DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● 鬼婆 / ONIBABA - DIE TÖTERINNEN (JP|1964)
mit Nobuko Otowa, Jitsuko Yoshimura, Kei Satō, Taiji Taonoyama, Someshô Matsumoto, Kentarô Kaji und Uno Jūkichi
ein Produktion der Kindai Eiga Kyokai | im Verleih der NFF
ein Film von Shindō Kaneto

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»Ich bin kein Dämon! Ich bin ein Mensch!«


Im kriegszerrütteten Japan des 14. Jahrhunderts töten eine ältere Bäuerin (Nobuko Otowa) und ihre Schwiegertochter (Jitsuko Yoshimura) verirrte Samurai im hohen Schilfgras, um deren Rüstungen bei einem Hehler (Taiji Tonoyama) gegen Essen zu tauschen. Die Leichen lassen sie in einem großen Loch im Schilffeld verschwinden. Ihr brutaler Überlebenskampf gerät jedoch ins Wanken, als der heimgekehrte Soldat Hachi (Kei Satō) eine Affäre mit der jungen Frau beginnt. Aus Existenzängsten, Eifersucht und Furcht vor dem Verlassenwerden versucht die Alte ab sofort alles daranzusetzen, das junge Paar zu trennen …

Der Wind peitscht sich eine unwegsame Schilflandschaft zurecht, die Halme werden zu Spielbällen der Naturgewalten und veranstalten bedrohliche Schattenspiele. Es scheint, als veranstalte das Feld eine orchestrale Tragödie, um verheißungsvoll auf das hinzudeuten, was auf das Publikum zukommen wird. Zwei Frauen passen sich an die Natur und gegen die Natur des Menschen an. Sie funktionieren nur noch über ihren Überlebenstrieb, der ungebrochen ist. Schnell wird man Zeuge ihrer verzweifelten, aber ebenso kaltblütigen Strategie, durch jeden neuen Tag kommen zu können. So handelt es sich um einen guten Tag, wenn geschwächte und verletzte Samurai-Krieger des Weges kommen, die obendrein noch die Orientierung verloren haben. Welche Gefahr sollte schon von zwei abgemagerten und von der Not gezeichneten Frauen ausgehen? Man wird eines Besseren belehrt und bekommt eine noch kürzere Variante des kurzen Prozesses vor Augen geführt. Ein schwarzes Loch im Feld symbolisiert die Urängste des Menschen – in diesem Umfeld sind sie mehr als begründet. Die Grausamkeit beschränkt sich hierbei nicht auf das Visuelle, sondern geht in den Gedanken des Zuschauers weiter. Manche von den Opfern dürften noch nicht tot sein, denkt man sich ganz leise und insgeheim, also wirkt die Vorgehensweise umso brutaler. Man selbst sucht interessanterweise nicht nach Schuldigen oder Opfern, sondern platziert sich relativ neutral am Rande des kargen Geschehens. Die Schwarzweiß-Fotografie ist absolut brillant, die Geschichte leise und dennoch aufwühlend. Bei derartig starken Impressionen möchte man daher kaum glauben, dass es sich bei "Onibaba - Die Töterinnen" um eine klassische Independent- und Low-Budget-Produktion handelt, die über die eigene, unabhängige Gesellschaft des Regisseurs Shindō Kaneto finanziert und hergestellt wurde – nicht zuletzt, um sich von dem Diktat und den starren Vorgaben der großen Filmstudios freizumachen. Die finanziellen Beschränkungen zwangen die Macher zu einem extremen Minimalismus, der die psychologische Wirkung des Kammerspiels jedoch nur noch weiter verdichtete. Shindō reduziert das menschliche Dasein ohne gesellschaftliche Regeln auf seine nackten Urinstinkte und nutzt das wogende Gras als dynamische Bühne und visuelles Gefängnis.

Durch die avantgardistische, unheimlich stakkatoartige Musik von Hikaru Hayashi gewinnt die Szenerie eine fast fieberhafte Energie, die den Zuschauer packt, auch wenn nicht gerade Tür und Tor für den Tod geöffnet sind. Die kontrastreiche Schwarzweiß-Fotografie fabriziert intensive Stimmungen und Schwingungen, indem sie im gewittrigen Dunkel mit harten Schatten experimentiert. Immer wieder ist vom Teufel die Rede und man denkt sich insgeheim, dass er sich diese unmenschlichen Lebensbedingungen und die karge Einöde höchstpersönlich ausgedacht hat. Ein ebenso zentrales wie beklemmendes Motiv ist das metertiefe Erdloch mitten im Schilfmeer, das als Schacht in eine moralische und physische Hölle fungiert, in dem die Frauen ihre Opfer verschwinden lassen. Die Tötungsszenen sind in ihrer Pragmatik bestürzend, denn jede emotionale Regung wird beiseite geschoben, da die Frauen lediglich an die nächste, durch den Tod gesicherte Mahlzeit denken können. Getragen wird diese dichte Inszenierung von zwei Hauptdarstellerinnen, die im japanischen Heimatkino einen völlig unterschiedlichen, aber enormen Star-Status besaßen. Nobuko Otowa, die die ältere Frau verkörpert, war eine landesweit gefeierte Instanz und Shindōs Muse, während die jüngere Jitsuko Yoshimura als das unangepasste, wilde Gesicht der Japanischen Neuen Welle galt. Gemeinsam transportieren sie die unnachgiebige Natur zweier Frauen, die gegen alle Widrigkeiten das Überleben gelernt haben – lernen mussten. Bei aller Unmenschlichkeit kommen im Verlauf doch noch deutliche menschliche Züge wie Kontrollwahn, Angst, sexuelle Triebe und der unstillbare Wunsch nach einem besseren Leben auf. Das vage, symbolträchtige Finale des Films mündet schließlich in einem verzweifelten, metaphorischen Sprung, der reich an tieferen Deutungsebenen ist und von der zeitlosen Tragik menschlicher Entmenschlichung im Krieg erzählt. So wird "Onibaba - Die Töterinnen" zu einem filmischen Meisterwerk, das seine handwerkliche und narrative Brillanz in jeder einzelnen Einstellung konsequent ausspielt. Als Zuschauer bleibt man am Ende etwas fassungslos zurück, denn bei aller zeitlichen und realen Ferne handelt es sich zweifellos um keine Geschichte, die wie ein ausgedachtes Film-Märchen wirkt – denn im übertragenen Sinn kann der Teufel überall und nirgends lauern.

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Prisma
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Elke Sommer

BARON BLOOD


● GLI ORRORI DI CASTELLO DI NORIMBERGA / BARON BLOOD (I|D|1972)
mit Joseph Cotten, Massimo Girotti, Rada Rassimov, Alan Collins, Umberto Raho, Nicoletta Elmi, Dieter Tressler, Gustav De Nardo, Valeria Sabel und Antonio Cantafora
eine Produktion der Euro International Prodizioni Cinematografiche | Dieter Geissler Filmproduktion
ein Film von Mario Bava

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»Willkommen in Österreich!«


Als der junge College-Student Peter Kleist (Antonio Cantafora) in das österreichische Heimatdorf seiner Vorfahren reist, ahnt er nicht, welches Unheil er damit heraufbeschwört. Einer seiner Urahnen war der sadistische Schlossherr Otto von Kleist, der im ganzen Land als sogenannter Blutbaron gefürchtet war. Zusammen mit der attraktiven Restauratorin Eva Arnold (Elke Sommer) veranstaltet Peter in einer unbedachten Minute eine Geisterbeschwörung in den alten Schlossmauern. Mithilfe des alten Hexenspruchs erwacht das Monster tatsächlich wieder zum Leben. Der Baron nimmt eine neue Gestalt an und beginnt sofort, die Anlage und das Dorf mit einer Welle des Terrors heimzusuchen …

Die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Horrorfilms "Baron Blood" kann als Paradebeispiel für das oft widersprüchliche Räderwerk des damaligen europäischen Genrekinos angesehen werden. Obwohl es sich um eine reine italienisch-westdeutsche Co-Produktion handelt, wurde das Projekt maßgeblich durch die Dynamik des internationalen Marktes geprägt. Überlieferungen nach geriet die Produktion während der Dreharbeiten durch globale finanzpolitische Erschütterungen an den Rand des Ruins, als Kredite eingefroren wurden. So sprang die US-amerikanische Verleihfirma Cinevision Films in dieser existenziellen Krise mit einer massiven Finanzspritze ein und rettete das Projekt quasi in letzter Sekunde, wodurch der Film im Ausland nachträglich ein stark amerikanisiertes Image erhielt. Auf der kreativen Ebene offenbarte das Projekt von Anfang an merkliche erzählerische Schwächen. Nüchtern betrachtet wirkt das Drehbuch reichlich dünn, sprunghaft und voller logischer Schlaglöcher, verlässt sich dabei auf damals bereits abgenutzte Gothic-Horror-Versatzstücke wie eine völlig unmotivierte Geisterbeschwörung im Schloss oder ein arg gehetztes Finale. Dass der Film aber dennoch funktioniert, würde unter normalen Umständen vielleicht an ein kleines Kinowunder grenzen, wenn der Regiestuhl nicht von Mario Bava besetzt gewesen wäre, der es erneut schafft, die Geschichte rein visuell aus der Versenkung zu heben. Es ist anzunehmen, dass Bava, der vor allem ein pragmatischer Handwerker mit feinem Gespür war, weniger an tieferen gesellschaftspolitischen Botschaften oder intellektueller Stringenz interessiert gewesen ist, was das Endprodukt quasi belegt. Wo heute nicht selten eine intellektuelle Schwere oder psychologische Dekonstruktionen angebracht werden, scheint am Set eher Zweckmäßigkeit geherrscht zu haben. Mario Bava nutzte bunte Lichter meisterhaft, um billige Kulissen edel wirken zu lassen, und improvisierte ungünstige Voraussetzungen in das glatte Gegenteil um. Anstatt einer logischen Realität folgte der Regisseur konsequent den Gesetzen einer Traumwelt. Seine wahre Kunst lag oft in einer isolierten, aber beachtlichen Interessenverlagerung hin zur reinen Bildsprache. Er schuf eine ganz eigene Geometrie der Angst, indem er das Publikum durch Orientierungslosigkeit, Schockeffekte, extreme manuelle Zooms und ein surreales Farbenspiel, etwa aus giftigem Grün oder tiefem Kobaltblau, in eine visuelle Trance versetzte.

Selbst im Angesicht von Verderben, Tod und Schrecken stellte der Regisseur die Ästhetik völlig diametral in den Vordergrund, sodass man in seinen opulenten Ambientes sprichwörtlich in Schönheit sterben durfte beziehungsweise musste. Als perfekte Projektionsfläche für diese Albtraumlandschaft dient die Burg Kreuzenstein in Niederösterreich, eine neugotische Schauburg des 19. Jahrhunderts, die durch das Zusammenfügen originaler historischer Bauteile aus ganz Europa wie ein perfekt kuratiertes Filmset wirkt und Kameraleuten auf engstem Raum spektakuläre Motive bietet. Innerhalb dieser ausgeklügelten Bildwelten richtet sich Bavas Fokus ganz ungeniert auf Elke Sommer, die vom Regisseur regelrecht als visuelles Zentrum instrumentalisiert, aber gleichermaßen hofiert wird. Mit extremen Close-ups auf ihre angstgeweiteten Augen benutzt die Linse ihre normalerweise ausdrucksstarke Mimik als emotionale Achse für den Zuschauer. Bava hebt sie farblich durch helle Kostüme gezielt aus den düsteren Burgmauern hervor und stilisiert selbst ihre denkwürdige Flucht durch die nebligen Gassen zu einer eleganten, fast modischen Inszenierung einer Frau in Gefahr, die im Rückblick ganz im Dienst der visuellen Faszination steht. Dass auf der Leinwand neben ihr kaum andere deutsche Gesichter zu sehen sind, lag an der asymmetrischen Verteilung der Produktionskapazitäten. Es ist anzunehmen, dass es sich um eine reine Papier-Co-Produktion gehandelt hat, bei der die deutsche Seite zwar Geld beisteuerte, das operative Filmgeschäft vor Ort jedoch komplett dem eingespielten italienischen Team rund um Mario Bava überließ. Bis auf wenige lokale Ausnahmen wie Dieter Tressler als Schnelldurchläufer dominierte die römische Equipe das Set, während Elke Sommer als deutsches Zugpferd reichte, um die gesetzlichen Länder-Quoten zu erfüllen. Es heißt, dass sie mit Bavas unaufgeregtem Arbeitsstil harmonierte, während der junge Italiener Antonio Cantafora eine prägnante Hauptrolle ablieferte. Er war damals in seiner Heimat zwar noch kein Kassenmagnet und das Budget bot ohnehin kaum Möglichkeiten für jeden doppelten Dreh (mit US-Stars), doch er erlangte nur ein Jahr später unter dem Pseudonym Michael Coby als Terence-Hill-Doppelgänger in populären Prügelkomödien Kultstatus. Was Elke Sommer betrifft, dominiert sie diesen Verlauf und verweist ihre prominenten Kollegen namens Massimo Girotti oder sogar Joseph Cotten in die zweite Reihe, was gerade bei Cotten auch an der überschaubaren Screentime liegen mag.

Elke Sommer ist im Rückblick nicht aus dieser Maschinerie des Grauens wegzudenken, doch ihr Schauspiel wirkt alles andere als minutiös angepasst. Oft entsteht der Eindruck von überspitzten Tendenzen, die sie unglaubwürdige emotionale Momente kreieren lassen. Gerade bei ihr fällt dieser sich manifestierende Eindruck auf, da Elke Sommer eigentlich für ihre überzeugende Sparsamkeit bekannt war: Schwere emotionale Situationen beinahe trotzig quittierend, eine von Grund auf positive Ausstrahlung anbietend und sich selten aus der Bahn werfen lassend. Vielleicht waren Angebot und Nachfrage hier noch nicht so perfekt abgestimmt wie im Nachfolger "Lisa und der Teufel". Das größte Paradoxon des Films liegt jedoch in seiner auffällig gespaltenen Rezeption. Im westdeutschen Kino der 1970er-Jahre fand der Film überhaupt keine Beachtung und somit keinen Verleih, da der klassische Schauerfilm hierzulande kommerziell so gut wie tot war. Das Publikum verlangte nach zweifellos wesentlich minderwertigeren Softsex-Reporten oder qualitativ schwankend ausgefallenen, aber sehr populären Italowestern. Elke Sommers immer noch vorhandene Star-Power reichte für den großen Wurf schlicht und einfach nicht aus, um das finanzielle Risiko für einen Verleih abzufedern. Deshalb feierte der Film in Deutschland erst im Fernsehen und später im Programmkino seine doch noch verdiente Premiere. Ganz anders verhielt es sich in den USA und anderen englischsprachigen Ländern. Dort wurde der Film durch den Verleih American International Pictures stark modifiziert und im Herbst 1972 zu einem handfesten Geschäft in den Autokinos. Obwohl die US-Kritik den Film damals verriss und er bis heute nicht selten niedrige Wertungen hält, spülte der Erfolg im englischsprachigen Raum so viel Geld in die Kassen, dass der Produzent Alfredo Leone dem Regisseur direkt im Anschluss für das Nachfolgeprojekt "Lisa und der Teufel" ein hohes Budget und künstlerische Freiheit zusicherte. Ein Traum für jeden Regisseur. So führte das bewusste Aushebeln jeglicher Drehbuch-Logik zugunsten reiner Bildgewalt am Ende dazu, dass Bava und Elke Sommer sich ohne Zögern gemeinsam auf den nächsten filmwirtschaftlichen Schleudersitz begaben. Insgesamt liefert der Film das für Bava typische, besondere und auch faszinierende visuelle Erlebnis: den schönen Schrecken und das Außergewöhnliche fürs Auge durch sein obligatorisches aber trennendes Schaufenster. Der Zuschauer muss erzählerisch gesehen allerdings davor in der Holzklasse Platz nehmen.

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Prisma
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Mark Wahlberg

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● FOUR BROTHERS / VIER BRÜDER (US|2005)
mit Tyrese Gibson, André Benjamin, Garrett Hedlund, Terrence Howard, Josh Charles, Sofía Vergara, Chiwetel Ejiofor, Kenneth Welsh und Fionnula Flanagan
eine Produktion der Paramount Pictures | Di Bonaventura Pictures | Four Brothers Films | im Verleih der United International Pictures
ein Film von John Singleton

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»Wenn ihr lang genug beim Teufel an die Tür klopft, wird euch auch jemand aufmachen!«


Nach dem scheinbar zufälligen Mord an ihrer Pflegemutter Evelyn Mercer (Fionnula Flanagan) kehren vier ungleiche Brüder nach Detroit zurück. Als die Männer bei den polizeilichen Ermittlungen auf Ungereimtheiten stoßen, beschließen sie, die Wahrheit auf eigene Faust herauszufinden. Ihre Nachforschungen führen sie tief in ein gefährliches Netz aus lokaler Korruption und organisierter Kriminalität. Schließlich nehmen die Brüder das Gesetz selbst in die Hand. Schon bald wird es für den hitzköpfigen Anführer Bobby (Mark Wahlberg), den ex-militärischen Frauenschwarm Angel (Tyrese Gibson), den bürgerlichen Geschäftsmann Jeremiah (André Benjamin) und den jüngsten, rebellischen Rocker-Bruder Jack (Garrett Hedlund) ebensgefährlich …

Die filmische Wurzel von John Singletons rasantem Action-Thriller "Vier Brüder" liegt überraschenderweise im klassischen Hollywood-Kino der 1960er-Jahre. Das dicht ausgearbeitete Drehbuch von David Elliot und Paul Lovett basiert lose auf dem profilierten Western "Die vier Söhne der Katie Elder" aus dem Jahr 1965, in dem einst Leinwandlegende John Wayne die Hauptrolle spielte. Vierzig Jahre nach dessen Entstehen bietet dieses Werk eine völlig andere, aber ebenso interessante und dramatische Geschichte. Regisseur Singleton übernahm dabei den dramaturgischen Kern des Originals – dass der Mord an der Mutter die entfremdete Familie wieder zusammenführt. Er verlegte die archaische Rachegeschichte jedoch aus den staubigen Prärien des Wilden Westens in das von wirtschaftlichem Verfall gezeichnete, tief verschneite Detroit. Dass dieser Genremix den Nerv der Zeit traf, bewies das Werk kurz nach seinem Start im Spätsommer 2005 an den Kinokassen. Der Film entwickelte sich zu einem soliden kommerziellen Erfolg, stürmte am Startwochenende direkt auf Platz 1 der US-Kinocharts und spielte weltweit mehr als das Doppelte seiner Produktionskosten ein. Während der Western von 1965 noch den klassischen Mythos von Recht und Gesetz im ungezähmten Territorium zelebrierte, nutzte die Regie das moderne Setting für einen rauen Neo-Noir-Thriller mit deutlichen ästhetischen Anleihen am Blaxploitation-Kino der 1970er-Jahre. Auf diese Weise wird ein korruptes System skizziert, in dem die Staatsgewalt versagt und die Brüder die Justiz selbst in die Hand nehmen müssen. In der gestalterischen Umsetzung setzt der Film vor allem auf eine schonungslose und überaus physische Bildsprache. Obwohl die Handlung in Michigan verortet ist, offenbaren die Produktionsnotizen, dass der Großteil der Dreharbeiten aus wohl steuerlichen Gründen im kanadischen Toronto und Hamilton stattfand, aber die düstere Atmosphäre entfaltet sich dennoch perfekt. Ein bemerkenswertes Detail der Produktion ist dabei die authentische Kälte: Sämtlicher Schnee im Film ist echt, da das Team komplett auf künstlichen Schnee verzichtete, was den Schauspielern körperlich einiges abverlangt haben dürfte. Zudem verzichtete Singleton weitgehend auf glatte CGI-Effekte und setzte stattdessen auf handgemachte Stunts, explosive Schießereien und eine dynamische Kameraführung.

Die auffällige visuelle Härte wird durch einen extrem stimmungsvollen Motown-Soul-Soundtrack begleitet, der den Schmerz über den Verlust der Ziehmutter beachtlich untermalt. Das Herzstück des Films bildet das ungleiche, aber dennoch harmonierende Quartett der adoptierten Brüder, deren Chemie die emotionale Achse der Erzählung bleibt. Der Mord an ihrer Mutter schweißt sie erneut zusammen; das Gefühl der Rache macht sie trotz gravierender charakterlicher Unterschiede in vielen Situationen sogar gleich. Mark Wahlberg war dem Vernehmen nach vom Drehbuch so angetan, dass er die Rolle des hitzköpfigen Anführers Bobby Mercer annahm, noch bevor ein Regisseur feststand – ein großes Glück für diese Produktion. Er verkörpert die Figur mit grimmiger Entschlossenheit und verleiht ihr eine faszinierende Art der ungeschliffenen Perfektion. Mark Wahlberg gilt als eines der bemerkenswertesten Phänomene Hollywoods. Wer hätte in den 1990er-Jahren damit gerechnet, dass er sich nach zahlreichen Eskapaden, Unterwäsche-Kampagnen, einem Home-Workout-Video und erfolgreichen Musikkarrieren in den USA und Europa zu einer derartigen schauspielerischen Kapazität entwickeln würde? Seine Kollegen stehen der packenden Interpretation allerdings in nichts nach. An seiner Seite spielt Tyrese Gibson den ex-militärischen Frauenschwarm Angel Mercer mit einer der Situation nicht immer angepassten Leichtigkeit. Der OutKast-Musiker André 3000 liefert als vermeintlich bürgerlicher Geschäftsmann Jeremiah Mercer eine überraschend nuancierte Performance ab, während Garrett Hedlund als jüngster Bruder für Rebellion und eine Naivität steht, die bereits ein Verhängnis andeutet. Dieses multikulturelle Ensemble bricht ganz bewusst ethnische Barrieren auf, da die tiefe Verbundenheit der ungleichen Brüder einzig durch die Liebe zu ihrer ermordeten Pflegemutter definiert wird. Ergänzt wird die Besetzung durch starke Nebenrollen von Terrence Howard, Chiwetel Ejiofor und Sofía Vergara in einer ihrer frühen Hollywood-Rollen. Nach der Veröffentlichung stieß "Vier Brüder" bei der Fachkritik erwartungsgemäß auf ein geteiltes Echo, aber das Werk genießt heute dennoch einen sehr hohen und verdienten Stellenwert. Der Film bietet eine dichte, über weite Strecken packende Geschichte, die schon jetzt als Kultfilm gehandelt wird und vielleicht das Potenzial besitzt, sich langfristig als Klassiker des Genres zu etablieren.

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Prisma
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● DER LETZTE MOHIKANER / EL ÚLTIMO MOHICANO / LA VALLE DELLE OMBRE ROSSE (D|E|I|1965)
mit Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Carl Lange, Marie France, Ricardo Rodríguez, Kurt Großkurth, Ángel Ter, Stelio Candelli, Cris Huerta,
Mariano Halcon, Jean Mathieu, Rafael Hernández, Charles Dechamps, Leandro San José, Martin Diaz sowie Dan Martin und Athony Steffen
ein International Germania Film | Procusa | Balcázar | Cineproduzione | im Constantin Filmverleih
nach den gleichnamigen Roman von James Fenimore Cooper
ein Film von Harald Reinl

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»Britische Ohren sind genauso empfindlich wie amerikanische!«


Der erfahrene Waldläufer Falkenauge (Anthony Steffen) und sein treuer mohikanischer Freund Unkas (Dan Martin) übernehmen die gefährliche Aufgabe, Cora (Karin Dor) und Alice (MarieFrance), die zwei Töchter eines britischen Kommandanten (Carl Lange), sicher durch ein umkämpftes Gebiet zu eskortieren. Doch auf dem Weg durch die unwegsame Wildnis lauert der rachsüchtige Huronen-Häuptling Magua (Ricardo Rodríguez), der mit den Franzosen verbündet ist und den Briten noch eine alte Rechnung offen hat. Als die Gruppe in einen Hinterhalt gerät und die Frauen entführt werden, beginnt für die beiden ungleichen Freunde und den sie begleitenden Captain Heyward (Joachim Fuchsberger) ein Wettlauf gegen die Zeit. Es entsteht ein Überlebenskampf, bei dem das Schicksal der gesamten Gruppe auf dem Spiel steht …

Ende 1962 konnte die Berliner Rialto Film Preben Philipsen einen Großerfolg mit Harald Reinls Karl May-Verfilmung "Der Schatz im Silbersee" landen, der 1964 als erster Film überhaupt mit der "Goldenen Leinwand" für mindestens drei Millionen Kino-Zuschauer ausgezeichnet wurde. Über die Jahre gesehen und durch zahlreiche Wiederaufführungen ist sogar von einer Gesamtanzahl von etwa 10 Millionen Zuschauern auszugehen. Obwohl Georg Marischkas "Die Sklavenkarawane" als erster Nachkriegsfilm nach Karl May zu bezeichnen ist, gilt "Der Schatz im Silbersee" auch heute noch als unumstrittener Auftakt einer sehr erfolgreichen Karl May Welle, die noch etliche Farbfilme hervorbrachte. Das Konzept derartig aufwändig hergestellter Abenteuerfilme nach bekannten Romanvorlagen ging also vollumfänglich auf und animierte die Konkurrenz, ähnliche oder sogar recht identische Angebote zu platzieren, da der Erfolg einigermaßen vorprogrammiert zu sein schien. Harald Reinls "Der letzte Mohikaner" war bereits für das Produktionsjahr 1963 mit alternativer Besetzung geplant, wurde dann aber erst zwei Jahre später realisiert, da der immense "Winnetou"-Erfolg quasi dazwischenkam und die zentrale Schaltstelle Constantin Film diesen Filmen Priorität einräumte. Diese strategische Verschiebung auf Verleihebene durch die Constantin führte selbstverständlich zu Einbußen beim Enderfolg, außerdem inszenierte man auf Basis der Romanvorlage von James Fenimore Cooper. Die Regie kopiert den Stil der May-Verfilmungen oder ruft besser gesagt das eigene Repertoire ab, um dem Publikum einen Film anzubieten, der trotz unterschiedlichen Autors dennoch funktionieren soll. Mit den Zugpferden Joachim Fuchsberger und Karin Dor konnte man auf zwei bewährte Interpreten zurückgreifen, die das deutsche Kino seit Jahren prägten und für volle Kinosäle sorgen konnten, doch alleine diese Grundvoraussetzungen reichen nicht aus, um einen ebenbürtigen Film anzubieten. Zwar war "Der letzte Mohikaner" kein ausgesprochener Flop an den Kinokassen, doch der erhoffte Erfolg blieb vergleichsweise aus, was sich beinahe durch den laufenden Film selbst erklärt, denn ihm fehlt das gewisse Etwas und hat darüber hinaus mit sehr langweiligen Intervallen zu kämpfen. Die Kölner International Germania Film produzierte unter Leitung des in Rechtswissenschaften promovierten Dr. Alfons Carcasona und Heinz Willeg hochinteressante Titel, die sich rückblickend oft als ausgesprochene Konkurrenzproduktionen beschreiben lassen, aber einen guten Mix zwischen Kopie und Alternative finden konnten.

Diese Beschreibung kann man leider nicht auf "Der letzte Mohikaner" beziehen, denn er bleibt in allen Belangen, vor allem thematisch und qualitativ gesehen, auf der Strecke. Dies lässt sich durchaus trotz Harald Reinls betont routinierter Regie auch auf den inszenatorischen Bereich übertragen, da der groß angekündigte Titelheld der Geschichte schwächelt und nur ein Statistendasein führt. Vom Angebot her bekommt man insgesamt wenig Neues angeboten, das nicht schon längst andernorts dagewesen ist, sodass sich dieses Abenteuer nur schleppend erschließt, ungünstigerweise viel zu vorhersehbar ist und darüber hinaus einen großen Fehler begeht. Man konzentriert sich zu sehr auf Joachim Fuchsberger und Karin Dor, was aufgrund des Star-Status der beiden nur logisch erscheint und Fans nicht irritieren dürfte. Allerdings werden beide zugunsten einer seicht-sentimentalen Note vergeudet, wenngleich man dies auf hohem Niveau seufzen darf. Karin Dor überzeugt hier mit Schlagfertigkeit und Selbstbewusstsein, welches nur von ihrem Auserkorenen ausgehebelt werden darf. An ihrer Seite ist die bezaubernde Marie France alias Paca Gabaldón zu sehen, hier übrigens in ihrem ersten Kinofilm. Dies alles kann der großen Titel-Ankündigung schließlich nur wenig schmeicheln. Um es daher deutlich zu sagen: Film und Verlauf leiden unter der schwachen und beinahe irrelevant wirkenden Performance von Anthony Steffen, der keinen Raum geboten bekommt. Seine sporadischen und nahezu nichtssagenden Szenen reichen gerade aus, um ihn als klassische Fehlbesetzung zu identifizieren. Dem Film geht ohne einen starken Helden schlussendlich auch das Potenzial verloren, dessen Stärke wie in ähnlich gelagerten Filmen auszuspielen. Sein Partner Dan Martin macht eine bessere Figur, da der Verlauf ihm auch eine kantigere Präsenz zubilligt. Steffen nimmt das Publikum jedenfalls nicht mit und es scheint, dass es ihm einerlei ist, was er grade tut. Ganz im Gegensatz zu Joachim Fuchsberger oder sogar Carl Lange, die für das einstehen, was sie darzustellen haben. Diese einseitig verteilte Dominanz schadet dem Verlauf erheblich, sodass wichtige Charaktere wie abgewickelt wirken. Dennoch erscheint es so, dass diese Gewichtungen genauso kalkuliert zu sein waren. Im Angebot bleibt das übliche Repertoire aus Action, Dramatik und Niedertracht in den Köpfen der Zuschauer zurück, sowie schöne Landschaftsaufnahmen, was sich im Sinne der Erwartungshaltung dann doch eher wie eine globale Sparflamme anfühlt. Insgesamt gesehen stellt "Der letzte Mohikaner" keinen der einschlägigen Platzhirsche des Genres dar.

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Prisma
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● DIE HÖLLE VON MACAO / LES CORROMPUS / IL SIGILLO DI PECHINO (D|F|I|1966)
mit Robert Stack, Elke Sommer, Nancy Kwan, Christian Marquand, Maurizio Arena, Dean Heyde, Heidy Bohlen,
Richard Haller, Ah Yue Lou, Marisa Merlini, Rosemarie Stack, Susanne Hsiao, Maria Minh sowie Werner Peters
eine Produktion der cCc Filmkunst | Critérion Film | Franca Film | Sonor Cinematografica | im Constantin Filmverleih
Ein Film von Frank Winterstein und James Hill

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»Wir könnten alles miteinander teilen, sogar uns selbst!«


Dem amerikanischen Fotoreporter Cliff Wilder (Robert Stack) fällt überraschend ein uraltes Medaillon in die Hände, welches zu einem sagenumwobenen Schatz führen soll. Schon bald bekommen verschiedene Interessengemeinschaften Wind von der Sache, sodass Wilder schon bald zahlreichen Attacken ausgesetzt ist. Die Chinesin Tina (Nancy Kwan) erhebt erbrechtlichen Anspruch auf das Medaillon und den verborgenen Schatz, ebenso wie der rücksichtslose Gangster Brandon (Christian Marquand) oder der korrupte Polizeichef Pinto (Werner Peters). Auch die geheimnisvolle Lilly Mancini (Elke Sommer) scheint nicht unbeteiligt zu sein. Als Wilder der Lösung immer näher kommt, wird es lebensgefährlich …

Dieser von Artur Brauners cCc Filmkunst produzierte Abenteuerkrimi war seinerzeit mit laufenden Kosten von rund 5 Millionen D-Mark sehr hoch budgetiert, was ihm in immer wieder auftretenden Intervallen der Opulenz auch anzusehen ist. Bei internationaler Ausrichtung konnte das Projekt ein zufriedenstellendes Ergebnis einfahren und hat qualitativ deutlich mehr anzubieten, als vergleichbare Vertreter aus dieser Zeit. Versehen mit einem von Dusty Springfield eingesungenen Titelsong in Bond-Manier, kommt gleich eine spannende Atmosphäre auf, die durch das Auffinden eines seit Ewigkeiten verschollenen Medaillons wie auf Schienen gelegt wirkt. Es kommt zu kurz aufeinanderfolgenden Intervallen der Action und Brutalität, die durch die angewendeten Foltermethoden überaus plastisch wirkt. Diese Strategie weist förmlich auf, dass man es mit keinen lange herumfackelnden Amateuren zu tun hat, deren Credo der Tod als logische Konsequenz der Folter zu sein scheint. Eingefasst in sehr schöne Bildkompositionen und opulente Kulissen, kommt eine dienliche Atmosphäre auf, die den Verlauf auch in Phasen der empfundenen Entschleunigung interessant erscheinen lässt. Zudem ist die Kamera-Arbeit von Heinz Pehlke hervorzuheben, die auf dynamische Winkeleinstellungen setzt, um die volle breite des Sets, der exotisch wirkenden Schauplätze und das Agieren der Interpreten einzufangen. Die Geschichte an sich wirkt ansprechend und temporeich genug, um sich schnell auf sie einlassen zu können, zumal es etliche Interessengruppen gibt, unter denen sich einige Personen befinden, beziehungsweise verbergen, die nicht so einfach auszurechnen sind. Im übertragenen Sinn bricht eine Art Goldfieber aus, welches als Sinnbild für die Gier nach Macht, Unabhängigkeit und Reichtum steht, vorausgesetzt, der von Geheimnissen umwitterte Schatz wird auch gehoben. In der Zwischenzeit rollen einige Köpfe, da es Konsorten gibt, die es nicht in Erwägung ziehen, Gefangene zu machen. Interessant wirkt der Einsatz der jeweiligen Personen im Fadenkreuz der skizzierten Interessenskonflikte: halbe Monster in Menschengestalt, anmutige Damen, gewöhnliche Kriminelle und dubiose Zeitgenossen, die durch die internationale Star-Besetzung gleich genügend Konturen, teils auch Charakter verliehen bekommen. Das tödliche Spiel um einen Logenplatz in der Hölle ist somit fulminant eröffnet.

Der sympathische Protagonist gelangt relativ unverhofft zwischen die uneindeutig wirkenden Fronten und alles beginnt mit einigen Fotos in absolutem Sperrgebiet, sodass der Zuschauer gleich mit waghalsigen Verfolgungsjagden und etwas pyrotechnischer Spielerei konfrontiert wird. Der US-Amerikaner Robert Stack macht eine gute Figur und zeigt sich von seiner agilen und überaus resoluten Seite. Ob Gegner, potenzielle Liebschaften oder Unbeteiligte; er fertigt sie alle ganz nach den Maximen einer derartigen Produktion ab. Dabei fallen ihm die schönsten Frauen in die Arme oder auch umgekehrt, die von Elke Sommer, Heidy Bohlen und Nancy Kwan die schönsten Gesichter beigesteuert bekommen. Der Feind von morgen könnte heute schließlich noch ein Freund sein. Hieraus lässt sich ein Großteil der Spannung ziehen, die durch Schurkenrollen forciert wird. An erster Stelle ist hier zweifellos der Österreicher Richard Haller zu nennen, der mit gleich zwei Titelrollen in der simultan laufenden Edgar Wallace-Reihe betraut wurde. Als Folterknecht ohne Skrupel und mit perverser Lust, seine Opfer leiden und schließlich sterben zu sehen, kann er eine überraschend überzeugende Performance anbieten. Christian Marquand wirkt hingegen eher mit gewöhnlichem kriminellem Wasser gewaschen, doch man ist permanent in Alarmbereitschaft, da er jederzeit einen Revolver zücken könnte. Zu erwähnen ist sicherlich noch Werner Peters, der beide Seiten der Medaille erfolgreich mit der nötigen Portion Undurchsichtigkeit bedient. Alles in allem ist die Produktion gut besetzt, wirkt in diesem wichtigen Bereich dementsprechend auch überzeugend. Bei so viel Aufwand darf die Inszenierung selbstverständlich nicht schwächeln. Bei den Themen Action, Tempo und Spannung kommt es zu vielversprechenden Angeboten, die Dialogarbeit ist in ihren Momenten auf Wortwitz und Situationskomik ausgelegt, spielt jedoch eine untergeordnete Rolle. Trotz überwiegend positiver Eindrücke in Basisbereichen, schleicht sich hin und wieder eine Art Premium-Leerlauf ein, der aufgrund der hochwertigen Bebilderung und der ansprechenden Interpretationen beinahe nicht als solcher zu identifizieren ist. "Die Hölle von Macao" bietet unterm Strich den Vorteil, dass viel Aufwand um eine recht handelsübliche Story betrieben wird, die vor allem im letzten Drittel des Verlaufs noch einmal richtig anzieht und mit Überraschungen aufwartet.

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DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN


● DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHMALEN HÜFTEN (D|1961)
mit Claus Wilcke, Hannelore Elsner, Demeter Bitenc, Dorothee Parker, Katharina Williams und Barbara Valentin
ein Rapid Film | im ABC Filmverleih
ein Film von Johannes Kai

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»Hier kennt einer den anderen. Wie soll man da glücklich sein?«


Auf einer einsamen griechischen Insel lebt die junge Yusha (Hannelore Elsner) und wird von den Bewohnern wie eine Aussätzige behandelt, da ihr ein eigenartiger Ruf vorauseilt. Sie wird von den Menschen ihrer Umgebung als Hexe verschrien, da die Männer, die einst in sie verliebt waren, auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen sind. Grund genug, um Yusha zu meiden und sie zu demütigen, wo es nur geht. Vor der Insel liegt eine luxuriöse Yacht, die Robert (Claus Wilcke) im betrunkenen Zustand nach einem Streit verlässt und auf der Insel strandet. Er ist es, der den nächsten Toten findet und ihn ins Dorf trägt, sodass er unter Mordverdacht gerät. Yusha glaubt allerdings an seine Unschuld und auch er lässt sich von den Gerüchten um ihre Person nicht abschrecken. Die beiden verlieben sich und möchten fliehen, doch vergessen, dass der Mörder immer noch immer nicht überführt ist …

"Das Mädchen mit den schmalen Hüften" kann zu einem der Vorläufer für die später florierende Abenteuerfilm-Welle der Rapid gezählt werden und transportiert etwa ein ähnliches Flair wie hauseigene Beiträge à la "Ein Toter hing im Netz" oder beispielsweise "Die Insel der Amazonen". Das dabei verbreitete Insel- und Hochseeflair prägt diese Filme genauso wie eine gute Prise Erotik, teilweise kann der Zuschauer sogar ein mysteriöses Element wahrnehmen. Wolf C. Hartwig, der als skandalerprobt galt, reicherte seine Produktionen mit ein bisschen mehr Exotik und Sex an, als es die Konkurrenz zu dieser Zeit gewagt hätte und in diesem Sinne versuchte Regisseur Johannes Kai seinen Film darauf abzustimmen, nicht aber ohne auf eine präsentable Geschichte zu achten, die immer wieder recht interessante bis unwirsche Züge anzunehmen weiß. Der Produktion kommt vor allem die damals kaum 20-jährige Hannelore Elsner in der Titelrolle zugute, die man noch am Anfang ihrer beeindruckenden Karriere sieht und hier erst in ihrem sechsten Film. Die Geschichte setzt sich zunächst aus sehr kontrastreichen Eindrücken zusammen. Beginnend mit einer Art dolce vita light einer illustren Runde auf einer luxuriösen Yacht, führt der Weg zu vollkommen ländlich geprägten, traditionell und karg wirkenden Lebensumständen auf einer kleinen Insel, die offensichtlich sehr stark vom Aberglauben der Bewohner dominiert wird. Die junge Yusha wird gemieden und ist als Hexe abgestempelt, da sie mit mysteriösen Todesfällen einiger junger Männer in Verbindung gebracht wird, schließlich muss für das Unbegreifliche irgendeine Erklärung her. Besonders die weiblichen Inselbewohner kolportieren diese Märchen bei jeder sich bietenden Gelegenheit, strafen die junge Frau mit Verachtung und schneiden sie, da sie von den Männern im Übrigen wie die verbotene Frucht betrachtet wird.

Ein Streit im Suff auf hoher See wird zum Beginn eines Hoffnungsschimmers für sie, denn Robert strandet auf der Insel und kann sich einen unbefangenen Blick leisten. Pech nur, dass er in einen Mordfall hineinschlittert, für den beide direkt, beziehungsweise indirekt von den Insulanern verantwortlich gemacht werden. Insbesondere die Szenen auf der Insel, die seinerzeit an der jugoslawischen Küste gedreht wurden, sind profilbildend und demonstrieren bildgewaltige Strecken. Dass eine hervorragende Atmosphäre dabei entsteht, ist nicht zuletzt auf die recht solide Inszenierung zurückzuführen, die sowohl bei Tag, als auch Nacht ihre Momente mit sich bringt. Wie gesagt ist das Prinzip der Story nicht uninteressant, jedoch gibt es anfängliche Probleme bei der Entscheidungsfindung und der Verlauf pendelt gerne zwischen Drama, Kriminalfilm und Liebes-Abenteuer hin und her. Für letztere Eindrücke sorgen zwei besonders gut aufspielende Jungdarsteller in Form von Hannelore Elsner und Claus Wilcke, sodass der Kulturschock zwischen Hinterwäldlerin und Yuppie nicht ganz so gravierend wirkt, da beide in dem anderen das finden, was sie vermissen. Hannelore Elsner bekommt die Gelegenheit sich darstellerisch zu profilieren, indem ihr die Geschichte vor allem melancholische Momente einräumt. Ihre blendende Konstitution unterstreicht das angekündigte Versprechen des Filmtitels, welcher allerdings zur Gattung der weniger gelungenen gehört. Elsner schafft es spielend den Beschützerinstinkt zu wecken und den Gerechtigkeitssinn zu animieren und man bekommt eine sehr beachtliche Interpretation im frühen Stadium ihrer Karriere geboten. Claus Wilcke steht für Hitzigkeit, Temperament und im Gegensatz zu Yusha auch für Erfahrung. Insgesamt ist zu betonen, dass die beiden ein sehr glaubhaftes und nett anzusehendes Paar bilden, mit dem man mitfiebern kann.

Der slowenische Schauspieler Demeter Bitenc hat mehrere Engagements bei der Rapid-Film vorzuweisen und kann in diesem schwarzweißen Treiben eine ambivalente Figur zeichnen, die zeitweise Skepsis, aber genauso gut Sympathie hervorrufen kann. Die restlichen Darsteller schlagen ihre Zeit auf der Yacht mit Kartenspielen, Alkohol und Liaisons untereinander tot. Die üppige Barbara Valentin als selbsternannte Schönheitskönigin sieht sich als Expertin für die erotischen Einlagen und ist daher permanent mit den (un)passenden Textilien bestückt. Unter den Frauen an Bord offenbaren sich massive Spannungen und stutenbissiges Gehabe, man ist einfach zu sehr auf engstem Raum gefangen. Vor allem die Wortgefechte mit den Damen Dorothee Parker und Katharina Williams heizen die Stimmung auf, dabei lassen sich auf hoher See ganz andere Töne als auf der Insel finden. Diese Variationen innerhalb der Dialoge und beim Tempo wirken sich ganz gut auf den allgemeinen Fluss aus und zum Ende hinnimmt die Bearbeitung wieder an Spannung zu, die man zuvor ein bisschen vermisst hat. Die nicht uninteressante Geschichte hätte insgesamt ein paar mehr Konturen verdient gehabt, insbesondere die brisante Stimmung auf der Insel hätte hier und da drastischere Züge annehmen können. Insgesamt zeigt sich "Das Mädchen mit den schmalen Hüften" vollkommen im Stil der damals handelsüblichen Produktionen von Wolf C. Hartwig, die durch Experimentierfreudigkeit und einen hohen Unterhaltungswert punkten. Der Film wird durch seine besondere Atmosphäre und die unverbrauchten darstellerischen Leistungen seiner Hauptdarsteller getragen, sodass speziell der Blick auf die Insel eine Ansicht rechtfertigt. Die teilweise etwas unrund wirkenden Tendenzen stellen unterm Strich keinen so gravierenden Hemmschuh dar, weil die Geschichte ihre Vorteile bereitwillig zur Schau stellt. Gut anzuschauen!

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