POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Türkploitation, isländische Kannibalenfilme und alles andere aus Europa
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Percy Lister
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POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

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"Police Python 357" (Frankreich / Deutschland 1976)
mit: Yves Montand, Francois Périer, Simone Signoret, Stefania Sandrelli, Mathieu Carrière, Vadim Glowna, Claude Bertrand, Gabrielle Doulcet, Alice Reichen, Serge Marquand, Tony Rödel, Georges-Fréderic Dehlen, Stéphane Macha, Malvina Penne u.a. | Drehbuch: Daniel Boulanger und Alain Corneau | Regie: Alain Corneau

Bei der Überführung von zwei Kunsträubern lernt Inspektor Marc Ferrot eine Italienerin namens Sylvia Leopardi kennen, die vorgibt, als Schaufensterdekorateurin jede Nacht mit dem Zug von Paris nach Orlèans zu kommen. Die Frau wahrt ein Geheimnis, das sie ihrem neuen Liebhaber nicht anvertrauen will und als sie ermordet wird, beauftragt Ferrots Vorgesetzter ausgerechnet ihn mit den Ermittlungen. Von Schuldgefühlen getrieben, verstrickt sich Ferrot in Widersprüche und sucht nach einem Weg, seine Bekanntschaft mit Sylvia zu vertuschen. Sein Kollege Inspektor Ménard wird misstrauisch und erzählt Kommissar Ganay vom seltsamen Verhalten des langjährigen Meisterschützen. Dieser fühlt sich bemüßigt, schnell zu handeln....

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Der Film erweist sich als waschechter Franzose, obwohl es sich um eine Kooperation mit der Münchner TIT Filmproduktion handelt. Er atmet förmlich Emotionen und nährt sich weniger von den harten Strukturen, die eine denkbar schlechte Ausgangsbasis für jede menschliche Beziehung in "Police Python 357" bieten, sondern von Denkmustern und Gefühlen, die komplizierte Sachverhalte schaffen. Je mehr man von den handelnden Personen sieht, desto weniger weiß man über sie. Der Zuschauer muss sich von Beginn an selbst einen Reim auf die Geschichte machen und lernen, seine antizipierte Meinung mehrfach zu ändern. Durch die geschmeidige Montage wechselnder Situationen, hat das Publikum den Eindruck, mit Sylvia Leopardi auf einem Karussell zu fahren, das keine Richtung und keine Herkunft kennt, sondern unentwegt für Bewegung sorgt und die weibliche Protagonistin immer nur für Augenblicke greifbar macht, bis sich das Rad des Lebens weiterdreht. Die Männer ihrer Gunst fühlen sich betrogen, getäuscht und verlassen, können jedoch nichts daran ändern, da Sylvia erst eine Inventur ihrer Gefühle vornehmen muss, um sich klar zu werden, wohin der Weg führen soll. Bei Inspektor Marc Ferrot und Kommissar Ganay handelt es sich jeweils um Männer, welche die Privilegien, die ihnen ihr Rang und ihre Stellung im Leben zugeteilt hat, weder aufgeben, noch schmälern wollen. Sie sind in einer Gesellschaft des Patriarchats aufgewachsen, das ihnen Frauen als Geliebte, Mütter und Fürsorgerinnen zuschanzte, wofür sie bezahlt haben - in harter Währung oder mit einem Ehegelöbnis. Nun wird abgerechnet: auf eine Provokation folgt die Destruktion. Unfähig, das Handeln des anderen zu reflektieren, wird nach Indizien gesucht, die Person zu enttarnen, zu demaskieren und zu entzaubern. Wirkliche Nähe zwischen den Figuren gibt es nur im Extremfall; so findet der Mörder Verständnis bei seiner klugen, aber gehbeeinträchtigten Frau. Sie verfügt über jene Empathie, die ihrem Mann fremd ist und ergreift die Chance, ihm wieder eine Stütze sein zu können, wie sie es bereits früher - in finanzieller Hinsicht - war. Sanfter Druck genügt und Kommissar Ganay fügt sich in den Ratschlag seiner Gattin, deren Weitsicht ihn vor mancher unüberlegten Handlung bewahrt. Inspektor Ferrot ist auf sich allein gestellt und büßt emotional für das Verbrechen seines Vorgesetzten. Obwohl er unschuldig ist, quälen ihn sowohl sein Gewissen, als auch die Furcht vor Entdeckung. Der Spießrutenlauf als Ermittler im Mordfall Leopardi lässt ihn zugleich Jäger und Gejagter sein - was in seinem Büro zunehmend für Irritationen sorgt.

Mit Yves Montand und Simone Signoret wirken gleich zwei Legenden des französischen Films mit. Sie verkörpern dabei jene Stärken, die ihr Bild nachhaltig in das Gedächtnis des Zuschauers eingebrannt haben: sich aus dem Herkunftskreis zu lösen, um ein neues Leben zu beginnen und dabei weiterhin für das zu kämpfen, was ihnen wichtig ist. Sie haben noch ihren Stolz, spüren jedoch, dass sich die Welt um sie herum verändert hat und Kompromisse verlangt. Anpassungsfähigkeit verdrängt die Egozentrik, Geduld reizt das unruhige Gemüt und Ausschließlichkeit gibt es nicht mehr. Die einst so unabhängigen Charaktere machen Zugeständnisse und versuchen damit, das Chaos in geordnete Bahnen zu lenken, wohlwissend, dass es sich im Grunde um eine Selbsttäuschung handelt, um eine Verlängerung des Schmerzes, der wie ein unendlicher Mahner an bessere Zeiten erinnert. Ihre gemeinsamen Szenen sind von Respekt geprägt und einer gewissen Scheu. Man achtet den Einflussbereich des anderen, bleibt jedoch auf Distanz, weil eine natürliche Ehrfurcht vor dem gesellschaftlichen Hintergrund dies so vorsieht. Inspektor Ferrot ist allein und hat sich schon lange in diesem Gefühlzustand eingerichtet. Seine spartanische Unterkunft, die einen markanten Gegensatz zur opulenten Innenausstattung von Madame Ganays Räumen bildet, zeigt seine Bescheidenheit, die wenig mehr verlangt als das Lebensminimum und eine klare Struktur der Dinge. Die Begegnung mit der launischen Sylvia irritiert ihn und überfordert seine Fähigkeit zur Toleranz, weil sein Beruf ihn lehrte, präzise Antworten einzufordern. Das Geheimnis um Sylvia zieht weite Kreise und verblüfft auch den Zuschauer, weil ihr Verhalten so ungewöhnlich war wie ihre Polizeiakte. Ein manipulierter Charakter, der sich nicht konform verhält und Spuren polizeigerecht aufbereitet statt sie einfach zu vernichten. Die Tote hat zu Lebzeiten an ihrer eigenen Legende gestrickt, was von Stefania Sandrelli in einer Mischung aus Zuneigung und Abweisung vermittelt wird. Ihr unbequemer Standpunkt, der ihr weder Zuflucht, noch Ausweg bietet, erschwert es, eine positive Verbindung zu ihrer Figur aufzubauen, was den demoralisierenden Ton des Films unterstreicht. Die Suche nach der Wahrheit erweist sich mehr und mehr als Treibjagd, bei welcher der Fuchs in der Menge untertauchen kann, während der Jäger über seine eigenen Füße stolpert. Die Grenzen zwischen Recht und Unrecht verschwimmen und betonen eine weitere Besonderheit des französischen Kinos: die Fähigkeit, nonverbal auf höchstem Niveau zu kommunizieren.

Der Actionanteil, der die legendäre Polizeiwaffe Modell Python 357 zum Fetisch stilisiert, ist wie ein Befreiungsschlag für angestaute Emotionen, die nun eruptiv in Erscheinung treten und alles niederwälzen, was sich phlegmatisch vor ihr aufbaut. Wo Worte nichts ausrichten konnten, soll nun ein Schuss für Klärung oder Erlösung sorgen, manchmal soll er auch simpel ein Leben auslöschen - abrupt und unwiderruflich. Inspektor Ferrot läuft hier zur Hochform auf, weil er lösungsorientiert denkt und er im Verlauf der Ermittlungen im Mordfall Sylvia Leopardi bisher gezwungen war, sich bedeckt zu halten und eine passive Schiene zu fahren. Umso mehr rückt sein Kollege Inspektor Ménard ins Zentrum, um den Fall voranzutreiben und jene Spuren zu verfolgen, die von Ferrot nachlässig behandelt werden. Mathieu Carrière tritt aus der zweiten Reihe hervor und genießt den Elan, den seine Figur während der Recherchen über Leben und Sterben von Signora Leopardi an den Tag legen kann. Sein zielstrebiger Ehrgeiz und der Wunsch, sich mit seinen Talenten zu profilieren, blieben bisher innerhalb der eng gesteckten Grenzen der Polizeihierarchie. Nun jedoch haben sich die Aufgaben verschoben und sein Vorgesetzter billigt ihm Kompetenzen zu, die er bisher selbst innehatte und exklusiv verwaltete. Blitzschnell ergreift der drahtige, intelligente Mann seine Chance und beschleunigt durch sein Verhalten das Tempo der Ermittlungen, die nun immer mehr in eine Sackgasse laufen, aus der es kaum noch ein Entrinnen gibt. Die Personen werden gezwungen, ihre Fehler und Unterlassungen offenzulegen und jene Konsequenzen zu ziehen, mit denen sie gedanklich schon lange gespielt haben, die jedoch jetzt akuter denn je zu sein scheinen, was rasches Handeln erfordert. Die Anspannung kann nur durch einen radikalen Schnitt gelöst werden, der ein Vakuum hinterlässt, das Betroffenheit, Trauer und Resignation zur Folge hat. Die Befreiung aus dem eisernen Käfig der emotionalen Umklammerung und Einengung tötet die Gefangenen, die dadurch zwar von ihrem langen Leiden erlöst werden, dafür jedoch den hohen Preis des eigenen Lebens bezahlen müssen. Das Darstellerensemble hat das Drehbuch mit intensiver Präzision aufgesogen und schafft nun Figuren, deren Spiel sich am Realismus der Welt orientiert, ohne gleichzeitig jene Eigenschaften aufzugeben, die den Beruf des Schauspielers so faszinierend machen: Anmut, Empathie, Verlässlichkeit und Spontanität. Der Nimbus, der die Personen umgibt, wertet die Handlung in hohem Maße auf und verleiht der Kriminalgeschichte eine Tragik, die ihren Ursprung in der Unfähigkeit, kommunikativ zum anderen durchzudringen, begründet.

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Richie Pistilli
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Richie Pistilli »

Französischer Trailer:


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Sid Vicious
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Sid Vicious »

Was soll ich sagen? Heute auf der großen Leinwand von 35mm gesehen und Alain Corneaus Werk als einen ganz fiesen Drecksack erfahren.

Die Handlung baut sich behäbig auf. Und die Frage nach dem Warum? macht sich breit. Nachdem die Protagonisten vorgestellt wurden und die Tat, um die sich alles drehen wird, vollzogen ist, dreht POLICE PYTHON 357 auf und kommt kräftig ins Rollen. Es wurde ein tödlicher Kreislauf aktiviert, der kein gutes Ende erahnen lässt.

Aber das sich alles derart fies entwickelt...
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Kent
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Kent »

Auch von mir ein ganz großes Lob. Irgendwie dachte ich immer, ich hätte hier einen Strang zu dem Film veröffentlich, aber das muss dann wohl im Vorgängerforum gewesen sein.
Ist ja manchmal ganz interessant, was man selber über einen Film vor 10 Jahren geschrieben hat. :D

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Richie Pistilli
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Richie Pistilli »

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Police Python 357 - Ein Mann im Alleingang (D)
Im tödlichen Kreis (D)
Police Python 357 (F)
Policía Python 357 (ES)
A Arma da Justiça (POR)
Polisrevolver 357 (SWE)
Calibre Python 357 (BRA)
The Case Against Ferro


F / D 1976

R: Alain Corneau
D: Yves Montand, François Périer, Simone Signoret, Stefania Sandrelli, Mathieu Carrière, Vadim Glowna, Serge Marquand, Claude Bertrand, Gabrielle Doulcet, Alice Reichen, Tony Rödel



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Deutsche Erstaufführung: 9. September 1976 (BRD) / 11. April 1980 (DDR)

Synchronkartei (BRD)

Synchronkartei (DDR)

Filmportal

Italo-Cinema

Mediathek (ARTE)

Score: Georges Delerue

IMCDb

OFDb



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Kommissar Marc Ferrot (Yves Montand) gehört zu den erfahrensten Männern der Polizei von Orléans. Eines Tages lernt der Cop Sylvia Leopardi (Stefania Sandrelli) kennen. Von der ersten Begegnung an ist Ferrot seltsam fasziniert von der jungen Frau. Zwischen den beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Affäre. Doch Sylvia hat noch einen zweiten Liebhaber – Ferrots Vorgesetzten Ganay (François Périer), der sie einst vor dem Gefängnis bewahrt hat. Sylvia und Ganay halten ihre Beziehung streng geheim. Außer Ganays an den Rollstuhl gefesselter Frau Thérèse (Simone Signoret) weiß niemand von der Verbindung. Als Sylvia sich von Ganay trennen will, kommt es zu einem heftigen Streit. Wenig später trifft Ferrot in der Wohnung ein und entdeckt Sylvias Leiche. Als man ihn mit dem Fall betraut, steckt er in der Klemme. Er muss vermeiden, dass Zeugen in ihm Sylvias Liebhaber erkennen und zugleich alles daransetzen, den wahren Täter aufzuspüren ... (Quelle: ARTE)



Obwohl ich den Streifen vor vielen Jahren schon einmal gesehen habe, verschlug mir dieses exzellente Stück französischer Filmkunst beim gestrigen Refresh völlig die Sprache: Ein atmosphärisch dichter Spannungsthriller, der den Zuschauer mit einer langsamen Erzählweise immer tiefer in seinen Sog zieht, bevor er ihn am Ende nach mehreren abfrundtiefen Bosheiten total perplex aus dem Handlungsgeschehen entlässt. POLICE PYTHON 357 ist ein frazösischer Neo-Noir der Extraklasse, der nicht nur mit absolut brillanten Darstellern besetzt wurde, sondern auch einen außergewöhnlichen Krimi-Plot aufweist, bei dem man zwar recht schnell schnallt, in welche Richtung der Hase laufen wird, aber zugleich keinen blassen Schimmer entwickelt, wie es mit dem Hase und seinen Jägern schlussendlich ausgehen wird. Zunächst nimmt sich der Film viel Zeit, um die Charaktere von Yves Montand, Stefania Sandrelli und François Périer zu etablieren, bevor es dann irgendwann zum brutalen Mord an der Italienerin kommt. Von da an steht das Bestreben Montands im Mittelpunkt, sich einerseits aus der brenzligen Lage zu befreien, in die er sich selbst hineinmanövriert hat, und zugleich den wahren Täter zu überführen, dem er während des Handlungsverlaufs mehrmals unwissend gegenübersitzt. Am Ende gibt es den bereits erwähnten Teufelsritt der Garstigkeiten, bei dem auch die französische Schauspielerin Simone Signoret munter mitmischt. Zusammen mit Mathieu Carrière, der einen aufstrebenden Kommissar spielt, geben alle fünf Hauptdarsteller überwältigende Darbietungen ab, wobei Yves Montand und Simone Signoret mit ihren Leistungen nochmals herausragen. Abgerundet wird das Ganze durch eine exquisite Bildgestaltung sowie einer vorzüglichen Filmmusik von Georges Delerue. Die deutsche Synchronfassung des Films, der noch bis zum 30.11. in der ARTE-Mediathek zur Verfügung steht, ist ebenfalls voll und Ganz gelungen. Einziger Fauxpas, der aber mitnichten ins Gewicht fällt: Die titelgebende Handfeuerwaffe wird als 375er bezeichnet, obwohl es sich dabei um eine 357er handelt. Ein abgrundtief böser Film!


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Kent
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Kent »

Ich habe den Film gestern gesehen und bin begeistert. Dieser Film gehört absofort zu meinen 10 Lieblingsfilmen. Ich muss aber einschränkend dazu sagen, mit Mitte 20 hätte ich den Film nicht verstanden. Der Film hat ein sehr hohes Niveau und ist handwerklich wunderbar gemacht. Aber der Film ist sehr intelligent und beschreibt zwischenmenschliche Beziehungen ganz hervorragend. Für jemanden, der moderne Filme nur gewöhnt ist, ist der Film völlig ungeeignet. Man muss auf alle Details aufpassen, dann ergibt der Film Sinn und ist überwältigend.

Mich hat auch die Komposition des Films stark beeindruckt. In der Anfangsphase sieht man Montand seine Dum-Dum-Geschosse basteln, erst nach 4 Minuten sieht man zum ersten Mal ein Gesicht. Es ist das Gesicht von Stefania Sandrelli, dem späteren Opfer. Wie in einem guten Roman ist dieser Film sorgfältig komponiert. Jedes Detail ist wichtig.
Hier sieht man am Anfang, dass Montand seinen Colt nicht mit handelsüblicher Munition betreibt. Die Geschosse sind nicht spitz, sondern sollen tödlich sein:
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Wir sehen im ersten Teil des Films andauernd Uhren und Wecker, kaum ist Sandrelli gestorben, wird kaum noch eine Uhr gezeigt.

Zu dieser Beobachtung möchte ich aber kurz Stellung nehmen:
Percy Lister hat geschrieben: ↑
Fr., 20.11.2020 16:53
Die Männer ihrer Gunst fühlen sich betrogen, getäuscht und verlassen, können jedoch nichts daran ändern, da Sylvia erst eine Inventur ihrer Gefühle vornehmen muss, um sich klar zu werden, wohin der Weg führen soll. Bei Inspektor Marc Ferrot und Kommissar Ganay handelt es sich jeweils um Männer, welche die Privilegien, die ihnen ihr Rang und ihre Stellung im Leben zugeteilt hat, weder aufgeben, noch schmälern wollen. Sie sind in einer Gesellschaft des Patriarchats aufgewachsen, das ihnen Frauen als Geliebte, Mütter und Fürsorgerinnen zuschanzte, wofür sie bezahlt haben - in harter Währung oder mit einem Ehegelöbnis.
Neeee, Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass Deine Beobachtung nicht so ganz stimmig ist. Die Vokabeln Patriarchat und Privilegien sind hier unangebracht.
Ich sag mal so, ich habe selber eine Beziehung erlebt, die nicht den normalen Maßstäben entspricht. Aus diesem Grund sehe ich die Figurenkonstellation völlig anders. Ich möchte dies kurz begründen, die Figurenkonstellation ist eine ganz andere!

1. Yves Montand ist ein Ausgestoßener, er hat keine gesellschaftliche Verankerung. Während andere Männer in seinem Alter ein eigenes Haus, Frau und Kinder haben, lebt er bescheiden in einer Einzimmerwohnung. Er hat keine Privilegien, im Gegenteil, er hat nur seinen Beruf und sonst nichts. Er besitzt fast nichts und ernährt sich auf die billigste Art und Weise. Er will nur seine Gegner zur Strecke bringen. Heimlich bastelt er sog. Dum-Dum Geschosse und verwendet diese in seiner Dienstwaffe. Er will keine Gefangenen machen, ihm ist bewusst, dass jeder der von diesen Kugeln getroffen wird, stirbt. Wir sehen dies an dem Schuß auf den Fasan, von dem Tier blieb nichts übrig. Auch in der Schlußszene wird die Kraft dieser Geschosse sichtbar.

2. Die zentrale Figur des Films ist François Périer. Von ihm hängen gleich zwei Existenzen ab. Seine Ehefrau Simone Signoret ist die überlegenste und intelligenteste Figur des Films. Sie steht über allen und hat in jeder Szene den Durchblick. Aber sie ist körperlich schwer behindert und an das Bett gefesselt. Sie ist von ihrem Mann völlig abhängig. Aber sie hat auch großen Reichtum. Ihr ist klar, mit dem Tod von Perier ist auch ihr Leben zu Ende.

Die andere Existenz die an Perier hängt ist Stefania Sandrelli. Hier muss man auf die Details achten, denn Perrier hat auch ihr das Leben gerettet. Sie kommt aus einer schweren Drogensucht. Perier hat Sandelli aus der Sucht aus Paris in das beschauliche Orleans gebracht. Hier lebt sie in einer luxuriösen Wohnung, die Perier finanziert hat. Ihr Leben ist hochgradig abhängig von Perier. Und Perier ist ihr hochgradig verfallen, er ist fast schon abhängig von ihr, hat sie doch das, was seine Frau nicht hat: Jugendlichkeit und Gesundheit. Auch hier ist klar, ist Perier nicht mehr da, ist auch ihr Leben zuende.
Durch ihren Drogenkonsum hat sie mehrere schwere Ticks, sie wird bei Kleinigkeiten sofort aggressiv (die Szene mit der Bettlerin, die sie aus heiterem Himmel mit voller Wucht von sich stößt, sie erschießt grundlos einen Fasan mit der Dienstwaffe von Montand). Auch kann sie ihren Tag gar nicht mehr selbst planen, immer hat sie einen Wecker dabei, der sie an die wichtigen Termine erinnert. Selbst beim Museumsbesuch mit Montand hat sie einen Wecker dabei, der sie an ihre Verabredungen oder den Bus erinnert. Somit geht es hier gerade nicht darum, dass Perier Privilegien hat, im Gegenteil, von seiner Figur hängen die Existenzen von Signoret und Sandrelli ab.


Und nun kommen wir zur zentralen Stelle des Films. Montand und Sandrelli treffen sie im Museum Gustave Moreau.
Bild

Hier stehen sie vor dem Bild von Gustage Moreau: Zeus und Semele.
Hier das Bild im Original https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... t=original
Das Bild zeigt die Szene, in der sich Zeus Semele offenbart. Semele verbrennt in diesem Moment. Semele ist übrigens die Mutter von Dionysius (Gott des Rausches).
Und damit ist der Film aufgeschlüsselt, Montand taucht auf und zerstört dieses fragile Konstrukt der Beziehungen von Perier, Signoret und Sandrelli.
Der Tod ist somit die logische Folge.

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Richie Pistilli
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Richie Pistilli »

Kent hat geschrieben: ↑
Mo., 14.09.2026 20:56
Ich habe den Film gestern gesehen und bin begeistert. Dieser Film gehört absofort zu meinen 10 Lieblingsfilmen. Ich muss aber einschränkend dazu sagen, mit Mitte 20 hätte ich den Film nicht verstanden. Der Film hat ein sehr hohes Niveau und ist handwerklich wunderbar gemacht. Aber der Film ist sehr intelligent und beschreibt zwischenmenschliche Beziehungen ganz hervorragend. (...) Mich hat auch die Komposition des Films stark beeindruckt.

Obwohl sich der Film seit vielen Jahren in meiner Archivkiste befindet und ich mir ziemlich sicher war, dass dieser bereits irgendwann einmal in meinem Abspielgerät gelandet ist, musste ich bei der letztwöchigen Sichtung, dass der Sachverhalt so nicht gewesen sein kann, denn das, was ich letzte Woche sah, war absolut neu für mich. Daher vermute ich ganz stark, dass ich den Film zwar vor Jahren mal angefangen habe, ihn aber aus unerklärlklichen Gründen (falsche Stimmung, falsche Erwartung, falscher Tag ?) vorzeitig abgebrochen habe. :oops:

Nach der letztwöchigen Sichtung kann ich aber sagen, dass POLICE PYTHON 357 auch für mich zu den besten französischen film-noir geprägten Polar-Filmen zählt. Der Streifen ist ein wahrhaftes Brett, der mir entsprechend die Sprache verschlug. Die schauspielerischen Leistungen von Yves Montand und Simone Signoret sind absolut spitze! Dennoch muss ich mir den Film demnächst noch ein zweites Mal ansehen, um die Feinheiten der jeweiligen Beziehungskonstellationen konkret erfassen zu können. Visuell entpuppt sich der Film als eine wahre Bombe.


Kent hat geschrieben: ↑
Mo., 14.09.2026 20:56
Und nun kommen wir zur zentralen Stelle des Films. Montand und Sandrelli treffen sie im Museum Gustave Moreau.
Bild

Hier stehen sie vor dem Bild von Gustage Moreau: Zeus und Semele.
Hier das Bild im Original https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... t=original
Das Bild zeigt die Szene, in der sich Zeus Semele offenbart. Semele verbrennt in diesem Moment. Semele ist übrigens die Mutter von Dionysius (Gott des Rausches).
Und damit ist der Film aufgeschlüsselt, Montand taucht auf und zerstört dieses fragile Konstrukt der Beziehungen von Perier, Signoret und Sandrelli.
Der Tod ist somit die logische Folge.

Vielen Dank für diese Ausführung. :hut:
Als Kulturbanause hätte ich diesen Zusammenhang womöglich nie erkannt.

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Kent
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Kent »

Richie Pistilli hat geschrieben: ↑
Do., 17.09.2026 18:30

Obwohl sich der Film seit vielen Jahren in meiner Archivkiste befindet und ich mir ziemlich sicher war, dass dieser bereits irgendwann einmal in meinem Abspielgerät gelandet ist, musste ich bei der letztwöchigen Sichtung, dass der Sachverhalt so nicht gewesen sein kann, denn das, was ich letzte Woche sah, war absolut neu für mich.
Mir ging es genauso, der Film war für mich eine großartige Erfahrung.
Schaust du ihn noch mal Anfang Oktober im TV?

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Richie Pistilli
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Richie Pistilli »

Kent hat geschrieben: ↑
So., 20.09.2026 14:47
Schaust du ihn noch mal Anfang Oktober im TV?

Ob ich ihn mir Anfang Oktober noch einmal ansehe, weiß ich noch nicht, aber auf jeden Fall über den TV-Bildschirm :D
Die erneute Sichtung, die irgendwann spontan erfolgen wird, wird von meiner entsprechenden Laune abhängig sein.

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Kent
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Kent »

Dann hoffe ich mal, dass du im Oktober gute Laune hast :D
(als alter Italienkenner, weißt du ja, dass die Sommeraffären im September beendet werden und die schönen Frauen wieder alleine zu Hause sitzen, während ihre angeschmachteten Typen zu ihren Ehefrauen und den Kindern zurückkehren. Daher hoffe ich, dass du diese Zeit gut überstehst :shock: :lol: )

Ich muss beim nächsten Mal darauf achten, welche Autos die Darsteller hatten. Bei Perrier und Signoret war es ja ein Mercedes W 116, die Luxusklasse ihrer Zeit.
Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Mercedes- ... ureihe_116

Bei Montan war es glaube ich ein Peugeot 403 oder 404.
Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Peugeot_404

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Richie Pistilli
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Richie Pistilli »

Kent hat geschrieben: ↑
Di., 22.09.2026 14:39
Dann hoffe ich mal, dass du im Oktober gute Laune hast :D
(als alter Italienkenner, weißt du ja, dass die Sommeraffären im September beendet werden und die schönen Frauen wieder alleine zu Hause sitzen, während ihre angeschmachteten Typen zu ihren Ehefrauen und den Kindern zurückkehren. Daher hoffe ich, dass du diese Zeit gut überstehst)

Bestimmt! Aber gewiss nicht wegen irgendwelchen beendeten Sommeraffären... :)
Ein solch schuftiges Verhalten mag ich absolut nicht.


Kent hat geschrieben: ↑
Di., 22.09.2026 14:39
Ich muss beim nächsten Mal darauf achten, welche Autos die Darsteller hatten. Bei Perrier und Signoret war es ja ein Mercedes W 116, die Luxusklasse ihrer Zeit.
Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Mercedes- ... ureihe_116

Bei Montan war es glaube ich ein Peugeot 403 oder 404.
Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Peugeot_404

Das kannst Du auch einfacher haben:

Richie Pistilli hat geschrieben: ↑
Sa., 12.09.2026 19:30
IMCDb
;) :)

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Kent
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Kent »

Super Seite. Vielen Dank!

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Rolvo
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Re: POLICE PYTHON 357 - Alain Corneau

Beitrag von Rolvo »

Die Seite IMCDB ist wirklich super. Da findet man so einiges. Habe mich schon oft gefragt, gerade bei Filmklassikern, was das für jeweilige Automodelle waren, und auf dieser Seite wird man dann oft fündig.

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