Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert (D)
Das Geständnis eines Polizeikommissars vor dem Staatsanwalt der Republik (D)
Confessione di un Commissario di Polizia al Procuratore della Repubblica (IT)
Confession d'un commissaire de police au procureur de la République (F)
Confesiones de un comisario (ES)
Confissão de um Comissário (POR)
Polisen mot Maffian (SWE)
Confesión de un comisario a un juez de instrucción (ARG)
Confissões de um Comissário de Polícia ao Procurador da República (BRA)
Confessions of a Police Captain
IT 1971
R: Damiano Damiani
D: Franco Nero, Martin Balsam, Marilù Tolo, Claudio Gora, Luciano Catenacci, Giancarlo Prete, Adolfo Lastretti, Nello Pazzafini, Arturo Dominici, Michele Gammino, Giancarlo Badessi u.a.
Deutsche Erstaufführung: 06. Oktober 1972 (West) / 30. Juni 1972 (Ost)
Synchronkartei (MGM Synchronisations-Atelier, Berlin)
Synchronkartei (DEFA-Studios)
Nischenkino
Sense Of View
Porträt: Damiano Damiani 1922 - 2013
Score: Riz Ortolani
Soundtrack-Review
IMCDb
OFDb
"Vorsicht Traini, wie schnell ist eine Affäre in Gang gebracht, die höchste Beamte diffamiert und das Vertrauen zum Staatswesen untergräbt. Gerechtigkeit, aber mit vorsichtiger Hand."
Kommissar Bonavia (Martin Balsam), ein Polizist der alten Schule, hat eine ganz besondere Lebensaufgabe: Er macht Jagd auf Ferdinando Lomunno (Luciano Catenacci), ein örtlicher Mafiaboss, der durch Korruption, Mord und Terror die Stadt fest im Griff hat. Trotz schwerer Beweislast gelingt es ihm stets aufs neue, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Nach einem Mordanschlag auf Lomunno wird der idealistische Staatsanwalt Traini (Franco Nero) mit dem Fall beauftragt. Mit seinem naiven Glauben an die, seiner Meinung nach, unfehlbare Gerechtigkeit der Justiz, kreuzt er ungewollt den Pfad von Kommissar Bonavia. Gemeinsam sollen sie die Sache Lomunno ein für alle Mal klären. Beide Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, finden sich binnen weniger Stunden im persönlichen Konflikt und einem Hexenkessel an Gewalt und Korruption, aus dem es augenscheinlich keinen Lichtblick gibt. [Quelle: FilmArt]
"Haben sie jemals das Gefühl gehabt, vielleicht nur ein Werkzeug zu sein in den Händen derer, die zufällig oder die Macht haben? [...] Haben sie noch nie befürchtet, dass sie vielleicht für ungerechte Gesetze eintreten? [...] Was würden sie tun, wenn morgen ein Gesetz zur Anwendung der Folter erlassen wird? [...] Würden sie die Folter anwenden, wenn das Gesetz es verlangt?"
Basierend auf einem mit Fulvio Gicca Palli und Salvatore Laurani verfassten Drehbuch, erzählt Damiano Damiani in seinem herausragenden Polit-Thriller DER CLAN, DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT gekonnt eine komplexe Geschichte, in der neben allerhand Korruption, Mord und Totschlag die Begriffsdefinition von "Gerechtigkeit" aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachtet wird, nämlich aus der des von Franco Nero verkörperten Staatsanwalts sowie der von Martin Balsam dargestellten Kommissars. Während der unerfahrene Staatsanwalt Traini erst ziemlich frisch im Geschäft ist, beißt sich Kommissar Bonavia bereits sein halbes Leben an den mafiösen Korruptionsstrukturen die Zähne aus. Im Zentrum der Handlung steht ein einflussreicher Mafiosi namens Ferdinando Lomunno, der gemeinsam mit mächtigen Personen aus Wirtschaft, Finanzwelt, Politik und Justiz in sämtlichen Bereichen die Fäden zieht. Da es Kommissar Bonavia trotz drei Verhaftungen Lomunnos bisher von der Justiz verwehrt wurde, den umtriebigen Gangster in eine Haftanstalt zu verfrachten, betritt dieser plötzlich einen bedenklichen Pfad: Auf sein Einwirken hin wird der Kleinkriminelle Michele Li Puma, der noch eine Rechnung mit Lomunno zu begleichen hat, als geheilt aus einer staatlichen Heilanstalt entlassen. Was folgt, ist ein blutiges Massaker, bei dem nicht nur Li Puma anstatt Lomunno das Zeitrliche segnet, sondern auch Staatsanwalt Traini auf den Plan ruft, der wiederum vom amtierenden Generalstaatsanwalt mit dem Mordfall betraut wurde. Da Kommissar Bonavia aufgrund seiner Erfahrungswerte aber weiterhin sein eigenes Spiel spielt, führt dies zu einem immer größer werdenden Misstrauen auf Seiten Trainis, der aufgrund seiner Unerfahrenheit weder die Komplexität, noch die Kompliziertheit der korrupten Strukturen erkennt. Also beginnt Kommissar Bonavia damit dem jungen Staatsanwalt ungefragt ein paar wichtige Lektionen zu erteilen, die Trainis bis dato eingeschränkte Vorstellungskraft unweigerlich in ungeahnte Höhen schnallen lassen. Doch als der Staatsanwalt endlich das gesamte Ausmaß der Korruption erkennt, in die neben dem Bürgermeister auch der höchste Beamte der Anklagebehörde verstrickt ist, ist es für Kommissar Bonavia schon längst zu spät...
DER CLAN, DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT entpuppt sich als ein dialoglastiger Film, der sich hauptsächlich auf das Zusammenwirken seiner beiden Hauptdarsteller konzentriert. Überdies ist es Damiani gelungen, eine komplexe Geschichte über Verflechtungen zwischen Mafia und Machthabern in Sizilien zu inszenieren, die den gesamten Handlungsverlauf über mitreißt und voller unerwarteter Wendungen steckt. Laut einem Interview mit Franco Nero wären zunächst Anthony Quinn und Ben Gazzara für die Rolle des Kommissars vorgesehen gewesen, die aber beide aufgrund ihrer ständigen Forderungen an den Regisseur schlussenddlich in die Wüste geschickt wurden. Somit erhielt Martin Balsam den Zuschlag, der die Rolle Bonavias mit höchster Bravour ausfüllt. Franco Nero, der den aufstrebenden Staatsanwalt Traini verkörpert, brilliert in seiner Rolle ebenfalls. Der Nächste im Bund ist Claudio Gora, der überzeugend den zwielichtigen Generalstaatsanwalt spielt. Ferner überzeugen in weiteren Rollen Luciano Catenacci als krimineller Strippenzieher des Korruptionsnetzwerks, Nello Pazzafini als gnadenloser Vollstrecker sowie Adolfo Lastretti als blutrünstige Bestie Li Puma, die letztlich von Kommissar Bonavia zur Kriminalitätsbekämpfung instrumentalisiert wurde. Marilù Tolo verkörpert wiederum die Schwester des unberechenbaren Li Puma, deren Wissen eine große Gefahr für die ehrenwerte Gesellschaft darstellt und dementsprechend tragisch in einem aus Zement gegossenen Betonpfeiler endet. Und dann wäre da auch noch Giancarlo Prete, dessen beeindruckende Darbietung als Giampaolo Rizzo in der deutschen Kinofassung gänzlich der Schere zum Opfer fiel. Eine Schande! Abgerundet wird der Film mit einer tollen Filmmusik von Riz Ortolani. Zudem existieren von dem Streifen zwei deutsche Synchronfassungen, nämlich eine von den DEFA-Studios für Ostdeutschland produzierte sowie eine vom MGM Synchronisations-Atelier für Westdeutschland. Letztlich ist es Damiani gelungen, einen beeindruckenden Polit-Thriller auf die Beine zu stellen, der obendrein mit zu seinen besten Arbeiten zählt.
Filmplakate:
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