DER KILLER - DAS AS DER UNTERWELT - Siro Marcellini

Harte Kerle, grobe Keilereien, heiße Feger und unbarmherzige Gangster.
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Maulwurf
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DER KILLER - DAS AS DER UNTERWELT - Siro Marcellini

Beitrag von Maulwurf »

Quintero – Das As der Unterwelt
La legge dei gangsters
Italien 1969
Regie: Siro Marcellini
Klaus Kinski, Franco Citti, Hélène Chanel, Maurice Poli, Nello Pazzafini, Max Delys, Susy Andersen, Aurora Bautista, Samy Pavel, Micaela Pignatelli, Donatella Turri


Der Killer (a.k.a. Quintero - Das As der Unterwelt).jpg

http://www.ofdb.de/film/35024,Quintero- ... -Unterwelt

Der Gangster Rino plant mit Hilfe des Hehlers Rigani einen ganz großen Coup, es geht um mehrere Hundert Millionen Lire. Dazu benötigen sie die Hilfe zweier junger Kleinkrimineller, des arbeitssuchenden Bruno sowie des Gangsters Quintero. Der Job klappt, das Geld kann kassiert werden, allerdings bekommt Rigani dabei einiges Blei ab. Quintero zeigt sich als miese Ratte, tötet einen der Gruppe vor versammelter Mannschaft, und verdrückt sich mit der Hälfte der Beute (anstatt mit den ursprünglich ausgemachten 30%). Die anderen schwören dass sie Quintero für diese Schweinerei umlegen wollen, aber es fragt sich halt wer da schneller ist …

Eine gute und eine schlechte Nachricht – die Gute zuerst: Bei QUINTERO handelt es sich um einen flotten und recht kalten Gangsterthriller, der sich stellenweise ein wenig an US-amerikanische Vorbilder der Zeit anlehnt und diese Stimmung mit einigen vielen Ruppigkeiten würzt. Die schlechte Nachricht: Dabei steht sich der Film des Öfteren leider selber etwas im Weg …

Dabei könnte eigentlich alles so schön sein: Wenn QUINTERO straightforward erzählt werden würde hätte er das Zeug zu einem großen und harten Gangsterflick. Die Geschichte passt soweit: Ein Gangster linkt die anderen und es kommt zur reichlich bleihaltigen Abrechnung. Die Nebenhandlungen wie etwa die Geschichte um die sexgeile und steinreiche Contessa (Hélène Chanel) sind nicht weiter störend, machen die Figuren aber ein wenig plastischer, ohne dass dabei zu viel Zeit für anderes verschwendet wird. Lokal- und Zeitkolorit sind gut eingefangen, angefangen von der Hafenszenerie Genuas bis hin zur Hippie-Orgie mit bemalten Körpern und ekstatisch (oder gar epileptisch?) zuckenden Tänzern. Die Schauspieler sind erstklassig gecastet und arbeiten (wie gewohnt) ebenfalls erstklassig:
Maurice Poli als Ex-Sträfling Rino der an das große Geld kommen will. Er versteht seinen Job und zieht ihn professionell durch, den kaltblütigen Mann kann so schnell nichts mehr überraschen. Fast nichts …
Pasolini-Veteran Franco Citti ist Bruno, der kleine Mann aus dem Süden, der im Norden Arbeit sucht und nur Scheiße findet. Ab einem bestimmten Punkt ist er bereit für Geld alles zu tun, Hauptsache nicht wieder zurück ins Elend.
Samy Pavel und Max Delys sind junge Kleinkriminelle, die in Sachen reingezogen werden die ihnen einige Nummern zu groß sind, aber der schnelle Reichtum lockt.
Nello Pazzafini wie immer als Mann fürs Grobe, verlässlich und kaltblütig, wo er hinschlägt wächst so schnell kein Bart mehr.
Und natürlich Klaus Kinski als Quintero – der Sinn seiner Rolle ist mir zwar nicht so recht klar, aber dafür macht er einen hervorragenden Job als eiskaltes Schwein das die anderen über den Löffel barbieren will. Kinski ist in einigen Einstellungen zu sehen wenn er den anderen mit der Waffe im Anschlag auflauert und dabei etwa durch eine halboffene Tür linst, diese Bilder würde ich mir jederzeit über das Wohnzimmersofa hängen. Was für eine Ausstrahlung, was für eine Präsenz.

Es könnte so schön sein. Der Film beginnt mit einer tollen Sequenz in der die Hauptpersonen nervös und bis zum äußersten gespannt auf etwas warten, und aufgelöst wird die Szene mit einer wüsten Schießerei mitten auf einer belebten Piazza in Genua - und *plop*, weg ist der aufgebaute Druck. Bei der anschließenden Flucht werden die Hauptdarsteller in Rückblenden vorgestellt, was als Stilmittel ja völlig in Ordnung ist, aber das geschieht dermaßen holprig und mühselig, dass das Interesse an den Personen halt einfach verschwindet. Es kommt schon wieder, das Interesse, und die Spannung wird auch wieder aufgebaut, aber das ist halt leider Zeit die vergeht. Oder auch nicht, je nachdem wie man es sieht … Fakt ist, dass wenn die Story linear erzählt worden wäre, sie um einiges stärker gewirkt hätte (Hatten wir das nicht schon mal? Egal, dann wird es nur umso wahrer.). Vielleicht wären Drehbuchautor und Regisseur dann auch aufgefallen, dass ausgerechnet der Titelfigur Quintero irgendwo die Daseinsberechtigung fehlt. Warum zur Hölle brauchen die Gangster für ihren Plan ausgerechnet diesen Typen? Zum schnelleren Sterben? Irgendwann wird mal kurz erwähnt dass er den Plan finanzieren soll, aber wenn die Ganoven für eine Schrottkarre, 2 Uniformen und ein paar Bleispritzen einen Financier benötigen, dann sind sie selber schuld wenn sie schlussendlich in den harten Genueser Asphalt beißen müssen …
Die Figur Quintero hat aber auch noch ein weiteres Manko, nämlich ein ihm zugeordnetes musikalisches Thema, das definitiv NICHT passt. Musikalisch besteht der Film im Wesentlichen aus 3 Themen, einer groovigen Bassline die ordentlich Spannung aufbaut und viel zu selten zu hören ist, aus einem Piero Umiliani-typischen Beat der halt gut in das Jahr 1969 passt, den ich allerdings nicht unbedingt zu einer Gangsterstory im Hafenmilieu verorten würde, und schließlich dem Quintero-Thema, das aus einer Duane Eddy-artigen gedehnten Gitarrensaite besteht – Twäng! Kinski steht also in Killerstimmung im Nadelstreifen da mit einer MP, schaut aus wie ein klassischer Chikago-Gangster, und dazu ertönt eine Variation von Peter Gunn … NEIN!!!!!!!

Dabei könnte eigentlich alles so schön sein. Die Darstellung der Polizeiarbeit orientiert sich ein wenig an zeitgenössischen US-Cop-Flicks à la NUR NOCH 72 STUNDEN, dazu die erwähnten europäischen Ruppigkeiten (die Schlägereien gehen schon einigermaßen unter die Gürtellinie und sind manchmal recht hart), gestorben wird teilweise recht schnell, und die Grundstory passt auch. Vielleicht hätte man da jemanden ranlassen sollen der sich mit sowas auskennt. Theater-Regisseur Siro Marcelli war vorher größtenteils im Peplum-Bereich unterwegs und drehte 2 Jahre vorher die Gurke LOLA COLT. Drehbuchautor Piero Regnoli hatte bis dato zwar unter anderem bereits den Klassiker NAVAJO JOE in seinem Werksverzeichnis stehen, allerdings auch eine Zusammenarbeit mit Gianni Crea - Insgesamt ein eher durchwachsenes Oeuvre. Na ja, und wenn der Regieassi Mario Bianchi heißt wird das Resultat schon erklärlicher …

Ein interessanter Aspekt, auf den mich Kollege Mater Videorum aufmerksam gemacht hat (Danke an dieser Stelle!!), ist das Fehlen einer Identifikationsfigur. Zwar beginnt der Film mit Bruno, dem armen Schwein aus dem noch ärmeren Süden, aber wer dann eine Underdog-Ballade erwartet liegt ziemlich daneben. Stattdessen wechselt irgendwann die Perspektive auf den Gangster Rino und Bruno verschwindet ein wenig im Hintergrund. Das letzte Drittel der Geschichte wird dann mehr oder weniger abwechselnd erzählt, was es dem Zuschauer sicher nicht einfacher macht, aber filmisch natürlich nicht uninteressant ist. Trotzdem, Mitfiebern mit einem Charakter ist nicht, was ich persönlich immer ein wenig unschön finde.

Zu guter Letzt also noch mal: QUINTERO lohnt sich, ist gute Gangster-Unterhaltung, macht dank der deutschen Synchro stellenweise auch richtig dolle Spaß, und wer die VHS günstig schießen kann macht damit garantiert keinen Fehler. Er sollte nur nicht zu viel erwarten …

Gesehen wurde die Kinoversion, die in wenigstens drei oder vier Stellen geschnitten ist (mutmaßlich um 10 Minuten). Sollten die Angaben der OFDB stimmen, wäre die deutsche VHS noch mal um weitere 4 Minuten gekürzt. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach dürften sowohl Handlung (Renatos Freundin überredet ihn zur Polizei zu gehen) wie auch Gewalt (Bruno ist lädiert als er bei seiner Freundin unterkommen will. Laternenpfahl? Straßenbahn?) geschnitten sein. Deswegen fassen wir uns jetzt alle bei den Händen und wünschen uns zu Weihnachten, dass ein Label sich erbarmt und den endlich mal digital und komplett veröffentlicht …

7/10

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Richie Pistilli
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Re: QUINTERO - DAS AS DER UNTERWELT - Siro Marcellini

Beitrag von Richie Pistilli »

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Quintero - Das As der Unterwelt (D)
Der Killer: Das As der Unterwelt (D)
Der Killer (D)
La legge dei gangsters (IT)
La loi des gangsters (F)
Violent Kill (F)
La ley del gangster (ES)
Gangster's Law
Quintero


IT 1969

R: Siro Marcellini
D: Klaus Kinski, Maurice Poli, Franco Citti, Samy Pavel, Susy Andersen, Hélène Chanel, Micaela Pignatelli, Nello Pazzafini, Max Delys, Aurora Bautista, Luciano Mancini, Donatella Turri, Sergio Mioni u.a.



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Deutsche Erstaufführung: 22. Januar 19771

Synchronkartei

Schnittbericht: Deutsche VHS (Polygram Video / Arena) - Originalfassung

Italo-Cinema

Splattertrash

Score: Piero Umiliani

IMCDb

OFDb



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"Gewalt, Terror und gnadenlose Brutalität, das ist Quintero!"


Mit kaum vorstellbarer Brutalität hat Quintero (Klaus Kinski), der härteste und gnadenloseste Killer in der Unterwelt von Genua, Mitstreiter und Widersacher aus dem Weg geräumt. Durch einen Zufall lernt er Bruno (Franco Citti) kennen, den er nach einer Schlägerei vor der Polizei schützen kann. Quintero will ihn für seine Sache einspannen und nimmt ihn persönlich unter seine Fittiche. Eine Art Freundschaft zwischen diesen beiden Männern beginnt. Ein gemeinsam geplanter Juwelenraub gelingt, aber - die beute ist verschwunden. Verdacht kommt auf, sie beginnen sich zu belauern, ihre Schritte gegenseitig zu überwachen. Und sie machen Fehler, die sie früher nie begangen hätten. Ein Coup wird vorbereitet, um eine reiche Bank reich zu berauben. Bruno glaubt nun Beweise zu haben, dass ihn Quintero um seine Beute betrogen hat. Ein Massaker bahnt sich an... [Quelle: Cargo Records]



Obwohl der Film inszenatorische Schwächen aufweist und auch handlungstechnisch auf einem unzulänglichen Drehbuch beruht, entpuppt sich dieser frühe Vorläufer des italienischen Polizeifilms dennoch als ein großes Filmvergnügen. Letztlich verläuft der Film in drei Teilen, wobei QUINTERO - DAS AS DER UNTERWELT zunächst mit einem Raubüberfall eröffnet wird, der aber nicht so ganz nach Plan verläuft. Nach einem bleihaltigen Schusswechsel mit der Polizei treten die Gangster gemeinsam die Flucht in einem weißen Lieferwagen an. Bis zu diesem Zeitpunkt weist der Streifen ein rasantes Tempo auf, das aber während der turbulenten Fluchtfahrt plötzlich durch mehrere Rückblenden ausgebremst wird. Die einzelnen Rückblicke dienen dazu, einige der am Raubüberfall beteiligten Protagonisten näher vorzustellen. Da wäre beispielsweise der Süditaliener Bruno (Franco Citti), der sich im Norden des Landes einen neuen Job suchen wollte. Leider verläuft das Unterfangen erfloglos, so dass Bruno schließlich bei der Bande landet. Neben dem Ex-Sträfling Rino (Maurice Poli), der den Kopf der Bande darstellt, werden auch noch die beiden Kleinkriminellen Franco (Samy Pavel) und Renato (Max Delys) vorgestellt. Ebenfalls als Bandenmitglied am Start: Nello Pazzafini. Bei der Gestaltung der Rückblenden musste ich unweigerlich an RESERVOIR DOGS denken, wobei Quentin Tarantinos Rückblicke weitaus komplexer in die Handlung verwoben wurden. Dennoch könnte QUINTERO - DAS AS DER UNTERWELT als Blaupause für Tarantinos ersten Film gedient haben.


Der zweite Teils des Films zeigt sowohl das Zustandekommen als auch den Raubüberfall selbst, bevor es mit der Fortsetzung der rasanten Fluchtfahrt weitergeht, die sich aber schon kurz darauf ihrem Ende zuneigt. Was folgt, ist eine Auseinandersetzung zwischen der Bande und Quintero, der diese kurzerhand übers Ohr haut. Im dritten Teil des Films versucht Quintero schließlich ein Bandenmitglied nach dem anderen aus dem Weg zu räumen. Zeitgleich rückt ihnen die Staatsmacht immer näher auf die Pelle.


Trotz seiner inszenatorischen und handlungsspezifischen Schwächen kann QUINTERO - DAS AS DER UNTERWELT aufgrund der hervorragenden Darbietungen der prominent besetzten Schauspielerriege, dem Zeitkolorit, das insbesondere während der Rückblenden im Rahmen der Hash-Partys und wilden Tanzszenen hektoliterweise verschüttet wird, als auch seiner teils rasanten Actionszenen überzeugen. Abgerundet wird dieser frühe Polizeifilmvorläufer mit einer grandiosen Filmmusik, für die sich kein Geringerer als Piero Umiliani verantwortlich zeigte. Was die deutsche Synchronfassung betrifft, so kann diese ebenfalls als gelungen bezeichnet werden. Hierzulande wurde der Film neben seinem Kinostart auf VHS und als DVD ausgewertet, wobei das digitale Medium wiederum auf dem Bildmaster der VHS-Fassung beruht. Laut Schnittberichte.com hat das Label "True Grit" die deutsche VHS-Fassung (von der übrigens auch die Screenshots stammen) für ihre DVD verwendet und ergänzte die fehlenden Szenen aus einer italienischen TV-Fassung:

"In Deutschland lief Quintero - Das As der Unterwelt nur gekürzt im Kino und erschien unter dem Titel Der Killer ebenfalls gekürzt auf VHS. Eine 35mm Kopie wurde im ersten Kult Kino in Dillingen gezeigt und ich hatte den Eindruck, dass diese nocht stärker gekürzt war als die VHS. Am 15. September 2023 erschien der Film von True Grit auf DVD. Hier wurde eine ungekürzte Fassung rekonstruiert. Als Grundlage diente die deutsche VHS, wobei die fehlenden Szenen von einer italienischen TV-Fassung von RAI 4 eingefügt wurden. Die fehlenden Szenen sind dabei auf englisch mit optionalen deutschen Untertiteln. Trotz mittelprächtiger Bildqualität die momentan beste Fassung des Films." (Quelle: Schnittberichte.com)


Kritik: „[...] Regisseur Siro Marcellini nutzt ausgiebig Rückblenden, um die Gefühle der einzelnen Figuren und die Gründe für ihren Widerstand gegen die Gesellschaft eingehend zu analysieren. Dies ist vielleicht der beste Teil des Films, der in der zweiten Hälfte etwas an Ton verliert und sich simplen, aber spektakulären Effekten hingibt. Von den Schauspielern schienen uns Maurice Poli und Franco Citti in den Rollen zweier Einwanderer aus dem Süden am besten zu gefallen. [...] An ihrer Seite spielt der raubeinige, aber monotone Klaus Kinski. [...]“ (Quelle: Vice - Il Messaggero - 25/10/1969)


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