● DAS VERRÜCKTESTE AUTO DER WELT (D|1975)
mit Rudolf Zehetgruber, Sal Borgese, Evelyne Kraft, Kathrin Oginski, Walter Giller, Gerd Frickhöffer, Walter Roderer, Ruth Jecklin, Marion Winter und Ulrich Beiger
ein Barbara Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Rudolf Zehetgruber
"Das verrückteste Auto der Welt" aus dem Jahr 1975 bildet den vierten Teil der legendären deutschen Dudu-Filmreihe rund um den technisch hoch entwickelten Wunder-Käfer. In dieser betont heiteren Filmkomödie schickt der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Rudolf Zehetgruber den gelben VW Käfer 1303 in eine spektakuläre Alpen-Rallye in der Schweiz. Die treibende Kraft hinter der Geschichte ist ein klassisches Underdog-Motiv, das sich merklich von den oft abstrusen Handlungen einiger der anderen Serienteile abhebt. Ein Team aus Nonnen in ihrer skurrilen Heck-an-Heck-Ente und dem Mechaniker Jimmy versucht das Preisgeld der Rallye zu gewinnen, um ein insolventes Waisenhaus vor dem Ruin zu retten. Für die damalige Zeit bot der Film passabel umgesetzte Spezialeffekte und mechanische Tricks, die von Tüftlern direkt am Set improvisiert wurden. So verfügt der Wunder-Käfer im Film über angebliche 250 PS, einen zukunftsweisenden Hybridantrieb aus Benzin- und Elektromotor sowie eine Computeranlage für zahlreiche Spezialprogramme, mit denen er etwa seitlich ausparken, auf Stelzen stehen oder mittels eines ausfahrbaren Propellers wie ein Helikopter fliegen kann. Die Besetzung des Films war für eine deutsche B-Movie-Klamotte dieser Epoche erstaunlich hochkarätig und glänzt durch eine gut funktionierende schauspielerische Dynamik, die die inszenatorischen Schwächen der Regie geschickt abfedert. Ein besonderes Highlight bildet das Zusammenspiel der beiden Nonnen, bei dem vor allem die Schweizer Schauspielerin Evelyne Kraft als Schwester Engelmunda trotz ihrer strengen Ordenstracht von der Kamera geschickt als optischer Blickfang platziert wird. Des Weiteren überzeugt der vielseitige Charakterdarsteller Ulrich Beiger in der Rolle des Marchese de la Pozzi. Ein echter Casting-Coup im schweizerischen Raum gelang zudem mit der Verpflichtung des Volkstheater-Königs Walter Roderer als exzentrischer Gläubiger, der von seiner langjährigen Bühnenpartnerin Ruth Jecklin in der Rolle seiner Assistentin perfekt ergänzt wird. Weniger glücklich agiert das Drehbuch mit dem großen Star des deutschen Nachkriegskinos, Walter Giller.
In der Rolle des Jean-Pierre geht Giller schauspielerisch leider in einer ziemlich unbedeutenden und belanglosen Nebenrolle unter, die seinem eigentlichen komödiantischen Talent kaum Raum zur Entfaltung bietet. Eine positive Überraschung liefert hingegen Kathrin Oginski als Schwester Johanna. Oginski, die Ehefrau des Regisseurs, war die große weibliche Konstante der gesamten Reihe und spielte in allen fünf Teilen mit – allerdings in jedem Film in einer komplett anderen Rolle. Obwohl sie keine klassisch ausgebildete Kinoschauspielerin war und abseits der Filme ihres Mannes nicht vor der Kamera stand, macht sie ihre Sache im Zusammenspiel mit den Profis deutlich besser als erwartet und verleiht ihrer Rolle eine natürliche Frische. Trotz der spielfreudigen Besetzung war Rudolf Zehetgruber in der Filmbranche für seine oft verbesserungswürdigen Regie-Arbeiten bekannt, bei denen Tempo und Kosteneffizienz meist vor handwerklicher Präzision gingen. Da Zehetgruber unter dem Pseudonym Robert Mark auch gleich selbst die männliche Hauptrolle des Jimmy Bondi übernahm, fehlte am Set oft der kritische oder führende Blick von außen, was die Dialoge und das komödiantischen Timing stellenweise recht hölzern wirken lässt. Ein weiteres Markenzeichen seiner Low-Budget-Produktionen war das Recycling von Filmmaterial. An den Kinokassen in Deutschland war dieser vierte Teil, der im Großverleih Constantin Film lief, dennoch ein beachtlicher kommerzieller Erfolg und profitierte vom gewaltigen Wunder-Käfer-Boom der 1970er-Jahre. Der wirtschaftliche Erfolg war so nachhaltig, dass der Film Jahre später in einer erweiterten zweiten Fassung erneut in die Kinos gebracht wurde. Während Dudu in der ursprünglichen Kinofassung von 1975 noch komplett stumm war, fügte man für die Wiederaufführung zusätzliche Szenen hinzu und verpasste dem Käfer seine charakteristische, sprechende Computerstimme, die für zusätzliche Lacher sorgen sollte. Das ziemlich vorhersehbare Ende entlässt die Zuschauer mit einem guten Gefühl und rundet ein Werk ab, das trotz aller handwerklichen Patzer und diverser Anflüge von Plattitüden seinen festen Platz als charmanter Kultklassiker im deutschen Familien-Unterhaltungskino behauptet hat.