DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● HELLHOLE (US|1985)
mit Judy Landers, Ray Sharkey, Marjoe Gortner, Richard Cox, Edy Williams, Terry Moore, Robert Z'Dar, Lynn Borden, Marneen Fields,
Cliff Emmich, Martin Beck, Nathalie Main, Marie Lamarre, Annette Claudier, Ann Chatterton sowie Dyanne Thorne und Mary Woronov
eine Produktion der Arkoff International | Hellhole Productions
ein Film von Pierre De Moro

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»Du brauchst diese Experimente für deine sexuellen Neurosen!«


Der Killer Silk (Ray Sharkey) bekommt die Order, Dokumente wiederzubeschaffen, die seine Auftraggeber schwer belasten. Diese werden bei Mrs. Walker (Lynn Borden) vermutet, doch er bringt sie vor den Augen ihrer Tochter Susan (Judy Landers) um. Bei der Flucht vor dem brutalen Mörder erleidet sie eine Kopfverletzung und verliert ihr Gedächtnis, wird anschließend in das Ashland Sanatorium für Frauen eingewiesen, das von Dr. Fletcher (Mary Woronov) geleitet wird. Die skrupellose Ärztin führt dort illegale Experimente mit chemischen Lobotomien durch, um aus ihren Schutzbefohlenen willenlose Werkzeuge zu machen. Auch Susan wird von ihr ins Visier genommen, die jedoch auch Silk zu fürchten hat, der immer noch auf der Suche nach den Dokumenten ist …

Bereits im Vorfeld weist der düster und unbehaglich klingende Titel des Films auf einen Verlauf beziehungsweise Ort hin, der vom Prinzip her bereit dazu sein wird, zahlreiche Register zu ziehen, die auch Mitte der 1980er gerade en vogue waren. Thematisch gesehen geht es um Willkür, Sex, Crime, Folter und Menschenversuche, wobei sich gerade Letzteres als klassische Räuberpistole herausstellt. Chemische Lobotomien sollen medizinischen Ruhm und sexuelle Ausschweifungen für die Verantwortlichen eines dubiosen Sanatoriums garantieren, wenngleich dem Zuschauer hier glücklicherweise weniger medizinische Expertise als hemmungsloser Selbstzweck angeboten wird. Das höchst umstrittene Verfahren der Lobotomie, also des Durchtrennens der Nervenverbindungen zwischen Lobus frontalis und dem Rest des Gehirns, wurde in der Schulmedizin tatsächlich angewandt, um vor allem psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, Angstzustände oder schwere Depressionen zu behandeln, doch es ließen sich im Grunde genommen nur Pyrrhussiege erzielen und meistens nicht einmal das. Überlieferungen zufolge wurden diese schwerwiegenden Eingriffe in modifizierter Form bis in die 1980er-Jahre noch in einigen europäischen Ländern durchgeführt, die letzte aktenkundige Lobotomie in den Vereinigten Staaten stammt aus dem Jahr 1967. Interessant also, dass dieser Aufhänger hier stellvertretend für Menschenverachtung und Grausamkeit und gewählt wurde, zur weiteren Entwicklung auf chemischer Basis und lange nach der eigentlichen Ära. Bevor man die klaustrophobischen Gänge, Zellen und Höllenlöcher dieses Sanatoriums allerdings kennenlernt, wird der Einstieg kurz und trotz aller Abstrusität verständlich umrissen, sodass die Hauptpersonen in den Ring geschickt werden können. Ein Früher Kill in ausgewalzter Art und Weise steigert den Appetit auf alles, was hier noch kommen mag. Die Regie versucht multi-hybride Genre-Versatzstücke zu etablieren, sodass ein größtmögliches Publikum rekrutiert werden kann. Als WIP-Film mit starken Sexploitation-Elementen macht er es sich zur Aufgabe, ein Fließband klassischer Charakteristika anzubieten, die im Großen und Ganzen auch zünden werden, da der aufkommende Schmuddel-Charakter nicht nur gewollt, sondern richtiggehend forciert ist. Als Genussmensch hätte man sich hier und da natürlich noch ein paar mehr Unmenschlichkeiten und Bestien gewünscht, aber man kann gut mit dem schäbigen Angebot leben.

Nachdem der Klinikalltag begonnen hat, liefern die Verantwortlichen dieses Baus erstaunliche Expertisen in Sachen medizinischer Ungenauigkeit, Menschenverachtung und Sadismus. Die Auswahl der Schauspieler erweist sich als optimal, denn es wird hart daran gearbeitet, sämtliche Klischees zu bedienen, egal aus welchem Drecksloch. Judy Landers weckt sogleich Beschützerinstinkte, woran ihr attraktives Erscheinungsbild und die sexy Aufmachung nicht gerade unbeteiligt ist. Außerdem musste die bedrohte Unschuld mit ansehen, wie ihre Mutter von einem skrupellosen Killer ermordet wurde, der es ab sofort natürlich auch auf sie abgesehen hat. Da sie bei der Flucht vor ihm eine Totalamnesie als Freifahrtschein für die Klinik erleidet, landet sie im besagten Höllentrakt, in dem sie eine zusätzliche Kontrahentin zu fürchten hat. Dr. Fletcher alias Mary Woronov wirkt dabei wie eine der perfidesten Erfindungen des breit und unliebsam aufgestellten Genres, kann sich dementsprechend auch austoben, wo, wie und wann sie will. Ganz offenbar versehen mit einem ordentlichen lesbischen Appetit in Kopplung mit grenzenlosem Sadismus, liefert Woronov wohl eine der überzeugendsten Performances des gesamten Films. Aber eben diese Figuren braucht es, ganz zu schweigen von Ray Sharkey oder Edy Williams. Zu sehen ist sogar noch ein kleiner Gast-Auftritt von Dyanne Thorne, die als inhaftierter Vamp zumindest überrascht, und Robert Z'Dar stellt den wohl widerlichsten Schergen im Hause dar, der die Insassinnen das Fürchten lehren kann. Viele nackte Tatsachen wechseln sich mit dem Anschmiegen der Kamera an nackte Haut ab, natürlich kommt es immer wieder zu Konfrontation, Experimenten und Todesfällen, was die Geschichte bei Atem, den Zuschauer dementsprechend bei Laune hält. Thematisch gesehen bekommt man eine klassische Mixtur aus Abstrusität und Drive serviert, denn von irgendetwas muss die Geschichte ja schließlich leben. Regisseur Pierre De Moro inszeniert seinen dritten und letzten Film überaus reißerisch, also unterhaltsam, und gewährt dem Publikum zahlreiche Einblicke in die menschlichen Abgründe der Psyche. Zu diesem Zweck haben die Verantwortlichen des Sanatoriums wesentlich gestörter zu sein, als ihre Klientel, sodass alles einem doch recht vorhersehbaren Ende zugehen darf, allerdings nicht, ohne sich zahlreicher Versatzstücke aus Vorgängern ähnlich schwarzer Seele zu bedienen. "Hellhole" kann sich insgesamt empfehlen, da er in den richtigen Momenten ordentlich auf die Tube zu drücken weiß.

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Prisma
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FLODDER - EINE FAMILIE ZUM KNUTSCHEN


● FLODDER / FLODDER - EINE FAMILIE ZUM KNUTSCHEN (NL|1986)
mit Nelly Frijda, Huub Stapel, René van 't Hof, Tatjana Šimić, Jan Willem Hees, Nani Lehnhausen, Horace Cohen, Herbert Flack,
Apollonia van Ravenstein, Bert André, Lettie Oosthoek, Gerrie van der Klei, Egbert van Paridon, Tom van Beek sowie Lou Landré
eine Produktion der First Floor Features | Concorde | AVRO | Elsevier-Vendex | im Verleih Der UIP
ein Film von Dick Maas

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»Das asoziale Verhalten dieser Menschen geht nun wirklich weit über das erträgliche Maß hinaus!«


Die asoziale Großfamilie Flodder lebt in einer baufälligen Bruchbude auf einem Giftmüllgelände. Als die Gemeinde das Areal sanieren will, startet der engagierte Sozialarbeiter Werner (Lou Landré) ein gewagtes Experiment und er siedelt die unliebsame Truppe im bekannten Nobelviertel "Sonnental" an. Dort prallen augenblicklich zwei Welten aufeinander. Das raue Familienoberhaupt Ma Flodder (Nelly Frijda) betreibt im Keller der neuen Luxusvilla ungeniert ihre illegale Schnapsbrennerei. Ihr ältester Sohn Johnnie (Huub Stapel), bandelt sofort mit den Frauen der Nachbarschaft an und hält Ausschau nach krummen Geschäften. Auch Kees (Tatjana Šimić), die sexy Tochter des Hauses, verdreht den spießigen Männern reihenweise den Kopf. Während die Flodders ihren Alltag mit Anarchie und Vandalismus bestreiten, versucht die noble Nachbarschaft verzweifelt, die ungeliebten Neulinge wieder loszuwerden …

Als der niederländische Regisseur und Drehbuchautor Dick Maas Mitte der 1980er-Jahre an einem neuen Projekt feilte, ahnte noch niemand, dass er damit Filmgeschichte schreiben würde. Beflügelt vom Erfolg seines Horror-Thrillers "Lift – Der Fahrstuhl des Grauens" wollte Maas eine radikale gesellschaftspolitische Satire auf den modernen Wohlfahrtsstaat und die übertriebene politische Korrektheit der Behörden drehen. Seine Grundidee war ebenso simpel wie publikumswirksam. Was passiert, wenn der Staat versucht, unverbesserliche asoziale Unruhestifter mit unendlicher Geduld und Gutmütigkeit in die feine Gesellschaft zu integrieren? Aus diesem Gedanken des ultimativen Kulturschocks entstand die Komödie "Flodder – Eine Familie zum Knutschen", deren Familienname sich bereits nach etwas Schlampigem und kaum Gesellschaftsfähigem anhört. Bei der Produktion agierte Maas dabei als echtes Allround-Talent, denn er schrieb nicht nur das Drehbuch und führte Regie, sondern komponierte und spielte auch den markanten Synthesizer-Soundtrack selbst ein, was dem Film eine unverkennbare Handschrift verleiht. Die Handlung wirft den Zuschauer mitten in ein gewagtes sozialpolitisches Experiment, zwischen Giftmüllhalde und Bonzenviertel. Die chaotische, arbeitsscheue Großfamilie Flodder haust in einer Ruine, die von der Gemeinde saniert werden soll. Der engagierte Sozialarbeiter Werner setzt durch, dass die Sippe im noblen Villenviertel "Sonnental" heimisch wird. Vor Ort ist der Schock für Snobs und Schnepfen unendlich groß, was einen Großteil des funktionierenden Humors ausmacht. Während die Flodders mit Autodiebstahl, Schwarzbrennerei, Prostitution und Anarchie ihren ungenierten Alltag bestreiten, versucht die spießige Nachbarschaft ohne Unterlass, die ungeliebten Neulinge wieder aus deren wie aus dem Ei gepellten Viertel loszuwerden. Gedreht wurde dieser Zusammenstoß ironischerweise im echten Nobelviertel Kollenberg in der Stadt Sittard, deren reale Bewohner von den lauten Dreharbeiten und dem verpassten Proll-Image Überlieferungen nach nur mäßig begeistert waren. Maas beweist bei den Drehs viel Humor und Liebe zum Detail und er agiert genüsslich mit einem Salzstreuer, um offene Wunden zu versorgen. Zu sehen sind viele legendäre, buchstäblich mobile Szenen, wie etwa diejenige mit dem Jaguar XJS, der im Swimmingpool parkt, die simple Erläuterung, wie der Einspritzer bei einem Citroën CX 25 funktioniert oder der abenteuerliche Catfight im Delikatessenwagen.

Dass der Film trotz eines schmalen Budgets von rund 1,7 Millionen US-Dollar allein in den Niederlanden über 2,3 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte und zum internationalen Exportschlager avancierte, verdankt er nicht nur seiner derben Thematik, sondern vor allem der phänomenalen Besetzung. Die Schauspieler agieren mit einer kompromisslosen und nahezu schamlosen Spiellaune, die dem Werk eine bis heute spürbare Authentizität verleiht. Nelly Frijda als kettenrauchende, gummistiefeltragende und permanent saufende Matriarchin ist dabei nicht nur als platte Karikatur zu werten, sondern sie verleiht irrer Figur dank großer Improvisationsfreiheiten am Set eine echte mütterliche Würde, auch wenn diese befremdlich wirken kann. In der deutschen Fassung wird dieser raue Charme durch die brillante Synchronisation durch Evelyn Meyka perfekt untermauert. Huub Stapel gibt dem ältesten Sohn Johnnie in den ersten beiden Kinofilmen eine spitzbübische Sympathie, die ihn eher als charmanten Lebenskünstler denn als kriminelle Bedrohung wirken lässt. Flankiert werden sie von Tatjana Šimić als Tochter Kees, die mit entwaffnender Naivität agiert, in den Folgejahren zum absoluten Sexsymbol der Epoche reifte und 2026 in einer späten Spin-off-Serie ein Comeback feierte. Diese ungefilterte Asi-Attitüde sorgt dafür, dass das dargebotene Material auch Jahrzehnte später noch überraschend derb, frisch und witzig wirkt, sogar gesellschaftskritisch noch greifen kann. In einer glattgebügelten, doch gleichzeitig modernen Medienlandschaft bricht die vollkommene Schamlosigkeit der Flodders Tabus mit einer befreienden Leichtigkeit. Die Satire altert nicht, weil sie die moralische Doppelmoral der Oberschicht messerscharf entlarvt. Die kleinkriminellen Flodders sind in ihrer Prolligkeit stets zu einhundert Prozent ehrlich, während die feinen Nachbarn als verlogen und hinterhältig enttarnt werden. Dieser moralische Rollentausch macht "Flodder - Eine Familie zum Knutschen" zu einem zeitlosen Klassiker, was 2007 sogar mit der offiziellen Aufnahme in den prestigeträchtigen "Kanon des niederländischen Films" gewürdigt wurde. Ausstaffiert mit expliziten Szenen und Nacktheit, einer Dialogarbeit, die heute als nicht mehr salonfähig im doppelten Sinne einzustufen ist und drapiert mit abenteuerlichen Einfällen, bleibt der Film auch heute noch ein ernstzunehmendes satirisches Schwergewicht. Überhaupt wurde aufwändig inszeniert und die Show macht auch nach 100 Mal anschauen noch großen Spaß.

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Prisma
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THE BIG DOLL HOUSE


● THE BIG DOLL HOUSE / THE BIG DOLL HOUSE (US|PH|1971)
mit Judith Brown, Roberta Collins, Pam Grier, Brooke Mills, Pat Woodell, Kathryn Loder, Jerry Franks, Gina Stuart, Letty Mirasol,
Jack Davis, Shirley de las Alas, Myrna De Vera, Cathy McDaniel, Siony Cordona, Jack Hill und Sid Haig sowie Christiane Schmidtmer
eine Produktion der New World Pictures | Four Associates
ein Film von Jack Hill

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»You'll never see the outside again!«


In einem Frauengefängnis in den Tropen sind unmenschliche Praktiken und Foltermethoden an der Tagesordnung. Dies muss auch Neuankömmling Collier (Judith Brown) erfahren, die ihren wohlhabenden Ehemann ermordet haben soll. Sie wird umgehend von Grear (Pam Grier) und den anderen Zellengenossinnen in die Mangel genommen und es deutet sich schnell an, dass sie in der Hölle gelandet ist. Doch es entwickelt sich eine Solidarität unter den Frauen, die sich vor allem gegen die Obrigkeit richtet. All dies geschieht unter den Augen der Gefängnisleitung Miss Dietrich (Christiane Schmidtmer), die häufiger plötzliche Todesfälle unter ihren Schutzbefohlenen zu beklagen hat. Doch der Nachschub lässt nie lange auf sich warten …

Jack Hills "The Big Doll House" gilt als einer der wichtigsten Meilensteine und Vorreiter des modernen "Women in Prison"-Subgenres. Obwohl es Filme mit derartiger Thematik bereits zuvor gegeben hat, definiert dieser 1971 entstandene Vertreter zahlreiche Basiselemente neu, sodass die Low-Budget-Produktion zu einem großen kommerziellen Erfolg avancieren konnte. Die hier bereits angedeutete Mischung aus Gewalt, Sex und Action sollte sich in den folgenden Jahren in immer neue Extrema hochschaukeln und brachte dementsprechend sehr provokante Geschichten hervor, die genau wie hier über eine deutlich erkennbare Strategie verfügen, das Publikum in maximale Spannungszustände zu versetzen. Mit den Zutaten sadistischen Gefängnispersonals, Folterpraktiken und reinster Willkür, kommt das Zielpublikum mit Leichtigkeit auf seine Kosten. Bemerkenswert in diesem Fall bleibt, dass sogar ein beinahe ästhetischer Aspekt zum Tragen kommt, wenn man das Szenario an den überaus attraktiven Hauptdarstellerinnen misst. Außerdem erweist sich die Solidarität unter den Frauen als gutes Empowerment, da nicht nur voyeuristische Belange im Vordergrund stehen. Trotz sehr geringer Budgetierung klingelte die Kinokasse recht ordentlich und erwies sich vor allem für Hauptdarstellerin Pam Grier zum Karrieresprungbrett, die wenig später zur Ikone des Blaxploitation-Genres avancierte. Für die Darbietungen gilt: Wenn man freiwillig im Dreck spielt, kann man nicht mehr dort hingeschickt oder durch diesen gezogen werden. Im Camp kommen Neuzugänge an, was in diesem Knast offensichtlich an der Tagesordnung zu sein scheint, da Insassinnen immer wieder unter rätselhaften Umständen das Zeitliche segnen. Die Neue ist dabei eine Augenweide und wird von der überaus attraktiven Judith Brown gespielt, die in der Enge der Zelle direkt den unbarmherzigen Regeln unterworfen wird. Die Hierarchieverhältnisse der Frauen werden direkt wie Karten auf den Tisch gelegt. Collier muss dabei von ganz unten anfangen. Man sieht probate Mittel wie verbale und körperliche Attacken, eine Kopfdusche in der verschissenen Toilette, Kakerlaken-Rennen und obligatorische Duschszenen sowie Gewaltexzesse. Aus späteren Produktionen ist man als Experte wesentlich mehr Konfrontation, Gewalt und Hass untereinander gewöhnt, doch hier wird tatsächlich ein angenehm solidarischer Aspekt in den Vordergrund gestellt. Immerhin hat man sich gegen mächtigere Gegner zu wehren, die sich praktischerweise in den Reihen des Gefängnispersonals bequem gemacht haben.

Unter ihnen befinden sich – ganz im Sinne einer guten Visitenkarte des Genres – noch schlimmere Kriminelle, Sadisten und Freaks als in den Gefängniszellen, die klaustrophobischen Sardinenbüchsen ähneln. Hier bietet sich die schnelle Gelegenheit, dem Publikum die unterschiedlichen Charaktere auf einfache, wenn auch eindringliche Weise näherzubringen, obwohl die Story traditionell nicht auf irgendeine verschwendete Phase namens Tiefgang setzt. So werden die Mädels zu den Sympathieträgerinnen der Veranstaltung, die allesamt an einem Punkt angelangt sind, der nur noch eine Flucht aus dieser unmenschlichen Hölle in Erwägung ziehen lässt. Die tägliche Arbeit ähnelt Frondiensten, die Strafen gestalten sich als drakonisch, weil sie von Bestien ausgeführt werden. Diese sind immer auf der Suche nach neuen Schandtaten und wenn jemand über die Klinge springt, wird es in einem Milieu der Willkür als nicht erwähnenswert eingestuft, da immer für neuen Nachschub gesorgt ist. Unsentimental, beinahe stoisch, liest die Gefängnisdirektorin, Miss Dietrich, Gebete aus der Heiligen Schrift vor, während eine Tote in den Ofen des hauseigenen Krematoriums geschoben wird. Hierbei fällt Christiane Schmidtmer erneut in einer Rolle auf, bei der man sich zunächst fragt, wie sie zustande gekommen sein könnte. Miss Dietrich deutet auf eine deutsche Herkunft und dementsprechend ungeniertes Nazi-Repertoire hin, wenngleich die beherrscht wirkende Dame stets sachlich mit ihren Gefangenen umzugehen scheint. Schmidtmer hantiert erneut mit einer eiskalten Distanz und was ihre bisherige Karriere betrifft, jongliert sie unterschwellig beinahe mit einer Art des ketzerischen Opportunismus. So bleibt eine wirklich hochinteressante Verpflichtung einer Interpretin, bei der man oft nicht unterscheiden kann, ob sie platziert oder deplatziert wirkt. Aber in diesem Ambiente gibt es zahlreiche ausdrucksstarke Darbietungen zu finden, die vor allem Judith Brown, Roberta Collins und Pam Grier zuzuschreiben sind. Vor allem Grier und Collins laden das Szenario mit einer besonders aggressiven Energie auf, bieten sogar einen Catfight im Schlamm an und lassen sich ungern in die Karten sehen. Obwohl es direkt angekündigt wird, wäre auch ohne Vorwarnung klar gewesen, dass einige der renitenten Damen auf der Folter der abartigen Lucian landen müssen, die beängstigend brutal und freaky von Kathryn Loder dargestellt wird. Sie scheint sich beim Thema Quälen und Erniedrigen ständig fortzubilden, damit ihre Schützlinge auch auf Lucians Kosten kommen. Das Ambiente bietet im Grunde genommen lediglich Stereotype und Übertreibungen an, die ein Film wie dieser auch nötig hat, um seinen sich bevorzugt austobenden Charakter zu untermauern.

Die Produktion schreibt und definiert Gesetze des WIP-Genres, wie man sie heute kennt, um dabei sehr stilsicher darauf zu achten, ein paar gehobenere Ansprüche geltend zu machen und eine dichte Bebilderung anzubieten. Selbst beim Thema des Drahtziehers wird ein gut gemeinter, wenn auch durchsichtiger Whodunit-Effekt angeboten, der in seiner Aufmachung besonders zu gefallen weiß. So ist eine maskierte Person wahrzunehmen, die den Folterpraktiken wie auf einem Thron sitzend beiwohnt. Hier kommt es visuell zu in sich verschwimmenden Bildeinstellungen, die bestialische Folter und perversen Genuss miteinander vereinen. Die Dialoge drücken auf die Tube, wenngleich diese in späteren Jahren noch im negativen, also positiven Gossenton-Sinn perfektioniert wurden. Es ist absolut verständlich, warum "The Big Doll House" zu einem Überraschungserfolg werden konnte, was sich am Ende auch auf die doch sehr niedrige Budgetierung bezieht. Dem Publikum wurde etwas Neues im Rahmen eines nicht salonfähigen Spektakels angeboten und für die beteiligten Schauspielerinnen war es im Vorfeld vielleicht nicht klar, dass einige im Anschluss von dieser filmischen Strapaze profitieren würden. Erwähnenswert ist die Musik von Hall Daniels und vor allem der von Pam Grier eingesungene Titelsong "Long Time Woman", den Quentin Tarantino für den Soundtrack seines Films "Jackie Brown" wiederverwendete, in dem Grier ebenfalls die Hauptrolle spielte. Der Film verbreitet eine Spannung, die nicht im klassischen Sinn greift, da sie einfach anders als gewöhnlich an den Nerven zerrt. Dies bäumt sich vor allem bei den Folterszenen, der späteren Flucht und der Frage auf, ob die Verantwortlichen ihrer gerechten Strafe zugefügt werden können, was sich nicht auf die Insassinnen als Sympathieträgerinnen bezieht. Der Verlauf verfügt alleine wegen des Ambientes über kraftvolle, nicht selten sogar schöne Bildimpressionen, das Setting Gefängnis wird in klassischen Kontrast entgegengesetzt, um die unmenschlichen Bedingungen zu unterstreichen. Viel offensichtlicher und intensiver wirken die darstellerischen Leistungen beziehungsweise deren Auswahl, was in einigen späteren Beiträgen zugunsten voyeuristischer Elemente reduziert wurde. Aber auch hier ist der Zuschauer unter den dankbaren Gaffern zu finden, welcher obendrein voll auf seine Kosten kommt. "The Big Doll House" kann ohne die Ahnung eines Zweifels als Klassiker gehandelt werden, der sich für zukünftige Artgenossen wegweisend und unerschrocken im Dreck suhlt.

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