HELGA ANDERS
Verfasst: Mi., 23.12.2020 21:15
HELGA ANDERS
[*11.01.1948 | † 31.03.1986]
Das Lexikon der deutschen Filmstars hat geschrieben:In Ruhpolding und Bielefeld aufgewachsen; Besuch einer Ballettschule; spielt mit acht Jahren eine Rolle in der Operette »Der fidele Bauer«. Nach dem Umzug der Eltern an den Tegernsee wirkt A. mit dreizehn an einer bayrischen Bauernbühne mit. Ihr Filmdebüt feiert sie mit zwölf; als Fünfzehnjährige tritt sie erstmals in der Kleinen Komödie in München auf. Heiratet 1967 Roger Fritz, unter dessen Regie sie in mehreren Filmen die Hauptrollen übernimmt, besonders bekannt wurde sie durch Mädchen Mädchen (1966). Der Jungstar wird von Roger Fritz geschieden, betreibt eine Theaterkneipe in München, ist ab Mitte der sechziger Jahre auch häufig im Fernsehen zu sehen. Sie scheidet durch Suizid aus dem Leben. Laut Pressemitteilung war die Todesursache angeblich Herzversagen. Typ: Die kleine Dunkelhaarige mit den großen Augen galt als die Lolita im deutschen Film der sechziger Jahre. Lasziv und provozierend »unschuldig«, war sie die gefährdete Minderjährige und verkörperte den Typ einer modernen Jugend, die offenen Umgang mit dem anderen Geschlecht pflegte.
Die Auseinandersetzung mit der Schauspielerin Helga Anders sieht auf den ersten Blick ganz einfach aus: eine Darstellerin, die sich selbst ein Image erschuf, beziehungsweise um die eine Art Image kreiert wurde, das ewige Schulmädchen sein zu müssen, um es ein wenig überspitzt zu formulieren. Zunächst konnte man Anders glänzend und später gefangen in obligatorischen Rollen erleben. Sie stellte die junge »Lolita« des deutschen Kinos und eine der Identifikationsfiguren der damaligen Jugend dar. Derartige Festlegungen, die es ja scharenweise gegeben hat und bis heute gibt, bilden zuerst Fundamente für steile Karrieren und große Erfolge. Wenn diese jedoch ewig haften bleiben und betreffende Stars nicht die Möglichkeiten gefunden oder erhalten haben, sich von ihnen zu lösen, entwickeln sie sich zu einem späten Zeitpunkt und im schlimmsten Fall zu einem latenten Fluch. Befasst man sich mit dem zweiten Blick, so offenbaren sich zahlreiche Facetten, die wesentlich mehr hergeben möchten. Die Typisierung spielt unter anderem auf die immense Kraft der Augen an, die gerade bei Helga Anders eine bemerkenswerte Aura entstehen lässt. Bei einem derartigen Schicksal lässt man sich vielleicht ziemlich schnell dazu verleiten, eine gewisse Traurigkeit heraus zu sehen, was sich aber im Grunde genommen nur auf den Bereich der jeweiligen Anforderungen bezieht. Nicht selten fühlt man sich als Zuschauer durch verführerische und selbstbewusste Blicke verfolgt, aber auch verwirrende, beziehungsweise schwer nachzuvollziehende Verhaltensweisen. Helga Anders bediente die Kategorie der Publikumswirksamkeit mit klassischen Image-Besetzungen, aber auch progressiven Frauenrollen, die der deutsche Film gerade erst am erfinden war und nötig hatte.
Viele Personen kolportieren bis heute das nahezu zementierte Bild der Schauspielerin und es kommt unausweichlich zu Einschätzungen wie »mädchenhaft-unschuldig« oder man stellt ihr das Zeugnis der»Kindfrau« aus, was allerdings nur eine Halbwahrheit darstellt, denn immerhin konnte sich die in Innsbruck geborene Interpretin sozusagen von ihren emanzipierten Rollen emanzipieren, was sich auch in ihrer ausgiebigen TV-Filmografie zeigt. Hin und wieder schießt bei Helga Anders ein Anflug eines Quervergleichs mit Romy Schneider in den Kopf, bei der sich bis heute ebenfalls Gerüchte um einen angeblichen Suizid halten, nicht zuletzt wegen der anklagenden Verlautbarungen der französischen Presse. Bei Helga Anders, die gerade Mal 38-jährig verstarb, urteilte die Klatschpresse ähnlich bewusst und deutlich. So entstehen kleinere oder größere Mythen um entsprechende Schauspieler_innen, da ihr Ende die breite Öffentlichkeit berührt und dazu veranlasst hat, eigene gedankliche Erhebungen und Mutmaßungen anzustrengen. Helga Anders konnte zwar keine internationale Karriere verbuchen, dennoch hat sie ihren festen, angesehenen Platz in der deutschen Kino-und-TV-Landschaft, da sie temporär gesehen Frauenrollen interpretierte, die vom Gros der Schablonen mitunter weit entfernt waren. Helga Anders einzuschätzen, ist trotz aller Begeisterung keine besonders leichte Aufgabe, denn sie passt so wenig in vorgefertigte Schubladen, obwohl bei ihr ein deutlicher Hang zum Avantgardistischen wahrzunehmen ist, aber gleichzeitig auch das Fügen in Anforderungen, die über die Selbstaufgabe hinaus gingen. So bleiben einerseits die mitunter progressivsten und modernsten Frauenrollen des damaligen Kinos übrig, andererseits auch scharfkantige Zuschnitte, die sich am unerbittlichen und kurzlebigen Willen des Marktes orientierten.
Die Faszination um Helga Anders bedingt sich schlussendlich nicht vornehmlich um die vermeintliche »Lolita« oder das »Schulmädchen«, denn dieses Image wirkt vor allem in der Rückschau zu konstruiert, unpräzise und am wenigsten gerechtfertigt. Sie ist und bleibt eine Darstellerin, die überdies unmissverständlich anspricht, weil die schauspielerische Kompetenz so unverwechselbar und nicht selten auffällig unbändig erscheint. In diesem Spektrum zwischen Schulmädchen und Verführerin wirkt sie widersprüchlich und ebenso auffordernd. Hinzu kommt, dass häufig keine großartige Distanz zum Zuschauer aufgebaut wird, sie ihre Charaktere jedoch mit einer eigenartigen Kontrolle, Dominanz und Struktur ausstatten konnte. Helga Anders zehrt in ihren Auftritten in einem hohen Ausmaß von ihrer Körpersprache, ihrer angenehmen und in der Synchronisationsarbeit dynamischen Stimme, von ihrer Ausstrahlung ganz zu schweigen. Wie es eben so ist, werden Image-Fragen meistens erst am bitteren Ende kritisch durchleuchtet. Aus heutiger Sicht kann vielleicht ein verschwenderischer und einseitiger Umgang des deutschen Films mit der begabten Schauspielerin Helga Anders beklagt werden, die diversen Rollen ein reizvolleres und nachhaltigeres Gesicht hätte geben können, was sich auch darauf bezieht, dass sie in wichtigen Produktionen einfach fehlte. Leider werden bis heute auch nicht die richtigen Filme mit ihr wiederholt, sodass sie langsam aber sicher in eine sich anbahnende Vergessenheit gerät. Sie würde auch heute mit größter Wahrscheinlichkeit noch zur deutschen TV-Prominenz zählen, denn sie verfügte über die Fähigkeiten, den Mut und die Ausstrahlung. So bleibt insgesamt zu sagen, dass eine Beteiligung von Helga Anders stets genügend Grund darstellt, sich auf den jeweiligen Film einzulassen, um sich zu freuen, zu träumen, zu staunen oder über das zu philosophieren, was dem Publikum aufgrund eines so schrecklich kurzen Lebens vorenthalten geblieben ist.
Viele Personen kolportieren bis heute das nahezu zementierte Bild der Schauspielerin und es kommt unausweichlich zu Einschätzungen wie »mädchenhaft-unschuldig« oder man stellt ihr das Zeugnis der»Kindfrau« aus, was allerdings nur eine Halbwahrheit darstellt, denn immerhin konnte sich die in Innsbruck geborene Interpretin sozusagen von ihren emanzipierten Rollen emanzipieren, was sich auch in ihrer ausgiebigen TV-Filmografie zeigt. Hin und wieder schießt bei Helga Anders ein Anflug eines Quervergleichs mit Romy Schneider in den Kopf, bei der sich bis heute ebenfalls Gerüchte um einen angeblichen Suizid halten, nicht zuletzt wegen der anklagenden Verlautbarungen der französischen Presse. Bei Helga Anders, die gerade Mal 38-jährig verstarb, urteilte die Klatschpresse ähnlich bewusst und deutlich. So entstehen kleinere oder größere Mythen um entsprechende Schauspieler_innen, da ihr Ende die breite Öffentlichkeit berührt und dazu veranlasst hat, eigene gedankliche Erhebungen und Mutmaßungen anzustrengen. Helga Anders konnte zwar keine internationale Karriere verbuchen, dennoch hat sie ihren festen, angesehenen Platz in der deutschen Kino-und-TV-Landschaft, da sie temporär gesehen Frauenrollen interpretierte, die vom Gros der Schablonen mitunter weit entfernt waren. Helga Anders einzuschätzen, ist trotz aller Begeisterung keine besonders leichte Aufgabe, denn sie passt so wenig in vorgefertigte Schubladen, obwohl bei ihr ein deutlicher Hang zum Avantgardistischen wahrzunehmen ist, aber gleichzeitig auch das Fügen in Anforderungen, die über die Selbstaufgabe hinaus gingen. So bleiben einerseits die mitunter progressivsten und modernsten Frauenrollen des damaligen Kinos übrig, andererseits auch scharfkantige Zuschnitte, die sich am unerbittlichen und kurzlebigen Willen des Marktes orientierten.
Die Faszination um Helga Anders bedingt sich schlussendlich nicht vornehmlich um die vermeintliche »Lolita« oder das »Schulmädchen«, denn dieses Image wirkt vor allem in der Rückschau zu konstruiert, unpräzise und am wenigsten gerechtfertigt. Sie ist und bleibt eine Darstellerin, die überdies unmissverständlich anspricht, weil die schauspielerische Kompetenz so unverwechselbar und nicht selten auffällig unbändig erscheint. In diesem Spektrum zwischen Schulmädchen und Verführerin wirkt sie widersprüchlich und ebenso auffordernd. Hinzu kommt, dass häufig keine großartige Distanz zum Zuschauer aufgebaut wird, sie ihre Charaktere jedoch mit einer eigenartigen Kontrolle, Dominanz und Struktur ausstatten konnte. Helga Anders zehrt in ihren Auftritten in einem hohen Ausmaß von ihrer Körpersprache, ihrer angenehmen und in der Synchronisationsarbeit dynamischen Stimme, von ihrer Ausstrahlung ganz zu schweigen. Wie es eben so ist, werden Image-Fragen meistens erst am bitteren Ende kritisch durchleuchtet. Aus heutiger Sicht kann vielleicht ein verschwenderischer und einseitiger Umgang des deutschen Films mit der begabten Schauspielerin Helga Anders beklagt werden, die diversen Rollen ein reizvolleres und nachhaltigeres Gesicht hätte geben können, was sich auch darauf bezieht, dass sie in wichtigen Produktionen einfach fehlte. Leider werden bis heute auch nicht die richtigen Filme mit ihr wiederholt, sodass sie langsam aber sicher in eine sich anbahnende Vergessenheit gerät. Sie würde auch heute mit größter Wahrscheinlichkeit noch zur deutschen TV-Prominenz zählen, denn sie verfügte über die Fähigkeiten, den Mut und die Ausstrahlung. So bleibt insgesamt zu sagen, dass eine Beteiligung von Helga Anders stets genügend Grund darstellt, sich auf den jeweiligen Film einzulassen, um sich zu freuen, zu träumen, zu staunen oder über das zu philosophieren, was dem Publikum aufgrund eines so schrecklich kurzen Lebens vorenthalten geblieben ist.
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