● DER SCHWARZE NAZI (D|2014)
mit Aloysius Itoka, Judith Jacobs, Christian Weber, Bernd-Michael Baier, Gerd Ahlemann, Martina Krompholz, Rage, Michael Specht,
Brian Völkner, Milka, Willie Wildgrube, Gert Adelski, Alexander Gamnitzer, Thorsten Link, Ursula Mraja, Katja Preuß, Claudia Plöckl
ein 2Könige Film | 99pro independent | Cineart | im Verleih der Cinemabstruso
ein Film von Tilman König und Karl-Friedrich König
»Ich habe ja nichts gehen Ausländer, aber das solltest du dir überlegen!«
Der aus dem Kongo stammende Sikumoya Mumandi (Aloysius Itoka) lebt in Sachsen. Er liebt die deutsche Kultur über alles, spricht fehlerfreies Deutsch und kennt Goethe bis Schiller auswendig. Trotz seiner extremen Anpassung erfährt er im Alltag immer wieder offenen Rassismus. Die Situation eskaliert, als er von Rechtsradikalen brutal zusammengeschlagen wird. Als Sikumoya nach dem Koma wieder im Krankenhaus aufwacht, ist sein Wesen komplett verändert, sodass er die Vorurteile seiner Angreifer durch das Trauma tief verinnerlicht hat. Er beginnt, die Ideologie der rechten Szene noch radikaler zu leben als die Neonazis selbst und gründet eine eigene Bürgerbewegung. Damit stellt er die lokale rechte Szene komplett auf den Kopf und konfrontiert sie mit ihren eigenen Widersprüchen …
Betrachtet man den recht bizarr klingenden Titel dieser Produktion, die noch mit der unbarmherzigsten satirischen Schärfe vorgehen wird, stellt sich zunächst die simple Frage, wie denn ein schwarzer Nazi wohl aussehen mag. Bezieht sich die farbliche Einschätzung auf dessen Seele, seine ihn kenntlich machende Kleidung oder absurderweise doch auf seine Hautfarbe? Die Satire kämpft naturgemäß mit den scharfen Schwertern und Stilmitteln der Übertreibung und Narrenfreiheit, ohne sich jedoch zu reinen Spaßveranstaltungen zu degradieren. Sie erlaubt sich den angebrachten Luxus, ihre in Salz getränkten Finger in die Wunden der Zeit und Gesellschaft zu legen, bestehende Verhältnismäßigkeiten kurzerhand umzudrehen, Klischees pointiert aufleben zu lassen und sie auf die Spitze zu treiben, um sie auf diejenigen Adressaten zu übertragen, die zu kritisieren sind. Politische Gesinnungen beziehungsweise Entgleisungen werden hier in geistreicher Weise angeprangert, deren Vertreter erscheinen dabei ebenfalls wandelnde Klischees zu sein, was aber genauso für die vielen Normalbürger oder Leute gilt, die sich als innocent bystander identifizieren. Doch handelt es sich überhaupt um solche, oder bekommt das Publikum durch immer wieder überspitzt wirkende Tendenzen eine am Ende existierende Realität simuliert? Bezüglich des posttraumatischen Zustandes der Hauptperson anscheinend nicht, aber anhand seines überaus trostlos wirkenden Umfeldes vielleicht schon. Hier durchleuchtet die Regie-Doppelspitze die Stolperfallen und Fallstricke des Alltages episodisch. Ob in Behörden, beim Deutschkurs, dem Kaffeekränzchen mit den Eltern seiner Freundin, den namenlosen Gaffern in der Straßenbahn oder eindimensional lebenden und denkenden Parteigenossen einer kleinen rechtsgerichteten Splitterpartei; für die Titelfigur ist der Alltag hart und meistens trostlos, wenngleich er kämpferisch gelöst wird. Lediglich das Zusammensein seiner Freundin Moni deutet auf eine erfrischende Bedingungslosigkeit hin, die jedoch zu oft isoliert wirkt, da sie in den Augen vieler anderen permanent strapaziös sein dürfte und die rühmliche Ausnahme in 24/7 darstellt. Ein aus dem Kongo stammender Mann ist im Osten Deutschlands gelandet. Er ist Lehrer, oder besser gesagt war es, doch seine prestigeträchtige Berufsbezeichnung wird hierzulande nicht anerkannt. Weder von Behörden, noch von außenstehenden. Vielmehr wird er zum dummen Schüler degradiert, da er die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten möchte. Dabei wäre er der Definition gewisser Gruppierungen nach bereits ein guter Deutscher, vielleicht sogar ein besserer als diejenigen, die sein Umfeld unsicher machen.
Aber auch hier hängen Zugehörigkeit und Akzeptanz wie schon in "Der Hauptmann von Köpenick" von Papieren ab und in diesem Fall noch von viel mehr. Szenen des Zusammenlebens zwischen Sikumoya und Moni wirken trügerisch harmonisch, sie kennt keine falschen Bescheidenheiten oder Schmeicheleien, sodass Augenhöhe zu erkennen ist. Eindrücke aus dem Leben da draußen zeichnen jedoch ganz andere Maßstäbe: Hass, Angst, Skepsis, Dogmatismus, Vorurteile. Auf einem öffentlichen Platz hat eine lächerliche Partei namens Nationale Patrioten Ost (NPO) ihren Infostand aufgebaut. Bald ist es wie im Märchen: Es war einmal ein Vater, der hatte einen Sohn und eine kleine Gefolgschaft. Im Kollektiv brachten sie es nicht auf die Intelligenz des alten. Sie wollten ihm gefallen. Sie brachten sich in Einklang. Sie gründeten eine Partei, trugen seine Pamphlete wie eine Monstranz vor sich her. Naja, und wenn sie nicht gestorben sind, dann machen sie auch heute noch Wahlkampf. Wenig später prügelten sie einen Kongolesen ins Koma und machten ihn unbeabsichtigt zum Nazi. Ab diesem Zeitpunkt nimmt der Verlauf eine äußerst brisante Wendung, da alles auf den Kopf gestellt wird. Sikumoya wird zum Steigbügelhalter und Sprachrohr der Partei, in die er auch aufgenommen wird. Benutzt, instrumentalisiert, zweckentfremdet, Eigenleben entwickelnd. Der Neue hat allerdings auch das, was die debilen Köpfe der Führung nicht haben: Redegewandtheit, Grips, Courage, Unerschrockenheit und Rücksichtslosigkeit. So steigt er zum Integrationsbeauftragten einer rechtsradikalen Gruppierung auf, die bislang niemanden hinterm Ofen vorlocken konnte, außer den üblichen Gestalten. Was ab sofort passiert, ist für das Publikum nur schwer zu ordnen und einfach kaum zu glauben. In einer Melange aus kühner Überspitztheit und schwer zu begreifenden Anleihen aus dem braunen Alltag entstehen waghalsige Dialoge, Verhaltensweisen und Konsequenzen, die einen beinahe sprachlos zurücklassen, jedoch von ihrer Struktur und Auslegung her amüsieren. Zum großen Teil mitverantwortlich hierfür zeichnet sich die schauspielerische Entourage, die wenig Hemmungen zeigt, um bei aller satirischen Würze dennoch glaubhaft zu erscheinen. Konzipiert als genialer Drahtseilakt, steckt man die vielen Überspannungen des Bogens locker weg und malt sich noch im Dunkeln tappend aus, wie diese Geschichte wohl gütlich enden mag. Merke: Es ist egal, wer eigentlich vor einem steht, ganz gleich, wer Reden schwingt, lügt, frohlockt und droht, Hauptsache, die Massen können irgendwie mobilisiert werden. Am Ende bleibt ein Kulturschock der besonderen Art stehen, auch wenn die Auseinandersetzung wie üblich einem Kampf gegen Windmühlen gleichkommt.
Betrachtet man den recht bizarr klingenden Titel dieser Produktion, die noch mit der unbarmherzigsten satirischen Schärfe vorgehen wird, stellt sich zunächst die simple Frage, wie denn ein schwarzer Nazi wohl aussehen mag. Bezieht sich die farbliche Einschätzung auf dessen Seele, seine ihn kenntlich machende Kleidung oder absurderweise doch auf seine Hautfarbe? Die Satire kämpft naturgemäß mit den scharfen Schwertern und Stilmitteln der Übertreibung und Narrenfreiheit, ohne sich jedoch zu reinen Spaßveranstaltungen zu degradieren. Sie erlaubt sich den angebrachten Luxus, ihre in Salz getränkten Finger in die Wunden der Zeit und Gesellschaft zu legen, bestehende Verhältnismäßigkeiten kurzerhand umzudrehen, Klischees pointiert aufleben zu lassen und sie auf die Spitze zu treiben, um sie auf diejenigen Adressaten zu übertragen, die zu kritisieren sind. Politische Gesinnungen beziehungsweise Entgleisungen werden hier in geistreicher Weise angeprangert, deren Vertreter erscheinen dabei ebenfalls wandelnde Klischees zu sein, was aber genauso für die vielen Normalbürger oder Leute gilt, die sich als innocent bystander identifizieren. Doch handelt es sich überhaupt um solche, oder bekommt das Publikum durch immer wieder überspitzt wirkende Tendenzen eine am Ende existierende Realität simuliert? Bezüglich des posttraumatischen Zustandes der Hauptperson anscheinend nicht, aber anhand seines überaus trostlos wirkenden Umfeldes vielleicht schon. Hier durchleuchtet die Regie-Doppelspitze die Stolperfallen und Fallstricke des Alltages episodisch. Ob in Behörden, beim Deutschkurs, dem Kaffeekränzchen mit den Eltern seiner Freundin, den namenlosen Gaffern in der Straßenbahn oder eindimensional lebenden und denkenden Parteigenossen einer kleinen rechtsgerichteten Splitterpartei; für die Titelfigur ist der Alltag hart und meistens trostlos, wenngleich er kämpferisch gelöst wird. Lediglich das Zusammensein seiner Freundin Moni deutet auf eine erfrischende Bedingungslosigkeit hin, die jedoch zu oft isoliert wirkt, da sie in den Augen vieler anderen permanent strapaziös sein dürfte und die rühmliche Ausnahme in 24/7 darstellt. Ein aus dem Kongo stammender Mann ist im Osten Deutschlands gelandet. Er ist Lehrer, oder besser gesagt war es, doch seine prestigeträchtige Berufsbezeichnung wird hierzulande nicht anerkannt. Weder von Behörden, noch von außenstehenden. Vielmehr wird er zum dummen Schüler degradiert, da er die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten möchte. Dabei wäre er der Definition gewisser Gruppierungen nach bereits ein guter Deutscher, vielleicht sogar ein besserer als diejenigen, die sein Umfeld unsicher machen.
Aber auch hier hängen Zugehörigkeit und Akzeptanz wie schon in "Der Hauptmann von Köpenick" von Papieren ab und in diesem Fall noch von viel mehr. Szenen des Zusammenlebens zwischen Sikumoya und Moni wirken trügerisch harmonisch, sie kennt keine falschen Bescheidenheiten oder Schmeicheleien, sodass Augenhöhe zu erkennen ist. Eindrücke aus dem Leben da draußen zeichnen jedoch ganz andere Maßstäbe: Hass, Angst, Skepsis, Dogmatismus, Vorurteile. Auf einem öffentlichen Platz hat eine lächerliche Partei namens Nationale Patrioten Ost (NPO) ihren Infostand aufgebaut. Bald ist es wie im Märchen: Es war einmal ein Vater, der hatte einen Sohn und eine kleine Gefolgschaft. Im Kollektiv brachten sie es nicht auf die Intelligenz des alten. Sie wollten ihm gefallen. Sie brachten sich in Einklang. Sie gründeten eine Partei, trugen seine Pamphlete wie eine Monstranz vor sich her. Naja, und wenn sie nicht gestorben sind, dann machen sie auch heute noch Wahlkampf. Wenig später prügelten sie einen Kongolesen ins Koma und machten ihn unbeabsichtigt zum Nazi. Ab diesem Zeitpunkt nimmt der Verlauf eine äußerst brisante Wendung, da alles auf den Kopf gestellt wird. Sikumoya wird zum Steigbügelhalter und Sprachrohr der Partei, in die er auch aufgenommen wird. Benutzt, instrumentalisiert, zweckentfremdet, Eigenleben entwickelnd. Der Neue hat allerdings auch das, was die debilen Köpfe der Führung nicht haben: Redegewandtheit, Grips, Courage, Unerschrockenheit und Rücksichtslosigkeit. So steigt er zum Integrationsbeauftragten einer rechtsradikalen Gruppierung auf, die bislang niemanden hinterm Ofen vorlocken konnte, außer den üblichen Gestalten. Was ab sofort passiert, ist für das Publikum nur schwer zu ordnen und einfach kaum zu glauben. In einer Melange aus kühner Überspitztheit und schwer zu begreifenden Anleihen aus dem braunen Alltag entstehen waghalsige Dialoge, Verhaltensweisen und Konsequenzen, die einen beinahe sprachlos zurücklassen, jedoch von ihrer Struktur und Auslegung her amüsieren. Zum großen Teil mitverantwortlich hierfür zeichnet sich die schauspielerische Entourage, die wenig Hemmungen zeigt, um bei aller satirischen Würze dennoch glaubhaft zu erscheinen. Konzipiert als genialer Drahtseilakt, steckt man die vielen Überspannungen des Bogens locker weg und malt sich noch im Dunkeln tappend aus, wie diese Geschichte wohl gütlich enden mag. Merke: Es ist egal, wer eigentlich vor einem steht, ganz gleich, wer Reden schwingt, lügt, frohlockt und droht, Hauptsache, die Massen können irgendwie mobilisiert werden. Am Ende bleibt ein Kulturschock der besonderen Art stehen, auch wenn die Auseinandersetzung wie üblich einem Kampf gegen Windmühlen gleichkommt.