● PETER STROHM | FOLGE 26 | FREUNDE ZAHLEN NIE | TEIL I (D|1991)
mit Klaus Löwitsch, Jörg Pleva, Klaus Dittmann, Claudio Maniscalo, Mario Piras, Emilio De Marchi, u.a.
als Gäste: Pinkas Braun und Eva Renzi
eine Prduktion des NDR | ARD | ORF | SRG
Regie: Lutz Büscher
Ein freundschaftlicher Smalltalk zwischen Peter Strohm (Klaus Löwitsch) und einem italienischen Restaurant-Besitzer wird plötzlich von zwei Männern überschattet, welche ihr monatliches Schutzgeld im Lokal abkassieren. Der Privatdetektiv nimmt den Männern die Beute jedoch umgehend wieder ab, was dem Auslösen einer Kettenreaktion gleichkommt. Peter Strohm ist an den Hintermännern interessiert und begibt sich zu einer alten Freundin namens Beate Petzold (Eva Renzi), die einen stadtbekannten Amüsierbetrieb leitet. Ihr Mann arbeitete einst als V-Mann für Strohm, kam jedoch unter mysteriösen Umständen zu Tode. Beate soll Strohm mit einigen ihrer Mitarbeiter aushelfen, die ihn beim Beschützen der Pizzeria unterstützen sollen. Doch Beate fährt eine Doppelstrategie, da sie auch Kontakte zu Francesco Durutti (Pinkas Braun) unterhält, einem bekannten Gesicht der Mafia. Will sich die attraktive Bar-Besitzerin in Eigenregie für den Tod ihres Mannes rächen, oder steht sie auf der Gehaltsliste der Kriminellen? Für Peter Strohm ergeben sich immer mehr Zusammenhänge, die schließlich das Mosaik einer Tragödie bilden...
Das idyllisch wirkende Panorama Hamburgs wird schnell von dunklen Alltagsgeschäften rund um Einschüchterung und Schutzgelderpressung überschattet, sodass Peter Strohm seinen neuesten Fall im netten italienischen Restaurant auf einem Silbertablett serviert bekommt. Der Inhaber und er sind so etwas wie alte Freunde, wodurch bereits allein die Hilfestellung des Privatdetektivs gewährleistet wird. Hinzu kommt natürlich die grassierende Ungerechtigkeit, die dem ehemaligen Polizisten Strohm ohnehin ein Dorn im Auge ist. Die Tatsache, dass er die Eintreiber des Schutzgeldes mit dem unmittelbaren Abnehmen der Summe mithilfe seines vorgehaltenen Colts empfindlich brüskiert, lässt den Zuschauer nichts Gutes erahnen, denn dieser Affront gegen Mafia-Strukturen wird erwartungsgemäß ein böses Nachspiel haben. Die Liste der alten und immer noch sehr hilfreichen Kontakte des privaten Ermittlers scheint dem Empfinden nach unendlich lang zu sein, sodass sich der direkte Weg in einen einschlägig bekannten Amüsierbetrieb namens "Désirée", deren Chefin für ihn keine Unbekannte ist, von alleine erklärt. Die schnelle Vorstellung der wichtigen Personen geschieht geradezu vorwarnend, denn die potentiellen Gefahren scheinen hier besonders greifbar zu sein. Bandenkriege, Drogen, Geldwäsche, Erpressung, Abhängigkeitsverhältnisse, isolierte Familienbande und Mord à la carte bilden in "Freunde zahlen nie" den Stoff, aus dem die lukrativen Geschäfte gemacht sind. Regisseur Lutz Büscher stattet diesen Einstieg in seinem turbulenten Zweiteiler mit einer besonders stichhaltigen und brisant anmutenden Atmosphäre aus. Viele Szenen finden beispielsweise in italienischer Sprache statt und lassen den Zuschauer trotz deutscher Untertitelung in gewisser Weise zum Außenstehenden werden, da man stets suggeriert bekommt, dass es sich um eine geschlossene Gesellschaft für Familienmitglieder handelt.
Fremde werden ihres Gebrauchs halber dennoch dienstbar gemacht, jedoch scheint die Distanz von der Gehaltsliste bis hin zur Abschussliste im Zweifelsfall nicht gerade sehr weit auseinander zu gehen, da nur ein einziges Credo zu existieren scheint: Wer nicht für "la famiglia" und deren Gebote ist, stellt sich automatisch gegen sie. In diesem Zusammenhang steht auch die offensichtliche Doppelstrategie der Beate Petzold alias Eva Renzi auf der Kippe, und es wird zur brisanten Frage, ob der Privatdetektiv die immer noch attraktive Dame als Goldfisch unter Haien trotz ihrer Zweigleisigkeit auch ihm gegenüber vor Schlimmerem bewahren kann. Der erste Teil von "Freunde zahlen nie" bietet schließlich sehr interessante Verstrickungen an, die mit fortlaufender Zeit eher als ausweglos angesehen werden, denn schließlich bekommt man an allen Ecken und Enden nur Widerstände angeboten, die in Gewaltspitzen gipfeln. Hinzu kommt ein nebulöses Netzwerk des Verbrechens, welches zu unterminieren einem Kampf gegen Windmühlen gleichkommt. Die Episode beginnt wie erwähnt mit kleineren Alltagsgeschäften; die Abgabe von ein paar hart erwirtschafteten Hundertern, um sich der schützenden Arme der unfreiwilligen Freunde sicher zu sein. Es kann betont werden, dass Klaus Löwitsch bereits seit Beginn der Serie in dieser leibgeschneiderten Rolle aufgeht, dabei nicht nur für die charakteristischen Momente der Serie sorgt, sondern auch für Action und Tempo. Sein Ermittlungsstil darf als wirksam beschrieben werden und zwar in einer Art und Weise, die wohl zu unwirsch für die Polizei gewesen ist. Natürlich weiß der treue Zuschauer, dass auch persönliche Motive, beziehungsweise solche privater Natur, für diesen entscheidenden Cut gesorgt hatten. Strohm vergisst nie, wer seine Freunde sind oder waren, aber er erinnert sich auch stets an seine Feinde und Widersacher. In diesem Zusammenhang sind vor allem die Gast-Rollen von Pinkas Braun und Eva Renzi sehr erfreulich.
Für Privatdetektiv Strohm erfordert die tägliche Arbeit mit kriminellen Elementen schließlich naturgemäß eine Art Unempfindlichkeit sowie Kaltschnäuzigkeit, die sich in vielen Situationen als Lebensversicherung herausstellen soll; natürlich auch hier. Seine Gegenspieler agieren nicht vollkommen versteckt und im Dunkeln, aber sie machen kurzen Prozess und schreiten wenn es sein muss, brachial zur Tat. Die Drahtzieher sind gut abgeschirmt und führen ein unauffälliges Leben in ihren Villen und zeigen sich in der Öffentlichkeit als Wohltäter und Mäzene. Die Wässerchen haben in der Praxis andere zu trüben und die Maschinerie ist letztlich so gefährlich, da sie bis ins kleinste Detail organisiert ist. In diesem Sinn wird Pinkas Braun ein denkwürdiger Auftritt zuteil, man bekommt in darstellerischer Hinsicht sehr Authentisches geboten. Besondere Momente ergeben sich im Konfrontationsmodus, etwa wenn die Pizzeria durch zahlreiche Mitglieder der Bande aufgemischt wird, diese wiederum von Peter Strohm und Beate Petzolds ausgeliehenen Kumpanen, bis die Luft brennt und sich atmosphärisch eine Explosion abzeichnet. Währenddessen versucht jeder noch so kleine Fisch seine eigenen Angelegenheiten zu bereinigen, bis sich herauskristallisiert, dass sich im Rahmen der vorgeschobenen Loyalität jeder selbst der Nächste ist. "Freunde zahlen nie" haut bereits im ersten Teil ordentlich auf den Putz und die italienisch angehauchte Aura stellt sich als ein besonders gutes Aushängeschild dieser Episode heraus. Da die Weichen hier gegen Ende noch ziemlich eindeutig gestellt werden, darf man die Fortsetzung, ebenfalls entstanden unter Lutz Büschers Regie, mit Spannung erwarten, da es quasi in der Luft zu liegen scheint, dass es ans Eingemachte gehen wird, in der Hoffnung, dass sich die großen Hintermänner aus der Reserve locken lassen. Zusätzlich hallt das Ende dieser Folge in tragischen Schauern irgendwie nach, da aus Tomatensoße echtes Blut wird und es bis zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht die Richtigen getroffen hat.