Mystere - Der Killer und das Callgirl (D)
Mystère (IT)
Pako Hong Kongiin (FIN)
Dagger Eyes
Murder Near Perfect
IT 1983
R: Carlo Vanzina
D: Carole Bouquet,Phil Coccioletti, Duilio Del Prete, John Steiner, Gabriele Tinti, Peter Berling, Janet Agren, Samuele Goldzader, Marcia Briscoe, Leonie Forliti u.a.
Deutsche Erstaufführung: Juli 1989 (VHS-Premiere)
Synchronkartei
Italo Cinema
Nischenkino
Locationvergleich
Score: Armando Trovajoli
IMCDb
OFDb
"Ich liebe es, wenn du Schwarz trägst."
Zwei Schüsse peitschen über die Piazza, eine Kamera klickt - ein amerikanischer Politiker ist tot. Dann ist es Nacht in Rom. Mystère (Carole Bouquet), das Edelcallgirl, wartet nicht lange auf Kundschaft. Sie geht zu einem Deutschen (Peter Berling) ins Hotel, um ihre Dienste anzubieten. Am nächsten Tag wird der Deutsche ermordet aufgefunden, und Mystère entgeht nur knapp einem Mordanschlag. Die Schöne ahnt nicht, dass sie ein wichtiges Beweismittel gegen den Attentäter besitzt. Sie wird von der Polizei, Geheimdiensten und der Mafia gejagt. Und von ihrem Mörder, der ihr immer näher kommt... [Quelle: Atlas Video]
"Er ist Deutscher, reich und fett."
MYSTERE entpuppt sich als ein feiertagsfreier Giallo aus dem Jahr 1983, der unter der Regie von Carlo Vanzina entstand, der auch zusammen mit seinem Bruder Enrico Vanzina das Drehbuch verfasste. Genauer gesagt, entsprechen nur die ersten fünfzig Minuten des Films einem klassischen Giallo-Thriller, während das letzte Drittel sich vielmehr dem Spionagethriller widmet. Eingebettet wurde diese filmische Melange wiederum in einen übergeordneten Politthriller-Plot, bevor Carlo Vanzina das Ganze abschließend mit einem Hauch an Softerotik abgerundet wurde. Was den Handlungsverlauf betrifft, so wurde dieser episodenhaft gestaltet: Zur Eröffnung gibt es einen Epilog, in dem ein Mord an einem Politiker gezeigt wird, wobei das Szenario dem JFK-Attentat sehr ähnelt. Nebenbei werden auch Peter Berling, der in der Rolle eines deutschen Fotografen (Reinhardt) den Killer mit seiner Kamera ablichtete, sowie die beiden von Carole Bouquet und Janet Agren verkörperten Edelprostituierten Mystère und Pamela in die Handlung eingeführt, die sich allesamt im Hotelzimmer des Deutschen für eine 'Ménage à trois' zusammenfinden. Dabei entwendet Pamela ein wertvolles Feuerzeug, ohne zu wissen, dass sich darin das Negativ mit dem kompromittierenden Bildmaterial befindet, welches der Fotograf zu Geld machen wollte, und versteckt dieses in der Handtasche von Mystère (an dieser Stelle musste ich unweigerlich an den Anfang von Dario Argentos SLEEPLESS denken). Während Reinhardt noch in der gleichen Nacht von einem unbekannten Killer ermordet wird, ereilt Pamela am nächsten Tag das gleiche Schicksal. Nachdem der Epilog mit dem Mord an dem Fotografen abgeschlossen wird, folgt der episodenhaft gestaltete Hauptteil des Films, der wiederum in einzelne Tage gegliedert wurde, in denen das weitere Geschehen von nun an abgehandelt wird. Während der Killer von da an Mystère auf den Fersen ist, verbündet sich die Edelprostutierte mit einem draufgängerischen Cop, "der in der Mordkomission von allen nur 'Colt' genannt wird", um gemeinsam die geheimnisvolle Identität des Täters aufzudecken. Am Ende folgt dann noch ein Prolog, in dem der übergordnete Politthriller-Plot abgeschlossen wird.
Letztlich handelt es sich bei MYSTERE um einen familientauglichen und feiertagsfreien Spät-Giallo, dessen Grad an Gewalt und Erotik deutlich moderater ist als erwartet. Nacktszenen sind hier völlig Fehl am Platz, denn entweder zeigen die beiden Edelprostituierten dem Zuschauer nur ihren nackten Rücken oder üben ihren Job bekleidet aus. Ansonsten gestaltet sich der episodenhafte Handlungsverlauf leicht verständlich, der Killer nutzt als Mordwerkzeug den gleichen Gehstock mit ausfahrbarer Klinge, wie Karl Malden in DAS GEHEIMNIS DER NEUNSCHWÄNZIGEN KATZE und überall erinnern Schulterpolster und biedere Kleidungsstücke an die 80er-Jahre, von deren Zeitkolorit der Film durchflutet wurde. Und ein Nunchaku-schwingender Polizist ist natürlich auch mit von der Partie. Alles in Allem ein „kompetentes, aber inhaltsleeres Genreprodukt“, wie der italienische Filmhistoriker Roberto Curti den Streifen in seinem Buch „Italian Giallo in Film and Television“ beschrieb.
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