SCILLA GABEL

Leinwandsternchen und verkannte Stars im Blickpunkt
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Prisma
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SCILLA GABEL

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SCILLA GABEL

[*04. Januar 1938]

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Prisma hat geschrieben:
Die Film-, Fernseh- und Bühnenkarriere der aus Rimini stammenden Schauspielerin Gianfranca "Scilla" Gabel erstreckt sich über einen Zeitraum von nahezu 40 Jahren, in denen sie als eine der faszinierendsten und willensstärksten Schönheiten Europas präsent war. Ihr Typ wirkte anziehend und von einer stolzen Unabhängigkeit geprägt, sodass sie im breiten Spektrum vom opulenten Monumentalfilm bis zum klassischen Bühnendrama glänzen und stets überzeugen konnte. Nach ersten Gehversuchen im italienischen Kino der späten 1950er-Jahre bot ihr eine mutige optische Veränderung schnell den eigenständigen Durchbruch und die Möglichkeit, ihre markante, katzenartige Aura im europäischen Spitzenkino zu platzieren. Vorwiegend als elegante Femme fatale und exotische Verführerin besetzt, hielten auch Hollywood und das internationale Kino publikumswirksame Hauptrollen für sie bereit, sodass die Filmindustrie sie gezielt als neue und aufregende Sandalenfilm-Diva vermarktete – ein Image, von dem sich die skandalfreie Charakterdarstellerin jedoch bald wieder emanzipierte. Scilla Gabel verlagerte ihren Schwerpunkt ab den späten 1960er-Jahren zunehmend auf anspruchsvolle Theaterbühnen und das italienische Qualitätsfernsehen, wo sie bis zu ihrem selbstbestimmten Rückzug im Jahr 1988 in europäischen Produktionen bis hin zu psychologischen Krimiserien aktiv blieb.


Hinter dem eleganten Künstlernamen Scilla Gabel - der sich in italienischer Aussprache wie folgt anhört: [ˈʃilla ɡaˈbɛl] - verbirgt sich die gebürtige Italienerin Gianfranca Gabellini. Das glamourös klingende Pseudonym war von Anfang an als ein kalkulierter Befreiungsschlag zu werten. Die junge Frau hatte die perfekte Konstitution, das dunkle Haar und einen dem Empfinden nach hypnotisierenden Blick. Doch genau diese Attribute wurden ihr fast zum Verhängnis, denn ihre verblüffende Ähnlichkeit mit Sophia Loren wurde als so immens gewertet, dass die Filmwelt sie anfangs nur als bloße Kopie akzeptieren wollte. Es brauchte schließlich einen radikalen Schnitt und diesen neuen Namen, damit aus der perfekten Kopie eine eigenständige und gefeierte Ikone des europäischen Kinos werden konnte. Ihr Eintritt in die Filmwelt erfolgte Mitte der 1950er-Jahre nach einem begonnenen Jurastudium und einer klassischen Schauspielausbildung an der renommierten Accademia Nazionale d'Arte Drammatica in Rom. Doch anstatt für ihr schauspielerisches Talent wurde sie sofort für ihren Körper engagiert. 1957 doubelte sie Sophia Loren in dem Hollywood-Abenteuerfilm "Der Knabe auf dem Delphin" für die gefährlichen und freizügigen Szenen. Dies führte direkt in die erste große mentale Durststrecke ihrer Karriere. Überlieferungen zufolge litt Gabel massiv unter dieser Identitätskrise und der Tatsache, in der Industrie keine eigene künstlerische Existenz zugesprochen zu bekommen. Um dieser lähmenden Situation zu entkommen, traf sie die für die damalige Zeit bemerkenswerte Entscheidung, sich einer Schönheitsoperation im Gesicht zu unterziehen, um ihre markantesten Loren-Züge bewusst zu brechen. In einer Ära, in der Schönheitschirurgie noch ein absolutes Tabu war, stieß dieser Schritt in der Boulevardpresse auf Unverständnis und wurde intensiv und durchaus kontrovers diskutiert. Für Gabel war es jedoch weniger ein Akt der Eitelkeit, sondern ein potenzieller Befreiungsschlag, um ihre eigene Identität nachhaltig zu platzieren und dieser Schritt sollte glücken. In den goldenen 1960er-Jahren eroberte sie das europäische Spitzenkino im Sturm und drehte ununterbrochen in internationalen Co-Produktionen, wurde so auch beim deutschen Publikum zu einem temporär gängigen Begriff. Nach der optischen Transformation entwickelte sie eine ganz eigene und betörende Präsenz auf der Leinwand, die auch heute noch wirkt. Ihr voller, opulenter Körper im Stil der klassischen und sogenannten Maggiorata stand nun im reizvollen Kontrast zu einem markanten, fast aristokratischen und nicht selten nachdenklich wirkenden Gesicht mit extrem hohen, gemeißelten Wangenknochen und hungrigen, katzenartigen Augen.

Diesen Typ inszenierte sie meisterhaft durch ein ikonisches Sixties-Styling. Ein beinahe dramatischer Lidstrich betonte ihren tiefen Blick, während sie frisurentechnisch mutig zwischen dunklem Haar und platinblonden, hochtoupierten Kreationen hin und her pendelte. Ob an der Seite von Sean Connery in "Tarzans größtes Abenteuer" aus dem Jahr 1959 oder im 1962 entstandenen Monumentalepos "Sodom und Gomorrha" – sie zog die Blicke auf sich und die Zuschauer in ihren Bann. Doch anscheinend fühlte sich Gabel im engen Korsett des reinen Sexsymbols zunehmend unwohl. Als das europäische Kino Ende der 1960er-Jahre immer freizügiger wurde und von seinen Darstellerinnen mehr Zeigefreudigkeit verlangte, verweigerte sie sich diesem Trend konsequent. Sie entschied sich dagegen, eine bloße Projektionsfläche zu sein, und emanzipierte sich mutig vom verruchten Image des Vamps. Nach harmlosen Ausflügen in die Mode-Satire "Bel Ami 2000" von 1966 und einem ästhetisch verhüllten Cover für den US-Playboy zog sie die Reißleine. Sie verließ die Kinoleinwand fast vollständig und wechselte zum anspruchsvollen Theater und dem öffentlich-rechtlichen Qualitätsfernsehen der RAI. Dass diese Entscheidung richtig war, bemerkte auch das Publikum, denn ihr glanzvoller Triumph als Helena im bildgewaltigen Kulturepos "Die Odyssee" aus dem Jahr 1967 bescherte ihr endlich das lang ersehnte Lob der Kritiker für ihre wahre darstellerische Tiefe. Bemerkenswerterweise galt Scilla Gabel in der oft fordernden Filmwelt als eine der großen, skandalfreien Ausnahmen. Während das breite Spektrum der Boulevardmedien von Affären ihrer Kolleginnen lebte, trennte sie Berufliches und Privates strikt und demonstrierte eine ungewöhnliche Diskretion. Skandale lebte sie nach eigener Aussage ausschließlich im Drehbuch aus. Nach ihrer Heirat mit dem Regisseur Piero Schivazappa Ende der 60er wurden ihre Auftritte seltener und gezielter, bis sie nach späten Fernseherfolgen wie "Quei 36 gradini" und "Festa di Capodanno" mit gerade einmal 50 Jahren einen endgültigen, aber selbstbestimmten Schlussstrich unter ihre Karriere zog. Selbst eine späte, tiefe Familientragödie im Jahr 1999 – der gewaltsame Tod ihres Vaters Giuseppe Gabellini – brachte sie nur kurz unverschuldet zurück in die Schlagzeilen. Nach dem Tod ihres Ehemanns Piero Schivazappa im Dezember 2017 lebt Scilla Gabel heute weiterhin völlig zurückgezogen in Italien. Sie meidet Talkshows oder Autobiografien und hinterlässt das Porträt einer stolzen Schönheit, die den Glamour meisterhaft beherrschte, aber stets die Würde eines privaten Lebens über den flüchtigen Ruhm der Branche stellte. So gehört Gabel mitunter zum Interessantesten, was das italienische Besteck zu bieten hatte.

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Prisma
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● SCILLA GABEL als LA TIGRA in
WIE TÖTET MAN EINE DAME? (|D|A|I|1966)



Im Jahr 1966 befand sich die italienische Schauspielerin Scilla Gabel auf dem absoluten Zenit ihres cineastischen Schaffens. Mit der Routine und schauspielerischen Souveränität aus bereits rund 45 Filmproduktionen füllt sie in dem Agentenkrimi "Wie tötet man eine Dame?" die Rolle der eiskalten Killerin La Tigra aus; ein Name der wie präziseste Eurospy-Poesie klingt. Die Aura der verführerischen Blondine wirkt dabei wie ein Wechselbad zwischen eiskalt und kochend heiß, sodass sie es im Vorbeihuschen versteht, das wohl vorwiegend männliche Publikum in die Tasche zu stecken. Gabel liefert hier das Paradebeispiel für den Typus der sadistischen Handlangerin, die im Zuge der weltweiten James-Bond-Welle die Kinoleinwände erobern konnte, da man oft keine bloßen Maschinen angeboten bekam. Weit davon entfernt, eine bloße, austauschbare Dekoration für die tonangebenden Hauptdarsteller zu sein, etabliert sie sich als das stilvolle und zugleich physisch brutalste Gesicht des kriminellen Syndikats "Das Auge". Geheimorganisationen wie diese hatten seinerzeit Hochkonjunktur, sodass Interpretinnen wie Scilla Gabel die Möglichkeiten bekamen, sich innerhalb roter Fäden entsprechender Skripte richtig auszutoben. Die Performance der Italienerin lebt dabei von einer hochgradig kalkulierten Körpersprache. Sie kokettiert lasziv mit ihrer Attraktivität und nutzt ihr sexy Styling gezielt als gewinnbringendes Machtinstrument. Besonders prägnant ist ihr wiederkehrendes Spiel mit der auffällig gestylten Frisur. Indem die Haare im ikonischen 60er-Jahre-Look oft ein Auge verdecken, nutzt sie den vielsagenden Kopfwurf, um im entscheidenden Moment einen stechenden oder vielmehr dominanten Blick freizugeben. La Tigra weiß nur zu genau, was sie zu bieten hat. Ihre Über-Femininität ist keine ausgesprochene Schwachstelle, sondern eine Waffe. Sie ist keine willenlose, maskulin wirkende Kampfmaschine, sondern bleibt in jedem Moment primär eine stolze, selbstbewusste Frau, die die Regeln der Verführung, Offerten und der Bedrohung eigenhändig diktiert. Innerhalb des weiblichen Figurenensembles nimmt La Tigra die Position der primären Antagonistin ein und steht dramaturgisch in der Hierarchie direkt als Nummer zwei hinter der eigentlichen Heldin Sandra, die von Karin Dor ebenfalls starke Konturen bekommt. So bildet Gabel den perfekten Gegenentwurf zu den klassischen Frauenrollen jener Ära, wenngleich sie sich dem Schema der Schablonen des Eurospy-Genres anpasst.

Während Karin Dor das passive und wie so oft unschuldige Opfer verkörpert, agiert Gabel als hochgradig offensive Jägerin. Gegenüber Erika Remberg, die als emotional abhängiger Spielball der Männer der Organisation gezeichnet wird, bleibt La Tigra emotional unnahbar und auch unerbittlich im direkten Umgang. Im direkten Kontrast zu der von Erika Remberg gespielten Stewardess, die im Angesicht des Verbrechens Nerven zeigt und kläglich versagt, demonstriert Gabel eine unbarmherzige und kriminelle Professionalität. Die aggressive Attitüde der Figur kristallisiert sich in der für den Verlauf schon legendären Konfrontation mit der angezählten Flugbegleiterin heraus. Als Tigra von ihrer Kontrahentin eine Ohrfeige erhält und als Miststück beleidigt wird, reagiert sie nicht mit Schock, sondern belächelt den physischen Angriff mit einer überheblichen, fast erotisierten Amüsiertheit. Die Aggression scheint sie psychologisch gesehen erst richtig auf Touren zu bringen und aktiviert ihre sadistische Lust am bevorstehenden Spiel. Erst als ihr im Zuge der Auseinandersetzung ihre Bluse zerrissen wird, kippt diese sadomasochistische Dynamik augenblicklich in rachsüchtige Wut um. Eine Verletzung ihrer eitlen, makellosen Fassade wiegt für sie weitaus schwerer als ein physischer Schlag. Der anschließende Blick auf die beschädigte Kleidung triggert einen finalen Schusswechsel mit der Maschinenpistole, bei dem sie das wehrlose Opfer gezielt verletzt. Ihre ausgeprägte boshafte Ader ergibt sich hierbei direkt aus dem Zusammenspiel von erotischer Machtdominanz und verletztem Narzissmus. Die Grausamkeit dient nicht nur der Festigung ihrer Position im männlich dominierten Syndikat, sondern speist sich aus der Lust an breit angelegter Erniedrigung. Mitleid existiert für sie nicht; Gewalt ist sowohl Werkzeug als auch privates Vergnügen. Dramaturgisch weist diese Szene, in der Tigra den großen Boss explizit darum bittet, der Stewardess das Köpfchen waschen zu dürfen, eine auffällige Parallele auf. Sie erinnert hierbei etwa stark an Tsai Chin in ihrer Rolle als Lin Tang – die unmenschliche Tochter der zeitgenössischen "Fu Man Chu"-Filme des ungefähr gleichen Zeitfensters. Ähnlich wie Lin Tang, die ihren Vater lustvoll und ergeben um die Erlaubnis zur Folterung bittet, wartet auch Gabel nicht stumpf einem Befehl, denn sie will ihr privates Vergnügen. Der Sadismus wird hier nicht als lästige Pflicht, sondern als ein vom Anführer gewährtes und dabei hochgradig privilegiertes Vergnügen inszeniert, das die weibliche Schurkin für sich reklamiert.

In dieser Szene übertrifft sich Scilla Gabel buchstäblich selbst. In engem Look, breitbeinig und mit Maschinenpistole auf einem Felsvorsprung stehend, orchestriert sie die Angst ihrer gefesselten Kontrahentin in für sie unerträgliche Sphären. Der Spaß scheint dabei ganz auf La Tigras Seite zu sein. Hier wird klar, dass sie noch nicht vorhatte, sie zu liquidieren, sondern sie in den Radius der Willenlosigkeit zu bringen, was anschließend durch die Kunst der Gehirnwäsche veredelt wird. Dass "Wie tötet man eine Dame?" weit mehr als nur ein lokaler Kriminalfilm war, zeigt seine enorme internationale Reichweite als aufwändige europäische Co-Produktion. Entstanden an exotischen Schauplätzen, bediente der Film den globalen Hunger nach dem sogenannten Eurospy-Kino. Dies spiegelt sich übrigens auch eindrucksvoll in den weltweiten Verleihtiteln wider. In diesem globalen Markt setzte Scilla Gabel mit ihrer Darstellung der La Tigra ein bemerkenswertes Ausrufezeichen. Sie verleiht einem nicht selten stereotypen Drehbuch-Klischee durch das Spiel mit Eitelkeit, Sadismus und unerschütterlicher Weiblichkeit ein unvergessliches, aber vor allem emanzipiertes Gesicht des Bösen. Gerne hätte man mehr in diese Richtung gesehen, doch der wahre weibliche Star der Produktion trägt eben den Namen Karin Dor. Gerade in der heutigen Zeit, in der das Genrekino der 1960er-Jahre gerne als verstaubt oder eindimensional kritisiert wird, liefert Scilla Gabel zumindest den darstellerischen Gegenbeweis. Man sollte sich diesen Film schon alleine wegen ihrer Performance anschauen, da sie ein aufregendes Dokument weiblicher Inszenierungskunst in einer damals vornehmlich von Männern dominierten Filmwelt ist. Während viele Krimis dieser Ära weniger gut gealtert sind, brennt sich Gabel mit einer zeitlosen, modernen, und völlig anziehenden Energie ins Gedächtnis des Zuschauers. Ihre Darstellung beweist eindrucksvoll, dass eine Femme fatale keine passive Verführerin sein muss, um das Publikum restlos zu fesseln, sondern durch die feine Balance aus unerschütterlicher Willensstärke, krimineller Spielfreude und physischer Präsenz zur unangefochtenen Attraktion des gesamten Films werden kann. Wer erleben möchte, wie eine Schauspielerin auf dem absoluten Zenit ihres Könnens ein recht starres Drehbuch-Klischee genüsslich sprengt und den namhaften Co-Stars mühelos auf Augenhöhe begegnet, für den ist dieser Film dank dieser hungrigen Raubkatze ein absolutes Pflichtprogramm, welches man sich durchaus auch häufiger anschauen kann.

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