https://www.welt.de/vermischtes/article ... hlagzeilenDas Musikfestival Rock am Ring in der Eifel endet am Sonntagabend nach drei Tagen voller Musik, Magie und ganz viel Miteinander. Rund 90.000 Besucher haben 80 Bands auf mehreren Bühnen live erlebt, Headliner waren in diesem Jahr Linkin Park, Limp Bizkit, Volbeat und Iron Maiden – und Rage-Against-the-Machine-Gitarrist Tom Morello
Also ein Line-up, das so vor 25 Jahren genauso hätte auftreten können. Wobei ich Volbeat immer als musikalisch recht limitierte Band wahrgenommen habe, ich muss aber gestehen, dass ich nie Lust hatte mich mit ihnen zu beschäftigen. Wer also ein Fan ist, kann mir dies gerne um die Ohren hauen
Ich habe das Thema vor ein paar Tagen in einem anderen Zusammenhang mit Richie ja schon angeschnitten, ich poste es hier nocheinmal, damit es nicht im allgemeinen Strang verloren geht:
Ich hatte es ja auch an anderer Stelle schon geschrieben, ich weiß aus sicherer Quelle, dass die Übungsräume immer weniger von Nachwuchsbands gebucht werden.Richie Pistilli hat geschrieben: ↑Do., 04.06.2026 16:34Offensichtlich findet dadurch eine weniger enge Bindung zur Musik des Künstlers statt. Anstatt Alben als Gesamtkunstwerk zu würdigen, werden nur noch wahllos einzelne Tracks gehört. Ergänzend hierzu hatte ich auch schon etwas an anderer Stelle geschrieben. Und die Musikfestivals stecken aktuell aus mehreren Gründen ganz tief in der Krise, was wiederum fatale Auswirkung auf das benötigte Nachwachsen neuer Bands hat:
Ausverkauft oder Auslaufmodell: Für Festivals sind die fetten Jahre vorbei
https://www.tagesschau.de/kultur/festiv ... l-100.html
"Besonders sichtbar werden die Veränderungen beim Blick auf die Line-ups. Seit Jahren hängt die Branche an einem kleinen Kreis verlässlicher Headliner. Größen wie Foo Fighters, Muse oder Slipknot rotieren durch die Spitzenpositionen großer Rockfestivals. Zugleich fehlt eine neue Generation von Acts, die diese Plätze künftig einnehmen könnte. Zwischen Newcomern und etablierten Größen hat sich eine Lücke gebildet, die früher über Jahre hinweg auf Festivalbühnen geschlossen wurde.Sichtbarkeit entsteht heute weniger über jahrelange Bühnenpräsenz als über algorithmische Reichweite. Laut dem Weltverband der Musikindustrie (IFPI) macht Streaming inzwischen rund 69 Prozent der weltweiten Musikumsätze aus. Künstler werden schneller bekannt, doch der Erfolg ist oft weniger dauerhaft. Die Folge: Festivals verlieren ihre frühere Funktion als Karrieremaschine für künftige Headliner. ."
(...)... und streamen genussvoll KI-Musik!![]()
WIr haben also mehrere Entwicklungen, die parallel ablaufen.
Wenn ich einen Blick auf die Neunziger werfe, sieht man einen Höhepunt des Hardrocks Anfang der 90er, diese Entwicklung reißt dann plötzlich mit dem Aufkommen des Grunge jäh ab.
Die Rockmusik hatte instrumental schon einen recht hohen Stand erreicht, und war recht ausgefeilt. Meist spielte ein recht verhaltes Schlagzeug nur eine rhythmische Struktur, während die Gitarre durch interessante Riffs und Soli den Song ausfüllten.
Hier mal ein Beispiel, für diesen 80er/ frühen 90er Rock Sound: Das ist einfach ein richtig gute Rock-riffing, von einem der die Gitarre beherrscht. 100% 80er Sound.
Musikalisch interessant, und bis heute immer wieder ein Thema. vgl. https://www.bonedo.de/artikel/die-beste ... -workshop/
Zitat:
Egal ob man jetzt die Musik gut oder schlecht findet, muss man doch zugestehen, dass die Leute fit auf ihren Instrumenten waren und viele Stunden im Proberaum waren. Die konnten Ihre Instrumente beherrschen.Für die Gitarrenparts müsst ihr eure Gitarren auf Drop-D Tuning herunterstimmen. Das Stück bewegt sich in der Tonart D, wobei Intro- und Strophenpart elegant zwischen D-Dur und Dm hin- und herspringen. Geht das Riff noch mit typisch fröhlichen 80er-Jahren LA-Metal-Akkorden wie Dsus4 und Dadd9 los, kommt ein Bb-Powerchord aus der Tonart Dm. Die Strophe bleibt dann in Dm und teilt die Gitarrenparts zwischen Warren De Martini und Robbin Crosby sehr elegant auf, die auch im Panning gut links und rechts angeordnet sind.
Der Bruch mit dem Grunge ist auch eine Art Demokratiserung der Rockmusik gewesen. Man musste nicht mehr jahrelang im Keller geprobt haben, nun konnte direkte Emotionen kraftvoll umgesetzt werden. Der ganze Rockbereich war einfach zu kompliziert geworden und zu stark auf musikalisch sehr schwierige Soli abgestellt. Man schaue sich nur mal das Buch von Peter Fischer "Rock guitar secrets" an. Tausende Gitarrenschüler waren frustriert, als sie merkten wie viel Mühe in den Soli ihrer Helden steckten (Nuno Bettencourt etc).
Billy Corgan, der ja auch eher für einen "einfacheren" Rocksound steht kritisiert, dass ab dem Ende der 90er die Rockmusik völlig aus den Medien gedrängt wurde:
https://www.rollingstone.de/billy-corga ... e-3114901/„Wenn man 1997, ’98 bei MTV oder in deren Umfeld war, haben sie plötzlich entschieden, Rock sei out – obwohl Rock zu diesem Zeitpunkt noch sehr, sehr weit oben war –, und er wurde durch Rap ersetzt, oder?“ sagte er. „Ihre Standards and Practices verschoben sich schlagartig. … Manche behaupten, die CIA war in all das verwickelt, was wiederum über meiner Gehaltsklasse liegt, aber ich habe es beobachtet. Ich war dabei, als es passierte.“
Corgan unterschlägt hier den Fakt, dass der Grunge aus der Mode gekommen ist, und der sogenannte New Metal a la Korn, Limp Bizkit, Rammstein sehr gehypt wurde. Nur war dieses Strohfeuer rucki zucki weg vom Fenster. Eine Band wie Korn ist heute auch ein Nischenthema und es kommen gefühlt keine Bands nach.
Und dann sind diese Bands eher nur auf Druck etc aus, so dass da musikalisch wenig interessantes dabei ist.
Aber ich teile den Eindruck von Corgan, dass der ganze Rockbereich danach irgendwie plötzlich tot war.
Ich würde hierzu gerne eure Eindrücke und Gegenbeispiele hören etc.
Hierzu empfehle ich mal sich abends auf einen Parkplatz vor Lidl oder Aldi zu stellen, in den Autos der jetzt 20 jährigen läuft garantiert keine Band, sondern eher Haftbefehl und co.