DÜSTERE LEGENDEN 3 - Mary Lambert

Slasher, Backwood, Grusel oder auch herber Splatter: der Platz für die dunkle Seite des amerikanischen Films
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Prisma
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DÜSTERE LEGENDEN 3 - Mary Lambert

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● URBAN LEGENDS: BLOODY MARY / DÜSTERE LEGENDEN 3 (US|2005)
mit Kate Mara, Robert Vito, Tina Lifford, Ed Marinaro, Michael Coe, Audra Lea Keener, Olesya Rulin,
Don Shanks, Hailey Smith, Jeff Olson, Nate Herd, Brandon Sacks, Haley McCormick und Lillith Fields
eine Produktion der NPP | Screen Gems
Ein Film von Mary Lambert

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»Das war keine Gespenstergeschichte!«


Die Schülerin Samantha Owens (Kate Mara) gerät wegen ihrer kritischen Artikel über die unfaire Football-Klicke um Buck Jacoby (Michael Coe) ins Abseits. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Mindy (Olesya Rulin) und Gina (Haley McCormick) veranstaltet sie eine Pyjamaparty, bei der die Mädchen aus einer Laune heraus den Rachegeist von Mary Banner (Lillith Fields) – bekannt als Bloody Mary – im Spiegel beschwören. Als die drei Teenagerinnen am nächsten Morgen ohne jede Erinnerung in einer verlassenen Mühle aufwachen, bricht an der Highschool eine unheimliche und tödliche Ereigniskette los. Da immer mehr Mitschüler unter mysteriösen Umständen sterben, deren Tode an bekannte urbane Legenden erinnern, beginnt Samantha, den Fluch ernst zu nehmen …

Die Filmgeschichte ist reich an Entwicklungen, die quasi einen absteigenden Ast dokumentieren, doch kaum ein Projekt spiegelt die qualitative Krise des Mid-Budget-Horrors der Mitte-2000er-Jahre so pointiert wider wie "Düstere Legenden 3" aus dem Jahr 2005. Um die Kritik an dieser Produktion zu verstehen, ist ein Blick auf die Regiestuhl-Besetzung recht sinnvoll, denn mit Mary Lambert verpflichtete das Studio eine anerkannte Expertin des Genres. In einer von Männern dominierten Hollywood-Ära, in der in den 1980er-Jahren lediglich rund 9 % aller Regieposten mit Frauen besetzt waren – ein Wert, der bis heute nur schleppend auf etwa 15 % gestiegen ist – setzte die Regisseurin Meilensteine. Mit der Stephen-King-Adaption "Friedhof der Kuscheltiere" avancierte sie 1989 zur ersten Frau, die bei einem Horrorfilm mit großem Studio-Budget Regie führte. Der Film wurde zu einem bemerkenswerten kommerziellen Triumph und bewies eindrucksvoll, dass Frauen das harte Genrekino der Thriller und Horrorfilme ebenso beherrschen. Umso offensichtlicher erscheint die tonale und qualitative Diskrepanz, die sich 16 Jahre später in ihrem Beitrag zur "Düstere Legenden"-Trilogie offenbaren sollte, da dieser dritte Teil den abrupten Abstieg der Reihe in die Drittklassigkeit markiert. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, die die Kinokassen als klassische Major-Veröffentlichungen weltweit aufbesserten, war die Veröffentlichung direkt auf DVD jedoch kein Unfall mangels Verleihersuche, sondern eine kalkulierte, rein wirtschaftliche Entscheidung von Sony Pictures. Mitte der 2000er-Jahre florierte der Heimkinomarkt über Videotheken und DVD-Verkäufe, weshalb Studios etablierte Markennamen gezielt nutzten, um kostengünstige Fortsetzungen als sicheres Einkommen zu produzieren. Dadurch sparte man die immensen Marketingkosten für einen weltweiten Kinostart ein und minimierte das finanzielle Risiko, da die Produktionskosten niedrig genug waren, um bereits durch DVD-Verkäufe Gewinne zu erzielen. Hinzu kam der Mangel an sogenannter Star-Power. Bot der Erstling noch aufstrebende Hollywood-Größen wie Jared Leto, besaß Teil 3 trotz einer jungen und durchaus talentierten Kate Mara kein zugkräftiges Mainstream-Gesicht für die große Leinwand. Das Studio reagierte damit auch auf eine deutliche Trendwende im Horrorkino, da der klassische Slasher-Hype der späten 90er im Jahr 2005 weitgehend abgeebbt war.

Da bereits "Düstere Legenden 2" an den Kinokassen schwächelte und mutmaßlich negative Test-Screenings das kommerzielle Potenzial des dritten Teils als zu gering einstuften, wurde das Projekt konsequent in die B-Kategorie herabgestuft, um den Restwert des bekannten Markennamens ohne Risiko auszuschöpfen. Die Quittung für diese Budgetkürzungen und die strategische Neuausrichtung spiegelte sich in einem vernichtenden Presseecho wider. Neben einer vorhersehbaren Handlung stieß vor allem die drastische Abweichung auf heftige Ablehnung bei den Zuschauern. Während die Vorgänger als klassische Whodunit-Slasher funktionierten, brach Lamberts Version radikal mit den Wurzeln der Reihe und driftete in eine übernatürliche Geistergeschichte um den Mythos von "Bloody Mary" ab, was für viele schlicht nicht mehr zum Kern der Marke passte. Der handwerklich größte Schwachpunkt liegt jedoch zweifellos in den miserablen digitalen Effekten, die seinerzeit besser hätten gelöst werden können. In dieser Ära neigte die Filmindustrie im Low-Budget-Bereich vermehrt dazu, teure, handgemachte Spezialeffekte durch billige Computeranimationen zu ersetzen, was hier zu visuell enttäuschenden Ergebnissen führte. Besonders die berüchtigte Spinnen-Szene, in der die Tiere aus der Wange eines Opfers krabbeln, sowie die digitalen Erscheinungen des Geistes selbst wirken künstlich, schlampig inszeniert und erzeugen unfreiwillige Komik anstelle von unheimlichem Grusel. Diese Animationen werden vom Publikum einfach nur als störende Fremdkörper wahrgenommen, sodass der Eindruck eines zeitgenössischen Videospiels statt eines beunruhigenden Spielfilms entsteht. Hätte man auf echte Spinnen oder Prothesen gesetzt, wäre die atmosphärische Wirkung erhalten geblieben und der Film heute deutlich besser gealtert. Dieser qualitative Einbruch wiegt im Fall von Mary Lambert besonders schwer, da ausgerechnet die Regisseurin, die bereits hinlänglich bewiesen hatte, wie zeitlos Horror durch handgemachte und überaus praktische Effekte altern kann, hier an den technologischen Limitierungen eines erzwungenen Digital-Budgets scheiterte. Letztlich besiegelte "Düstere Legenden 3" als kommerzielles und kritisches Schlusslicht das vorläufige Ende der Reihe. Hauptdarstellerin Kate Mara kann zugegeben noch einiges herausreißen und am Ende fühlt man sich doch ziemlich schlecht, aber dennoch irgendwie und sowieso unterhalten.

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