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Re: Italo - Pop

Verfasst: Sa., 21.03.2026 23:02
von Sonny Crockett

Re: Italo - Pop

Verfasst: Sa., 21.03.2026 23:04
von Sonny Crockett

Re: Italo - Pop

Verfasst: Do., 26.03.2026 21:39
von Kent
Gino Paoli ist gestorben. Mit ihm hat Italien einen der größten Liedermacher des Landes verloren. Seine Lieder waren Ausdruck eines italienischen Lebensgefühls.
Für einige der größten Stars seiner Zeit hat er Hymnen geschrieben. Sein Leben war nicht immer einfach, nach einem missglückten Selbstmordversuch lebte er mit einer Kugel in direkter Nähe des Herzens ein Leben lang. Bei einer Fahrt unter Alkoholeinfluss verunglückte er und ein Beifahrer verstarb. Für die kommunistische Partei war er im italienischen Parlament. An anderer Stelle habe ich ja schon Lieder von ihm für Ornella Vanoni vorgestellt.

https://orf.at/stories/3424820/

Hier einer seiner größten Hits: il cielo in una stanza. Dieses Lied war der Durchbruch für Mina.
In dem Lied beschreibt er die Besuche bei einer Prostituierten in Genua. Diese Momente mit dieser von ihm hochverehrten Frau, gehören zu den glücklichsten Momenten in seinem Leben. Jede Sekunde war wie ein Rausch für ihn. Die Beziehung endete, als eines Tages die Prostituierte in eine Stadt zog. Doch in seinem Herz lebt die Liebe zu dieser Frau weiter. Nie wieder wird derartige Momente im Rausch erleben.
Questo soffitto viola, no, non esiste più Io vedo il cielo sopra noi che restiamo qui
Diese violette Decke, nein, sie existiert nicht mehr
Hierbei handelt es sich um eine Anspielung auf die violette Deckenfarbe in dem Bordell, die es jetzt für ihn nicht mehr gibt.




Re: Italo - Pop

Verfasst: Mo., 30.03.2026 22:15
von Kent
Die Guerilla-Marketing Aktion von Madame haben in Mailand für viel Aufsehen gesorgt, sehr ungewöhnliche Fotos wurden überall im Stadtbild plakatiert.
Und die Generation Z hat gezeigt, dass sie Musik auch so ernsthaft betreiben kann, wie Generationen vorher.
Hier ein Artikel über die Marketing Kampagne von Madame.

https://mowmag.com/culture/se-vi-stupis ... l-business

Madame gilt als einer der größten Talente der italienischen Musikszene in ihrer Generation. Ihr Ansatz ist erfrischend anders und eigenständig.
Auch dieser Song hat eine enorme Sogwirkung und überzeugt textlich. Italien baut seine führende Position in der Europa aus.
Aus meiner Sicht groovt das Teil wie Hölle 8-)

Ma lui non sa che è nato dalla mia paura
Se fossi stata Eva avrei ingoiato pure il torsolo
Assieme a tutta la mela, con i semi
Vita, eccomi
Voglio essere leggera senza stare
In superficie, come il livello del mare
Spero solo che il mio essere pesante non si confonda con la mia profondità


Übersetzung:
Nach Gott wäre ich aus einer Rippe geboren worden
Aber er weiß nicht, ob er aus meiner Angst geboren wurde
Wenn ich Eva gewesen wäre, hätte ich den Kern geschluckt
Zusammen mit dem ganzen Apfel, mit den Samen
Das Leben, hier bin ich
Ich möchte leicht sein, ohne zu sein
An der Oberfläche, wie Meeresspiegel
Ich hoffe nur, dass mein schweres Wesen nicht mit meiner Tiefe verwechselt wird



Re: Italo - Pop

Verfasst: Mo., 06.04.2026 22:42
von Kent
HAMMER!!

In diesem Video der Kolors sind Gianni Celeste und EVA HENGER die Hauptpersonen. Henger war eine der bekanntesten Schauspielerinnen in Italien in den späten 80ern.
Alle liebten sie. Celeste ein erfolgreicher Schlagersänger. In diesem Video geht es um einen erfolgreichen Mann, der mit seiner Freundin in einem Club ist, und dort eine neue Frau kennenlernt, das alte Schlitzohr läßt natürlich nichts anbrennen. Großartige Unterhaltung und ein gut tanzbarer Titel.

bzgl. Eva Henger für Prisma: (Ehefrau von dem Regisseur: Riccardo Schicchi https://de.wikipedia.org/wiki/Riccardo_Schicchi
https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%89va_Henger



Re: Italo - Pop

Verfasst: Do., 09.04.2026 12:29
von alex_wintermute
Ist zwar weniger Italo Pop, sondern viel mehr in erster Linie Italo Coldwave/Darkwave/Post Punk mit in einigen Songs in denen Pop Elemente enthalten sind, aber ich poste es hier trotzdem mal rein. Der Name der Band klingt zwar deutsch, aber das Duo ist durch und durch italienisch, bestehend aus Alessandra Gismondi und Luca Bandini. Klänge aus Italien vom Feinsten. Hier mal ein paar Songs...











Eine wahrlich grandiose Band.

Re: Italo - Pop

Verfasst: Fr., 17.04.2026 22:34
von Kent
Die neue Single von Madame hat "Michael Jackson" Vibes, so sozialkritisch ist italienischer Pop selten (dafür fehlt dann etwas die Grandezza :)):


Re: Italo - Pop

Verfasst: Mi., 17.06.2026 20:02
von Kent
Diese Nummer sorgt gerade für viel Aufsehen in Italien.
Angelina Mango - Canto d’amore (con Marco Mengoni)

Re: Italo - Pop

Verfasst: Fr., 19.06.2026 20:03
von Kent

Re: Italo - Pop

Verfasst: Mi., 24.06.2026 19:53
von Kent
ganz klassischer Italo-Pop von Tommaso Paradiso:


Re: Italo - Pop

Verfasst: So., 12.07.2026 18:00
von Kent
Die neue von Beatrice Quinta ist ein echter Knaller:


Re: Italo - Pop

Verfasst: Sa., 18.07.2026 00:45
von Kent
Kent hat geschrieben: ↑
Do., 26.03.2026 21:39

In dem Lied beschreibt er die Besuche bei einer Prostituierten in Genua. Diese Momente mit dieser von ihm hochverehrten Frau, gehören zu den glücklichsten Momenten in seinem Leben. Jede Sekunde war wie ein Rausch für ihn. Die Beziehung endete, als eines Tages die Prostituierte in eine Stadt zog. Doch in seinem Herz lebt die Liebe zu dieser Frau weiter. Nie wieder wird derartige Momente im Rausch erleben.
Questo soffitto viola, no, non esiste più Io vedo il cielo sopra noi che restiamo qui
Diese violette Decke, nein, sie existiert nicht mehr
Hierbei handelt es sich um eine Anspielung auf die violette Deckenfarbe in dem Bordell, die es jetzt für ihn nicht mehr gibt.
Und jetzt singt sogar Jennifer Lopez das Lied auf italienisch!!


Re: Italo - Pop

Verfasst: Mo., 31.08.2026 18:31
von Kent
Noch ein KLassiker :D




Re: Italo - Pop

Verfasst: Mo., 26.10.2026 00:51
von Kent
Nachdem ich ja hier etwas ausgeteilt hatte hinsichtlich Musik, möchte ich dies nicht so stehen lassen und zeigen, es geht auch im Rahmen von Popmusik einfach besser.
Den Anlass hierfür bietet der Kommentar von der italienischen Sängerin Arisa, die auf die Frage, welcher Song der stärkste der letzten Jahre sofort mit Vertigine von Elodie antwortete (siehe unten).

Inhalt:
Es geht in dem Lied um einen ganz bitteren Moment. Eine Frau hat mit einem Mann die größten Momente des Glücks genossen, doch nun kommt der bittere Moment, er macht sich zwischen vier und fünf morgens einfach aus dem Staub. Für sie ist dieser Moment so extrem, es fühlt sie sich so an, als würde sie auf dem Boden aufschlagen. Hier wird das Selbstmordmotiv (der Sturz vom Hochhaus, ihre Hände zittern wenn er sie verläßt etc etc) wunderbar erzählerisch dargestellt. Italienisches Drama pur! Der Typ kanzelt sie knallhart ab, alles was sie sagt sei nutzlos, sagt er. Er geht zurück zu Frau und Kind und schleicht sich aus dem Raum und sie bleibt allein zurück. Einen bitteren Moment im Leben einer Frau gibt es nicht. Alles extrem italienisch, Emotionalität pur.

(Mich nimmt dieser Song immer auch deswegen sehr mit, weil ich mal eine Freundin hatte, die während unser heimlichen Treffen in einem Hotel Kokain konsumiert hat. Ich habe sowas in meinem Leben nie genommen, aber das psychologische Verhalten, also dieser Wechsel von totalen Hochs zu suizidalen Tendenzen kenne ich von dieser Frau sehr gut).

Musik:
Der Titel wurde von Dario Faini (Dardust) geschrieben, einem starken Musiker. Er hatte ja zB. auch die Hymne der olympischen Winterspiele in Italien geschrieben.
Der Mann hat wirklich Ahnung in Bezug auf Akkorde. Hier wird eben nicht ein 0815 Akkordmuster durchgeschrubbt, hier wird das Gefühls, dass der Sängerin der Boden unter den Füßen weggerissen wird, musikalisch verarbeitet. Das ist ganz ganz stark.
Der Mann hat sich hier sehr viel gedacht. Der Song bewegt sich primär im Raum von G-Dur (bzw. dessen paralleler Molltonart E-Moll), bricht aber H-Dur/H-Moll-Wechsel (B / Bm) mutig aus dem klassischen System aus.

Der Titel beginnt auf einem seufenzden C maj7. Ein großes Major-Septakkord. Er klingt extrem elegant, sehnsüchtig und "offen", weil die Septitve (das H) dem C-Dur-Akkord die Härte nimmt. Dann ein Am9 – Ein Moll-Akkord mit Septime und None. Das gibt dem Akkord eine melancholische, leicht jazzige Färbung.
Gmaj7 (G7+) – Statt einem simplen, fröhlichen G-Dur-Akkord wird auch hier die große Septime hinzugefügt. Es klingt edel und tief.
Bm7 – Ein weicher, schwebender Moll-Septakkord.
=> ganz elegant gemacht, also keine plumen Dreiklänge aus dem Radiopop, sonden Vier- und Fünfklänge. Komplex & emotional ambivalent. Durch die Septimen und Nonen klingt ein Dur-Akkord plötzlich bittersüß. Die Akkorde „lösen“ sich nicht plump auf, sondern fließen ineinander über.

Wichtig, der Komponist spielt hier mit den Hörgewohnheiten der Leute, jeder ist durch Musik irgendwie geprägt, das innere Ohr erwartet Tonfolgen, hier aber passiert harmonisch genau das Gegenteil, dieses völlige emotionale Entgleiten wird durch einen ganz geschickten modalen Austausch die Energie völlig rausgezogen. Ganz ausgefuchst, ganz clever!
Hier werden harmonische Spannungen aufgebaut und weggerissen, es wird also musikalisch der emotionale Inhalt des Titels umgesetzt.

Was ist hier sehr gut gelungen?
Die Jazzgitarre bei 2.42 wunderbar mit den Zerlegungen!!
Das Schlagzeug bei 1, 42 auch wunderbar sanft, schöner Sound.

Ganz ganz wichtig hier:
Der Bass von Lucio Enrico Fasino, einem hervorragendem Bassspieler . Die Basslinie in "Vertigine" ist die geheime Zutat, die den Song rhythmisch und harmonisch komplett vom klassischen Pop abhebt.

1. Das Phänomen der "Inversen" Basslinie (Slash Chords)

Während der Bass bei Jessica Folcker oder Keri Hilson stumpf immer auf der Eins den Grundton des Akkords mitprügelt (Akkord C#m → Bass spielt C#), bricht Vertigine diese Regel auf.
• Anstatt stur dem Akkordwechsel zu folgen, spielt der Bass oft sogenannte Inversionen (Umkehrungen).
• Wenn das Klavier oder die Pads zum Beispiel den schwebenden Cmaj7 spielen, bleibt der Bass manchmal gar nicht stur auf dem C, sondern wandert zu Terzen oder Quinten oder hält einen Orgelpunkt (Pedal Point).
• Besonders bei dem erwähnten H-Dur zu H-Moll Wechsel bleibt der Bass oft starr auf einem Ton liegen, während sich darüber das Geschlecht des Akkords (von Dur zu Moll) ändert. Das erzeugt dieses fast physische Gefühl von Schwindel, weil das harmonische Fundament unter den Füßen wegrutscht, während der Bass krampfhaft die Stellung hält.

2. Der synkopierte "Sub-Bass" (Rhythmisches Schweben)

Im klassischen Pop treibt der Bass den Rhythmus meistens stur auf den Hauptzählzeiten voran. In Vertigine ist die Basslinie jedoch als tiefer, elektronischer Synth-Sub-Bass angelegt, der extrem synkopiert (gegen den Takt) spielt:
• Er setzt oft kurz vor oder kurz nach dem eigentlichen Akkordwechsel ein.
• Dadurch zieht die Basslinie den Hörer förmlich in den nächsten Takt hinein (ein ziehender, fast hypnotischer Effekt).
• In Kombination mit den Beats wirkt es, als würde die Basslinie "atmen" – sie drückt dich runter und lässt dich im nächsten Moment im Refrain wieder abheben.
Genau das macht modernen Pop auf diesem Niveau so spannend: Unten schiebt ein extrem tiefer, unvorhersehbarer Bass die Dynamik an, während oben die 7er- und 9er-Akkorde für die emotionale Eleganz sorgen.




Link:



Re: Italo - Pop

Verfasst: Mi., 28.10.2026 16:18
von KlausHH52
Also, von Akkorden verstehe ich eigentlich recht wenig (mehr als ein paar Griffe auf der Gitarre habe ich nie gelernt, muss ich sagen), aber das "Vertigine" so ungewöhnlich gebaut ist, hört man auch als Laie irgendwie heraus, besonders beim Bass. Gibt es denn aus Ihrer Erfahrung noch viel andere neuere italienische Titel, bei denen man sich in Harmonie und Bassführung ähnlich viel Mühe gemacht hat, oder ist Elodie da eher die große Ausnahme ?