STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Staubige Dörfer, schweigsame Pistoleros und glühende Colts.
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Sid Vicious
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STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Beitrag von Sid Vicious »

Regisseur: Roberto Bianchi Montero
Kamera: Stelvio Massi
Musik: Giosy Capuano, Mario Capuano
Drehbuch: Alberto Silvestri, Franco Verucci
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Der „Mathematiker“ ist als geistiger Tiefflieger verschrien. Ständig sucht er die örtliche Bank auf, um seine frisch geschürften Goldfunde einzureichen. Doch in seinen Leinensäcken ist nicht mehr als Sand. Niemand ahnt, dass das Schlitzohr einen Überfall vorbereitet und Informationen über die Goldvorräte von Fort Henderson sammelt. Natürlich kann ihm ein solcher Coup nicht allein gelingen, weshalb er zwei Männer und eine Frau rekrutiert, die ihn bei seinem Unternehmen unterstützen sollen. Über die genauen Einzelheiten des Plans wird keine der Personen informiert, einzig der gerissene „Mathematiker“ hält die Fäden in der Hand, doch man sollte seine Kollegen niemals unterschätzen!

„Stinkende Dollar“ ist einer der Italo-Western, die den Ruf für sich beanspruchen, das Genre nicht nur bereichert, sondern wirkungsvoll an dessen Weiterentwicklung „mitgeschraubt“ zu haben. Also kein „typischer“ IW, da seine Gestaltung von den Einflüssen des französischen Gangsterkinos infiltriert ist. So transportiert die Umsetzung eines Goldraubs eine Verfahrensweise, die mit den Prozederen eines Jean-Pierre Melville vergleichbar ist. Das minutiöse Vorgehen eines Uhrwerks, wie es beispielsweise die Planung des Coups in „Vier im roten Kreis“ suggeriert. Folglich spielt Roberto Bianchi Montero mit den Ingredienzien zweier Genres, welche er erfolgreich verknüpft und ein durchweg spannendes Gesamtkonstrukt offerieren kann.

Das Raubkommando besteht aus vier Personen, die der „Mathematiker“ sorgfältig auswählte. Der Clou beim Coup: die Beteiligten bekommen sich während des Raubs nicht zu Gesicht, obwohl sie Hand in Hand arbeiten. Der „Mathematiker“ ist halt ein mit allen Wassern gewaschener Fuchs, der es faustdick hinter den Ohren hat. Sein Team: Der unehrenhaft aus der Armee entlassene Colonel Blackgrave, ein Gentleman und eiskalter Killer. Honey (Django), ein Draufgänger und Revolverheld, sowie Janet, eine Schlampe, die die Geilheit des diensthabenden Offiziers erwecken und diesen mit einem Schäferstündchen ablenken soll. Für den „Mathematiker“ ist die Uhr der Kompass seines Lebens und seine drei Kompagnons wirken als feine Rädchen (s)eines uhrwerkartig greifenden Plans. Soviel sei zum ersten Part des Films, der sich in zwei Hälften gliedert, verraten. Der zweite Part konzentriert sich auf die Komplikationen nach dem Raub. Hierbei wechselt die Machtposition (Janet ausgenommen) der Charaktere. Dieses stetige Chargieren kommt dem Zuschauer zugute, da er stets mit interessanten Wendungen konfrontiert wird und bis zuletzt nicht prognostizieren kann, wer am Ende der (un)lucky loser sein wird.

Roberto Bianchi Montero, der für den sagenumwobenen „Tina räumt auf“ (1959) verantwortlich zeichnet, erzeugte innert „Stinkende Dollar“ eine düstere Atmosphäre zwischen Habgier und Gewalt. Die wenigen Stimmungsaufheller sind dem „Mathematiker“ sowie der deutschen Synchronisation (Klaus Kindler, Gerd Martienzen Heinz Petruo, Arnold Marquis und Co.) geschuldet. Das dazu (von Giosy und Mario Capuano) passend geschneiderte, akustische Gewand erinnert an die Kompositionen von Ennio Morricone, selbsterklärend mit den Instrumenten intensiviert, welche Morricones begnadete Tondichtungen zu ihrer globalen Popularität verhalfen.

Bei der Kulissenwahl setzt der Regisseur auf kostengünstige, mit spartanischem Mobiliar ausgestattete Holzbaracken, was einen äußerst versifften Ausdruck vermittelt. Eine ärmliche Ausstattung in einem ansonsten reichen Film, der obendrein mit einigen interessanten Kameraperspektiven auffährt. Hinter der Kamera stand übrigens Stelvio Massi, der sich später als Regisseur von renommierten Polizeifilmen wie der "Mark il Poliziotto-Trilogie", „Kommissar Mariani - Zum Tode verurteilt“, „Killer der Apocalypse“ etc. einen Namen machte.

Der Film lief in den deutschen Lichtspielhäusern (sowie seiner VHS-Veröffentlichung und TV-Ausstrahlung) unter dem Titel „Stinkende Dollar“. Mit dem Konkurs des „Alpha-Verleih“, wanderten die Rechte zu „Nobis“, ein Unternehmen, dass dem Streifen unter dem Titel "Django - sein Colt singt sechs Strophen" zu einer Kinowiederaufführung verhalf. Zu diesem Zweck wurde der Film in (wenigstens) einer Passage neu synchronisiert. Dieses lässt sich anhand der Super 8-Fassung (die das Zitat: „Du wirst schon von ihm gehört haben. Ein gnadenloser Kerl - sie nennen ihn Django“ einbringt) belegen. Ungeachtet dieser Veröffentlichung lassen sich (bisher zumindest) keine Tondokumente zu einer möglicherweise umfangreicheren Alternativsynchronisation finden.

Fazit: Eine dreckige, spannende und intelligente Spaghetti-Bleioper, die mit einer guten Kameraarbeit und ebenso guten Schauspielern auffährt. Ein Italo-Western, der eine (ihm würdige!) digitale Veröffentlichung redlich verdient hat.
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Il nero
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Re: STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Beitrag von Il nero »

Das WA Plakat...
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... und der von Italo-West-Fan gemachte Trailer
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Anti-Hero
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Re: STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Beitrag von Anti-Hero »

Wow, das WA-Plakat ist ja der Hammer. Nie gesehen


Ich nenne nur das mein Eigen, es gibt aber noch ein gemaltes von der Erstaufführung
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Il nero
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Re: STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Beitrag von Il nero »

Anti-Hero hat geschrieben:
So., 17.01.2021 08:45
...es gibt aber noch ein gemaltes von der Erstaufführung
Hast du da nen Scan von ? Das hab ich noch nie gesehen
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Sid Vicious
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Re: STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Beitrag von Sid Vicious »

ich habe beide Plakate bisher noch nicht gesehen, allerdings auch nicht danach gesucht. Egal, hatte Koch Media den Film mal angekündigt? ich meine, da war mal was.
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Il nero
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Re: STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Beitrag von Il nero »

Ich glaub Koch war das nicht, sondern ein anderes Label dass den Film der FSK vorgelegt hat.
Veröffentlicht wurde dann aber leider nix :|
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Anti-Hero
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Re: STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Beitrag von Anti-Hero »

Il nero hat geschrieben:
So., 17.01.2021 15:45
Anti-Hero hat geschrieben:
So., 17.01.2021 08:45
...es gibt aber noch ein gemaltes von der Erstaufführung
Hast du da nen Scan von ? Das hab ich noch nie gesehen
leider nur in der Qualität. Das Motiv wurde dann auch für "Steckbrief ist kein Heiligenbild" verwendet

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Il nero
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Re: STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Beitrag von Il nero »

Das Motiv scheint sehr beliebt gewesen zu sein :mrgreen:

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Richie Pistilli
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Re: STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Beitrag von Richie Pistilli »

locandina-le-due-facce-del-dollaro-greenwood-herlin-montero-b246.jpg


Stinkende Dollar (D)
Django - Sein Colt singt sechs Strophen (D)
Le due facce del dollaro (IT)
Poker d'as pour Django (F)
As Duas Faces do Dolar (BRA)
Two Faces of the Dollar
Heads or Heads


IT / F 1967

R: Roberto Bianchi Montero
D: Maurice Poli, Jacques Herlin, Gérard Herter, Gabriella Giorgelli, Andrea Bosic, Giovanni Ivan Scratuglia, Tom Felleghy, Andrea Scotti, Mario Maranzana, Claudio Ruffini u.a.



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Deutsche Erstaufführung: 21. August 1970

Synchronkartei

Italo-Cinema

SWDB

Score: Mario & Giosy Capuano

OFDb



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Nach erfolgreichem Goldraub geraten die Bandenmitglieder auf der Flucht über die Verteilung der Beute in Streit, was zu tödlichen Auseinandersetzungen führt.
[Quelle: ITT Contrast Video]



Ein außergewöhnlicher Western, den Roberto Bianchi Montero 1970 auf die Beine stellte. Der Film entpuppt sich als ein Heist-Film im Gestalt eines Italowesterns, für dessen Drehbuch offenbar Filme wie beispielsweise DIE 7 GOLDENEN MÄNNER, THE VATICAN AFFAIR, DER SUPER-COUP DER PROFI-ASSE, DER COUP DER 7 ASSE, TOP JOB - DIAMANTENRAUB IN RIO, HOCHKARÄTIGER EINSATZ, BRADOCK - DREI UNZEN ZUM FÜNF-UHR-TEE oder GOLDRAUB IN LONDON Pate standen. Der Film erzählt die Geschichte dreier Männer, die gemeinsam einen gut durchdachten Plan für einen Goldraub in die Tat umsetzen. Dank eines ausgeklügelten Zusammenspiels gelingt es den drei Halunken, das Gold der Armee in ihre Gewalt zu bringen. Doch anstatt die wertvolle Beute wie geplant unter sich aufzuteilen, beginnen die Drei aus Habgier sich gegenseitig zu drangsalieren. STINKENDE DOLLAR aka DJANGO - SEIN COLT SINGT SECHS STROPHEN ist jetzt nicht unbedingt der große Wurf, kann aber mit seiner außergewöhnlichen Handlung sowie der beteiligten Schauspieler enorm punkten. Während Maurice Poli aka Monty Greenwood den gesetzlosen Revolverhelden Miele verkörpert, spielt der französische Schauspieler Jacques Herlin einen Professor namens Mathematics, der als Kopf des gut durchdachten Plans gilt, den sie gemeinsam mit dem von Gérard Herter verkörperten Colonel Blackgrave in die Tat umsetzen. Doch der Oberst ist ein ehrloser Mann, der nur die persönliche Vorteilsnahme im Sinn hat. Dies führt wiederum dazu, dass der erfolgreiche Coup in einer Eskalation endet. Eine weitere Verbündete stellt die italienische Schauspielerin Gabriella Giorgelli dar, die aber letztlich eine tragische Figur spielt. Trotz ihrer Verdienste während des Coups wird die gutherzige Jane von den selbstsüchtigen Kerlen ausgenutzt, abwertend und respektlos behandelt und am Ende alleine zurückgelassen. In weiteren Rollen sind zudem Andrea Bosic, Giovanni Ivan Scratuglia, Tom Felleghy, Andrea Scotti und Claudio Ruffini zu bestaunen. Die deutsche Synchronfassung stammt von der Berliner Hermes Synchron GmbH und ist durch die Bank weg mit hochkarätigen Sprechern besetzt. Abgerundet wird das staubhaltige Goldraubunterfangen mit einer hervorragenden Filmmusik von Mario & Giosy Capuano, die auch Tage nach der Filmsichtung immer noch in den Gehörgängen nachhallt. Was bleibt, ist ein sehenswerter Western, der unbedingt einer adäquaten Veröffentlichung bedarf.


Fazit: Wie gewonnen, so zerronnen


Obwohl dieser hervorragende Italo-Western vor vielen Jahren von Koch-Media angekündigt wurde, kam es bis zum heutigen Tag zu keiner Veröffentlichung eines digitalen Mediums.
Weiß zufällig jemand warum?


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Filmplakate:
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Französischer Titelvorspann:
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Score:
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Richie Pistilli
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Re: STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Beitrag von Richie Pistilli »

Beten ist Silber, schießen ist Gold - Mit Ballermann und Bibel wird die Kirchensteuer kassiert! :)


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ephedrino
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Re: STINKENDE DOLLAR - Roberto Bianchi Montero

Beitrag von ephedrino »

Definitiv ein unterhaltsamer Genrevertreter, speziell wenn man sich auch für Heist-Filme begeistern kann. Dass er dabei nicht bahnbrechend daherkommt, möchte ich ihm nicht ankreiden. Der ist schon ganz okay so, wie er ist, und hätte sich seine Blu-ray durchaus verdient.

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