GEGEN JEDEN VERDACHT - Peter Pistor

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Prisma
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GEGEN JEDEN VERDACHT - Peter Pistor

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Daniel Baldwin   Claudia Schiffer   Coolio   in

GEGEN JEDEN VERDACHT


● IN PURSUIT / GEGEN JEDEN VERDACHT / GEJAGT UND BETROGEN (US|2000)
mit Sarah Lassez, Kim Rhodes, David Graf, Zina Ponder-Pistor, Cristos und Dean Stockwell
eine Produktion der Life Productions Inc.
ein Film von Peter Pistor


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»Ich wuchs auf im Glauben an den amerikanischen Traum«


Das Leben des erfolgreichen Anwalts Rick Alvarez (Daniel Baldwin) gerät nach einer Affäre mit der schönen Catherine (Claudia Schiffer), der Frau des skrupellosen Geschäftsmannes Wells, aus den Fugen. Als dieser eines Tages ermordet wird gerät Rick selbst unter Mordverdacht und nur ein paar zufällig entstandene Fotos könnten seine Unschuld beweisen, dass er zur Tatzeit nicht am Ort des Geschehens gewesen sein kann. Doch sein Alibi zerplatzt, da die Fotos spurlos verschwinden. Um den wahren Täter zu finden, flieht Rick aus dem Gefängnis und begibt sich auf die gefährliche Suche nach Catherine, die ein Motiv für den Mord an ihrem Mann hatte...

Eine nachdenkliche Stimme aus dem Off, einige Szenen im Gericht und ein Anwalt, der in Windeseile in Turbulenzen mit attraktiven Damen und plötzlich unter Mordverdacht gerät. So sieht die knappe Einführung in diesen Thriller in gut gemeintem TV-Niveau aus. Ob sich in Verbindung mit einer, auf den ersten Blick recht interessant klingenden Geschichte etwas Sehenswertes daraus basteln lässt, wird also im Verlauf noch geklärt werden, was dem Film eigentlich auch komischerweise als spannendste Frage vorauseilt. Der wenig erfahrene Regisseur Peter Pistor inszenierte mit "Gegen jeden Verdacht" jedenfalls seinen vierten und gleichzeitig letzten Film, was nicht viel heißen muss, wenn man diesem Beitrag seine Chance einräumt, die hier keinen anderen Namen tragen kann als Claudia Schiffer. Der Auftritt der Deutschen kommt wie aus dem Nichts, ihr Besuch im Knast verwandelt genau diesen in wenigen Augenblicken in einen brodelnden Vulkan, die schäbigen Gänge des Gefängnisses werden von ihr kurzerhand zu einem Catwalk umfunktioniert und sie hat sichtlich Spaß daran, dass ihr die grölenden Insassen Interesse sexueller Natur bekunden. »Wissen Sie, wie viele Männer heute Abend vergewaltigt werden, nur wegen Ihrem Outfit?« Coolio, der Wärter, weiß offensichtlich, wovon er spricht. Zunächst formt sich primär die Frage nach Claudia Schiffers schauspielerischen Kompetenzen, da man sie doch vor wenigen Augenblicken noch beim zügellosen Tête-à-Tête mit dem Hauptverdächtigen des Falles verfolgen durfte und es rückt in eine gewisse Ferne, was man eigentlich von diesem Film erwartet hat. Möglicherweise entsteht diese lapidare Einstellung auch nur, falls man ihn sich wegen der Schiffer ansieht, und man sie obendrein noch für eines der aufregendsten Geschöpfe überhaupt hält, ja, dann kann dieses auf einen zukommende, oder eher ausbleibende Spektakel einfach nur zufriedenstellen.

Zum frühen Verlauf lässt sich neben diesem schweren Geschütz eines Ablenkungsmanövers schließlich sagen, dass die Dramaturgie holprig und konstruiert wirkt, man möchte beinahe sagen unwahrscheinlich, viele Szenen wirken schwach choreografiert und es ist daher schwer einzuschätzen, was nun eigentlich warum, weshalb oder gerade wieso passiert. Um für Aufsehen zu sorgen, gibt es neben den erwähnten Sex-Kapriolen der überaus aufreizenden Claudia Schiffer ein wenig Action, meistens leider der müderen Sorte, die spannend angelegten Szenen erreichen häufig nicht die anvisierte Intensität, nur Langeweile schleicht sich glücklicherweise so gut wie gar nicht ein. Der komplette Verlauf wimmelt zwar von Klischees und ausgeborgten Ideen aus anderen Filmen, allerdings lässt sich eine zumindest ambitionierte Bearbeitung herausfiltern, wenngleich es sich auch nach der Hälfte der Spielzeit noch nicht genau benennen lässt, wo der Film eigentlich genau hin möchte und hierbei wirkt die flache Dialogarbeit wie Öl, das ins Feuer gegossen wird. Die nebulöse Geschichte wird von hinten aufgerollt, hin und wieder durch pyrotechnische Spielereien erhellt und wie ein Puzzle zusammengefügt, im Endeffekt lässt sich wohl sagen, dass einem diesbezüglich sicherlich schon schwächere Versuche aufgetischt wurden. Leider ist es so, dass der Protagonist auf ganzer Linie schwächelt, denn Daniel Baldwin wirkt nichtssagend und schleppt sich ungelenk von Szene zu Szene. Als Identifikationsfigur taugt der sich immer weiter in ein Mordkomplott verstrickende Rick daher nur wenig, es entsteht wenig Brisanz und gleichzeitig eine ärgerliche Vorhersehbarkeit, da die Geschichte nur zu dem Punkt, an dem sich alles hastig aufklären wird, zulaufen kann. Die angebotenen Wendungen sorgen zwar letztlich für eine gewisse Grundspannung und Aufmerksamkeit, jedoch wirkt die Angelegenheit unterm Strich vollkommen überfrachtet.

Wendungen und Erklärungen, die vornehmlich aus der Vergangenheit stammen, sorgen für Verwirrung und das Spektrum der Wahrscheinlichkeit wird ein wenig überstrapaziert. Der Zuschauer ist also permanent mit dem Ordnen der Handlungsstränge beschäftigt, weil die Regie sich in dieser Beziehung als wenig fähig herausstellt. Für Freude sorgen schließlich zwei Schauspieler, die eigentlich gar keine sind, sozusagen Superstars die hier zu Laien degradiert wurden. Coolio überzeugt in seiner kurzen Rolle als Gefängniswärter, es besteht kein Zweifel daran, dass er sich im gefährlichen Männerknast durchzusetzen weiß, aber insgesamt führen hier tatsächlich wieder alle Wege zu Claudia Schiffer, der man tatsächlich eine überdurchschnittlich gute Leistung bescheinigen muss. Als Catherine Wells bringt sie Licht in das dunkle Geschehen, was man nicht im Sinne von Aufklärung, sondern einfach nur im Rahmen ihrer strahlenden Erscheinung deuten sollte. Sie wirkt zeitweise undurchsichtig, teilweise sogar gefährlich, aber stets anziehend und verführerisch. Hochinteressant ist, dass sie nicht mit ihrem hinlänglich bekannten Anstrich eines Supermodels zu sehen ist, wenn oft die Grenzen der Makellosigkeit gesprengt wurden, sondern man sieht in ihren Nahaufnahmen Konturen, die sonst im Verborgenen liegen, kleine Schönheitsfehler, ja, es scheint so, als habe sie eine ihrer vielen Masken für den Dreh abgenommen. Vielleicht klingt es daher paradox, aber Claudia Schiffer wirkt trotz ihrer präzisen und nahezu pedantischen Aufmachung natürlich und greifbar. Eine atemberaubende Frau, die hier über viele Unzulänglichkeiten hinwegtrösten wird. Das Finale hält selbstverständlich eine Überraschung bereit, die allerdings nur dazu gemacht zu sein scheint, um sie zur Kenntnis zu nehmen. "Gegen jeden Verdacht" stellt einen handelsüblichen B-(Action)-Thriller dar, dem es vom Prinzip her an Möglichkeiten fehlt, sich zu profilieren. Schön, falls Claudia Schiffer da Abhilfe leisten kann, ansonsten ist der Film kaum empfehlenswert für diejenigen, die sich hier eher mit der Frage: »Claudia wer?« herumquälen.

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