DER TOTE, DER NICHT STERBEN WOLLTE - Fred Burnley

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Prisma
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DER TOTE, DER NICHT STERBEN WOLLTE - Fred Burnley

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DER TOTE, DER NICHT STERBEN WOLLTE

● NEITHER THE SEA NOR THE SAND / DER TOTE, DER NICHT STERBEN WOLLTE (GB|1972)
mit Susan Hampshire, Michael Petrovitch, Michael Craze, Jack Lambert, Betty Duncan, David Garth, Anthony Booth, Marcia Fox und Frank Finlay
eine Produktion der LMG Film | Portland Film | Tigon British Film Productions
ein Film von Fred Burnley

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»Wer weiß, was im Augenblick des Todes passiert?«


Auf der von Gezeiten und Naturgewalten dominierten Insel Jersey begegnet die einsame Anna Robinson (Susan Hampshire) einem geheimnisvoll aber anziehend wirkenden Leuchtturmwärter namens Hugh Dabernon (Michael Petrovitch). Zwischen beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die sie für ein paar Tage an die schottische Küste führt. In einer Phase völliger Ausgelassenheit und selten gewordener Glücksmomente geschieht das Undenkbare, denn der junge Mann stirbt plötzlich und unerwartet. Anna will diesen schweren Schicksalsschlag nicht akzeptieren und wehrt sich gegen die neue Realität, die sich überraschenderweise beeinflussen lässt. Plötzlich steht Hugh wieder vor ihrer Tür …

Falls ungewöhnliche Filme der frühen 1970er Jahre zur Sprache kommen, ist es gut möglich, dass auch "Der Tote, der nicht sterben wollte" genannt wird, da er alle Kriterien eines nicht alltäglichen Sehvergnügens erfüllt. Entstanden nach der gleichnamigen Romanvorlage "Neither the sea nor the sand" von Gordon Honeycombe aus dem Jahr 1969, erschließt sich eine ungewöhnliche Melange aus Liebesfilm und Mystery-Thriller, der mit beunruhigenden Horror-Elementen ausstaffiert ist. Hier liegt die Vermutung zunächst relativ nahe, dass diese so weit voneinander entfernten Bereiche vielleicht nicht so recht zusammenpassen mögen, doch Regie und Vorlage belehren das Publikum stringent eines Besseren. Der Film baut unbändige Gewalt über seine Kernbereiche auf, die sich aus Natur und Emotionen bündeln werden und am Ende nur auf ein fulminantes Entladen warten. Die Bebilderung ist atemberaubend, durch die Küstenimpressionen wild, gefährlich und spröde, aber gleichzeitig reizvoll und schön, was sich im unmittelbaren und späteren Verlauf noch auf die sich anbahnende Liebesbeziehung der beiden Protagonisten überträgt. Man trifft sich zufällig, die Melancholie und Poesie dieser Seheindrücke gestaltet ein überaus anziehendes Profil. Die Frau ist auf der Flucht vor ihrem bisherigen Leben, der wortkarge und rätselhaft anmutende Leuchtturmwärter kennt kaum ein anderes, außer das limitierte Angebot der Insel. Prominent inszeniert bleiben die Naturgewalten, die von Wind und Wasser ausgehen und eine gewalttätige Kraft demonstrieren, die alles und jeden einverleiben könnte. So erschließen sich verheißungsvolle Vorboten für einen Verlauf, der über melancholische, poetische, beängstigende und aggressive Intervalle verfügen wird. Der englische Originaltitel klingt beinahe philosophisch, sodass man in seiner ungeduldigen Erwartungshaltung vor allem von einem romantischen Drama ausgeht. Hier bäumt sich jedoch alles überraschend anders auf und wird zur unüberwindbaren Klippe für die eigene Erwartungshaltung. Sobald man sich schließlich nach einem Happy End sehnt, werden Regie uns Geschichte nur noch unerbittlicher. Man wird zum Staunen gebracht, jedoch nicht, ohne sich zu gruseln und Unbehagen zu verspüren. Aber nicht nur das. Zunächst erschließt sich eine ungezwungene Liaison zwischen zwei Fremden, die aufrichtiges Gefühl zu transportieren scheint.

Es sieht so aus, als habe man gegenseitig sein perfect match gefunden, sodass diese neue und ungewohnte Situation die Altlasten der Vergangenheit in Vergessenheit geraten lässt. Die Ursprünge dieser Aufrichtigkeit erscheinen negativ belastet zu sein, doch auch diese Grundvoraussetzungen lassen sich kurzerhand umkehren. Die beiden Protagonisten werden durch ihr Zusammentreffen in die glückliche Lage versetzt, Raum, Zeit, Umstände und schließlich sich selbst vergessen zu können, zumindest so lange, wie es die umherschleichenden Akteure oder Hyänen der Realität zulassen. Eine spontane und völlig unbelastete Liebesbeziehung ist schön mit anzusehen, zumindest so lange sie anhalten darf. So viel ist dem Zuschauer klar, da viele Äquivalente der Natur Unruhe, Zerstörung und Verfall andeuten. Ein Davonlaufen vor der eigenen Realität wird zum Wettlauf gegen die Gezeiten, es wirkt so, obwohl die Emotionen beider so stark wirken, als ob nicht alles überwunden werden könne. Die Regie inszeniert ambivalent, aber minutiös in Bezug auf die gegenseitigen Empfindungen. Als Zuschauer ahnt man, dass es nicht so bleiben kann, immerhin verweisen die Naturgewalten aller Couleur unnachgiebig und aggressiv darauf. Der Tod wetzt die Messer, der Zuschauer ist schockiert über so viel Wucht des Schicksals. Susan Hampshire, hierzulande vielleicht am meisten durch ihren Auftritt in dem Edgar Wallace-Film "Das Geheimnis der weißen Nonne" bekannt, macht einen exzellenten, intensiven und völlig überzeugenden Eindruck. Sie ist in Etappen ihrer emotionalen Zustände zu bewundern, die allerdings immer dieselbe Frau zeigen. Sie appelliert an das Mitgefühl des Publikums, welches sie auch erhält, insbesondere im letzten Drittel des Films. Man kann innerhalb ihrer Gefühlszustände kaum mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Ihr Partner Michael Petrovitch steht dieser exzellenten Leistung in nichts nach, genau wie sein Filmbruder Frank Finlay. Spätestens wenn die Regie hier vor allem visuell mit beunruhigenden Horror-Elementen aufwartet, lehrt sie den Zuschauer buchstäblich das Gruseln. Dennoch bleibt "Der Tote, der nicht sterben wollte" eine Art Kuriosum im Bereich des Liebesdramas, da es völlig unorthodoxe Wege beschreitet und dabei sozusagen über das Wasser geht. Insgesamt gesehen handelt es sich um eine völlig unerwartete Überraschung in der Fasson eines sehenswerten Films.

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