DER ERPRESSER - Alain Jessua

Türkploitation, isländische Kannibalenfilme und alles andere aus Europa
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Richie Pistilli
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DER ERPRESSER - Alain Jessua

Beitrag von Richie Pistilli »

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Der Erpresser (D)
Die letzte Warnung (D - TV)
Armaguedon (F)
Quel giorno il mondo tremerà (IT)
Armaguedon, la voz del fin del mundo (ES)
O Plano Armagedão (POR)
Armagedon (BRA)
El corrupto (MEX)
Armageddon


F / IT 1977

R: Alain Jessua
D: Jean Yanne, Alain Delon, Renato Salvatori, Michel Duchaussoy, Michel Creton, Claudine Berg, Alan Adair, Rosario Borelli, Philippe Chemin u.a.



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Deutsche Erstaufführung: 1982 (VHS-Premiere) / 2. August 1985 (TV-Premiere)

Synchronkartei #

Score: Astor Piazzolla

IMCDb

OFDb



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"Der Mond wird das Blut und die Sterne am Himmel werden als Kometen auf die Erde fallen. Ich bin Alpha und Omega. Ich bin der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Draußen die Hunde, die Zauberer und die Unkeuchen, ich werde ihnen meinen weißen Kieselstein geben. Auf diesem Kieselstein ist ein neuer Name geschrieben: Armageddon - die Strafe Gottes, das jüngste Gericht."


Nach dem plötzlichen Tod seines jüngeren Bruders erbt der Handwerker Louis Carrier (Jean Yanne) ein großes Vermögen und wittert seine Chance, endlich etwas aus seinem Leben zu machen. Louis hat sein Leben lang in Armut und Unbekanntheit gelebt. Mit seinem neu gewonnenen Reichtum schmiedet er einen Plan. Er will den Ruhm eines internationalen Verbrechers erlangen. Louis rekrutiert seinen Kumpel Einstein (Renato Salvatori) als Komplizen. Einstein, der seinem Freund helfen will, aber die Tragweite der Situation nicht ganz erfasst, lernt fotografieren, um Louis' persönlicher Paparazzo zu werden. Er fotografiert Louis in der Öffentlichkeit, zusammen mit bekannten Persönlichkeiten. Diese Fotos werden gedruckt, zusammen mit Drohbriefen und Tonaufnahmen verpackt und unter dem Pseudonym „Armageddon“ an Behörden geschickt. Louis droht mit Massenmord und beginnt, an Menschen zu üben, die er entweder für entbehrlich hält oder die eine Bedrohung darstellen. Dr. Michel Ambrose (Alain Delon), ein Psychiater mit Erfahrung in der Behandlung besonders schwieriger Fälle psychischer Erkrankungen, wird engagiert, um Armaguedons Worte und Taten zu analysieren, seine wahre Identität aufzudecken und den Behörden zu helfen, Louis zu finden, bevor er eine echte Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt. (outofthepastblog.com)



"Hier spricht Armageddon. Ich habe ihnen etwas von großer Bedeutung mitzuteilen, denn ich komme jetzt an mein Ziel. Es handelt sich nicht um den Generaldirektor von Mercedes. Er leitet zwar eine Fabrik von Sklavenarbeitern, aber er ist nicht einmal fähig, seinen eigenen Wagen zu reparieren. Ich könnte es und ich ich kenne eine Menge Dinge, die Regierungen erschüttern könnten."


Basierend auf dem Roman „The Voice of Armageddon“ von David Lippincott inszenierte Alain Jessua 1977 mit DER ERPRESSER einen spannungsvollen Kriminalfilm, der einen von der ersten Minute an mitreißt und bis zum bitteren Ende auch nicht mehr loslässt. Nachdem Jessua bereits bei seinem vorherigen Film, DER SCHOCK, mit Alain Delon erfolgreich zusammengearbeitet hatte, verpflichtete er diesen erneut für eine Hauptrolle, was sich aber im Nachhinein als ein großer Fehler herausstellte, denn wie der Regisseur in einem Interview verlauten ließ, gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem französischen Schauspielstar äußerst schwierig. Laut Jessua hätte sich Delon ständig seinen Anweisungen widersetzt, was wiederum zu ständigen Turbulenzen geführt hätte. Dennoch ist es dem Regisseur letztlich gelungen, einen eindrucksvollen und mitreißenden Kriminalfilm auf die Beine zu stellen, bei dem mir das ausgezeichnete Zusammenspiel zwischen Jean Yanne und Renato Salvatori, der sich durch seine grandiose Darbietung als Angelo Trabucco in Ugo Gregorettis HERR DOKTOR, DIE LEICHE LEBT fest in meinem Gedächtnis verankert hat, besonders gut gefallen hat. Die Dialoge der deutschen Synchronfassung sind sowohl pointiert als auch prägnant und passen perfekt zu den Bildern. Gedreht wurde der Film an Schauplätzen in der Schweiz, Frankreich, Italien, Großbritannien, Deutschland und Belgien, wobei sich der Hauptteil der Handlung i, franzüsischen Nachbarland abspielt. Inszenatorisch verliert der Film keine Zeit mit Spekulationen, sondern kommt gleich zur Sache. Was den spannenden Handlungsverlauf betrifft, so wurde dieser nicht nur temporeich in Szene gesetzt, sondern auch mit zahlreichen Wendungen versehen.


"Sie hören die Stimme Armageddons! Ich stelle mich ihnen hiermit vor. Sollte ich mich dazu entscheiden, Mick Jagger zu liquidieren, treffe ich Millionen Menschen."


Während Jean Yanne einen fanatischen Einzeltäter namens Louis Carrier spielt, der für seine vermeintlich gerechte Sache sogar über Leichen geht, spielt Ugo Gregoretti seinen gutmütigen Kumpel Albert, der aufgrund einer Intelligenzminderung sein Handeln als Mitstreiter weder richtig kontrollieren, noch dessen Tragweite überblicken kann. Letztlich verkörpert er eine tragische Figur, die eigentlich keiner Fliege etwas zuleide tut. Infolge seiner kognitiven Einschränkung ist Albert -der von Carrier stets Einstein genannt wird- aber leicht manipulierbar, was sein sauberer Freund Carrier dann auch eiskalt ausnutzt, indem er ihn zur Erlangung seiner persönlichen Ziele gewissenlos seiner schädlichen Beeinflussung aussetzt. Dies führt am Ende sogar soweit, dass sich Einstein von Carrier willenlos als Selbstmordattentäter einspannen lässt, wo er sich zusammen mit den 800 anwesenden Besuchern in einem Fernsehstudio in die Luft sprengen soll. Obwohl Einstein unter dem Einfluss Carriers schreckliche Taten begeht, bleibt sein Rollencharakter sowohl bemitleidenswert als auch liebenswert. Renato Salvatori, der seine Rolle überragend spielt, verleiht seiner Figur eine ungewöhnliche Sensibilität. Insbesondere ie letzte Einstellung des Films wirkt in dieser Hinsicht merkwürdig berührend. Was Jean Yanne anbelangt, so spielt dieser die Rolle des selbstermächtigten Terroristen ebenfalls ganz hervorragend. Obwohl er seinen Freund Einstein eiskalt für seine Zwecke ausnutzt, zeigt der Film auch Szenen zwischen den beiden, die einen Hauch von Rührseeligkeit versprühen. Ansonsten generiert sich Carrier als ein wahnhafter Einzeltäter, der nicht nur rücksichtslos für eine vermeintlich gerechte Sache kämpft, sondern sich auch mit seinem schrecklichen Taten in der Öffentlichkeit selbstinszeniert. Zu den prominentesten Opfern, denen er öffentlichkeitswirksam mit dem Tode droht, zählt neben dem Generalsekrätär von Mercedes Benz kein Geringerer als Mick Jagger von den Rolling Stones. Kommen wir abschließend noch einmal auf Alain Delon zu sprechen, der die Rolle des Polizeipsychologen verkörpert. Dabei legt er zwar eine überzeugende Darbietung an den Tag, ohne dabei aber zu glänzen. Im Gegensatz zur Polizei, die klassische Ermittlungsmethoden anwendet, setzt Dr. Michel Ambrose auf psychologische Strategien, um Louis Carrier aus seiner Reserve zu locken. Doch anstatt einen Fehler zu begehen und sich zu verraten, wird Carrier durch die Methoden Ambroses erst so richtig getriggert, was wiederum dazu führt, dass sein Handeln vollends außer Kontrolle gerät. Was bleibt, ist ein fabelhafter Film, der hierzulande, wie so viele seiner Gattung, weiterhin auf eine digitale Auswertung warten.


Fazit: "Es ist selten, einen Franzosen zu finden, der die Bibel liest."


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Rolvo
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Re: DER ERPRESSER - Alain Jessua

Beitrag von Rolvo »

Das ist ein Film, von dem ich tatsächlich noch nie gehört hatte. Die Franzosen hatten es damals einfach drauf, gute Thriller zu drehen. Es gibt so viele gute Filme aus der Zeit, die heute so gut wie unbekannt sind.

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Richie Pistilli
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Re: DER ERPRESSER - Alain Jessua

Beitrag von Richie Pistilli »

Rolvo hat geschrieben: ↑
So., 11.10.2026 07:33
Die Franzosen hatten es damals einfach drauf, gute Thriller zu drehen. Es gibt so viele gute Filme aus der Zeit, die heute so gut wie unbekannt sind.

Das sehe ich ebenso. Es wäre super, wenn hierzulande mehr solcher Filme veröffentlicht würden.
Neben den Kriminalfilmen sehe ich mir auch die älteren, französischen Film Noirs sehr gerne an.
Was DER ERPRESSER betrifft, so kann ich die größtenteils schlechten Kritiken nicht nachvollziehen.
Finde den Film durchweg gelungen. Und Renato Salvatoris Mienenspiel ist rekordverdächtig.

Kennt zufällig jemand eine Übersicht, in der sämtliche französische Kriminal- und Polarfilme aufgeführt sind?
Irgendwie fehlt mir diesbezüglich ein geordneter Überblick. Das wäre übrigens auch ein prima Thema für das nächste Buch von Christian Keßler ("Bleierne Baguettes") :D




NEWWAVEFILM : Ihr nächster Film war DER ERPRESSER (1977), eine Adaption des Romans „Die Stimme von Armageddon“ von David Lippincott. Was hat Sie an der Geschichte gereizt?

ALAIN JESSUA : Ich habe das Buch gelesen und war davon fasziniert. Ich wollte es verfilmen. Ich wollte eine Kritik am Voyeurismus üben, an unserer Gesellschaft, in der sich das Leben immer mehr wie eine Reality-TV-Show anfühlt. Alles ist stark sensationslüstern geworden, und es scheint keinen Unterschied mehr zwischen öffentlichem und privatem Leben zu geben. Genau das prangere ich in dem Film an. (Quelle)

CINEZIK : Wie verlief Ihre Zusammenarbeit mit Astor Piazzolla an ARMAGUEDON (1977)?

ALAIN JESSUA : Es war komplizierter. Der ausführende Produzent, der sich mit der Musik gut auskannte, hatte mir von Piazzolla erzählt. Ich fand, er passte gut zum populären Teil der nordenglischen Musik. Aber ehrlich gesagt: Piazzolla ist ein netter Kerl, ein großartiger Bandoneonspieler, und ich liebe das Instrument, aber wir hatten keine wirkliche Zusammenarbeit. Er spielte mir einige sehr schöne Stücke zu verschiedenen vorab abgemischten Aufnahmen vor. Damit war ich nicht sehr zufrieden. Bei Michel Portal war ich es gewohnt, dass Musik gemeinsam entstand. Er arbeitete live mit den Musikern zusammen. Mit Piazzolla war das Ergebnis zwar gut, aber es gab keine wirkliche Zusammenarbeit; es war etwas frustrierend, es fühlte sich an wie ein Computerprogramm. (Quelle)



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