● EIN FALL FÜR ZWEI | FOLGE 05 | DAS ERBE (D|1981)
mit Günter Strack und Claus Theo Gärtner
als Gäste: Ida Ehre, Herlinde Latzko, Renate Reger, Hans Brenner, Elisabeth Goebel, Dieter Schaad und Christian Quadflieg
eine Produktion der Galmon Film | im Auftrag des ZDF
Regie: Ludwig Cremer
Bei der Feier des 75. Geburtstags von Sophie Franke, Chefin eines millionenschweren Pharmakonzerns, kommt es zu einer faustdicken Überraschung, da ihr verschollener Enkel Jason nach 15 Jahren wieder auftaucht. Zwar ist die Freude der Großmutter groß, doch so gut wie alle anderen Familien- und Firmenmitglieder fürchten um ihren Stand in der Hierarchie, da die Dame des alten Schlages der Meinung ist, das Imperium müsse von einem männlichen Nachkommen geführt werden. Sie bittet Dr. Renz umgehend, alles Nötige für eine schnelle Geschäftsübergabe in die Wege zu leiten. Irene Braun, Familienmitglied und bislang angedacht für die Unternehmensnachfolge, sucht Matula auf, um den Mann, der sich jetzt als Jason ausgibt, als Hochstapler zu überführen …
Tauchen die totgeglaubten Gespenster der Vergangenheit auf, so sind Unruhe, Nervosität und intrigantes Verhalten so gut wie vorprogrammiert, vor allem wenn es um ein Millionenerbe geht, für dessen Empfang einige Familienmitglieder bereits in den Startlöchern standen. Ein Pharma-Imperium wird von einer Dame des alten Schlages geführt, die auf einen Reichtum blicken kann, für den sie sicherlich hart gearbeitet hat und auch zum jetzigen Zeitpunkt noch viele Entbehrungen kennt. Ihr Sohn und die Schwiegertochter starben vor Jahren bei einem Unfall, ihr Enkel galt als verschollen. Ihre Wünsche scheinen sich auf einen Schlag zu Erfüllen, doch es gibt immerhin die Zweifel der anderen. Die Matriarchin, großartig interpretiert von Ida Ehre, spielt ihre Dominanz aus und mahnt indirekt, dass es an ihr kein Vorbeikommen geben kann. Das Publikum schaut dieser Mischung aus kultiviertem Hardlinertum und verklärender Einschätzung der Lage zunächst ratlos zu, immerhin geht man selbst davon aus, dass sich ein Betrüger ins gemachte Nest setzen will. Er besitzt Detailwissen, das entmachtend, einen Charme, der entwaffnend wirkt, und hier ist ein aalglatter Christian Quadflieg der richtige Mann für die passenden Impressionen. So wirkt es nahezu beruhigend, dass die designierte Firmenchefin sich bei Matula meldet, um ihn auf den angeblichen Enkel anzusetzen. Irene Braun möchte die Früchte ihres persönlichen Zorns nach dem Ableben von Sophie Franke ernten, immerhin hat sie sich für den Familienbetrieb aufgeopfert und nebenbei in Chemie promoviert. Es scheint, dass die elegant wirkende Frau von emotionalen Entbehrungen gelebt hat und ihren Hunger wohlverdient Stillen möchte. Doch die Erbfolge rückt durch das Auftauchen von Jason in weite Ferne. Ein Erfolgshonorar von 20 000 D-Mark soll den Privatdetektiv zu Höchstleistungen animieren, doch man kennt die verbissene und ehrgeizige Art Matulas mittlerweile recht genau, um zu wissen, dass er denselben Elan auch bei 200 Mark an den Tag legen würde. Dr. Renz fungiert als Familienanwalt der Frankes, sodass die Teamarbeit wieder im Vordergrund stehen kann.
Geschichten rund um derartige Familienangelegenheiten wirken naturgemäß faszinierend, da man auf die großen Verlierer wartet, die mit gezinkten Karten gespielt haben. Jason wirkt allerdings zu souverän, als dass man ihm etwas anhaben könnte. Seine Großmutter hinterfragt nicht, denn die Zeit, die ihr noch bleibt, ist für sie viel zu kostbar, um sie mit unnötigen Zweifeln zu verschwenden. Ida Ehre spielt perfekt abgestimmt auf die jeweiligen Situationen auf. So lernt man sie als milde, sympathische alte Dame kennen, die als perfekte Gastgeberin auftreten kann, aber ebenso als unerbittliche Autorität, die neben ihrer Meinung keine Abweichungen zulässt. Ihre schärfste Kontrahentin wird von einer ebenfalls blendend aufgelegten Herlinde Latzko gespielt, deren Emotionen niemals über den Tellerrand der Etikette schauen werden. Nach außen hin hält man zusammen, selbst gegen das größte Lügenkonstrukt. Regisseur Ludwig Cremer lässt das Publikum nicht gerade im Unklaren darüber, dass sich in dieser hochwertig aufgerollten Geschichte mehr Schein als Sein breitgemacht hat. Doch auch hier gibt es immer wieder eine berechtigte Skepsis darüber, dass die Wahrheit doch allzu simpel aussehen respektive tatsächlich real könnte. In der Zwischenzeit wird das Geschehen durch die völlig konträren Arbeitsauffassungen von Claus Theo Gärtner und Günter Strack auf Betriebstemperatur gebracht und mit Drive und Präzision ausgestattet. Es ist interessant, dass sich das Gerechtigkeitsempfinden des Zuschauers immer wieder nur vordergründig meldet, um letztlich daran zu erinnern, dass bei den trickreichen Fähigkeiten eines Christian Quadflieg Vorsicht geboten ist, denn immerhin war es dem Interpreten stets möglich, hochinteressante Verwirrspiele en passant aufzuziehen. Die ohnehin starke Geschichte erlangt ihre gehobene Finesse durch die Interpretationen der perfekt platzierten Charaktere, sodass sich auch "Das Erbe" zu einer der starken frühen Fälle entwickelt, welcher sich ein nahezu bizarres Finale vorbehält, das zwischen Genugtuung, Überraschung, Trotzköpfigkeit und Fassungslosigkeit hin- und herpendelt. Wirklich sehenswert.