Seid nett aufeinander (D)
La rivoluzione sessuale (IT)
La Mischia (IT)
La révolution sexuelle (F)
La revolución sexual (VEN)
The Sexual Revolution
IT 1968
R: Riccardo Ghione
D: Riccardo Cucciolla, Laura Antonelli, Marisa Mantovani, Ruggero Miti, Christian Aligny, Gaspare Zola, Pilar Castel, María Luisa Bavastro, Giulio Girola, María Montero, Leo Gavero, Rosa Bianca Scerrino u.a.
Deutsche Erstaufführung: 16. Januar 1970
Cinecensura
Wild, wild Podcast
Score: Teo Uselli
OFDb
Vierzehn Personen unterschiedlichen Alters, sieben Männer und sieben Frauen, schließen sich in einem komfortablen Hotel am Meer ein, um das soziale Experiment eines Professors (Riccardo Cucciolla) zu verfolgen, der von den Theorien des österreichischen Sexualforschers Wilhelm Reich inspiriert wurde . (Quelle: Wikipedia)
LA RIVOLUZIONE SESSUALE ist ein typisches Kind seiner Zeit, die glücklicherweise in den Swinging Sixties vonstattenging. Dementsprechend versprüht der Film haufenweise glückselig machendes Zeitkolotrit, das so ziemlich aus jeder Pore des damaligen Zelluloids trieft. Inszeniert wurde der Streifen von Riccardo Ghione, einem italienischern Drehbuchautor , Regisseur und Filmproduzent, der 1951 zusammen mit Marco Ferreri das Filmmagazin „Documento Mensile“ gründete, welches aber trotz der Mitwirkung von Regisseuren wie Vittorio De Sica , Luchino Visconti , Michelangelo Antonioni oder Alberto Moravia bereits nach nur drei Ausgaben scheiterte. 1953 zeichnete er sich gemeinsam mit Marco Ferreri als ausführender Produzent des sechsteiligen Films LIEBE IN DER STADT verantwortlich, bei dem Michelangelo Antonioni, Carlo Lizzani, Federico Fellini, Dino Risi, Alberto Lattuada, Francesco Maselli und Cesare Zavattini Regie führten. Eigentlich hätte LIEBE IN DER STADT eine Erneuerung des Neorealismus einleiten sollen, stattdessen besiegelte er dessen Ende. Im Jahr 1956 begann Ghione seine Karriere als Drehbuchautor, wobei sein erstes Projekt, welches von Vittorio Cottafavi hätte verfilmt werden sollen, letzten Endes unvollendet blieb. 1968 drehte er unter dem Titel IL LIMBO einen Dokumentarfilm, der ebenfalls nie veröffentlicht wurde. Daraufhin folgte ein Jahr später LA RIVOLUZIONE SESSUALE, der zusammen mit A CUORE FREDDO (1971) und IL PRATO MACCHIATO DI ROSSO (1973) Ghiones Œuvre an Regiearbeiten umfasst. Danach betätigte er sich bis zu seinem Tod im Jahr 2003 nur noch als Drehbuchautor.
Das Drehbuch zu LA RIVOLUZIONE SESSUALE verfasste Riccardo Ghione zusammen mit keinem Geringeren als Dario Argento, welches wiederum auf der gleichnamigen Schrift des österreichischen Sexualforschers Wilhelm Reich aus dem Jahr 1935 beruht. Reichs Theorie besagt, dass Individuen sich durch vollkommene sexuelle Befriedigung von Neurosen befreien müssen; sich also sexuell vergnügen sollen, ohne Rücksicht auf Eifersucht. Und genau diese These möchte der Initiator des vorliegenden Forschungsprojekts, Professor Emilio Missiroli, im Rahmen seines Experiments beweisen. Hierzu versammelt er vierzehn Personen unterschiedlichen Alters – sieben Männer und sieben Frauen – in einem stillgelegten Hotel, um mit diesen eine Woche lang ausgelassen "sexuelle Revolution" zu spielen. Unter den Unter den Teilnehmern befinden sich neben seiner Ehefrau auch Menschen aus der Arbeiterklasse, die sich nicht sehnlicher als den Aufstieg in die untere Mittelschicht wünschen, Wohlhabende aus der Bourgeoisie, Verwandte, eine krisengeschüttelte Familie, die samt ihres verunsicherten Sohnes Giorgio angereist ist, und Jugendliche, die sich von den Erwachsenen missverstanden fühlen. Was folgt, ist der Versuch, seinen Neurosen im Rahmen programmatischer Orgien zu entkommen: Jeden Abend werden die Paarkonstellationen, die anschließend ohne Rücksicht auf ihre Gefühle zusammen die Nacht verbringen, per Losverfahren neu gewählt. Daneben wird ständig wild durch das Anwesen getanzt, aphrodisierende Abendessen veranstaltet sowie in letzter Instanz ungehemmt Partnertausch und Gruppensex vollzogen. Dies hat wiederum zur Folge, dass das Experiment bereits am dritten Tag als gescheitert angesehen werden kann, denn neben einem Toten, der sich infolge seiner Verzweiflung mit einem Strick im hoteleigenen Swimmingpool erhängte, verlassen auch die ersten Jugendliche aus Gefühlsfrust das Forschungsprojekt, was wiederum dessen vorzeitiges Ende besiegelt. Andere wiederum erliegen ihren Eifersuchtsgefühlen.
Neben Riccardo Cucciolla, der die Rolle Professor Emilio Missiroli spielt, stechen vor allem die damals noch blutjunge Laura Antonelli sowie Ruggero Miti mit überdurchschnittlichen Darbietungen heraus. Hinzu gesellen sich exzessive Nahaufnahmen, die mit lebhaften Handkameras und Zoomeffekten aufgenommen wurden, eine Traumsequenz, die in Form eines psychedelischen Theaterstücks inszeniert wurde, sowie ein langsamer Schnitt und ein versponnenes Drehbuch, das für die pseudo-intellektuelle Dialoglastigkeit des Werks sorgt. Dabei soll es eigentlich aufzeigen, wie die Intellektuellen vor fast fünfzig Jahren diesbezüglich argumentierten. Letztlich wirkt der hypnotische Film wie ein Vorwand für die voyeuristische Auseinandersetzung mit einem damals aktuellen und angesagten Thema, welches er dann schließlich mit seiner halbphilosophischen Herangehensweise auch ausschlachtet, obwohl er die freizügigen Szenen wiederum eher bedeckt präsentiert.
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