend miteinander verschnitten wurden, kann nicht garantiert werden, dass diese Trennung stets richtig ist.

Ich hoffe trotzdem, dass die folgende Besprechung ein wenig dazu beiträgt, die frühen Verfilmungen um Flash Gordon bekannter zu machen bzw. die allgemeine Aufmerksamkeit zu steigern.
Vielleicht findet sich ja jemand, der auf Basis der US-Version noch ein paar Ergänzungen oder Berichtigungen beisteuert oder gar ein „Veteran“, der weiter zurückreichendes Wissen aus erster Hand hat. ;)

(Diesen Teil kopiere ich unverändert vor alle drei Besprechungen)




Filmbesprechung

Flash Gordon [Serial]
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1936
Regie (laut ofdb): Frederick Stephani, Ray Taylor
Darsteller: Buster Crabbe, Jean Rogers, Charles Middleton, Frank Shannon

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Inhalt:

Ein unbekannter Planet rast auf die Erde zu und droht diese zu vernichten. Dr. Zarkov, ein angesehener Wissenschaftler, entwickelt eine Rakete (und zwar die erste (!) der Menschheit) um zu dem Planeten zu fliegen und diesen zu erforschen. Vor seiner großen Reise nimmt er noch Flash Gordon und Dale Arden an Bord. Am Ziel angekommen müssen sie feststellen, dass der Planet keineswegs unbewohnt ist. Sie haben „Mongo“ entdeckt, das Reich von Ming dem Unbarmherzigen. Dieser nimmt sie gefangen um Dale zu seiner Gemahlin zu machen und Dr. Zarkov, von dessen wissenschaftlichen Talent er fasziniert ist, für seine Zwecke arbeiten zu lassen.
Dabei eröffnet sich den „Erdenmenschen“, dass Mongo mittels einer Maschine auf Mings Wunsch hin auf die Erde zugesteuert wird um diese zu vernichten. Flash und seine Freunde können dank der Hilfe von Mings Tochter Aura in ein Abenteuer flüchten, bei dem sie Verbündete finden, aber auch Verrätern zum Opfer fallen werden, stets das Ziel vor Augen Mings Pläne zur vereiteln und die Erde zu retten.

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Bewertung:

Es ist eine wahre Freude für jeden SciFi-Fan (mit Toleranz für alte Filme), was einem hier geboten wird. Fans der gleichnamigen 80er Jahre Zeichentrickserie, dürften die ersten Folgen nahezu 1:1 bekannt sein. Dies betrifft allerdings nicht nur die Story, sondern auch die Umsetzung. Es gibt an Angelschnüren fliegende Raumschiffe, fliegende Städte, Monster und Laserwaffen – herrlich. Da werden in der ersten Sequenz auf Mongo echte Echsen aufeinander gehetzt und so gefilmt, dass der Eindruck entsteht, es handle sich um reale Urzeit-Monster. Dank gelungener Kopiertricks werden diese auch gleich noch als meterhoch dargestellt. Dr. Zarkovs Labor lässt selbst Dr. Frankenstein vor Neid erblassen. Es fliegt eine ganze Stadt dank eines radiumbefeuerten Ofens weit oben am Himmel, während eine andere durch ein magnetisches Feld zwischen dem Meeresgrund und der Wasseroberfläche schwebt.
Flash muss sich gegen Greifenkrieger, Drachen, einen Kraken und das Ungeheuer von Mongo behaupten. Die Schergen des Bösen sind mit Laserwaffen ausgestattet und bewegen sich in Flugobjekten, die an einen Brummkreisel erinnern durch die Lüfte.
Einfach herrlich was hier aufgefahren wird. Bedenkt man, dass die Geschichte 1934/36 ersonnen wurde, muss man es als geradezu visionär bezeichnen, was sich die Leute alles haben einfallen lassen. Die Monster lassen manches 50er Jahre Grindhouse oder Japano-Monster alt aussehen und Mings Krieger geben eine Blaupause für die deutlich später folgenden Truppen aus Star Wars.

Auch inszenatorisch ist „Flash Gordon“ ein wahrer Augenschmaus. Jede Kulisse ist liebevoll und detailreich ausgestattet, kaum eine wird mehrfach gezeigt. Szenen werden sehr stimmig überblendet. Alles sieht sehr „greifbar“ aus.

Zusammenfassend ein wirklich wunderschönes SciFi-Spektakel, das den, der es nicht mit Logikfragen wie „Warum trägt Flash keinen Raumanzug, wenn er Mongo betritt“ kaputtintellektualisiert, bestens unterhält. Und seien wir ehrlich – woher hätte Flash 1936 auch wissen sollen, dass andere Planeten üblicher Weise keine erdähnliche Atmosphäre haben.


In Punkten eine klare 10/10



Hier noch der englische Trailer:




[Archivbeitrag - Original-Besprechung vom 12.10.2013]

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