● VAN DE VELDE: DIE VOLLKOMMENE EHE (D|1968)
mit Günther Stoll, Rainer Brandt, Frank Nossack, Ingrit Back, Biggi Freyer, Ruth Eder, Harald Dietl. Hans Krull, Barbara Stanek und Eva Christian
ein Rialto Film Preben Philipsen | im Constantin Filmverleih
ein Film von Franz Josef Gottlieb
»Ich wollte dir nicht wehtun!«
Der Titel dieses Films "Die vollkommene Ehe" geht auf den Verfasser des Buches Dr. med. van de Velde zurück. Dieser Film möchte einen Beitrag leisten zur Unterbindung der modernen Ehekrise. Dr. med. van de Velde, ehemaliger Leiter der Frauenklinik in Haarlem, darf für sich das Recht in Anspruch nehmen, als Erster darauf hingewiesen zu haben, dass ein gesundes und volles Geschlechtsleben für eine normale Ehe absolut wichtig ist. Das Buch selbst hat eine Millionenauflage erlebt. Der Titel "Die vollkommene Ehe" sollte eigentlich die "vollkommenere Ehe" heißen, wie der Verfasser selber gesagt hat. Es geht um eine erfolgreiche Ehe. Man hat dem Verfasser zu Unrecht vorgeworfen, er habe dieses Buch wegen der sogenannten Positionen geschrieben. In Wirklichkeit sind nur etwa 10 Prozent des Buches den Positionen gewidmet. Dem Verfasser geht es aber um eine vollkommene Ehe inklusive normales Geschlechtsleben …
"Die vollkommene Ehe" markiert wohl das berühmteste Buch des niederländischen Arztes Theodoor Hendrik van de Velde, erschien bereits im Jahr 1926 und entwickelte sich über die Jahrzehnte gesehen zu einem globalen Bestseller. Im Rahmen der 1967 gestarteten filmischen Aufklärungswelle kam es zu zahlreichen Kassenschlagern, zu denen auch Franz Josef Gottliebs "Van de Velde: Die vollkommene Ehe" zählt. Wache Produzenten wie Horst Wendlandt trugen schließlich einen maßgeblichen Teil zum Erfolg dieses erfolgreichen Intervalls bei, und es ist erstaunlich, wie die Berliner Rialto Film immer wieder in der Lage war, an den erfolgreichsten deutschen Filmreihen beteiligt zu sein, wenn sie nicht ausschließlich beziehungsweise maßgeblich für diese verantwortlich waren. Mit Edgar Wallace, Karl May und den Lümmel-Filmen kann schließlich auch dieser 1968 produzierte Vertreter und dessen ein Jahr später hergestellte Nachfolger "Van de Velde: Das Leben zu zweit – Die Sexualität in der Ehe" in die Riege der Erfolgsfilme ausgenommen werden. Markenzeichen dieses Films sollte die wissenschaftliche Autorität des Autors in Kombination mit einem Unterhaltungswert sein, den die Regie garantieren sollte. Auch wenn die thematische Auseinandersetzung und die entsprechende Ausgestaltung gerade für heutige Begriffe pseudowissenschaftlich anmuten möchte, muss der damalige Zeitgeist und die Tatsache betrachtet werden, dass Aufklärung und salonfähiges erotisches Spektakel nicht an der Tagesordnung waren. Der Film bietet verschiedene Sequenzen, die sich im Wechsel aus wissenschaftlichen Erklärungen des Züricher Sexualpädagogen, Jugend- und Eheberaters Dr. med. Bernard Harnik und schauspielerischen Darbietungen zu kombinieren versuchen. Dabei werden verschiedene Modelle beziehungsweise Verläufe von Ehen geschildert, die unterm Strich nur eine kleine Auswahl darstellen sollen. Zu sehen sind junge und daher etwa unerfahrene Leute, die das Eheleben im Vorfeld unterschätzt haben, sich somit erst einmal auf Kompromissbasis zu finden haben. Eine Sequenz zeigt eine Frau, die sich nicht von ihrem Ehemann gesehen und sich deswegen nicht als Frau oder Attraktiv fühlt, von einer erfahrenen Bekannten jedoch Verführungstipps bekommt, um ihre Hemmungen und konservative männlich-weibliche Rollenbilder sowie ihre Kleidung abzulegen. Des Weiteren sieht man einen Ehepartner, der sich trotz Bindung für andere Vertreterinnen des freien Marktes interessiert und seine alles für ihn tuende Frau nicht wertschätzt oder Paare, die ihren Alltag in völlig gefestigten Strukturen zwischen Familie und Sexualität unter eine Bettdecke bekommen.
Der Verlauf wirkt für heutige Verhältnisse natürlich überholt, wenn auch aus diversen Gründen nicht uninteressant, zumal er in einem optimalen Fluss angeboten wird. Dabei wirken die wissenschaftlichen Erläuterungen zwischen den einzelnen Teilen trockener, als die Darbietungen der zum Teil namhaften Schauspieler, bei denen man sich gesondert schon wundert, dass sie in diesem Film gelandet sind. Dies gilt hauptsächlich für Günther Stoll, Rainer Brandt und Eva Christian, die sogar einige verhaltene Nacktszenen zum Besten zu geben haben. Überhaupt ist das körperliche Angebot weitgehend ästhetisch und ausladend ausgefallen, sodass die Bildeindrücke trotz ihres in die Länge gezogenen Charakters nicht durchweg langweilen. Überhaupt ist es hier sehr bemerkenswert, dass die Rialto Film sehr viel Werbung in eigener Sache betreibt. Neben fünf Wallace-Darstellern (Günther Stoll, Rainer Brandt, Ingrit Back, Hans Krull und Biggi Freyer), präsentiert man hier ein regelrechtes Intervall aus der sich zu diesem Zeitpunkt dem Ende zuneigenden Serie. Ein Mann hat nur noch Nettigkeiten für seine Frau übrig, aber keine Augen. Er liest pausenlos Krimis und schaut fern. Plötzlich hört man eine Ankündigung im Fernsehen, die er zum Anlass nimmt, seine Gemahlin erneut zu vertrösten: »In Kürze folgt der deutsche Kriminalfilm "Der Hexer" nach Edgar Wallace« Es folgen die charakteristischen Schüsse mit der Stimme »Hallo, hier spricht Edgar Wallace« und es sind Szenen aus Alfred Vohrers "Der Hexer" zu sehen, als Petra von der Linde im Vorzimmer des Anwaltsbüros ermordet wird. Die spannende Frage lautet fortan, ob sich Wallace-Schauspieler Rainer Brandt von seiner Filmgattin verführen lässt, oder doch lieber den Abendkrimi anschauen möchte. Zur Musik aus "Die Gruft mit dem Rätselschloss" kann es dann aber ordentlich zur Sache gehen. Überhaupt hört man über den Film verteilt permanent ein abgewandeltes Musikthema von Peter Thomas aus "Im Banne des Unheimlichen", aber nein, man ist in keinem Krimi, sondern einem sogenannten Aufklärungsfilm. Von der Bebilderung her wird viel sinngemäßes Material zur Stellvertretung angeboten, um explizitere Szenen zu vermeiden. So müssen eingestreute Bilder, Statuen oder Fresken von der Antike bis hin zu Fotos der Neuzeit herhalten. Außerdem ist der Akt zu sehen, wie ein Deckhengst eine Stute besteigt. "Van de Velde: Die vollkommene Ehe" stellte sicherlich damals schon weniger Aufklärungsauftrag als voyeuristische Unterhaltung dar und kann deswegen heute kaum noch einen profunden wissenschaftlichen Beitrag leisten, wobei diese Intention ohnehin von Grund auf anzuzweifeln ist. Daher ist der überwiegend kurzweilige Film nur noch aus alternativen Blickwinkeln als interessant einzustufen.
"Die vollkommene Ehe" markiert wohl das berühmteste Buch des niederländischen Arztes Theodoor Hendrik van de Velde, erschien bereits im Jahr 1926 und entwickelte sich über die Jahrzehnte gesehen zu einem globalen Bestseller. Im Rahmen der 1967 gestarteten filmischen Aufklärungswelle kam es zu zahlreichen Kassenschlagern, zu denen auch Franz Josef Gottliebs "Van de Velde: Die vollkommene Ehe" zählt. Wache Produzenten wie Horst Wendlandt trugen schließlich einen maßgeblichen Teil zum Erfolg dieses erfolgreichen Intervalls bei, und es ist erstaunlich, wie die Berliner Rialto Film immer wieder in der Lage war, an den erfolgreichsten deutschen Filmreihen beteiligt zu sein, wenn sie nicht ausschließlich beziehungsweise maßgeblich für diese verantwortlich waren. Mit Edgar Wallace, Karl May und den Lümmel-Filmen kann schließlich auch dieser 1968 produzierte Vertreter und dessen ein Jahr später hergestellte Nachfolger "Van de Velde: Das Leben zu zweit – Die Sexualität in der Ehe" in die Riege der Erfolgsfilme ausgenommen werden. Markenzeichen dieses Films sollte die wissenschaftliche Autorität des Autors in Kombination mit einem Unterhaltungswert sein, den die Regie garantieren sollte. Auch wenn die thematische Auseinandersetzung und die entsprechende Ausgestaltung gerade für heutige Begriffe pseudowissenschaftlich anmuten möchte, muss der damalige Zeitgeist und die Tatsache betrachtet werden, dass Aufklärung und salonfähiges erotisches Spektakel nicht an der Tagesordnung waren. Der Film bietet verschiedene Sequenzen, die sich im Wechsel aus wissenschaftlichen Erklärungen des Züricher Sexualpädagogen, Jugend- und Eheberaters Dr. med. Bernard Harnik und schauspielerischen Darbietungen zu kombinieren versuchen. Dabei werden verschiedene Modelle beziehungsweise Verläufe von Ehen geschildert, die unterm Strich nur eine kleine Auswahl darstellen sollen. Zu sehen sind junge und daher etwa unerfahrene Leute, die das Eheleben im Vorfeld unterschätzt haben, sich somit erst einmal auf Kompromissbasis zu finden haben. Eine Sequenz zeigt eine Frau, die sich nicht von ihrem Ehemann gesehen und sich deswegen nicht als Frau oder Attraktiv fühlt, von einer erfahrenen Bekannten jedoch Verführungstipps bekommt, um ihre Hemmungen und konservative männlich-weibliche Rollenbilder sowie ihre Kleidung abzulegen. Des Weiteren sieht man einen Ehepartner, der sich trotz Bindung für andere Vertreterinnen des freien Marktes interessiert und seine alles für ihn tuende Frau nicht wertschätzt oder Paare, die ihren Alltag in völlig gefestigten Strukturen zwischen Familie und Sexualität unter eine Bettdecke bekommen.
Der Verlauf wirkt für heutige Verhältnisse natürlich überholt, wenn auch aus diversen Gründen nicht uninteressant, zumal er in einem optimalen Fluss angeboten wird. Dabei wirken die wissenschaftlichen Erläuterungen zwischen den einzelnen Teilen trockener, als die Darbietungen der zum Teil namhaften Schauspieler, bei denen man sich gesondert schon wundert, dass sie in diesem Film gelandet sind. Dies gilt hauptsächlich für Günther Stoll, Rainer Brandt und Eva Christian, die sogar einige verhaltene Nacktszenen zum Besten zu geben haben. Überhaupt ist das körperliche Angebot weitgehend ästhetisch und ausladend ausgefallen, sodass die Bildeindrücke trotz ihres in die Länge gezogenen Charakters nicht durchweg langweilen. Überhaupt ist es hier sehr bemerkenswert, dass die Rialto Film sehr viel Werbung in eigener Sache betreibt. Neben fünf Wallace-Darstellern (Günther Stoll, Rainer Brandt, Ingrit Back, Hans Krull und Biggi Freyer), präsentiert man hier ein regelrechtes Intervall aus der sich zu diesem Zeitpunkt dem Ende zuneigenden Serie. Ein Mann hat nur noch Nettigkeiten für seine Frau übrig, aber keine Augen. Er liest pausenlos Krimis und schaut fern. Plötzlich hört man eine Ankündigung im Fernsehen, die er zum Anlass nimmt, seine Gemahlin erneut zu vertrösten: »In Kürze folgt der deutsche Kriminalfilm "Der Hexer" nach Edgar Wallace« Es folgen die charakteristischen Schüsse mit der Stimme »Hallo, hier spricht Edgar Wallace« und es sind Szenen aus Alfred Vohrers "Der Hexer" zu sehen, als Petra von der Linde im Vorzimmer des Anwaltsbüros ermordet wird. Die spannende Frage lautet fortan, ob sich Wallace-Schauspieler Rainer Brandt von seiner Filmgattin verführen lässt, oder doch lieber den Abendkrimi anschauen möchte. Zur Musik aus "Die Gruft mit dem Rätselschloss" kann es dann aber ordentlich zur Sache gehen. Überhaupt hört man über den Film verteilt permanent ein abgewandeltes Musikthema von Peter Thomas aus "Im Banne des Unheimlichen", aber nein, man ist in keinem Krimi, sondern einem sogenannten Aufklärungsfilm. Von der Bebilderung her wird viel sinngemäßes Material zur Stellvertretung angeboten, um explizitere Szenen zu vermeiden. So müssen eingestreute Bilder, Statuen oder Fresken von der Antike bis hin zu Fotos der Neuzeit herhalten. Außerdem ist der Akt zu sehen, wie ein Deckhengst eine Stute besteigt. "Van de Velde: Die vollkommene Ehe" stellte sicherlich damals schon weniger Aufklärungsauftrag als voyeuristische Unterhaltung dar und kann deswegen heute kaum noch einen profunden wissenschaftlichen Beitrag leisten, wobei diese Intention ohnehin von Grund auf anzuzweifeln ist. Daher ist der überwiegend kurzweilige Film nur noch aus alternativen Blickwinkeln als interessant einzustufen.