Der Tod sagt Amen (1970)
Originaltitel: Arizona si scateno...e li fece fuori tutti
Herstellungsland: Italien, Spanien
Erscheinungsjahr: 1970
Darsteller: Anthony Steffen, Roberto Camardiel, Marcella Michelangeli, Aldo Sambrell, Rosalba Neri, Roberto Camardiel, Raf Baldassarre, Emilio Delle Piane, Gildo Di Marco
Regie: Sergio Martino
"Der Tod sagt Amen" von Sergio Martino mit Anthony Steffen zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er viel mehr ist als nur ein einfacher, billiger Italowestern. Besonders auffällig ist, dass Anthony Steffen hier genau das ausspielt, was ihn im Italowestern interessant macht. Seine ruhige, harte und verschlossene Ausstrahlung, durch die seine Figur nicht über große Worte, sondern über Präsenz, Blick und Haltung wirkt, was dem Charakter eine ernste und glaubwürdige Stimmung gibt, kommt hier besonders stark zur Geltung. Für mich liefert Anthony Steffen als Arizona Colt eines seiner besten schauspielerischen Leistungen ab, als interessanter Gegenpol dient Roberto Camardiel als Double Whiskey zu seinem kühlen und fast regungslosen Kumpel. Während Anthony Steffen meist sehr kontrolliert, schweigsam und innerlich verhärtet erscheint, bringt sein Begleiter oft mehr Bewegung, Menschlichkeit und Direktheit in das Geschehen, wodurch die Hauptfigur noch härter und abweisender wirkt. Gerade in solchen Italowestern ist dieser Gegensatz wichtig, weil er die Wirkung des stillen Helden verstärkt. Wenn eine Figur in seiner Nähe gesprächiger, emotionaler oder impulsiver ist, dann fällt Steffens stoische Art noch deutlicher auf. Dadurch entsteht nicht nur mehr Dynamik zwischen den Figuren, sondern auch ein besseres Gleichgewicht im Film, weil nicht alles von derselben kalten Energie getragen wird. In meinen Augen ist das Werk auf IMDB und OFDB etwas unterbewertet, der Film bietet neben den beiden starken Charakteren eine klare und spannungsvolle Inszenierung, ohne unnötigen lauten Klamauk im Sinne von Bud Spencer, aber mit witzigen Passagen, wodurch der Film konsequenter wirkt als viele vergleichbare lustige Western aus jener Zeit. Die Balance zwischen Witzigkeit und Ernsthaftigkeit ist recht gut gelungen. Alles in allem punktet bei mir "Der Tod sagt Amen" mit seiner lakonischen Hauptfigur und seinem witzigen Gegenpol, dem Buddycharakter an sich, der gelungenen Handlung und einer Inszenierung, die trotz begrenzter Mittel mehr Spannung, Stil und Charakter entwickelt, als man zunächst vermuten würde. Mich hat das Werk von Sergio Martino im dt. Ton jedenfalls prächtig unterhalten. Vergebe mal 8/10
DER TOD SAGT AMEN - Sergio Martino
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Re: DER TOD SAGT AMEN - Sergio Martino
Deutsche Erstaufführung: 5. August 1971
Synchronkartei
Italo-Cinema
Score: Bruno Nicolai
OFDb
alex_wintermute hat geschrieben: ↑Mo., 25.05.2026 19:29Besonders auffällig ist, dass Anthony Steffen hier genau das ausspielt, was ihn im Italowestern interessant macht. Seine ruhige, harte und verschlossene Ausstrahlung, durch die seine Figur nicht über große Worte, sondern über Präsenz, Blick und Haltung wirkt, was dem Charakter eine ernste und glaubwürdige Stimmung gibt, kommt hier besonders stark zur Geltung. (...) Die Balance zwischen Witzigkeit und Ernsthaftigkeit ist recht gut gelungen. Alles in allem punktet bei mir "Der Tod sagt Amen" mit seiner lakonischen Hauptfigur und seinem witzigen Gegenpol, dem Buddycharakter an sich, der gelungenen Handlung und einer Inszenierung, die trotz begrenzter Mittel mehr Spannung, Stil und Charakter entwickelt, als man zunächst vermuten würde. Mich hat das Werk von Sergio Martino im dt. Ton jedenfalls prächtig unterhalten.
So unterschiedlich sind die Geschmäcker, denn bei mir verhält es sich bei diesem Western genau andersherum. Obwohl der Film handwerklich gut gemacht ist, komme ich gerade bei der deutschen Synchronfassung auf die unpassende Mixtur zwischen Ernsthaftigkeit, Klamauk und völlig überzogener Coolness, die den Helden letztlich alles andere als cool wirken lässt, schwerlich klar. Die Melange zwischen klamaukhafter Komik und der düsteren Härte wirkt auf mich völlig unpassend. Da gibt es zahlreiche andere Vertreter, denen meines Erachtens diese Mixtur viel besser gelungen ist, indem sie schlussendlich stimmiger wirkt. In Sergio Martinos Western werden mir einerseits die roten Linien zum Klamauk zu oft überschritten, andererseits wirkt Anthony Steffens vermeintliche Coolnes meinem Empfinden nach gekünstelt und aufgesetzt. Die italienische Fassung wirkt dahingehend harmonischer, denn sowohl der Klamauk als auch der Coolnessfaktor des Helden wirken weitaus weniger überzogen als in der deutschen Synchronfassung. Hinzu kommt, dass DER TOD SAGT AMEN eine Fortsetzung von Michele Lupos ARIZONA COLT darstellen soll, infolgedessen ich den Tausch des jugenhaft wirkenden Giuliano Gemma mit dem rowdyhaften Anthony Steffen als weniger gelungen empfand. Ebenfalls grauenhaft und unpassend finde ich die Titelmelodie von Bruno Nicolai, bei der sich mir jedes Mal aufs Neue die Fußnägel hochrollen. Daher rangiert der Film bei mir auch im unteren Mittelfeld der Italo-Western-Liga.
Die gestrige Zweitsichtung hielt für mich aber auch eine Überraschungen parat: Marcella Michelangeli, die ich bis vor Kurzem nur als dunkelhaarige Schauspielerin wahrgenommen habe (beispielsweise RACKET, THE .44 SPECIALIST oder TERROR STREETS). Dass die Dame eigentlich ein Blondschopf ist, fiel mir erstmals letzte Woche bei HEXENKESSEL KAIRO auf. Und siehe da, gestern war sie schon wieder dabei. Was mir absolut peinlich ist, ist die Tatsache, dass sie auch in einem meiner Lieblingswestern mitwirkte (SATAN DER RACHE) und ich bis dato nie auf die Idee gekommen bin, dass es sich bei der blonden und dunkelhaarigen Michelangeli letztlich um die gleiche Marcella handelt.
Für ein klein wenig Irritation sorgte hingegen der Auftritt von Gildo Di Marco, den ich durch seinen denkwürdigen Auftritt als Stotterer Garullo ("Na dann, Servus!") aus Dario Argentos DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE verinnerlicht habe und der in der deutschen Synchronfassung von DER TOD SAGT AMEN ebenfalls zum Stotterer degradiert wurde. In der italienischen Sprachfassung ist das nicht so. Offensichtlich hatten die deutschen Synchronstudios einen Narren daran gefressen, ihn zum Stotterer zu machen.
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Re: DER TOD SAGT AMEN - Sergio Martino
Richie Pistilli hat geschrieben: ↑Di., 26.05.2026 21:02So unterschiedlich sind die Geschmäcker, denn bei mir verhält es sich bei diesem Western genau andersherum. Obwohl der Film handwerklich gut gemacht ist, komme ich gerade bei der deutschen Synchronfassung auf die unpassende Mixtur zwischen Ernsthaftigkeit, Klamauk und völlig überzogener Coolness, die den Helden letztlich alles andere als cool wirken lässt, schwerlich klar. Die Melange zwischen klamaukhafter Komik und der düsteren Härte wirkt auf mich völlig unpassend. Da gibt es zahlreiche andere Vertreter, denen meines Erachtens diese Mixtur viel besser gelungen ist, indem sie schlussendlich stimmiger wirkt. In Sergio Martinos Western werden mir einerseits die roten Linien zum Klamauk zu oft überschritten, andererseits wirkt Anthony Steffens vermeintliche Coolnes meinem Empfinden nach gekünstelt und aufgesetzt. Die italienische Fassung wirkt dahingehend harmonischer, denn sowohl der Klamauk als auch der Coolnessfaktor des Helden wirken weitaus weniger überzogen als in der deutschen Synchronfassung. Hinzu kommt, dass DER TOD SAGT AMEN eine Fortsetzung von Michele Lupos ARIZONA COLT darstellen soll, infolgedessen ich den Tausch des jugenhaft wirkenden Giuliano Gemma mit dem rowdyhaften Anthony Steffen als weniger gelungen empfand. Ebenfalls grauenhaft und unpassend finde ich die Titelmelodie von Bruno Nicolai, bei der sich mir jedes Mal aufs Neue die Fußnägel hochrollen. Daher rangiert der Film bei mir auch im unteren Mittelfeld der Italo-Western-Liga.
Hm... also ich finde "Der Tod sagt Amen" ist schon etwas weiter entfernt von dem typischen Klamauk oder "Hau drauf Humor", den man vor allem aus den Terence Hill und Bud Spencer Filmen her kennt. Und Klaus Kindler, der eigentlich der Stammsprecher von Clint Eastwood ist, verleiht seine Stimme ausnahmsweise mal Anthony Steffen, die wie ich finde auch recht gut zu ihm und seiner Mimik und Gestik passt und seine Härte und Coolness nochmals unterstreicht. Finde das jetzt nicht unbedingt so, dass in der deutschen Fassung irgendetwas aufgesetzt wirkt. Ganz im Gegenteil. Einige Stellen im Film mögen zwar vom Humor bzw. Witzeleien etwas überzogen sein, aber für mein Empfinden ist das noch alles im Lot bzw. grünen und gelben Bereich.
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Re: DER TOD SAGT AMEN - Sergio Martino
alex_wintermute hat geschrieben: ↑Mi., 27.05.2026 07:41Hm... also ich finde "Der Tod sagt Amen" ist schon etwas weiter entfernt von dem typischen Klamauk oder "Hau drauf Humor", den man vor allem aus den Terence Hill und Bud Spencer Filmen her kennt. Und Klaus Kindler, der eigentlich der Stammsprecher von Clint Eastwood ist, verleiht seine Stimme ausnahmsweise mal Anthony Steffen, die wie ich finde auch recht gut zu ihm und seiner Mimik und Gestik passt und seine Härte und Coolness nochmals unterstreicht. Finde das jetzt nicht unbedingt so, dass in der deutschen Fassung irgendetwas aufgesetzt wirkt. Ganz im Gegenteil. Einige Stellen im Film mögen zwar vom Humor bzw. Witzeleien etwas überzogen sein, aber für mein Empfinden ist das noch alles im Lot bzw. grünen und gelben Bereich.
Wie gesagt, es handelt sich dabei rein um eine Geschmacksfrage, und über die lässt es sich bekanntlich schwer streiten.
Natürlich ist Martinos Beitrag von dem Klamauk a la Spencer und Hill weit entfernt, aber dennoch war mir persönlich die synchronfassungsgeschuldete Humornote ein wenig too much. Die Stimme von Klaus Kindler mag ich sehr, aber beim vorliegenden Film stören mich halt seine Dialoge - also was er wie sagt. Auf mich wirkten Steffens Sprüche übertrieben und gekünstelt. Zu guter Letzt fand ich auch die Symbiose aus Humor und düsterer Ernsthaftigkeit nicht gerade stimmig. Soweit der Eindruck, den der Film vorgestern im Rahmen meiner zweiten Sichtung bei mir hinterlassen hat. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Warum das so ist? Keine Ahnung?
Denke mal, dass könnte höchstens ein Filmpsychologe beantworten.
Morgen schreibe ich auch noch etwas zu SARTANA, den ich wiederum sehr schätze.
Deine Fimbesprechung gefällt mir sehr gut.
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Re: DER TOD SAGT AMEN - Sergio Martino
Richie Pistilli hat geschrieben: ↑Di., 26.05.2026 21:02Ebenfalls grauenhaft und unpassend finde ich die Titelmelodie von Bruno Nicolai, bei der sich mir jedes Mal aufs Neue die Fußnägel hochrollen.
In dem Bezug meinst du sicherlich diesen Song, vermute ich mal...
Zuerst dachte ich auch bei Erstsichtung nur... WTF?! Soll ich lachen oder weinen? Jedenfalls musste ich Schmunzeln und habe den Songtext lieben gelernt.
Und Bruno Nicolai gehört für mich zu einer der besten it. Filmkomponisten jener Zeit. Hier mal eine kleine Auswahl...
...besonders die ersten beiden Songs sind absolut fantastisch.
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Re: DER TOD SAGT AMEN - Sergio Martino
alex_wintermute hat geschrieben: ↑Do., 28.05.2026 17:49Richie Pistilli hat geschrieben: ↑Di., 26.05.2026 21:02Ebenfalls grauenhaft und unpassend finde ich die Titelmelodie von Bruno Nicolai, bei der sich mir jedes Mal aufs Neue die Fußnägel hochrollen.
In dem Bezug meinst du sicherlich diesen Song, vermute ich mal...
Genau den meinte ich. Obwohl Bruno Nicolai über sämtlichen Verdacht erhaben ist, hat er meines Erachtens bei der vorliegenden Filmmusik den Bogen weit überspannt.
Werde mich an diese Komposition wohl nie gewöhnen.
alex_wintermute hat geschrieben: ↑Do., 28.05.2026 17:49Und Bruno Nicolai gehört für mich zu einer der besten it. Filmkomponisten jener Zeit. Hier mal eine kleine Auswahl...
Definitiv! Und die von Dir geposteten Soundbeispiele mag auch ich allesamt (insbesondere EXZESS und SARTANA - NOCH WARM UND SCHON SAND DRAUF).
Was seine Italo-Western-Kompositionen anbelangt, so kommen mir auf Anhieb noch die folgenden beiden in den Sinn, wobei die Musik zu DER MANN MIT DER KUGELPEITSCHE (SHANGHAI JOE / MEIN NAME IST KARATE-JACK) zwar nur eine Variation der SARTANA-Nummer darstellt, die mir aber letztlich einen Ticken besser gefällt:
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