Die Hunde (D)
Les chiens (F)
Dogs man (IT)
Adiestrados para matar (ES)
Os Cães (POR)
La violación y los perros (ARG)
The Dogs
F 1979
R: Alain Jessua
D: Victor Lanoux, Gérard Depardieu, Nicole Calfan, Pierre Vernier, Fanny Ardant, Philippe Klébert, Régis Porte, Gérard Séty, Anna Gaylor u.a.
Deutsche Erstaufführung: 9. August 1985 (TV-Premiere ZDF)
Synchronkartei #1
Synchronkartei #2
Score: René Koering & Michel Portal
IMCDb
OFDb
"Sehen sie? Böse Hunde gibt es nicht. Es gibt nur schlechte Herren!"
Ein junger Arzt, Dr. Henri Ferret (Victor Lanoux), hat sich gerade in einer Trabantenstadt in der Umgebung von Paris niedergelassen. Viele seiner Patienten suchen ihn nach nächtlichen Bissverletzungen auf. Er erfährt, dass die Bewohner zum Schutz vor Übergriffen Wachhunde angeschafft haben. Der Züchter Morel (Gérard Depardieu), der die Hunde trainiert, sowie einige Bewohner hegen eine übertriebene Zuneigung zu diesen Tieren, die sich jedoch manchmal als gefährlich und unberechenbar erweisen - insbesondere, als ein Hund grundlos den Bürgermeister tötet. [Quelle: Pidax]
Ein Werk rund um Hunde und das Verhalten ihrer Herren als Indikatoren der Paranoia und Defekte einer Gesellschaft, das von Kritik langsam in halluzinatorischen Horror übergeht: Ein Arzt zieht in einen Pariser Vorort und erlebt, wie unter der Ägide eines unscheinbar wirkenden, doch rattenfängerischen Mannes Hunde zu Angriffswerkzeugen trainiert werden, um schwarze Nachbarn ins Visier zu nehmen. (Quelle: Falter)
"Nur im Kampf zeigt ein Hund, was er wert ist. Er ist stark, aggressiv, böse, unerbittlich. Aber deswegen hat er noch die Qualität von einem Leittier. [...] Die Hierachie ist für mich die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft."
Ein äußerst tiefgründiger Film, der sein brisantes Themea mit einer überraschenden Komplexität behandelt. Im Zentrum stehen die Bewohner einer französischen Kleinstadt, die aus einem rein "empfundenen" Angstgefühl heraus zu vermeintlichen Selbstverteidigungszwecken Hunde zu tödlichen Waffen abrichten. Nachdem der Bürgermeister des Ortes, der sich für die Eindämmung der problematischen Hundehaltung einsetzte, von einem dieser Hunde in den Tod gerissen wurde, tritt der von Gérard Depardieu verkörperte Hundetrainer Morel dessen poltisches Erbe an, der im Sinne Nietzsches von seinen Tieren und deren Führungsqualitäten besessen ist. Zugleich bildet der allmachtsbesessene Morel die Hunde für seine aufgebrachten Mitbürger auf, die er obendrein im Rahmen seines zentralen Wahlkampfthemas, dem Kampf gegen das Verbrechen, ohne jegliche Skrupel on ohren diffusen Ängsten weiter anstachelt. Und da Rassismus in den Köpfen der Bewohnern fest verankert zu sein scheint, sind es natürlich die Migranten, die die tödlichen Bisse der abgerichteten Hunde zuerst zu spüren bekommen. Als dann auch noch eine Vergewaltigung geschieht, sind natürlich auch wieder die Migranten die Schuldigen, obwohl sich die Realität im Nachhinein als eine völlig andere herausstellt. Eine weitere Personengruppe, die sich mit den bisswütigen Mordwerkzeugen herumschlagen muss, sind rebellische Jugendliche, die zwar in ihrem jugendlichen Leichtsinn Sachbeschädigungen begehen, dafür aber unverhältnismäßig von den wutbürgerlichen Hundemenschen in den Tod gehetzt werden. Letztlich entpuppt sich Alain Jessuas Film als eine visionäre Parabel über unsere von diffusen Ängsten und Selbstbezogenheit zerfressene Gesellschaft, die infolgedessen zu einem immer autoritärer werdenden Charakter mit Hang zur Selbstjustiz neigt. Angetrieben durch die aus rein politischen Zwecken geschürten Ängste ihres Häuptlings Morels entfacht eine Verwandlung von demokratischen Prinzipien in autoritär-diktatoriale Verhaltensweisen, aus denen wiederum schreckliches Leid für unliebsame Gesellschaftsgruppen resultiert. Angesichts der besorgniserregenden Entwicklungen, die sich aktuell in allen Teilen der Welt bemerkbar machen, wirkt Jessuas Film aktueller denn je. Die Fratze des Faschismus hat ihre Maske längst abgelegt und erhält aus großen Bevölkerungsteilen tosenden Applaus. The mob rules!
"Er war ein Kämpfer, aber zu sentimental. Er muss getötet werden."
"Die Dreharbeiten fanden 1978 in Torcy und insbesondere im neuen Stadtteil Arche-Guédon, auf dem Place des Commerces und im Hypermarkt Continent statt" (Quelle). Der Film ist nicht nur inszenatorisch gelungen, sondern bietet auch hervorragende Darbietungen der beteiligten Schauspieler. Während der Streifen in Frankreich am 7. März 1979 seine Kinopremiere feierte, wurde er hierzulande erstmals am 9. August 1985 im ZDF gezeigt, die sich auch für die Synchronfassung verantwortlich zeigten, die von der Berliner Synchron GmbH Wenzel Lüdecke produziert wurde. Im Zuge der DVD-Veröffentlichung von Pidax wurde im Synchronforum der folgende Sachverhalt festgestellt: "Auf Amazon Video läuft tatsächlich eine Alternativsynchro mit Manfred Lehmann. Möglicherweise für die ARD angefertigt, wo der Film in den 90ern ein paar Mal lief – jedenfalls, anders als man hätte erwarten können, eine 'Hamburger Synchronisation', und zwar eine ganz vorzügliche."
Da ich aktuell damit liebäugele, mir die Pidax-DVD zuzulegen, wäre es wichtig zu wissen, ob diese frei von Asynchronitäten oder ähnlichen Patzern ist. Besitzt zufällig jemand die DVD und kann etwas dazu sagen? Würde gerne meinen vierzehn Jahre alten TV-Mitschnitt in Rente schicken.
"Wie fast alle Stoffe seiner Filme fand Jessua auch diesen im Alltag: Bei den Musikaufnahmen zu DER ERPRESSER in Mailand merkte er, dass Menschen ihre Hunde ohne Leine abends mit sich führten, um sich, wie ihm erklärt wurde, gegen Straßendiebe zu schützen. Hunde und noch mehr das Verhalten ihrer Herren als Indikatoren der Paranoia und Defekte einer Gesellschaft – Romain Garys Roman „White Dog“ und Samuel Fullers kongeniale Verfilmung sind das berühmte Beispiel dieser Idee in der Filmgeschichte, doch Jessuas denkwürdige Interpretation verdient eine Neuentdeckung. Die Geschichte um einen Arzt, der in einen Pariser Vorort zieht, und dort bezeugt, wie unter der Ägide eines unscheinbar wirkenden, doch rattenfängerischen Mannes Menschen Hunde zu Angriffswerkzeugen trainieren und ihre schwarzen Nachbarn ins Visier nehmen, gleitet im subtilen crescendo von Gesellschaftskritik zu halluzinatorischem Horror." (Quelle: Filmkollektiv Frankfurt)
Fazit: "Aber eines Abends ist der Wind in seiner Berggrotte geblieben und das Unglück nahm seinen Lauf: Es kamen die Hundemenschen! - und sie jagten hinter den Dieben her. Ihr Häuptling sagte nein, er war nicht so ein bösartiger Hundemensch. Er wollte, dass die Jäger wieder nach Hause gehen. Aber die Zauberer waren stärker als der Häuptling... - und die Jäger wollten Blut sehen!"
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