Jenseits der Angst (D)
Au-delà de la peur (F)
La paura dietro la porta (IT)
Más allá del miedo (ARG)
Beyond Fear
F / IT 1975
R: Yannick Andréi
D: Michel Bouquet, Michel Constantin, Marilù Tolo, Jean-Pierre Darras, Moustache, Paul Crauchet, Michel Creton, Paolo Bonacelli, Jaime Gomez u.a.
Deutsche Erstaufführung: 16. Juli 1979
Synchronkartei
Score: Alain Goraguer
OFDb
"Die Geschichte ist so unglaublich, dass man sie kaum glauben kann - eine Wahnsinnsgeschichte! Guilloux hat hat mich mit einem anderen verwechselt. Das war gestern Abend. Er hielt mich anscheinend für einen gewissen Porricé, ein Bandenmitglied offenbar. Porricé sollte in einen Wagen einsteigen, in den aber ich einstieg. Ich war nämlich ein einem Restaurant verabredet. Guilloux hielt mich für diesen Porricé. Und so erfuhr ich, dass seine Bande heute um eins einen Banküberfall plant. Guilloux hat es in allen Einzelheiten erzählt. Als ihm schließlich klar wurde, dass ich nicht Porricé war, wollte er mich töten. Ich konnte ihm zwar entkommen, aber er hatte meine Papiere, meine Adresse. Und so ist er mit seiner Mördern in mein Haus eigedrungen und hat Colin und Alain als Geisel genommen..."
Während die Presse über den missglückten Raubüberfall seiner Bande berichtet, plant René Guilloux (Michel Constantin), Staatsfeind Nummer eins, bereits seinen nächsten Coup. In einem Gasthof am Stadtrand wartet er auf die Rückkehr eines Fahrers, der nach Paris geschickt wurde, um einen erfahrenen Safeknacker abzuholen. Der Fahrer bringt irrtümlicherweise Claude Balard (Michel Bouquet) mit, einen schweigsamen Immobilienmakler, der Guilloux' Erklärung des Plans belauscht. Guilloux erkennt seinen Irrtum sofort. In der Nacht gelingt Balard die Flucht. Im Morgengrauen kehrt er nach Hause zurück und entdeckt, dass die Kriminellen seinen Sohn (Jaime Gomez) und seine Frau (Marilù Tolo) als Geiseln genommen haben… (Quelle)
Yannick Andréis spannungsgeladenen Kriminalfilm steht weniger das Spektakel im Mittelpunkt, sondern vielmehr eine Art psychologischer Realismus, der unheinlich viel Spannung und Nervenkitzel erzeugt. Hinzu gesellen sich brillante Darbietungen der drei Hauptdarsteller, denn sowohl Michel Bouquet als auch Michel Constantin und Marilù Tolo überzeugen allesamt in ihren jeweiligen Rollen durch die Bank weg. JENSEITS DER ANGST ist ein Kriminalfilm, der eine packende Entführungsgeschichte erzählt, die sich auf die Angst der Geiseln und ihres Familiengehörigen konzentriert, der den Kontakt zu den Geiselnehmern telefonisch von seinem Büro aus hält. Obwohl der skrupellose Gangsterboss Guilloux den unliebsamen Mitwisser Balard aus dem Weg schaffen will, was ihm aber letztlich nicht gelingt, vertraut der Familienvater eher dem Gauner als der Polizei, was wiederum dazu führt, dass er die Angelegenheit zum Wohle seiner Frau und seines Sohnes auf eigene Faust klären will. Leider muss er sich nach dem Mordversuch seinem Schwager anvertrauen, der daraufhin unverzüglich die Polizei einschaltet, was Balard schließlich aus der Bahn wirft. Von da an fühlt sich Balard machtlos, was wiederum ein tiefgreifendes Ohnmachtsgefühl in ihm auslöst, an dem er fast innerlich zerbricht. Regisseur Yannick Andréi, der bereits mit Jean-Pierre Melville zusammenarbeitete, ist ein temporeicher Kriminalfilm gelungen, der handwerklich perfekt inszeniert wurde. Zudem zieht der Film alle Register, um den Zuschauer bis zum Schluss in Atem zu halten, was ihm auch zweifelsfrei gelingt. "In Italien boten die Kinos, die den Film zeigten, den Zuschauern beim Betreten des Saals sogenannte „Dekonzentrationsscheiben“ an, die, unter die Schuhsohlen gelegt, durch den Film hervorgerufene Ansammlung von Nervenspannung verhindern sollten" (Quelle).
Was die Auswertung des Films hierzulande betrifft, so ergeben sich für mich ein paar ungeklärte Fragen: Laut dem Eintrag in der OFDb wurde der Film mit wenigen Kopien auf VHS veröffentlicht, während die IMDb steht, dass JENSEITS DER ANGST hierzulande am 16. Juli 1979 erstaufgeführt wurde. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass die Polygram-VHS bereits zu diesem frühen Zeitpunkt veröffentlicht wurde, könnte sich die Zeitangabe in der IMDb auf einen eventuellen Kinostart beziehen. Vielleicht weiß hierzu jemand etwas Genaueres. Auch die deutsche Synchronfassung, die durchweg hochkarätig wirkt und mit markanten Synchronsprechern besetzt wurde, klingt vielmehr nach Kino als nach VHS. Was bleibt, ist ein kleines, französisches Filmjuwel aus den 70er-Jahren, das es wert ist, wiederentdeckt zu werden.
Fazit: "Sorgfältig inszenierter und in der Hauptrolle hervorragend gespielter Kriminalfilm." (Quelle)
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