DIE RACHE DES VAMPIRS . Roberto Mauri

Nebelige Schlösser, mystisches Gewirre und blutiges Gekröse.
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Prisma
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DIE RACHE DES VAMPIRS . Roberto Mauri

Beitrag von Prisma »



DIE RACHE DES VAMPIRS


● LA STRAGE DEI VAMPIRI / DIE RACHE DES VAMPIRS (I|1962)
mit Dieter Eppler, Walter Brandi, Graziella Granata, Gena Gimmy, Alfredo Rizzo, Edda Ferronao, Maretta Procaccini, Carla Foscari und Luigi Batzella
eine Produktion der Mercurfilm | im Verleih der Goldfilm
ein Film von Roberto Mauri

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»Du bist Teil eines größeren Geheimnisses!«


Graf Wolfgang (Walter Brandi) lädt zu einem feudalen Empfang auf sein kürzlich fertiggestelltes Schloss ein. Seine schöne Frau Louise (Graziella Granata) ist die perfekte Gastgeberin, bis sie von einem Fremden (Dieter Eppler) in ihren Bann gezogen wird, der ebenfalls im Schloss wohnt, jedoch im Kellergewölbe in einem Sarg. Da der Vampir jüngst vor einem aufgebrachten Mob fliehen musste, der dessen Gefährtin ins Jenseits befördert hat, ist er auf der Suche nach einer neuen Anwärterin, die er mit der anmutigen Louise auch gefunden hat. Als sich ihr Gesundheitszustand zusehends verschlechtert, sucht Wolfgang Rat bei Dr. Nietzsche (Luigi Batzella) in Wien. Dieser klärt den ungläubigen Grafen über die Gefahren auf …

Denkt man an besonders ikonische Auftritte von Vampiren oder des Grafen Dracula in entsprechenden Filmen, fallen einem Namen wie Bela Lugosi, Gary Oldman und vor allem Christopher Lee ein. In dieser von Roberto Mauri inszenierten Geschichte wird man jedoch mit einer völlig unwirsch wirkenden Besetzung für die Titelrolle konfrontiert, die dem gebürtigen Stuttgarter Dieter Eppler anvertraut wurde. Eppler, der sein Können seit Jahren hauptsächlich beim Modellieren zwielichtiger Charaktere unter Beweis stellen konnte, liefert hier die simple Gewissheit, dass es sich bei ihm um ein klassisches Allround-Talent handelt, welches jede Rolle glaubhaft interpretieren konnte. Sein Credit wirkt neben all den italienischen Schauspielern auf den ersten Blick schon einmal eigentümlich genug, um das Interesse an seiner Performance wecken zu können. Spätestens, als er vor einem aufgebrachten Mob mit Mistgabeln und Fackeln auf der Flucht ist, wird ersichtlich, dass alleine die Optik schon einmal stimmt. Eppler transportiert Eleganz und im Rahmen der nötigen Körpersprache Finesse, seine aus der Klassik des Genres entliehenen Szenen, als er beispielsweise aus seinem Sarg steigt oder die Frau seiner Wahl mit Lyrik und Aura umgarnt, machen einiges her und verweisen auf eine besondere Atmosphäre, die dem Verlauf in schöner und kontrastreicher Schwarzweiß-Fotografie zuteilwird. Hat man es bei "Die Rache des Vampirs" also mit einem vergessenen Klassiker des Genres zu tun? Bei der Betrachtung des Verlaufs kann man leider nicht so weit gehen, denn dafür fehlt es der laufenden Geschichte an Substanz. Was sich wie ein niederschmetternder Kritikpunkt anhört, muss unterm Strich jedoch gar keiner sein, denn der Film baut ein ganz faszinierendes Flair auf, welches sich vielleicht am besten mit poetischen Einschlägen beschreiben lässt. Die Story hingegen ist von ihrer bloßen Architektur her hinlänglich bekannt und nimmt sich die Zeit, visuelle Referenzen zu liefern. Licht und Schatten, Traum und Realität, Trance und Vigilanz, Leben und Tod; das alles erschließt sich in speziellen Intervallen hochinteressant, meist aber wellenförmig und gemächlich. Dennoch vermag der Film seine Zuschauer an sich zu binden, denn das Angebot baut eine spezielle Anziehungskraft auf.

Als wäre man vom Vampir selbst hypnotisiert worden, folgt man dem eigentlich eintönigen Geschehen dennoch gespannt und dauerhaft, trotz Vorahnungen und Gewissheiten. Die Kamera-Arbeit von Ugo Brunelli liefert hier eine Art Pionierarbeit und kreiert Strecken von opulenten Bildern, die zu besonderen Aushängeschildern werden. Neben Dieter Eppler, dessen Leistung ebenso überraschend wie überzeugend wirkt, agieren bekannte italienische Partner, die ihren deutschen Kollegen jedoch nie zum Fremdkörper degradieren werden. Die betörende, aus Rom stammende Graziella Granata, kann hier als Besetzungs-Coup gehandelt werden, da sie die für den Film erforderliche Ausstrahlung mitbringt, die mit derjenigen des Films fusioniert, wenn man so will, eine Symbiose eingeht. Ihre außerordentliche Präsenz wird durch Großaufnahmen ihres klassisch schönen Gesichts befeuert. Ihr Filmehemann Walter Brandi verblasst bei so viel Fokus und kann sich nicht recht aus Licht und Schatten herausspielen, was noch zusätzlich durch die überzeugende Performance von Luigi Batzella unterstrichen wird. Reißt man die Geschehnisse des Verlauft herunter, hätte das Material gut und gerne innerhalb von 30 Minuten abgehandelt werden können, so käme es einem zumindest vor, wenn auf der anderen Seite nicht so viele beeindruckende Entschädigungen geliefert werden würden. Die Jagd nach dem blutdürstigen Vampir nimmt klassische Züge an, die Möglichkeiten, ihn zu eliminieren, erscheinen altbekannt. Tolle Szenen entstehen, wenn Dieter Eppler seine Opfer wie ein zärtlicher Liebhaber eine Angebetete heimsucht, um Szenen der Ästhetik zu kreieren. Die falschen Vampirzähne springen zwar insgesamt prominent in die Linse und fabrizieren etwas Komik, aber fairerweise sollte festgehalten werden, dass man derartige Eindrücke schon wesentlich dilettantischer serviert bekam. Die Mixtur aus gleitender Eleganz und narrativer Ökonomie ist im Großen und Ganzen ansprechend präsentiert und kann dem zugeneigten Publikum bestimmt Wohlwollen abgewinnen. So wird die "Die Rache des Vampirs" zu einer interessanten Reise durch visuell gehobene Sphären, die man im Vorfeld möglicherweise erst gar nicht erwartet hätte. Was schlussendlich bleibt, ist jedoch nur ein ordentlicher Gruselfilm mit reinkarnierter Seele.

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Sid Vicious
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Re: DIE RACHE DES VAMPIRS . Roberto Mauri

Beitrag von Sid Vicious »

Ui, Mauri und Gothic-Horror. Das klingt auf jeden Fall interessant, da er bestimmt an allen Ecken und Ende Geld eingespart hat. Ich kenne ein paar Fime von ihm. Nichts Besonderes, aber Erträgliches (ZARAK, MADELEINE, DJANGOS LETZER GRUß) und auch Witziges (NACKT UNTER AFFEN) oder Merkwürdiges (ER SÄTE DEN TOD).
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Prisma
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Re: DIE RACHE DES VAMPIRS - Roberto Mauri

Beitrag von Prisma »

Sid Vicious hat geschrieben:
Sa., 29.11.2025 09:56
Ui, Mauri und Gothic-Horror. Das klingt auf jeden Fall interessant, da er bestimmt an allen Ecken und Ende Geld eingespart hat.

Ich schätze mal, dass der Film über kein riesiges Produktionsbudget verfügt hat, aber das macht sich im hier nicht unbedingt bemerkbar. Ich finde den Film sehr atmosphärisch und aus mehreren Gründen interessant, auch wenn sich da ordentlich Leerlauf eingeschlichen hat. Ich war vor allem gespannt auf die Performance von Dieter Eppler, die richtig gelungen ist. Dem Vernehmen nach sollte er ja ursprünglich einen anderen Film drehen, der nicht realisiert wurde, und war deswegen hier überhaupt nicht vorgesehen. Für die Produktion ist dieser Rollentausch aber ein Gewinn.

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