DIE SAAT DER ANGST - Eugenio Martín

Türkploitation, isländische Kannibalenfilme und alles andere aus Europa
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Prisma
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DIE SAAT DER ANGST - Eugenio Martín

Beitrag von Prisma »




Aurora Bautista   Judy Geeson   in

DIE SAAT DER ANGST


● UNA VELA PARA EL DIABLO / DIE SAAT DER ANGST / SAAT DER ANGST (E|1973)
mit Esperanza Roy, Víctor Alcázar, Lone Fleming, Blanca Estrada, Charley Piñeiro, Loreta Tovar, u.a.
eine Produktion der Vega Films | Mercofilms | Azor Films
ein Film von Eugenio Martín


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»Sie ist wirklich nichts weiter als eine Sünderin!«


Ein malerischer Ort in Spanien lockt immer mehr Touristen an und obwohl die Schwestern Marta (Aurora Bautista) und Verónica (Esperanza Roy) immer mehr Zulauf in ihrer kleinen Pension bekommen, macht sich vor allem bei der streng religiösen Marta Unmut breit. In ihren Augen bringen die jungen weiblichen Gäste aufgrund ihrer Freizügigkeit Unmoral und Schamlosigkeit in den eigentlich verschlafenen Ort, und dieser Gedanke nimmt bei der Wirtin immer unerträglichere Züge an, bis es eines Tages zur Katastrophe kommt. Nach einem Streit tötet sie einen Gast namens May (Loreta Tovar) im Affekt und lässt die Leiche zusammen mit ihrer Schwester in einem Weinfass verschwinden. Als plötzlich Laura (Judy Geeson), die Schwester der Toten, in der Pension auftaucht und unbequeme Fragen stellt, muss Marta aus der Bedrängnis heraus andere Maßnahmen ergreifen...

»Das ist doch hier kein Freudenhaus!« Erbost schreit Marta ihren weiblichen, besonders hübschen, aber vor allem nackten Pensionsgast an, der sich auf dem Dach des Hauses zum Sonnenbaden positioniert hat. Was die junge Frau als selbstverständlich ansieht, wird für die konservative und unangenehm jovial wirkende Marta zu einem vorgehaltenen Spiegel, der die schönen Verlockungen des Lebens und Freude aufweist, die sie sich offenbar stets versagt hat. In ihrer Rage provoziert sie einen tragischen Unfall mit tödlichem Ausgang, doch bereits ab diesem Zeitpunkt läuft alles anders, als man es sich als Zuschauer vielleicht vorstellt. Polizei? Nein. Reue? Keineswegs. Hysterie? Bestimmt nicht. Eher wird bereits in diesem frühen Stadium der Inszenierung eine fatale Kettenreaktion ausgelöst, die noch mehrere Opfer fordern wird, da alles unter dem Deckmantel des vorgeschobenen Glaubens geschieht. Die Geschichte konzentriert sich hauptsächlich auf die Hauptfigur Marta und deren jüngere Schwester Verónica, die durch Selbstaufgabe in Form von unverständlicher Loyalität auffällt, aber auch ganz offensichtlich von einer tiefen Angst im Würgegriff gehalten wird, die jeden Tag aufs Neue wach gehalten wird. Die Geschichte legt von vorne herein ein straffes Tempo vor und Regisseur Eugenio Martín macht insgesamt überhaupt kein Geheimnis daraus, wohin seine beunruhigende Reise gehen soll, was sich bei jeder Peak-Szene als brillanter Griff herausstellen wird und die Spannung daraus entsteht, dass man manchmal nicht glauben will, wie gewisse Personen reagieren oder was sie tun. Eigenartigerweise fiebert man mit allen Protagonisten mit, sowohl den negativ behafteten, als auch den positiv dargestellten, weil man eben mitleidig anerkennt, dass eigentlich niemand dieses Schicksal verdient hat.

Die Hauptrollen sind mit sehr ungleich anmutenden Damen besetzt. Aurora Bautistas Darbietung stellt in diesem Verlauf quasi die Spitze des Eisberges dar, oder die Wurzel allen Übels, aber gleichermaßen diejenige Person, mit der man eigentlich am meisten Mitleid haben könnte, weil ihr Dasein am meisten verpfuscht ist. Jusy Geeson wirkt im Vergleich zu anderen freizügig posierenden Frauen des Szenarios beinahe schon konservativ, dennoch stellt sie die Verlockungen einer fremden Welt dar, die in der spanischen Provinz noch lange nicht auf dem Radius waren. Die moderne und gleichzeitig selbstbewusst agierende Laura wäre vielleicht nicht der ganz große Dorn im Auge von Marta, wenn sie nicht die existenzielle Gefahr für sie darstellen würde, immerhin sucht sie nach ihrer verschwundenen Schwester und stellt überall unbequeme Fragen. Zwischen den Fronten findet man Verónica wieder, die hin- und hergerissen wirkt und dem Empfinden nach ständig versucht, sich für beide Seiten entscheiden zu wollen, oder eigentlich am liebsten gleich für gar keine. Gespielt von der immer beeindruckenden Esperanza Roy, entstehen interessante Facetten aus dieser Pufferfunktion und man hat es im Gefühl, dass sie für den Verlauf das Zünglein an der Waage werden könnte. Das Hauptaugenmerk liegt und bleibt allerdings auf Marta gerichtet, die zwischen religiösem Wahn und unbeholfenen Befreiungsaktionen pendelt. Eine ganz besondere Szene entsteht in diesem Zusammenhang beispielsweise an einem See, als Marta junge Männer beim Baden beobachtet und sich anschließend durch scharfkantige Weiden am Ufer quält, die ihr überall Verletzungen zuführen. Diese Einstellungen schildern eine Art Selbstgeißelung und Masturbation in einem, verdeutlichen das wohl tägliche Dilemma, in dem die ältere der Schwestern gefangen ist.

Viele großartige Szenen geben sich in "Die Saat der Angst" buchstäblich die Klinke in die Hand und es ist sowohl beachtlich, als auch gleichermaßen wohltuend, dass die religiöse Thematik lediglich zwischen den Zeilen bestehen bleibt und aufgrund der eher diskreten Abhandlung nicht zum universellen Hemmschuh wird. Auch reißerische Elemente stellen mitunter die Würze dar, die Eugenio Martíns Film besonders macht. In Verbindung mit regelrechten musikalischen Wechselbädern, ruhigen und aufwühlenden Sequenzen, immer neuem Nachschub in Form anreisender weiblicher Gäste, gelungenen Schockmomenten und der Integration von kurzen Atempausen, entsteht ein rundum gelungener Eindruck, der vor allem die großartige Atmosphäre offenbart. Die starke Konzentration auf die Hauptpersonen erzielt aufgrund ihres stichhaltigen Schauspiels eine eindrucksvolle Wirkung. So gipfelt der ohnehin schon spannungsgeladene Verlauf in einem atemberaubenden Finale, welches abrupt endet und schlussendlich sogar etwas nachdenklich zurücklässt. "Die Saat der Angst" findet insgesamt einen sehr guten Mittelweg zwischen Unterhaltung und Anspruch, mit Eugenio Martíns nahezu ökonomischer Herangehensweise werden trotz des eigentlich einseitigen Themas Längen vermieden und der Unterhaltungswert steht ohnehin an oberster Stelle. Interessant ist, dass es unterm Strich kaum zu groß angelegten Wertungen kommt und dass die nähere Betrachtung der negativ belasteten Charaktere sogar das Potential preisgibt, Anflüge von Sympathien wahrzunehmen, was allerdings in der Regel wieder mit einem Hackebeil korrigiert wird. Insgesamt handelt es sich auch nicht nur um einen Film der Erstansicht, da die Faszination auch beim mehrmaligen Anschauen bestehen bleibt. Es bleibt ein schwer unterhaltsamer Beitrag, in dem mehrere Genre-Facetten miteinander funktionieren. Top!

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Richie Pistilli
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Re: DIE SAAT DER ANGST - Eugenio Martín

Beitrag von Richie Pistilli »

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Die Saat der Angst (D)
Una candela per il diavolo (IT)
Una vela para el diablo (ES)
Una vela para el diablo (F)
It Happened at Nightmare Inn
Dread Stop at Nightmare Inn
A Candle for the Devil
Nightmare Hotel


ES 1973

R: Eugenio Martín
D: Judy Geeson, Aurora Bautista, Esperanza Roy, Víctor Alcázar, Blanca Estrada, Lone Fleming, Carlos Piñeiro, Fernando Hilbeck, Montserrat Julió, Fernando Villena, Loreta Tovar, Mery Leyva u.a.



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Deutsche Erstaufführung: März 1988 (VHS-Premiere)

Synchronkartei

Schnittbericht: Deutsche Fassung - Ungekürzte Fassung

Schnittbericht: US DVD - Uncut

Italo-Cinema

Score: Antonio Pérez Olea

OFDb



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Marta (Aurora Bautista) und Verónica (Esperanza Roy), zwei streng religiöse Schwestern, führen eine kleine Pension in einem idyllischen Dorf in Spanien. Geschäftlich läuft es hervorragend, da der verschlagene Ort immer mehr Touristen anlockt, was Marta jedoch gar nicht gefällt, denn in ihren Augen ist das freizügige Verhalten ihrer weiblichen Gäste eine absolute Todsünde. Nach einem heftigen Streit tötet sie die junge May Barkley (Loreta Tovar) und wirft die zerstückelten Überreste in ein riesiges Fass Wein. Doch statt Reue zu zeigen, entflammt in Marta das unbändige Verlangen, in ihrem geliebten Heimatdorf wieder Sitte und Anstand herzustellen und gemeinsam mit Verónica beginnt sie damit, ihre jungen Untermieterinnen im Namen Gottes zu ermorden. Laura Barkley (Judy Geeson) vermutet mehr hinter dem Verschwinden ihrer Schwester und stellt eigene Nachforschungen an, doch sie ahnt nicht, dass Marta und Verónica es bereits auf sie abgesehen haben. [Quelle: Subkultur-Entertainment]



Eugenio Martins andalusischer Horror-Thrill begeistert mich immer wieder aufs Neue. Der Film erzählt die Geschichte von zwei gottesgläubigen Schwestern, die in einem andalusischen Urlaubsort eine kleine Ferienpension betreiben, in der noch Zucht und Ordnung herrscht. Da aber das freiheitsliebende Verhalten ihrer Urlaubsgäste sich immer seltener mit ihrer biederen Moralvorstellung deckt, kommt es immer häufiger zu Disputen mit ihren Gästen, von denen einer für eine junge Urlauberin einen tödlichen Ausgang nimmt. Geschockt über ihre Tat suchen Marta und Verónica händeringend nach einer Rechtfertigung für ihr gottloses Handeln, welches sie letztlich mit dem "Willen Gottes" begründen, den sie kurzerhand mit ihrem eigenen Willen gleichsetzen. Zugleich verleiht ihnen diese frevlerische Gleichsetzung die Legitimation für zahlreiche weitere Morde, die sie von da an im "Namen des Herrn" verüben. Dabei sind die beiden unterschiedlichen Schwestern auch abseits ihrer Mordtaten alles andere als fromme Engel, sondern entpuppen sich vielmehr als zwei ruchlose Teufelinnen, die fest in ihrem religiösen Wahn gefangen sind. Zu allem Überfluss leidet Marta auch noch an einem psychischen Dachschaden, den sich sich zuzog, als ihr Auserwählter sie am Traualtar sitzen ließ, um mit einer anderen Frau das Weite zu suchen. Diese Kränkung konnte Marta nie überwinden. Und je mehr sie ihrem Mordrausch verfällt, desto stärker machen sich ihre Wahnvorstellungen bemerkbar, die sie zu immer extremeren Handlungen verleiten. Fernerhin fordern die beiden Schwestern von ihren Mitmenschen einen keuchen Lebenswandel ein, frönen aber selbst der Wolllust, denn während Verónica sich mit einem 20 Jahre jüngeren Lover vergnügt, beobachtet Marta heimlich Kinder und Jugendliche beim Nacktbaden. Im Anschluss fügt sie sich zur Buße ihrer begangenen Sünden in einem Dornengestrüpp Schmerzen zu. Somit bleibt am Ende die Frage, wer hier in Gottes Namen letztendlich in der Hölle schmoren wird.


Inszenatorisch ist der Film nicht nur schön anzusehen, sondern bietet auch einige schaurige Schockmomente, die einem schon mal das Blut in den Adern gefrieren lässt. Hinzu gesellen sich eine gut aufgelegte Schauspielerinnen, die allesamt tadellose Darbietungen aufs Parkett legen. Obwohl es sich bei der deutschen Sprachfassung um eine VHS-Synchronisation handelt, erweist sich diese als äußerst passabel. Die hervorragende BD aus dem Hause Subkultur, die zwei verschiedene Schnittfassungen beinhaltet, ist absolut empfehlenswert. Alles in Allem ein fabelhafter Film, der für spanische Verhältnisse überraschend freizügig daherkommt.


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Dschallogucker
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Re: DIE SAAT DER ANGST - Eugenio Martín

Beitrag von Dschallogucker »

bei Frank Trebbin kam der Film schlecht weg, aber unser Graf Karnstein hat ihm die volle Punktzahl gegeben. Hab auch sein Review eben durchgelesen und kann mich an den Film nun besser erinnern.
Meine alte Subkultur DVD läuft noch, gerade mal in den PC gesteckt.
Ich käme so auf 8/10 Punkten, also guter Film!

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