Quäle nie ein Kind zum Scherz (D)
Non si sevizia un paperino (IT)
La Longue Nuit de l'exorcisme (F)
Fureur meurtrière (F)
Angustia de silencio (ES)
O Estranho Segredo da Floresta dos Sonhos (POR)
O Estranho Segredo do Bosque dos Sonhos (BRA)
El extraño secreto del bosque de las sombras (ARG)
No tortures esa muñeca (MEX)
Don't Torture a Duckling
IT 1972
R: Lucio Fulci
D: Florinda Bolkan, Barbara Bouchet, Tomás Milián, Marc Porel, Irene Papas, Georges Wilson, Vito Passeri, Rosalia Maggio, Andrea Aureli, Linda Sini, Franco Balducci, Antonello Campodifiori u.a.
Deutsche Erstaufführung: 20. November 2015 (BD-Premiere)
Synchronkartei
Italo-Cinema
Nischenkino
Score: Riz Ortolani
IMCDb
OFDb
"Ein fürchterliches Verbrechen aus Ignoranz und Aberglaube. Wir bauen Autobahnen, sind aber meilenweit entfernt von aufgeklärter Denkweise.
Was für eine Schande, wie rückständig diese Leute sind."
Ein kleines verschlafenes Dorf in Süditalien wird von einem großen Schrecken wachgerüttelt. Der kleine Bruno wird tot und bestialisch zugerichtet von der Polizei gefunden. Sofort verfallen die Einwohner in eine Hysterie und man verdächtigt zunächst den bekannten Außenseiter Guiseppe (Vito Passeri) und später auch die als Voodoohexe gebranntmarkte Maciara (Florinda Bolkan). Ein wütender Mob zieht durch die Stadt, vorbei an einer überforderten Polizeieinheit. Als dann bald darauf weitere Jungen vermisst und tot aufgefunden werden, sehen sich die Einwohner und die Polizei in völliger Hilflosigkeit und beginnen schnell über jeden Verdächtigen herzuziehen. Wer ist der Mörder und wer wird ihm Einhalt gebieten? Ein Wettlauf mit der Zeit, gesponnen aus Verdächtigungen und Zweifel, beginnt! [Quelle: ’84 Entertainment]
NON SI SEVIZIA UN PAPERINO kam am 29. September 1972 in Rom in die Kinos (Verleih: Medusa Distribuzione). Aufgrund seiner Thematik, die unter anderem die Kritik an der römisch-katholischen Kirche umfasste, wurde der Film in Europa zunächst nur in wenigen Kinos gezeigt. In Frankreich erschien er unter dem Titel „ La longue nuit de l'exorcisme“. Obwohl bereits 1972 eine englische Tonspur erstellt wurde, kam der Film in den USA nie in die Kinos und blieb bis 1999 unveröffentlicht. Hierzulande wurde der Film erstmals am 20. November 2015 als BD veröffentlicht. Für die deutsche Synchronfassung, die im Großen und Ganzen recht gut geworden ist, zeigte sich die Hamburger Synchronfirma "Synch! Synch! Kino- & TV-Synchronisation" verantwortlich. [Quelle: Wikipedia]
"Oh, wer hat der Puppe den Kopf abgerissen? Wer war denn der Bösewicht?"
Nach eigener Aussage zählt NON SI SEVIZIA UN PAPERINO zu Lucio Fulcis liebsten Werken, die er während seiner langen Karriere als Regisseur auf die Beine stellte. Angesiedelt in einem abgelegenen apulischen Dorf, erzählt Fulci anhand eines seriellen Knabenmords, der teilweise auf einem wahren Ereignis in Bitonto beruht, eine Geschichte von Unterdrückung, Sünde und Schuld, in der eine hinterwäldlerische und abergläubige Dorfgemeinschaft die Hauptrolle spielt, die Außenseiter und "Sünder" mit Argwohn betrachtet. Während das Dorf selbst in einer Art Zeitlosigkeit schwebt, versinnbilden beispielsweise die Autobahn und der neumodische Wohnkomplex von Barbara Bouche die Moderne, wobei sie und das Gebäude wiederum wie Fremdkörper in der provinziellen, antimodernen Idylle wirken. Fulci präsentiert nicht nur eine schonungslose Geschichte, der ein sorgfältig verfasstes Drehbuch zugrunde lag, sondern auch eine realistische Darstellung einer süditalienischen Dorfgemeinschaft, die notfalls auch zur Selbstjustiz greift. Hinzu gesellt sich ein enormes Maß an Religionskritik und Lynchjustiz. Der Film ist wunderschön inszeniert, was auch an den exzellenten Bildkompositionen und beeindruckenden Landschaftsaufnahmen des renommierten Kameramanns Sergio D’Offizi liegt. Ferner bietet er ein Ensemblewerk mit hervorragenden schauspielerischen Leistungen und einen spannend inszenierten Whodunit-Plot, der die Identität des Täters bis zum bitteren Ende geheim hält.
Die drei prägnantesten Außenseiter werden von Florinda Bolkan, Barbara Bouchet und Tomás Milián verkörpert. Während Milián, der bereits kurz zuvor in Fulcis einen Reporter einer Tageszeitung spielt, der den Kindermorden auf den Grund gehen möchte, verkörpert Florinda Bolkan eine im Dorf als Hexe verschriene Person, der von der selbstgerechten Gemeinschaft schnell die Schuld an den Morden in die Schuhe geschoben wird. Was folgt, ist ein bestialisches Martyrium, das Florinda Bolkan über sich ergehen lassen muss: Mit Stahlketten und schweren Geschütz wird die vermeintliche Hexe von Teilen der Dorfgemeinschaft auf dem Friedhof hingerichtet. Dabei inszeniert Fulci die Gewaltszene dermaßen drastisch, dass sie sich unwiderruflich im Gedächtnis des Zuschauers festsetzt. Was Barbara Bouchet betrifft, so spielt sie eine gefallene Großstädterin, die nach einem Drogenentzug in das moderne Haus ihres Vaters zog, das sich im Zentrum des abgelegenen Provinznests befindet. Auch sie gerät nach kurzer Zeit in die Riege der Verdächtigen, was wiederum mehrere anstrengende Verhöre bei der Polizei zur Folge hat. Fernerhin treten Marc Porel als junger Dorfpfarrer sowie Irene Papas als seine Mutter und Georges Wilson in der Rolle des Geistheilers Francesco in Erscheinung. Abgerundet wird diese filmische Glanzleistung mit einer erstklassigen Filmmusik von Riz Ortolani, die neben exzellenten Eigenkompositionen auch den von Luis Bacalov komponierten und von Riccardo Cocciante dargebotenen Track "Rhythm", die von Douglas Fowlkes, Carlos Pes und Armando Trovajoli produzierte Nummer "Crazy", die wiederum von Wess & The Airedales performt wurde, sowie das von Ornella Vanoni gesungene Gänsehautstück "Quei giorni insieme a te" enthält.
Was bleibt, ist ein ganz hervorragender Thriller, der obendrein zu Fulcis besten Regiearbeiten zählt.
Eine filmische Glanzleistung!
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