BIS DIE GÄNSEHAUT ERSTARRT - Richard L. Bare

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Richie Pistilli
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BIS DIE GÄNSEHAUT ERSTARRT - Richard L. Bare

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Bis die Gänsehaut erstarrt (D)
Le palace de l'horreur (BE)
O Fantasma do Grande Hotel (POR)
Perversidad (ES)
Sadist (TÜR)
Wicked, Wicked



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USA 1973

R: Richard L. Bare
D: David Bailey, Tiffany Bolling, Randolph Roberts, Scott Brady, Edd Byrnes, Diane McBain, Roger Bowen, Madeleine Sherwood u.a.

Score: Philip Springer

OFDb




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"Wicked, wicked - that's the ticket... You gotta make me feel so wicked..."


Nachdem eines schönen Morgens drei wasserstoffblonde Frauen -die sich in einem noblen Hotel am Rande der Stadt einquartiert hatten- spurlos verschwunden sind, beauftragt der Hotelmanager (Roger Bowen) den hauseigenen Detektiv Rick Stewart (David Bailey) damit, die drei geflüchteten Zechprellerinnen wieder aufzuspüren. Was Rick zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht weiß: Die drei Damen wurden in der Nacht zuvor von einem maskierten Killer gnadenlos gekillt! Aber was geschah bloß mit ihren Leichnamen?

Im Zuge seiner Ermittlungen trifft Rick Stewart nicht nur auf seine Ex-Frau Lisa James (Tiffany Bolling) -die sich zwischenzeitlich als Sängerin ihre Brötchen verdient-, sondern auch auf den jungen Elektriker Jason Gant (Randolph Roberts) -der nebenbei auch noch als Beleuchter fungiert- und die ehemalige Tänzerin Lenore Karadyne (Madeleine Sherwood) -die das verfrühte Ende ihrer Tanzkarriere nie richtig verkraftet hat. Als dann auch noch der ortsansässige Polizeichef Ramsey (Scott Brady) den Plan betritt, kommt endlich Bewegung in die Sache...


Bleibt letztlich nur noch die Frage, ob es dem Hoteldetektiv gelingen wird, die wahren Hintergründe über das Verschwinden der drei blonden Damen ans Tageslicht zu bringen?



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1973 kam dem amerikanischen Drehbuchautor und Regisseur Richard L. Bare während einer Autofahrt urplötzlich die Idee, eine Filmgeschichte in zwei simultanen Bildverläufen zu erzählen. Gesagt, getan - und nur kurz darauf erschien dann auch schon der vorliegende Film, der erstmals in dem sogenannten Split-Screen-Format 'Duo-Vision' inszeniert wurde. Bei dieser Technik handelt es sich einfach um eine Teilung des Bildes, wobei zur gleichen Zeit jeweils rechts und links zwei unterschiedliche Handlungsverläufe zu sehen sind. Diese können sich beispielsweise ergänzen (beispielsweise werden rechts Rückblenden zu der im linken Teil gezeigten Szene eingeblendet oder ein Plausch zwischen zwei beteiligten Figuren wird jeweils aus der Perspektive des anderen gezeigt), nebeneinander herlaufen (zwei voneinander unabhängige Szenen laufen parallel, was quasi dem simultanen Anschauen von zwei unterschiedlichen Filmen gleich kommt) oder auch ineinander übergehen. Und dann gibt es auch noch eine knuffelige Dame fortgeschrittenen Alters, die nicht nur die erklingende Filmmusik -sozusagen- live mit einer bombastischen Orgel einspielt, sondern ebenfalls auch immer mal wieder in einer der beiden Bildhälften eingeblendet wird (= großartige Momente!).

Dabei wirkt die Split-Screen-Technik zunächst etwas verwirrend und anstrengend zugleich, was sich dann aber spätestens nach 10 Minuten wiederum normalisiert, denn wenn man sich erst einmal an das ungewöhnliche 'Duo-Vision'-Verfahren gewöhnt hat, dann bereitet dies auch ein außergewöhnliches Filmvergnügen, welches man in dieser Form nicht alle Tage erleben kann. Als Drehkulisse diente übrigens das historische Hotel del Coronado.

Weitere Filme, bei denen eine ähnlich gelagerte Split-Screen-Technik zum Einsatz kam: 'Napoleon' (1927), 'Bettgeflüster' (1959), 'Das Phantom im Paradies' (1974), 'Carrie' (1976), 'Lola Rennt' (1998), 'Virgin Suicide' (1999), 'Requiem For A Dream' (2000), 'Snatch' (2000), 'Die Regeln des Spiels' (2002), 'Kill Bill' (2003) u.v.m.


Obendrein kommt es ab der Hälfte des Films zu einem weiteren Clou, denn dem Zuschauer wird in der einen Bildhälfte die Identität des Täters preis gegeben, während sich der rastlose Detektiv in der anderen Bildhälfte auch weiterhin bei der Suche nach dem für ihn bis dato noch unbekannten Täter um Kopf und Kragen ermittelt. Hinzu kommt, dass die Inszenierung aufgrund der unterschiedlichen Geschichten verschiedener Beteiligter recht episodenhaft wirkt: Zum einen hätten wir den unermüdlichen Hoteldetektiv 'Rick Stewart', der von seinem Chef mit der Ermittlung nach den drei spurlos verschwundenen Zechprellerinnen beauftragt wird. Während seiner Ermittlungen trifft er dann im weitläufigen Hotel-Komplex nicht nur auf seine Ex-Frau 'Lisa James', die wiederum von dem jungen Elektriker und Beleuchter 'Jason Gant' angehimmelt wird, sondern auch auf zahlreiche zwielichtigen Nebenfiguren, von denen so einige als potenzielle Täter in Frage kommen dürften. 'Jason Gant' unterhält wiederum ein freundschaftliches Verhältnis mit einem weiblichen Hotelgast, einer bereits leicht betagten Dame, die ebenfalls ihre Hotelrechnung nicht mehr bezahlen kann. Mittendrin darf sich dann auch noch ein maskierter Killer munter austoben, wobei er zwischenzeitlich sogar der erblondeten Sängerin Lisa James erbarmungslos nach dem Leben trachtet. Und diese einzelnen Episoden werden dann anhand des 'Duo-Vision'-Verfahrens einfach miteinander verwoben. Hinzu kommt ein recht kurioses Finale, zumal der Film an sich schon mit einer besonderen Humornote aufwartet.


Die weibliche Hauptrolle wird übrigens von der amerikanischen Sängerin, Moderatorin und Schauspielerin Tiffany Bolling verkörpert, die mir gerade erst in der letzten Woche als Tochter des Bösen über den Weg lief. Zwar soll die hübsche Schauspielerin zunächst behauptet haben, stolz auf ihre Beteiligung an dem Film gewesen zu sein, was sie dann aber angeblich in späteren Interviews wiederum widerrief, da man sie aufgrund der beiden viel kleinen Bildausschnitte im Rahmen späterer TV-Ausstrahlungen nicht mehr richtig erkennen konnte. Und außerdem sei der Film auch äußerst schlecht gemacht... (was ich jetzt wiederum absolut nicht bestätigen kann)


Fazit: Ein recht außergewöhnliches Filmerlebnis, wobei ich mich an das 'Duo-Vision'-Verfahren zunächst einmal gewöhnen musste...



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Trailer:





Bleibt nur die Frage: Warum wird der Trailer eines DUO-VISION-Films -der obendrein die außergewöhnliche Aufnahmetechnik auch noch explizit anpreist- lediglich in 'ungeteilten' Bildern gezeigt?

Der Trailer prahlt zwar dick und fett mit dem DUO-VISION-Verfahren, enthält dabei aber keine einzige Szene, die dem Zuschauer veranschaulichen kann, wie diese angepriesene Bildtechnologie schlussendlich aussieht... Oder sollte genau das eigentliche der Kniff des Trailers sein, um somit die Spannung -oder besser gesagt: die Erwartung- beim Zuschauer entsprechend anwachsen zu lassen? Merkwürdig wirkt das Ganze dennoch...



Filmausschnitt (zur Veranschaulichung des 'Duo-Vision'-Verfahren)





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Abschließend noch eine kurze Zusammenfassung des DUO-VISION-Verfahrens:

Duovision ist eine Sonderform der Split-Screen, bei der das Gesamtbild für die Dauer des gesamten Films oder für einzelne Szenen zweigeteilt ist (sei es, dass sie nebeneinander, sei es, dass sie untereinander angeordnet waren). Das Verfahren kam bei wenigen Filmen der New-Hollywood-Ära anfangs der 1970er zur Anwendung. Besondere Probleme bereitete die Tongestaltung, weil bei Dialogszenen im einen Teilbild das andere stumm sein musste, was noch zusätzlich durch die Verwendung von Stereo-Ton erschwert wurde (weshalb manchmal von einer active bzw. passive screen gesprochen wurde). Manchmal wurde die gleiche Handlung aus zwei Perspektiven dargestellt, manchmal gleichzeitige Geschehnisse an verschiedenen Orten. Ein Problem war nicht nur der deutlich erhöhte Bedarf an Aufzeichnungen, weil ja zwei Bilder realisiert werden mussten, sondern auch die Zeit, die auf die Zusammenfügung der beiden Bilder und den Schnitt aufgewendet werden mussten. Der wohl bekannteste (und nach eigenem Bekunden der seinerzeitigen Werbung für den Film erste) Duovision-Film ist der im Format 2,65:1 realisierte B-Horrorfilm Wicked, Wicked (USA 1973, Richard L. Bare), der nur wenige Szenen im Ganzbild enthielt (um dem Publikum einen visuellen Schock zu versetzen, wie Bare erklärte). Zeitgenössische Kritiken brachten den Versuch in Beziehung zu der als avantgardistische verstandenen Dual-Screen-Technik, in der Warhol seinen Film Chelsea Girls gemacht hatte (1966). (Quelle)




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Re: BIS DIE GÄNSEHAUT ERSTARRT - Richard L. Bare

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In der ARTE-Mediathek steht momentan ein 25-minütiger Beitrag zum Thema 'Split-Screen' zur Verfügung:

Blow up - Der Splitscreen im Film: https://www.arte.tv/de/videos/092096-03 ... n-im-film/

Am meisten erstaunte mich hierbei, dass die Split-Screen-Technologie bereits in den 20er Jahren ihren Einsatz fand (Abel Gance, F. W. Murnau) :shock:




Eine unkommentierte Aneinanderreihung von gesplitteten Filmszenen:


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