Regisseur Paul Thomas Anderson gilt seit einiger Zeit in Hollywood als ganz großer Geheimtip, und bei einem Budget von geschätzt 150 Millionen Dollar und Stars wie DiCaprio, Benicio del Toro und Sean Penn kann ja nicht viel schiefgehen, oder?
Inhalt:
An den Grenzen der USA herrscht ein kalter Wind, die Grenzkontrollen sind hart und viele Flüchtlinge würden gerne ein Leben auf der anderen Seite des Zauns verbringen. Die Grenzpolizei ist gnadenlos und unmenschlich. Doch gegen dieses Geschehen hat sich eine linke Organisation namens "French 75" gebildet, die den Grenzschutz bekämpft.
DiCaprio ist mit einer farbigen Frau aus der linken Organisation zusammen, beide lieben sich und kämpfen gegen den Staat im Untergrund. Auf der anderen Seite ist Sean Penn der Chef der Grenzschutzbehörde. Penn spielt einen Rassisten mit einigen Hitler-Anleihen der auf farbige Frauen steht. Nach einigen Aktionen gelingt es den Grenztruppen die Untergrundgruppe zu zerschlagen. Die farbige Freundin von DiCaprio hat in der Zwischenzeit ein Kind bekommen. Sie wird dann festgenommen und verrät viele Mitstreiter. DiCaprio hingegen lebt nun als Gammler in einen Holzhaus in der Wildnis mit der Tochter.
16 Jahre später wird Sean Penn Mitglied beim kluklux Clan und möchte jetzt alle Spuren von seiner Affäre mit der Farbigen zerstreuen. Penn weiß, dass die Tochter von ihm ist und setzt nun alle Hebel ein, um bei den Kluklux-Clan Leuten nicht in Ungnade zu verfallen, ein schwarzes Kind könnte schließlich seinen Ruf gefährten.
Kritik:
Dieser überlange Film ist eine sehr offensichtliche Trump Kritik und für einen Europäer nicht sehr interessant. Zwar verweist der Film in einigen Stellen auf seine Vorbilder wie etwa Gillo Pontecorvos - Kampf um Algier und hat eine glänzende Verfolgungsjagd, die eine Hommage an Bullit ist. Nicht umsonst setzt der Regisseur auch hier einen Mustang und einen Dodge Charger wie im Vorbild ein, doch der Rest des Filmes ist schlicht hässlich. DiCaprio soll hier als humorvolle Figur fungieren, was aber letztlich verpufft. Die Anspielung an Pontecorvos Film hat einen ähnlichen Hintergrund, hier die weißen bösen Franzosen, dort die netten Nordafrikaner. Doch der Realismus und die Grautöne von Pontecorvos sind für Anderson unerreichbar.
Auch hat der Film ein gestörtes Frauenbild. Die farbige Frau scheitert als Mutter und will lieber Revolutionär sein, die Tochter will sich nicht schminken auf dem Schulball, etc etc, die Woke Keule ist hier sehr präsent und der erhobene Zeigefinger ist in jeder Sekunde des Films überdeutlich. So hat sich die Untergrundgruppe nach einem französischen Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg benannt. Das Narrativ der weißen alten rassistischen Männer wird ziemlich ausgewalzt. Im Gegenteil, die Rassisten wirken eher wie die einzig Gesunden Menschen, während die Linken komplett zerrüttet sind.
Keine einzige Figur des Films wirkt sympathisch, kein einziges Bild im Film hat eine Harmonie. Es gibt keinen optischen Reiz, nur hässliche Möbel und eine fortwährende pöbelnde Sprache. Der Film kann nicht unterhalten und teilweise wirkt er wie mit einer Handkamera gedreht. Als ich den Film im Kino gesehen hatte, verließen immer wieder Leute das Kino. Wirklich verwunderlich, dass dieser Film so ein hohes Budget hatte. Der Film hat wenige gute Momente, diese sind aber versteckt und werden durch die Überlänge an die Wand gedrückt. Für mich war der Film eine Enttäuschung.
ONE BATTLE AFTER ANOTHER - Paul Thomas Anderson
Re: ONE BATTLE AFTER ANOTHER - Paul Thomas Anderson
Der war bei mir (höchstwahrscheinlich) ein klassisches Opfer vom vorangegangenen Overhype. Das Teil wurde ja nicht nur von Kritikern, sondern auch von Regiegrößen wie z.B. Spielberg in den Himmel gelobt.
Tolle Momente hatte er, gelangweilt hab ich mich auch nicht, ein guter Film, keine Frage, aber das Meisterwerk des Jahres war das für mich auf keinen Fall.
Tolle Momente hatte er, gelangweilt hab ich mich auch nicht, ein guter Film, keine Frage, aber das Meisterwerk des Jahres war das für mich auf keinen Fall.
- Richie Pistilli
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Re: ONE BATTLE AFTER ANOTHER - Paul Thomas Anderson
Eigentlich hätte ich mir tausend Mal lieber ein zweites Mal REFLECTION IN A DEAD DIAMOND von Hélène Cattet und Bruno Forzani angesehen, aber leider wird der Film in meiner Gegend nicht gezeigt. Daher habe ich mich dann spontan dazu entschlossen, ONE BATTLE AFTER ANOTHER eine Chance zu geben.
Obwohl mich der Film auch nicht so richtig abholen konnte, fällt mein Fazit doch etwas versöhnlicher aus. Leonardo DiCaprio legt zwar eine überzeugende Darbietung an den Tag, aber mit seinem Charakter bin ich ebenso wenig warm geworden, wie Kent. Benicio del Toros Auftritt fand ich wiederum durchweg gelungen. Den Vogel hat aber letztendlich Sean Penn in der Rolle des verkorksten Grenzschützers abgeschossen, denn seine urkomische Darbietung war meines Erachtens oscarreif. Musste mich einige Male vor Lachen wegschmeißen. Inszenatorisch fand ich ONE BATTLE AFTER ANOTHER durchaus gelungen, wobei ich ebenfalls ein paar Probleme mit dem Handlungsverlauf hatte, denn so richtig mitnehmen konnte mich dieser nicht. Was die von Kent erwähnte Verfolgungsjagd betrifft, so zählte diese auch für mich zu den absoluten Höhepunkten des Films. Das Ganze wurde großartig in Szene gesetzt. Äußerst erschreckend fand ich hingegen die gewaltsame Entführung des systemkritischen Radio-Moderators, denn die Szene spiegelt genau das wider, was sich seit Wochen auf den Straßen der USA ereignet. Summa summarum würde ich den Film etwas über dem Durchschnitt einordnen, wobei die einzigartige Performance von Sean Penn den Wert noch einmal etwas anhebt.
Mit dem Fazit gehe ich d'accord!
Also ich fand die Thematik des Film als Europäer mehr als interessant.
Diese Formulierung finde ich gegenüber arischen Rassenfanatikern schon mehr als verstörend. Während ich dem linken Revoluzzer-Mob ebenfalls nicht viel abgewinnen konnte, drehte sich mir bei den Szenen mit der selbsternannten Herrenrasse regelrecht der Magen um. Faschistoide Menschenfeinde sind einfach nur abscheulich - und genau so werden diese im Film auch dargestellt.
Obwohl mich der Film auch nicht so richtig abholen konnte, fällt mein Fazit doch etwas versöhnlicher aus. Leonardo DiCaprio legt zwar eine überzeugende Darbietung an den Tag, aber mit seinem Charakter bin ich ebenso wenig warm geworden, wie Kent. Benicio del Toros Auftritt fand ich wiederum durchweg gelungen. Den Vogel hat aber letztendlich Sean Penn in der Rolle des verkorksten Grenzschützers abgeschossen, denn seine urkomische Darbietung war meines Erachtens oscarreif. Musste mich einige Male vor Lachen wegschmeißen. Inszenatorisch fand ich ONE BATTLE AFTER ANOTHER durchaus gelungen, wobei ich ebenfalls ein paar Probleme mit dem Handlungsverlauf hatte, denn so richtig mitnehmen konnte mich dieser nicht. Was die von Kent erwähnte Verfolgungsjagd betrifft, so zählte diese auch für mich zu den absoluten Höhepunkten des Films. Das Ganze wurde großartig in Szene gesetzt. Äußerst erschreckend fand ich hingegen die gewaltsame Entführung des systemkritischen Radio-Moderators, denn die Szene spiegelt genau das wider, was sich seit Wochen auf den Straßen der USA ereignet. Summa summarum würde ich den Film etwas über dem Durchschnitt einordnen, wobei die einzigartige Performance von Sean Penn den Wert noch einmal etwas anhebt.
Mit dem Fazit gehe ich d'accord!
Also ich fand die Thematik des Film als Europäer mehr als interessant.
Diese Formulierung finde ich gegenüber arischen Rassenfanatikern schon mehr als verstörend. Während ich dem linken Revoluzzer-Mob ebenfalls nicht viel abgewinnen konnte, drehte sich mir bei den Szenen mit der selbsternannten Herrenrasse regelrecht der Magen um. Faschistoide Menschenfeinde sind einfach nur abscheulich - und genau so werden diese im Film auch dargestellt.
Re: ONE BATTLE AFTER ANOTHER - Paul Thomas Anderson
^^
OK, die Formulierung ist nicht gelungen. Sie sollte auch nicht Sympathie ausdrücken, ich wollte nur damit sagen, dass die "Rassisten" so wirkten, als wären sie mit sich im Reinen. Die "Linken" wirkten hingegen alle zermartert.
Sagt mal, wir haben ja Bullit alle wiedererkannt. Was denkt ihr über die Parallelen zu Gillo Pontecorvos - Kampf um Algier? DiCaprio guckt ja den Film in seiner Behausung, also ein Wink mit dem Zaunpfahl.
Was sagt ihr zur Technik des Films? Fandet ihr den Film auch maßlos überteuert, für 150 Millionen Dollar erwartet man doch mehr, oder? Es muss doch möglich sein, so einen Film für einen Bruchteil zu drehen?
OK, die Formulierung ist nicht gelungen. Sie sollte auch nicht Sympathie ausdrücken, ich wollte nur damit sagen, dass die "Rassisten" so wirkten, als wären sie mit sich im Reinen. Die "Linken" wirkten hingegen alle zermartert.
Sagt mal, wir haben ja Bullit alle wiedererkannt. Was denkt ihr über die Parallelen zu Gillo Pontecorvos - Kampf um Algier? DiCaprio guckt ja den Film in seiner Behausung, also ein Wink mit dem Zaunpfahl.
Was sagt ihr zur Technik des Films? Fandet ihr den Film auch maßlos überteuert, für 150 Millionen Dollar erwartet man doch mehr, oder? Es muss doch möglich sein, so einen Film für einen Bruchteil zu drehen?
- Richie Pistilli
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Re: ONE BATTLE AFTER ANOTHER - Paul Thomas Anderson
Das klingt doch schon viel besser
Könnte mir gut vorstellen, dass er sich die gezeigten Guerillataktiken angeschaut hat (?)
Zur Kostenthematik habe ich leider keinen Bezug.
Die Frage muss jemand anders beantworten.
- alex_wintermute
- Beiträge: 3741
- Registriert: Di., 03.11.2020 13:16
Re: ONE BATTLE AFTER ANOTHER - Paul Thomas Anderson
Pynchons Roman "Vineland" kenne ich zwar bis dato noch nicht, aber mir hat Andersons Werk sehr gut gefallen, ein verdammt mutiges Werk zur aktuellen Weltlage. Innovation, Kreativität und Originalität zeichnen seinen Film aus. DiCabrio einfach nur großartig, der gehört für mich neben Bale und Phoenix zu den aktuell besten Schauspielern, die Hollywood zu bieten hat. Und Penn in der Rolle des Colonel Lockjaw, der ständig eine M16 im Po zu tragen scheint, ebenfalls herausragend. Der Film ist in meinen Augen bitterböse Satire und Familiendrama, die revolutionären Aspekte betrachte ich zumindest eher als sekundär. Für mich ist "One Battle After Another" von Anderson äußerst erfrischend und eines der stärksten Werke aus Hollywood. Nicht nur im Bezug zum Filmjahr 2025.
- alex_wintermute
- Beiträge: 3741
- Registriert: Di., 03.11.2020 13:16
Re: ONE BATTLE AFTER ANOTHER - Paul Thomas Anderson
Andersons Werk räumt direkt 4 Auszeichnungen bei den National Society of Film Critics ab. Die Wichtigste ist ONE BATTLE AFTER ANOTHER wurde zum besten Film des Jahres 2025 gekürt. Good choice! Hinzu kommen: Anderson wurde als bester Regisseur geehrt, Teyana Taylor gewann in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin" und Benicio del Toro wurde als "Bester Nebendarsteller" ausgezeichnet. Das sind schon mal sehr gute Voraussetzungen für die zukünftige Oscar Verleihung. Ich drücke jedenfalls Anderson die Daumen für die begehrte Oscar Trophäe.
- alex_wintermute
- Beiträge: 3741
- Registriert: Di., 03.11.2020 13:16
Re: ONE BATTLE AFTER ANOTHER - Paul Thomas Anderson
Auch bei den Critics' Choice Awards sahnt Andersons Werk mächtig ab: Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch.
Re: ONE BATTLE AFTER ANOTHER - Paul Thomas Anderson
Wenn die Gurke so herausragend sein soll, spricht das nicht für den heutigen US Film.
Ein Glück sind wir hier die Italo-Fanatiker und können überlegen hüsteln über solche Filme
Ein Glück sind wir hier die Italo-Fanatiker und können überlegen hüsteln über solche Filme