DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● ANGST (D|A|1994) [TV]
mit Christian Redl, Renate Krößner, Antje Westermann, Günter Lamprecht, Claudia Amm, Armin Rohde, Georg-Martin Bode,
Rolf Dennemann, Niels Hansen, Steve Karier, Sontje Peplow, Albert Kitzl, Ulrike Kriener, Dieter Oberholz und Jürgen Vogel
eine Filmpool Produktion| im Auftrag von ZDF | ORF
ein Fernsehfilm von Bernd Schadewald

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»Sei froh, dass ich dich leben lasse!«


Der einschlägig vorbestrafte Herwig Seitz (Christian Redl) missbraucht seine minderjährige Tochter Tanja (Antje Westermann) seit Jahren und ist hinlänglich bekannt für seine Gewaltexzesse. Als Tanja ihr erstes Kind von ihrem eigenen Vater, erwartet, schweigt die Mutter (Renate Krößner), die genau wie ihre Tochter regelmäßig verprügelt und vergewaltigt wird. Als Tanja einen Freund (Jürgen Vogel) hat, rastet Seitz vollkommen aus und droht seiner Familie den Tod an, bis er schließlich erneut zu einigen Jahren Haft verurteilt wird. Ab sofort versucht jeder sein Leben zu ordnen, bis Seitz eines Tages wegen guter Führung vorzeitig aus dem Knast entlassen werden soll …

»Du gehörst mit und keinem anderen. Ich hab dich gemacht!« Der soeben aus einjähriger Haft entlassene Herwig Seitz versucht seine eigene Tochter mit Gewalt in die Spur zu bringen, die ihm bereits als kleines Mädchen für den Lustgewinn und seine Machtfantasien zu Diensten sein musste. Am liebsten mit unendlicher Gewalt. Die Mutter schließt Fenster, Türen, Augen und Ohren und dreht das Radio laut auf, damit zumindest die Nachbarschaft nichts von der Hölle in vier Wänden mitbekommt. In seiner Abwesenheit nahm sie sich einen Liebhaber, welcher noch am Entlassungstag ihres Alten von ihm ins Krankenhaus geprügelt wurde. Die Bewährung steht in dieser Geschichte jederzeit auf wackligen Füßen, da es sich um einen gewohnheitsmäßigen Schläger und Gewalttäter handelt, der sich seiner Ansicht nach nur sein Recht einfordert. Seine Frau nennt er Nutte, seine Tochter auch, sein kleiner Sohn ist auch gleichzeitig sein Enkelkind. Das Jugendamt hatte nicht genügend Anhaltspunkte auf Unregelmäßigkeiten, vor allem weil jeder aus Angst dichtgehalten hat. Regisseur Bernd Schadewald inszeniert nach wahren Begebenheiten ("Arnsberger Prozess") und bemüht sich ab der ersten Sekunde um einen empfundenen Transfer in die Realität, die Vorstellungskräfte übersteigt, wozu überaus brutale Szenen der körperlichen, verbalen und psychischen Gewalt beitragen. Es erscheint nichts nur spekulativ zu sein, das Publikum bekommt Einzelheit für Einzelheit im Vakuum der Trostlosigkeit serviert. Der Beginn des Verlaufs deutet das Ende dieses Fernsehfilms hin, der seinerzeit vom Zweiten Deutschen Fernsehen und dem Österreichischen Rundfunk in Auftrag gegeben wurde. Der Verlauf konzentriert sich eingehend mit den fundamentalen Charakteren dieser Veranstaltung, in der es keine Gefangenen geben wird. Die Mutter hasst ihren Enkelsohn und ihre Tochter, mit der sie eine eigenartige Form der Rivalität um ihren eigenen Mann austrägt. Nur ihren Mann scheint sie nicht zu hassen, denn davor hat sie zu viel Angst, biedert sich daher permanent an. Überhaupt wird die prägnante Ankündigung des Titels immer wieder auf neue Spitzen getrieben, sodass es einem in ausgewählten Intervallen selbst Angst und Bange wird, außerdem Gefühle des Ekels fabriziert, die sich vor allem gegen die Eltern Tanjas richten.

Hauptdarsteller Christian Redl übertrifft sich in jeder einzelnen Szene selbst. Er stellt das dar, was man mit Abschaum gleichsetzen würde, um anschließend überlegen zu müssen, ob dieser Begriff ihm doch zu sehr schmeichelt. Die Zeichnung seines gewaltbereiten Knackis wirkt beängstigend, widerlich und - soweit sich das überhaupt beurteilen lässt- authentisch. Der Klartext seiner Frau und Tochter gegenüber wirkt schockierend, immerhin sei er derjenige, der entscheidet, mit wem er es von beiden mache. Die beschriebene Angst ist in diesem Szenario jederzeit zum Greifen nach und wird durch die wirklich anpassungsfähigen Schauspieler immer konkreter modelliert. Behörden wie Jugendamt oder Polizei spielen ihre Interventionsmöglichkeiten nicht aus, immerhin trägt noch niemand den Kopf unterm Arm. Nur der Zuschauer und die unmittelbar betroffenen Opfer bekommen die Gewaltspitzen hautnah mit und es ist verwunderlich, dass es sich tatsächlich um einen Fernsehfilm handelt, weil es ungewöhnlich explizit zugeht. Renate Krößner und Antje Westermann spielen bedeutend auf, vor allem weil sie sich nicht scheuen, ihre Schwächen und Abgründe offenzulegen. Jürgen Vogel wirkt wie ein Bindeglied zu einer besseren Welt, doch es bleibt abzuwarten, ob er in die schlechtere hineingezogen wird. Aussagekräftige Gastrollen liefern Claudia Amm, Armin Rohde oder Günter Lamprecht, sodass man im darstellerischen Bereich insgesamt gut versorgt ist. Der Verlauf konzentriert sich nicht im Wesentlichen darauf, herauszuarbeiten, warum jemand wie Herwig Seitz überhaupt entstehen konnte, sodass es in diesem Zusammenhang keine konkrete oder alte Schuldfrage gibt. Ob Eltern, Milieu, Gesellschaft oder Disposition, es bleibt unerklärt, wie ein derartiges Monster ungehindert schalten und walten konnte. Der Verlauf konzentriert sich auf die Gegenwart und gefällt sich in ausladender Art beim Aufzeigen destruktiver Bilder, die einem noch lange Zeit nachgehen werden. Das Fazit des Films ist möglicherweise der Realität entliehen und erscheint deswegen unausweichlich zu sein, aber was bleibt ist ein aufwühlendes Porträt, das nicht so leicht wegzustecken ist. "Angst" gehört daher zu den beunruhigenden Vertretern der einschlägigen 90er-Jahre TV-Landschaft, den man sich bei Interesse einmal anschauen sollte.

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Prisma
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● DIE WEIẞE SPINNE (D|1963)
mit Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Dieter Eppler, Horst Frank, Werner Peters, Mady Rahl, Friedrich Schoenfelder,
Paul Klinger, Lotte Brackebusch, Gerhard Frickhöffer, Fritz Eberth, Lotti Alberti, Erik Radolf sowie Chris Howland
eine Produktion der Arca Winston Films Corp. | im Constantin Filmverleih
ein Film von Harald Reinl

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»Nein, nein, du sollst meinen Namen vergessen, für immer vergessen!«


Muriel Irvine (Karin Dor) steht mit dem Rücken zur Wand, da ihr Ehemann Richard tödlich mit seinem Wagen verunglückt und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt ist. Lediglich durch dessen Talisman, in Form einer kleinen weißen Spinne aus Glas, konnte der Tote identifiziert werden. Die Lebensversicherung weigert sich, der Witwe die vereinbarte Summe auszuzahlen, die vor kurzer Zeit signifikant erhöht wurde, bis Mrs. Irvine schließlich selbst in den Kreis der Verdächtigen gerückt wird, da immer mehr Tote mit einer gläsernen Spinne auftauchen. Da die Todesfälle wie bestellt wirken, nimmt Inspektor Dawson (Paul Klinger) die Ermittlungen auf, der wenig später ermordet aufgefunden wird. Von nun an scheint klar zu sein, dass London es mit einer Verbrecher-Organisation zu tun hat, die sich auf rücksichtslose Auftragsmorde spezialisiert hat. Scotland Yard greift auf einen weltberühmten Kriminalisten zurück, dessen Identität jedoch unter Verschluss gehalten wird …

"Die weiße Spinne" bietet eine interessante Alternative im Bereich des Whodunit-Schemas an. Obwohl die Geschichte ihre größten Geheimnisse nicht bis zum Ende aufrechterhalten kann, bleibt sie aufgrund der routinierten Kniffe von Regisseur Harald Reinl bis zum packenden Finale dennoch sehr spannend. Der deutsche Kriminalfilm hat über die Jahre viele unterschiedliche Maskeraden gesehen, sicherlich wesentlich ausgefeiltere als in dieser Produktion, aber auch definitiv schlechtere. Die Geschichte rund um das für den Titel Pate stehende Verbrechersyndikat ist flüssig und überaus eingängig erzählt, wartet außerdem mit einigen Szenen auf, die nicht zuletzt wegen ihrer auffälligen Brutalität bei den Mordszenen für Aufsehen sorgen können. Unbequeme und vorzugsweise wohlhabende Leute werden per Auftragsmord ins Jenseits befördert. In diesem Zusammenhang zeigen sich diverse Handlungsstränge, die sehr geschickt miteinander verknüpft sind und den Verlauf frisch und abwechslungsreich halten. Seinerzeit liefen bereits mehrere erfolgreiche Kriminal-Reihen, wie etwa alles was Wallace hieß oder beispielsweise Doktor Mabuse, sodass dem Empfinden nach immer mehrere Versuche hinzukamen, etwas von dem immer noch garantierten Erfolg abhaben zu können. Diese Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman des Autors Louis Weinert-Wilton, der seinen Namen für drei weitere, mehr oder minder gelungene Filme hergeben sollte. Das große Plus dieser Produktion ist und bleibt die sichere Hand der Regie, zudem tummelt sich das Who’s Who des deutschen Kriminalfilms innerhalb dieser düsteren Angelegenheit, welches sich durchgehend keine Blöße erlaubt und für einen nicht zu unterschätzenden Wiedererkennungswert sorgen kann, der beim treuen Publikum naturgemäß dankend angenommen wird.

"Die weiße Spinne" bedient sich bewährter Modelle, die in derartigen Produktionen Einsatz fanden, und eines von ihnen stellt das Duo Joachim Fuchsberger und Karin Dor innerhalb einer dramaturgischen Modifikation dar, die im Grunde genommen aber keine ist. Als Ralph Hubbard agiert Fuchsberger glücklicherweise nicht nur routiniert, sondern auch selbstbewusst und immer bereit, seine Agilität unter Beweis zu stellen. Die Konstellation mit Karin Dor hat sich unter denkbar widrigen Umständen zu finden, immerhin handelt es sich um einen entlassenen Sträfling und die Witwe eines einschlägig bekannten Spielers, die plötzlich mit dem Schlagwort Mordverdacht zu kämpfen hat. Die beiden Stars des deutschen Kriminalfilms bilden wie immer eine perfekte Einheit, auch wenn es anfangs gar nicht so aussehen soll, und überzeugen das Publikum mit sympathischen und vor allem stichhaltigen Darbietungen. Zu Karin Dors Leistung lässt sich vielleicht sogar sagen, dass es sich hier um eine ihrer besten Interpretationen und interessantesten Charaktere dieser Zeit handelt. Unterstützung liefern unlängst bekannte Gesichter im Dunstkreis zwischen Gut und Böse, wie beispielsweise Werner Peters, Dieter Eppler, Mady Rahl, Gerhard Frickhöffer oder Horst Frank, die sich für den Zuschauer ganz klar positionieren, aber auch für Zweifel und Misstrauen sorgen. Der Film fällt mit einer harten Gangart und einer ungewöhnlich plastisch geschilderten Brutalität auf, was von Regisseur Harald Reinl in den richtigen Momenten immer wieder mithilfe beunruhigender Drahtschlingen forciert wird. Die drakonisch wirkenden Ermordungsszenen sind von Erbarmungslosigkeit geprägt, die man 1:1 auf die Mentalität des Kopfes der Verbrecherorganisation übertragen wird und gleichzeitig auf seine ausführende rechte Hand.

Konträr zu dieser Marschrichtung werden humorige Akzente durch Chris Howland gesetzt, die in dieser Fasson gar nicht einmal so deplatziert wirken, wie es andernorts häufiger der Fall war. So lebt dieser gut strukturierte und durchgehend ansprechende Film von einer bemerkenswert präzise aufspielenden Entourage, die perfekt abgestimmte Leistungen präsentiert. Alle überdurchschnittlichen Eindrücke und Grundvoraussetzungen werden vielleicht etwas durch die Tatsache ausgebremst, dass die gleichnamige Organisation im Rahmen ihrer Maskerade hin und wieder schwächelt, was nicht wortwörtlich zu nehmen ist, denn die Maske hat eine annehmbare Arbeit abgeliefert. Dennoch ist der Täter auch ohne größere Erhebungen leicht auszumachen, was als Kritikpunkt zwar immer wieder zu vernehmen ist, dem Spaß an dieser spannenden und turbulenten Geschichte aber keinen Abbruch tut. Als besonderes Extra gibt es eines von Peter Thomas’ eingängigen Musikthemen, und überhaupt sind gerade im handwerklichen und technischen Bereich sehr ansprechende Angebote und Lösungen zu finden. Veredelt durch ein besonders stichhaltig wirkendes Duo namens Joachim Fuchsberger und Karin Dor, entstehen spannende und mitreißende Momente, die vielleicht nicht unbedingt aufs Glatteis führen, dafür aber unbedingt in die gewollte Richtung. Bis Harald Reinls Verwirrspiel gelöst ist, werden viele Köpfe rollen müssen. "Die weiße Spinne" verfügt insgesamt über eine besonders mysteriöse Atmosphäre, die lange nicht beseitigt werden kann, auch wenn es zahlreiche Vorahnungen des Publikums in gleich mehrere Richtungen gibt. Auf der anderen Seite werden allerdings auch Überraschungen und waschechte Schocks geliefert, die diesen unter Louis Weinert-Wilton laufenden Film zu einem besonders gelungenen Exemplar machen, auch Banner übergreifend.

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Prisma
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● GEHEIMAGENT 11 0 11 - SCHÜSSE IM ¾ TAKT / SCHÜSSE IM ¾ TAKT / OPERAZIONE TERZO UOMO (A|D|I|1965)
mit Pierre Brice, Heinz Drache, Daliah Lavi, Jana Brejchová, Charles Regnier, Walter Giller, Terence Hill, Gustav Knuth und Senta Berger
eine Produktion der Wiener Stadthalle | Bavaria Film | Cinegai S.p.A. | im Nora Filmverleih
ein Film von Alfred Weidenmann

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»Je größer, desto besser!«


Geheimagent Philippe Tissot (Pierre Brice), der unter dem Decknamen "Cäsar" agiert, soll ein neuartiges Raketen-Steuerungssystem der NATO wiederbeschaffen, das von einer kriminellen Organisation gestohlen wurde. Bislang ist unklar, was die Verbrecher mit der Waffe vorhaben, außerdem kennt man die Hintermänner nicht. Die Zeit rennt davon, da das Gerät binnen weniger Tage wieder in die richtigen Hände gelangen soll. Eine heiße Spur führt in das Wiener Varieté "Palladium", wo Tissot auf allerlei zwielichtige Gestalten trifft, und auch die ersten Liquidierungen lassen nicht lange auf sich warten. Die Suche quer durch Wien wird allerdings auch für Tissot immer gefährlicher, da es mehrere Anschläge auf sein Leben gibt. Für den Agenten bedeutet dies allerdings nur eines, nämlich dass er die richtige Fährte aufgenommen hat …

Der gebürtige Stuttgarter Alfred Weidenmann kann auf eine sehr ausgiebige Filmografie zurückblicken, die vor allem für Variabilität bürgt. In der Retrospektive ist der Regisseur insbesondere bekannt als Initiator von Ausstattungsfilmen mit besonderer Star-Besetzung, oder als verlässlicher Routinier im Rahmen beliebter deutscher Kriminalserien; doch wird er sich auch in diesem 1965 entstandenen Beitrag, ganz im Strickmuster populärer Spionagethriller oder gar "James Bond"-Filme, profilieren können? "Schüsse im ¾ Takt" wird diese Antwort natürlich liefern und letztlich steht und fällt diese mit bekannten Darstellern ausstaffierte Produktion mit den Präferenzen der Zuschauer, da die Geschichte an sich eher nur mäßiges Potenzial bietet. Falls man sich in der Welt rund um Action und Spionage prinzipiell wohlfühlt, kann dieser Verlauf sicherlich überzeugen - wenn nicht sogar begeistern. Kriminalfälle rund ums Artisten- und Zirkusmilieu konnten bei Gebrauch seit jeher undurchsichtige Machenschaften begünstigen, weil der Ort des Geschehens aufgrund seiner Unübersichtlichkeit und der naturgemäß vielen beteiligten Personen wie geschaffen wirkt, um einen ordentlichen Spannungsbogen zu kreieren, obwohl man sich nur zu Beginn in dieser Umgebung befindet. In einem klassischen Reißer dieser Art sind turbulente Strecken und diverse Ortswechsel eine Art Lebenselixier, nicht nur ein Markenzeichen. Als erster großer Blickfang dieses Beitrags ist sicherlich die originelle Animation des Titelvorspanns zu nennen, genauso wie die hochkarätige Besetzungsliste, die ihn vielversprechend verziert. Man sieht etliche gute alte Bekannte, die einiges an Erfahrung für einen derartigen Flick mitbringen. Die Frage ist nur, ob diese von vorneherein unorthodox wirkende Konstruktion auch hält? Schnell lichten sich die Reihen durch Mörderhand und die Inszenierung suggeriert einen brauchbaren Whodunit-Effekt.

Vergleicht man mit großen Vorbildern dieser Zunft, wird man schnell merken, das hier alles eine Spur kleiner gehalten ist, was insbesondere für die Doppelspitze der männlichen Hauptrollen gilt. Wo hingegen Pierre Brice alleine schon wegen seiner Erscheinung in die Kategorie eines Agenten fällt, ist es Heinz Drache, der ein wenig fremdartig anmuten will, obwohl er reichlich Erfahrung im Krimi-Sektor sammeln und seine Routine unter Beweis stellen konnte. Hier fährt der Wallace-Veteran allerdings gegen eine Wand namens Pierre Brice, und das nicht aufgrund überragender darstellerischer Kompetenzen, die hier übrigens so gut wie keiner der Beteiligten abzurufen braucht. Heinz Drache verblasst letztlich aus rein oberflächlichen, daher vielleicht weniger relevanten Gründen neben seinem französischen Schauspielkollegen, aber glücklicherweise kommt es zu keinerlei störenden Tendenzen. Weitere bekannte Namen liefern Walter Giller, Anton Diffring, Terence Hill oder beispielsweise Charles Regnier, und es weiß so gut wie jeder im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten zu überzeugen. Bei den Damen werden definitiv schwere Geschütze aufgefahren, denn Film-Schönheiten wie Daliah Lavi, Jana Brejchová oder Senta Berger bringen das ohnehin farbenfrohe Szenario noch mehr zum Strahlen. Bei der deutschen Synchronisation hört man die Crème de la Crème der damaligen Sprecher in zugegebenermaßen seichter Dialogarbeit, und Daliah Lavi ist in der Zirkusmanege mit ihrer eigenen Stimme zu hören, wenn sie ihr Lied singt, obwohl sie für den laufenden Film von Renate Heilmeyer gesprochen wird. Die exzellente Besetzung auf dem Papier kann bei aller Freude allerdings nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Geschichte insbesondere im Mittelteil zu schwächeln beginnt, denn es tut sich einfach zu wenig Zielführendes.

Vielleicht ist dies der Tatsache geschuldet, dass sich Weidenmann um einen sorgsam konstruierten Aufbau bemüht, doch es fehlt einfach an Spektakel. Für die nötige Aufmerksamkeit sorgen schließlich immer wieder Morde, die etwas zusammenhanglos wirken, da dem Zuschauer zu wenige Informationen mit auf den Weg gegeben werden. Glücklicherweise präsentiert sich die Inszenierung in einer überdurchschnittlich guten Verfassung, was interessanten Kamera-Einstellungen, der sehr gelungenen musikalischen Untermalung und der besonderen Schauplätze zu verdanken ist. Trotzdem kommt man einfach nicht umhin sich zu fragen, was das Ganze eigentlich soll? Pures Gift für einen solchen Streifen. "Schüsse im ¾ Takt" vermittelt leider eine Unentschlossenheit, die weniger auf das anvisierte Ziel bezogen sein soll, sondern auf die Tatsache, dass eben kein Beitrag entstanden ist, der sich in irgendeiner Weise von der Konkurrenz abheben kann, weil letztlich und global gesehen der Mut, möglicherweise sogar die Verzweiflung fehlt. Alle Hoffnungen liegen wegen des zu unspektakulären Verlaufs schließlich auf einem Finale, das ein spätes Ausrufezeichen zu versetzen mag und tatsächlich wird man zumindest nicht enttäuscht. Auffällig bei Alfred Weidenmanns abwechslungsreichem Film ist, dass es so gut wie keine, oder eher nur leise Anflüge von humorigen Untertönen gibt, sich der Film daher in ein viel zu ernstes Gewandt hüllt. Im Endeffekt kann man mit "Schüsse im ¾ Takt" aufgrund seiner glücklicherweise deutlich sichtbaren Vorzüge gut anfreunden, und falls man obendrein keine Wunder erwartet, stellen sich sogar unterhaltsame Strecken und ein kurzweiliges, mit österreichischem Charme versehenes Gesamtergebnis ein. Somit ist Weidenmanns Versuch im Großen und Ganzen relativ gelungen und problemlos anzuschauen, trotz des vorhandenen Potenzials, das leider liegen gelassen wurde.

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● ICH BIN EIN ELEFANT, MADAME / ICH BIN EIN ELEFANT MADAME (D|1969)
mit Heinz Baumann, Margot Trooger, Günther Lüders, Werner Dahms, Kurt Hübner, Robert Dietl, Georg M. Fischer, Tankred Dorst, Peter Palitzsch,
Maja Eigen, Guido Baumann, Ernst Rottluff, Ingrid Resch, Heinrich Giskes, Andreas Seyferth, Christine Philip, Brigitte Janner, Hans-Walter Clasen,
Ilja Richter, Gerhard Hartig, Maren Hübner, Axel Heydekamp, Rudolf Jürgen Bartsch, Rolf Becker, Rene Geiger, Rita Graun und Wolfgang Schneider
nach dem Roman »Die Unberatenen« von Thomas Valentin
eine Produktion der Iduna Film | im Verleih der Obelisk Film
ein Film von Peter Zadek

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»Die Nation ist aus ihrer kriminellen Gleichgültigkeit erwacht!«


In einem Bremer Gymnasium probt der Schüler Rull (Wolfgang Schneider) den Aufstand, indem er sich gegen die autoritären und seiner Ansicht nach längst überholten Strukturen des Schulsystems stellt. Das Ergebnis ist eine friedliche und humorvolle Protestaktion, bei der sich zahlreiche andere Schüler mobilisieren lassen. Die Haupt-Intention ist eine Art der demokratischen Schul(re)form. Nach und nach werden Lehrer entlarvt, die sich ungern aus ihrer bequemen Komfortzone herausbringen lassen wollen und sich verzweifelt am alten System festklammern. Lehrer mit moderneren beziehungsweise ähnlichen Auffassungen von Pädagogik sollen sich der Bewegung anschließen …

Im April 1968 war der bundesdeutsche Massenstart des ersten Paukerfilms "Zur Hölle mit den Paukern – Die Lümmel von der ersten Bank (1. Teil)", der zum großen Publikumserfolg avancieren konnte. Um an diesem Erfolg teilhaben zu können, stellte sich die Konkurrenz unmittelbar in Stellung und schickte ebenfalls derartige Filme ins Rennen. Bis Ende 1974 kann man von einer wahrhaften Schwemme dieser Produktionen sprechen, die es summa summarum auf 17 Vertreter bringen konnten. Um die Resonanz dieser Filme zu beschreiben, hilft ein Blick auf die Zuschauerzahlen des ersten halben Dutzends Filme, unter denen vier Produktionen mit der "Goldenen Leinwand" für mindestens 3 Millionen Kinogänger ausgezeichnet wurden, was durchaus beachtlich erscheint. Preisträger waren der erste Lümmelfilm mit über 6 Millionen Zuschauern, Harald Vocks "Immer Ärger mit den Paukern", Werner Jacobs' "Zum Teufel mit der Penne – Die Lümmel von der ersten Bank (2. Teil)" und "Hurra, die Schule brennt – Die Lümmel von der ersten Bank (4. Teil)", ebenfalls unter der Regie von Werner Jacobs. Obwohl sich das Strickmuster dieser teils abenteuerlichen Schülerstreiche relativ schnell abnutzte, etablierten sich weitere Ableger dieser Art von Humor, sodass es dem Empfinden nach kaum mehr etwas anderes als grobschlächtigen Klamauk zu sehen gab. Peter Zadeks "Ich bin ein Elefant, Madame" gefällt sich wie die Geschichte selbst darin, gegen den reißenden Strom zu schwimmen und dem Mainstream eine entschiedene Absage zu erteilen, lief dementsprechend mit Erfolg in Arthouse-Kinos und zählte zu den erfolgreichsten Filmen der Saison. Vielleicht könnte man von einer Art Gegenentwurf zu den bis zu diesem Zeitpunkt noch wenigen Paukerfilmen sprechen, doch dieser Film versteht sich im Grunde genommen nicht als solcher, eher tut es der Zuschauer im Vergleich. Außerdem basiert die Produktion auf dem 1963 publizierten Roman "Die Unberatenen" von Thomas Valentin sowie einer bereits vorhergegangenen TV-Inszenierung dieses Romans unter dessen Originaltitel von 1966, ebenfalls inszeniert durch den Berliner Regisseur Peter Zadek. Betrachtet man den Titel der Geschichte, kommt er einem doch ziemlich undurchsichtig vor, allerdings persifliert er das Tangolied "Ich küsse Ihre Hand, Madame", welches auch im Film vorkommt.

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"Ich bin ein Elefant, Madame" als Anlass für ein Referat über die gemeinen Paukerfilme zu nehmen, erscheint zwar naheliegend aber schlussendlich wenig zielführend zu sein, denn man bekommt hier rein gar nichts vom Fahrwasser, der Strategie oder den entsprechenden Unarten dieser Produktionen geboten, was alleine schon einmal für eine Aufmerksamkeitssteigerung sorgen kann. Formal einwandfrei und überaus fordernd modelliert, entsteht ein Verlauf, der dem Zuschauer zunächst einmal wie eine unlösbare Denkaufgabe vorkommt, bis die komplizierten Antworten wie Schuppen von den Augen fallen. Zadek erzählt sozusagen von einem Ungleichnis der überspitzt verwendeten Begriffe Anarchie und Diktatur, die weder auf der einen noch der anderen Seite gerechtfertigt erscheinen. Im Grunde genommen ist man sich oft näher, als man denkt, doch der Schulbetrieb und dessen Lehrpläne repräsentieren keinerlei Nährboden für Kompromissbereitschaft, Entfaltung oder Fantasie. Außerdem scheinen sie bereits Tausend Jahre alt zu sein, die entsprechenden Lehrkörper ebenso. Zeichnungen von Schülern, die angeblich unbelehrbar sein sollen, spiegeln die Resistenz gegen eine Lernfähigkeit bei den Pädagogen. Interessanterweise werden hier nicht alle von ihnen über einen Kamm geschert, was schleppend zu einem Dialog zwischen den verhärteten Fronten führen kann. Die Schüler stehen kurz vor dem Abitur und verlangen nach einem gefährlichen Experiment, immerhin könnte es ihren Abschluss gefährden. Alles und jeder wirkt hier auf den Kopf gestellt, was selbst für die privaten Verhältnisse der Beteiligten gilt. Die Schüler treten in Dialog mit ihren Lehrern, stoßen dabei auf unterschiedliche Reaktionen, wohlgemerkt unter Verwendung ebenso unterschiedlicher Gesprächsstile. Im Kollektiv kommen brauchbare Gedanken zusammen, die einzeln nicht geformt werden können. In der Zwischenzeit wird der Schüler Rull ausgiebig vorgestellt, ohne jedoch große Worte zu verlieren. Dies tut er entweder selbst oder fällt durch extremes Handeln beziehungsweise Formulieren auf. In diesem Zusammenhang kommt es nicht selten zu bizarren Bild- und Höreindrücken, die auf musikalischer Ebene eindrucksvoll und markant unterlegt sind, wie etwa mit Lou Reed and The Velvet Underground oder Martin Böttcher.

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Der Schüler Rull agiert mit der unnachgiebigen Logik eines System-Vandalen, Lehrkörper und vor allem Lehrpläne halten diesen Torpedos kaum stand. Wie auch? Sie sind alt, porös, unflexibel und auf einem Sicherheitsprinzip aufgebaut. Überspitzte Gebärden und Reaktionen sind überall zu finden, sodass der Rädelsführer versucht, jede noch so extreme Regung zu übertrumpfen, was ihm auch spielend gelingt. Dabei bleibt er stets überzeugt von der Richtigkeit des Gegenteils. Dynamisch dargestellt von Wolfgang Schneider, gab es für diese schauspielerische Leistung den Bundesfilmpreis in Gold, der ebenfalls für die Regie herausspringen sollte, vom Gewinn des Silbernen Bären auf der Berlinale 1969 und der Prämie des Bundesinnenministeriums in Höhe 250.000 D-Mark für die Produzenten plus 50.000 D-Mark für die Regie ganz zu schweigen. Der nahezu voyeuristische Blick in die isolierten Mauern der Schule macht nicht Halt vor Bloßstellungen im Privaten. Doktor Nemitz, einer der aufgeschlossenen Lehrkräfte, wird als Verlierer präsentiert, was sich vor allem auf seine Ehefrau, eine Quasselstrippe aus dem Bilderbuch bezieht. Jeweils exzellent modelliert von Heinz Baumann und Margot Trooger, entstehen denkwürdige Momente, die teilweise zur Schamesröte animieren. Günther Lüders, Ingrid Resch, Werner Dahms oder Kurt Hübner hinterlassen ebenfalls passende Eindrücke, aber das kann für die komplette Entourage gesagt werden. Der Versuch, ein gutes Gleichgewicht zwischen Schülern und Lehrern zu erreichen ist geglückt, sodass es zu keiner einseitigen Begünstigung kommen kann, die hier ohnehin eigens vom Zuschauer vorgenommen werden muss. Im Dunstkreis der Besetzungsliste lassen sich prominente, bekannte und unbekannte Namen ausfindig machen, die sich generell auf Augenhöhe treffen, da jeder bis ins kleinste Detail mit seiner Mehrfachanforderung vertraut zu sein scheint. Man wird keine Stars finden, sondern lediglich Instrumente der Regie, die sich mitunter nicht scheuen, für kühn gestaltete Überraschungen zu sorgen. Als plötzlich ein Hakenkreuz an die Schulmauern geschmiert wird, ist die Empörung groß und es sollen Köpfe rollen. Ab sofort werden sich die weit voneinander entfernten Ränder mobilisieren, die einerseits für den Rauschmiss Rulls, andererseits für dessen Verschonung plädieren.


Ob der Angeklagte auch der Schuldige ist, spielt offenbar keine signifikante keine Rolle, was Befragungen von Passanten durch einen Journalisten auf offener Straße belegen. Es kommt eine Galgenstimmung auf, die sogar braunem Denken, verborgen im Schutz der Masse, zum aufmüpfigen Wort verhilft. Der gesellschaftskritische Aspekt der Geschichte ist unter Zadeks Führung jedenfalls schneidend geglückt. Der Verlauf verfügt über zahlreiche wilde Ideen, der mit der hier passgenau eingesetzten Musik zu einem Happening der Impressionen wird. Selbst der größte Name der Darstellerriege wird jedem Komparsen gleichgesetzt, sodass die Konzentration nie kopflastig zu Gunsten eines bestimmten Charakters der Geschichte verbraucht wird, auch wenn Wolfgang Schneider hervorzustechen hat. Die Kamera beschäftigt sich immer wieder mit ausladenden Szenen, deren Ausschöpfen beinahe etwas Pathologisches, fast schon Quälendes vermittelt. Das spiel mit Signalfarben wirkt irritierend, die eingestreute Realität bei so viel auffälliger und polemischer Choreografie wie das Geheimnis, das man in Eigenleistung lüften muss. Die Dialoge wirken insbesondere bei den Schülern wie eine groß angelegte Improvisation, können aber zum Nachdenken oder Schmunzeln animieren, was man vielleicht als Haupt-Intention dieser Produktion benennen möchte. Denken … in jedem Schulbetrieb essenziell und so wichtig, doch auf den Prüfstand gestellt fast fragwürdig. Es soll nachgedacht werden, über das althergebrachte System, jedoch nicht über dessen Berechtigung; kritische Stimmen unerwünscht. Nebenbei wird die Rolle der Frau anno 1969 immer wieder unter die Lupe genommen: »Wir leben in einer Gesellschaft, liebe Gisela, in der unter Umständen auch Damen, eines schönen Tages, einen Computer programmieren müssen!« "Ich bin ein Elefant, Madame" wirkt beim Anschauen und nach Beendigung durchgeschüttelt und non-linear, vielleicht wie die eigene Auseinandersetzung und Analyse mit den Eindrücken, kann bei allem überspitzten Aufzeigen aber schlussendlich eine merkwürdige Balance zwischen den Generationen und Intentionen finden, zumindest dem Empfinden nach. Vielleicht kann eines von Margot Troogers Gedichten aus dem Lyrikband "Sommerwiesen - Winterwälder" daher ein passendes Gesamtfazit für diesen sehenswerten Kampf ziehen:

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Prisma
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Maurice Ronet

BIS ZUR BITTEREN NEIGE


● BIS ZUR BITTEREN NEIGE (D|1975)
mit Suzy Kendall, Susanne Uhlen, Christine Wodetzky, Karl Renar, Balduin Baas, Rudolf Fernau und als Gast Ferdy Mayne
eine Produktion der Roxy Film | GGB 1. KG | Wien Film | im Constantin Filmverleih
nach dem gleichnamigen Roman von Johannes Mario Simmel
Ein Film von Gerd Oswald

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»Ist Ihnen einmal aufgefallen, dass alle Mittel, die das Leben erträglich machen, giftig sind?«


Paul Jordan (Maurice Ronet), der ehemalige Hollywood- und Musical-Star, zog sich vom Show-Geschäft zurück und heiratete die texanische Öl-Millionärin Joan (Suzy Kendall). Nach 15 Jahren Pause vom Showgeschäft möchte er ein Comeback starten, um sich vor allem seiner vereinnahmenden Frau zu entziehen und der erdrückenden Abhängigkeit zu befreien. Außerdem hat Paul eine Affäre mit seiner Stieftochter Shirley (Susanne Uhlen). Die häusliche Situation nimmt für ihn unerträgliche Formen an. Seine ehemalige Agentin (Regine Felden-Hatheyer) verschafft ihm eine Rolle in einer kleineren Produktion, die in Wien gedreht werden soll, doch schnell stößt der ehemalige Star an seine Grenzen. Um den Stress zu bewältigen, konsumiert er Unmengen an Alkohol und lässt sich fragwürdige Substanzen von einem dubiosen Arzt namens Schauberg (Rudolf Fernau) verabreichen, doch der Kollaps ist unausweichlich. Paul sieht sich mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen konfrontiert. Als seine Frau und Shirley auch noch in Wien auftauchen, kommt es zur Katastrophe …

Im erlesenen Kreis der Johannes-Mario-Simmel-Verfilmungen fristet Gerd Oswalds Adaption eher ein stiefmütterliches Dasein und genießt keinen besonders hohen Bekanntheitsgrad, somit leider auch keine große Wertschätzung. Die Reihe wurde in den Jahren zuvor von Regisseur Alfred Vohrer zu seiner Domäne gemacht und beherrscht, da er von dieser Produktion alleine sechs Romane des Bestseller-Autors Simmel für die Produktionsfirma Roxy mit großem Erfolg verfilmte. In "Bis zur bitteren Neige" ist im direkten Vergleich sehr deutlich zu merken, dass viele Details bezüglich der Umsetzung unterschiedlich oder vielmehr gegensätzlich ausgefallen sind, was aber nicht unbedingt bedeuten muss, dass es sich um einen schwachen Nachzügler handelt, nur weil er sich den Luxus einer alternativen handwerklichen Strategie erlaubt. Aus persönlicher Sicht ist das Gegenteil der Fall, denn die Geschichte kann mit ihrem vollkommen sterilen Charakter und einem durch und durch pragmatischen Aufbau punkten, was vielleicht auch ein wenig am Vergleich mit den Vohrer'schen Simmel-Adaptionen liegen mag, die wohlgemerkt ebenfalls absolut sehenswert sind. Für eine Simmel-Vorlage, so scheint es, fehlt diesem Stoff weitgehend die berüchtigte Komplexität, sodass die Umsetzung ebenfalls kaum Verschachtelungen und eigenwillige Umwege zu bieten hat. Nachlässigkeiten lassen sich allerdings im Rahmen der Charakterzeichnungen finden, denn einige wichtige Nebenfiguren erhalten nicht die Möglichkeit, sich in den Fokus zu spielen oder sich miteinander auseinanderzusetzen. Auch wenn dieses wichtige Potenzial oft ungenutzt bleibt, bekommt man im Großen und Ganzen sehr stichhaltige Interpretationen geboten. Der Plot ist vergleichsweise sehr einfach, daher dem Empfinden nach auch verständlicher, sodass in Bezug auf die Realität ein wichtiger Transfer stattfinden kann, auch wenn das Publikum dazu gezwungen wird, zahlreiche Situationen lange Zeit nicht adäquat einschätzen zu können, da der Protagonist zwischen Realität und Einbildung hin- und herzupendeln scheint.

Maurice Ronet, als abgesattelter Ex-Star mit dem die Zeit offensichtlich nicht gerade freundlich umgegangen ist, liefert eine Parade-Vorstellung. Eingezwängt in einem goldenen Käfig, befindet er sich in der misslichen Lage, in totaler Abhängigkeit zu seiner Frau zu stehen - und das wohl in jeder Beziehung. So verachtet er Joan und man wird in jedem seiner Blicke sehen, dass dieser Zustand das zehnjährige Jubiläum bereits hinter sich gelassen zu haben wird. Sein unbeholfen wirkender Befreiungsschlag wird eine Kettenreaktion auslösen, in der die schwächsten Glieder brechen müssen. Sehr eindrucksvoll schildert Ronet Situationen, in denen er betrunken ist, manische Züge bekommt und immer wieder kurz vor dem Kollaps steht. Dabei sieht man ihm gebannt zu und kann den Whisky, den er runter schüttet, förmlich riechen, den Hass gegen seine Frau beinahe spüren und die Liebe zu seiner Stieftochter intuitiv nachvollziehen. Suzy Kendall - vielleicht eine insgesamt unterschätzte Interpretin - überrascht hier. Damals gerade einmal Anfang 30, wurde sie so hergerichtet, dass sie mindestens zehn Jahre älter wirkt. In der Wirkung ist Joan betont unsympathisch; doch ist man sich überhaupt nicht im Klaren darüber, ob Paul für diesen Eindruck verantwortlich ist, oder man ihr im Endeffekt Unrecht tut? Ist es der entlarvende Blick eines Mannes gegenüber einer Neurotikerin, oder der verzerrte Blick eines Alkoholikers, der mit beginnenden Wahnvorstellungen zu kämpfen hat? Kendalls Präsentation einer ambivalenten Person überzeugt zwar, doch für Brillanz wäre definitiv mehr Screen-Time nötig gewesen. Die fatale Dreieckskonstellation rundet die damals gerade erst 20-jährige Susanne Uhlen ab. Aufgrund ihrer glaubhaften Leistung multipliziert sie die eigenen Zweifel und Vorbehalte und wirkt indirekt ketzerisch, aber dennoch so verloren. Erwähnenswert ist unbedingt noch die wie immer hervorragende Christine Wodetzky, als im Endeffekt machtlose Ärztin, bei der man genauso wie bei ihrer Kollegin Susanne Uhlen den Eindruck hat, als könne man ihre Verzweiflung, Resignation und Traurigkeit hautnah spüren, wenn auch auf völlig unterschiedlichen Ebenen.

Als Plus der Geschichte bleiben ihre Charaktere und deren Interpretationen stehen, die einen überzeugenden Weg weisen, da sie mitunter vollkommen unscheinbar agieren. Es entsteht eine gewisse Verwirrung und depressive Atmosphäre, weil auch Paul Jordan keinen wirklichen Sympathieträger darstellt. Insgesamt gesehen wirkt es vielleicht doch so, als fehle der endgültige Schliff, was bestenfalls als diffuser Eindruck zurückbleibt, der die Richtung der Geschichte unterstützt. Gerade "Bis zur bitteren Neige" lädt angeregt zu Vergleichen ein, da die Simmel-Konkurrenz sehr stark und ausgiebig vorhanden ist, nicht zuletzt, weil zuvor einige große Ausrufezeichen gesetzt wurden. Gerd Oswald verzichtet vollkommen auf den Blick durch einen romantisierten Schleier und setzt auf Settings, die hart und oftmals kalt wirken. In Verbindung mit den vielen Personen, die gleiche Akzente setzen, wirkt die Gesamt-Situation oftmals wenig erbaulich. Es bahnt sich eine unausweichliche Katastrophe an. Wie diese Aussehen wird, bleibt bis zur Deadline weitgehend ungewiss, auch wenn man von Vorahnungen geplagt wird. In Allianz mit einem deutlich gedrosselten Erzähltempo wirkt der Verlauf oftmals zähflüssig und repetitiv. Zwar bekommt man nur wenige Twists geboten, aber gleichzeitig einen sorgsam konstruierten Showdown, der ohne Effekte eher ruhig und diskret durch eine Selbstinszenierung im Gedächtnis bleiben wird beziehungsweise buchstäblich über die Bühne geht. Ein Satz sollte unbedingt zu der eingängigen Musik von Klaus Doldinger verloren werden, die sehr frisch wirkt, um den unscheinbaren Verlauf der Geschichte trügerisch zu untermalen. Die Kamera-Arbeit von Charly Steinberger, der wenig später übrigens Susanne Uhlen heiratete, erfreut in gewohnt progressiv-routinierter Manier, wobei bezüglich der Bildgestaltung kaum eine Detail-Strategie zu entdecken ist. Mit "Bis zur bitteren Neige" ist im persönlichen Simmel-Orbit eine der besten Adaptionen entstanden, weil die unaufdringliche Regie nicht versucht, die Konkurrenz zu überflügeln, außerdem wegen des so hoffnungslos prosaischen Charakters der Story. Es bleibt ein bemerkenswerter Film über lebende Tote, gescheiterte Existenzen und moralische Prostitution.

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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● FANTÔMAS / FANTOMAS (F|I|1964)
mit Jean Marais, Louis de Funès, Mylène Demongeot, Jacques Dynam, Pierre Collet, Henri Attal und Marie-Hélène Arnaud
eine Produktion der Production Artistique et Cinématographique | Société Nouvelle des Établissements Gaumont |
Produzioni Cinematografiche Mediterranee | im Rank Verleih
ein Film von André Hunebelle

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»Ich werde dich finden, Fantomas!«


Der Superverbrecher Fantomas hält Paris in Atem. Seine Unberechenbarkeit darin besteht, Aussehen und Identität jedes seiner Opfer annehmen zu können. So veranstaltet er spektakuläre Raubzüge, die nicht zu verhindern sind. Als der Journalist Fandor (Jean Marais) einen Zeitungsartikel veröffentlicht, in dem er behauptet, den Verbrecher exklusiv interviewt zu haben und sich zu allem Überfluss selbst als Fantomas ablichten ließ, kommt es zu einer unerwarteten Begegnung. Fandor wird in Fantomas' Geheimversteck verschleppt und muss dabei zusehen, wie der Verbrecher dessen Identität annimmt, um als Fandor Verbrechen zu begehen. Die Polizei rund um Kommissar Juve (Louis de Funès) tappt derweil völlig im Dunkeln …

Der französische Regisseur André Hunebelle war in zahlreichen Genres zu Hause, doch zeitweise auch spezialisiert auf das Inszenieren von Abenteuerfilmen mit Jean Marais in den Hauptrollen. Die "Fantomas"-Trilogie zeigt sich im Prinzip angelehnt an die florierende "James Bond"-Reihe, doch auch wenn es hier sehr turbulent und actionreich zugeht, ist es der komödiantische Anteil, der überwiegt. Hunebelle ebnet jeder seiner drei Hauptfiguren einen Weg ohne Hindernisse, sodass die individuelle Entfaltung zur Selbstverständlichkeit werden kann, was eine hohe Dynamik garantiert. Bleibt man zunächst bei dem rücksichtslosen Superverbrecher, so bekommt man es mit einer überaus starken Aura zu tun, die sich nicht nur aus dem futuristischen Aussehen, sondern der gebieterischen Art und Weise zusammensetzt. "Fantomas" ist auf alles und sogar mehr vorbereitet und überlässt nichts dem Zufall. Seine Raubzüge sind geprägt von einer auffälligen Dreistigkeit, die allerdings zu seiner Visitenkarte zu gehören, was den Spaß an der Freude zu garantieren scheint. Gepaart mit einem unaufgeregten Größenwahn, kann man sich auf bis ins kleinste Detail geplante Verbrechen gefasst machen, die Kommissar Juve und seinen statischen, beinahe unfähig wirkenden Polizeiapparat vor eine schier unlösbare Aufgabe stellen, denn Pragmatismus und Planung ist eher auf Seiten der Kriminalität zu finden. Abgerundet durch einen Sensations-Journalismus, der auch heute noch so wirkt, als sei er exklusiv in Frankreich erfunden worden, muss man dabei zusehen, wie er in perfider Weise herumgedreht und instrumentalisiert wird. Dabei entsteht ein interessantes Tauziehen mit immer breitem Augenzwinkern, das sich auch nach so vielen Jahren noch sehen lassen kann. Jean Marais’ Agilität kommt dem Verlauf in besonderer Weise zugute, der ja bekanntlich seine Stunts selbst zu übernehmen pflegte, und gerät unfreiwillig zwischen die Fronten, da er es gewagt hat, den Superverbrecher in seiner Zeitung vorzuführen. Gepackt an seiner Eitelkeit, kommt es zu Ankündigungen und Maßnahmen der Vergeltung.

Die Schwindel erregend teuren Juwelen funkeln, alte und neue Francs wechseln den Besitzer in Unmengen, und "Fantomas" ist nicht zu stoppen, wird aber immer reicher; seine Kontrahenten wenigstens an Erfahrung. Der Verlauf zeichnet sich dadurch aus, dass der Humor immer über der Brutalität stehen wird, es somit zu komischen Intervallen kommt, in denen Louis de Funès seine Dominanz ausspielen wird. Legendär sind beispielsweise die Szenen mit der Gesichtsmontage im Präsidium, wenn Kommissar Juve als gemeiner Verbrecher identifiziert wird und es heißt, dass es sich bei dem Polizeimann um eine richtige Gangster-Visage handle. Überhaupt ist die veranstaltete Maskerade sehr amüsant und immer darauf bedacht, so artifiziell zu wirken, dass es zu keinen Verwechselungen beim Publikum kommen kann. André Hunebelles erster Beitrag zur Trilogie gibt unverblümt und offensichtlich stolz preis, dass es sich um einen sehr aufwändig produzierten Film handelt, der auf Sets, Details, imposante Schauplätze über den Dächern von Paris und Umgebung, waghalsigen Stunts sowie Action achtet. Technische Spielereien gehören hier genauso zum guten Ton wie flotte Sprüche und Situationskomik. Der Cast beugt sich diesem System nicht nur bereitwillig, sondern unterstützt dieses nach Kräften, vielleicht sogar Herzenslust, und neben den Hauptdarstellern sind noch Mylène Demongeot als sympathische Verlobte Fandors und Marie-Hélène Arnaud als geheimnisvolle Unterstützerin der Titelfigur zu erwähnen. "Fantomas" verfolgt im Großen und Ganzen einen überaus klaren Aufbau und lässt das Publikum nicht im Trüben fischen, denn dazu sind Kommissar Juve und seine trotteligen Kollegen verurteilt, die es zwar nicht mit Fassung aber wenigstens Humor tragen. Unterstützt mit einer epischen Musik und zahlreichen geistreichen Einfällen, ist es kein Wunder, dass der Film seinerzeit zum Kassenschlager avancieren konnte und auch heute noch zur Elite französisch-italienischer Komödien zählt, die man sich immer wieder anschauen kann, was übrigens auch für die zwei folgenden Teile gilt.

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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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Anthony Perkins

PSYCHO IV - THE BEGINNING


● PSYCHO IV - THE BEGINNING (US|1990) [TV]
mit Olivia Hussey, CCH Pounder, Warren Frost, John Landis, Donna Mitchell, Ryan Finnegan und Henry Thomas
eine Produktion der Universal Television | Smart Money Productions
ein Film von Mick Garris

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»Der beste Freund ist die Mutter…«


Als die Radio-Moderatorin Fran Ambrose (CCH Pounder) gerade mit ihrer Show "Talk of the Town" zum Thema Matrizid auf Sendung ist, meldet sich ein Anrufer, der sich Ed nennt und live davon berichtet, dass er dem Zwang unterliegt, bald wieder morden zu müssen. Die detaillierte Berichterstattung des Anrufers über seine von ihm getötete Mutter (Olivia Hussey) legt dem in der Sendung anwesenden Psychiater Dr. Richmond (Warren Frost) die Vermutung nahe, dass es sich beidem anonymen Talk-Gast um den mittlerweile rehabilitierten Massenmörder Norman Bates (Anthony Perkins) handelt, den er vor etwa dreißig Jahren selbst begutachtete. Die Ankündigung Normans versetzt die Runde in helle Aufregung und man versucht herauszufinden, wie ein weiteres Unglück noch in letzter Minute verhindert werden kann …

"Psycho IV - The Beginning" wurde seinerzeit für das amerikanische Fernsehen produziert und ist erstmals nicht als direkte Fortsetzung der im Jahr 1960 gestarteten Chronologie des Grauens anzusehen. Das clevere Konzept dieses vier Jahre nach dem dritten Teil entstandenen Films bedient sich vor allem des Stilmittels von breit ausbuchstabierten Rückblenden, die Themenbereiche ansprechen, die zuvor höchstens angedeutet wurden, beziehungsweise der Fantasie des Zuschauers überlassen waren. Der Verlauf verlässt sich primär auf drei Eckpfeiler, bestehend aus den Schilderungen rund um die Vergangenheit, Normans privates Umfeld und der damit verbundenen Situation, außerdem der Radiosendung "Talk of the Town". Interessant bei dieser Variante der Erzählung ist, dass der vierte Teil es nur bedingt schafft, für das Verständnis gegenüber Norman Bates zu sorgen, welches die Vorgänger spielend kreieren konnten, da mehr auf diskretere Tragik gesetzt wurde. Des Weiteren kommt es unter Mick Garris Regie zu einer Reihe von Formfehlern, die sich nicht mit den Schilderungen aus den vorhergegangenen Teilen decken, was durch die sehr hohe Unterhaltsamkeit allerdings kompensiert werden kann. Die Hintergründe aus Normans Jugend stellen die spektakulärsten Inhalte von "The Beginning" dar, die aufgrund der intensiven Bebilderung sowie einiger introvertierter bis exaltierter Charaktere packen können. Eigenartigerweise wird die Spannungskurve immer wieder durch Perkins selbst unterbrochen, da sich erstmals eine gewisse Vorhersehbarkeit einschleicht, was jedoch nur auf die aktuellen Geschehnisse bezogen ist. Das Verwenden vieler Bindeglieder zur Vergangenheit beschert dem vierten Teil eine angemessene Strahlkraft, und für TV-Verhältnisse kann sich "Psycho IV" durchaus sehen lassen. In darstellerischer Hinsicht bekommt man sehr ansprechende Leistungen geboten, die sich vor allem in den Sequenzen der Rückblenden finden lassen. Hier zu erwähnen sind vor allem Olivia Hussey und Henry Thomas, die das vollkommen gestörte Mutter-Sohn-Verhältnis mit Hingabe, überaus irritierend und weitgehend glaubhaft über die Bühne bringen.

Für die Darstellung des jungen Norman Bates scheint Henry Thomas wie geschaffen zu sein, denn er wirkt wie ein machtloser Spielball der psychischen Instabilität und Stimmungslabilität seiner eigenen Mutter, die wiederum von Olivia Hussey unbequem, temperamentvoll und unberechenbar gezeichnet wird. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn nimmt teilweise abenteuerliche Konturen an, trägt aber zum Verständnis und vielleicht auch ein Stück weit zur Existenzberechtigung dieses erneuten Flicks bei, der sich zwar problemlos selbst neu erfindet, aber nicht an die Dichte und Qualitäten der Vorgänger heranreicht, was vielleicht auch naturgemäß so sein muss. Erwähnenswert ist des Weiteren die sympathische Performance von CCH Pounder, die als verständnisvolle Zuhörerin fungiert und dem Zuschauer Informationen beschert. Zwar wirkt sie so, als sei sie schon seit Jahren nicht mehr aus ihrem Studio herausgekommen und dementsprechend in einem Tunnel der Überambitioniertheit gefangen zu sein, aber sie funktioniert als wichtiges Bindeglied innerhalb der verschiedenen Handlungsstränge. Anthony Perkins Mitwirkung kann zunächst einmal als Muss bezeichnet werden. Dem Empfinden nach geht sein Auftritt aber auch nicht über diese Grenze hinaus, da er anderen das Feld überlassen muss, und er zugunsten der Dramaturgie in ein einseitiges Set eingeschnürt ist, aus dem nur gegen Ende herauszubrechen ist, um schließlich seichten TV-Seelenbalsam zu kolportieren. Unterm Strich schafft es "Psycho IV" nicht lückenlos, den Zuschauer bedingungslos auf seine Seite zu ziehen, da einfach zu viele vorgefertigte Wertungen zu finden sind. Kein anderer Teil versuchte dem Zuschauer in derartiger Art und Weise das Denken abzunehmen, was einfach nicht spurlos am Interessenten vorbeigehen kann, da sich die gewohnt-mysteriöse Spannung und das Unergründliche nicht durchgehend intensiv aufbaut. Dennoch bleibt zu erwähnen, dass "Psycho IV - The Beginning" einen ordentlichen Achtungserfolg, oder eher einen Arbeitssieg verbuchen kann, denn die kurzweilige Geschichte weiß in ausreichender Manier zu überraschen und daher insgesamt gut zu unterhalten. Ein geplanter fünfter Teil hatte sich übrigens mit dem Tod von Hauptdarsteller Anthony Perkins im Jahr 1992 zerschlagen.

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● DAS MÄDCHEN MIT DEM MINI (A|1964)
mit Karin Field, Frank Roberts, Judith Roth, Fred Weißmann, Ernst Schönleitner, Astrid Boner,
Claus Scholz, Walter Skapa, Ingrid Beller, Romana Rahner, Birgit Pawlik sowie Tamara Tiomkin
eine Paul Milan Produktion der Becca Film | im Verleih Sonderfilm
ein Film von Paul Milan

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»Es ist, wie wenn einer in der Pyjamahose in die Oper geht!«


Die junge Sekretärin Biggi (Karin Field) entdeckt beim Einkaufen einen sogenannten Monokini, der primär auf die Zeigefreudigkeit angelegt ist. Frank (Ftits Fronz), ihr Partner mittleren Alters, ist zunächst begeistert von dem unkonventionellen Kleidungsstück und der damit verbundenen Präsentation des makellosen Körpers seiner Freundin, doch er ahnt noch nicht, dass diese schon bald in aller Munde sein wird und das pikante Thema in Wien hohe Wellen schlägt. Ein Ausflug in ein Schwimmbad macht Biggi und ihren sogenannten Mini über Nacht zum Politikum und sie ziert die Titelblätter der Tageszeitungen. Doch Biggi scheint den Oben-Ohne-Wirbel zu genießen und denkt gar nicht daran, sich fortan wieder zugeknöpft zu zeigen …

»Biggi, meine Damalige, hatte sich in ihr hübsches, pferdebeschwänztes Köpfchen gesetzt, dem neuen Look in unseren Breiten zum Durchbruch zu verhelfen.« Mit süffisantem Unterton wird der Zuschauer von Anfang an durch die Off-Stimme von dem hier ebenfalls in einer Hauptrolle zu sehenden Frank Roberts alias Frits Fronz durch das Szenario begleitet, das ab der ersten Minute vollkommen auf die Titelfigur Karin Field zugeschnitten sein wird. Bei Fronz handelt es sich im Rückblick um eine der schillerndsten Persönlichkeiten Österreichs, der hier in seinem Debütfilm zu sehen ist. Beim Thema Einstand kann auch Karin Field genannt werden, die zwar nicht in ihrer ersten Produktion zu sehen ist, aber ein unumstößliches Fundament für ihre noch gut 10 Jahre andauernde Filmkarriere legen wird, denn sie liefert Schauwerte, und das nicht nur auf spekulativer Basis. Für das Produktionsjahr 1964 ist so viel oben ohne sicherlich als gewagt zu bezeichnen, doch der Film baut zu keiner Zeit eine skandalöse Silhouette auf, da die Abhandlung neben der kultivierten Zeigefreudigkeit eher in die Richtung eines geistreichen, komödienhaften Abenteuers geht, auf das man sich sehr schnell einlassen kann. Der Verlauf wird durch eine erklärende Off-Stimme begleitet, die Darsteller sind nicht mit ihren Originalstimmen zu hören. Natürlich ist der präzise Einsatz von musikalischer Untermalung hier ein wichtiger Bestandteil, bis das selbstläuferische Konstrukt seinen vollen Charme entfalten kann. Der Film stellt als Österreichs Nudisten-Premiere sicherlich eine Kuriosität für sich dar, doch es wird nie langweilig oder gar schlüpfrig in diesem 75-minütigen Verlauf. Der Beginn stellt Karin Field beim Gang durch die Straßen Wiens vor und es handelt sich um eine Frau, die auch Blicke auf sich ziehen würde, wenn nicht gerade eine Kamera vor ihrer Front mitlaufen würde. Anstoß ist eine kleine Boutique, an deren Schaufensterscheibe sich erboste Kleinbürger die Nase plattdrücken, da sie ein Kleidungsstück im Visier haben, das ihnen doch allzu vulgär vorkommt. Biggi probiert das recht unkonventionell geschnittene und auf einiges an Textilie verzichtende Teil einfach an und verliebt sich sofort in ihren neuen Monokini, der wie für ihren schönen Körper gemacht zu sein scheint.

»Dann geht die Türe hinter mir auf und der Weihnachtsmann tritt ins Zimmer. Ich muss die Augen geschlossen halten, wie vor der Bescherung, dann höre ich ein Rascheln, dann ein Händeklatschen zum Zeichen, dass Bübchen sich umdrehen darf.« Frank fallen beinahe die Augen aus dem Kopf, denn im nicht vorhandenen Ausschnitt seiner Flamme können sie schließlich nicht landen. Biggi kokettiert sozusagen ganz ungeniert mit ihrem neuen Avancement. Der damalige Zuschauer dürfte bei so viel freier Körperkultur vielleicht zufrieden und irritiert zugleich gewesen sein, schließlich inszenierte man immer noch in einer Zeit, in der sich Regisseure, Kameraleute und Interpretinnen wahlweise in Andeutungen zu verlieren hatten. Dem Empfinden nach trägt Biggi nichts anderes mehr als diesen Hauch von Nichts, auf die Arbeit ins Chefsekretariat geht sie natürlich nicht ganz so leger, aber ebenso aufreizend, da es sich einfach um eine sehr attraktive Frau handelt, was ihrem Boss nicht entgangen ist. Zunächst kommt jedoch die Feuertaufe auf das Paar und das Publikum zu, und man entscheidet sich, das Aufsehen erregende Kleidungsstück im Freibad zu präsentieren. Die Männer kippen bei so viel Ausblick buchstäblich aus den Latschen, die Frauen schütteln zwar den Kopf, aber vielleicht eher vor Neid. Ein beobachtender Gast schießt einen Schnappschuss von der Halbnackten, was einen Stein ins Rollen bringt, den zuvor anscheinend niemand gesehen hat. Biggi ziert schon bald die Titelseiten der Gazetten und wird zum heimlichen Star der Manege, doch so weit ist der Verlauf noch nicht, da zunächst noch allerlei Komplikationen geschildert werden müssen. »Biggis erste Kampfhandlung in Sachen Topless scheint jedenfalls ein totaler Sieg beschieden.« Man kann dem Kommentator des Szenarios nur zustimmen, denn das Ergebnis spricht und wirbt jederzeit für sich selbst. Der Film verfügt bei all dem bunten Treiben über sehr amüsante Einfälle, als man zum Beispiel des Schwimmbades verwiesen wird, da sich die Gemüter erhitzen. Der nächste Weg führt an einen FKK-Strand, Biggi ist ohnehin bereits halbnackt. Aber genau hier liegt das Problem, denn sie wird ermahnt, sich komplett ausziehen zu müssen, ansonsten sei auch dieses Badevergnügen beendet.

»Die sieht aber in Wirklichkeit auch ganz schön ordinär aus!«, zerreißen sich die Beobachter das Maul, denn mittlerweile erkennt man sie wegen der Titelblätter und der reißerischen Überschriften. Beim Thema der Anrüchigkeit kann der Regie und deren Hauptdarstellerin zu keiner Zeit ein derartiger Vorwurf gemacht werden, der wertschätzenden wenn auch manchmal sarkastischen Erzählstimme ebenso. Vielmehr wird landläufig verbreitetes Kleinbürgertum und die Lust am Klatsch und Tratsch geschildert, was das Titelmädchen jedoch überhaupt nicht stört. Die Geschichte tut gut daran, die junge Frau nicht als Klischee ins offene Messer laufen zu lassen. Zwar hat sie einen offenbar sehr gut situierten Freund, aber sie will sich nicht aushalten lassen, geht trotz des Angebotes zum Federn in die Luft blasen lieber jeden Tag zur Arbeit, um ihre Unabhängigkeit nicht zu verlieren. Auch das Bild des klassischen blonden Naivchens, wie es gerne verwendet wurde, scheint hier nicht aufkommen zu wollen, zu selbstbewusst und resolut erscheint der von Karin Field dargestellte Charakter. »Topless heißt die Schlagzeile, ja, ja. Ende! Alle Welt hat heute, so wie wir in den Tagen der politischen Sommerruhe, nur ein Gesprächsthema und das lautet: Oben ohne, oder nicht, das ist hier die Frage. Wer ist die Schöne im Mini?« Biggi entwickelt sich zur heißesten Nummer Wiens und wird von Zeitungen als Vorkämpferin für die busenfreie Welle tituliert. Ab sofort hat jedes Blättchen eine Auflage. Ihr eigener Chef verwechselt ihre Freizügigkeit mit einer Einladung und versucht sich beim Diktat etwas mehr an seine Angestellte heranzutasten. Frank referiert bei dieser Gelegenheit darüber, dass Biggi doch einfach zu Hause bleiben könnte, immerhin befindet man sich in gut situierten Verhältnissen. Plötzlich knallt Biggi ihrem Boss eine, es folgt die knappe Feststellung »Karriere: Ende!« Der Film entwickelt mit dem Vorstellen und Agieren der verschiedenen Personen sowie dem eloquenten Erzählstil eine sehr angenehme Eigendynamik, kommt dabei zu keiner Zeit in die Verlegenheit, wie eine Art sperriger Stummfilm zu wirken. Selbst als man mit Freunden per Super-8 einen sogenannten Striptease-Film namens "Zenzi und das liebe Vieh" anschaut, entsteht dieser Eindruck nicht, denn es kommt wie so häufig Situationskomik auf.

»Ach Gott, werden alte Männer kindisch, wenn einem die Frauen den Kopf verdrehen!«, heißt es nach dem ersten Aufziehen von Gewitterwolken in der Beziehung, aber es darf ruhig festgehalten werden, dass die Darstellerinnen hier tatsächlich die Möglichkeiten haben, einen zu reizen. Dies gilt vor allem für Karin Field, aber auch ihre Kollegin Tamara Tiomkin, die sich als Christa in Stellung bringt und wie eine Katze auf die richtige Chance wartet. Offenbar hat sie es auf Frank abgesehen und pfeift auf Solidarität unter Frauen. Solidarisch zeigen sie sich nur beim Entkleiden oder einer natürlichen Zeigefreudigkeit, was sich beispielsweise auf einer Oben-ohne-Modenschau noch andeuten wird. Hier werden übrigens wesentlich interessantere Modelle als der im Fokus stehende Monokini vorgeführt, aber wen interessiert bei Fields doppelter Argumentation schon ein Stück Stoff. Irgendwann geht Frank der Hype und die drohende Monotonie rund um den Mini auf die Nerven, immerhin fühlt er sich in seinem nonchalanten Leben eingeschränkt, außerdem ist er nicht bereit, die neuen Besitzansprüche der Masse zu teilen, da Biggi zum breiten Objekt der Begierde geworden ist. Nachdenklich schlendert er durch den Prater: »Und ewig dreht sich das Riesenrad. Das hat auch schon viel überstanden. Zwei Kriege und den "Dritten Mann"«, pfeift dabei Anton Karas’ weltberühmte Melodie vor sich hin. Bei dieser und vielen anderen Gelegenheiten zeigt sich ein beeindruckendes Zeitkolorit und überhaupt präsentiert das Auge der Kamera überaus schöne Bilder einer belebten Zeit, die noch nicht gefasst war auf so viel Progressivität. "Das Mädchen mit dem Mini" wurde seinerzeit mit einer FSK 18 belegt, konnte aber durchaus Publikumserfolge verbuchen. Das Spiel mit gesellschaftlichen Konventionen stellt die althergebrachte Moral auf den Prüfstand, die empörten Reaktionen von Unbeteiligten wirken authentisch verarbeitet. All dies wird nie ohne ein breites Augenzwinkern präsentiert und wirkt aus heutiger Perspektive sicherlich sehr zahm. Unter Berücksichtigung damaliger Sehgewohnheiten war Paul Milans Beitrag bestimmt für den ein oder anderen Aufreger gut, zumal Tendenzen vorweggenommen scheinen, die erst einige Jahre später aufkommen sollten. Alles in allem bleibt ein heiterer, geistreicher, ästhetischer und unterhaltsamer Film.

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CHOPIN-EXPRESS


● CHOPIN-EXPRESS (D|1971) [TV]
mit Hermann Treusch, Adelheid Seeck, Günther Mack, Edgar Mandel, Liselotte Kuschnitzky, Karl Georg Saebisch, Ulla Berkéwicz, Herbert Weicker,
Leonhard Steckel, Edith Heerdegen, Elisabeth Neumann-Viertel, Günther Haenel, Kitty Mattern, Gisela Stein, Nico Macoulis und Klaus Schwarzkopf
eine Produktion des Südfunks Stuttgart
ein Fernsehfilm von Michael Kehlmann

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»Hitler hat 80 Millionen Hände!«


Da man den polnisch-jüdischen Schriftsteller Bernhard Litowski (Hermann Treusch) des Zionismus beschuldigt, wird er unverzüglich aus der Volksrepublik Polen ausgewiesen. Vor ihm steht eine Reise in mehrere Metropolen wie Wien, München, Antwerpen, London und schließlich New York, wo er eine Vorlesung halten soll. Beim Durchlaufen seiner unterschiedlichen Stationen ist er gleichzeitig auf der schwierigen Suche nach seiner eigenen nationalen, religiösen und politischen Identität. Mit seinen unterschiedlichen Gesprächspartnern kommen zahlreiche Kontroversen auf …

Um die Namensgebung dieses von Michael Kehlmann inszenierten Fernsehfilms zu verstehen, muss im Zweifelsfall erst einmal nachgeschaut werden: Bei "Chopin-Express" handelt es sich um die umgangssprachliche Beschreibung der Nachtzug-Verbindung zwischen Warschau und Wien, die temporär die einzige Ausreisemöglichkeit von Polen in das westliche Ausland darstellte. Mit eben dieser Zugverbindung verlässt der Protagonist des Films sein Heimatland Polen, um zunächst in die österreichische Hauptstadt zu reisen. Die Geschichte bietet zwei aufschlussreiche Zeitebenen an, die parallel nebeneinander abgehandelt werden. Eine zeigt Bernhard Litowski als Junge, während des Zweiten Weltkrieges in Schwarzweiß-Sequenzen, die Gegenwart wird im Erwachsenenalter in trügerischer Farbe geschildert. Die Beschuldigung des Zionismus reicht für eine Ausweisung aus der Volksrepublik Polen und bringt einen Stein ins Rollen, der am Ende immer wieder einen steilen Berg hochgerollt werden muss, um diese beschwerliche Arbeit anschließend von vorne beginnen zu müssen. Die Findung der eigenen Identität wird in Gang gesetzt, da sie extern in die Waagschale geworfen wurde und kaum in Eigenarbeit wieder zurechtgerückt werden kann. Zu viel ist geschehen, zu viele Jahre liegen dazwischen und zu wenige Menschen wollen nicht mehr konfrontiert werden. So kommen verschiedene Stationen mit den entsprechenden Personen und Ansichten zum Tragen, um ein spannendes Thesen-Karussell in Gang zu setzen. Mehrere Leute bedeuten in der Praxis, dass es noch wesentlich mehr unterschiedliche Meinungen und Ansichten als entsprechende Personen gibt, sodass die Suche nach Antworten unmöglich erscheint, da er sie bei anderen sucht. Dem Publikum ist schnell klar, dass er die wichtigsten Punkte für sich, seine Identität und sein Leben nur alleine beantworten kann. Diese in Intervallen ablaufende TV-Produktion liefert die wichtigsten Antworten anhand der in Schwarzweiß ablaufenden Vergangenheit, sodass die in der Gegenwart aufgeworfenen Fragestellungen allgegenwärtig erscheinen. Ob in Wien, München, Antwerpen, London oder New York; es wird zu zahlreichen Kontroversen und hochinteressanten Gesprächen kommen, die jeweils von eloquenten Gesprächspartnern angeführt werden. Naturgemäß lassen sich Ketzer und unverbesserliche Provokateure unter ihnen ausfindig machen, sogar Proleten und Feiglinge, aber ebenso Idealisten, Diplomaten und Moderatoren.

In diesem Zusammenhang verfügt der Film über den ausgiebigen Luxus, auf Interpreten zurückgreifen zu können, die ihre Sache sehr ernst nehmen, um diese obendrein sehr glaubhaft und dicht zu gestalten. Allen voran irrt Hermann Treusch alias Bernhard Litowski umher, da er nach Lösungen sucht, jedoch oftmals nicht auf die mit Gift präparierten Fragen gefasst ist. Seine Darbietung wirkt bei allen, in unzähligen Labyrinthen der Erinnerung versteckten Emotionen, pragmatisch und zielgerichtet, dem Empfinden nach auch vollkommen authentisch und ehrlich. Seiner Präsenz ist nahezu der komplette Film gewidmet, doch es eröffnen sich noch andere prägnante Leistungen, wie etwa von Günter Mack, Karl Georg Saebisch, Leonhard Steckel oder Klaus Schwarzkopf, in einer empfundenen Ewigkeit zwischen Schwarzweiß und Farbe. Im Besonderen ist jedoch der gewinnbringende Einsatz von Adelheid Seeck hervorzuheben, die hier bereits in ihrem vorletzten Film zu sehen ist, da sie bereits im Jahr 1973 verstarb. Ihre oft beschriebene vornehme Zurückhaltung entfaltet sich hier in stetiger Präzision und hebt Finesse und Leichtigkeit hervor. Zu sehen ist eine Frau, die ihre Erfahrung niemals als Trumpf gegen andere ausspielen würde, obwohl sie über diese Verfügt. So scheint es hin und wieder den Anschein zu haben, dass sie sich Anflüge von Oberflächlichkeit erlaubt, um auf die angenehmen Dinge des Lebens hinzuweisen und den Blick ihres suchenden Gesprächspartners nach vorne zu richten. "Chopin-Express" baut seine Kraft über das gesprochene Wort und die Dialogbereitschaft zwischen gedanklich und moralisch oft weit auseinanderliegenden Fraktionen auf. Regisseur Michael Kehlmann setzt bei den Veranschaulichungen aus Kriegsjahren daher nicht auf abscheuliche visuelle Eindrücke, sondern triggert die Fantasie des Zuschauers auf anderem Wege an. Der streng gegliederte Verlauf verfügt über keine komplizierten Rückblenden und verlässt sich auf eine Entourage, die sich ebenso wohl auf einer Bühne gefühlt hätte. Wenn das Geschehen zum Ende kommt, fügen sich Puzzlestücke zusammen, der Protagonist bekommt wichtige Antworten auf die quälenden Fragen, die sich durch sein Leben ziehen. Das Publikum bleibt jedoch mit der ergebnislosen Frage konfrontiert, wie es jemals möglich sein konnte, dass unzählige Existenzen derartig schwerwiegende Einschnitte in ihrem Leben verkraften mussten. Ein Fernsehfilm mit Diskursbereitschaft und brisanter Themengestaltung, die auch heute noch aktuell erscheint.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● ZWANZIG MÄDCHEN UND DIE PAUKER - HEUTE STEHT DIE PENNE KOPF (D|1970)
mit Mascha Gonska, Heidi Kabel, Fritz Tillmann, Eva-Maria Meineke, Sabine Bethmann, Gerhart Lippert, Ralf Wolter, Jutta Speidel, Rolf Olsen, Balduin Baas,
Marion Marlon, Brigitte Mira, Janina Richter, Ulrich Beiger, Werner Stock, Franz Muxeneder, Albert Bessler sowie Rudolf Schündler und als Gaststar Manuela
eine Produktion der Allianz Film | Terra Filmkunst | im Constantin Filmverleih
ein Film von Werner Jacobs

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»Diese Person kann nichts und stört den Frieden des Instituts!«


Die Gymnasiastin Trixie Biederstein (Mascha Gonska) hat sich in den Kopf gesetzt, Schauspielerin zu werden. Ein potenzielles Engagement wurde ihr von dem Theaterdirektor Klobaster (Rolf Olsen) bereits in Aussicht gestellt, dies jedoch unter der Bedingung, dass sie so schnell wie möglich bei ihm anfangen muss. Ab sofort probiert Trixie alles, um von der Schule zu fliegen, was ihr schon dreimal gelungen ist. Als letztes Register schicken ihre Eltern sie in die Obhut ihres Onkels Theobald (Rudolf Schündler), Oberstudiendirektor in Rothenburg ob der Tauber. Allerdings gehen die Streiche dort ganz ungeniert weiter und das Lehrerkollegium verlangt den nächsten Rausschmiss …

Obwohl die Lümmel- und Paukerfilme ihren wirtschaftlichen Höhepunkt bereits hinter sich hatten, stellten sie dennoch ein sehr lukratives Geschäft dar, sodass neben der Mutterreihe noch zahlreiche Ableger von unterschiedlichen Produzenten ins Rennen geschickt wurden. Einer von ihnen stellt Werner Jacobs' vergleichsweise weniger bekannte "Zwanzig Mädchen und die Pauker - Heute steht die Penne Kopf" dar, der sich ganz im Fahrwasser der hinlänglich bekannten Filme präsentiert. In aller Deutlichkeit heißt das nicht mehr oder weniger, dass das Publikum in dieser Produktion thematisch, inszenatorisch und darstellerisch rein gar nichts Neues geboten bekommt. Um Zusammenhänge zu den Erfolgsfilmen der Reihe herstellen zu können, sind in der Geschichte einige Darsteller zu sehen, die bereits markante Einsätze vorzuweisen hatten. Dies gilt insbesondere für Rudolf Schündler und Balduin Baas, aber auch Eva Maria Meineke, Fritz Tillmann und Jutta Speidel. Dass die Protagonistin dieses Mal einen beruflichen Plan im Kopf hat, mag neu erscheinen, bleibt jedoch im Verlauf eine recht unmotivierte Angelegenheit und nur Aufhänger für zahllose Plattitüden und Streiche, die dem Empfinden nach bereits unzählige Male angeboten wurden. Die Variationsmöglichkeiten erscheinen hier zwar unausschöpflich zu sein, verlieren bei jedem weiteren Aufguss aber ihren Drive. Die Szenen in denen gelacht werden darf sind unter Jacobs' Regie daher ziemlich rar gesät und wollen einfach nicht zünden, sodass dieser Beitrag im persönlichen Ranking sehr weit nach hinten durchgereicht werden kann. Unter gleichem Strickmuster werden die verschiedenen Charaktere integriert, was sowohl für Schüler, Lehrkörper und Personen des Umfeldes gilt. In der Hauptrolle ist die attraktive und lebhafte Mascha Gonska zu sehen, die jedoch nicht an das im Vergleich leichtfüßige Potenzial eines Hansi Kraus heranreichen wird. Vielleicht bleibt Gonskas Darbietung betont weit entfernt zu ihrem bekannten und mit Erfolg agierenden Pendant, doch das Alternativangebot bring außer netten visuellen Eindrücken keinen besonderen Mehrwert, da sich die Interpretin in noch gängigeren Klischees zu suhlen hat, als ihre Kollegen aus den Vorgängerfilmen. So muss sie das darbieten, was man seinerzeit wohl kess genannt hat. Gibt es jedoch Antennen für die zahlreichen Unarten des Genres, so wird man auch mit der hier leider synchronisierten und damals sehr populären Gonska einiges anfangen können.

Ihre Ideen und die Umsetzungen der Streiche wirken zwar resolut und unerschrocken, waren jedoch leider alle in den nicht weniger als zehn vorhergegangenen Paukerfilmen zu sehen. So bekommt der Zuschauer nur noch Abwandlungen und kalte Duschen geboten, die am Ende eher langweilen als amüsieren. Was auch dieser Film mit seiner Konkurrenz gemeinsam hat, ist die gute und vor allem für derartige Beiträge charakteristische Besetzung, unter denen sich glücklicherweise einige Stars des Genres finden lassen. Rudolf Schündler agiert gewohnt zerstreut, hat in einem durchschaubaren Schachspiel aber die Seiten gewechselt und rückt an die Stelle, die Theo Lingen meist als Schuldirektor innehatte. So bekommt der aus Leipzig gebürtige Schauspieler dieses Mal nicht die volle Breitseite der Streiche ab, sondern sein Widersacher Fritz Tillmann, ein immer dankbarer Interpret für derartige Anforderungen. Der Schüler-Vandalismus kennt hier strikte Grenzen und wirkt lahm, die entsprechenden Zielscheiben wie Eva Maria Meineke, Ralf Wolter oder eben Fritz Tillmann versuchen das Beste dabei herauszuholen. Interessant wirken die Platzierungen von Heidi Kabel als progressiv denkende, aber sich streng gebende Tante Trixies mit eigener Schüler-Pension, oder die namentlich nicht im Vorspann erwähnte Sabine Bethmann, sowie Rolf Olsen und Brigitte Mira. Die Schülerinnen bekommen von Jutta Speidel, Janina Richter, Marion Marlon und Mascha Gonska zumindest agile Attitüden verliehen. Der darstellerische Rest der Veranstaltung wirkt im Gros ebenfalls brauchbar gewählt. Schließlich tritt noch Manuela als singender Gast auf, die zwei ihrer Schlager zum Besten gibt. Der Verlauf bleibt bemüht auf Turbulenzen und Situationskomik getrimmt, versagt jedoch an so gut wie allen signifikanten Stellen, sodass unterm Strich nicht viel übrig bleibt, als ein Mischmasch, der sich nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen kann und wahrscheinlich hauptsächlich aus Komplettierungsgelüsten angesehen wird. Penne und Lehrer stehen zwar tatsächlich manchmal Kopf, doch das Angebot kann lediglich mit einem müden Gähnen quittiert werden. "Zwanzig Mädchen und die Pauker - Heute steht die Penne Kopf" verliert sich in den aussichtslosen Vorhaben, nicht anderes als ein Kopierwerk sein zu wollen und die fehlenden neuen Impulse setzen der Geschichte an Ende doch schwer zu. Ob man aus der eigentlich interessanten Weichenstellung der Geschichte mehr hätte machen können, bleibt fraglich.

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Prisma
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● SEHNSUCHT HAT MICH VERFÜHRT (D|1958)
mit Erika Remberg, Dietmar Schönherr, Peer Schmidt, Karl Schönböck, Gerda Maria Klein,
Herta Worell, Otto Storr, Ludwig Schmid-Wildy und Christiane Maybach sowie Ilse Steppat
ein Rapid Film | im Bavaria Filmverleih
ein Film von Wilm ten Hoff

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»Es gehört endlich ein richtiger Mann ins Haus!«


Die Zwillingsschwestern Hanne und Ursula (jeweils Erika Remberg) sehen sich zwar zum Verwechseln ähnlich, sind von ihrem Wesen her jedoch völlig verschieden. Während Hanne ihrer verwitweten Mutter (Ilse Steppat) beim Bewirtschaften des Bauernhofes hilft, verdreht Ursula den Männern die Köpfe. Nach der immer wiederkehrenden Kritik ihrer besorgten Mutter hat sie das Landleben endgültig satt und flüchtet Hals über Kopf in die Stadt, wo sie schon bald eine Stellung als Sekretärin findet. Ihr Chef, Direktor Gellner (Karl Schönböck), interessiert sich allerdings weniger für ihre Fähigkeiten an der Schreibmaschine. Als er sie fallen lässt, steht die junge Frau völlig mittellos da. Auf Drohen ihrer Wirtin (Herta Worell), sie wegen Mietrückstandes vor die zu Türe setzen, nimmt Ursula einen Job als Animierdame in der berüchtigten "Orchidee-Bar" an …

Der Regisseur und Drehbuchautor Wilm ten Haaf inszenierte zwischen 1958 und 1959 mit "Du gehörst mir", "Sehnsucht hat mich verführt" und "Lockvogel der Nacht" drei unmittelbar aufeinanderfolgende Spielfilme fürs Kino, denen leider keine weiteren mehr folgen sollten. Was sich nach dem Ende einer Karriere anhört, war allerdings nur die Fortsetzung einer überaus produktiven Karriere beim Fernsehen, sodass Wilm ten Haaf auch heute noch Pionierarbeit bescheinigt wird. Diese frühe Wolf C. Hartwig-Produktion der Münchener Rapid Film beginnt wie ein landläufig bekannter Heimatfilm, um später eine regelrechte Metamorphose hinzulegen. So passierte diese Produktion die FSK seinerzeit mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren, wofür sicherlich die episodisch auftretende Nacktheit und Erotik des Verlauf verantwortlich ist. Verhaltener, spekulativer Sex tut sein Übriges dazu. Die erotischen Angebote beginnen in nahezu volkstümlicher Art und Weise, wenn sich Feldarbeiterinnen entblößen, um im naheliegenden See zu baden, bis der anrüchige Charakter in einem Nachtclub durch Animierdamen präsentiert werden kann. Eine Einführung der Haupt-Charaktere ist schnell und verständlich erledigt, immerhin spielt die Österreicherin Erika Remberg eine auf zunächst simple optische und charakterliche Kontraste angelegte Doppelrolle. Die buchstäbliche Unschuld vom Lande heißt hier Hanne. Sie ist mit ihren Aufgaben rund um den Hof vertraut und hilft ihrer verwitweten Mutter wo sie nur kann. Ebenso ansehnlich wie ihre ungleiche Schwester, war bislang keine Zeit für Techtelmechtel im Heu, was wiederum von Ursula übernommen wird, die als verführerischer Vamp vom Brandner-Hof ihr Jagdrevier sondiert. Ihre Mutter hingegen kennt nur ora et labora und trägt die Schande, die ihr ihre Tochter macht, als schweres Kreuz, zumal diese sich weigert, eine Zweckehe einzugehen. Der Verlauf zeigt sehr schöne Aufnahmen der Schauplätze und verlässt sich auf die darstellerischen Stärken seiner Entourage, doch man ahnt, dass Ursulas bisherige Nadelstiche noch nicht alles sein können. Remberg kokettiert und posiert hauptsächlich als Ursula Bandner, was der Schauspielerin offensichtlich mehr zu liegen scheint, als das Modellieren von Zurückhaltung und konventionellen Gesellschaftsbildern.

Sie bietet sich dem Dorflehrer an, der sich jedoch zu ihrer unauffälligen Schwester hingezogen fühlt. Um diesen eifersüchtig zu machen, wirft sie sich einem Fremden an den Hals, der es zu ihrem Pech jedoch ernst mit ihr meint. Die Geschichte ist gleich zu Beginn auf die zwischenmenschliche Findung und entsprechende Komplikationen programmiert, bis Ursula die Reißleine zieht und ins Blaue flüchtet. Hiermit ist die Stadt gemeint, in der sie zunächst in einer fragwürdigen Pension landet. Wilm ten Haaf konzentriert sich auf das Ausgestalten zweier verschiedener Intervalle, in die der Film grob eingeteilt wird. Die ländliche Betulichkeit weicht dem Ruf der Unberechenbarkeit der Stadt, sodass Ursulas Selbstbewusstsein auf die Probe gestellt wird. Was zu Hause als Zündstoff gehandelt wurde, ist neuerdings ein gefundenes Fressen für abenteuerlustige Chefs, geldgierige Pensionsbesitzerinnen oder Haie des Nachtlebens. Ab diesem Zeitpunkt kann sich das Publikum wieder vor Augen rufen, dass man in einem Rapid-Film gelandet ist, der naturgemäß an Brisanz, Abenteuer und Erotik interessiert ist. Erika Remberg meistert die doppelte Anforderung mit Bravour und kann einfache Kontraste sehr überzeugend herausarbeiten. Ob rechtschaffen oder verführerisch, ihre Präsenz wirkt jederzeit dominant. Bei diesem Stichwort ist natürlich Ilse Steppat als besorgte Mutter zu nennen, die durch ein tiefes Jammertal zu gehen hat. Dietmar Schönherr und Peer Schmidt stellen Weichen, lenken in Bahnen, doch scheitern an Fremdbestimmung. In obligatorischen und ebenso überzeugend gestalteten Rollen sind Karl Schönböck, Herta Worell, Otto Storr und vor allem Christiane Maybach als leichtfertiges Mädchen zu sehen, sodass in dieser Hinsicht keine Wünsche offenbleiben. Schlussendlich darf festgestellt werden, dass man Brisanz und Provokation in Kinderschuhen angeboten bekommt, die Ende der 1950er-Jahre wohl noch für den ein oder anderen Aufreger und die Einstufung eines nicht feiertagsfreien Films gereicht haben. Wilm ten Haaf inszeniert solide, ausgewogen, jedoch nicht immer ungezwungen, allerdings stimmt der Unterhaltungswert und die Präsentation. "Sehnsucht hat mich verführt" bleibt ein vielsagender Titel, der den Verlauf besonders gut charakterisiert, doch leider ist auch dieser interessante Film nahezu in der Versenkung verschwunden.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● SÜNDE MIT RABATT (D|1968)
mit Claus Holm, Silvia Frank, Eva Astor, Nino Korda, Paula Braendt, Rolf Wanka, Li Menon, Werner Cartano, Annemarie Dick, Christine Schuberth, Irene Fritsche,
Ursula Tröndle, Karl Arnold, Renate Pichler, Joachim Reinecke, Lothar Grytzmann, Heinrich Kiefer sowie Adrian Hoven, Margarete Reinhardt und Mona Baptiste
ein Gopa Film | im Auftrag der Reinhardt Film | im AB Verleih
ein Film von Rudolf Lubowski

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»Wer heute noch weint, ist selber dran schuld!«


Eine Prostituierte wird ermordet aufgefunden. Die Spur führt in ein berüchtigtes Nachtlokal mit Bordellbetrieb namens "Apollo", in dem die Gäste zunächst mit Tanzeinlagen und Stripteasenummern animiert werden, um anschließend mit den Damen ihrer Wahl in den Hinterzimmern zu verschwinden. Der Polizei ist dieses Etablissement samt Chefin (Margarethe Reinhardt) einschlägig bekannt. Unter der Führung von Kriminalkommissar Weber (Claus Holm) werden die Ermittlungen in diesem bislang undurchsichtigen Fall aufgenommen, doch in der Zwischenzeit ereignet sich ein weiteres Verbrechen …

Die Regie-Karriere des Filmemachers Rudolf Lubowski beschränkt sich lediglich auf vier Spielfilme, die im Gros unter dem Sex-Krimi-Gütesiegel in die Kinos kamen. Um die Herstellung von "Sünde mit Rabatt" halten sich nach wie vor zahlreiche Mythen, die mitunter auf Margarete Reinhardt zurückzuführen ist, die im Film sogar in einer Rolle zu sehen ist. Die aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammende Reinhardt prägte das Rotlichtmilieu in Stuttgart und Karlsruhe über Jahrzehnte als sogenannte "Rotlicht-Königin" und legte eine regelrechte Karriere hin, um nebenbei sogar als Filmproduzentin in Erscheinung zu treten. Die von ihrer im Jahr 1962 gegründeten Produktionsfirma beauftragte Gopa Film wurde bereits Anfang der 70er-Jahre abgewickelt. Lubowski inszenierte noch thematisch ähnlich gelagerte Reißer wie "Wer weint denn schon im Freudenhaus" oder "Immer bei Vollmond", die teils sogar kleine Achtungserfolge einfahren konnten, jedoch einstimmig von der Kritik verrissen wurden. "Sünde mit Rabatt" erinnert in vielerlei Hinsicht an den ebenfalls von Reinhardt und Gopa hergestellten Ákos von Ráthonyi-Film "St. Pauli Herbertstraße", der jedoch insgesamt in qualitativ höheren Sphären anzusiedeln ist. So kann man sich bei Ansicht dieses einige Jahre später entstandenen Films nicht des Eindrucks verwehren, dass das hier präsentierte Angebot bereits hinlänglich bekannt ist. Der Verlauf beginnt mit einer schönen Panoramafahrt durch die Stadt, der Vorspann präsentiert dabei einige gute alte Bekannte, die dieses Szenario gut aufmischen dürften. Die Kamera ist um dynamische Bildeindrücke bemüht, kann sich mit diesem Vorhaben jedoch nicht global durchsetzen, da die Studiokulissen oft zu eintönig und schäbig wirken. So entsteht eine deutliche Diskrepanz zwischen den wenigen atmosphärischen Außenaufnahmen und den Interieurs. Attraktive Frauen animieren Gäste und Publikum vor Ort und unter den Zuschauern mit lasziven Tanzeinlagen, die mit ihrer klassischen Untermalung von etwa Tschaikowskis Klavierkonzert Nr.1 op.23 in b-Moll oder Maurice Ravels Boléro vor allem akustisch zu gefallen wissen. Durch die Ankündigung des Titels wäre ein ordinäreres Angebot jedoch wünschenswerter gewesen. Überhaupt wirkt der Verlauf mit seiner dünnen kriminalistischen Handlung arg durch derartige Einlagen aus dem "Apollo" gestreckt, sodass beinahe der Eindruck von Substanzlosigkeit aufkommt.

Eine gut wahrzunehmende Ferne zu gehobenem sprachlichen Niveau wertet die Dialogarbeit in vielen Szenen im Sinne der Veranstaltung auf, bis man schließlich ohne Probleme in das Geschehen eintauchen kann, ohne wohlgemerkt Wunder erwarten zu können. Interessant ist die Besetzungsliste, in die sich wieder einmal ein paar wenige Interpreten verirrt haben, die man dort nicht unbedingt vermutet hätte. Dies gilt dem Empfinden nach vielleicht vornehmlich für Claus Holm, Paula Braendt, Rolf Wanka und Adrian Hoven, aber der Zeitgeist geht bekanntermaßen nur an den wenigsten vorbei. Im Grunde genommen lässt sich keine einzige Rolle finden, die besonders große Screentime beansprucht oder einen expliziten Stellenwert im Szenario einnimmt, vielmehr lässt sich in ausgewählten Intervallen ein gutes Händchen für die Materie herauslesen, sodass der Verlauf seine Unterhaltsamkeit langsam aber sicher aufbauen kann. Bekannte Sternchen des Genre-Films, wie etwa Eva Astor, Sylvia Frank oder Christine Schuberth, sorgen für die nötigen erotischen Präparationen und Schwingungen, können sich jedoch nicht gegen den Eindruck stemmen, dass insgesamt recht zahm agiert wird und die entsprechenden Bildeindrücke zu keiner Zeit zur Sünde, sondern eher in Richtung Rabatt gehen. Interessant bleiben die Mitwirkungen von Margarete Reinhardt und Nino Korda, der als widerlicher Zuhälter ohne Skrupel überzeugen kann. Vor allem aber Paula Braendt als olle Puffmutter macht ihre Sache wirklich gut, da sie schlussendlich absolut konträr zu dem besetzt wirkt, wie man sich eine Geschäftsfrau dieses Schlages eigentlich vorstellt. Der Film verfügt leider über Phasen des Leerlaufs, schöpft aber auch hier sein unterhaltendes Grundpotenzial aus spekulativem Sex und Crime ab, sodass man dem Geschehen auch dann folgen wird, wenn es denn etwas zu wünschen übrig lässt. Gegen Ende stellt sich natürlich die Frage, wer für die Mordserie verantwortlich ist, doch es tun sich weder Abgründe auf, noch Überraschungen hervor, sodass natürlich auch beim Thema Spannung zahlreiche Möglichkeiten liegen gelassen werden. Alles in allem kann die Sichtung von "Sünde mit Rabatt" eine Lücke im Genre schließen und vertreibt einem die Zeit trotz aller Kritikpunkte recht gut. Richtet man jedoch einen konkreten Blick auf die Genre-Konkurrenz, verliert sich Rudolf Lubowskis Beitrag in der Peripherie des Durchschnitts.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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DIE RACHE DES VAMPIRS


● LA STRAGE DEI VAMPIRI / DIE RACHE DES VAMPIRS (I|1962)
mit Dieter Eppler, Walter Brandi, Graziella Granata, Gena Gimmy, Alfredo Rizzo, Edda Ferronao, Maretta Procaccini, Carla Foscari und Luigi Batzella
eine Produktion der Mercurfilm | im Verleih der Goldfilm
ein Film von Roberto Mauri

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»Du bist Teil eines größeren Geheimnisses!«


Graf Wolfgang (Walter Brandi) lädt zu einem feudalen Empfang auf sein kürzlich fertiggestelltes Schloss ein. Seine schöne Frau Louise (Graziella Granata) ist die perfekte Gastgeberin, bis sie von einem Fremden (Dieter Eppler) in ihren Bann gezogen wird, der ebenfalls im Schloss wohnt, jedoch im Kellergewölbe in einem Sarg. Da der Vampir jüngst vor einem aufgebrachten Mob fliehen musste, der dessen Gefährtin ins Jenseits befördert hat, ist er auf der Suche nach einer neuen Anwärterin, die er mit der anmutigen Louise auch gefunden hat. Als sich ihr Gesundheitszustand zusehends verschlechtert, sucht Wolfgang Rat bei Dr. Nietzsche (Luigi Batzella) in Wien. Dieser klärt den ungläubigen Grafen über die Gefahren auf …

Denkt man an besonders ikonische Auftritte von Vampiren oder des Grafen Dracula in entsprechenden Filmen, fallen einem Namen wie Bela Lugosi, Gary Oldman und vor allem Christopher Lee ein. In dieser von Roberto Mauri inszenierten Geschichte wird man jedoch mit einer völlig unwirsch wirkenden Besetzung für die Titelrolle konfrontiert, die dem gebürtigen Stuttgarter Dieter Eppler anvertraut wurde. Eppler, der sein Können seit Jahren hauptsächlich beim Modellieren zwielichtiger Charaktere unter Beweis stellen konnte, liefert hier die simple Gewissheit, dass es sich bei ihm um ein klassisches Allround-Talent handelt, welches jede Rolle glaubhaft interpretieren konnte. Sein Credit wirkt neben all den italienischen Schauspielern auf den ersten Blick schon einmal eigentümlich genug, um das Interesse an seiner Performance wecken zu können. Spätestens, als er vor einem aufgebrachten Mob mit Mistgabeln und Fackeln auf der Flucht ist, wird ersichtlich, dass alleine die Optik schon einmal stimmt. Eppler transportiert Eleganz und im Rahmen der nötigen Körpersprache Finesse, seine aus der Klassik des Genres entliehenen Szenen, als er beispielsweise aus seinem Sarg steigt oder die Frau seiner Wahl mit Lyrik und Aura umgarnt, machen einiges her und verweisen auf eine besondere Atmosphäre, die dem Verlauf in schöner und kontrastreicher Schwarzweiß-Fotografie zuteilwird. Hat man es bei "Die Rache des Vampirs" also mit einem vergessenen Klassiker des Genres zu tun? Bei der Betrachtung des Verlaufs kann man leider nicht so weit gehen, denn dafür fehlt es der laufenden Geschichte an Substanz. Was sich wie ein niederschmetternder Kritikpunkt anhört, muss unterm Strich jedoch gar keiner sein, denn der Film baut ein ganz faszinierendes Flair auf, welches sich vielleicht am besten mit poetischen Einschlägen beschreiben lässt. Die Story hingegen ist von ihrer bloßen Architektur her hinlänglich bekannt und nimmt sich die Zeit, visuelle Referenzen zu liefern. Licht und Schatten, Traum und Realität, Trance und Vigilanz, Leben und Tod; das alles erschließt sich in speziellen Intervallen hochinteressant, meist aber wellenförmig und gemächlich. Dennoch vermag der Film seine Zuschauer an sich zu binden, denn das Angebot baut eine spezielle Anziehungskraft auf.

Als wäre man vom Vampir selbst hypnotisiert worden, folgt man dem eigentlich eintönigen Geschehen dennoch gespannt und dauerhaft, trotz Vorahnungen und Gewissheiten. Die Kamera-Arbeit von Ugo Brunelli liefert hier eine Art Pionierarbeit und kreiert Strecken von opulenten Bildern, die zu besonderen Aushängeschildern werden. Neben Dieter Eppler, dessen Leistung ebenso überraschend wie überzeugend wirkt, agieren bekannte italienische Partner, die ihren deutschen Kollegen jedoch nie zum Fremdkörper degradieren werden. Die betörende, aus Rom stammende Graziella Granata, kann hier als Besetzungs-Coup gehandelt werden, da sie die für den Film erforderliche Ausstrahlung mitbringt, die mit derjenigen des Films fusioniert, wenn man so will, eine Symbiose eingeht. Ihre außerordentliche Präsenz wird durch Großaufnahmen ihres klassisch schönen Gesichts befeuert. Ihr Filmehemann Walter Brandi verblasst bei so viel Fokus und kann sich nicht recht aus Licht und Schatten herausspielen, was noch zusätzlich durch die überzeugende Performance von Luigi Batzella unterstrichen wird. Reißt man die Geschehnisse des Verlauft herunter, hätte das Material gut und gerne innerhalb von 30 Minuten abgehandelt werden können, so käme es einem zumindest vor, wenn auf der anderen Seite nicht so viele beeindruckende Entschädigungen geliefert werden würden. Die Jagd nach dem blutdürstigen Vampir nimmt klassische Züge an, die Möglichkeiten, ihn zu eliminieren, erscheinen altbekannt. Tolle Szenen entstehen, wenn Dieter Eppler seine Opfer wie ein zärtlicher Liebhaber eine Angebetete heimsucht, um Szenen der Ästhetik zu kreieren. Die falschen Vampirzähne springen zwar insgesamt prominent in die Linse und fabrizieren etwas Komik, aber fairerweise sollte festgehalten werden, dass man derartige Eindrücke schon wesentlich dilettantischer serviert bekam. Die Mixtur aus gleitender Eleganz und narrativer Ökonomie ist im Großen und Ganzen ansprechend präsentiert und kann dem zugeneigten Publikum bestimmt Wohlwollen abgewinnen. So wird die "Die Rache des Vampirs" zu einer interessanten Reise durch visuell gehobene Sphären, die man im Vorfeld möglicherweise erst gar nicht erwartet hätte. Was schlussendlich bleibt, ist jedoch nur ein ordentlicher Gruselfilm mit reinkarnierter Seele.

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● DA SHE / FRAUEN IM FOLTERCAMP (HK|1980)
mit Hung Yen, Feng Chi, Ming Chen, Shen Chan, Jenny Liang, Han Chiang, Fei Ai, Hsin-Nan Hung, Kin-Ping Chow und Mei-Chao Kao
ein Produktion der Shaw Brothers | im Avis Filmverleih
ein Film von Mou Tun-Fei

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»Holt das Benzin!«


Eine Gruppe von Flüchtlingen will illegal nach Hongkong gelangen, wird jedoch von einer Bande skrupelloser Menschenhändler abgefangen und in deren Lager gebracht. Dort werden die Frauen und Männer tagein, tagaus gedemütigt, gefoltert und vergewaltigt. Viele von ihnen überleben die Höllenqualen nicht, doch diejenigen, die übrig geblieben sind, werden weiter an eine Zuhälterbande verschachert. Der Traum von einem besseren Leben in Hongkong rückt in unerreichbare Ferne, bis sich die Unterdrückten zu einem blutigen Aufstand aufraffen, da sie die unmenschlichen Qualen nicht mehr aushalten …

»Am 24. Oktober 1980 verkündete der Gouverneur der Kronkolonie Hongkong eine neue Politik bezüglich der illegalen Einwanderer. Bereits mehrere Wochen vor Ablauf der festgesetzten Frist bildeten sich endlose Menschenschlangen vor dem Gebäude der Einwanderungsbehörde. Stunden, ja, oft tagelang standen diese Menschen im strömenden Regen, um die begehrte "grüne Karte" zu bekommen, die sie zu rechtmäßigen Bürgern von Hongkong machte. Geduldig und voller Hoffnung warteten sie darauf, eingelassen zu werden. Sie gehörten einer glücklichen Minderheit an, die bereits jahrelang in Hongkong lebte, und die nun eine Chance bekam, ihren Wohnsitz offiziell bestätigen zu lassen. Unsere Geschichte befasst sich jedoch mit dem Schicksal jener Unglücklichen, die oft unter abenteuerlichen Umständen und mit letzten Kräften die Grenze erreichten, jenen, die das Paradies erwarteten und die Hölle vorfanden.« Dieser anfängliche Off-Kommentar mit entsprechender Bebilderung von Warteschlangen vor Behörden versucht vordergründig, einen seriösen beziehungsweise kritischen Unterton anhand der Thematik zu verbreiten, die hier auf das Publikum zukommt. Die wahren Ambitionen sind jedoch nach kürzester Zeit nicht mehr zu verbergen. In das Publikum dürfte sich schließlich niemand verirrt haben, der sich nicht im Klaren darüber ist, was auf einen zukommt, ebenso wenig wie Zuschauer, die sich getäuscht fühlen, wenn es allzu brutal, sadistisch und unmenschlich zugeht. Die deutsche Titelankündigung berichtet hierbei nur von der halben Wahrheit, denn es sind nicht nur Frauen, die wie Vieh gehalten und zur Schlachtbank geführt werden. Aufwühlend ist der völlig unbarmherzige Tenor, der sich spätestens im Camp in Vollkommenheit breitmacht und es bleibt mehr als erstaunlich, was man hier alles geboten bekommt. "Frauen im Foltercamp" stellt daher nicht nur Ankündigung sondern, gleichzeitig ernstzunehmende Ansage dar, sodass der Film im Jahr 1986 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert wurde, um obendrein nicht um eine Beschlagnahmung herumzukommen. Geht man bei dieser Produktion vom isolierten Zielpublikum aus, kann ohne zu zögern gesagt werden, dass dieses bestens bedient wird und vielleicht noch ein bisschen mehr.

Es gibt vielleicht nur wenige Gründe, sich in ein derartig deftig und widerwärtig aufgezogenes Szenario zu verirren, aber am Ende werden darunter vielleicht auch nur zwei Fraktionen übrigbleiben. Die Zuschauer, die schon genug gesehen und sich daher kaum beunruhigen lassen, oder solche, die gerne weitere Grenzüberschreitungen hätten sehen wollen. Zynisch genug, dass genau die Überschreitung einer physischen Grenze zum Erlangen eines besseren Lebens Auslöser für diesen Verlauf darstellt, in dem nicht im Geringsten auf irgendwelche Sentiments geachtet wird. Es gibt viele ähnliche Genre-Vertreter, die nicht über die hier angebotene Konsequenz im Sinne einer absolut schockierenden Inszenierung verfügen, daher zahlreiche Weichmacher einbauen, um nicht zu sehr anzuecken oder die einfach miserabel inszeniert sind. Der chinesische Regisseur Mou Tun-Fei kann von sich sagen lassen, dass er hier eine regelrechte Referenz des Genre-Kinos anbietet, die selbst innerhalb ihrer exzessiven Intervalle nach noch mehr Schockmomenten sucht - oder wenn man so will - an der Erfindung einer achten Todsünde feilt. Jeder Zuschauer dürfte ganz individuelle Trigger verspüren, die hier so reichhaltig angeboten werden, dass man bestimmt fündig wird. Jedes derartige Filmcamp ist nur so ätzend wie der jeweilige Boss. »Der Chef hier ist unberechenbar. Er ist ein total Verrückter. Er treibts mit allen! Irgendwie ist er abartig, er benutzt Männer genauso wie Frauen für seine perversen Gelüste, dieses Schwein!« Wen sieht man? Ein hageres Männchen mit Hinkebein und Stock, aber von einer perversen Aggression getrieben, die ihresgleichen zu suchen hat. Seine Schergen liegen vollkommen auf seiner Wellenlänge, wenn es um Demütigung, Qual, Folter, Verstümmelung oder Vergewaltigung geht. Die Regie stellt das Publikum in diesem Zusammenhang auf ernsthafte Proben, denn alles sieht zwischen dem ganzen Schmutz, Elend und den harten Bandagen ziemlich authentisch aus. Diese Eindrücke werden hier und da lediglich durch das stellenweise überspitzte Spiel mit Gestik und Mimik von einigen Darstellern relativiert, auch dass man bei Prügel und Kämpfen die gleichen akustischen Effekte hört, wie in einem Bud Spencer-Film, wirkt zunehmend störend, da die mühsam konstruierte Schein-Realität leicht untergraben wird.

Menschen werden zusammengepfercht und solange geprügelt, bis sie sich nicht mehr rühren. Ob Kinder unter ihnen sind, gibt diesem menschlichen Abschaum wohl noch einen größeren Kick. Die Toten oder möglicherweise nur Halbtoten sollen sofort verbrannt werden, das Benzin sprudelt in Fontänen, die heißen Flammen lodern. Eine Frau, die sich schützend in einen Stacheldrahtzaun einwickelt, um sich schlimmeren Qualen zu entziehen, wird bei lebendigem Leib angezündet. Die Verantwortlichen haben offensichtlich Spaß am Zerstören, doch dies sind nur wenige Beispiele der gewaltsamen Willkürherrschaft im Foltercamp. Der Film verfügt über einen recht langen Vorlauf, bevor es zu widerwärtigen und aufwühlenden Szenen im Lager kommt. Der Motor der Geschichte bleibt der Wunsch nach einem besseren Leben. Um dies zu erreichen, nehmen die Flüchtlinge große Risiken auf sich, doch wer bei einem derartig Perversen wie dem Chef landet, lernt die Hölle kennen, solange man noch lebt. Frauen werden an einen feisten Zuhälter verschachert, der vor den Augen der Frauen um die Preise feilscht. Anschließend werden die Summen auf die Arschbacken der zukünftigen Nutten geschrieben. Das Szenario ist generell sehr sexualisiert, und zwar in einer Art und Weise, die einem Schauer und Ekel über den Rücken treiben. Hier sind vornehmlich die Vergewaltigungen zu nennen, die visuell so gut wie ausgereizt werden. "Frauen im Foltercamp" kann von sich behaupten, wesentlich solider inszeniert zu sein, als viel Artgenossen, von denen er sich zusätzlich über die grausame Exposition abheben will. Die Thematik ist brisant aufgearbeitet und mit zynischen Spitzen präpariert, was auch für das bittere Ende des Verlaufs gilt. In darstellerischer Hinsicht kommt ein überzeugendes Angebot zusammen, zumal sich die jeweiligen Schauspieler nicht scheuen, auch überaus derbe Szenen zu modellieren. Schlussendlich bleibt ein vollkommen trostlos verlaufender Film, der sich seiner Gewaltbereitschaft bewusst ist und das Publikum stets zu schockieren versucht. In den meisten Fällen wird dieses recht simple Rezept auch über explizite Bilder und unmenschliche Vorgehensweisen aufgehen, bis man zu dem Schluss kommen muss, es mit einem zweifelhaft-anerkennungswürdigen Klassiker des Subgenres zu tun zu haben.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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Heinz Rühmann

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● PATER BROWN - ER KANN'S NICHT LASSEN (D|1962)
mit Ruth Maria Kubitschek, Siegfried Wischnewski, Grit Boettcher, Lina Carstens, Horst Tappert, Peter Ehrlich,
Peter Parten, Uli Steigberg, Emmerich Schrenk, Otto Schmöle, E. O. Fuhrmann, Rainer Penkert und Rudolf Forster
eine Produktion der Bavaria Filmkunst | im Bavaria Filmverleih
ein Film von Axel von Ambesser

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»Hat die Kirche Beziehungen zur Unterwelt?«


Nach seiner Versetzung auf die Inselgemeinde Abbotts Rock, wird es nicht ruhiger um Pater Brown (Heinz Rühmann), der in seiner Kapelle durch Zufall einen verschollenen Kirchenschatz entdeckt. Da sich auf der Insel allerlei lichtscheues Gesindel herumtreibt, dauert es nicht lange, bis das wertvolle Gemälde gestohlen wird. Auf eigene Faust sucht der Geistliche nach dem verschwundenen Kunstwerk und beschafft es auch wieder, gerät allerdings wieder in die Schlagzeilen. Sein Bischof (Rudolf Forster) hat nun endgültig genug von den Sensationsmeldungen in der Presse, und versetzt ihn erneut, dieses Mal allerdings in eine ruhige Gemeinde, in der sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Als der dort ansässige Lord Darroway (Rainer Penkert) plötzlich zu Tode kommt und Pater Brown von Frau Holland (Ruth Maria Kubitschek), der Pflegerin des Lords, vom "toten Mann von Bannister Moor" erzählt bekommt, der der Legende nach seine Hände nach dem Schlossherrn von Darroway ausstreckt, glaubt der Pater nicht mehr an einen Unfall, sondern Mord...

Axel von Ambessers "Pater Brown"-Fortsetzung "Er kann's nicht lassen" sieht sich als unmittelbare Fortsetzung des Erstlingswerks, schlägt aber in vielerlei Hinsicht andere, und dem persönlichen Geschmack nach interessantere Wege ein. Da die erste Versetzung auf eine Insel mit kriminellen Elementen ein Schuss in den Ofen war, geht es später auf das aristokratisch geprägte Land, wo eine ganz besonders dichte Atmosphäre aufkommen wird, was aber auch schon auf Abbotts Rock der Fall war, denn es wurde tatsächlich an Originalschauplätzen in Irland gedreht. Als Schloss Darroway diente das aus zahlreichen Filmen bekannte Wasserschloss Anif in Österreich. Der Zufall will es also, dass der kriminalistisch interessierte Würdenträger einen verschollenen Schatz in Form eines Gemäldes des flämischen Malers van Dyck findet, und damit die Kriminalhandlung antreiben wird. Trotz des raschen Ortswechsels wartet die Regie mit einer sehr geglückten Verstrickung beider Handlungen auf, wenngleich der Zufall hier sicherlich ein wenig zu sehr überstrapaziert erscheint. Wie dem auch sei, es kommt schließlich zu guten Vorlagen im Bereich Tempo und Grusel und der Verlauf spielt geschickt mit den Themen Gier, Hass, Erpressung und Missgunst, also dem perfekte Nährboden für Mord. Zunächst überschattet ein übernatürliches Element den Verlauf, hat man beim ersten Todesfall doch schließlich den "toten Mann von Bannister Moor" leibhaftig bei seiner Lieblingsbeschäftigung sehen können, nämlich in mörderischer Absicht nach dem Schlossherrn zu greifen, und nicht zuletzt durch die in Nebel getauchten Bilder und die Eindrücke von Schauplätzen und Landschaft kommt eine bedeutende atmosphärische Dichte auf, die durch weitere Todesfälle angeheizt wird. Zahlreiche Plot-Fragmente bleiben lange ungewiss, ergeben bei der fortlaufenden Aufklärung aber immer einen Sinn, sodass sich auch hier von einem guten Aufbau sprechen lässt. Die universell aufmerksame Kamera legt Wert auf Details und das genaue Vorstellen seiner Charaktere.

Erneut gibt Heinz Rühmann Euer Hochwürden der Sensationen sehr ansprechend und es wird schnell klar, dass er die Rolle wieder sehr gut strukturieren wird, dem Empfinden nach sogar etwas ausgefeilter als im Vorgänger "Das schwarze Schaf". Ironische Anwandlungen und anspruchsvoller Humor lassen es zu einem Leichten werden, dem Hobby-Detektiv zu folgen un man nimmt es beinahe wohlwollend zur Kenntnis, dass er die Polizei nach Belieben ausstechen kann. Auch auf das amüsante Gespann Lina Carstens und Heinz Rühmann ist in etlichen Szenen Verlass und generell lässt sich sagen, dass die heiteren Töne die mörderische Thematik wieder etwas entschärfen werden. Die Besetzung wurde hier bis auf die eben genannten Interpreten und E. O. Fuhrmann vollkommen erneuert. Als Bischof sieht man den einmal mehr großartigen Rudolf Forster, der den kurz zuvor verstorbenen Friedrich Domin ersetzte. Seine Marschroute ist bissiger, er wirkt in vielen Situationen nicht so milde gestimmt wie sein Vorgänger und insbesondere in bei den Dialogen präsentiert sich Forster als waschechter Rhetoriker. Als Inspektor begleitet man Siegfried Wischnewski, der allgemeinen Erkenntnissen hoffnungslos nachlaufen muss aber einen ebenso guten Eindruck macht. Auf der Gegenseite des Gesetzes agieren Peter Ehrlich und Horst Tappert, schmieden bei dieser Gelegenheit recht glaubhafte Gangster-Visagen. Eine der erfreulichsten Cast-Erweiterungen stellt die wandlungsfähige Ruth Maria Kubitschek dar, die in den Bereichen Vertrauen und Überraschung deutliche Akzente setzen kann, des Weiteren feiert Grit Boettcher sozusagen einen Achtungserfolg mit einer sehr ausgewogenen Darbietung. Besetzungstechnisch erweist sich Axel von Ambessers Beitrag schließlich als absoluter Volltreffer. Martin Böttchers Klänge sorgen für Wiedererkennungswert und Stimmungsförderung, Kehrtwendungen, Überraschungen und im kriminalistischen Sinne konventionelle Zutaten machen diesen Beitrag zu einem sehenswerten Vergnügen, das man sich immer wieder ohne schwindende Euphorie anschauen kann.

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Prisma
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Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? 2.0

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● HAUPTSACHE FERIEN (D|1972)
mit Peter Alexander, Christiane Hörbiger, Theo Lingen, Marietta Schupp, Balduin Baas, Blandine Ebinger, Hans Quest, Ursula Reit,
Regina Claus, Bruno Hübner, Max Grießer, Eckehardt Belle, Gerhard Acktun, Bruno W. Pantel, Gerd Wiedenhofen und Martin Held
ein Rialto Film Preben Philipsen | Terra Filmkunst | im Constantin Filmverleih
ein Film von Peter Weck

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»Und wo ist dann nach Ihrer Meinung der Haken?«


Der Lehrer Dr. Peter Markus (Peter Alexander) träumt davon, irgendwann ein Eigenheim mit seiner Tochter Gaby (Marietta Schupp) beziehen zu können, doch es sieht noch lange nicht danach aus. Ausgerechnet die gefährdete Versetzung der verwöhnten Schülerin Corinna Kannenberg (Regina Claus) bringt ihn seinem Ziel näher: um nicht sitzen bleiben zu müssen, überredet sie ihren Vater (Theo Lingen), seines Zeichens reicher Bauunternehmer, Dr. Markus bei einem fingierten Preisausschreiben ein Fertighaus gewinnen zu lassen. Da dieser keinen Verdacht schöpft und das Haus schon bald bezugsfertig wäre, scheint die Rechnung der unbelehrbaren Schülerin aufzugehen, wenn da nicht ihre ältere Schwester Ursula (Christiane Hörbiger) wäre …

Als Harald Reinl Ende 1970 als Vertragsregisseur der Constantin Film zu Gloria wechselte, wurden angekündigte Filmprojekte nicht leider mehr realisiert. Eines von ihnen stellte die Produktion "Wir bauen uns ein Ferienhaus" dar, der 1972 von Rialto Film Preben Philipsen, Terra Filmkunst und dem Constantin Filmverleih unter dem Namen "Hauptsache Ferien" als bereits 15 Paukerfilm in die deutschen Kinos gebracht wurde. Thematisch gesehen geht dieser vom Wiener Regisseur Peter Weck inszenierte Film etwas andere Wege, denn der Großteil des Verlaufs spielt sich nicht in der Penne ab, sondern an alternativen, sehr malerischen Schauplätzen. Überlieferungen zufolge musste Peter Alexander hier zu seinem letzten Kinofilm überredet werden und vielleicht konnte eine ausgehandelte Gage von beachtlichen 400.000 D-Mark diese Entscheidung geringfügig beeinflussen. Alexander war in den Jahren 1968 und 1969 bereits in den Paukerfilmen "Zum Teufel mit der Penne" und "Hurra, die Schule brennt" zu sehen, die jeweils mit der Goldenen Leinwand für mindestens 3 Millionen Kinozuschauer ausgezeichnet wurden. So ist die Besetzungscouch mit Peter Alexander sehr simpel zu erklären, denn man erkannte ihn als Garanten für einen Erfolgsfilm, zumindest in diesem Genre. Nach 15 Produktionen lässt sich sagen, dass man hier trotz einiger Modifikationen nicht mehr viele neue Erfindungen angeboten bekommt, wenngleich sich der Film mit grobschlächtigem Lümmel-Klamauk deutlich zurückhält. Einer der größten strategischen Unterschiede bleibt allerdings die Besetzungsliste, die im Grunde genommen fast ausschließlich über charakterliche Veränderungen verfügt. Peter Alexander war zwar bereits in der Rolle des progressiven und daher beliebten Lehrers zu sehen, doch dann hagelt es beinahe nur Neubesetzungen, auch wenn ein paar Interpreten bereits in vorigen Filmen dabei waren: Balduin Baas, Gerhard Acktun, Bruno W. Pantel und natürlich Theo Lingen, der in dieser Geschichte zwar auch einen Direktor zu spielen hat, allerdings nicht von einer Schule. Der Film wird getragen von unterschiedlichen Ansätzen der Dominanz in Szene und hierfür ist ausschließlich das Trio Peter Alexander, Theo Lingen und Martin Held verantwortlich. Obwohl "Hauptsache Ferien" seinen drei männlichen Stars die großen Bühnen der Geschichte einräumt, ist es Peter Alexander, um den die gesamte Angelegenheit herumkonstruiert wirkt und die auf dessen ausgewiesene Stärken zugeschnitten ist.

Er macht die Musik, gibt generell den Ton an, sorgt für selbstgefällige Gags und kann nicht anders, als stets das zum Besten zu geben, was man bereits hinlänglich von ihm gewöhnt war. So ist es gut möglich, dass der Film mit der Personalie des Österreichers steht oder fällt. Martin Held agiert ebenfalls, wie man ihn kennt, aber das auf eine mehr ungezwungene Art und Weise. Besondere Stärken kommen im Zusammenspiel der beiden zum Vorschein und man nimmt sogar etwas Situationskomik wahr; eine Fackel, die auch Theo Lingen bereits ist, weiterzutragen. Der Humor wirkt insgesamt etwas zu sehr konstruiert, wenngleich gut choreografiert. Kurze Intervalle aus dem Schulalltag bauen Brücken zu den Erfolgsfilmen des Genres. Überraschend und erfreulich zugleich ist einer der selten gewordenen Kino-Auftritte von Christiane Hörbiger, die hier durch ihr besonders eingängiges Schauspiel zunächst einmal en passant darauf verweist, welche Chancen dem bundesdeutschen Film durch den verhaltenen Einsatz entgangen sind. Es ist interessant zu sehen wie Hörbiger es schafft, einen Frauenentwurf auszugestalten, der eine Melange aus modern, gewitzt und kultiviert eingeht. Sympathische Dynamik bieten Marietta Schupp, Regina Claus und Blandine Ebinger an, sodass die Produktion unterm Strich sehr gut besetzt wirkt und darüber ihre Stärken aufbauen kann. Die Geschichte soll eine heitere Note vermitteln, was sie insgesamt auch tut, allerdings zeigen sich auch hier zu viele inflationäre Einsätze des landläufig vermarkteten Humors; ein Eindruck, der vor allem vergleichsweise aufkommen will. Vielleicht nimmt man Peter Wecks Angebot nicht als reinen Paukerfilm auf, da sich die meiste Zeit in den angekündigten Ferien abspielt, aber Peter Alexander, Martin Held, Balduin Baas und Hans Quest profilieren sich hier als nicht entwurfsgetreue Lehrkörper wirklich gut. Am Ende muss die Entscheidung fallen, ob man dazu bereit ist, ein Alternativangebot anzunehmen, das obendrein als gelungen zu bezeichnen ist, oder ob es Abklatsch vom Abklatsch zu verdauen gibt, der dem Empfinden nach schon besser aufbereitet wurde. "Hauptsache Ferien" kann schlussendlich sehr versöhnliche Eindrücke hinterlassen, zumal die Inszenierung technisch einwandfrei aufgezogen wirkt und es Schauspieler zu sehen gibt, die eben das anbieten, was seinerzeit gefragt war. Dass insgesamt eine Verjährungsfrist für jeden einzelnen Gag und jede Gebärde wahrzunehmen ist, sollte fairerweise nicht auf das Produktionsjahr gemünzt werden.

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Prisma
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DER GARTEN DER FINZI CONTINI


● IL GIARDIO DEI FINZI-CONTINI / DER GARTEN DER FINZI CONTINI (I|D|1970)
mit Dominique Sanda, Lino Capolicchio, Helmut Berger, Romolo Valli, Barbara Pilavin, Camillo Cesarei, Katina Morisani und Fabio Testi
eine Produktion der Documento Film | cCc Filmkunst | im Constantin Filmverleih
ein Film von Vittorio De Sica

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»Ganz Italien hat Familie!«


Der wohlhabende jüdische Literaturprofessor Finzi-Contini (Camillo Cesarei) residiert mit seiner Familie auf einem herrlichen Anwesen, das bekannt und beneidet für seine imposanten Gartenanlagen ist. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist es im faschistischen Italien für Juden allerdings nicht mehr möglich, am normalen gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, sodass der Wissenschaftler seine bislang isolierten Gärten für die Allgemeinheit öffnet. Es kommt zu diversen Begegnungen und Verbindungen, die zuvor niemals denkbar gewesen wären …

Die großen Tragödien der Filmgeschichte gewinnen ihre Brisanz und Melancholie oft durch historisch genaue Grundgerüste, Anlehnung an bestehende Tatsachen oder akkurat angepasste Schablonen an die vergangene Wirklichkeit. Vittorio De Sica erweist sich als guter Implementeur für eine Geschichte, die zwischen Blumen und sonnengetränkten Gärten anfängt, um kurz vor dem Schafott innezuhalten, bis der herrliche Titel dieser Produktion unterm Strich stehen bleibt und nachhallen kann. Als der Faschismus Einzug erhält, wird alles anders, und dies in einer unumgänglichen und destruktiven Art und Weise. Das unbeschwerte Leben ist in Gefahr und alsbald vorbei, die Existenz von bescheidenen und kultivierten Menschen wird dabei nicht nur bedroht, sondern von Schergen der neuen Linie früher, später oder tatsächlich ins Gegenteil umgekehrt. Der Film lebt insgesamt von herrlichen Bildkompositionen, malerischen Schauplätzen, exzellent dargestellten Charakteren sowie der Ungerechtigkeit und Brutalität einer schrecklichen Zeit. Aus Sicht des Zuschauers ist neidlos zu sehen, dass Kinder, die ja schon junge Erwachsene sind, mit Tugenden, Moral und Privilegien erzogen wurden, die sie angreifbar machen, da es Neider gibt, die sie als Gefahr und Wurzel allen Übels brandmarken werden. Isolierte Gartenanlagen werden für die Allgemeinheit geöffnet, um das Leben weitergehen und die Welt nicht still stehen zu lassen. Die Sonne schaut zwischen den Zweigen hervor, der Tennisplatz ist in gutem Zustand und hoch frequentiert, das vorwiegend vorhandene Grün präsentiert jedoch auch leuchtende Farben - die Zeit steht still, obwohl sie davonläuft. Diese trügerischen Impressionen können nicht über die anstehenden Katastrophen hinwegtäuschen, die von Regie und Geschichte in den Raum gestellt werden, doch selten war ein derartig mit Leid und Tragik erfüllter Film in seiner optischen Grundausstattung und Bildgewalt so schön und beruhigend.

Tragödien hätte es auch ohne die Geißeln des Krieges gegeben - wenn auch nicht so brutal - schließlich hat man es mit sehr markanten und willensstarken Charakteren zu tun, doch einschneidende Veränderungen hätten immerhin etwas Naturgemäßes an sich gehabt. Regisseur De Sica konzentriert sich auf seine jungen Protagonisten, deren Leben die nächsten Stufen erreichen sollen, ob beruflich, familiär oder emotional. Wie erwähnt wäre es so oder so zu diversen Störungen und Tränen bei dieser Findung gekommen, doch dass es am Ende politische beziehungsweise ideologische Einflüsse sein werden, die vor unlösbare Probleme stellen, ist schwer zu akzeptieren, da sich alles außerhalb eines Radius der eigenen Verantwortlichkeit bewegt, und die persönliche Einflussnahme außer Kraft gesetzt wird. Die Geschichte präsentiert Panoramazeichnungen der Hauptfiguren und deren unterschiedlicher Art, die nächsten Schritte im Leben zu wagen. Somit sieht man jugendlichen Leichtsinn, Unerschrockenheit, naive Neugierde aber auch bereits Erfahrung, mit der sich der Kreis hier am Ende schließen wird. Mit fortlaufender Spieldauer werden die Vorahnungen bezüglich der Rahmenbedingungen konkreter, die Schicksalsschläge härter, doch der Alltag geht auch innerhalb widriger Umstände weiter, manchmal sogar in gewohnten Bahnen. Die Produktion verfügt über brillante schauspielerische Leistungen - besser gesagt Kreationen - da sie dem Empfinden nach authentisch wirken und die Möglichkeiten zur Verwirklichung zur Verfügung haben, um das Publikum letztlich zu berühren; eine Tatsache, die der Geschichte auf Augenhöhe gleichkommt. Hier ist zunächst die anmutige Französin Dominique Sanda zu erwähnen, deren Strahlkraft unübersehbare Höhepunkte erreicht. Der erzwungene und daher drohende Exodus von Juden aus Italien schwebt wie ein ungerechtes Urteil über allem, was sich zeigt, doch die Regie konzentriert sich auch präzise auf die Zeit davor.

Hierbei kommen überaus schmeichelhafte Eindrücke zustande, die sich kaum mit den überschwappenden Gewissheiten decken wollen. Die unverbrauchte Leistung von Dominique Sanda wirkt wie Balsam auf die hier plötzlich entstehenden Risse der Seelen, doch auch von ihr geht eine gewisse Ambivalenz aus, falls man ausblenderisch betrachtet, dass sie zwischen zwei Männern steht und in diesem Zusammenhang nur die falsche Entscheidung treffen kann. Zumindest dem eigenen Empfinden nach. Als Zuschauer steht man auf Seiten ganz bestimmten Konstellationen, doch in Manier großer Schicksalsschläge lernt man auch die unliebsamen Möglichkeiten beziehungsweise die andere Seite der Medaille kennen, mit welchen eine breite Auseinandersetzung gestartet wird. Besondere Darbietungen haben Lino Capolicchio, Helmut Berger oder Fabio Testi zu bieten, die in ihren Szenen stets hoch konzentriert wirken. Bleibt man bei diesen merklich ungleich wirkenden Charakteren, lassen sich völlig gegensätzliche Sichtweisen auf das Leben ableiten, auch wenn sie eigentlich den gleichen Weg gemeinsam gehen. Diese hochinteressante Auseinandersetzung mit der zunächst gesunden Psyche gilt hier übrigens für alle Beteiligten, was den Film so rund und letztlich tiefsinnig wirken lässt - dies wohlgemerkt im dramaturgischen, inszenatorischen und darstellerischen Sinn. "Der Garten der Finzi Contini" beginnt trotz bestehenden Hintergrundwissens als unbeschriebenes Blatt, welches sich bis auf den letzten freien Platz selbst füllt. Beachtenswert ist die markante Poesie des Szenarios, das sich mit kleinen Wundern und erschreckender Prosa füllt, Fantasie und Realität kreuzt, um seine Erfüllung in einer hervorragenden Regie-Leistung zu erlangen. So bleibt ein aussagekräftiges und hochwertiges Aushängeschild italienischer Filmkunst, unter Mithilfe eines unermüdlich und immer mutigen Partners namens Artur Brauner, welches man sich bei der sich bietenden Gelegenheit unbedingt anschauen sollte.

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● DIE HÖLLE VON MANITOBA / UN LUGAR LLAMADO GLORY (D|E|1965)
mit Lex Barker, Pierre Brice, Marianne Koch, Gérard Tichy, Hans Nielsen, Wolfgang Lukschy, Ángel del Pozo,
Jorge Rigaud, Carlos Casaravilla, Alberto Dalbés, Santiago Ontañón, Víctor Israel, Antonio Molino Rojo, u.a.
eine Produktion der cCc Filmkunst | Midega Film | im Gloria Verleih
ein Film von Sheldon Reynolds

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»Wen ein Mann die Ruhe verliert, kann es ihm passieren, dass er einen Fehler macht!«


Anlässlich eines Stadtjubiläums werden zwei Revolverhelden engagiert, die das Publikum bei einem Duell in Atem halten sollen. Einer von ihnen ist der ehemalige Rancher Clint Brenner (Lex Barker). Sein Kontrahent namens Reese (Pierre Brice) fällt ebenfalls durch den blitzschnellen Umgang mit seinem Colt auf. Da beide unabhängig voneinander engagiert wurden, ahnen sie noch nicht, dass sie gegeneinander antreten sollen, denn Clint und Reese haben sich längst im Kampf gegen den rücksichtslosen Großfarmer Jack Villaine (Gérard Tichy) und dessen Bande zusammengeschlossen. Ein Showdown der besonderen Art liegt in der Luft …

Dieser Eurowestern des amerikanischen Gelegenheitsregisseurs Sheldon Reynolds fällt durch seine auffällig lineare und solide Art der Inszenierung auf und verfügt über zahlreiche Anleihen aus dem Genre des US-Western, sodass man sich schnell auf diese auf einen Showdown zulaufende Geschichte einlassen kann. Mit den "Winnetou"-Hauptdarstellern Lex Barker und Pierre Brice vereinte der Berliner Produzent Artur Brauner erneut eines der Lieblings-Hedlenpaare der bundesdeutschen Kinolandschaft vor der Kamera, wenn auch mit völlig anderen Charakteristika, die unterm Strich vergleichsweise erfrischend wirken. Diese bekannten Zugpferde garantieren in der Regel einen breiten Publikumszuspruch, der beim Massenstart von "Die Hölle von Manitoba" immerhin gut bis zufriedenstellend war. Mit der mittlerweile auch im Western-Genre bekannt gewordenen Hauptdarstellerin Marianne Koch kann der Film auf ein erfolgreiches Trio blicken, das für Spannung, Action, Dramatik und schnelle Colts sorgt, falls es denn stellenweise zu behäbig zugehen sollte, was unter Reynolds Regie hin und wieder vorkommt. Würde diese Geschichte nicht über einige wichtige Überraschungen im und zum Finale hin sowie über zahlreiche nicht zu erwartende Schocks verfügen, würde man ihm aufgrund der angebotenen Marschrichtung wohl simple Vorhersehbarkeit vorwerfen können, wenn auch nicht ausschließlich. Die Manege wird mit der Ankündigung eines bevorstehenden Stadtjubiläums und Unterhaltungsduells schnell freigegeben, in der die Hauptakteure auf der Hand liegen. Obwohl man somit glaubt, die Zukunft zu kennen, versorgt der US-amerikanische Regisseur das interessierte Publikum zwischenzeitlich mit viel rauer Gegenwart und Szenen aus einer offenbar nicht so weit entfernten Vergangenheit, wie von einigen angenommen. Der deutsche Titel des Films deutet an, dass es sich bei der Stadt mit dem unscheinbaren und fast zuversichtlich klingenden Namen "Glory" um eine Hölle auf Erden handelt, in der die Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit nur so grassiert.

Der richtige Zeitpunkt, um dort einmal kräftig aufzuräumen. Ein misanthropischer und gnadenloser Großgrundbesitzer hält dieses florierende Fleckchen Erde mit seinen schießwütigen Vasallen in seinem unerbittlichen Würgegriff, macht Unschuldige zu Schuldigen, Heilige zu Huren und Optimisten zu Pessimisten. Die Bevölkerung ist verängstigt, resigniert und müde, zumal sie in Teilen nicht schlecht profitiert. Sehr eingängig dargestellt von Gérard Tichy - der aus Deutschland stammende Interpret mit dem nahezu verschleiernden Namen, baut eine solide Drohkulisse auf, um den Verlauf und gewisse Personen immer wieder vor sich herzutreiben. Überhaupt sind alle naselang bekannte Darsteller zu finden, wie beispielsweise Wolfgang Lukschy, Ángel del Pozo, Víctor Israel oder Hans Nielsen, der hier in seinem letzten Film zu sehen ist. Der gebürtige Hamburger verstarb etwa drei Monate nach der Uraufführung dieses Films im Alter von nur 53 Jahren an Leukämie und hinterließ als bedeutendes Allround-Talent eine doch große Vakanz in der deutschen Kino-Landschaft. Im Großen und Ganzen verfügt dieser am Ende handelsübliche Western über eine teils sehr extravagante Bebilderung und Aufsehen erregende Kamerafahrten, insbesondere bei den Duell- und Schießszenen. Betrachtet man die angebotenen Charaktere, so lassen sich genügend Sympathieträger und Charmeure ausfindig machen, die das Publikum wegen der allgegenwärtigen Gefahren in Atem halten können. Dieser Grundtenor wird übrigens sehr intensiv über die Figur einer wie üblich anmutigen und sehr überzeugenden Marianne Koch und deren Filmvater Jorge Rigaud aufgebaut, da von einer permanenten tödlichen Gefahr berichtet wird, die das Potenzial besitzt, ihre Erfüllung bei jeder sich bietenden Gelegenheit oder im Hinterhalt zu finden. Alles in allem handelt es sich bei Sheldon Reynolds' "Die Hölle von Manitoba" um einen sehenswerten und kurzweiligen Vertreter der in diesem Zeitfenster üppig vorhandenen Konkurrenz, welcher damals sogar mit dem Prädikat "wertvoll" ausgezeichnet wurde.

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Peter Ustinov

RENDEZVOUS MIT EINER LEICHE

● APPOINTMENT WITH DEATH / RENDEZVOUS MIT EINER LEICHE (US|1988)
mit Lauren Bacall, Carrie Fisher, John Gielgud, Hayley Mills, Jenny Seagrove, David Soul, John Terlesky und Piper Laurie
eine Produktion der Golan-Globus Productions | im Verleih der Scotia International
nach dem Kriminalroman von Agatha Christie
ein Film von Michael Winner

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»Ich vergesse niemals! Keine Handlung, keinen Namen und kein Gesicht.«


Die ehemalige Gefängnis-Aufseherin Emily Boynton (Piper Laurie) ist nun Witwe. Ihr wohlhabender Ehemann, der Direktor eines amerikanischen Gefängnisses war, in welchem sich die beiden kennenlernten, hinterlässt sein gesamtes Vermögen zu gleichen Teilen seinen Kindern aus erster Ehe und der gemeinsamen Tochter mit Emily. Bei dieser Verfügung handelt es sich allerdings um einen erst kürzlich geänderten letzten Willen, bei dem seine Frau leer ausgeht. Durch Erpressung kann sie den Familienanwalt Jefferson Cope (David Soul) dazu bringen, dass er das neue Testament vernichtet. Mrs. Boynton ist Verwalterin über das Vermögen, was den Hass ihrer Familie nur noch weiter schürt. Alle würden sie am liebsten tot sehen. Damit Gras über die Sache wächst, und sich die Gemüter beruhigen, wird eine gemeinsame Reise unternommen, die sie zuerst nach Europa und dann ins englisch regierte Palästina führt. Cope, der ein Verhältnis mit Mrs. Boyntons Schwägerin Nadine (Carrie Fisher) hat, reist der Familie nach und es kommt zum Eklat, der darin gipfelt, dass die verhasste ehemalige Aufseherin ermordet wird. Hercule Poirot (Peter Ustinov) begibt sich an die Ermittlungen und es stellt sich heraus, dass nahezu jeder ein Motiv für das Verbrechen hatte …

Michael Winners Poirot-Adaption gilt nicht als der gelungenste Beitrag der Reihe, da er sich hauptsächlich Vergleichen mit der äußerst starken Konkurrenz wie beispielsweise "Tod auf dem Nil" auseinandersetzen muss. Es empfiehlt sich daher, das Ergebnis als eigenständigen Beitrag, mit gleicher Titelfigur, und unabhängiger zu betrachten, denn er wird in vielerlei Hinsicht seine Stärken präsentieren. Wie üblich, bekommt der Zuschauer diese Vorzüge anhand imposanter Schauplätze und Kulissen, beeindruckender Ausstattung, geschliffener Dialoge und einer hervorragenden Besetzung präsentiert, sodass auch diese Produktion ihren sehenswerten Status gerechtfertigterweise erhält. Sicherlich zeigt die ambitionierte Inszenierung einen über weite Strecken zu betulichen Spannungsaufbau, bei dem man lange auf größere Ausrufezeichen warten muss, aber der überaus klare Aufbau, der den Weg für einen gelungenen Verlauf ebnen wird, kann für unerhebliche Durchhänger entschädigen. Der Verlauf nimmt sich dieses Mal sehr viel Zeit für die lückenlose Integration der beteiligten Charaktere und deren Verstrickungen untereinander, sodass die Ermittlungsarbeit von Hercule Poirot dem Empfinden nach sehr knapp erscheint. Wie er schließlich die Zusammenhänge erfasst und diese auswertet, bleibt wieder einmal sein persönliches Geheimnis. Der Kriminalfall wirkt in seiner Mechanik zunächst überaus nachvollziehbar, denn eine tyrannisch veranlagte Person findet nach Ansicht aller Beteiligten ihr verdientes Ende. Allerdings ist das Schöne an dieser Geschichte, dass sie natürlich Überraschungen bereithalten wird, eben ganz nach Art des Hauses Poirot. Dies geschieht zugegebenermaßen eher auf recht vorhersehbarer Ebene, wenn man Vergleiche zu den Vorgängern ziehen möchte, aber die Stärken dieses Falles können auf konventionelle Art richtig gut unterhalten. Peter Ustinov stattet Hercule Poirot erneut mit einer unverkennbaren Note aus, sein Spürsinn lässt alle Verdächtigen erstarren und nervös werden.

Immer wieder lockern die Kostproben seines subtilen Humors das Geschehen in angenehmer Art auf, was die Tatsache Mord allerdings zu keinem Zeitpunkt verwässert. Ustinov lässt sein jeweiliges Gegenüber stets genau wissen, woran man gerade ist, allerdings immer mit einer höflichen Nonchalance und spürbaren Distanz. Somit verbittet er es sich quasi selbst, den Fall und dessen Beteiligte öffentlich zu werten, bevor er ihn abgeschlossen hat. Seine sachlichen Ermittlungen wirken abwechslungsreich und tatsächlich unfehlbar, Peter Ustinov ist definitiv der richtige Mann für die Rolle des Hercule Poirot gewesen. Da die Besetzungsliste nicht mehr so überflutet mit großen Stars erscheint, ist die Erscheinung von Lauren Bacall genauso erstaunlich, als auch erfreulich. Lady Westholme erscheint in der Silhouette einer Dame von Welt, allerdings kann sie ihre durch und durch gewöhnliche und sogar aufdringliche Art zu keinem Zeitpunkt verbergen. Stets fordert sie ihre Rechte als Dame der gehobenen Gesellschaft und die damit verbundenen Annehmlichkeiten ein, sodass selbst Poirot seine ungläubigen Blicke manchmal nur schwer verbergen kann. Insbesondere im Zusammenspiel von Lauren Bacall und Piper Laurie entstehen beeindruckende Momente, wenn sie auch recht kurz ausgefallen sind. Die ehemalige Gefängnis-Aufseherin Emily Boynton wirkt wie eine Schwarze Witwe, die jeden in ihrem Umfeld bedroht, auf welche Art und Weise auch immer. Der Mord beweist, dass sie eine große Gefahr dargestellt haben muss und selbst als Zuschauer hat man nur bedingtes Mitleid mit dieser hartherzigen Frau, die ihre eiskalte Berechnung und ihren klaren Verstand als scharfe Waffe einzusetzen pflegte. Dieser Würgegriff machte selbst vor ihren nächsten Angehörigen nicht halt und daher lassen sich auch dort einige Verdächtige herleiten. Nicht nur von den bereits erwähnten Darstellern sieht man großartige Leistungen, sondern auch von dem vergleichsweise zunächst eher unscheinbar wirkenden Rest der Besetzung, sodass man in diesem Zusammenhang von einem absoluten Hit sprechen darf.

Wie erwähnt, hat "Rendezvous mit einer Leiche" stellenweise Probleme, in die Gänge zu kommen und der Verlauf wirkt in vielerlei Hinsicht bemüht, seine Längen mit außergewöhnlich schönen Bildern und Settings zu glätten. Im Vordergrund sollte jedoch der Kriminalfall stehen, der mit seinem guten Aufbau überzeugen kann und auch einige Überraschungen zu bieten hat, wenngleich sich das Gefühl einer diffusen Vorhersehbarkeit einschleicht. Interessant wirken die Charakterzeichnungen, insbesondere die Darstellung der Figur Emily Boynton, die ihren Tod quasi herausfordert, weil sie die Lust, andere zu quälen und zu manipulieren, nicht unterdrücken kann. Vor ihr erstarren sichtbare und unsichtbare Kontrahenten buchstäblich wie das Kaninchen vor der Schlange, was bildsprachlich auch ihre Angriffslust hervorheben soll. Selbst Hercule Poirot straft diese Dame mit stiller Verachtung ab und wundert sich darüber, dass sie ihr Schicksal so offenkundig herausfordert. Die Drehorte in Qumran und die charakteristische Ausstattung sorgen zusätzlich für einen hochwertigen Eindruck, Michael Winner sind zahlreiche hervorragende Einstellungen gelungen, die seinem Film ein ordentliches Profil verleihen. Im Rahmen der Dialoge werden sämtliche Register gezogen, es ist von bitterem Zynismus bis feinem Wortwitz alles vertreten, was das Ohr begehrt, auch musikalisch kann sich die Gesamtkomposition durchaus sehen lassen, wenngleich sie in Bezug auf Stimmungsaufbau häufig konträr wirkt. Alleine die Spannungen und der Hass zwischen den Beteiligten sorgt für eine solide, teilweise nervöse Grundspannung, die im kompletten Verlauf durch turbulente Sequenzen verstärkt wird. Im Endeffekt kann man "Rendezvous mit einer Leiche" keine gravierenden Mängel vorwerfen, denn es handelt sich um ein schönes, konventionelles Kriminalstück, allerdings fällt diese Produktion dem Empfinden nach doch ab, was vermutlich dem Vergleich zu anderen Poirot-Adaptionen geschuldet ist. Alles in allem handelt es sich um eine immer mal wieder gerne gesehene Angelegenheit, die als Bonus ein sehr nachdenkliches Finale bereithält.

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