MEINE TOCHTER - DEINE TOCHTER - Werner Jacobs

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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MEINE TOCHTER - DEINE TOCHTER - Werner Jacobs

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● MEINE TOCHTER - DEINE TOCHTER (D|1972)
mit Chris Roberts, Catharina Conti, Georg Thomalla, Hansi Kraus, Peter Weck, Silvia Reize, Ralf Wolter, Gretl Schörg,
Heinrich Schweiger, Rainer Basedow, Kurt Nachmann, Erich Kleiber sowie Heinz Reincke und Gila von Weitershausen
eine Produktion der Lisa Film | Divina Film | im Gloria Verleih
ein Film von Werner Jacobs

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»Meine Tochter ist nicht meine Tochter!«


Schuldiener Oskar Sommer (Heinz Reincke) hat vor seiner geschiedenen Frau in Amerika geprahlt, indem er behauptet hat, Karriere als Studienrat gemacht zu haben. Auch gibt es tatsächlich einen Studienrat Dr. Oskar Sommer (Georg Thomalla) an dieser Schule, bei dem der Schuldiener für alle möglichen Arbeiten rund um dessen Haus einzuspringen hat. Als sich jedoch die Tochter des Schwindlers ankündigt, die er 15 Jahre nicht mehr gesehen hat, kommt es zu zahlreichen Turbulenzen …

Werner Jacobs' "Meine Tochter - Deine Tochter" kann sich im breiten Angebot deutscher Verwechslungskomödien keinen besonderen Rang erkämpfen, da es ähnlich substanzlos, hektisch und kopierfreudig wie anderswo zugeht. Glücklicherweise werden hier nicht alle Register des handelsüblichen Humors bemüht, wenngleich viele Versatzstücke aus nicht allzu ferner Zeit aufzuspüren sind. Gestreckt mit seinerzeit wohl angesagten Schlagern von Hauptdarsteller Chris Roberts, Schützenhilfe aus dem Paukerfilm-Bereich von Hansi Kraus, Georg Thomalla und Peter Weck, Interpreten wie Ralf Wolter oder Rainer Basedow, die sich offenbar für nichts zu schade zu sein scheinen, und attraktiven Damen wie Catharina Conti oder Gila von Weitershausen, die innerhalb dieser beinahe 90 Minuten schnellstmöglich verheizt werden sollen, kommt gar nichts Neues beziehungsweise Originelles dabei heraus. Selbst nach der Erstansicht handelt es sich bei "Meine Tochter - Deine Tochter" daher schon um ein Relikt, dessen Haupt- und Nebenhandlungen überaus konstruiert und alles andere als lustig wirken. Einen Gastauftritt eines Schimpansen gibt es übrigens auch mal wieder. Langsam aber sicher bestätigt sich der Verdacht, dass diese Art des Humors eine rein deutsche Erfindung sein muss. Über längere Intervalle waren diese Klamotten dennoch erfolgreich und konnten sich zudem eine Art Unsterblichkeit in Wiederholungsoffensiven im deutschen Fernsehen verschaffen. Dieses Paradoxon aus künstlerischer Belanglosigkeit und kommerzieller Zugkraft funktionierte damals jedoch wie am Fließband, da sich die Produzenten blind auf ein klares System aus kalkulierten Kassenmagneten und austauschbarem Kanonenfutter konzentrierten, den kommerziellen Erfolg des Vorgängerfilms quasi als neue Basis für einen schnell hinterher abgespulten Klon zu liefern. Dies war das mechanische Ergebnis eines rollenden Finanzierungs-Schneeballsystems der damaligen Produktionsfirmen wie der Lisa Film. Geld für neue Projekte wurde kaum langfristig geplant, sondern schlicht aus den direkten Gewinnen der Vorgängerfilme reinvestiert. Um das finanzielle Risiko gegen null zu senken, setzte man auf radikale Kostensenkung durch ein cleveres Baukasten-Prinzip. Die Filme wurden in extrem kurzen Abständen oder sogar parallel an derselben Kulisse – bevorzugt am Wörthersee – durchgezogen. Die etablierte Darstellerriege reiste gar nicht erst ab; man wechselte nur das Kostüm und drehte nahtlos den nächsten Streifen. Verleiher zahlten bereitwillig Vorschüsse, weil das bewährte Trio aus Schmusebarden, Lausbuben und Volksschauspielern an den Kinokassen eine sichere Bank war.

Ob der deutsche Kinogänger seinerzeit das bekam, was er verlangte, oder ob es in Wirklichkeit umgekehrt war, stellt dabei eine recht spannende, wenn auch kaum zu beantwortende Frage dar. Filme dieser Machart verfügen stets über prominente Besetzungen, bekannte Schlagerstars und zahlreiche Wiederholungstäter, die von der Produktion allerdings als ultimative Aushängeschilder vermarktet wurden. Als eines der besten Beispiele für dieses Prinzip der totalen Übersättigung kann Hansi Kraus genannt werden, der als omnipräsenter Vorzeige-Lümmel des deutschen Films im Grunde genommen durch alle diese Formate gereicht wurde, um als reiner Marketing-Köder den vertrauten Geist der beliebten Pauker-Filme zu verkaufen, selbst wenn seine Rolle völlig unbedeutend war. Glücklicherweise wurde er nie komplett schauspielerisch eins mit der im Wesentlichen unliebsamen Anforderung und blieb von seinen humorigen Darbietungen nicht selten trocken-distanziert. Vielleicht lässt sich eine derartige Aussage aber auch nur im direkten Vergleich zu anderen Kollegen treffen. Am anderen Ende dieses Verwertungssystems standen attraktive Akteurinnen wie Catharina Conti, wegen der damals vermutlich kaum ein Zuschauer zum Kauf eines Kinotickets verleitet wurde. Ihr Name besaß nicht die Zugkraft und wurde auf den Plakaten oft gar nicht erst prominent erwähnt. Ihre Karriere war ein Musterbeispiel für die Kurzlebigkeit der Branche, denn sie erstreckte sich im Wesentlichen nur über die erste Hälfte der 1970er-Jahre, in der sie in seichten Nischen- und Erotik-Filmen wie "Ach jodel mir doch einen" rein auf ihre optischen Reize reduziert wurde. Das System nutzte ihr Gesicht flüchtig aber zielstrebig ab und vergaß sie danach sofort wieder. Mit Georg Thomalla, Peter Weck, Heinz Reincke oder Gila von Weitershausen ging es jedenfalls noch recht prominent im Verwechslungs-Märchenwald zu. Dass solche Filme heute überhaupt noch im kollektiven Gedächtnis existieren, liegt nicht an ihrer damaligen Kino-Qualität, sondern wie bereits erwähnt an ihrer erstaunlichen Wiederauferstehung im Fernsehen. Über Jahrzehnte hinweg fanden diese Produktionen in den Nachmittagsprogrammen der öffentlich-rechtlichen Sender und im privaten Free-TV eine hochgradig erfolgreiche Zweitverwertung. Was im Kino der 1970er als minderwertiger Billig-Klamauk verrissen wurde, mutierte auf Bildschirmen und in heutigen Nischen-Kanälen oder Streaming-Mediatheken zu Dauerbrennern. So erlangte ein derartig totgesagtes Kinorelikt durch die unendliche Haltbarkeit des deutschen TV-Programms am Ende eine fast ewige Lebensversicherung, auch wenn man es nach der Ansicht des Films kaum fassen kann.

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