Welchen Film habt ihr zuletzt geschaut

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alex_wintermute
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Pi (1998)

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Ein faszinierendes psychologisches Mystery Drama in dem Genie und Wahnsinn sehr nahe beieinander liegen. Ausnahmetalent Darren Aronofsky schrieb das Drehbuch und inszenierte den Film. "Pi" ist ein bildgewaltiger, intensiver Experimentalfilm, der stark auf visuelle und klangliche Intensität setzt, um innere Zustände wie Wahnsinn, Obsession und die Suche nach Sinn zu vermitteln. In Aronofskys Debütwerk entführt uns der Regisseur in die Welt der Zahlen. Seine Hauptfigur ist ein Mathegenie, grandios gespielt von Sean Gullette, der auf der Suche nach der ultimativen, universellen, alles umfassenden Weltformel unter Druck gerät und immer mehr in den Wahnsinn abdriftet. Der Film benutzt eine rhythmische Erzählstruktur und innovatives Bildmaterial, das oft abstrakt oder symbolisch ist. Die Kameraarbeit ist roh und ungefiltert, nah an den Charakteren und es wird stellenweise mit sehr schnellen Schnitten gearbeitet. Die Kinematografie ist absolut großartig. Eine hypnotische Wirkung erzeugt das Werk, man wird direkt von Anfang an in den Bann gezogen. Zusätzlich nutzt "Pi" eine äußerst faszinierende Klanglandschaft und repetitive Geräusche, die die paranoide Atmosphäre verstärken. Das Sounddesign ist exzellent. Insgesamt zeichnet sich der Film durch eine kompromisslose, intellektuelle Perspektive auf Mathematik, Zahlensymbolik, Muster und Wahnsinn aus und lässt konventionelle Handlungsstränge und klare Antworten außen vor. Das Werk ist audiovisuell eine wahre Wucht. Mathematische Obsession, kosmische Ordnung und menschliche Zerbrechlichkeit werden filmisch erfahrbar gemacht. Aronofsky verbindet wissenschaftliche Faszination mit einer eindringlichen Psychologie, sodass die Geschichte nicht nur eine Thrillerhandlung ist, sondern eine Meditation über Obsession, Kontrolle und den Preis des Wissens. Zudem beeinflusste "Pi" spätere Filmemacher und prägte das Genre des psychologischen, experimentellen Kinos durch seinen Mut radikal zu arbeiten, ohne sich an genretypische Erwartungen zu halten. "Pi" ist eine Independent Low Budget Perle vom Feinsten. Mit wenigen finanziellen Mitteln, das Budget lag gerade mal bei ca. 60.000 US-Dollar, schaffte Darren Aronofsky ein experimentelles Psychothriller Drama bzw. paranoiden Trip zu inszenieren, der sich einer eindeutigen Interpretation entzieht, trotzdem aber den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen vermag. Das Werk gewann auf dem Sundance Film Festival 1998 den Preis für die beste Regieleistung. "Pi" gehört mit zu den bedeutendsten, ikonischen Werken im Independent und Experimentalfilm. 9-10/10
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alex_wintermute
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End of Days (1999)

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Ein wunderbar unterhaltsamer Mystery Horror Thriller in dem religiöse Symbolik mit Action gekonnt miteinander verwoben ist. Peter Hyams inszenierte den Film, das starke Drehbuch schrieb Andrew W. Marlowe. Der Film ist ein gewagter aber durchaus gelungener Genre Mix aus Mystery, Horror, Thriller und Action, hinzu kommt noch religiöse Symbolik, eine Prise Film Noir und eine dunkle Endzeitstimmung um die Jahrtausendwende. "End of Days" hat mich mit seiner ungewöhnlichen Handlung und einer sehr guten Besetzung durchaus positiv überrascht. Ich gehöre wahrscheinlich zu den Wenigen, dem der Film in der Gesamtheit gefällt. Die Handlung ist kurz erzählt, Ex-Cop und Personenschützer Jericho Cane, der unter dem Verlust seiner Frau und seinem Kind leidet, stößt auf mysteriöse und bizarre Ereignisse, die auf das Kommen des Jüngsten Gerichts hindeuten. Er entdeckt, dass eine satanische Vereinigung eine junge Frau namens Christine York nutzen will, um eine göttliche Prophezeiung zu erfüllen. Die Bedrohung wird durch übernatürliche Kräfte verstärkt, während Cane versucht Christine zu beschützen und das drohende Unheil aufzuhalten. Auch Cane selbst hat mit eigenen Problemen bzw. persönlichen Dämonen zu kämpfen, er steckt in tiefer Depression, ist von Schuldgefühlen geplagt und hat jeden Glauben an Gott verloren, den er vielleicht einst hatte. Trotzdem nimmt er den Kampf gegen Satan auf. Den Versuch der Rettung von Christine gibt ihm neuen Antrieb und Entschlossenheit. Am Tag des jüngsten Gerichts muss Cane sich dem Bösen stellen um mit aller Kraft die drohende Katastrophe abzuwenden versuchen, bevor die Welt ins absolute Chaos versinkt. Es kommt zu einem großartigen und spannenden Finale auf Leben und Tod, was kurz vor dem Jahrtausendwechsel auf heiligen Boden ausgetragen wird. Hyams Werk ist actionlastig und stark religiös geprägt mit exzellent agierenden Haupt- und Nebencharakteren. Er setzt auf eine düstere apokalyptische Stimmung, in der es um den Kampf gegen das Böse am Tag des jüngsten Gerichts geht. Die Handlung greift religiöse Motive auf und verlagert sie in eine moderne Endzeit Analogie, was dem Film eine eigenständige und intensive Note verleiht. Mir hat neben den faszinierenden Charakteren die düstere Atmosphäre und die unheilvolle Bildsprache in diesem dämonischen kleinen Horror Thriller sehr gut gefallen. "End of Days“ ist ein äußerst spannender und temporeicher Film, das vor allem auch an seiner Thematik liegt. Schwarzenegger spielt die Hauptrolle, er verkörpert erstaunlich gut den abgewrackten und suizidgefährdeten Ex-Cop Jericho Cane, der gegen übernatürliche Kräfte ankämpft und dabei persönliche Opfer bringen muss. Seine ernste Performance ist unglaublich stark und er kommt in seiner Rolle vollkommen authentisch rüber. Arnie ist in Top Form. Sein starker Gegenpol ist Gabriel Byrne, er ist vollkommen phänomenal in seiner Rolle als Antagonist, er verkörpert Satan in absoluter Perfektion. Byrne zeichnet sich durch eine kühle, kalkulierende Präsenz aus, die Ruhe und Verführung miteinander verbindet. Hinzu kommt eine analytische Gelassenheit, er tritt auf eine Art und Weise auf, die sowohl bedrohlich als auch faszinierend wirkt. Es entsteht der Eindruckt, dass er Macht und Kontrolle über jedes Gespräch und jede Situation hat. Der Zuschauer spürt förmlich, dass hier eine tiefgreifende, alles durchdringende Bedrohung lauert. Byrne verleiht seiner Figur genau die richtige Mischung aus Eleganz, Charisma, Boshaftigkeit, schelmischem Charme und innerer Ruhe. Es macht unglaublich viel Spaß ihn mit seiner Umwelt interagieren zu sehen. Schwarzenegger und Byrne tragen den Film und werten ihn allein mit ihrer Präsenz bzw. Performance unglaublich auf. Auch Udo Kier, Rod Steiger, Kevin Pollak und Miriam Margoyles gehören zum Ensemble, sie blühen in ihren Rollen ebenfalls auf. Der Film ist sehr unterhaltsam und die Actionsequenzen sind gut in Szene gesetzt. Auch audiovisuell ist "End of Days" ein faszinierender Film mit einem gelungenen Musik und Sounddesign. Rational vollkommen nicht nachvollziehbar: Schwarzenegger war für die Goldene Himbeere als schlechtester Schauspieler, Byrne als schlechtester Nebendarsteller und Hyams als schlechtester Regisseur nominiert. Wahrlich unglaublich. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Es ist ein recht düsterer Film, der den Zuschauer von Anfang bis zum Ende in Atem hält. Die finstere religiöse Bildsprache verstärkt dieses Gefühl. Alles in allem zeichnet sich "End of Days" durch seine explizite Atmosphäre, seiner starken Präsenz von Schwarzenegger und Byrne inklusive einiger eindrucksvollen Nebendarsteller, seinem intensiven Soundtrack und einer fokussierten Handlung aus, die religiöse Mythologie mit einer modernen Welt verwebt bzw. verbindet. Diese Merkmale machen den Film zu einer kleinen, aber eigenständigen Perle statt eines Flops. Die deutsche Synchronisation ist übrigens klasse. Mir hat Peter Hyams Werk außerordentlich gut gefallen, ich wurde nicht enttäuscht. Von mir gibt es klare 9/10

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alex_wintermute
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Beitrag von alex_wintermute »

The Devil's Advocate (1997)

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Ein Mystery Thriller Gerichtsdrama vom Feinsten! Taylor Hackford inszenierte den Film mit Keanu Reeves und Al Pacino in den Hauptrollen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andrew Neiderman und wurde perfekt filmisch umgesetzt. Das Drehbuch erzählt eine tiefgründige, originelle und interessante Geschichte mit starken Charakteren und einem atemberaubenden Ende. Hackford inszenierte diesen Film mit Feingefühl und einer gewissen Eleganz. Die Handlung ist kurz erzählt, ein ehrgeiziger, brillanter, junger und aufstrebender Rechtsanwalt namens Kevin Lomax, der nie einen Fall in Florida verloren hat, verteidigt einen angeblich pädophilen Straftäter mit scheinbar waghalsiger Verteidigungsstrategie und gewinnt auch diesen Prozess vor Gericht. Die Anwaltskanzlei des charismatischen John Milton aus New York wird daraufhin auf Lomax aufmerksam und lockt ihn mit unglaubwürdig hohen Honoraren und einer verheißungsvollen Karriere. Lomax zieht mit seiner Frau nach New York und gewinnt dort gleich seinen ersten großen Fall vor Gericht, was ihm schnell den Ruhm eines aufstrebenden Anwalts einbringt. Bald vermehren sich seine Erfolge, seine Nähe zu Milton wird immer ausgedehnter und sein finanzieller Reichtum steigt stetig an. Doch Lomax Frau Mary fühlt sich zunehmend unwohl, trotz ihres luxuriösen Lifestyles. Sie fühlt eine Art von Entfremdung zu ihrem Mann und geht immer mehr auf Distanz zu ihm, während Lomax Erfolg wächst. Es scheint so, dass er von fast übernatürlichen Hinweisen begleitet wird, die seine moralischen Grundsätze herausfordern und ihn zwingen seine Entscheidungen zu hinterfragen, ob sie wirklich gerechtfertigt sind oder vom dämonischen Kräften manipuliert werden, um seine moralischen Grenzen zu testen. Visionen und Albträume verstärken sich als Lomax merkt, dass hinter seinem Erfolg eine dunkle, bösartige, dämonische Macht steckt. In einer fatalen Wendung offenbart sich, dass die Anwaltskanzlei mit dem Teufel im Bunde ist, um Lomax Seele zu gewinnen. Lomax muss eine schwierige Entscheidung treffen und wird vor die Wahl gestellt, ob er seinen skrupellosen Aufstieg fortsetzt oder seine Seele bzw. eigene Integrität wahrt und seine Liebe zu Mary schützt. Was den Film auszeichnet sind seine beiden starken Protagonisten, Keanu Reeves in der Rolle des aufstrebenden Anwalts Kevin Lomax und Al Pacino als John Milton, dem einflussreichen und überzeugenden Führer der Anwaltskanzlei in New York. Keanu Reeves als junger aufstrebender Rechtsanwalt und Al Pacino als sein provokant charismatischer Mentor mit dämonischem Unterton liefern eine intensive, kontrastreiche Dynamik. Ihre Dialoge tragen maßgeblich zur Faszination des Films bei. Insbesondere brilliert Pacino als Teufel, das zeigt sich in jedem Wort und in jeder Geste seiner Darbietung. Pacino gibt es hier in einer seiner besten Rollen zu bestaunen. Hinzu kommt die unglaublich starke Performance von Charlize Theron als Mary Ann Lomax, die starken psychischen Schwankungen und Veränderungen unterworfen ist. Diese 3er Konstellation wertet den Film unglaublich auf. Der Film behandelt zentrale Themen wie Gier, Macht, Eitelkeit, Verantwortung, Gesetz, Moral und die mögliche Abwägung zwischen persönlichem Erfolgsstreben und ethischen Grenzen. Er lädt den Zuschauer ein über die Kosten von Erfolg und den Preis des kompromisslosen Ehrgeizes nachzudenken. Taylor Hackford schafft es eine düstere, hypnotische Stimmung zu erzeugen, die von sorgfältig eingesetzten visuellen Mitteln, Lichtführung und Musik unterstützt wird. Die Inszenierung trägt wesentlich dazu bei, dass der Film eine eindringliche, fast bedrückende Atmosphäre entwickelt. Der Aufbau führt schrittweise zu Wendepunkten, die sowohl den Protagonisten als auch den Zuschauer überraschen. Die Enthüllungsebenen sind gut getaktet, sodass sich die Spannung kontinuierlich steigert, ohne an Plausibilität zu verlieren. Der Film nutzt prägnante, oft provokante Dialogzeilen, die im Gedächtnis bleiben und zum Nachdenken anregen. Diese Elemente verleihen dem Werk eine bleibende metaphorische Tiefe. Die Kinematografie des gesamten Films ist großartig. Eine klare Bildsprache, solide Kameraarbeit, ein stimmiges Sounddesign und eine passende Filmmusik untermauern die Dramaturgie und unterstützen die intensive emotionale Wirkung. Innovation, Kreativität und Originalität zeichnen das Werk aus. "The Devil's Advocate" ist eine gelungene Genre Mischung, profitiert von seinem starken Drehbuch, seinen herausragenden Darstellerleistungen, seiner thematischen Tiefe, seiner vorzüglichen Regiearbeit, seiner packenden Erzählstruktur und von seiner prägnanten Symbolik. Ein zeitloser Klassiker, den man unbedingt mal im Leben gesehen haben muss. 10/10
Zuletzt geändert von alex_wintermute am Do., 26.02.2026 08:06, insgesamt 1-mal geändert.

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Warlock (1989)

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Eine kleine aber feine Horror Perle aus den 80er Jahren. David Twohy schrieb das starke Drehbuch und Steve Miner inszenierte den Film mit Julian Sands, Richard E. Grant und Lori Singer in den Hauptrollen. Er liefert nicht nur seinen besten Film ab, sondern erschuf mit "Warlock" eine kleine aber feine Perle zum Thema Hexen bzw. Hexenhorror. Der Film besitzt zwar keine subtile religiöse Tiefe, aber punktet als sehr unterhaltsamer übernatürlicher Road Movie Verfolgungsthriller, der mit starken Haupt und Nebenchrakteren, einer temporeichen Handlung, einigen humorvollen Momenten und soliden Actionszenen aufwartet. Die Geschichte ist kurz erzählt, im 17 Jahrhundert befreit sich ein Hexenmeister namens Warlock mit Hilfe von Satan aus seinem Turmgefängnis und reist in die Gegenwart, in die moderne Welt der 80er Jahre, um eine uralte Macht zu erlangen. Er versucht die Seiten des in drei Teile gespaltenen Buches Grand Grimoire zu finden, das oberste Buch der schwarzen Magie, die Bibel des Teufels, das die Pforte zur absoluten Macht öffnet. Der wahre Name Gottes soll in diesem Buch verborgen sein. Enthüllt man ihn, kann die gesamte Schöpfung in das Gegenteil verkehrt werden und die Welt versinkt in Chaos und Dunkelheit. Ein Hexenjäger namens Giles Redferne, ebenfalls aus der Vergangenheit des 17. Jahrhunderts, ist ihm dicht auf den Fersen und versucht mit aller Kraft das Vorhaben des Warlocks zu stoppen, um die Menschheit vor ihrem Untergang zu retten. Um sich in der modernen Welt besser zurechtzufinden nimmt er die Hilfe von der jungen Frau Kassandra in Anspruch, die von dem Hexenmeister verflucht wurde und mit jedem verstrichenen Tag um 20 Jahre altert. Sie tun sich zusammen, um den auf Kassandras lastenden Fluch rückgängig zu machen und den Hexenmeister bzw. Warlock mit aller Macht zu stoppen. Sie liefern sich ein Wettrennen gegen die Zeit. "Warlock" ist ein unglaublich unterhaltsames Filmerlebnis, was den Film wirklich auszeichnet sind die fesselnden wenn auch manchmal etwas übertriebenen Darbietungen seiner beiden Protagonisten und seinem starken Antagonisten. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ist hervorragend. Sie liefern sich oftmals einen intelligenten und witzigen Schlagabtausch. Julian Sands Darstellung eines mächtigen Hexenmeisters sticht ganz besonders hervor. Mit seiner elegant hinterlistig bösen Ausstrahlung verkörpert er die Rolle des Hexenmeisters in Perfektion. Richard E. Grant stellt den zu allen entschlossenen und charmanten Hexenjäger Giles Redferne dar. Die Konfrontationen der beiden sorgen stets für zusätzliche Spannung. Lori Singer glänzt als Kassandra auf der später ein Fluch lastet und trägt zum Humor und zur Lebendigkeit des Films bei. Untermalt wird der Film von Jerry Goldsmiths kraftvollem Soundtrack, der die Stimmung des Films unterstreicht. Aus nostalgischen Gründen habe ich mir den Film mal wieder in der sehr guten deutschen Synchronisation angeschaut und auch Open Matte, was mir besser gefällt als das etwas beschnittene 1,85:1 Bildformat. Der Film wurde nie gedreht um einen Oscar zu gewinnen, sondern um einige Horrorfans der 80er Jahre, mich eingeschlossen, prächtig zu unterhalten. Und das hat Steve Miners "Warlock" in der Tat nach wie vor geschafft. 8-9/10

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Mandy (2018)

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Ein exzellentes Sekten Horror Rache Drama vom Feinsten mit bildgewaltigen Aufnahmen und einem gut aufgelegten Nicolas Cage in der Hauptrolle unter der Regie von Panos Cosmatos. Das Drehbuch schrieb er zusammen mit Aaron Stewart Ahn und Casper Kelly. Sein originelles Werk besitzt einen ganz eigenartigen Rhythmus und entzieht sich stilistisch der klassischen Struktur eines Sekten, Rache oder Horrorfilms. Es erzählt die Geschichte von zwei Liebenden, Red und Mandy, deren idyllisches Leben in den Wäldern von Nordamerika durch das Auftauchen einer fanatischen Sekte brutal zerstört wird. Als Reds große Liebe Mandy von der Sekte entführt und vor seinen Augen brutal getötet wird, startet er einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen die Sekte und dessen Handlanger, einer psychopathischen Biker Gang. Dabei wird er von einer inneren Verzweiflung und Wut getrieben, die ihn immer mehr in einen Strudel aus Gewalt und Selbstzerstörung zieht. Am Ende bleibt ein bleiernes Gefühl aus Vergeltung, Verlust und der Unmöglichkeit tiefe Traumata zu überwinden. Der Film zeichnet sich durch seine einzigartige, eindringliche Atmosphäre aus, die sich aus einer eindrucksvollen Bildsprache, einem dichten Sounddesign und einer beinahe hypnotischen Erzählweise ergibt. Cosmatos benutzt eine überhöhte Farbpalette, stellenweise kommen besonders kräftige Rot, Gelb und Blautöne sowie übersättigte Farben zur Geltung, um eine traumartige, ja fast schon opernhafte Stimmung zu erzeugen, die zwischen Märchenwelt, Okkultismus und Horror angesiedelt ist. Dieses visuelle Erscheinungsbild schafft eine sinnliche Immersion, die den Zuschauer in eine eigenwillige fast schon mystische Welt hineinzieht. Er mischt oftmals seine farbintensiven Bilder mit bedrohlichen Momenten und übersteigerten Gewaltgraden, die sich wie ein explosionsartiges Ereignis tief im Bewusstsein des Zuschauers manifestieren. Die akribische Gestaltung von Bild, Ton und Musik in "Mandy" ist äußerst faszinierend, was auch schon in Cosmatos exzellenten Vorgängerwerk "Beyond the Black Rainbow" zu bestaunen gab. Der Score und die Sounddesign Elemente verschmelzen nahtlos mit den Bildern und verstärken die Intensität auf den Zuschauer. Gleichzeitig arbeitet die Tonspur auch oftmals gegen das Visuelle, indem sie oft abstrakt oder surreal wirkt, was die Sinneswahrnehmung auf gewisser Ebene gar erweitert und zu einer intensiveren, fast schon hypnotischen Erlebnisqualität führt. Darüber hinaus tragen die schauspielerischen Leistungen, allen voran Linus Roache als Jeremiah Sand, aber auch Cage als Red Miller, zu einer Art von mystischen Aura des Films bei. Cage Körpersprache, sein Blick und seine Stimme in bestimmten Sequenzen verankern die Figur als Träger einer tiefen, persönlichen Rache, die dennoch von einer existenziellen Leere durchdrungen ist. Diese Mischung aus emotionaler Intensität und stilistischer Radikalität macht seine Darstellung zu einem zentralen Anker des Films. Noch wesentlich komplexer und absolut herausragend ist die schauspielerische Leistung von Linus Roache, dem Anführer der bösartigen Sekte. Seine Performance ist schier unglaublich und wertet den Film allein durch seine Präsenz auf. Der Film verlässt sich nicht auf konventionelle Spannungsmechaniken, sondern bietet eine nahezu eigenständige und einzigartige Vision. Es kombiniert visuelle Extravaganz, eine avantgarde Sinfonie aus Klang und Bild, eine subtile und tiefgründige Thematik von Verlust, Rache und Transformation sowie eine dichte Atmosphäre, die sich jenseits gängiger Genre Klischees bewegt. Wer sich auf dieses ungewöhnliche Werk einlässt, das fast schon einem LSD oder ACID Trip ähnlich ist, erhält ein Kinoerlebnis der ganz besonderen Art, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. Cosmatos Werk wird definitiv die Filmwelt spalten bzw. das Publikum, Kritiker und Cineasten gleichermaßen polarisieren. Ich wurde jedenfalls prächtig unterhalten. Empfehle den O-Ton. 9-10/10

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Lord of Illusions (1995)

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Eine exzellente kleine Perle, die sich durch eine einzigartige Mischung aus Dark Fantasy, Mystery, Mystik und Thriller mit Film Noir Ästhetik auszeichnet. Der Film basiert lose auf Clive Barkers eigener Kurzgeschichte "The Last Illusion" und nutzt die literarische Ursprungsidee, um eine dichte und sinnbildliche Erzählung zu erschaffen, die sich von vielen anderen Horror Filmen stark unterscheidet. Barker führte selbst Regie, schrieb das Drehbuch und war an der Produktion des Films beteiligt. Er verbindet gekonnt Elemente von Detektivgeschichte und Horror zu einem Mystery Thriller im Film Noir Gewand. Die Geschichte ist recht komplex und handelt von einem ehrgeizigen Detektiv namens Harry D'Amour, der durch seine Ermittlungsarbeiten zu einem speziellen Fall immer tiefer in den Bann einer dunklen Macht hineingezogen wird. Je tiefer D'Amour in die Welt der Magie und Illusion eintaucht, desto mehr gerät er immer mehr in ein mysteriöses Geschehen, in dem nichts so ist, wie es zu sein scheint. Am Ende erwartet ihn das Böse. Barker entführt den Zuschauer tief in eine Welt voller Mystik, Magie und Horror. "Lord of Illusions" profitiert ungemein von seinen Darstellern, insbesondere von Scott Bakula als Detektiv Harry D'Amour, Famke Janssen als Dorothea und Daniel von Bargen als Nix. Kevin J. O'Connor als Illusionist Philip Swann ebenfalls sehr stark in seiner Nebenrolle, sein Bühnentod im Beisein seiner Frau Dorothea gehört mit zu den schönsten Filmsequenzen des Films. "Lord of Illusions" ist ein schöner, morbider und furchteinflößender Film, der von seiner dichten und düsteren Atmosphäre lebt, in dem Gewaltexzesse nicht unbedingt im Vordergrund steht. Es ist eine brillante Detektivgeschichte umgeben von Magie mit Film Noir Flair. Der Film fokussiert intensiv auf Themen wie Mystik, Sekten und Dämonen sowie auf Illusion, Glauben und Macht, ohne sich komplett in klassische Horrormuster zu verfangen. Clive Barkers Erzählweise integriert die Kunst der Illusion nahtlos mit übernatürlichen Elementen. Die Grenzen zwischen Bühnenkunst, Realität und Alptraum verschwimmen, was oftmals eine hypnotische, fast traumartige Atmosphäre erzeugt. Das schafft eine eigenwillige und verstörende Spannung, die den Zuschauer direkt in den Bann zieht. Man hat als Zuschauer stellenweise das Gefühl in einem Geschehen zu sein, in der sich Realität und Illusion ständig verschieben. Für die eindrucksvolle Musikuntermalung war Simon Boswell zuständig, seine komponierte Filmmusik unterstreicht maßgeblich die dichte und düstere Atmosphäre im Film, besitzt aber auch helle Momente. Clive Barker ist ein außergewöhnlicher Filmemacher mit einzigartigen Visionen, die man bereits in seinen beiden Meisterwerken "Hellraiser" und "Nightbreed" bestaunen konnte. Sein späteres Werk "Lord of Illusions" steht dem in nichts nach. Wahrlich ein begnadeter Regisseur, der leider viel zu wenig Filme in seinem Leben inszeniert hat. Übrigens gibt es zwei Fassungen des Films, man sollte sich unbedingt den ungeschnittenen Director's Cut ansehen, der einige zusätzliche Szenen enthält, die die Handlung und die surreale Atmosphäre deutlich bereichern. Die Kinofassung ist deutlich schlechter, diese lehne ich strikt ab. Mir hat Clive Barkers Film äußerst gut gefallen. Empfehle den O-Ton. Vergebe mal 9-10/10

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Dark Messiah of Might and Magic (2006)

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Absolut fantastisches Cinematic Intro zum Spieleklassiker "Dark Messiah of Might and Magic". Das Game wurde von Arkane Studios und Floodgate Entertainment entwickelt und von Ubisoft im Oktober 2006 in Europa veröffentlicht. Das Computerspiel war seiner Zeit weit voraus, das gesamte Game wird in der Egoperspektive gespielt, diese war jedoch deutlich weiter entwickelt als bei anderen Spielen damaliger Zeit. Es war eine neue Art von Action RPG mit einem Setting in einer dunklen und bedrohlichen Fantasiewelt. Schwerter, Stahl und Zauberei standen einem in Kampf gegen die Mächte des Bösen zur Verfügung. Ein wahrlich originelles Action RPG Spiel mit Schwertern und Magie. Nostalgie pur. Innovation, Kreativität und Originalität zeichnen das Game aus. Hier gibt es nun das ausgezeichnete Intro von "Dark Messiah of Might and Magic" zu beswundern, untermalt von einem klassischen und dramatischen Soundtrack, welcher die Erwartung und die Emotionen des Moments, insbesondere gegen Ende, nochmals verstärkt. Ich bin wahrlich begeistert, das Cinematic Intro gibt es auf Youtube in voller Länge zu bestaunen. Hier der Link: www.youtube.com/watch?v=w88OzPeQxFo&t . Ein echtes Highlight aus dem Jahre 2006. Auch hier könnte mir ein 90-120 minütiger Animationsfilm genau in der Art gefallen. 10/10

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Ben X (2007)

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Ein sehr bewegendes psychologisches Drama vom Feinsten! Regisseur Nic Balthazar hat ein kleines Juwel an Film erschaffen, das noch lange leuchten wird. Kaum zu glauben, dass "Ben X" auch noch sein Debütfilm gewesen ist, selten hat mich ein Werk mehr berührt als das. Der Film erzählt die Geschichte von Ben, einem jungen Mann mit Autismus Störungen und folgt seinem Alltag, der geprägt aus Mobbing und Gewalt in der Schule ist. Ben versucht der Realität zu entfliehen und zieht sich immer mehr in die Welt der Online RPG Games zurück. Für ihn ist das "reale Leben" die wahre Hölle, er flüchtet sich in sein Lieblingsgame Archlord zurück, worüber er die Userin Scarlite kennen lernte. Scarlite tritt in sein Leben ein und seine Welt ändert sich radikal. Er verliebt sich in sie und die Geschichte nimmt einen äußerst interessanten Lauf mit einem fulminanten Ende. Dem Regisseur Nic Balthazar gelingt es, neben seinen fokussierten Blick auf das Thema Autismus, ein intensives Bild eines Lebens zwischen Realität und Fantasie zu zeichnen. Greg Timmermans schauspielerische Leistung ist absolut hervorragend. Seine Performace kommt vollkommen authentisch rüber, was den Film allein aufgrund dieser Tatsache schon aufwertet. Er verleiht seiner Rolle eine Subtilität, die man nur selten bei Schauspielern in solch komplexen und schwierigen Darbietungen sieht. Selten hat mich ein Hauptdarsteller mehr berührt als Greg Timmermans in der Rolle des Ben. Auch Laura Verlinden, die die junge Scarlite und Bens große Liebe verkörpert erbringt eine erstaunliche Leistung an den Tag. Was den Film besonders stark macht, ist die Art und Weise wie er mit Mitgefühl und Respekt an schwere Themen herangeht. Er vermeidet pathetische oder sensationalistische Bilder, sondern lässt Ben’s Perspektive soweit wie möglich ungestört wirken, sodass der Zuschauer viel Vertrauen in seine innere Logik gewinnen kann. Die Kameraführung, häufig konzentriert auf Details, verursacht ein Gefühl von Intimität mit Ben und ermöglicht es dem Publikum seine Sinneseindrücke nachzuempfinden. So entsteht eine glaubwürdige, behutsame Darstellung seiner innerern Welten statt allgemeiner Klischees. Außerdem arbeitet der Film zudem mit einer starken Fantasie Komponente: Bens innere Welt vermischt Realitäten mit online Welten bzw. Elementen. Diese Mischung aus Realismus und Fantasie übt eine äußerst starke Faszination auf den Zuschauer aus. Der Film lässt einen von Anfang bis Ende nicht kalt und trifft einen geradewegs ins Herz. "Ben X" ist aus einer künstlerischen Perspektive ein Meisterwerk, weil er ohne Pathos eine zutiefst menschliche Geschichte erzählt und dabei Verantwortung gegenüber einer oft missverstandenen Lebensrealität übernimmt. Die Verbindung aus feinfühliger Regie, überzeugender schauspielerischer Leistung, einem durchdachten Erzählfluss und einer subtilen Herangehensweise an komplexe menschliche Themen schafft ein eigenständiges und einzigartiges Werk in der Filmwelt, was seinesgleichen sucht. Für mich ist "Ben X" ganz klar eines der besten psychologischen Dramen, die ich seit längerer Zeit gesehen habe, das auch im Bezug zum Thema Autismus bzw. Asperger Syndrom und Onlinewelt. Einige Leute finden den Film seltsamerweise furchtbar, mir hat "Ben X" außerordentlich gut gefallen, das einzige Manko sind meiner Meinung nach die ständigen ergänzenden und erklärenden "Off-Kommentare" bzw. Monologe der anderen Personen im Film über Ben. Ansonsten wäre es ein wahres Meisterwerk geworden. Empfehle den flämischen O-Ton mit deutschen Untertiteln. Die deutsche Synchronisation wertet den Film unglaublich ab. Vergebe trotz des kleinen Mankos wie oben im Text beschrieben doch noch 9-10/10

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alex_wintermute
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Beitrag von alex_wintermute »

I Saw the Devil (2010)

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Ein packender südkoreanischer Rachethriller mit Drama Elementen unter der Regie von Kim Jee-woon und nach einem Drehbuch von Park Hoon-jung und Kim Jee-woon. Die Hauptrollen sind mit Lee Byung-hun als NIS Agent, der einen Racheengel verkörpert und Choi Min-sik als eiskalter psychopathischer Serienkiller der grausamsten und verstörendsten Art, besetzt. Beide Schauspieler gehören zu meinen Lieblingen aus Südkorea und besitzen einen sehr hohen Stellenwert bei mir. Lee Byung-hun glänzt in zahlreichen Meisterwerken wie als Beispiel in "Bittersweet Life", "The Good, the Bad, the Weird" und "JSA" und Choi Min-sik dürften zahlreichen Filmfans bekannt aus dem originellen Meisterwerk "Oldboy" sein, sowie aus "Lady Vengeance", "New World" und "Exhuma". Es ist jedesmal ein faszinierendes Erlebnis sie auf großer Kinoleinwand zu sehen. In "I Saw the Devil" liefern nun beide herausragende und unübertroffene Leistungen in einem unbeschreiblich spannenden Katz und Maus Spiel ab. Beide harmonieren hier perfekt miteinander, zeichnen sich durch eine unvergessliche Performance aus, aber auch alle Nebendarsteller haben hervorragende Arbeit geleistet. Ein wahrlich fantastischer Film, der für mich zu den zehn besten Filmen aller Zeiten aus Südkorea gehört. Die Handlung ist kurz erzählt, in "I Saw the Devil" startet ein NIS Agent, dessen Verlobte brutal ermordet wird, eine gnadenlose Jagd auf einen Serienkiller in Eigenregie, um Gerechtigkeit und Genugtuung zu finden. Während die Verfolgung zunehmend persönlicher wird und dabei psychologische Spiele eine zentrale Rolle einnehmen, geraten beide Männer in einen zerstörerischen Tanz aus Gewalt, moralischer Grenzüberschreitung und Verrohung, der die Grenzen von Gut und Böse verwischt. Was den Film auszeichnet ist seine unglaubliche Intensität und sein sehr intensiver, nervenaufreibender Spannungsbogen, der sich über weite Strecken des Films aufbaut bzw. von Anfang bis zum Abspann des Films anhält. Die ständige Präsenz einer drohenden Gefahr hält den Zuschauer nah an den Figuren und erzeugt ein durchgehendes Gefühl von Dringlichkeit. So etwas erlebt man nur selten in psychologischen Thrillern, "I Saw the Devil" ist ein filmisches Erlebnis der ganz besonderen Art. Großen Anteil am Erfolg des Films haben nochmals die beiden Schauspieler Lee Byung-hun und Choi Min-sik, die in ihren Hauptrollen brillieren. Der Gute ist dem Bösen auf den Fersen, aber die Moralvorstellungen verschwimmen, je mehr beide in ein tödliches Spiel hineingezogen werden. Das Werk fokussiert auf Themen wie Trauer, Verlust, Traumata, Rache und Gerechtigkeit, aber auch auf moralische Ambiguität. Wie weit darf man selbst gehen, wenn man das Unrecht eines Täters bestrafen will? Hinzu kommt die perfekte Umsetzung eines höchst interessanten und kreativen Drehbuchs. Die Kameraführung ist atemberaubend, sie arbeitet eher mit kühler Ästhetik, präzisen Schnittfolgen und faszinierenden Bildkompositionen. Die Kinematografie des gesamten Films einfach nur großartig. Die audiovisuelle Umsetzung ist schier eine Wucht. Bild und Tonwelt tragen maßgeblich zur Unbehaglichkeit bei und verstärken das bedrückende Erlebnis. Die Handlung ist extrem düster und verstörend, die audiovisuelle Umsetzung nahezu hypnotisch, sodass man als Zuschauer über 2 Stunden lang gefesselt ist. Einige Zuschauer und Kritiker bemängeln die explizite Gewaltdarstellung, diese wird jedoch nicht sensationalistisch, sondern zwingend und bedrohlich dargestellt. Gewalt gilt hier als Thema, nicht als Show. Statt reiner Effekthascherei dient die Brutalität der Thematik der zerstörerischen Kräfte des Killers und der Rache des Verfolgers. Der Film gewährt uns auch einen Einblick in den Wahnsinn zu dem einige Menschen fähig sind und tut dies realistisch und schonungslos. Dieser brutale Realismus ist nicht Fiktion, sondern nackte Realität in unserer modernen Welt. Im aktuellen Weltgeschehen sind Folter und Blut an der Tagesordnung. Berichte von nichtstaatlicher Organisationen, die für die Wahrung der Menschenrechte eintreten, belegen dies schonungslos. Und die kann man nicht einfach mal unter den Teppich kehren. Alles in allem: Das Werk ist ganz großes südkoreanisches Kino vom Feinsten. Bitte mehr davon. Empfehle die Internationale Version im O-Ton mit deutschen Untertiteln. 10/10

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Re: Welchen Film habt ihr zuletzt geschaut

Beitrag von alex_wintermute »

American Psycho (2000)

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Eine faszinierende Literaturverfilmung der Regisseurin Mary Harron, die den komplexen und kontroversen Stoff des gleichnamigen Romans von Bret Easton Ellis perfekt visuell umsetzte. Sie schrieb zusammen mit Guinevere Turner das Drehbuch und inszenierte den Film mit Christian Bale als Patrick Bateman in der Hauptrolle. Trotz des Verzichts einiger Aspekte, die in Ellis Roman wesentlich ausführlicher beschrieben sind, gelingt Harron ein visuell durchaus beindruckendes Werk. Sie konzentriert sich dabei auf das Wesentliche. Ihre Verfilmung liegt nahe am Buch, sie ist ebenfalls eine scharfe Satire und zeichnet sich durch eine stilvolle Ästhetik und einer vielschichtigen Darstellung von Wahnsinn und Identität aus. Der Regisseurin gelingt es die Thematik bzw. den Kern des Buches mit Klarheit und Ironie zu erfassen und zu inszenieren. Der Film bleibt für mich damit sowohl spannend als auch nachdenklich. Die Handlung ist kurz erzählt: Patrick Bateman, ein junger Investmentbanker in den 80er Jahren, navigiert durch das oberflächliche Glamourleben der Wall Street, geprägt von Status, Markennamen und leeren Gesprächen. Unter dieser Fassade beginnt Bateman innerlich zu brennen, während er zunehmend paranoide Fantasien entwickelt und brutale Gewalttaten in der Öffentlichkeit auslebt, die ihm aber nicht zuzutrauen und zuzuordnen sind. Seine Umgebung ist geprägt von egomanischer Konkurrenz und kühler Karrierekalkulation und lässt ihn immer unwichtiger erscheinen. Seine starke Sehnsucht nach Anerkennung wird gestört, wodurch seine Identität mit der Realität zunehmend in Konflikt gerät. Bateman gerät immer tiefer in existenzielle Verzweiflung und Wahnsinn. Und die Geschichte nimmt einen äußerst interessanten und bizarren Lauf, dessen Ende mehrdeutig interpretiert werden kann. Die Erzählung jongliert zwischen realen Ereignissen, Batemans inneren Monologen und subjektiven Wahrnehmungen. Der Film ist eine provokante Studie über Identität und Schuld. Es ist eine komplexe Charakterstudie im Gewand einer Satire. Wie im Roman zieht sich schwarzer Humor wie ein roter Faden durch den gesamten Film. Der Film schafft die Oberflächlichkeit einer Konsumkultur bzw. die 80er Jahre Yuppieszene der Wall Street im Kern perfekt darzustellen. Großen Anteil am Erfolg des Films hat Christian Bale in seiner Paraderolle als Patrick Bateman. Seine Performance ist schier unglaublich und wertet den Film ungemein auf. Die exzellente Kameraarbeit, der tolle Soundtrack, die faszinierende Musikuntermalung und die knappe, fokussierte Erzählweise schaffen eine hypnotische Atmosphäre, die den Zuschauer in Batemans verzerrte Wahrnehmung hineinzieht. Die Kinematografie ist absolut großartig. Mir gefällt der Film in der sehr guten deutschen Synchronisation mittlerweile besser als im O-Ton, was eigentlich recht selten vorkommt. Die Stimme von David Nathan als Patrick Bateman ist absolut fantastisch und wertet den Film unglaublich auf. Phonetik und Atmosphäre seiner Stimme passen wie die Faust aufs Auge zum Haupcharakter des Films. Alles in allem: "American Psycho" von Mary Harron bietet eine komplexe Charakterstudie, schwarzen Humor, ist scharfe und bissige Gesellschaftssatire und lebt von seiner eindrucksvollen und einzigartigen visuellen Umsetzung. Eine wahrlich gelungene Literaturverfilmung. 9-10/10

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Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)

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Ein Low Budget Independent Serienkiller Drama von John McNaughton mit dem jungen Michael Rooker in der Hauptrolle als Henry. McNaughton schrieb zusammen mit Richard Fire das Drehbuch und inszenierte den Film mit sehr geringen finanziellen Mitteln. Das Budget soll gerade mal ca. 110.000 US-Dollar betragen haben. Es ist Rookers Debütfilm und gehört zu seinen besten Werken in seinem Oeuvre. Der Film erhielt damals von der MPAA die berüchtigte Altersfreigabe "X", das ab 1990 einer NC-17 Einstufung gleichkommt, was seinen Ruf als umstrittener Film weiter verstärkte. McNaughton fand zunächst keinen Verleih, der auf 16mm gedrehte Film wurde später aber erfolgreich auf einigen Filmfestivals gezeigt. Aufgrund eines sehr geringen Budgets wurden vom Regisseur auch Crewmitglieder und Freunde als Darsteller im Film eingesetzt um Kosten zu sparen, was man dem Film aber nicht ansieht. McNaughtons "Henry: Portrait of a Serial Killer" ist ziemlich harte und schonungslose Kost mit einigen verstörenden und blutigen Szenen. McNaughtons Werk zeichnet sich durch eine nüchterne und authentische Darstellung eines aus Kindheitstagen zutiefst traumatisierten Serienkillers aus. Rooker spielt die Rolle seines Lebens. Es ist eine verstörende Charakterstudie eines mordenden Psychopathen und dessen Manipulation anderer Menschen in seinem Umfeld. Das Werk punktet durch seinen kühlen Minimalismus und durch eine starke schauspielerische Leistung von Rooker als Henry. Aber auch Tom Towles als Otis und Tracy Arnold als Becky wissen zu überzeugen. Ihre Performance, auch im 3er Wechselspiel untereinander, ist sehr gut und wertet den Film auf. McNaughton setzt oftmals auf lange ungeschnittene Einstellungen, natürliche Lichtführung und auf eine ruhige und beobachtende Kamera, die fast schon einen dokumentarischen Stil aufweist. Die Brennweite des verwendeten Objektivs seiner 16mm Filmkamera dürfte wahrscheinlich dem eines 50mm Objektivs bei 35mm Kleinbild entsprechen, also ein Normalobjektiv sein, würde ich mal schätzen, dessen Bildwinkel dem natürlichen menschlichen Sehen ähnelt. Es existieren keine wirklich großen Weitwinkel- oder Teleaufnahmen im Film, die enge Kameraführung zeigt oftmals die Geschehnisse wie aus dem Blickwinkel eines stillen Beobachters. Die Musik und das Sounddesign, an dessen Komposition McNaughton ebenfalls beteiligt war, tragen oftmals zu einer sehr beklemmenden und verstörenden Atmosphäre bei. Als Beispiel werden in einigen Aufnahmen zu Anfang des Films die ersten Opfer von Henry tot und blutüberströmt gezeigt, dazu erlebt der Zuschauer eine Art akkustische Rückblende, keine visuelle, wo man Stimmen und Geräusche des Überlebenskampfes der ermordeten Opfer kurz vor ihrem Tod hört. Dazu die visuelle Aufnahme des bereits Geschehenen. Die Kinematografie des gesamten Films ist in meinen Augen sehenswert, aber für viele Zuschauer wahrscheinlich stark gewöhnungsbedürftig. Wer Hollywood Hochglanzproduktionen verwöhnt ist oder schnelle Schnitte im MTV oder VIVA Style mag, sollte diesen Film besser meiden bzw. aus dem Weg gehen. "Henry: Portrait of a Serial Killer" ist ein düsteres, verstörendes, atmosphärisch dichtes Porträt eines psychopathischen Killers, der durch seine schauspielerische Intensität sich von zahlreichen anderen Filmen in dem Genre abhebt und durch seine nüchterne, fast schon dokumentarische Kameraführung, seiner minimalistischer Inszenierung und thematischer Tiefe einige Zuschauer bis zum Abspann zu fesseln vermag. Empfehle den O-Ton. 8-9/10

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alex_wintermute
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Das Millionenspiel (1970)

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Der Film ist eine brillante gesellschaftliche Satire und zeigt eine schonungslos realistische Darstellung der Medien und Unterhaltungswelt und ihren Machtstrukturen nebst Einfluss auf die Massen und nimmt scharfe Kritik am Voyeurismus der Gesellschaft. Kaum zu glauben, das dies eine deutsche Fernsehproduktion ist. "Das Millionenspiel" ist ein Film der seiner Zeit weit voraus war, ja fast schon prophetische Züge annimmt. Er wurde erstmalig 1970 vom WDR ausgestrahlt. Der Film basiert auf der Kurzgeschichte "The Prize of Peril" von Robert Sheckley. Das starke Drehbuch schrieb Wolfgang Menge und Regisseur Tom Toelle inszenierte den Film mit Jörg Pleva, Dieter Thomas Heck und Dieter Hallervorden in den Hauptrollen. Die Handlung ist kurz erzählt, das Millionenspiel ist eine perfide TV Show, garniert mit hedonistischen fast schon bizarren Werbespots und einem fröhlichen Moderator, die von 24 Kamerateams begleitet ist und live ausgestrahlt wird, in der ein freiwilliger Kandidat von 3 skrupellosen Killern quer durch Deutschland gejagt wird und ums nackte Überleben kämpfen muss. Überlebt der Kandidat die Woche, gewinnt er eine Million DM als Preisgeld. Kandidaten scheitern oder geben im langen Wettlauf um ihr Leben freiwillig auf. Bernhard Lotz ist der neue Kandidat, er gibt alles, trotz Schlafentzug und physischen wie psychischen Belastungen versucht er mit letzter Kraft das Ziel zu erreichen, doch die eiskalte Killerbande ist ihm immer dichter auf den Versen. Wird Lotz es trotzdem schaffen? Die Show wird von Dieter Thomas Heck als Showmaster Thilo Uhlenhorst moderiert. Dieter Hallervorden spielt eine höchst ungewöhnliche Rolle, er ist der ernste Bösewicht bzw. Anführer der Killerbande und verkörpert Köhler ziemlich gut. Jörg Pleva stellt Bernhard Lotz dar, den Kandidaten der TV-Show bzw. er spielt den Gejagten. Eigentlich befinden sich alle schauspielerischen Leistungen bis zur kleinsten Nebenrolle auf einem sehr hohen Niveau, was nochmals die Glaubhaftigkeit unterstreicht, wovon der Film ungemein profitiert. Der Look des gesamten Films ist unverkennbar 70er Jahre. "Das Millionenspiel" ist zweifellos eines der besten deutschen Fernsehproduktionen aller Zeiten. Die Genialität des Films liegt in seinem beklemmenden Realismus. Die Authentizität der TV-Show im Film "Das Millionenspiel" ist schier unglaublich, alles wirkt echt, das Setting der TV Show, die Atmosphäre in der TV Show, das unaufhörliche Gerede des Moderators, die Show Einlagen, die Einbindung des Publikums in die Show, Zuschaueranrufe und vielem mehr. Im Film wirkte die fiktive TV Show sogar so realistisch, dass damals zahlreiche Zuschauer aus unserer echten Welt dachten, sie sähen eine reale Menschenjagd im TV und riefen beim WDR in Köln an, um sich als Kandidat des Gejagten zu bewerben. Einige wollten sogar freiwillig Jäger sein! Andere waren vollkommen entsetzt über das Gezeigte und ließen ihren Frust am Telefon des WDR aus und in unzähligen Briefen, die kurze Zeit später folgten. Jedenfalls löste "Das Millionenspiel" von Toelle damals in Deutschland eine totale Kontroverse aus. Kritiker und Zuschauer empfanden die Darstellung des tödlichen Spiels und die scharfe Kritik an der Mediengesellschaft nebst Gewalt als vollkommen verstörend und unangemessen. Dabei ist der Film eine brillante gesellschaftliche Satire und zeigt eine schonungslos realistische Darstellung der Medien- und Unterhaltungswelt und nimmt scharfe Kritik am Voyeurismus der Gesellschaft, dessen zunehmender Sensationslust auf Kosten anderer und an dem erheblichen Einfluss der Medien auf unsere Gesellschaft. "Das Millionenspiel" ist rasant, beunruhigend, scharfsinnig, intellektuell und prophetisch. Es setzt unserer modernen Gesellschaft schonungslos einen Spiegel vor. Was den Film zu einem Meisterwerk macht, ist eben seine zeitlose Thematik: die Kritik an Voyeurismus der Gesellschaft, Fame Trash und Instrumentalisierung von Menschen durch Medienstrukturen. Der Film entfaltet eine beunruhigende, fast schon prophetische Wahrnehmung darüber, wie Zuschauerrollen in der Realität zu Machtverhältnissen werden können und wie schnell sich Ethik und Menschlichkeit in der Öffentlichkeit verschieben kann, wenn Unterhaltung zur Norm wird. Und noch schlimmer: wenn sie starken Einzug in die Politik erhält. Der Film fordert den Zuschauer heraus über die Mechanismen von Medien, Publikum und Macht nachzudenken und tut dies in einer sehr scharfen Form, die sowohl intellektuell als auch emotional wirkt. Alles in allem besticht der Film "Das Millionenspiel" durch sein starkes Drehbuch, seiner präzisen Inszenierung, seinem Realismus bzw. der Authentizität der TV Show und seiner messerscharfen Kritik an Gesellschaft und Medienlandschaft. Mich jedenfalls hat Tom Toelles Werk prächtig unterhalten. Von mir gibt es locker 9-10/10

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Willkommen in Siegheilkirchen (2021)

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Ein Animationsfilm vom Feinsten, der auf der Kunst von Manfred Deix basiert bzw. von dessen Kunstform inspiriert ist. Es handelt sich um eine österreichisch deutsche Koproduktion, das starke Drehbuch schrieb Martin Ambrosch, Regie führten Marcus H. Rosenmüller und Santiago López Jover. Der Animationsfilm verkörpert Deix zwar nicht in Reinform, aber fängt die Ästhetik und den Spirit des Karikaturisten sehr gut ein. Deix war vor seinem Tod selbst noch in der Entwicklung des Films involviert. Die ersten Arbeiten dazu sollen bereits 2013 stattgefunden haben, erschienen ist das Werk erst ca. 8 Jahre später. Das Warten hat sich aber gelohnt. "Willkommen in Siegheilkirchen" ist ein exzellenter Animationsfilm, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Ein absolut fantastischer Animationsfilm den Österreich und Deutschland auf die Beine gestellt haben. Er richtet sich in erster Linie an Erwachsene. Der Film handelt von einem hochtalentierten Jungen, einem angehenden Künstler, der versucht seine inneren Eindrücke mit Stift und Papier festzuhalten, seine erste Liebe zu einem Roma Mädchen entdeckt und sich gegen die erzkonservativen Einwohner auflehnt, da sie mit ihren bizarren religiösen Ansichten, fremdenfeindlichen Einstellungen und rassistischen Tendenzen sowie ihrem bieder schrägen Weltbild ihm im Wege stehen. Und die Geschichte nimmt einen äußerst interessanten Lauf. Das alles und vieles mehr wird auf witzige, charmante und ironische Art erzählt und visuell umgesetzt. Jede Menge Charme versprüht das Werk. Der Film fokussiert auf starke Themen wie die Macht der Kunst, das Erwachen der Liebe, Abnabelung von Autoritäten, Individualität, Identität, Integrität, Aufmüpfigkeit, das Lernen von Eigenregie und Eigenständigkeit und konzentriert sich auch auf Themen wie Konservatismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Hass, Kritik am Klerus und den Ewiggestrigen mit ihrer schlichten Unwissenheit und ihrem kleinen Weltbild. Alle Charaktere wirken trotz ihres Deix Stils sehr natürlich und menschlich, weit entfernt von den modernen Stereotypen aus dem Hause Disney - Pixar mal ausgeklammert - mit denen unsere Filmwelt ständig bombardiert wird. Des Weiteren lebt der Animationsfilm von seinem Detailreichtum, selbst kleinste Details sind sorgfältig ausgearbeitet. Innovation, Kreativität und Originalität zeichnen das Werk aus. Das Animationsteam unter der Leitung von Santiago López Jover hat wahrlich Großartiges geleistet. Viel Liebe und Herzblut steckt in diesem wunderbaren Film, der für mich mit zu den besten Animationsfilmen aller Zeiten gehört. Weltweit. Wahrlich eine kleine Perle, die ich jedem nur ans Herz legen kann. 9-10/10
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Troja (2004)

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Unter der Regie von Wolfgang Petersen ist ein äußerst faszinierender und bildgewaltiger Heldenepos vom Feinsten entstanden! Der Film basiert nur sehr lose auf Homers Meisterwerk "Ilias". Es ist lediglich nur eine Anlehung an Homers Erzählung, David Benioff schrieb das Drehbuch, Wolfgang Petersen inszenierte den Film. Der Film ist bei Zuschauern als auch bei Kritikern sehr umstritten und polarisiert beide Seiten gleichermaßen. "Troja" ist eine Big Budget Produktion, dessen finanzielle Mittel im 3-stelligen Millionenbereich liegen. Man sieht es diesem Werk auch an, diese Investition hat sich nicht nur vom rein finanziellen Aspekt gelohnt, sondern für beide Seiten. Die künstlerische Qualität des Films kann ich jedenfalls nicht leugnen. Die Handlung des Films ist kurz erzählt, "Troja" erzählt von dem Konflikt zwischen Griechenland und Troja, der durch den Raub der Helena, Königin von Sparta, ausgelöst wird und schließlich in einem groß angelegten Krieg mündet. Im Zentrum stehen Achilles, der größte griechische Kämpfer und sein Konflikt mit Agamemnon sowie seine innere Zerrissenheit zwischen Ruhm, Ehre und persönlichen Bindungen, er bildet die zentrale emotionale Achse des Films. Die Trojaner verteidigen ihre Stadt gegen die belagernden Griechen, während sich dramatische Beziehungen entwickeln, darunter die Tragweite von Achilles Wutausbrüchen, der Liebesgeschichte zwischen ihm und Briseis, der Tod von Patroklos, sowie dem Schicksal, das über viele Menschenleben entscheidet. Am Ende führt es zur Zerstörung Trojas und zum Tod von Achilles. Petersens filmische Umsetzung besticht durch seine epische Bild- und Musiksprache: imposante, groß angelegte Schlachtszenen, beeindruckende Kulissen, exzellente Darsteller und eine sorgfältig inszenierten Atmosphäre, die das antike Griechenland Feeling perfekt transportiert. Die Kameraarbeit, die Kostüme, die Waffen, das Setdesign und die aufwendigen Kulissen vermitteln eine glaubwürdige Welt, in die man als Zuschauer sofort hineingezogen wird. Sein Werk zeichnet sich durch eine klare, erzählerische Struktur aus, die zwar von Homers ursprüngliches Werk stark abweicht, aber ihren Zweck vollkommen erfüllt. Die Handlung konzentriert sich auf die zentralen Figuren und ihre Motivationen, wodurch die Geschichte menschlich und greifbar bleibt. Der Fokus liegt sehr stark auf den Charakter Achilles, grandios dargestellt von Brad Pitt, vor den Toren Trojas. Sein Charakter ist sehr komplex und ist im Film von allen am deutlichsten herausgearbeitet. Dabei steht die Beziehung zwischen Achilles und dem Kriegsgeschehen im Vordergrund, ebenso seine inneren wie äußeren Konflikte, Freundschaften und Loyalitäten in seinem Umfeld, sowie seine persönlichen Entscheidungen, die den Verlauf der Geschichte beeinflussen. Ihm Gegenüber stellt sich der edle Hector, grandios verkörpert von Eric Bana, der im Wesen einfacher gestrickt ist, als Achilles. Beide stechen besonders hervor und gehören mit zu den tragenden Charakteren des Films. Petersen macht menschliche Größen, Heldentum und Tragödien gerade an diesen beiden Figuren fest bzw. sichtbar. Es gibt kein eindeutiges Gut oder Böse Schema, die Motivation beider Helden ist als Zuschauer durchaus nachvollziehbar. Dem Film gelingt es den Mythos und Heldenkult zu einem filmischen Ganzen zu verweben, indem er die Archetypen der Antike mit modernen dramaturgischen Mitteln verbindet. Die Figurenführung, ganz besonders die des Achilles, aber auch die des Hectors, ermöglicht eine starke Identifikation beim Zuschauer. Einige ursprüngliche Elemente in Homers "Ilias" sind im Film abstrahiert und verändert worden. Trotz einiger starken und weniger starken Abweichungen zu Homers Werk ist eine eindrucksvolle visuelle Umsetzung entstanden. Die Darstellung im Film von Mut, Ehre, Tapferkeit und Ruhm sowie Liebe, Verrat und Schicksal ist sehr gut gelungen. Neben den exzellenten schauspielerischen Leistungen von Brad Pitt als Achilles und Eric Bana als Hector, muss man auch noch Brian Cox als Agamemnon und Rose Byrne als Briseis erwähnen, sie gehören mit zu den wichtigsten Figuren im Film und sind in meinen Augen die tragenden Säulen des Films. Hinzu kommen Diane Kruger als Helena, Orlando Bloom als Paris, Sean Bean als Odysseus, Brendan Gleeson als Menelaus und Peter O'Toole als Priamos, auch sie liefern eine exzellente Performance ab. Ihre Darbietung hebt sich ebenfalls ganz besonders hervor. Alle wirken sehr authentisch in ihren Rollen und werten den Film unglaublich auf. Als Regisseur hat sich Petersen viele künstlerische Freiheiten herausgenommen, es wurden zwar zahlreiche Details im direkten Vergleich zu Homers sehr komplexen "Ilias" bewusst ausgelassen und andere Elemente hinzugefügt, umgestaltet oder angepasst, trotzdem schafft Petersen einen intensiven Heldenepos mit einer gewissen Eigenständigkeit zu kreieren, der gleichermaßen unterhält als auch zum Nachdenken anregt. Das Originalwerk von Homer kann man immer noch nachholen und sollte man zumindest ein Mal gelesen haben. Es löst ein wahres Feuerwerk im Kopf aus, insbesondere dann, wenn bereits eine starke Vernetzung im Kopf über die grieschiche Mythologie mit all ihren Göttern, Helden und ihren Abenteuern vorhanden ist. Aber auch ohnedem ist Homers "Ilias" ein äußerst interessantes Werk, was nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Zurück zum Film, auch sind die Schlacht- und Kampfszenen in Petersens Werk sehr gut choreografiert und gehören mit zu den Besten, die man jemals im Film gesehen hat. Sie sind äußerst realistisch und beeindruckend inszeniert, dazu spektakuläre Panoramen zu Land und zu Wasser, nahtlose digitale Effekte, die aber kaum von der Realität zu unterscheiden sind. Alles wirkt vollkommen episch. Petersen hat ein sehr harmonisches und ästhetisch ansprechendes Gesamtergebnis hervorgebracht. "Troja" ist Mainstream Blockbuster Kino vom Feinsten. Petersen wollte den Trojanischen Krieg als bildgewaltiges Epos mit Fokus auf Achilles als zentraler Punkt der Handlung und seinen konplexen Bezügen zum Kriegsgeschehen darstellen und das ist ihm wahrlich gelungen. Und das ganz ohne die übernatürliche Präsenz der griechischen Götter, die in Homers "Ilias" ab und an auf dem Schlachtfeld auftauchen und es je nach Lust und Laune zugunsten der ein oder anderen Seite beeinflussen. Zum Glück hat Petersen das nicht getan! Das macht seinen Film im Kern noch um einige Ebenen menschlicher und realistischer. An einer reinen 1:1 Kopie der Homer Erzählung war Petersen erst gar nicht interessiert. Das alles würde auch vollkommen den Rahmen sprengen, Homers "Ilias" Erzählung würde nichtmals in ein 10 stündiges Mamutwerk passen, falls so ein Film überhaupt realisierbar wäre. Von daher hat Petersen und sein Team alles richtig gemacht. "Troja" ist ein extrem unterhaltsames Werk mit tiefgründigen Charakteren und einer packenden Darstellung dieser Epoche. "Troja" gehört für mich definitiv zu den beeindruckendsten Big Budget Blockbuster Filmen aller Zeiten. Der Film ist so bildgewaltig, dass selbst griechische Mythologie Fans, mich eingeschlossen, voll auf ihre Kosten kommen. In meinen kühnsten Täumen und Fantasien hätte ich mir niemals den Trojanischen Krieg so eindrucksvoll und episch in meinem Kopf ausmalen können, wie Petersen es realisiert hat. Mich hat sein Werk prächtig unterhalten, ganz gleich, dass er als Regisseur und sein Drehbuchautor sich soviel künstlerische Freiheiten herausgenommen haben. Und den Bücherwürmern, die eine nahe Handlung an Homers "Ilias" erwarten, denen droht eine herbe Enttäuschung und sollten besser direkt im Vorfeld den Film meiden. Audiovisuell ist "Troja" ein Meisterwerk. Die deutsche Synchronisation ist übrigens sehr gut gelungen. Es existieren 2 Fassungen des Films, eine Kinofassung und ein Directors Cut. Der Directors Cut ist mit ca. 188 Minuten deutlich länger als die Kinofassung mit ca. 156 Minuten Lauflänge. Petersen fügte dem Directors Cut neues Filmmaterial hinzu, entfernte anderes und veränderte den Rhythmus des Films. Außerdem wurden einige Musikstücke abgeändert und ersetzt. Vom rein musikalischen Aspekt gehöre ich zu den wenigen Leuten, die beide Versionen mögen. Von mir gibt es locker mal 9-10/10

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Robin Hood (1973)

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Ein exzellenter Animationsfilm aus dem Hause Disney mit zeitloser Vorbildfunktion. Der Film hebt sich visuell durch seine einzigartige Wahl des Stils ab, er ist traditionell animiert, die Animationen wurden alle noch von Hand gezeichnet. Die Charaktere sind anthropomorphe Tiere, wobei als Hauptfiguren ein schlauer Fuchs (Robin Hood) und ein freundlicher Bär sowie andere Tiere auftreten. Dieser stilisierte Tierlook verleiht dem Film eine zugängliche, fast märchenhafte Atmosphäre, die sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht. Die Erzählstruktur erinnert stark an klassische Erzählformen: Es gibt einen klaren Helden, einen klaren Gegenspieler, eine spannende Mission. Robin Hood versucht die Reichen abzuzocken und den Armen zu geben und die Gerechtigkeit in Nottingham wiederherzustellen. Hinzu kommen humorvolle Einlagen, die den Film sowohl spannend als auch unterhaltsam machen. Der Score von George Bruns, oft mit fröhlich nachdenklichen Melodien, unterstützt die emotionalen Höhepunkte und trägt zur charmanten, nostalgischen Stimmung bei. Die Charaktere sind klar gezeichnet, unverwechselbar und gleichzeitig sympathisch: Robin Hood wird als clever, mutig und gerecht dargestellt, seine Freundin Marian als mutig und liebevol, der Sheriff von Nottingham als erbarmungsloser Steuereintreiber, der im Auftrag des bösen Prinzen John den letzten Taler der Menschen aus ihren Taschen zieht, bis sie keine Silber- oder Goldstücke mehr übrig haben. Die Figurenzeichnung bleibt trotz der tierischen Formen menschlich nachvollziehbar, was das Mitfiebern und Identifizieren erleichtert. Robin Hood tritt als Räuber mit einem großen Herz auf. Obwohl er Diebstähle begeht, geschieht dies aus einem altruistischen Motiv, um den Armen in Nottingham zu helfen und die Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Seine Cleverness zeigt sich in seinen schnellen Einfällen, List und seinem Humor. Er nimmt es mit überlegenen Gegnern auf und setzt sich für das Wohl anderer ein. Er teilt großzügig mit den Bedürftigen und sorgt dafür, dass auch die Schwachen Unterstützung erhalten. Trotz seines Status als Dieb verfolgt er eine klare moralische Linie und kämpft gegen Korruption und Unterdrückung und für mehr Gerechtigkeit. Insgesamt ist er eine Idealfigur des gerechten Kämpfers mit dem Herz an der richtigen Stelle, menschlicher Wärme, gewissen Humor und einem starken Sinn für Freiheit, Freundschaft und Gemeinschaft. Intelligenz und Mut zeichnen ihn aus im Kampf für eine bessere Welt. Der Film schafft es Humor und Ernsthaftigkeit entsprechend zu balancieren, es gibt clevere Wortspiele und Situationskomik, aber auch ernstere Momente, in denen Gerechtigkeit, Freundschaft und Mut betont werden. Diese Mischung macht den Film zugänglich für ein breites Publikum und verleiht ihm eine nachhaltige Wirkung. Die Animation nutzt saubere Linienführung, klare Farben und eine detailliert gestaltete Mittelalterwelt in der Robin Hood seine Abenteuer erlebt. Alles in allem: Der Film setzt auf eine klare, positive Botschaft über Gerechtigkeit, Großzügigkeit und Gemeinschaftssinn. Robin Hood teilt mit den Bedürftigen, kämpft gegen Ungerechtigkeit und beweist, dass Mut und Aufrichtigkeit oft stärker sind als Gier, Macht und Reichtum. Mir hat Disneys Werk außerordentlich gut gefallen. Kann diesen Animationsfilm jedem nur ans Herz legen. 10/10
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Clash of the Titans (1981)

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Ein charmantes Fantasy Action Abenteuer vom Feinsten, das lose auf dem griechischen Perseus Mythos beruht und von Stop Motion Legende Ray Harryhausen ungemein profitiert! Desmond Davis inszenierte den Film, er schafft es die antike Perseus Erzählung in wunderbare, fantastische und fantasievolle Bilder umzusetzen, an dessen Erfolg maßgeblich auch Ray Harryhausen beteiligt gewesen ist. Der Film erzählt die Geschichte von Perseus, dem Sohn des Zeus, der sich auf eine gefährliche Mission begibt, um die Prinzessin Andromeda zu retten, die dem Seeungeheuer Kraken geopfert werden soll. Auf seinem Weg muss er mythologische Kreaturen bezwingen, erhält Unterstützung von göttlichen Geschenken wie dem geflügelten Pferd Pegasus und besiegt schließlich den Kraken mit dem Kopf der Medusa, um Andromeda zu befreien und das Königreich zu retten. Der Film ist ein Klassiker in dem Genre und fängt eine wunderbare Reise in die griechische Mythologie ein, trotz einiger Abweichungen zu den ursprünglichen antiken Erzählungen. Die Hauptrollen sind mit Harry Hamlin als Held Perseus und Judi Bowker als Prinzessin Andromeda besetzt. Der Film überzeugt durch eine klare Heldenreise: Perseus wächst vom unbeholfenen Kämpfer zum mutigen Helden auf, der mit göttlichen Hilfen eine Reihe scheinbar übermächtiger Gegner überwindet, die Prinzessin aus den Klauen des Monsters befreit und die Welt rettet. Es ist ein unverfälschte Kampf zwischen Gut und Böse. Fantasy Action pur. Zahlreiche visuelle Effekte bzw. Spezialeffekte stammen von Stop Motion Kreativkopf Ray Harryhausen. Sie gehören mit zu den Schönsten, die jemals in einem Film realisiert wurden. Harryhausens Arbeiten zeichnen sich durch sehr detailreiche Modelle, gesunder Fantasie und einer faszinierenden Inszenierung aus, die bis heute dem Film das gewisse Etwas geben. In diesem Film hat er die beängstigenden Kreaturen wie Medusa, Kraken, z.T. Calibos und andere mythologische Wesen durch seine sorgfältige Frame by Frame Technik zum Leben erweckt und dem Film einen ikonischen Retro Charme verliehen. Und da wäre noch die wundervolle Eule, die offensichtlich eine Anspielung auf R2-D2 aus dem Meisterwerk "Star Wars" ist. Harryhausens eindrucksvolle Gestaltungen der Monster und Kreaturen sind immer noch der Zeit voraus. Insbesondere die Medusa Szene, sie ist heute noch genauso großartig wie damals. Der Film lebt auch von seinen Stop Motion Animationen und macht den Perseus Mythos lebendig und zugänglich. Hinzu kommt die stellenweise recht düstere und dichte Atmosphäre. Harryhausen hat einige wirklich unvergessliche Monster und Kreaturen geschaffen und zum Leben erweckt. Das alles ganz ohne CGI, sondern mit seiner traditionellen und ausgetüftelten Stop Motion Technik, die niemals ihre Faszination einbüßen wird. Harryhausen war und ist unübertroffen darin, seinen mythologischen Figuren Leben einzuhauchen und sie mit den Schauspielern interagieren zu lassen. Die Kulissen und Kostüme sind ebenfalls fabelhaft, und die Musik komponiert von Laurence Rosenthal ist hervorragend. Sie untermalt perfekt das Geschehen auf der Leinwand. Von "Clash of the Titans" gibt es noch ein Remake, das setzt auf CGI und ist die deutlich schlechtere Verfilmung des Perseus Stoffes. Mich hat das Original nach wie vor, trotz kleinerer inszenatorischer Schwächen, immer noch prächtig unterhalten. 8-10/10

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Jason and the Argonauts (1963)

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Unter der Regie von Don Chaffrey ist ein äußerst interessanter Abenteuerfilm im alten Stil entstanden, von dem ein unglaublicher Retro Charme ausgeht, dessen Spezialeffekte von Stop Motion Legende Ray Harryhausen stammen. Der Film basiert auf der Argonautensage der griechischen Mythologie und handelt von Jasons Suche nach dem berühmten Goldenen Vlies. Die Handlung ist kurz erzählt, Jason begibt sich mit einer Handvoll treuer Gefährten auf eine fantastische, gefahrvolle Reise, um das magische Goldene Vlies zu finden, mit dem er den ihm rechtmäßig zustehenden Thron zurückerobern kann. Die Heldenreise führt Jason und seine Gefährten durch gefährliche Gewässer und zu Land, wo sie gegen Naturgewalten, Monster und Kreaturen sowie gegen scheinbar unüberwindbare, übernatürliche Kräfte antreten müssen. Der Verfilmung gelingt es eine klare, archetypische Heldenreise zu erzählen. Jason wird als mutiger, zielstrebiger Anführer eingeführt, der vor großen Prüfungen steht. Der Film verbindet antike Erzählungen mit spektakulären visuellen Effekten. Die Argonauten Abenteuer werden durch imposante Settings, faszinierenden Landschaftsaufnahmen, tollen Kulissen und Kostümen und insbesondere durch die fantastischen Stop Motion Spezialeffekte von Ray Harryhausen lebendig, die den Zuschauer sofort in den Bann ziehen bzw. in die antike Mythologie eintauchen lassen. Die dazu passende Filmmusik wurde von Bernard Herrmann komponierte, sie untermalt die Bilder auf wunderbare Weise. Ray Harryhausens Stop Motion Spezialeffekte sind zweifellos das Highlight dieses Films. Sie sind sehr aufwendig gestaltet und nicht nur rein optisch, sondern auch technisch betrachtet äußerst beeindruckend. Kreativität und Originalität zeichnen seine Arbeiten aus. Sie sind pure Magie. In "Sindbads siebter Reise" entwarf Ray Harryhausen ein schwertkämpfendes Skelett, hier sehen wir nun eine kleine Armee davon. Die legendären und ikonischen Skelettkrieger, die mit realen Menschen im Kampf interagieren, bilden den absoluten Höhepunkt des Films und sind ein Paradebeispiel ohnegleichen für die immense Arbeit, die hinter diesen komplexen Animationen steckt. Diese sich über mehrere Minuten erstreckende lange Szene, für dessen Realisierung allein Ray Harryhausen über 4 Monate harte und kreative Arbeit gebraucht hat, ist übrigens seine persönliche Lieblingsszene. Neben dem fantastischen Angriff der Skelettkrieger gibt es im Film noch ganz andere faszinierende Kreationen von Ray Harryhausen zu bestaunen. Allen voran Talos, der gigantische Krieger aus Bronze, der zum Leben erwacht und dabei erstaunlich lebendig wirkt. Hinzu kommen 2 bösartige Harpyien und noch eine wirklich giftige 7-köpfige Hydra, neben anderen Kreaturen und Monstern. Auch sie wurden von Ray Harryhausen in harter und kreativer Arbeit zum Leben erweckt. Sie tragen alle maßgeblich zur Pracht des Films bei und werten Chaffrey Werk unglaublich auf. Für mich gehören die Skelettkrieger Stop Motion Animationen - neben der absolut beeindruckenden und beängstigenden Medusa Sequenz in "Clash of the Titans" - zu den besten Arbeiten von Ray Harryhausen. Alleine deshalb muss man den Film mal gesehen haben. Seine Stop Motion Animationen besitzen eine ganz besondere visuelle Anziehungskraft, die man in zeitgenössischen Filmen vergeblich sucht. Die menschlichen Charaktere im Film tragen zur Dramaturgie bei, auch wenn einige Figuren eher funktional als psychologisch vertieft sind. Trotzdem versprüht das Werk jede Menge Charme und hat selbst bis heute nichts an seiner Faszination verloren. 8-10/10

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The Thief of Bagdad (1940)

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Meisterwerk! Ein eindrucksvolles Märchen aus Tausendundeiner Nacht über einen guten Prinzen und einen Dieb, die zusammen den Kampf gegen einen bösen Wesir mit mächtigen magischen Kräften aufnehmen um eine entführte Prinzessin zu retten und die Welt! Es ist ein exzellentes Remake des gleichnamigen Stummfilmklassikers von 1924, das mir noch besser gefällt als das Original. Der Film ist voller fantastischer und magischer Elemente und zählt zu den besten Fantasyfilmen aller Zeiten. Der Film ist ein wahres Juwel und bringt Jung und Alt immer noch zum Staunen. Alexander Korda von London Films produzierte den Film. Er wurde zuerst in einigen Studios in Großbritannien gedreht, mit Kriegsausbruch wurde die Produktion nach Amerika verlegt. Unter der Regie von sage und schreibe 6 Regisseuren: Ludwig Berger, Michael Powell, Tim Whelan, Alexander Korda, Zoltan Korda, und William Cameron Menzies, ist ein absoluter Klassiker der Filmgeschichte entstanden. Trotz 6 unterschiedlicher Regisseure wurde eine fantastische Inszenierung erschaffen, die erstaunlich stimmig wirkt. Das Drehbuch mit seinen starken Dialogen schrieb Lajos Biro und Miles Malleson. Die stimmungsvolle Musik komponierte Miklós Rózsa, sie unterstreicht die orientalische Atmosphäre im Film. Was das Werk auszeichnet ist seine eindrucksvolle Bildsprache und seine Hauptcharaktere, die eine unglaublich starke und charmante Performance an den Tag legen und dem Zuschauer sehr schnell ans Herz wachsen. "The Thief of Bagdad" fängt wie kein anderer Film die Qualität und die wahre Atmosphäre der Märchen aus Tausendundeiner Nacht ein. Das Remake von 1940 gehört mit zu den schönsten Märchen der Filmgeschichte und ist die beste aller Tausendundeiner Nacht Verfilmungen, die jemals gedreht bzw. visuell umgesetzt wurden. Farbenpracht, Technik und Kostümierung sind aufwändig eingesetzt, um das Publikum in spektakuläre Märchen und Fantasiewelten zu entführen und die Handlung ist mit einigen unerwarteten Wendungen spannend erzählt. Der Film lässt den Zuschauer vollständig in eine Welt voller Fantasie, Romantik und Magie eintauchen und fesselt ihn bis zum Schluss. Dank Lawrence W. Butler und Tom Howard bietet der Film erstklassige Spezialeffekte, die nichts an ihrer Faszination verloren haben. Der Film markiert den ersten großen Einsatz der Bluescreen Technik in der Filmindustrie, was vor allem Lawrence W. Butler zu verdanken ist, der sie maßgeblich prägte. Die Spezialeffekte im Film waren zu jener Zeit sehr fortschrittlich und perfektioniert und mussten einen immensen Impact auf die Zuschauer im damaligen Kinosessel ausgeübt haben. Viele nachfolgende Filme wurden von diesem Werk maßgeblich beeinflusst. Der Film gewann 3 Oscars für beste Kamera, bestes Szenenbild und beste Spezialeffekte. Ich hätte noch wesentlich mehr Oscars für dieses fantastische Werk vergeben. "The Thief of Bagdad" gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Es gibt nur ganz wenige Filme im Universum, die so magisch, charmant und fantasievoll sind wie dieser hier. Die opulente Ausstattung und die atemberaubende Kameraführung machen den Film noch schöner. Die Musik ist hinreißend und der Film bietet zahlreiche spektakuläre Momente. Es gibt einen fliegenden Teppich, ein mechanisches Pferd, einen riesigen Djinn, ein magisches Kristallauge und einen bösen Zauberer zu bestaunen. Und vieles mehr, das alles absolut glaubwürdig und atemberaubend in Szene gesetzt ist. Hinzu kommen die exzellenten schauspielerischen Leistungen aller Hauptcharaktere, allen voran die beiden Freunde und Helden der Geschichte John Justin als Ahmad und Sabu als Abu und selbstverständlich Conrad Veidt als Jaffar, der den bösen Wesir in purer Perfektion darstellt. June Duprez als wundervolle Prinzessin, Rex Ingram als kolossaler Djinn und Miles Malleson als Sultan gesellen sich hinzu. Sie alle bilden die tragenden Säulen des Film und werten ihn allein durch ihre starke Performance unglaublich auf. Der Film versprüht jede Menge Charme. Ich kann das Werk jedem nur wärmstens empfehlen. Die deutsche Synchronisation ist sehr gut. Wahrlich ein Klassiker, der Filmgeschichte geschrieben hat. 10/10

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alex_wintermute
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Re: Welchen Film habt ihr zuletzt geschaut

Beitrag von alex_wintermute »

Tales from the Multiverse (2020)

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Ein sehr skurriler, eigenwilliger und preisgekrönter Animationsfilm von Tumblehead Animation Studio bei dem Magnus Igland Møller, Peter Smith und Mette Tange gemeinsam Regie führten. Die Handlung ist kurz erzählt, Gott ist alleinerziehender Vater und Hobbyprogrammierer. Er arbeitet am Projekt Erde und die Geschichte nimmt einen äußerst interessanten und bizarren Lauf. Der Kurzfilm ist eine Satire auf unsere Schöpfungsmythen und enthält einige witzige Anspielungen und Verweise auf Glaubensvorstellungen, Popkultur und wissenschaftliche Themen. Der Kurzfilm kommt ohne jegliche Dialoge aus. Innovation, Kreativität und Originalität zeichnen das Werk aus. Den ca. 7-minütigen Kurzfilm gibt es hier zu sehen: www.youtube.com/watch?v=CmQneYZvTlM Mich hat das Werk von Magnus Igland Møller, Peter Smith und Mette Tange prächtig unterhalten. 10/10

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alex_wintermute
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Re: Welchen Film habt ihr zuletzt geschaut

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Quest (1996)

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Ein exzellenter Animationsfilm von Thomas Stellmach und Tyron Montgomery aus Deutschland, der zu seiner Zeit an der Kunsthochschule Kassel entstanden ist. Regie führte Tyron Montgomery und als Produzent, Storyteller und für die Animation war Thomas Stellmach zuständig. Der Kurzfilm handelt von einer Figur, die sich auf der Suche nach Wasser durch Welten aus Papier, Stein und Eisen begibt und es am Ende auf tragische Weise findet. "Quest" wurde auf unzähligen Filmfestivals gezeigt, erhielt weltweit zahlreiche Auszeichnungen und gewann 1997 sogar einen Oscar als Bester animierter Kurzfilm. Den Animationsfilm gibt es auf Youtube zu bestaunen und er hat trotz seines stolzen Alters nichts an seiner Faszination verloren. Hier der Link: www.youtube.com/watch?v=uTyev6OaThg Es gibt keinerlei Dialoge im Film. Innovation, Kreativität und Originalität zeichnen das Werk aus. Mir hat der Kurzfilm von Thomas Stellmach und Tyron Montgomery äußerst gut gefallen. 9-10/10

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