DAS CHINESISCHE WUNDER - Wolfgang Liebeneiner

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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DAS CHINESISCHE WUNDER - Wolfgang Liebeneiner

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DAS CHINESISCHE WUNDER


● DAS CHINESISCHE WUNDER (D|1975)
mit Senta Berger, Peter Pasetti, Christian Kohlund, Kitty Mattern, Gaby Herbst, Lisa Chung Ding Dong, Friedhelm Lehmann, Sabi Dorr, John Wo Chi, Ellen Umlauf,
Margot Mahler, Edith Meinel, Alexander May, Bert Fortell, Herbert Fux, Reinhard Kolldehoff, Elisabeth Karg, Marion Kracht, Ingeborg Steinbach, Bruno W. Pantel
und in der Rolle des Poliakoff Heinz Rühmann sowie Harald Leipnitz
Produktion Cinema 77 | im Verleih der Twentieth Century Fox
ein Film von Wolfgang Liebeneiner

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»Man stirbt an seinem ganzen Leben!«


Nachdem der junge Chirurg Dr. Kristian Keller (Christian Kohlund) keine berufliche Erfüllung finden konnte, kehrt er Deutschland den Rücken und begibt sich nach Hongkong. Während des Fluges ereignet sich ein medizinischer Notfall und Keller befürchtet, dass die Patientin ohne Not-Operation stirbt. Er gelangt an den Punkt, an dem er der Frau nicht mehr helfen kann. Hier kommt es zu einem einschneidenden Erlebnis. Ein alter Mann namens Poliakoff (Heinz Rühmann) rettet die Patientin mit der fernöstlichen Kunst der Akupunktur. Keller ist überwältigt von der wirksamen, aber ebenso einfachen Methode und möchte mehr darüber erfahren, doch die beiden Männer verlieren sich wieder aus den Augen. Noch ahnt er nichts von einem baldigen Wiedersehen …

Die Cinema 77 Beteiligungs-GmbH & Co. zweite Produktions KG machte sich in den 1970er Jahren einen Namen durch das Modell der sogenannten Abschreibungs- oder Steuer-Filme. So nutzte die Filmproduktionsgesellschaft seinerzeit bestehende deutsche Steuergesetze aus, die es solventen Anlegern ermöglichten, Investitionen in Filmprojekte sofort und in voller Höhe von steuerlich abzusetzen. Ob diese Filme schlussendlich indirekt von gemeinen Steuerzahler finanziert wurden, ist durchaus ein interessanter Denkansatz. Eingesammelt wurden Millionenbeträge von privaten Investoren, um etwa ein Großprojekt wie "Das chinesische Wunder" völlig risikominimiert durchfinanzieren zu können. Wolfgang Liebeneiners Beitrag stellt somit ein gutes Beispiel für derartig unverhältnismäßig aufgeblasene Produktionen dar, die in der Regel über spektakuläre Besetzungen, üppige Ausstattungen und ausgiebige Drehs an internationalen Schauplätzen verfügen. Geld spielte wie hier offensichtlich keine Rolle, was völlig konträr zu der Gewissheit steht, dass der Film ein ausgesprochener Flop an den Kinokassen und letztlich ein jeweiliges Millionengrab werden sollte. Auch bei diesem Beitrag erwies es sich als schwer, irgendeinen Verleih ausfindig zu machen, doch mit großer Verzögerung gelangte er Anfang 1977 über die Twentieth Century Fox of Germany in einige Kinos. Die größte Resonanz stellte hierbei lediglich die Verrissfreudigkeit der Kritiker dar. So ist der Film bis heute in der Versenkung verschwunden, obwohl er wie angemerkt über zahlreiche Qualitätsmerkmale und eine Top-Besetzung verfügt, die sich fundamental aus Senta Berger, Peter Pasetti, Christian Kohlund und Heinz Rühmann zusammensetzt. Was sich insgesamt kritisch anhört, stellt bei einem rückwirkenden Aufrollen dieser Praktik jedoch keine dar, denn es ist interessant diese teuer produzierten Vehikel zu Gesicht zu bekommen, da es durchaus weitere Existenzberechtigungen als das steuerliche Modell zu finden gibt. Das Klinik-Setting war allerdings schon aus Rolf Thieles im selben Jahr produzierten Abschreibungsfilm "Frauenstation" bekannt und verfügt im Vergleich über eine eigentlich ansprechende Grundstory, die dennoch schwach umgesetzt ist.

Wolfgang Liebeneiner bekommt das Ganze insgesamt besser als sein immer nach guten Zeitpunkten suchender Kollege Rolf Thiele auf Zelluloid zusammengefasst, da er seinem Produkt nicht dieselbe Wichtigkeit beimisst und das Ganze dem Empfinden nach unprätentiöser angeht. Die Thematik dieses Films ist vom Prinzip her interessant genug, um zahlreiche brisante Fragen aufzuwerfen, die jedoch zugunsten der Eitelkeit der hier zur Schau gestellten Charaktere und der allgemeinen Massentauglichkeit untergeordnet werden. So sind die ersten Eindrücke aus dem Klinikalltag Szenen einer offenbar zerrütteten Ehe, die durch Gleichgültigkeit, Demütigungen, Eiseskälte und Alkohol befeuert werden. Peter Pasetti und Senta Berger bieten hierbei einige gekonnte Kostproben ihres breitfächrigen Repertoires an. Er als Professor der Klinik verweist auf seine Pflicht, seiner Klientel zu dienen: »Du willst die Bedingungen, unter denen ich arbeite, einfach nicht zur Kenntnis nehmen!« Der Zuschauer merkt schnell, dass es sich hierbei nur um eine Halbwahrheit handelt, denn schnell wird auf die persönlichen Eitelkeiten und wenig wissenschaftlichen Ziele des Professors verwiesen, der mit aller Gewalt eine riskante Operation durchsetzen will, die de facto nicht nötig ist, also keine medizinisch vertretbare Indikation hergibt. Er will sich ein nachhaltiges Denkmal setzen, damit er von der Fachwelt bewundert wird. Sein Wunsch auf die Titelblätter der Fachzeitschriften zu kommen, scheint dem Anvisieren von Boulevardmagazinen deutlich untergeordnet zu sein. Genau wie seine Frau Detta, die konkret beschreibt, was ihr in dieser nur noch auf dem Papier bestehenden Ehe am meisten fehlt. Zwar lockert jeder zusätzliche Drink ihre Emotionen insofern, als sie von ihrem Gatten als ordinär und völlig unsachlich wahrgenommen wird, aber es folgt ein weiteres steriles Referat über das, was sie bereits hinlänglich kennt. Senta Berger überrascht mit einer entfesselten Performance, um schlussendlich darauf hinzuweisen, dass ihre Frau Professor am Ende und zu allem bereit ist. »Bin keine Patientin. Bin besoffen!«. Man muss schon schmunzeln, als sie ihre erste Begegnung mit ihrem späteren Liebhaber mit diesen Worten abschließt. Der Professor hingegen verweist auf die gut situierten Verhältnisse und selbstredend darauf, dass seine Frau sich doch jeden Wunsch erfüllen könne, sodass beide klassisch aneinander vorbeireden.

Derartige Streitgespräche wurden in unzähligen Filmen zuvor aufbereitet, doch hier macht das darstellende Duo besonderen Spaß, da man sich betont weit weg vom Gegenpart positioniert. All dies soll von der Thematik her nicht selbstzweckhaft wirken, doch Wolfgang Liebeneiner schafft es aufgrund des durchsichtigen Skripts nicht, diese Strategie zur Vollendung zu bringen. Vielmehr laufen die Dinge plötzlich wie erwartet und das Schicksal darf Richter über die wichtigsten Beteiligten spielen, sodass man sich plötzlich in Hongkong wiederfindet. Hier verschafft Liebeneiner Heinz Rühmann nochmal eine großkleine Bühne. Die erste Zusammenarbeit zwischen beiden kam übrigens erstmals im Jahr 1937 mit "Der Mustergatte" zustande. Zwar ist Heinz Rühmann hier bestenfalls in einer prominenten Stargast-Rolle zu sehen, die vom Umfang her nicht besonders ausfüllend ist, allerdings spielt er einen wichtigen Part, der die Geschichte in neue Bahnen lenken wird. Hinzu kommt, dass ihm eine dicke Portion Star-Bonus zugesprochen wird, bis man sich in ein paar Selbstinszenierungen des gebürtigen Esseners wiederfindet. Zeitweise schwebt die Gewichtung auf dem Thema fernöstlicher Heilmethoden derartig stark über den Köpfen der Zuschauer, dass man beinahe einem Kulturschock aufsitzt, wenn es wieder zurück in die sterile Bundesrepublik geht. Leider wirkt insgesamt alles recht konstruiert, sodass es zu keinen signifikanten Überraschungsmomenten kommen wird, bis auf eine: Es schimmern interessante (gesellschaftskritische und bis heute aktuelle) Ansätze hervor, die zu simpel und beinahe gewaltsam zu einem behäbig und mutlos wirkenden Massenprodukt modelliert werden. Das anfängliche Tempo kommt insbesondere gegen Ende zum Erliegen, spielt sich daher hauptsächlich in Fernost ab und am Ende offenbart sich ein Finale, welches bei so viel vorhergegangener Uneinigkeit einfach nur als unbefriedigend zu beschreiben ist. Ob es der durchaus existierenden Romanvorlage zuzuschreiben ist, den Vorgaben der Produzenten oder der zu bequemen Regie, wird hier wohl immer ein deutsch-chinesisches Geheimnis bleiben. Ansonsten bleibt ein temperamentloses Tauziehen zwischen Schul- und Komplementärmedizin, das insgesamt gesehen nicht über interessante Ansätze hinauskommt.

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● ELLEN UMLAUF als FRAU SCHWARZ in
DAS CHINESISCHE WUNDER (D|1976)



Es lässt sich ohne Übertreibungen sagen, dass Ellen Umlauf bis zum Produktionszeitpunkt 1975 bereits so gut wie alles gespielt hatte, weil sie es konnte, daher auch immer gerne gebucht wurde. Dies gilt insbesondere für derartig kleine Parts wie in Wolfgang Liebeneiners "Das chinesische Wunder", in dem ihr Auftritt in drei Mini-Intervallen vonstattengeht. Als Frau Schwarz lernt man sie erst gegen Ende des Geschehens kennen und muss schon genau hinschauen, bis sie zu erkennen ist. Als Patientin mit chronischer Migräne ist sie tief in ihren Stuhl versunken und würde sich am liebsten in einem verdunkelten Zimmer unsichtbar machen. Ihre Filmtochter führt das Gespräch, aus der leidenden Mutter ist kein einziges Wort herauszubringen. Die Pein ist zu groß, der Tag wie üblich komplett gelaufen. Der Professor verteilt umgehend eine kalte Dusche, schlägt eine medikamentöse Behandlung vor, da es ansonsten keine hilfreiche Therapie gebe. Dabei handelt es sich um eine Rede, mit der Frau Schwarz hinlänglich vertraut ist. Sie hat keine Kraft, sich aufzubäumen, irgendetwas zu sagen, Fragen zu stellen, geschweige denn zu beantworten. Daher fungiert ihre Tochter als kritische Wortführerin, die jedoch jede bittere Pille für ihre Mutter mit herunterschlucken muss. Auf dem Gang werden sie von einer Schwester angehalten, die ihnen unter der Hand eine Adresse gibt. Wenige Szenen später ist Ellen Umlauf bei einer Akupunkturbehandlung zu sehen. Sie wirkt erschöpft, aber verhalten optimistisch, was man aus ihrer Verwunderung heraushören kann, dass die Behandlung wider Erwarten keine Schmerzen verursache. Ellen Umlauf versetzt sich minutiös in ihre kleine Rolle, immerhin hat sie eine wie üblich geschwätzige Filmtochter namens Margot Mahler an ihrer Seite, die zum Spiegel ihrer Verzweiflung und Resignation wird. Die gebürtige Wienerin zeichnet eine ausgelaugte Frau, die keine Kraft mehr für Hoffnungsschimmer übrig hat. Zu häufig wurde ihr die gleiche Informationslage aufgetischt und er Erfolg war stets derselbe, da er ausblieb. Dramaturgisch gesehen ist die Rolle der Frau Schwarz eine klassische Zubringer-Rolle und dient der narrativen Kolportage, immerhin müssen sich die Wege von Professor Gaspardi und Dr. Kristian Keller wieder kreuzen. Nach aller Angespanntheit und Lethargie folgt schließlich eine sichtlich erleichtert wirkende Ellen Umlauf, die milde kommentieren und gelassen auf die potenziellen Erfolge blicken kann.

Hierbei ist es interessant zu beobachten, dass die für ihr Temperament und eine merkliche Widerspenstigkeit bekannte Interpretin es mit einem völlig konträren Angebot versucht, um dem Zuschauer trotz der Übersichtlichkeit ihrer Rolle doch in Erinnerung zu bleiben, zumal man sie anfangs kaum wahrnehmen konnte. In der aufgerollten Strategie der Geschichte hat auch diese Behandlung glattzugehen, schließlich gab es im Vorfeld so viele Reibungsflächen. Außerdem muss der Kern der Geschichte seine Bestätigung finden. Zu diesem Zweck kommt Ellen Umlauf in ihrem dritten Part ihres Auftrittes noch einmal zu Wort, als es um die Konfrontation mit Professor Gaspardi geht. So sickert durch, dass eine seiner engsten Vertrauten einen Tipp für die erhaltene alternative Behandlung gegeben hat, doch um die Schwester nicht zu kompromittieren, pariert Frau Schwarz erstaunlich schnell und behauptet, dass sie sich quasi selbst um eine Alternative bemüht habe. Umlauf zeigt sich hier von ihrer überaus subtilen Seite und wird somit Teil eines leider nicht optimal konstruierten Happy End. Betrachtet man die ausgiebige Besetzungsliste, so hätte die Schauspielerin auch einige andere Aufgaben übernehmen können, so beispielsweise den Part der hilfsbereiten Schwester. Es soll jedoch von keiner Austauschbarkeit die Rede sein, sondern von der Intention, dass die kleinsten Nebenrollen hier namhaft besetzt werden konnten. Für Ellen Umlauf handelt es sich hier um eine leichte Fingerübung, erlebt man sie abwechslungsweise mal nicht mit "Wiener Schnauze" und dem entsprechenden Temperament Sehenswert ist diese kleine Darbietung allemal, gehört sie doch ebenso wie ihre bekanntesten Interpretationen zum Gesamtbild ihrer Karriere. Von derartigen Engagements gibt es übrigens noch sehr viele zu entdecken, da Umlauf Zeit ihrer Karriere immer gut im Geschäft war. An Frau Schwarz wird man sich sicherlich noch eine Zeit erinnern, zumal man sie mit zahlreichen Akupunkturnadeln im Gesicht präsentiert bekam, sie bei dieser Gelegenheit Teil einer regelrechten Werbekampagne für fernöstliche Heilmethoden wird. Am Ende holt die Darstellerin das Maximum aus ihrer Rolle heraus, die unter strikt begrenzten Möglichkeiten in das Szenario eingebettet wirkt. Den Film sollte man sich schlussendlich nicht gerade nur wegen Ellen Umlauf anschauen, denn dafür werden viele weitere hochkarätige Interpretationen angeboten, die sich ebenfalls im sehenswerten Radius abspielen.



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