● ODISSEA / DIE ODYSSEE / L'ODYSSÉE (I|D|F|1967)
in den Hauptrollen | Bekim Fehmiu | Irene Papas | Reynaud Verley | Roy Purcell | Marina Berti | Scilla Gabel | Barbara Bach | Juliette Mayniel | Fausto Tozzi | Karl-Otto Allberty
eine Produktion der Dino de Laurentiis Cinematografica | Bavaria Film | O.R.T.F. | im Auftrag der RAI
ein Mehrteiler von Franco Rossi
Die europäische Co-Produktion "Die Odyssee" aus dem Jahr 1967 gilt als eine der werktreuesten und visuell beeindruckendsten Verfilmungen von Homers antikem Epos. Das Projekt war eine logistische und finanzielle Herausforderung, die vor allem von der italienischen Sendeanstalt RAI unter der Leitung des Großproduzenten Dino De Laurentiis angeführt wurde. Um das damals immens hohe Produktionskostenrisiko zu verteilen, schlossen sich das deutsche ZDF über die ausführende Bavaria Film sowie das französische Fernsehen an. Das Mammutprojekt wurde komplett in Farbe gedreht, obwohl das Farbfernsehen in Europa gerade erst in den Kinderschuhen steckte, wodurch die Serie für das ZDF zu einem der ersten großen Farb-Prestigeprojekte avancierte. Diese Zusammenarbeit spiegelte sich auch in der Besetzung wider, bei der man bewusst auf etablierte Hollywood-Gesichter verzichtete und stattdessen auf Charakterköpfe wie den jugoslawischen Hauptdarsteller Bekim Fehmiu als Odysseus und die griechische Tragödin Irene Papas als Penelope setzte. Da die Schauspieler am Set alle in ihrer jeweiligen Muttersprache sprachen, musste die vollständige Synchronisation per Nachbearbeitung in den jeweiligen Ländern gelöst werden. Gedreht wurde mit enormem finanziellem Aufwand an Originalschauplätzen der jugoslawischen Mittelmeerküste. Für die damalige Zeit untypisch baute man historisch exakte Schiffe der Bronzezeit nach und verzichtete auf künstliche Kulissen, was dem Werk eine fast dokumentarische und zeitlose visuelle Authentizität verleiht. Die dichte Atmosphäre wird durch einen erklärenden Off-Kommentar unterstützt, der fast ausschließlich die originalen Verse der Übersetzung von Johann Heinrich Voß nutzt. Hinzu kommt der ungewöhnliche und melancholisch wirkende Soundtrack von Carlo Rustichelli, der etwa die Einsamkeit auf dem Meer oder die spannenden Intervalle zu betonen weiß. Für die legendäre Zyklopen-Szene verpflichtete man den ehemaligen Wrestler Samson Burke als Polyphem, der stundenlang in der Maske verweilen musste, während Regisseur Mario Bava mit verzerrten Kameralinsen und Spiegeltricks arbeitete, um ihn gigantisch und überwältigend wirken zu lassen. Mit dem Gesamtkonzept wurde erwartungsgemäß ein Riesenerfolg erzielt und man brach alle Rekorde. In Italien erreichte die sechsteilige Originalfassung über 16 Millionen Zuschauer pro Folge, während die für das ZDF auf vier Teile gekürzte Version im Jahr 1969 ebenfalls zum absoluten Straßenfeger wurde. Produzent De Laurentiis optimierte die Einnahmen zusätzlich, indem er das Material geschickt zu einem zweistündigen Monumentalfilm zusammenschneiden ließ, der im Mittelmeerraum Millionen an den Kinokassen einspielte. Durch die Langlebigkeit des Stoffs und den weltweiten Export in Dutzende Länder - zum Beispiel auch für den Einsatz im Bildungsbereich - spielte die Serie ihre enormen Produktionskosten um ein Vielfaches wieder ein, sodass sich nicht nur ein neuer Standard für historische Fernsehprojekte etablierte, sondern auch ein Modellcharakter für zukünftige Produktionen. Beeindruckend.