Lil Dagover
THE WOMAN FROM MONTE CARLO
● THE WOMAN FROM MONTE CARLO (US|1932)
mit Walter Huston, Warren William, George E. Stone, Robert Warwick, Matt McHugh, Frederick Burton, Frank Leigh und John Wray
eine Produktion der First National Pictures
ein Film von Michael Curtiz
»Pflicht, Pflicht... Ich kann es einfach nicht mehr aushalten!«
Deanna Corlaix (Lil Dagover) hat den Ruf einer Vergnügungssuchenden in den Casinos von Monte Carlo erhalten, doch sie sehnt sich nach gesellschaftlicher Anerkennung und heiratet den erhabenen Corlaix, Kapitän der französischen Marine. Doch ihr Gatte ist die meiste Zeit auf See, während Deanna vereinsamt. Sie gerät in eine kompromittierende Situation mit einem jungen Offizier namens Leutnant d'Entrecasteaux (Warren William) und zu allem Überfluss taucht ein Gespenst aus der Vergangenheit auf, bis sie sich Manipulationsversuchen ausgesetzt sieht. Als die La Fayette, das Schiff ihres Mannes, in ein Seegefecht gerät, ist seine Ehefrau heimlich an Bord, was die Karriere des Kapitäns und gleichzeitig die Ehe zu zerstören droht …
Die Dreharbeiten zu Michael Curtiz "The Woman from Monte Carlo" begannen ab Mitte Oktober 1931, bevor es Anfang 1932 zu dessen US-amerikanischem Massenstart kam. Lil Dagover wurde durch große Kampagnen beworben, doch der Film wurde insgesamt kein großer kommerzieller Erfolg, sodass er auch nie einen deutschen Kinostart erleben durfte, hierzulande gleich nach Erscheinen in den USA in Vergessenheit geriet. Für Dagover, die im Vorspann noch vor dem Titel und ihren durchaus namhaften männlichen Kollegen genannt wird, und in den Vereinigten Staaten einen großen Bekanntheitsgrad genoss, sollte es die einzige Arbeit in Hollywood bleiben, welches ihr laut eigenen Aussagen nicht besonders zugesagt haben soll. Ob es sich nur um eine Halbwahrheit handelt und man sie einfach nicht wie etwa Marlene Dietrich etablieren konnte, sei dahin gestellt. Der Film bedient für die Entstehungszeit typische Mechanismen des Liebesdramas und setzt auf Dialoglastigkeit, die das Ganze etwas zäh werden lässt. Hinzu kommt, dass man sich überwiegend im Vakuum Schiff wiederfindet und mit einer Vorhersehbarkeit konfrontiert ist, die selbst die spannendsten Sequenzen entschärfen wird. Dennoch bleibt es überaus beachtlich, Lil Dagover in diesem Film zu sehen, deren Karriere sich über einen beachtlichen Zeitraum von über 60 Jahren erstreckte und bereits im Stummfilm begann. Hier avancierte sie zum Star, über die Jahrzehnte gesehen sogar zur Stilikone mit dem ewigen Gesicht, da tatsächlich in keiner Dekade zu erkennen war, in welchem (teils hohen) Alter sie sich gerade befand. Ihre sparsame, beinahe maskenhafte Mimik kommt auch hier zum Tragen, ihr Temperament äußert sich in Gebärden und Worten. Interessant ist, dass sie im Film immer wieder ins Deutsche verfällt, wenn sich ihre Deanna Corlaix beispielsweise freut oder ärgert. Dagover steht ihren weiblichen US-amerikanischen Stars in nichts nach, kann sie hier jedoch auch nicht maßgeblich übertrumpfen. Dafür ist die Geschichte zu handelsüblich und die Dramaturgie bietet keine Möglichkeiten eine Sternstunde zu kreieren. Szenen einer Ehe repräsentieren gleichzeitig die Probleme einer Ehe, da die Pflicht des Marinekommandanten Corlaix für monatelange Pausen und dementsprechend Intervalle der Sehnsucht sorgt.
Dafür, dass der Film schon so alt ist, sollte man ihm insgesamt weniger Vorwürfe machen, als es der eigene Impuls verlangt, denn die Palette der vorhandenen Möglichkeiten wird effektiv ausgenutzt. Man sieht annehmbare Tricks, die zeitbezogen sicherlich gut waren, spannende Intervalle, die in den richtigen Momenten zuzupacken wissen und zwischenmenschlichen Zündstoff, der heute vielleicht anders aussieht, aber gewiss noch in anderen Reinformen vorhanden ist. Lil Dagovers unverkennbare Eleganz, die sich in den diskreten Momenten der Geschichte in eine besondere Art der Dominanz umzuwandeln zu scheint, verfeinert das Geschehen manchmal herb, hin und wieder bittersüß, und ihre Partner Walter Huston, Warren William und John Wray stehen ihren Mann und das nicht nur im Sinne der dramaturgischen Anlegungen. So viele positive Komponenten sich auch aufzählen lassen, am Ende bleibt der persönliche Geschmack Richter und Henker zugleich, sodass sich lediglich ein Fazit des Durchschnitts abzeichnen kann. Viele Intervalle wirken durch ihre langen Dialogstrecken zwischen gleichen Personen nicht nur geschwätzig, sondern richtiggehend langweilig, außerdem kommt es zu allerlei Füllmaterial. Unterm Strich bleibt jedoch wieder einmal Lil Dagover, um die sich eine Faszination zusammenbraut, wie die tosende See um die La Fayette. Bereits wenige Jahre später oder vielleicht auch schon hier, wurde sie zur lebenden Legende, da sie den Transfer zum Tonfilm schaffte, woran viele ihrer Kollegen gescheitert waren. Ihre Ausdrucksmöglichkeiten liegen daher weiter zurück als die der alten Schule, die Regie lässt einen enormen Distanzaufbau bestehen, der Lil Dagover vielleicht ein wenig am Zielpublikum vorbeizumanövrieren droht. Als Identifikationsfigur erscheint sie dramaturgisch und generell zu unnahbar zu sein. Unterm Strich bleibt also eine interessante und nicht minder faszinierende Studie zurück, die den eigentlich zu melodramatischen und durchsichtigen "The Woman from Monte Carlo" interessanter als gedacht machen. Späte Szenen am Gericht, im Zeugenstand und die Integration des Schicksals bringen das Geschehen zu einem versöhnlichen Abschluss und man sollte insgesamt nicht vergessen und unterschlagen, dass das Produktionsjahr 1932 nun auch schon wieder einige Monate zurückliegt.
Die Dreharbeiten zu Michael Curtiz "The Woman from Monte Carlo" begannen ab Mitte Oktober 1931, bevor es Anfang 1932 zu dessen US-amerikanischem Massenstart kam. Lil Dagover wurde durch große Kampagnen beworben, doch der Film wurde insgesamt kein großer kommerzieller Erfolg, sodass er auch nie einen deutschen Kinostart erleben durfte, hierzulande gleich nach Erscheinen in den USA in Vergessenheit geriet. Für Dagover, die im Vorspann noch vor dem Titel und ihren durchaus namhaften männlichen Kollegen genannt wird, und in den Vereinigten Staaten einen großen Bekanntheitsgrad genoss, sollte es die einzige Arbeit in Hollywood bleiben, welches ihr laut eigenen Aussagen nicht besonders zugesagt haben soll. Ob es sich nur um eine Halbwahrheit handelt und man sie einfach nicht wie etwa Marlene Dietrich etablieren konnte, sei dahin gestellt. Der Film bedient für die Entstehungszeit typische Mechanismen des Liebesdramas und setzt auf Dialoglastigkeit, die das Ganze etwas zäh werden lässt. Hinzu kommt, dass man sich überwiegend im Vakuum Schiff wiederfindet und mit einer Vorhersehbarkeit konfrontiert ist, die selbst die spannendsten Sequenzen entschärfen wird. Dennoch bleibt es überaus beachtlich, Lil Dagover in diesem Film zu sehen, deren Karriere sich über einen beachtlichen Zeitraum von über 60 Jahren erstreckte und bereits im Stummfilm begann. Hier avancierte sie zum Star, über die Jahrzehnte gesehen sogar zur Stilikone mit dem ewigen Gesicht, da tatsächlich in keiner Dekade zu erkennen war, in welchem (teils hohen) Alter sie sich gerade befand. Ihre sparsame, beinahe maskenhafte Mimik kommt auch hier zum Tragen, ihr Temperament äußert sich in Gebärden und Worten. Interessant ist, dass sie im Film immer wieder ins Deutsche verfällt, wenn sich ihre Deanna Corlaix beispielsweise freut oder ärgert. Dagover steht ihren weiblichen US-amerikanischen Stars in nichts nach, kann sie hier jedoch auch nicht maßgeblich übertrumpfen. Dafür ist die Geschichte zu handelsüblich und die Dramaturgie bietet keine Möglichkeiten eine Sternstunde zu kreieren. Szenen einer Ehe repräsentieren gleichzeitig die Probleme einer Ehe, da die Pflicht des Marinekommandanten Corlaix für monatelange Pausen und dementsprechend Intervalle der Sehnsucht sorgt.
Dafür, dass der Film schon so alt ist, sollte man ihm insgesamt weniger Vorwürfe machen, als es der eigene Impuls verlangt, denn die Palette der vorhandenen Möglichkeiten wird effektiv ausgenutzt. Man sieht annehmbare Tricks, die zeitbezogen sicherlich gut waren, spannende Intervalle, die in den richtigen Momenten zuzupacken wissen und zwischenmenschlichen Zündstoff, der heute vielleicht anders aussieht, aber gewiss noch in anderen Reinformen vorhanden ist. Lil Dagovers unverkennbare Eleganz, die sich in den diskreten Momenten der Geschichte in eine besondere Art der Dominanz umzuwandeln zu scheint, verfeinert das Geschehen manchmal herb, hin und wieder bittersüß, und ihre Partner Walter Huston, Warren William und John Wray stehen ihren Mann und das nicht nur im Sinne der dramaturgischen Anlegungen. So viele positive Komponenten sich auch aufzählen lassen, am Ende bleibt der persönliche Geschmack Richter und Henker zugleich, sodass sich lediglich ein Fazit des Durchschnitts abzeichnen kann. Viele Intervalle wirken durch ihre langen Dialogstrecken zwischen gleichen Personen nicht nur geschwätzig, sondern richtiggehend langweilig, außerdem kommt es zu allerlei Füllmaterial. Unterm Strich bleibt jedoch wieder einmal Lil Dagover, um die sich eine Faszination zusammenbraut, wie die tosende See um die La Fayette. Bereits wenige Jahre später oder vielleicht auch schon hier, wurde sie zur lebenden Legende, da sie den Transfer zum Tonfilm schaffte, woran viele ihrer Kollegen gescheitert waren. Ihre Ausdrucksmöglichkeiten liegen daher weiter zurück als die der alten Schule, die Regie lässt einen enormen Distanzaufbau bestehen, der Lil Dagover vielleicht ein wenig am Zielpublikum vorbeizumanövrieren droht. Als Identifikationsfigur erscheint sie dramaturgisch und generell zu unnahbar zu sein. Unterm Strich bleibt also eine interessante und nicht minder faszinierende Studie zurück, die den eigentlich zu melodramatischen und durchsichtigen "The Woman from Monte Carlo" interessanter als gedacht machen. Späte Szenen am Gericht, im Zeugenstand und die Integration des Schicksals bringen das Geschehen zu einem versöhnlichen Abschluss und man sollte insgesamt nicht vergessen und unterschlagen, dass das Produktionsjahr 1932 nun auch schon wieder einige Monate zurückliegt.
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